Hausliturgiker des Papstes greift Summorum Pontificum an

Andrea Grillo
Der "Liturgiker des Papstes", Andrea Grillo", schießt sich auf den neuen italienichen Familienminister Lorenzo Fontana ein. Das No-Go-Maximum Fontanas: Er ist gegen Abtreibung, Masseneinwanderung, Homo-Ehe, Gender-Ideologie und besucht die Heilige Messe im überlieferten Ritus.

(Rom) In der katho­li­schen Kir­che herrscht ein har­ter, ideo­lo­gi­scher Kampf. Er wird seit Jahr­zehn­ten von jener Sei­te in die Kir­che hin­ein­ge­tra­gen, die in der Ver­gan­gen­heit unter dem Signet Moder­nis­mus und Pro­gres­sis­mus auf­ge­tre­ten ist. Den jüng­sten Beleg lie­fer­te der ita­lie­ni­schen Lai­en­theo­lo­ge Andrea Gril­lo mit einem Radi­kal­an­griff gegen Summorum Pon­ti­fi­cum und den neu­en ita­lie­ni­schen Familienminister. 

Gril­lo lehrt Lit­ur­gie­wis­sen­schaf­ten am Päpst­li­chen Athe­nä­um Sant’Anselmo des Bene­dik­ti­ner­or­dens in Rom und ist bekannt, für sei­ne har­ten Angrif­fe gegen die Tra­di­ti­on und alles, was sich tat­säch­lich oder ver­meint­lich einer „Moder­ni­sie­rung“ der Kir­che im Weg steht. Sein Haupt­feind ist seit Jah­ren das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI. Sei­ne wie­der­holt geäu­ßer­te Befürch­tung: Die lit­ur­gi­sche Revo­lu­ti­on Bugni­nis unter Paul VI. könn­te rück­gän­gig gemacht wer­den. In Wirk­lich­keit ver­sucht Gril­lo, der die tat­säch­li­chen Mehr­heits­ver­hält­nis­se natür­lich kennt, die zar­te Pflan­ze der Tra­di­ti­on zu zer­tre­ten. Je schnel­ler, desto bes­ser, denn: „Weh­ret den Anfängen“.

Grillos Angriff gegen Kardinal Sarah

Vor einem Jahr beschimpf­te Gril­lo Kar­di­nal Robert Sarah, den Prä­fek­ten der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung als „inkom­pe­tent“ und unge­eig­net“. In sol­che Rage brach­te Gril­lo das Nach­wort, das Bene­dikt XVI. zum Buch von Kar­di­nal Sarah „Die Kraft der Stil­le“ bei­gesteu­ert hat­te. Für die her­ab­wür­di­gen­de Schel­te von Kar­di­nal Sarah hat­te Gril­lo nichts zu befürch­ten. Sie for­der­te kei­ne Cou­ra­ge, son­dern war wohl­do­siert. Er folg­te dar­in nur Papst Fran­zis­kus, von dem der Kar­di­nal bereits mehr­fach öffent­lich gede­mü­tigt wurde.

Andrea Grillo
Andrea Gril­lo

Gril­lo ist ein radi­ka­ler Befür­wor­ter der Volks­spra­chen in der Lit­ur­gie. Unter ande­rem uf ihn geht die „Dezen­tra­li­sie­rung“ der Mis­sa­le-Über­set­zun­gen zurück, die Papst Fran­zis­kus den ein­zel­nen Bischofs­kon­fe­ren­zen gewähr­te. Gril­lo wirkt eif­rig an Neu­über­set­zun­gen mit, „die in offe­nem Wider­spruch zur Instruk­ti­on Lit­ur­gi­am Authen­ti­cam von 2001 ste­hen“, so Ric­car­do Cascio­li, der Chef­re­dak­teur von La Nuo­va Bus­so­la Quo­ti­da­na.

Es weht ein rau­her Wind in Rom, seit am lin­ken Kir­chen­rand Mor­gen­luft gewit­tert wur­de. Auch Andrea Gril­lo, weder ver­wandt noch zu ver­wech­seln mit dem Star­ko­mi­ker Bep­pe Gril­lo, des­sen Fünf­ster­ne­be­we­gung in Ita­li­en soeben die Regie­rungs­ver­ant­wor­tung über­nom­men hat, gehört zu jenen Pro­gres­si­ven, die unter Fran­zis­kus ihre Spra­che radi­ka­li­siert haben.

Italiens neuer Familienminister als Hoffnungsträger

Andrea Gril­los aktu­ell­stes Feind­bild ist der Fami­li­en- und Behin­der­ten­mi­ni­ster der neu­en ita­lie­ni­schen Regie­rung aus Fünf­ster­ne­be­we­gung und Lega. Für die poli­ti­sche Lin­ke und Brüs­sel ist die neue Regie­rung ein rotes Tuch, da machen die Links­ka­tho­li­ken kei­ne Ausnahme.

