Organisationskomitee für Mißbrauchs-Sondergipfel ernannt – mit Überraschungen

Die Quadratur des Kreises

Papst Franziskus mit Kardinal Cupich
Papst Franziskus mit Kardinal Cupich

(Rom) Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt gab die Ernen­nung des Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees für den Son­der­gip­fel gegen sexu­el­len Miß­brauch durch Kle­ri­ker bekannt, der von Papst Fran­zis­kus für Febru­ar 2019 ein­be­ru­fen wur­de – mit mehr als einer gro­ßen Über­ra­schung.

Vom 21.–24. Febru­ar 2019 wird im Vati­kan ein Gip­fel­tref­fen statt­fin­den, wie es in die­ser Art noch nicht statt­ge­fun­den hat. Papst Fran­zis­kus ruft die Vor­sit­zen­den aller Bischofs­kon­fe­ren­zen der Welt zusam­men, um Maß­nah­men gegen den sexu­el­len Miß­brauch Min­der­jäh­ri­ger durch Kle­ri­ker zu beschlie­ßen. The­ma des Tref­fens ist „Der Schutz der Min­der­jäh­ri­gen in der Kir­che“.

Gestern wur­den die Namen ver­öf­fent­licht, die Papst Fran­zis­kus zu Mit­glie­dern des Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees für den Son­der­gip­fel ernann­te. Dabei fehlt es nicht an Über­ra­schun­gen.

Überraschung 1

Unter den Ernann­ten fehlt Kar­di­nal Sean Patrick O’Malley, der Erz­bi­schof von Bos­ton und Ver­tre­ter Nord­ame­ri­kas im C9-Kar­di­nal­s­rat. Der Kapu­zi­ner O’Malley ist vor allem aber seit 2014 Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on. Das Gre­mi­um mit dem offi­zi­el­len Namen Päpst­li­che Kom­mis­si­on für den Schutz von Min­der­jäh­ri­gen wur­de von Papst Fran­zis­kus eigens zum Schutz von Kin­dern und Jugend­li­chen vor sexu­el­lem Miß­brauch und kör­per­li­cher Miß­hand­lung ein­ge­rich­tet. Kar­di­nal O’Malley, von Papst Fran­zis­kus ernannt, ist so etwas wie sein Regie­rungs­be­auf­trag­ter zum The­ma. Den­noch fehlt aus­ge­rech­net er beim bis­her viel­leicht wich­tig­sten Ereig­nis bei der Miß­brauchs­be­kämp­fung.

Hin­ter­grund dafür scheint eine Zer­rüt­tung des Ver­trau­ens­ver­hält­nis­ses zu sein, das sich seit Jah­res­be­ginn hin­zieht.

Papst Franziskus mit Kardinal O'Malley
Papst Fran­zis­kus mit Kar­di­nal O’Mal­ley

Ende Janu­ar 2018 platz­te dem US-Kar­di­nal der Kra­gen wegen der abschät­zi­gen Aus­sa­gen von Papst Fran­zis­kus über Miß­brauchs­op­fer des chi­le­ni­schen Prie­sters Fer­nan­do Kara­di­ma, weil sie die Ernen­nung des Kara­di­ma-Zög­lings Msgr. Juan Bar­ros Madrid zum Bischof von Osor­no kri­ti­siert hat­ten. Fran­zis­kus unter­stell­te ihnen wäh­rend sei­nes Chi­le-Besuchs und erneut auf dem Rück­flug nach Rom „Ver­leum­dung“. Als Begrün­dung nann­te er, von ihnen nie über kon­kre­te Anschul­di­gun­gen gegen Bar­ros infor­miert wor­den zu sein. Hät­te er sol­che erhal­ten, hät­te er näm­lich gehan­delt.

Das war Kar­di­nal O’Malley zuviel, denn er hat­te per­sön­lich Papst Fran­zis­kus die detail­lier­te Denk­schrift eines Spre­chers der Kara­di­ma-Opfer zu Bischof Bar­ros aus­ge­hän­digt. Der Papst wuß­te, we sich spä­ter noch deut­li­cher her­aus­stell­te, über den Fall Bar­ros sehr wohl Bescheid. Obwohl O’Malley zurück­hal­tend for­mu­lier­te, nicht den Papst kri­ti­sier­te, son­dern auf Fak­ten ver­wies, stand Papst Fran­zis­kus in öffent­lich in kei­nem guten Licht da.

Das päpst­li­che Umfeld griff dar­auf zu zwei­fel­haf­ten Mit­teln und attackier­te O’Malley in einer ersten Reak­ti­on unter der Gür­tel­li­nie. Die­se Ope­ra­ti­on wur­de zwar schnell abge­bla­sen, weil sie leicht zu einem noch schwer­wie­gen­de­ren Schuß nach hin­ten wer­den konn­te. Der Erz­bi­schof von Bos­ton wird das Vor­ge­hen aber eben­so auf­merk­sam regi­striert haben wie ande­re Beob­ach­ter. Seit­her war trotz demon­stra­tiv beton­ter Har­mo­nie nichts mehr wie vor­her.

