Zur Lage der Kirche – Frage 59

Es herrscht nicht selten "Pfarreifrust" unter Priestern


Don Michael Gurtner: Zur Lage der Kirche

Von Don Micha­el Gurtner*

Anzei­ge

Fra­ge: Könn­te man zusam­men­fas­send also sagen: Die Wahr­schein­lich­keit für einen Prie­ster, in einer Pfar­rei zu lan­den, ist sehr hoch, die Lust dazu jedoch bei man­chen sehr gering?

Ant­wort: Ja, das mag zwar nicht für alle zutref­fen, aber doch für vie­le, auch wenn man das meist nicht so offen sagt, da es als ver­pönt gilt. Daß vie­le zwar ger­ne Prie­ster sind, aber nicht ger­ne Pfar­rer sein wol­len, hängt ein­fach am heu­ti­gen fak­ti­schen „Arbeits­um­feld Pfar­rei“, also dar­an, wie die Din­ge heu­te de fac­to lau­fen, und nicht etwa an einer all­ge­mei­nen Unlust an der Seel­sor­ge. Eher im Gegen­teil: Gera­de weil vie­le Pfar­rei­en als hin­der­lich für die eigent­li­chen prie­ster­li­chen Arbei­ten gese­hen wer­den und nicht mehr als för­der­lich, kommt es immer mehr zu einem gewis­sen „Pfar­reif­rust“. Daß dies alles kei­ne erstre­bens­wer­ten Per­spek­ti­ven für einen ange­hen­den Prie­ster sind, ist nur ver­ständ­lich. Des­halb ist bei vie­len zwar der Wunsch vor­han­den, Prie­ster zu wer­den – aber ja nicht Pfar­rer. Und man kann es sehr gut nach­voll­zie­hen. Die Alter­na­ti­ven zur Pfar­rei sind ver­schwin­dend gering und wer­den immer gerin­ger. Man sagt zwar, man habe kei­ne Prie­ster mehr, des­halb kön­ne man nicht mehr über­all wel­che ein­set­zen so wie frü­her, außer­dem wol­le man die Rol­le der Lai­en auf­wer­ten – doch gera­de durch die­se Limi­ta­ti­on bekommt man nur noch weni­ger Prie­ster. Jeden­falls drängt man sie mehr ab, als daß man sie för­dert. Und vie­le stel­len sich die Fra­ge: Will man über­haupt noch Priester?

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Die aktu­el­le Kolum­ne erscheint jeden Samstag.


Das Buch zur Rei­he: Don Micha­el Gurt­ner: Zur Lage der Kir­che, Selbst­ver­lag, 2023, 216 Seiten.


Bis­her erschienen:

Print Friendly, PDF & Email
Anzei­ge

Hel­fen Sie mit! Sichern Sie die Exi­stenz einer unab­hän­gi­gen, kri­ti­schen katho­li­schen Stim­me, der kei­ne Gel­der aus den Töp­fen der Kir­chen­steu­er-Mil­li­ar­den, irgend­wel­cher Orga­ni­sa­tio­nen, Stif­tun­gen oder von Mil­li­ar­dä­ren zuflie­ßen. Die ein­zi­ge Unter­stüt­zung ist Ihre Spen­de. Des­halb ist die­se Stim­me wirk­lich unabhängig.

Katho­li­sches war die erste katho­li­sche Publi­ka­ti­on, die das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus kri­tisch beleuch­te­te, als ande­re noch mit Schön­re­den die Qua­dra­tur des Krei­ses versuchten.

Die­se Posi­ti­on haben wir uns weder aus­ge­sucht noch sie gewollt, son­dern im Dienst der Kir­che und des Glau­bens als not­wen­dig und fol­ge­rich­tig erkannt. Damit haben wir die Bericht­erstat­tung verändert.

Das ist müh­sam, es ver­langt eini­ges ab, aber es ist mit Ihrer Hil­fe möglich.

Unter­stüt­zen Sie uns bit­te. Hel­fen Sie uns bitte.

Vergelt’s Gott!

 




 

1 Kommentar

  1. Soll­te man tat­säch­lich ein gutes Prie­ster­se­mi­nar – weit­ge­hend sitt­lich und ohne Mob­bing – gefun­den haben, soll­te man es geschafft haben, die fal­schen Leh­ren der Theo­lo­gie­pro­fes­so­ren nicht in sich hin­ein­zu­las­sen, soll­te der Bischof wenig zeit­geist­lich und noch weni­ger ZDK-geist­lich sein, soll­ten die Gemein­den der Diö­ze­se und ihre Gre­mi­en und Funk­tio­nä­re frei von Selbst­dar­stel­lern im Altar­raum sein und frei von syn­oda­ler links­grü­ner Poli­tik, dafür För­de­rer des gre­go­ria­ni­schen Cho­rals und wirk­lich sakra­ler Kunst und die Mess­ge­wän­der weder an Kar­tof­fel­säcke noch an Zir­kus­klei­dung erin­nern, dann möch­te viel­leicht ein Prie­ster auch Pfar­rer werden.

Kommentare sind deaktiviert.