Frontalangriff „im Namen des Papstes“ gegen die „religiöse Rechte“ in den USA

Papst-Vertraute legen Frontalangriff gegen die "religiöse Rechte" in den USA vor. Papst Franziskus will offenbar im Schulterschluß mit der politischen Linken massiv im Anti-Trump-Kampf und am Umbau der politischen Landschaft der USA mitwirken.
Papst-Vertraute legen Frontalangriff gegen die "religiöse Rechte" in den USA vor. Papst Franziskus will offenbar im Schulterschluß mit der politischen Linken massiv im Anti-Trump-Kampf und am Umbau der politischen Landschaft der USA mitwirken.

(Rom) Lau­rie Good­stein hat­te am 11. Juni auf der Titel­sei­te der New York Times die „reli­gi­ös Libe­ra­len“ bzw. die „reli­giö­se Lin­ke“ auf­ge­ru­fen, die „Vor­herr­schaft der reli­giö­sen Rech­ten in der Moral-Agen­da des Lan­des zu bre­chen“. Als mög­li­che Akteu­re nann­te sie „eine neue Wel­le katho­li­scher Akti­vi­sten, die von Papst Fran­zis­kus inspi­riert wird“. Ihr Appell scheint nicht unge­hört ver­hallt zu sein. In der neu­en Aus­ga­be der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca (Nr. 4010) haben die bei­den Autoren Anto­nio Spa­daro und Mar­ce­lo Figuer­oa den Arti­kel „Evan­ge­li­ka­ler Fun­da­men­ta­lis­mus und katho­li­scher Inte­gra­lis­mus: eine über­ra­schen­de Öku­me­ne“ vor­ge­legt. Er ist ein Fron­tal­an­griff — im Namen des Pap­stes — gegen die „reli­giö­se Rech­te“ in den USA, die für den Wahl­sieg von Donald Trump ver­ant­wort­lich gemacht wird.

Die Autoren: der Papst-Vertraute und der protestantische Papst-Freund

Der Jesu­it Anto­nio Spa­daro ist Schrift­lei­ter der Jesui­ten­zeit­schrift und einer der eng­sten Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus. Mar­ce­lo Figuer­oa ist pres­by­te­ria­ni­scher Pastor und Schrift­lei­ter der argen­ti­ni­schen Aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no. Wer an die­ser Stel­le stut­zen soll­te, hat nicht falsch gele­sen. Am 30. Dezem­ber 2016 ist die erste Num­mer der argen­ti­ni­schen Aus­ga­be des Osser­va­to­re Roma­no erschie­nen. Die­se Aus­ga­be geht auf einen aus­drück­li­chen Wunsch von Papst Fran­zis­kus zurück. Vom Papst per­sön­lich wur­de auch der ver­ant­wort­li­che Schrift­lei­ter aus­ge­wählt. Die Wahl von Fran­zis­kus fiel auf den pro­te­stan­ti­schen Theo­lo­gen Mar­ce­lo Figuer­oa, seit Jah­ren ein per­sön­li­cher Freund Ber­go­gli­os. Er ist in der 156jährigen Geschich­te der „Zei­tung des Pap­stes“ der erste Nicht-Katho­lik, der eine sol­che Stel­lung ein­nimmt.

Marcelo y Jorge: Figueroa und Papst Franziskus
Mar­ce­lo y Jor­ge: Figuer­oa und Papst Fran­zis­kus