Im Som­mer erfolg­te der näch­ste Schlag­ab­tausch. Das von Fran­zis­kus eben­falls neu­ge­schaf­fe­ne Dikaste­ri­um für Lai­en, Fami­lie und Leben füg­te im Auf­trag des Pap­stes erst­mals Ver­an­stal­tun­gen zu Homo­se­xua­li­tät und für Homo­se­xu­el­le in das Pro­gramm des Welt­fa­mi­li­en­tref­fens ein, das Ende August im iri­schen Dub­lin statt­fand. Inner­kirch­lich war der römi­sche Ein­griff vor allem des­halb umstrit­ten, weil die betei­lig­ten Kir­chen­ver­tre­ter kei­ne Garan­ten der kirch­li­chen Moral­leh­re waren, son­dern durch eine homo­phi­le Hal­tung auf­ge­fal­len waren. Die Maß­nah­me galt vor allem als fal­sches Signal ange­sichts des gleich­zei­tig auf­ge­bro­che­nen Miß­brauchs­skan­dals in den USA und in Rom. Die Homo­se­xua­li­sie­rung aus­ge­rech­net des Welt­fa­mi­li­en­tref­fens bedeu­te­te eine offen­sicht­li­che Leug­nung des Zusam­men­hangs zwi­schen Homo­se­xua­li­tät und Miß­brauch.

Kar­di­nal O’Malley reagier­te dar­auf mit einer Absa­ge. Er gab bekannt, in sei­nem Erz­bis­tum gebraucht zu wer­den und nicht am Welt­fa­mi­li­en­tref­fen teil­zu­neh­men. Dort orga­ni­sier­te ein ehe­ma­li­ges Mit­glied der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on, die Irin Marie Col­lins, eine Pro­test­ak­ti­on gegen den Umgang der Kir­che mit sexu­el­lem Miß­brauch. Der Pro­test rich­te­te sich dabei auch gegen Papst Fran­zis­kus. Col­lins war aus Pro­test gegen die Nicht-Ein­hal­tung der „Null­to­le­ranz“ durch Papst Fran­zis­kus aus der päpst­li­chen Kom­mis­si­on zurück­ge­tre­ten.

Papst Fran­zis­kus hat für den ver­hält­nis­mä­ßig eigen­stän­dig han­deln­den Kar­di­nal O’Mal­ley offen­bar mehr in Sachen Miß­brauchsprä­ven­ti­on kei­ne Ver­wen­dung. Ähn­lich ging das Kir­chen­ober­haupt auch gegen­über ande­ren engen Mit­ar­bei­tern vor wie Kar­di­nal Mül­ler und Kar­di­nal Sarah. Wer die päpst­li­che Linie bedin­gungs­los, jeden­falls schwei­gend mit­trägt, ist gelit­ten, sobald das nicht mehr der Fall ist, wer­den die betrof­fen kalt­ge­stellt.

Abge­se­hen davon, daß Papst Fran­zis­kus nach­tra­gend ist, läßt die aktu­el­le Per­so­nal­ent­schei­dung erah­nen, daß man im Vati­kan befürch­tet, Kar­di­nal O’Malley könn­te der im Febru­ar ange­streb­ten „Lösung“ nicht zustim­men. Das hat sei­nen Grund.

Überraschung 2

Wäh­rend Kar­di­nal O’Malley aus­ge­schlos­sen bleibt, wur­de ein ande­rer US-Kar­di­nal, Bla­se Cup­ich, der Erz­bi­schof von Chi­ca­go, in das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee für den Miß­brauchs­gip­fel beru­fen. Cup­ichs rang­ho­he Posi­ti­on, als Erz­bi­schof des bedeu­tend­sten katho­li­schen Bis­tums in den USA und als Kar­di­nal, ist eine Krea­ti­on von Papst Fran­zis­kus. Er gilt als „Mann des Pap­stes“ in der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und Wort­füh­rer der pro­gres­si­ven Rich­tung in der US-Kir­che.

Die Beru­fung eines rang­ho­hen US-Ver­tre­ters in das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee ergibt sich aus der Tat­sa­che, daß die­se Orts­kir­che der­zeit am inten­siv­sten vom sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dal betrof­fen ist. Die­ser ist untrenn­bar mit dem Namen von Ex-Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick ver­bun­den, der Ende Juli sei­nen Platz im Kir­chen­se­nat räu­men muß­te, als selbst die New York Times über sein homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben und die sexu­el­le Kor­rum­pie­rung sei­ner eige­nen Semi­na­ri­sten und Prie­ster berich­te­te.

Von Franziskus ernannte US-Kardinäle: Tobin, Farrell, Cupich werden der McCarrick-Gruppe zugerechnet.
Von Fran­zis­kus ernann­te US-Kar­di­nä­le: Tobin, Far­rell, Cup­ich wer­den der McCarrick-Grup­pe zuge­rech­net.

Kar­di­nal Cup­ich wird dem McCarrick-Kreis in der US-Kir­che zuge­rech­net. Er scheint daher nicht der glaub­wür­dig­ste Kir­chen­ver­tre­ter zum The­ma Miß­brauchsprä­ven­ti­on zu sein. Glaub­wür­di­ge­re Reprä­sen­tan­ten wie Erz­bi­schof Charles Cha­put von Phil­adel­phia wer­den von Papst Fran­zis­kus aber kon­se­quent geschnit­ten, weil sie ein tra­di­tio­nel­le­res Kir­chen­ver­ständ­nis haben und nicht der pro­gres­si­ven Krei­sen ange­hö­ren, die Fran­zis­kus för­dern will.