Loren­zo Fon­ta­na, Jahr­gang 1980, ist stell­ver­tre­ten­der Bun­des­vor­sit­zen­der der Lega und war seit 2008 Abge­ord­ne­ter zum Euro­päi­schen Par­la­ment und seit Juli 2017 auch stell­ver­tre­ten­der Bür­ger­mei­ster von Vero­na. Seit den Par­la­ments­wah­len im ver­gan­ge­nen März ist der Mit­glied der ita­lie­ni­schen Abge­ord­ne­ten­kam­mer, die ihn zum Vize-Prä­si­den­ten wähl­te. An der Uni­ver­si­tät Padua hat­te er ein Stu­di­um der Poli­tik­wis­sen­schaf­ten und der Geschich­te absol­viert. Letz­te­res schloß er mit einer Arbeit über die christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on ab.

Fon­ta­na ist ein Hoff­nungs­trä­ger für ein Euro­pa, das die­sen Namen ver­dient. Er ist über­zeug­ter Lebens­schüt­zer und ein Ver­tei­di­ger der Fami­lie und der eige­nen Iden­ti­tät. Sei­ne Ableh­nung von Abtrei­bung, Mas­sen­ein­wan­de­rung, „Homo-Ehe“, Adop­ti­ons­recht für Homo­se­xu­el­le und Gen­der-Ideo­lo­gie machen ihn für die poli­ti­sche Lin­ke zu einem Haupt­feind ihres per­ma­nen­ten Kamp­fes um die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie. Den sieht sie durch einen pro­fi­lier­ten Geg­ner, eine Sel­ten­heit im gei­stig lah­men Bür­ger­tum, des­sen Haupt­au­gen­merk sich auf den Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus zu beschrän­ken scheint, bedroht.

Familienminister = „Faschist“, Summorum Pontificum = „Faschismus“

Die in den ver­gan­ge­nen Tagen los­ge­tre­te­nen Fron­tal­an­grif­fe gegen Fon­ta­na gel­ten natür­lich der neu­en Regie­rung. Ein Blick in deut­sche Medi­en, und dar­auf, was in den ver­gan­ge­nen 48 Stun­den dort über Fon­ta­na geschrie­ben wur­de, genügt, um zu sehen, wie Kam­pa­gnen funk­tio­nie­ren. Fon­ta­na ist das rote Tuch, das exem­pla­risch als Haupt­an­griffs­punkt aus­er­ko­ren wur­de. Das Ziel: Mög­lichst schnell einen Mini­ster aus der neu­en Regie­rung her­aus­zu­schie­ßen. Vor­erst scheint jedoch wenig Aus­sicht auf Erfolg zu bestehen.

Grillos erster Twitter-Eintrag
Gril­los erster Twitter-Eintrag

Nicht nur die orga­ni­sier­te Homo-Lob­by und Links­par­tei­en grei­fen Fon­ta­na an. Auch der Lit­ur­gi­ker Andrea Gril­lo lei­stet sei­nen Bei­trag zu die­sem poli­tisch moti­vier­ten Angriff gegen die neue Regie­rung. Gril­lo macht dar­aus einen nicht min­der ideo­lo­gisch moti­vier­ten Angriff gegen die Kir­che. In sei­nem Visier hat er – wenig ori­gi­nell – Summorum Pon­ti­fi­cum. Mini­ster Loren­zo Fon­ta­na besucht die Hei­li­ge Mes­se in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus. Für poli­tisch moti­vier­te Pro­gres­si­ve in der Kir­che ein No-go-Maxi­mum.

Daher twit­ter­te der katho­li­sche Theo­lo­ge Gril­lo gegen den katho­li­schen Familienminister:

„Eine der Vor­aus­set­zun­gen für Fon­ta­nas Faschis­mus ist Summorum Pon­ti­fi­cum. Memento…“

Um dann noch erklä­rend nachzulegen:

„Die Legi­ti­ma­ti­on, die Summorum Pon­ti­fi­cum einem reak­tio­nä­ren Abdrif­ten der Poli­tik ver­schafft, muß auf­ge­zeigt wer­den. Nicht nur in Italy.“

Grillos zweiter Eintrag
Gril­los zwei­ter Eintrag

Das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum von Papst Bene­dikt XVI. wird von einem katho­li­schen Theo­lo­gen, Ordi­na­ri­us an einer Päpst­li­chen Hoch­schu­le in Rom, als Faschis­mus denun­ziert. Die­se unsach­li­che Drei­stig­keit schil­dert anschau­lich, wel­che Kräf­te der­zeit in der Kir­che Ober­hand suchen oder bereits Ober­hand gewon­nen haben. Eine sol­che Sicht­wei­se kann nur zu Stel­lung­nah­men wie jenen Gril­los führen.

