Zur Lage der Kirche – Frage 58

Junge Männer, besonders jene, die Weltpriester werden möchten, tun sich schwer, ein Priesterseminar oder eine Diözese zu finden


Don Michael Gurtner: Zur Lage der Kirche

Von Don Micha­el Gurtner*

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Fra­ge: Ist dies ein Grund, wes­halb es so weni­ge Prie­ster­be­ru­fun­gen heu­te gibt?

Ant­wort: Zum Teil sicher­lich auch. Ich den­ke aber nicht, daß es wirk­lich so weni­ge Prie­ster­be­ru­fun­gen gibt, aber die mei­sten der guten Leu­te kom­men eben gar nicht erst ans Ziel. Vie­le Män­ner fra­gen sich, wo sie denn heu­te noch ein­tre­ten kön­nen, und fin­den ein­fach kein geeig­ne­tes Semi­nar bzw. Bis­tum mehr. Gute Insti­tu­te, spe­zi­ell tra­di­ti­ons­ori­en­tier­te, wer­den syste­ma­tisch ver­folgt oder ganz auf­ge­löst. Die letz­ten guten Bischö­fe wur­den eben­so syste­ma­tisch durch moder­ni­stisch gesinn­te ersetzt, die alles ändern und kei­nen Sinn für den über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben mehr haben. Wo soll man da noch hin­ge­hen? Auch die Semi­na­re der Pius­bru­der­schaft sind ver­ständ­li­cher­wei­se nicht für jeder­mann geeig­net, ein­fach vom Lebens­rhyth­mus her: Sie sind für vie­le, die Welt­prie­ster wer­den wol­len, zu ordens­ähn­lich und zu stark auf Gemein­schaft aus­ge­rich­tet. Sie sind ein­fach kei­ne klas­si­schen Pfar­rer. Von daher schei­tern vie­le bereits am Ein­tre­ten: Es gibt kaum noch geeig­ne­te Bis­tü­mer, wo man getrost und ver­trau­ens­voll hin­ge­hen kann und wo man eine gesun­de und gedie­ge­ne Aus­bil­dung bekommt und eine Per­spek­ti­ve hat, dann auch als Säku­lar­kle­ri­ker wir­ken zu können.

Auch vom rein intel­lek­tu­el­len Niveau her ist das Theo­lo­gie­stu­di­um heu­te für einen nor­mal begab­ten jun­gen Mann eher abschreckend als anzie­hend: Man läßt es irgend­wie über sich erge­hen, weil man halt den Abschluß braucht. Gera­de jun­ge Men­schen haben das natür­li­che und gesun­de Bedürf­nis, in deren jewei­li­gem Stu­di­um auch intel­lek­tu­ell etwas zu lei­sten – und das ist im Theo­lo­gie­stu­di­um heu­te nicht mehr wirk­lich mög­lich. Rein intel­lek­tu­ell-aka­de­misch gespro­chen ist es sehr viel befrie­di­gen­der für einen jun­gen Men­schen, Natur­wis­sen­schaf­ten, Jus oder Medi­zin zu stu­die­ren. Auch eine Ver­tie­fung im Glau­ben darf man sich nicht erwar­ten, weil man den katho­li­schen Glau­ben nicht ken­nen­lernt bzw. nicht ver­mit­telt bekommt. Im Gegen­teil: Vie­le Vor­le­sun­gen bestehen eher dar­in, zu erklä­ren, wes­halb alles falsch ist, was Gott offen­bar­te und die Kir­che des­halb bis­lang lehr­te. Es ist ein wenig so, als wür­de man im Medi­zin­stu­di­um ler­nen, wes­halb die Schul­me­di­zin gar nichts hilft, son­dern die Homöo­pa­thie und die alten Scha­ma­nen und Medi­zin­män­ner doch viel mehr bringen.