Kar­di­nal Cup­ich hin­ge­gen zeich­ne­te Kar­di­nal McCarrick noch 2017 als „vor­bild­li­chen Bischof“ mit einem Preis aus. Die Beru­fung Cup­ichs in das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee unter­streicht nicht nur sein Nähe­ver­hält­nis zu Papst Fran­zis­kus, son­dern mehr noch den unge­bro­che­nen Wil­len, die McCarrick-Cli­que zu schüt­zen.

Im erwähn­ten Schlag­ab­tausch um das Pro­gramm des Welt­fa­mi­li­en­tref­fens soli­da­ri­sier­te sich Kar­di­nal Cup­ich prompt mit dem homo­phi­len Jesui­ten James Mar­tin.

Die Nomi­nie­rung von Cup­ich bestä­tigt nicht zuletzt, was in den ver­gan­ge­nen Tagen bereits rund um die Inter­ven­ti­on von Papst Fran­zis­kus ver­mu­tet wur­de. Das Kir­chen­ober­haupt hat­te kurz vor Beginn der Herbst­voll­ver­samm­lung den US-Bischö­fen unter­sagt, Beschlüs­se gegen den sexu­el­len Miß­brauch zu fas­sen. Der Ein­griff ist in meh­rer­lei Hin­sicht unge­wöhn­lich und gewagt, denn fast zeit­gleich konn­te die Fran­zö­si­sche Bischofs­kon­fe­renz von Rom unbe­an­stan­det fast gleich­lau­ten­de Beschlüs­se fas­sen.

Die päpst­li­che Maß­nah­me rich­te­te sich gegen die Mehr­heit der US-Bischö­fe gegen die Fran­zis­kus sei­nen Pri­vat­feld­zug führt wie gegen US-Prä­si­dent Trump und ins­ge­samt die „reli­giö­se Rech­te“ in den USA. Es wur­de von ver­schie­de­nen Sei­ten die Ver­mu­tung geäu­ßert, daß die McCarrick-Cli­que Angst vor einer unab­hän­gi­gen Unter­su­chungs­kom­mis­si­on und vor Plä­nen hat, Bischö­fe abzu­set­zen, die sich sexu­el­ler Ver­ge­hen oder der Amts­un­ter­las­sung schul­dig gemacht haben. Gemeint sind damit Ver­ge­hen nicht nach dem staat­li­chen Straf­recht, son­dern nach dem stren­ge­ren Kir­chen­recht, das auch Homo­se­xua­li­tät mit ein­schließt.

Es wur­de bekannt, daß die Kar­di­nä­le Cup­ich und Wuerl seit Wochen an einer „alter­na­ti­ven“ Lösung arbei­te­ten. Statt einer unab­hän­gi­gen Kom­mis­si­on soll­ten dem­nach doch kirch­li­chen Hier­ar­chen, vor allem den Metro­po­li­ten, die Ent­schei­dungs­ho­heit in Fäl­len über­las­sen blei­ben, bei denen es um Anschul­di­gun­gen gegen Bischö­fe geht – Bischö­fe wie McCarrick und Wuerl (siie­he auch Die Homo-Kar­di­nä­le).
Als den in Bal­ti­more ver­sam­mel­ten US-Bischö­fen ver­gan­ge­ne Woche der „mit Nach­druck“ vor­ge­tra­ge­ne „Wunsch“ von Papst Fran­zis­kus bekannt­ge­ge­ben wur­de, kei­ne Ente­schei­dun­gen zu tref­fen, konn­te der Vor­sit­zen­de, Kar­di­nal Dani­el DiNar­do, sei­ne Ver­bit­te­rung kaum ver­ber­gen. Die Stim­mung unter den Bischö­fen wur­de als „Schock“ beschrie­ben. Kar­di­nal O’Malley reagier­te, schließ­lich stand – was ihm schnell bewußt wor­den sein dürf­te – nicht nur sein Ruf als Diö­ze­san­bi­schof und als Vor­sit­zen­der der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on auf dem Spiel. Er ließ eine Erklä­rung ver­öf­fent­li­chen, in der er ver­si­cher­te, daß sich trotz der päpst­li­chen Kne­be­lung an der „Null­to­le­ranz“ gegen sexu­el­le Miß­brauch­stä­ter nichts ändern wer­de.

Genau das aber scheint man in den ober­sten Stock­wer­ken der der­zei­ti­gen Kir­chen­füh­rung nicht zu wol­len.

Weichenstellungen

Papst Fran­zis­kus begrün­de­te sei­ne Inter­ven­ti­on gegen die US-Bischö­fe mit dem ohne­hin von ihm ein­be­ru­fe­nen Son­der­gip­fel zum sel­ben The­ma. Den fran­zö­si­schen Bischö­fen sag­te er der­glei­chen aber nicht. Die Nicht-Beru­fung von Kar­di­nal O’Malley und die Beru­fung von Kar­di­nal Cup­ich in das Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee für den Son­der­gip­fel läßt daher eini­ges erah­nen. Sie kommt einer Vor­ent­schei­dung nahe. Cup­ich steht näm­lich nicht glaub­wür­dig für eine gründ­li­che Rei­ni­gung der Kir­che, die von vie­len US-Katho­li­ken als not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für eine Erneue­rung gese­hen und ver­langt wird.