Figuer­oa kommt nun ein wei­te­rer Pri­mat zu. Die römi­sche Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca ist noch älter als der Osser­va­to­re Roma­no. Redak­ti­on und Autoren bestan­den bis­her aus­nahms­los aus Jesui­ten. Figuer­oa, wenn auch zusam­men mit einem Jesui­ten, ist der erste pro­te­stan­ti­sche Autor in der seit 1850 erschei­nen­den Publi­ka­ti­on, die damit die älte­ste noch erschei­nen­de und zugleich auch die ein­fluß­reich­ste Jesui­ten­zeit­schrift der Welt ist. Im Fol­gen­den ist mit­zu­den­ken, daß jeder Arti­kel in der Civil­tà  Cat­to­li­ca mit aus­drück­li­cher Erlaub­nis des Vati­kans erscheint. Die Tex­te müs­sen dem Staats­se­kre­ta­ri­at vor­ge­legt wer­den und bedür­fen der aus­drück­li­chen Druck­erlaub­nis. Im Gegen­satz zu sei­nen Vor­gän­gern über­nimmt Papst Fran­zis­kus die­se Auf­ga­be für ihm wich­ti­ge The­men sogar per­sön­lich. Es darf ange­nom­men wer­den, daß das auch beim vor­lie­gen­den Arti­kel sei­nes Ver­trau­ten und sei­nes Freun­des der Fall war.

Goodsteins Anti-Trump- und Anti-Konservativen-Linie

Der von Spa­daro und Figuer­oa vor­ge­leg­te Arti­kel folgt ganz der Anti-Trump- und Anti-Kon­ser­va­ti­ven-Linie des Arti­kels in der New York Times. Die Sym­pa­thi­en von Papst Fran­zis­kus für die poli­ti­sche Lin­ke, ja sogar für die radi­ka­le Lin­ke, sind bekannt. Ganz die­ser Über­zeu­gung ent­spre­chend mei­det er nach Mög­lich­keit jede Berüh­rung mit nicht-lin­ken poli­ti­schen Kräf­ten und redu­ziert sei­nen Kon­takt als Staats­ober­haupt auf ein pro­to­kol­la­ri­sches Mini­mum oder demon­stra­ti­ve Distanz, wie gegen­über den amtie­ren­den para­gu­ay­ischen und argen­ti­ni­schen Staats­prä­si­den­ten.

Die argen­ti­ni­sche Pres­se­agen­tur Telam schrieb zum Spa­dar­o/­Fi­guer­oa-Arti­kel:

„War­nung aus dem Vati­kan: Evan­ge­li­ka­le und Katho­li­ken der USA för­dern den ‚Haß‘“.

Die inter­na­tio­na­le Nach­rich­ten­agen­tur Asso­cia­ted Press titel­te:

„Ver­trau­ter des Pap­stes ver­ur­teilt reli­giö­se Rech­te der USA.“

Spa­daro und Figuer­oa sehen im „evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­lis­mus“ und im „katho­li­schen Inte­gra­lis­mus“ die­sel­ben „ultra­kon­ser­va­ti­ven“ Kräf­te am Werk. Die­se Kräf­te ver­su­chen, so die Autoren, die Poli­tik der USA mit ihrer „frem­den­feind­li­chen und isla­mo­pho­ben“ Sicht­wei­se zu beein­flus­sen.

Die Kri­tik trifft alle US-Prä­si­den­ten seit Ronald Rea­gan, aller­dings nur die repu­bli­ka­ni­schen. Rea­gan und Geor­ge W. Bush hät­ten sich einer „christ­lich-evan­ge­li­ka­len Spra­che“ bedient. Fein­de sei­en „dämo­ni­siert“ wor­den. Die ein­sei­ti­ge Par­tei­nah­me zugun­sten der poli­ti­schen Lin­ken ist der eigent­li­che rote Faden des gan­zen Arti­kels.

„Ultrakonservative Kräfte“, deren Feindbilder „die Migranten und die Muslime“ sind

Für Spadaro/Figueroa sind - unter Berufung auf Papst Franziskus - nicht-linke Christen die Feinde.
Für Spadaro/Figueroa sind — unter Beru­fung auf Papst Fran­zis­kus — nicht-lin­ke Chri­sten die Fein­de.

