Zur Lage der Kirche – Frage 4

60 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil – Eine Analyse


Don Gurtner Zur Lage der Kirche

Von Don Micha­el Gurtner*

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Fra­ge 4: Und wel­ches sind dann die Grün­de für die­se Lit­ur­gie und damit zusam­men­hän­gend auch für die­ses Kir­chen­bild, die von vie­len als „nost­al­gisch“ kri­ti­siert werden?

Ant­wort: Nun, es geht um die Sache an sich, um einen gro­ßen Selbst­wert, der damit ver­bun­den ist und den man sowohl zum Lobe Got­tes als auch zum Nut­zen für die Men­schen selbst unbe­dingt erhal­ten muß. Die klas­si­sche Form der Lit­ur­gie ist ein­deu­tig und für alle sicht- und wahr­nehm­bar eine gott­zen­trier­te Lit­ur­gie. In ihr tritt deut­lich zuta­ge, daß ihre Form sowohl in ihren Tex­ten als auch in ihrer äuße­ren Aus­fal­tung eine dem inne­ren Wesen der Lit­ur­gie voll­kom­men ent­spre­chen­de ist. Im letz­ten ist es die­se voll­kom­me­ne Ent­spre­chung von Form und Inhalt der klas­si­schen Lit­ur­gie, wel­che so sehr für sie spricht. In ihr sind alle Aspek­te ent­hal­ten, und das auch noch in einem per­fek­ten Gleich­ge­wicht. Nichts in ihr ist zufäl­lig, alles hat eine tie­fe­re Bedeu­tung, und wenn man nur danach fragt, so erschlie­ßen sich uns tie­fe theo­lo­gi­sche Erkennt­nis­se. In ihr ste­hen wirk­lich Gott, sei­ne Mensch­wer­dung und sein Kreu­zes­op­fer im Zen­trum. Der klas­si­schen Mes­se nimmt man es wirk­lich ab, daß sie in ihrem tief­sten Inne­ren ein Akt höch­ster Anbe­tung ist – der Mensch betet Gott an, und der Sohn den Vater. Hier wird erst so rich­tig glaub­haft, was die Kir­che über die hei­li­ge Mes­se sagt: Das­sel­be Kreu­zes­op­fer von Gol­go­tha wird auf ande­re, unblu­ti­ge Art gegen­wär­tig, das Opfer voll­zieht sich und wird dar­ge­bracht, Chri­stus selbst wird wesen­haft gegenwärtig.

Frei­lich gilt das­sel­be prin­zi­pi­ell auch für die neue Lit­ur­gie, aber in der klas­si­schen Form der Lit­ur­gie ist es viel unmit­tel­ba­rer, weil alles auf das Zen­trum hin­führt, wäh­rend in der neu­en Form vie­le wich­ti­ge Din­ge ein­fach aus­ge­las­sen oder stark redu­ziert und abge­än­dert sind oder auch Gefahr lau­fen, vom Kern weg­zu­füh­ren. In der neu­en Lit­ur­gie bleibt vie­les eben nur sehr theo­re­tisch und abstrakt, was in der alten prak­tisch kon­kret und offen­kun­dig wird.

Die alte Lit­ur­gie erleich­tert es einem unge­mein, das, was die Kir­che pre­digt, auch wirk­lich zu glau­ben, wäh­rend die neue (wobei es hier eine star­ke Band­brei­te gibt, wie sie tat­säch­lich zele­briert wird) mit­un­ter den Zwei­fel auf­kom­men las­sen kann: Stimmt nun das­je­ni­ge, was ich in der Lit­ur­gie sehe, oder stimmt das­je­ni­ge, was ich über den Glau­ben höre und lese? Es ist näm­lich divergent.

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Die aktu­el­le Kolum­ne erscheint jeden Samstag.


Das Buch zur Rei­he: Don Micha­el Gurt­ner: Zur Lage der Kir­che, Selbst­ver­lag, 2023, 216 Seiten.


Bis­her erschienen:

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1 Kommentar

  1. Dan­ke für die­se wun­der­ba­re Rei­he mit so hilf­rei­chen Erklä­run­gen und Klar­stel­lun­gen. HH Don Gurt­ner hat mit „Selbst­wert“ etwas ganz Wich­ti­ges ange­spro­chen: Die klas­sisch-römi­sche und somit apo­sto­lisch über­lie­fer­te Lit­ur­gie erschafft in den See­len, wie in der Kir­che „katho­li­schen Selbst­wert“, weil sie voll­kom­men ist. Das „Men­schen­ge­mach­te“ der neu­en Lit­ur­gie bringt kei­nen Selbst­wert her­vor, weil es unvoll­kom­men ist und das ver­un­si­chert die Gläu­bi­gen zutiefst in die See­le hin­ein. Wenn der Selbst­wert fehlt, kommt es auch zum Selbst­hass, die­ser wie­der­um bedingt über wei­te Tei­le Selbst­zer­stö­rung. Genau die­ses Phä­no­men geht in der moder­ni­stisch gelei­te­ten Amts- und Kon­zils­kir­che seit 60 Jah­ren um. Es sagt nie­mand mehr mit Stolz: „Ich bin katho­lisch!“. In alten Andachts­bü­chern steht immer in sehr ähn­li­chen Wor­ten noch selbst­ver­ständ­lich beim Mor­gen­ge­bet in den ersten Anru­fun­gen zu Gott: „Ich dan­ke Dir, oh Herr, daß Du mich in die katho­li­sche Kir­che mit der Tau­fe beru­fen hast und mein gröss­tes Glück auf Erden und im Him­mel ist es, katho­lisch zu sein…“ – Wer wür­de das heu­te noch so beten und emp­fin­den, da die Gläu­bi­gen sich schon eher ent­schul­di­gen vor der Welt, weil sie katho­lisch sind.…

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