Wei­te­re Mit­glie­der des Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees sind neben Kar­di­nal Cup­ich: Kar­di­nal Oswald Gra­ci­as, Erz­bi­schof von Bom­bay, Vor­sit­zen­der der Indi­schen Bischofs­kon­fe­renz und Ver­tre­ter Asi­ens im C9-Kar­di­nal­s­rat; Erz­bi­schof Charles Sci­clu­na, Erz­bi­schof von Mal­ta und neu­er­dings auch Bei­geord­ne­ter Sekre­tär der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, zustän­dig für die Fäl­le von Miß­brauch­stä­tern; sowie der deut­sche Jesu­it Hans Zoll­ner, Vor­sit­zen­der des Kin­der­schutz­zen­trums der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na und Mit­glied der Päpst­li­chen Kin­der­schutz­kom­mis­si­on (sie­he dazu Bock zum Gärt­ner — Pädo­phi­len­freund im Zen­trum für Kin­der­schutz an der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät Gre­go­ria­na).

Am Son­der­gip­fel wer­den, laut Mit­tei­lung des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes, die Ober­häup­ter der katho­li­schen Ost­kir­chen, die „Obe­ren“ des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats, die Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, der Ost­kir­chen­kon­gre­ga­ti­on, der Bischofs­kon­gre­ga­ti­on, der Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on, der Ordens­kon­gre­ga­ti­on, des Dikaste­ri­ums für Lai­en, Fami­lie und Leben, die Vor­sit­zen­den der Bischofs­kon­fe­ren­zen und die Vor­sit­zen­den der Unio­nen der Gene­ral­obe­ren der katho­li­schen Frau­en- und Män­ner­or­den.

Der Kampf gegen sexu­el­len Miß­brauch, die Ret­tung der pro­gres­si­ven und homo­phi­len McCarrick-Cli­que und ein Para­dig­men­wech­sel in der katho­li­schen Moral­leh­re durch Aner­ken­nung der Homo­se­xua­li­tät kommt einer Qua­dra­tur des Krei­ses gleich – und die dürf­te auch Papst Fran­zis­kus über­for­dern.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va (Screen­shots)

9 Kommentare

  1. Es wird immer kla­rer, daß Ber­go­glio gewählt wur­de, um die Ver­tu­schung wie­der­auf­zu­neh­men. Bereits sei­ne Namens­wahl als Papst und sei­ne vor­geb­li­che Armuts- und Umwelt-„Agenda“ sind nur Blend­werk zur Ablen­kung.

  2. Wow, einer­seits „ent­deck­te“ Papst Fran­zis­kus „den Schul­di­gen“ in der Miß­brauchs­af­fä­re doch
    im angeb­li­chen „Kle­ri­ka­lis­mus“.
    Als nun die US-ame­ri­ka­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz eine wirk­lich unab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on ein­rich­ten woll­te,
    um die­se lei­di­ge Miß­brauchs­af­fä­re von Grund auf auf­zu­klä­ren und dadurch die ein­zig rich­ti­ge Basis zu schaf­fen,
    zukünf­ti­gem sexu­el­len Miß­brauch vor­zu­beu­gen, da wur­de sie von Papst Fran­zis­kus abrupt gestoppt.

    Wenn man nun ande­rer­seits sieht, wen Papst Fran­zis­kus in sein Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee für den römi­schen Son­der­gip­fel beruft, dann drängt sich einem unwill­kür­lich der Gedan­ke auf, dass Papst Fran­zis­kus hier­mit einen gera­de­zu „kle­ri­ka­len Chor­geist“ prak­ti­ziert;
    und zwar einen „kle­ri­ka­len Chor­geist“ ganz beson­de­rer Art, in dem offen­sicht­lich nur „gleich­ar­ti­ge Bück­lin­ge“ zuge­las­sen wer­den.
    Der Aus­schluss von Kar­di­nal Sean Patrick O’Mal­ley, des Vor­sit­zen­den der päpst­li­chen Kom­mis­si­on für den Schutz von Min­der­jäh­ri­gen, ver­an­schau­licht m.E. wie­der ein­mal deut­lich einen durch nach­tra­gen­den Ego­zen­tris­mus gepräg­ten Cha­rak­ter­zug.
    Die­ser Cha­rak­ter­zug ist nicht unbe­dingt mit der Bot­schaft Jesu Chri­sti kom­pa­ti­bel.
    Aber er ist typisch für sei­nen Trä­ger, der doch (wie ‚katho­li­sches info‘ an ande­rer Stel­le berich­te­te) gesagt haben soll, er wür­de kei­ne Tex­te von Kri­ti­kern lesen „zwecks psy­chi­scher Hygie­ne“.
    Mit einem sol­chen Ver­hal­ten kann man sich zwar das Leben recht bequem ein­rich­ten, und solan­ge man sich in einer Posi­ti­on der (ver­meint­li­chen) Stär­ke (durch ‚angeb­li­che Freun­de‘ getra­gen) befin­det, mag es auch gut­ge­hen.
    Irgend­wann wird es aller­dings auch hier ein irgend­wie gear­te­tes Erwa­chen geben;
    sei es, dass die ‚angeb­li­chen Freun­de‘ einen nicht mehr brau­chen, weil sie etwas Bes­se­res gefun­den haben; sei es, weil die nöti­gen mate­ri­el­len Wer­te nicht mehr so flie­ßen wie bis­lang;
    sei es, weil vie­le Gläu­bi­ge den fort­schrei­ten­den Zustand der Ver­wir­rung end­gül­tig satt haben, des­halb ihr Herz direkt dem Para­kle­ten (Hei­li­gen Geist) hin­hal­ten und anson­sten schlicht und ein­fach mit den Füßen abstim­men etc.