Die­se „ultra­kon­ser­va­ti­ven“ Kräf­te sehen, so Spa­daro und Figuer­oa, „ihre Welt“ durch „moder­ni­sti­sche Ide­en bedroht“. Bei die­sen „Bedro­hun­gen“ set­zen die Autoren, zeit­lich sehr früh an und nen­nen die „Rech­te der schwar­zen Skla­ven“, die „Hip­py-Bewe­gung“, den „Kom­mu­nis­mus“, die „femi­ni­sti­schen Bewe­gun­gen usw“. Heu­te sei­en es „die Migran­ten und die Mus­li­me“, durch den sich „die­se Rech­te“ bedroht sehe. Zugleich sug­ge­rie­ren die Autoren, daß eine sol­che „Bedro­hung“ nur ima­gi­niert sei, und die­se Ein­bil­dung einer ver­werf­li­chen Ableh­nung der Moder­ne ent­sprin­ge.

Spadaro/Figueroa unter­stel­len der „reli­giö­sen Rech­ten“ (Good­stein) zudem, die Hei­li­ge Schrift, ob das Alte oder das Neue Testa­ment, „aus dem Kon­text“ zu rei­ßen, anstatt vom „Blick vol­ler Lie­be des Jesus der Evan­ge­li­en gelei­tet“ zu sein.

Die­ser ver­zerr­te Blick, so die bei­den Autoren, ver­ur­tei­le nicht alles, was zum Kon­flikt füh­re. Er erken­ne bei­spiels­wei­se nicht den Zusam­men­hang „zwi­schen Kapi­tal und Pro­fit und Waf­fen­han­del“. Viel­mehr gel­te „das Gegen­teil: Häu­fig wird der Krieg mit den heroi­schen Erobe­rungs­un­ter­neh­mun­gen des ‚Got­tes der Hee­re‘ von Gide­on und David gleich­ge­setzt. In die­ser manichäi­schen Sicht­wei­se kön­nen Waf­fen eine Recht­fer­ti­gung theo­lo­gi­scher Natur erfah­ren.“

Crux Now, die pro­ges­si­ve Nach­rich­ten­platt­form des Bos­ton Glo­be, titel­te daher:

„Papst­na­he Jesui­ten­zeit­schrift sagt, hin­ter Trump steht ein ‚manichäi­sches Den­ken‘.“

„Mangelnde Sensibilität gegenüber dem Klimawandel“

Spadaro/Figueroa ertei­len, auch dar­in Good­steins Hand­lungs­an­wei­sun­gen fol­gend, einen mehr­fa­chen, dar­un­ter auch ras­si­sti­schen Sei­ten­hieb, wenn sie ganz nach der Dik­ti­on lin­ker Autoren von „die­ser reli­giö­sen Kol­lek­ti­vi­tät“ schrei­ben, die „haupt­säch­lich aus Wei­ßen der unte­ren Schich­ten aus dem tie­fen Süden“ der USA bestehe. Die­se sei­en unsen­si­bel („wie betäubt“) gegen­über dem Kli­ma­wan­del. Natur­ka­ta­stro­phen, „die dra­ma­ti­schen Kli­ma­ver­än­de­run­gen“ und die „öko­lo­gi­sche Kri­se“ wür­den nur als Ver­such wahr­ge­nom­men, sie zu einem Umden­ken ver­an­las­sen zu wol­len, oder im Sin­ne des Buches der Apo­ka­lyp­se, das sie „nicht nur alle­go­risch“ ver­ste­hen.

Die bei­den Autoren sehen einen „fun­da­men­ta­li­sti­schen Öku­me­nis­mus“ am Werk:

„Mit dem Hebel der Wer­te des Fun­da­men­ta­lis­mus ent­wickelt sich eine selt­sa­me Form einer über­ra­schen­den Öku­me­ne zwi­schen evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­li­sten und inte­gra­li­sti­schen Katho­li­ken, geeint durch den­sel­ben Wil­len eines direk­ten reli­giö­sen Ein­flus­ses auf die poli­ti­sche Dimen­si­on.“