Auch die rein beruf­li­chen Per­spek­ti­ven sind eher abschreckend: Wer nicht per­fekt in das ste­ri­le, glau­bens­ar­me Sche­ma einer eher rein sozi­al­psy­cho­lo­gisch ori­en­tier­ten Kir­che paßt, weiß genau, daß er im „beruf­li­chen Umfeld“, also auf Ebe­ne der Pfar­rei und des Bis­tums, mit erheb­li­chen und dau­er­haf­ten Schwie­rig­kei­ten zu rech­nen hat. Dazu kommt, daß man den Prie­stern, gera­de auch den Pfar­rern, suk­zes­si­ve mehr und mehr Kom­pe­ten­zen weg­nimmt und ent­zieht. War frü­her der Emp­fang der Wei­he eine Vor­aus­set­zung für vie­le Auf­ga­ben in der Kir­che, so ist sie heu­te für die­sel­ben Ämter und Auf­ga­ben nicht sel­ten ein Hin­der­nis gewor­den: bei­na­he als ob es etwas Schlech­tes sei, Prie­ster zu sein. Vie­le Auf­ga­ben, etwa inner­halb eines Bis­tums oder auch in ande­ren Berei­chen wie etwa im aka­de­mi­schen Sek­tor, wur­den einst von Prie­stern aus­ge­übt, wäh­rend heu­te die­sel­ben Ämter Prie­stern von vorn­her­ein ver­schlos­sen blei­ben, weil man dezi­diert Lai­en möch­te und nur ja kei­ne Prie­ster. Das betrifft etwa Lehr­stüh­le, zahl­rei­che Auf­ga­ben in der Kir­chen­mu­sik, das Amt des Kanz­lers, sogar Per­so­nal­chefs des Kle­rus sind teils von vorn­her­ein Lai­en, und vie­le ande­re inter­es­san­te Auf­ga­ben für eine Diö­ze­se, die sich als Kle­ri­ker­ver­band eben selbst ver­wal­tet, ebenso.

Dadurch redu­ziert sich das poten­ti­el­le Auf­ga­ben­feld eines Prie­sters bei­na­he nur noch auf die Pfar­rei, und gera­de dort wird sein Wirk­be­reich immer wei­ter redu­ziert: Ihm blei­ben immer weni­ger Lei­tungs­funk­tio­nen und auto­no­me Ent­schei­dungs­be­fug­nis­se, wel­che aber wich­tig sind, um frucht­bar wir­ken zu kön­nen und nicht zum aus­füh­ren­den Organ fremd­be­stimm­ter Ent­schei­dun­gen zu wer­den, die mit­un­ter nicht mit dem Glau­ben kon­form sind. An die Stel­le des Pfar­rers als Lei­ter der Pfar­re tre­ten ver­mehrt „Pfar­rei­lei­ter“, angeb­lich um ihn für die Seel­sor­ge zu ent­la­sten – doch para­do­xer Wei­se ist er gera­de in der Seel­sor­ge de fac­to immer häu­fi­ger stark ein­ge­schränkt (es gibt Fäl­le, in denen der Prie­ster vom Lai­en­seel­sor­ger des Spi­tals die Erlaub­nis ein­ho­len muß, die Kran­ken und Ster­ben­den besu­chen und die letz­te Ölung spen­den zu dür­fen – und ihm dies unter Beru­fung auf Lai­en­kom­pe­ten­zen mit­un­ter ver­wehrt wird). Die Kan­zel muß er man­cher­orts regel­mä­ßig einem „pasto­ra­len Mit­ar­bei­ter“ über­las­sen, selbst in der Lit­ur­gie wird ihm mit­un­ter von Lai­en vor­ge­schrie­ben, was er wie zu tun und zu unter­las­sen hat. Sogar die Mög­lich­keit der täg­li­chen Zele­bra­ti­on ist nicht mehr über­all eine Selbst­ver­ständ­lich­keit, und man­cher­orts wird es ihm ver­wehrt, Beer­di­gun­gen zu hal­ten, um die Lai­en­mit­ar­bei­ter nicht „zu ver­drän­gen“ und ihnen ja ihren Platz zu las­sen. Ver­mehrt betrifft dies neu­er­dings auch Tau­fe und Trau­ung, die immer öfters von „Beauf­trag­ten“ gespen­det wer­den. Der Prie­ster wird in immer mehr sei­ner urei­ge­nen Funk­tio­nen ersetzt und aus sei­nen Auf­ga­ben gedrängt. Die klas­si­sche Pfar­rei, so wie sie frü­her selbst­ver­ständ­lich war, wird immer seltener.