    Denn auch für Papst und Bischö­fe gilt, was Jesus Chri­stus einst gesagt hat:
    „Wenn ihr in mei­nem Wort bleibt, seid ihr in Wahr­heit mei­ne Jün­ger:
    ihr wer­det die Wahr­heit erken­nen, und die Wahr­heit wird euch frei­ma­chen.“ (Joh 8,31b-32)

  3. „Kar­di­nal O’Malley, von Papst Fran­zis­kus ernannt, ist so etwas wie sein Regie­rungs­be­auf­trag­ter zum The­ma. Den­noch fehlt aus­ge­rech­net er beim bis­her viel­leicht wich­tig­sten Ereig­nis bei der Miß­brauchs­be­kämp­fung.“

    In die­sem Feh­len ist ein immer glei­ches Muster zu erken­nen: Die­je­ni­gen, die wirk­lich etwas zu sagen hät­ten — und wohl auch grund­le­gend Ver­än­de­run­gen ansto­ßen wür­den, wer­den aus­ge­schlos­sen, wenn sie den Fre­vel der Papst­kri­tik bege­hen.

    DAS und nur das ist Kle­ri­ka­lis­mus pur. So gese­hen wird der Kle­ri­ker zu einem Schau­spie­ler, der sei­ne Min­der­werts­kom­ple­xe und sei­nen kran­ken Ego­is­mus hin­ter der Fas­sa­de der katho­li­schen Ein­heit („Kei­ner wider­spricht mir!“) ver­steckt.

    Im Übri­gen: Wie lie­be ich die­ses päpst­li­che Lachen. Ein­fach nur wun­der­voll, die­se Herz­lich­keit. (Iro­nie)

    Das ist das Per­fi­de. Wie kannst ‚du‘ lachen, wenn du ande­ren andau­ernd auf die Füße trittst?

    Im Buch ‚Dik­ta­tor­Papst‘ wird erwähnt, wie sich etli­che Kle­ri­ker nach Kon­tak­ten mit Bischof Ber­go­glio in The­ra­pie bege­ben muss­ten, weil er die schärf­sten Urtei­le und Bestra­fun­gen völ­lig gelas­sen, unbe­tei­ligt, unbe­küm­mert und ohne Erklä­run­gen vor­nahm. (Spä­ter dann gegen­über Mül­ler: „Ich bin der Papst.“

    Er sagt von sich sel­ber, er schla­fe wie ein Brett, wäh­rend ande­re auf­grund sei­ner Maß­nah­men schlaf­lo­se Näch­te haben. Und so man­cher hat wohl gesund­heit­lich arg gelit­ten, beson­ders dann, wenn er die Kir­che liebt und dar­in nicht durch­dringt zum Papst (Meis­ner, Caf­farra (RIP); wohl auch Mül­ler, Bur­ke, Brand­mül­ler, Schnei­der …)

    Wäh­rend die­se auf see­li­schen Schei­ter­hau­fen für das Zeug­nis an der Wahr­heit bren­nen, ver­an­stal­tet Fran­zis­kus oft — so scheint es — einen unbe­küm­mer­ten Tanz ums gol­de­ne Kalb.

    Viel­leicht soll­te sich der Papst mal die Wor­te von Elder Pais­si­os zu Her­zen neh­men, der sag­te:

    „Wenn ich wüss­te, auch nur einen ein­zi­gen Men­schen belei­digt oder gekränkt zu haben, ich wür­de bis nach Athen gehen und dort an alle Türen klop­fen und nicht eher ruhen, bis ich ihn gefun­den hät­te. Dann wür­de ich mich vor ihn nie­der­wer­fen und ihn um Ver­ge­bung bit­ten. Eher könn­te ich kei­nen Got­tes­diest fei­ern.“ (frei wie­der­ge­ge­ben)

    Auch Elder Pais­si­os han­del­te so, wenn er jeman­den unwil­lent­lich oder aus Schwä­che gekränkt hat­te.

    Fran­zis­kus glaubt sich im Recht, da er die von ihm Gekränk­ten und Zurück­ge­wie­se­nen für hart­her­zi­ge Pha­ri­sä­er hält. Er glaubt, die­sen den Spie­gel vor­zu­hal­ten, wenn er sie miss­ach­tet und krängt; da sie sei­ner Ansicht nach durch ihre Dog­ma­tik und Gebots­treue ande­re eben­so krän­ken und hart­her­zig behan­deln, z.B. wenn sie einen wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen oder einen homo­se­xu­ell prak­ti­zie­ren­den von der Kom­mu­ni­on aus­schlie­ßen (wol­len).

    Sum­ma sum­ma­rum glau­be ich, Fran­zis­kus ver­tritt zwei Theo­lo­gien, die ein­an­der ergän­zen. Für die Star­ken und Rei­nen gel­ten die Gebo­te Got­tes; für die Schwa­chen die Gna­den­leh­re Luthers; ins­be­son­de­re für die letz­te­ren ist Jesus — ich neh­me an, so denkt Fran­zis­kus — ans Kreuz gegan­gen.

    Da sich Theo­lo­gie heu­te so dif­fu­siert hat, lässt sich nicht ein­mal mehr sagen, was katho­li­scher und was der evan­ge­li­scher Glau­be wirk­lich bedeu­ten.