„Seltsame Ökumene“ zu den Themen: Abtreibung, Homo-Ehe, Moral, Werte

„Eini­ge, die sich als Katho­li­ken beken­nen“, wür­den Töne anschla­gen, die „bis vor kur­zem ihrer Tra­di­ti­on fremd waren und den evan­ge­li­ka­len Tönen viel näher sind“. Die „Öku­me­ne“ zwi­schen Grup­pen, die kon­fes­sio­nell „para­do­xer­wei­se Kon­kur­ren­ten“ sind, erfol­ge zu „klar defi­nier­ten“ The­men. Als sol­che nen­nen Spadaro/Figueroa, wie­der­um ganz auf der Linie Good­steins:

„The­men wie Abtrei­bung, die Ehe zwi­schen Per­so­nen des glei­chen Geschlechts, die reli­giö­se Erzie­hung an den Schu­len und ande­re Fra­gen, die all­ge­mein als mora­lisch betrach­tet wer­den oder mit Wer­ten.“

Sowohl Evan­ge­li­ka­le als auch inte­gra­li­sti­sche Katho­li­ken wür­den

„die tra­di­tio­nel­le Öku­me­ne ver­ur­tei­len und eine Öku­me­ne des Kon­flikts för­dern, die sie eint in einem nost­al­gi­schen Traum von einem Staat mit theo­kra­ti­schen Zügen.“

„Ökumene des Hasses“

Der „gefähr­lich­ste“ Aus­blick „die­ses selt­sa­men Öku­me­nis­mus“ sei aber „sei­ner xeno­pho­ben und isla­mo­pho­ben Sicht­wei­se“ zuzu­schrei­ben, „die Mau­ern und rei­ni­gen­de Depor­ta­tio­nen for­dert“.

Die bei­den Autoren ver­stei­gen sich zur Schluß­fol­ge­rung:

„Das Wort ‚Öku­me­ne‘ ver­wan­delt sich so in ein Para­dox, in eine ‚Öku­me­ne des Has­ses‘.“

Dem stel­len Spadaro/Figueroa Papst Fran­zis­kus ent­ge­gen: „Die enor­me Dif­fe­renz ist ein­deu­tig“, die ihn von einem sol­chen Ver­ständ­nis tren­ne. Der Papst „ermu­tigt die Öku­me­ne mit ver­schie­de­nen christ­li­chen Ansprech­part­nern und ande­ren reli­giö­sen Kon­fes­sio­nen“. Er bewe­ge sich auf „der Linie der Inklu­si­on, des Frie­dens, der Begeg­nung und der Brücken“. Dar­aus fol­gern die Autoren:

„Die­ses Phä­no­men ent­ge­gen­ge­setz­ter Öku­me­nis­men mit gegen­sätz­li­chem Ver­ständ­nis des Glau­bens und der Welt­sicht, in denen die Reli­gio­nen unver­söhn­li­che Rol­len spie­len, ist viel­leicht der unbe­kann­te­ste und zugleich dra­ma­tisch­ste Aspekt der Aus­brei­tung des inte­gra­li­sti­schen Fun­da­men­ta­lis­mus.“

In die­sem Satz las­sen Spadaro/Figueroa erst­mals den von ihnen behaup­te­ten „evan­ge­li­ka­len Fun­da­men­ta­lis­mus“ und den „katho­li­schen Inte­gra­lis­mus“ auch sprach­lich inein­an­der­flie­ßen.