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Die aktu­el­le Kolum­ne erscheint jeden Samstag.


Das Buch zur Rei­he: Don Micha­el Gurt­ner: Zur Lage der Kir­che, Selbst­ver­lag, 2023, 216 Seiten.


Bis­her erschienen:

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4 Kommentare

  1. Hier in Aná­po­lis (Bra­si­li­en) gehen die Uhren noch anders, eben katho­lisch! Wir haben jedes Jahr einen eucha­ri­sti­schen Jugend­kon­gress, Beich­ten (gera­de in der Fasten­zeit) bis zur Erschöp­fung, ein vol­les Semi­nar, usw. usw.

  2. Wie immer lesens­wert, aber an einer Stel­le falsch: Fast alle Prie­ster der FSSPX wir­ken als “Welt­prie­ster”. Gera­de weil die Aus­bil­dung, Spi­ri­tua­li­tät und Dis­zi­plin ordens­ähn­lich ist. funk­tio­niert es so erfolg­reich und gut…die Semi­na­ri­sten neh­men das mit in den All­tag. Z. B. gibt es kei­ne ver­ein­sam­ten FSSPX-Prie­ster, da immer min­de­stens 3 eine Gemein­schaft bil­den etc.

  3. Und wie immer: Nichts als die Wahr­heit. Die Fra­ge ist nur: War­um lässt ihr euch das gefal­len, lie­be Mit­brü­der! Macht doch end­lich den Mund auf und kämpft – für Chri­stus und sei­ne Kirche!

  4. Das Ein­drin­gen der meist „pro­gres­si­ven“ Lai­en in alle kirch­li­chen Berei­che ist eine Kata­stro­phe. Und wie im poli­ti­schen Bereich sind ideo­lo­gi­sche Akti­vi­sten auch in der Kir­che am aktiv­sten. Beson­ders schäd­li­che Aus­wir­kun­gen haben hier die ideo­lo­gi­schen Frau­en, ange­fan­gen bei den alten 68érn, über die Femi­ni­sten, die Selbst­dar­stel­ler auf der Büh­ne des Altar­rau­mes, bis zu den Müt­tern, die ihre Mäd­chen als Mini­stran­tin­nen am Altar und als Kin­der­lek­to­ren am Ambo sehen möch­ten. Jun­gen als Mini­stran­ten sol­len ihre mög­li­che Beru­fung zum Prie­ster leich­ter erken­nen kön­nen, Mäd­chen haben nie eine Beru­fung. Lek­to­ren sol­len nicht nur die Lese­fä­hig­keit der drit­ten Klas­se son­dern die Schrift­stel­le ver­stan­den haben und sie authen­tisch der Gemein­de vor­tra­gen wol­len. Und die Beklei­dung der Frau­en und Teen­ager ist ganz beson­ders im Som­mer oft unsitt­lich. Der drei­fal­ti­ge Gott ist auch ein Gott der Schön­heit, wie wir unschwer an der Blü­ten­welt sehen kön­nen, die er uns geschenkt hat. Spricht man jun­ge Mädchen/​Frauen auf unpas­sen­de Klei­dung freund­lich an, kann man auch hören, dass sie das nicht gewusst haben, dass ihnen das noch nie­mand gesagt hat. Eben­so unpas­send sind abge­stell­te Schrif­ten­stän­der im Beicht­stuhl und das abge­leg­te gro­ße Kreuz der Apsis für einen Neu­an­strich der Wand auf dem Boden .in einer absei­ti­gen Ecke. Wir müs­sen wie­der ein Gespür für den Sakral­raum ent­wickeln. Das wäre eine Auf­ga­be der Frau­en anstatt den woken Zeit­geist in die Kir­che zu tragen.

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