    Es gibt Even­ge­li­sche, die den­ken eher katho­lisch, und kato­li­sche, die den­ken eher evan­ge­lisch. Oft den­ken bei­de nach der Behand­lung mysti­scher Schrif­ten auch eher bud­dhi­stisch. Oder bei­de den­ken kom­plett hedo­ni­stisch …

    Wahr­heit erscheint heu­te durch die vie­len nach­kon­zi­lia­ren Phan­ta­ste­r­ein nicht mehr ein­deu­tig. Die Men­schen sind für ‚ein­fa­che‘ Wahr­hei­ten auf­grund ihrer ‚Lebens­wirk­lich­kei­ten‘ nicht mehr ansprech­bar.

    Das ist scha­de, deu­tet aber auch auf den Zustand unse­rer zuneh­mend inho­mo­ge­nen iden­ti­täts­lo­sen Gesell­schaft hin.

    • Es ist in kei­ner Wei­se gut­mü­tig, Men­schen in ihrem Irr­weg nicht zu kri­ti­sie­ren. Die Vor­stel­lung, es sei Barm­her­zig­keit, homo­se­xu­el­le Lebens­pra­xis, Kin­der­schän­dung, Ehe­bruch und Abtrei­bung zu rela­ti­vie­ren, ist irr­sin­nig. So etwas gibt viel­mehr die Men­schen, die sich davon nicht lösen kön­nen, der Höl­le preis. Ich hal­te das für eine offe­ne Lüge inter­es­sier­ter Krei­se. Wer das ver­brei­tet klingt nicht wie die Stim­me des guten Hir­ten.
      Ich ken­ne vie­le Per­so­nen, die sich auf den Weg gemacht haben, von sol­chen Sün­den Abstand zu neh­men. Ein lan­ger, har­ter Weg, zu dem Gott einer­seits bei­steu­ert, man spürt, er greift wirk­lich ein und ver­än­dert die Men­schen guten Willens.Voraussetzung bleibt die Umkehr!
      Ande­rer­seits bleibt die­ser Weg daher hart, denn sol­che Din­ge sind wie eine Sucht.
      Wenn die­se Men­schen mit­be­kom­men, dass ihre Sün­den als Frei­heits­sym­bo­le einer „offe­nen Kir­che“ ver­kauft wer­den, und ein wah­rer Ablass­han­del in nie gekann­tem Aus­maß für Ruhm, Ehre, Geld der Kle­ri­ker, für Kir­chen­steu­er und Macht im Dies­seits statt­fin­det, dann ist das der­ma­ßen demo­ra­li­sie­rend und gera­de­zu teuf­lisch — kaum aus­sprech­bar. Für die­se Men­schen zeigt Papst Fran­zis­kus dem­nach auch kei­ne Zuwen­dung.
      Sor­ry, dafür gibt es einen Grund.
      Ent­we­der sind sol­che Leu­te selbst invol­viert oder sie ver­fol­gen etwas ganz Ande­res als das Chri­sten­tum. Barm­her­zig­keit ist die Lie­be Got­tes für den, der zurück­kehrt, für den, der bereut, und für den, der sei­ne Barm­her­zig­keit auch annimmt, ihn liebt und zumin­dest den Ver­such macht, sei­ne Gebo­te zu hal­ten.

      • Ganz Ihrer Mei­nung. Der Schüs­sel zu den Men­schen ist und bleibt jedoch die Lie­be. Dazu gehört es, Irren­de zu beleh­ren.

        Sie haben in allem Recht.

        Nur, was tun, wenn es kon­kret wird?

        Wenn wir einen Irren­den hart zurecht­wei­sen, ver­här­tet er sich voll­kom­men.

        Ein Bekann­ter von mir, 75 Jah­re alt, ist jetzt seit 37 Jah­ren mit sei­ner zwei­ten Frau stan­des­amt­lich ver­hei­ra­tet. Die bei­den sind ein Herz und eine See­le.
        Vor­her war er 17 Jah­re mit sei­ner ersten Frau zusam­men. (kirch­li­che Eheschließung)Sie ver­ließ ihn. Die bei­den fan­den auch nicht wie­der zusam­men.
        Er sagt: „Wenn ich das Bedürf­nis habe, gehe ich in eine ande­re Kir­che und gehe dort auch zur Kom­mu­ni­on.“ Er geht in die­sem Zusam­men­hang — es ist ein Wall­fahrts­ort der Fran­zis­ka­ner — auch beich­ten und hat von den Beicht­vä­tern ‚grü­nes Licht‘ zur Kom­mu­ni­on bekom­men.
        Vor drei Jah­ren hat­te er ein Gespräch mit sei­nem Gemein­de­pfar­rer vor Ort, der ihm sag­te: „Herr X, so weit sind wir noch nicht, dass sie zur Kom­mu­ni­on gehen könn­ten. Ich hät­te da beden­ken und wüss­te nicht, was ich machen wür­de, wenn sie trotz­dem kämen.“ Und dann der Rat: „Gehen Sie doch in eine ande­re Gemein­de kom­mu­ni­zie­ren.“
        Dem Pfar­rer vor Ort wur­de nach­ge­sagt, er habe sel­ber eine Freun­din.
        Aus die­sem Grun­de schimpft der oben besag­te Herr nun auf den Pfar­rer.