Päpstlicher Einsatz gegen den „Religionskrieg“

Dar­aus erge­be sich, laut den bei­den Autoren, die „histo­ri­sche Bedeu­tung des Ein­sat­zes des Pap­stes gegen die ‚Mau­ern‘ und gegen jede Form von ‚Reli­gi­ons­krieg‘.“

Crux Now: Im Bild Antonio Spadaro und Papst Franziskus
Crux Now: Im Bild Anto­nio Spa­daro und Papst Fran­zis­kus

Damit stel­len Spadaro/Figueroa nicht-lin­ke Chri­sten in völ­li­ger Ver­zer­rung der Wirk­lich­keit in einen Zusam­men­hang mit einem „Reli­gi­ons­krieg“. Es heißt zwar „jede Form von Reli­gi­ons­krieg“, doch han­delt der Arti­kel nicht vom Islam, son­dern rich­tet sich expli­zit gegen nicht-lin­ke Chri­sten, die mit unge­wöhn­li­cher Bedin­gungs­lo­sig­keit her­ab­ge­setzt und wie Reli­gi­ons­fein­de behan­delt wer­den.

Eine so radi­ka­le, ideo­lo­gi­sche Sicht­wei­se war zuletzt in den 80er Jah­ren zu hören, damals von den befrei­ungs­theo­lo­gisch ange­hauch­ten, hoch­po­li­tisch auf­ge­la­de­nen Ver­tre­ten eines Links­ka­tho­li­zis­mus. Mit dem Zusam­men­bruch des kom­mu­ni­sti­schen Ost­blocks war die­se Spra­che aus der Öffent­lich­keit ver­schwun­den. Offen­sicht­lich nur vor­über­ge­hend. Mit der Wahl von Papst Fran­zis­kus ist sie in so neu­er Inten­si­tät zurück­ge­kehrt. Dabei schrei­ben die bei­den Autoren para­do­xer­wei­se selbst, daß „das reli­giö­se Ele­ment nie mit dem poli­ti­schen ver­wech­selt wer­den darf“. Auch die­se „Hal­tet-den-Dieb-Men­ta­li­tät“ haben Spadaro/Figueroa mit dem euro­päi­schen Links­ka­tho­li­zis­mus gemein­sam. Mit dem Fin­ger wird pene­trant auf ande­re gezeigt, um selbst die Hal­tung prak­ti­zie­ren zu kön­nen, die man den ande­ren vor­wirft. Der dama­li­ge Links­ka­tho­li­zis­mus war es, der Opfern „sozia­li­sti­scher“ Regime die kal­te Schul­ter zeig­te. Damals wie heu­te scheint die Begrün­dung dafür zu lau­ten: Wah­re Chri­sten ste­hen links, die ande­ren sind Reak­tio­nä­re und daher des namens Chri­sten nicht wür­dig. So behaup­te­te es der Schwei­zer Kapu­zi­ner Wal­bert Bühl­mann in den 80er Jah­ren.

Papst Fran­zis­kus, so die bei­den Autoren, wider­spre­che einem reli­giö­sen Miß­brauch der poli­ti­schen Macht. Die­ser Les­art des päpst­li­chen Kur­ses hat erst am ver­gan­ge­nen Sonn­tag ein aus­ge­spro­chen zurück­hal­ten­der und gemä­ßig­ter Poli­ti­ker, der Phi­lo­soph Mar­cel­lo Pera, mit unge­wöhn­li­cher Vehe­menz wider­spro­chen. Pera, ein Wis­sen­schafts­theo­re­ti­ker, warf Fran­zis­kus vor, „nur Poli­tik zu betrei­ben“. Das gan­ze Pon­ti­fi­kat des argen­ti­ni­schen Pap­stes sei „vom ersten Tag“ an, nicht durch die Ver­nunft oder das Evan­ge­li­um gelei­tet, son­dern durch eine irra­tio­na­le Ideo­lo­gie.

Spadaro/Figueroa schrei­ben dage­gen:

„Fran­zis­kus lehnt radi­kal die Idee einer Umset­zung des Rei­ches Got­tes auf Erden ab, wie sie Grund­la­ge des Hei­li­gen Römi­schen Rei­ches war und jede Form einer ähn­li­chen poli­ti­schen und insti­tu­tio­nel­len Poli­tik, ein­schließ­lich der Dimen­si­on der ‚Par­tei‘.“

Zugleich erteil­ten die Autoren im Namen des Pap­stes eine Absa­ge an „eth­ni­sche“ Wur­zeln und die Iden­ti­tät der Völ­ker. Euro­pa habe „christ­li­che Wur­zeln“, zitie­ren sie Fran­zis­kus, doch die­se sei­en „durch einen Geist des Die­nens zu pfle­gen wie bei der Fuß­wa­schung“.

