Zur Lage der Kirche – Frage 37

Die Gläubigen müssen sich vorbereiten, den Glauben selbständig zu bewahren und weiterzugeben


Don Michael Gurtner Zur Lage der Kirche

Von Don Micha­el Gurtner*

Fra­ge: Das erfor­dert aber eine grö­ße­re Eigen­stän­dig­keit der Gläubigen…

Ant­wort: Das auf jeden Fall, weil die Kir­che momen­tan sozu­sa­gen aus­setzt und nicht mehr über­all ihrem Auf­trag nach­kommt, den sie von Chri­stus erhal­ten hat, näm­lich die Aus­brei­tung der Wahr­heit, die immer und ein­zig sei­ne Wahr­heit ist. Wo nach und nach alle Glau­bens­sät­ze umge­deu­tet und ver­än­dert wer­den, dort blei­ben die Gläu­bi­gen auf sich allein gestellt und müs­sen die mage­ren Zei­ten sozu­sa­gen selbst über­brücken. Doch genau das will man eigent­lich nicht in der Kir­che: Einer­seits spricht man immer von der „Mün­dig­keit der Lai­en“, jedoch nur dort, wo es dar­um geht, gewis­se libe­ra­le Neue­run­gen durch­zu­set­zen. Auf der ande­ren Sei­te beob­ach­tet man, daß es gar nicht mehr so will­kom­men ist, wenn Gläu­bi­ge sel­ber den­ken und bei­spiels­wei­se die hei­li­ge Kuh der Kir­che, näm­lich das Zwei­te Vati­ka­num, sowie ihr hei­li­ges gol­de­nes Kalb, näm­lich die Lit­ur­gie­re­form, zu hin­ter­fra­gen. In die­sem Fal­le kann der syn­oda­le Kle­rus plötz­lich sehr auto­ri­tär wer­den und beginnt mit selbst­ge­fäl­li­ger kle­ri­ka­ler Prä­po­tenz auf den Lai­en und deren katho­li­schem Glau­ben rum­zu­tram­peln, indem er sie wie Ver­rück­te und reli­gi­ös Wahn­sin­ni­ge behan­delt. Plötz­lich wer­den stren­ge und rigi­de Regeln, Ver­bo­te und Ver­pflich­tun­gen auf­ge­stellt, wo man anson­sten doch die Bastio­nen schlei­fen woll­te. Dage­gen dür­fen und müs­sen sich die Gläu­bi­gen weh­ren und sich eigen­stän­dig orga­ni­sie­ren, not­falls auch ohne Prie­ster, die letzt­lich nur Mit­tel zum Zweck sind. Doch wenn sie ihren Zweck nicht mehr erfül­len, so muß es auch ohne sie gehen. Obwohl ich selbst dem Kle­ri­ker­stand ange­hö­re, und das mit gro­ßer Freu­de und inni­ger Dank­bar­keit, sage ich aus eige­ner Erfah­rung (denn ich ken­ne ja mei­ne Kol­le­gen) den Gläu­bi­gen oft und ein­dring­lich: Traue zunächst ein­mal kei­nem Kle­ri­ker! Prü­fe! Auf­grund der Lage des Kle­rus müs­sen die Lai­en heu­te sehr selb­stän­dig sein und sich selbst dar­um sor­gen, den rech­ten katho­li­schen Glau­ben zu bewah­ren und wei­ter­zu­t­ra­die­ren, denn was heu­te vom Kle­rus kommt, ist nicht sel­ten viel zu unsicher.

*Mag. Don Micha­el Gurt­ner ist ein aus Öster­reich stam­men­der Diö­ze­san­prie­ster, der in der Zeit des öffent­li­chen Meß­ver­bots die­sem wider­stan­den und sich gro­ße Ver­dien­ste um den Zugang der Gläu­bi­gen zu den Sakra­men­ten erwor­ben hat. Die aktu­el­le Kolum­ne erscheint jeden Samstag.


Das Buch zur Rei­he: Don Micha­el Gurt­ner: Zur Lage der Kir­che, Selbst­ver­lag, 2023, 216 Seiten.


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