        Vor eini­gen Tagen sag­te er mir, er habe dar­über nach­ge­dacht aus der Kir­che aus­zu­tre­ten, um evan­ge­lisch zu kon­ver­tie­ren; denn er wol­le sei­ne ‚Frau‘ auch kirch­lich hei­ra­ten.

        Er habe geträumt, in der eige­nen Gemein­de zur Kom­mu­ni­on zu gehen und zur Gemein­de zu spre­chen.

        „Wenn der Pfar­rer mir dann die Kom­mu­ni­on ver­wei­gert, dre­he ich mich um und sage zu der gan­zen Gemein­de: ‚Ihr kennt mich. Ich bin XY, ich bin hier in der Kir­che getauft und gefirmt wor­den, war lan­ge Jah­re Mess­die­ner; dann hat­te ich das Unglück, dass mich mei­ne Frau ver­ließ. Soll ich dafür ein Leben lang bestraft wer­den? …“

        Die­ser Mann hat mit 21 Jah­ren gehei­ra­tet und wur­de mit 38 geschie­den. Rein mensch­lich gese­hen war ich im Gespräch mit ihm nicht in der Lage, ihm auf­zu­zei­gen, dass er ein Unrecht bege­he, wenn er zur Kom­mu­ni­on gehe.

        Ich ken­ne die Leh­re. Und die Leh­re muss ein­ge­hal­ten wer­den, um einen Damm­bruch und einer sitt­li­chen Ver­wahr­lo­sung ent­ge­gen zu arbei­ten.

        Aber trotz­dem, was sagt man sol­chen Leu­ten? Sie begrei­fen nicht, wenn man theo­lo­gisch argu­men­tiert.

        Ich sel­ber bin theo­re­tisch genau so hart wie ‚Kla­wit­ter‘. Im kon­kre­ten Umgang ist es jedoch schwie­rig. Ich habe es mir durch mei­ne unnach­gi­bi­ge Gebots­treue und ortho­do­xe Theo­lo­gie mit zu ziem­lich jedem ver­dor­ben. Ich gel­te als ein­sei­tig und teil­wei­se ‚fana­tisch‘. Ich bin dabei, etwas umzu­den­ken: Denn ich errei­che kei­nen Men­schen mehr durch mei­ne Här­te.

        Nach­dem ich das Buch ‚Hei­li­ger Por­phy­ri­os von ‚Kavs­o­ka­ly­via, Leben und Leh­re‘ gele­sen habe — das beste Buch über die Lie­be, das ich ‚je‘ gele­sen habe -, kann ich das Han­deln und Den­ken von Fran­zis­kus (bin sonst ein gro­ßer Fran­zis­kus­geg­ner) zumin­dest nach­voll­zie­hen.

        Das Buch ist erhält­lich im pro­dro­mos-ver­lag (www.prodromos-verlag.de)

        Es ist loh­nens­wert, es zu lesen. Ich habe hun­der­te, wenn nicht tau­sen­de theo­lo­gi­sche Bücher gele­sen. Die­ses gehört m.E. zum aller­stärk­sten.

        Por­phy­ri­os erklärt, dass die Sün­de dei­nes Bru­ders auch dei­ne Sün­de ist. Wer sün­digt, befin­det sich in den Klau­en des Teu­fels. Er wird gequält und lei­det. In die­ser Situa­ti­on bringt es nichts, ‚zu emp­feh­len, zu rat­schla­gen oder zu urtei­len‘, son­dern ein­zig und allein zu beten und zu lie­ben.

        Natür­lich sehe ich die Gefahr, dass sich der Sün­der in sei­ner Sün­de sogar noch bestärkt fühlt.

        Das Pro­blem bei Fran­zis­kus ist: Wir füh­len instink­tiv her­aus, dass er die Sün­de schein­bar zu rela­ti­vie­ren scheint. Wir glau­ben ihm nicht, dass er die Absicht hat, die Men­schen zur Umkehr zu bewe­gen. Viel­mehr will er die Gebo­te, Dog­men und Nor­men den Men­schen anpas­sen.

        Und genau die­ses Gefühl stößt uns zurecht übel auf und teil­wei­se auch ab.

        Der pasto­ra­le Weg von Fran­zis­kus ist nach­voll­zieh­bar. Was aber fehlt, ist die ein­deu­ti­ge Leh­re (zur Umkehr).

        Por­phy­ri­os berich­tet, wie das Cha­ris­ma der Hell­sich­tig­keit und Her­zens­schau von einem älte­ren Möch auf ihn über­ge­gan­gen ist. Er sagt: Wenn du das Licht (der Gna­de Got­tes) in dir hat, geht die­ses Licht auf dei­ne Mit­men­schen über.

        Die Mönchs­vä­ter leh­ren, dass der Hei­li­ge die Sün­de des Näch­sten gar nicht mehr sieht.

        Por­phy­ri­os lehr­te: „Alle lieb­ten mich, weil ich alle lieb­te.“

        Sün­den sind in erster Linie Ver­wun­dun­gen. Wir müs­sen weg davon den Sün­der noch dazu zu ver­ur­tei­len. Die Zusam­men­hän­ge des Schei­terns sind so kom­plex und lie­gen häu­fig in den gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hän­gen begrün­det.

        Der Sün­der ist auch ein Lei­den­der. Wenn wir glau­ben, er genie­ße sei­ne Sün­de, irren wir uns, weil wir noch zu sehr mit den Augen des Neids blicken.