Fon­ta­na selbst reagier­te auf die Angrif­fe die­ser Tage in einem Schrei­ben an die Tages­zei­tung Il Tem­po:

„Der Haß der Eli­ten erschreckt mich nicht“.

Der Theo­lo­ge Andrea Gril­lo ist damit auch gemeint. Sei­ne Twit­ter-Ein­trä­ge zei­gen, wie tief ein gewis­ser Zer­set­zungs­pro­zeß in die Kir­che hin­ein­ge­tra­gen wur­de, wenn selbst ein alt­ehr­wür­di­ger Mönchs­or­den wie die Bene­dik­ti­ner sich an ihrer römi­schen Hoch­schu­le von einem Andrea Gril­lo aus­bil­den lassen.

Grillos Ansehen in Santa Marta „äußerst besorgniserregend“

Der Vor­fall zeigt vor allem, wer im der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kat in San­ta Mar­ta wohl­ge­lit­ten ist. Andrea Gril­lo wur­de von Papst Fran­zis­kus 2016 in jene omi­nö­se Lit­ur­gie­kom­mis­si­on beru­fen, die vom Kir­chen­ober­haupt hin­ter dem Rücken des zustän­di­gen Kar­di­nal­prä­fek­ten Robert Sarah errich­tet wur­de. Katholisches.info schrieb dazu am 12. Janu­ar 2017:

„Auf­ga­be die­ser Kom­mis­si­on ist es nicht, Dege­ne­rie­run­gen der nach­kon­zi­lia­ren Lit­ur­gie­re­form von 1969/1970 zu kor­ri­gie­ren, die in Form von Lit­ur­gie­miß­brauch als schwer­wie­gen­des Ärger­nis auf­tre­ten, dar­un­ter auch im deut­schen Sprach­raum. Auf­ga­be die­ser Kom­mis­si­on ist viel­mehr ‚das genaue Gegen­teil‘, so Magi­ster. Sie soll eine der letz­ten Mau­ern des Wider­stan­des gegen den Miß­brauch nach­kon­zi­lia­rer Lit­ur­gi­ker und Möch­te­gern-Lit­ur­gi­ker demo­lie­ren. Gemeint ist die Instruk­ti­on Lit­ur­gi­am authen­ti­cam, die 2001 erlas­sen wur­de und die Kri­te­ri­en fest­legt, nach denen die ver­bind­li­chen latei­ni­schen, lit­ur­gi­schen Tex­te in die Volks­spra­chen zu über­set­zen sind“.

Die von Fran­zis­kus in die­se Lit­ur­gie­kom­mis­si­on beru­fe­nen Mit­glie­der nann­te Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña im März 2017 „in Sum­me äußerst besorgniserregend“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: Youtube/CTV/Twitter (Screen­shots)

 

3 Kommentare

  1. Die über tau­send­jäh­ri­ge Meß­lit­ur­gie als Faschis­mus zu dis­kre­di­tie­ren, ist schlimm­ste Haßrede.

  2. Ach so Herr Gril­lo: mit Ver­bie­ten und Unter­drücken wird das nichts. Das kön­nen wir Ihnen aus Erfah­run­gen in Deutsch­land sagen. Wur­de hier von Brau­nen und Roten bru­talst ver­sucht. Hat nicht geklappt!
    Sie wer­den Summorum Pon­ti­fi­cum nur för­dern. Versprochen.

  3. Seit der Mas­sen­ein­wan­de­rung von Wirt­schafts­mi­gran­ten nach Euro­pa sind die rech­ten Par­tei­en im Auf­wind und Papst Fran­zis­kus zuneh­mend von Fein­den umge­ben. Ist er doch dekla­rier­ter Anhän­ger der Befrei­ungs­theo­lo­gie, die eng mit dem Huma­nis­mus ver­wo­ben ist, der sich wie man weiß man­gels reli­giö­ser Aus­rich­tung links der Mit­te befindet.

    Ich fra­ge mich, was so schwer dar­an zu ver­ste­hen ist, dass im alten über­lie­fer­ten Mess­ri­tus Jesus Chri­stus, der Herr im Taber­na­kel ange­be­tet wird, was mit Blick­rich­tung zum Volk ins Gegen­teil ver­kehrt wurde.
    Nur Gott kann und darf ange­be­tet wer­den, von ihm kom­men den Gläu­bi­gen die Gna­den zu. Was ist dar­an für moder­ne Prie­ster so schwer zu ver­ste­hen? Das sind die unter­sten Grund­la­gen der katho­li­schen Glaubens…

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