Die bei­den Autoren kon­stru­ie­ren auch in die­sem Fall ver­zerr­te Gegen­sät­ze, um eine bestimm­te Sei­te zu ver­ur­tei­len.

Dazu paßt das am Mitt­woch im The Ame­ri­can Spec­ta­tor erschie­ne­ne Dos­sier:

„The Roots of the Pope’s Anti-Ame­ri­ca­nism.“

“Die Wur­zeln des Anti-Ame­ri­ka­nis­mus des Pap­stes. Sie kön­nen auf sei­nen lin­ken Hin­ter­grund in Argen­ti­ni­en zurück­ge­führt wer­den.“

Das Wall Street Jour­nal mach­te Papst Fran­zis­kus wegen der Wahl von Donald Trump im Dezem­ber 2016 zum neu­en Anfüh­rer der glo­ba­len Lin­ken. Eine sol­che Posi­ti­on such­te der Papst schon deut­lich frü­her. Im März 2016 for­der­te der kom­mu­ni­sti­sche Phi­lo­soph und beken­nen­de Homo­se­xu­el­le Gian­ni Vat­ti­mo als Nach­fol­ge­or­ga­ni­sa­ti­on der Kom­mu­ni­sti­schen Inter­na­tio­na­le eine Papisti­sche Inter­na­tio­na­le, ohne daß der dane­ben sit­zen­de Papst-Ver­trau­te Mar­ce­lo San­chez Soron­do den gering­sten Wider­spruch erken­nen ließ.

Der Spa­dar­o/­Fi­guer­oa-Arti­kel ist ein deut­li­ches Signal an die US-Lin­ke, daß Papst Fran­zis­kus auf ihrer Sei­te steht. Es ist auch ein über­deut­li­ches Signal, daß der Vati­kan unter Papst Fran­zis­kus den Kampf gegen die „reli­giö­se Rech­te“ in der katho­li­schen Kir­che der USA auf­ge­nom­men hat. Die wich­ti­gen Bischofs­er­nen­nun­gen in den USA wei­sen in eine ein­deu­ti­ge Rich­tung.

Der Arti­kel, für den die per­sön­li­che Zustim­mung und Ertei­lung der Druck­erlaub­nis durch Fran­zis­kus vor­aus­ge­setzt wer­den kann, ver­deut­licht, daß Papst Fran­zis­kus im Ein­klang mit der inter­na­tio­na­len poli­ti­schen Lin­ken die kon­ser­va­ti­ven und rech­ten Kräf­te in den USA, auf­grund der her­aus­ra­gen­den Stel­lung des Lan­des, für den größ­ten Feind hält — nicht den Islam, nicht eine unkon­trol­lier­te Völ­ker­wan­de­rung, nicht den Rela­ti­vis­mus.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Civil­tà  Cattolica/Crux Now (Screen­shots)