        Was wür­de Jesus heu­te tun? Wür­de er Gerichts­re­den hal­ten und die Men­schen gei­ßeln? Viel­leicht.

        In mei­nem Bibel­kreis sag­te eine Frau: „Die­ser Jesus muss eine unglaub­li­che Aura gehabt haben, so dass er die Men­schen magne­tisch anzog.“

        Ich glau­be, der Schlüs­sel liegt heu­te tat­säch­lich in der Ganz­hin­ga­be und Hei­lig­keit jedes ein­zel­nen.

        Denn im Licht gesche­hen die Bekeh­run­gen, sie gesche­hen im Her­zen. Gott über­führt den Men­schen der Sün­de, nicht der Mensch den Men­schen.

        Sün­de kön­nen wir nur erken­nen, wenn wir vor­her erkannt haben, was Lie­be ist; anson­sten schmei­ßen wir uns nur Geset­zes­tex­te und Empö­run­gen um die Ohren.

        Ich den­ke auch, dass die Bot­schaft des Evan­ge­li­ums heu­te zu ein­sei­tig auf Got­tes Barm­her­zig­keit gerich­tet ist und die Men­schen ten­den­zi­ell dadurch eher in die Irre geführt wer­den.

        Elder Por­phy­ri­os riet nicht durch Wor­te zu beleh­ren, son­dern durch die eige­ne Hei­li­gung und durch das Gebet. Alles, was wir dem ande­ren an Feh­lern vor­hal­ten wür­den, sol­len wir Gott sagen; das Gegen­über aber mit Lie­be behan­deln.

        Wenn wir kon­gron­tie­ren, geht das Gegen­über in die Gegen­wehr. Por­phy­ri­os sagt: Wenn wir hin­neh­men, über­führt den Sün­der sein eige­nes Gewis­sen.

        Mög­li­cher­wei­se sind die Men­schen heu­te schon so ver­derbt, dass sie die­se ‚Metho­de‘ miss­ver­ste­hen und sich noch dazu bestärkt fin­den in ihrer Sün­de.

        Trotz­dem bleibt der Schlüs­sel die eige­ne Hei­li­gung. Elder Por­phy­ri­os riet bei allen Pro­ble­men, ins­be­son­de­re bei Krank­hei­ten oder Eltern-Kind-Pro­ble­men, die eige­ne Hei­li­gung. Eltern sag­te er: „Wenn ihr euch hei­ligt, dann wird auch euer Kind gesund.“

        Dem­nach müs­sen wir es irgend­wie schaf­fen, dem Men­schen auf­zu­zei­gen, dass sie durch die Gebots­treue in ein glück­li­che­res, bes­se­res Leben kom­men. Dazu braucht es aber Vor­bil­der, sozu­sa­gen einen hei­li­gen Rest, der wie­der mit dem Lie­ben bis ans Kreuz (Mar­ty­ri­um) anfängt.

        Wir sol­len also so leben, dass man uns fragt, was uns so froh und glück­lich macht.

        • Sehr geehr­ter Alfons!
          Ihr Kom­men­tar hat mich sehr bewegt.
          Dan­ken aber möch­te ich Ihnen vor allem für Ihren Hin­weis auf das Buch:
          Hei­li­ger Por­phy­ri­os von ‚Kavs­o­ka­ly­via, Leben und Leh­re
          Got­tes Segen für Sie!

  4. Die Miss­brauscli­quen agie­ren welt­weit. Es gibt tau­sen­de Opfer. Viel­leicht ist es das Bekann­wer­den all die­ser Ent­glei­sun­gen und Ver­bre­chen im Innern der Kir­che Jesu, gepaart mit sata­ni­sti­schen Ritua­len, das zu den Attacken auf Prie­ster auf den Hügeln Roms füh­ren wird, die pro­phe­zeit sind. Ich kann mir auch kaum einen ande­ren Grund für einen sol­chen Hass auf Kle­ri­ker vor­stell­len. Es muss etwas sein, was die Leu­te in eine sol­che Wut ver­setzt, das sie nicht mehr zu hal­ten ist.
    Wir wer­den noch sehen, wer der “ beschei­de­ne“ Papst wirk­lich ist. Beschei­den ist zunächst aller­dings sein Glau­be.

    In Zei­ten, in denen das christ­li­che Euro­pa vom Glau­ben abfällt und der Islam blen­det, raubt und mor­det, ist es ent­setz­lich, kei­nen ech­ten Hir­ten mehr zu haben.
    Oder haben wir ihn?
    Bene­dikt XVl betet — viel­leicht wur­de er vor die­sen Cli­quen in Sicher­heit gebracht?
    Lei­der erken­nen wir die (Ab-)Gründe erst zu dem Zeit­punkt, den Gott dafür bestimmt hat.

  5. Ich lebe seit 1989 mit mei­ner Ehe­frau ohne Sex im glei­chen Haus­halt zusam­men. Damals erklär­te sie mir, daß sie kei­nen Sex mehr haben wol­le und reich­te die Schei­dung ein.
    Ich woll­te nicht geschie­den sein, des­halb habe ich mei­ner Frau ihre Aus­sich­ten auf ein „tol­les Leben“ mit zwei Kin­dern klar­ge­macht. Also blieb sie, es war nicht immer gemüt­lich.

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