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6 Kommentare

  1. Es ver­schlägt einem die Spra­che, mit welch üblen jesui­ti­schen Taschen­spie­ler­tricks nicht nur die soge­nann­te „Rech­te“ der USA, son­dern mit ihr auch gleich der gesam­te Wer­te­ka­non der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und die Moral­leh­re der Kir­che, ja der gesun­de Men­schen­ver­stand selbst mit auf die Ankla­ge­bank gesetzt und als Gefahr für den Welt­ord­nung kri­mi­na­li­siert wird, wäh­rend die wirk­li­chen Bedro­hun­gen der Mensch­heit wie die Auf­lö­sung der sitt­li­chen Wer­te durch Abtrei­bung und Gen­de­ris­mus, die mas­sen­haf­te, unge­steu­er­te Migra­ti­on oder der gewalt­be­rei­te Isla­mis­mus, die gegen­wär­tig tat­säch­li­chen Bedro­hun­gen der Men­scheit dadurch völ­lig aus­ge­blen­det und negiert wer­den. Man fragt sich unwill­kür­lich: spin­nen die oder spin­ne ich? — so fern jeder Rea­li­tät ist die­ses Sze­na­rio, das hier ent­wor­fen wird. Ber­go­glio ist das per­fek­te tro­ja­ni­sche Pferd, das, im Zen­trum der Kir­che pla­ziert, die Kir­che von sich selbst ent­frem­det, sie von innen zer­frisst und aus­höhlt und zum Ein­sturz zu brin­gen trach­tet, denn nur auf den Trüm­mern der alten Ord­nung kann die neue glo­ba­li­sti­sche Welt­ord­nung ent­ste­hen, von der die­se Her­ren träu­men. Quo usque tan­dem?

  2. Lin­ke Poli­tik und lin­ke Kir­che ver­ei­nen sich. Mensch­lich gese­hen ist es aus­sichts­los, aber Gott lässt Sei­ne Schöp­fung nicht zer­stö­ren. Nur dem Beter kann es noch gelin­gen.….… Bestür­men wir den Him­mel.

  3. In welch deso­la­tem inne­ren, geist­li­chen Zustand muss eine Kir­che sein, daß ein Spon­ti und Sozia­list Papst wer­den kann. Leu­te wie Bene­dikt XVI. müs­sen sich heu­te vor­wer­fen las­sen, dass sie der­einst den Boden für sol­che Leu­te berei­tet haben. Ver­brann­te Erde und Zer­stö­rung pfla­stern Weg die­ser „Revo­lu­tio­nä­re“, wohin man blickt. Die Zah­len spre­chen eine deut­li­che Spra­che ihrer „Erfol­ge“.

    • Es ist unfair Papst Bene­dikt die Schuld dafür in die Tasche zu schieben…die Hl. Schrif­ten müs­sen sich ganz ein­fach erfül­len!

      • Unter Ber­go­glio wird defi­ni­tiv kein Kon­ser­va­ti­ver mehr zum Kar­di­nal ernannt wer­den. (Fähig­kei­ten spie­len bei ihm kei­ne Rol­le, wenn die Rich­tung nicht passt) Bene­dikt XVI. hat dage­gen sogar ihm feind­lich gesinn­te Kan­di­da­ten zu Kar­di­nä­len gemacht, damit ver­fe­stig­ten und ver­fe­sti­gen sich die Mehr­heits­ver­hält­nis­se immer wei­ter, und Kan­di­da­ten wie Ber­go­glio wer­den irgend­wann der Nor­mal­fall. Genau auf die­se Unum­kehr­bar­keit sei­ner Linie zielt Ber­go­glio und sein Kreis auch ab. Inso­fern liegt auch eine Tra­gik in der Per­son Benedikt´s XVI, weil er die­sen Weg selbst auch mit berei­tet hat. Man den­ke zurück, an die Ände­rung der falsch über­setz­ten Wand­lungs­wor­te, wel­che die Bischö­fe im offe­nen Unge­hor­sam ein­fach „aus­ge­ses­sen“ haben. Der­ar­ti­ges wäre unter Ber­go­glio ein Ding der Unmög­lich­keit, weil er viel auto­ri­tä­rer sei­nen Wil­len auch durch­setzt.

  4. Mit mensch­li­chen Mög­lich­kei­ten ist die­ser ern­sten Ver­wir­rung nicht mehr bei­zu­kom­men! Papst Fran­zis­kus hat­te bei sei­nem Antritt ver­lau­ten las­sen, dass er auch nur fünf Jah­re regie­ren will. Nach dem Mül­ler weg ist, soll­te der Papst die­ser Ankün­di­gung Taten fol­gen las­sen.

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