Benedikt XVI. ist heute entschlafen

Zum Tod eines wirklich Großen

Benedikt XVI., der von 2005 bis 2013 die heilige Kirche regierte, ist am heutigen Vormittag im Kloster Mater Ecclesiae entschlafen.
Benedikt XVI., der von 2005 bis 2013 die heilige Kirche regierte, ist am heutigen Vormittag im Kloster Mater Ecclesiae entschlafen.

Ein erster Nach­ruf von Giu­sep­pe Nardi

In Dank­bar­keit und Ehr­furcht ver­nei­gen wir uns vor Bene­dikt XVI., die­ser gro­ßen Gestalt, die das Papst­tum mit so gro­ßer Wür­de aus­ge­füllt hat und ein Leh­rer der Men­schen war. Im Gegen­satz zu den unzäh­li­gen Schwät­zern unse­rer Zeit war er jener, der der Mensch­heit etwas zu sagen hat­te. Daß die­se ihn kaum hören woll­te, tut dem kei­nen Abbruch. In die­ser ersten Reak­ti­on auf sein Able­ben ist nicht der Platz für eine umfas­sen­de Wür­di­gung, dafür umso mehr aber für eine Ver­nei­gung vor die­ser her­aus­ra­gen­den Gestalt, die so vie­len ein Hir­te, Lehr­mei­ster, Vater und Füh­rer gewe­sen ist.

Unver­ges­sen ist der Moment, als am 19. April 2005 von der Mit­tel­log­gia des Peters­do­mes sein Name als erwähl­ter Papst ver­kün­det wur­de. Er gab der geschun­de­nen Kir­che neue Hoff­nung, auf die all jene bereit­wil­lig Ant­wort gaben, die wil­lens waren, sich um Petrus zu scharen.

Unver­ges­sen ist der Schock sei­nes Amts­ver­zichts, der in sei­ner Art in der Kir­chen­ge­schich­te bei­spiel­los ist und Grund für anhal­ten­des Rät­seln blieb.

Unver­ges­sen sind als dräu­en­des Zei­chen für das Kom­men­de aber auch die Bil­der jenes nicht min­der bei­spiel­lo­sen Blitz­ein­schlags in die Peters­kup­pel am 11. Febru­ar 2013, dem Tag, als er sei­nen bevor­ste­hen­den Rück­tritt bekannt­gab, eines Natur­er­eig­nis­ses, das weder vor­her noch seit­her doku­men­tiert und unwei­ger­lich von vie­len als Fin­ger­zeig des Him­mels gedeu­tet wurde.

Fast zehn Jah­re muß­te er seit­her selbst­ge­wähl­ter Zeu­ge wer­den, wie sein Bemü­hen, die Kir­che wie­der­auf­zu­rich­ten, von sei­nem Nach­fol­ger und ande­ren Gegen­spie­lern Stück um Stück demon­tiert wur­de. Wie es ihm, der sich betend in das Klo­ster Mater Eccle­siae zurück­ge­zo­gen hat­te, dabei ergan­gen sein muß, behielt er wegen sei­ner fei­nen und edlen Art und sei­nes gro­ßen Respekts vor dem Petrus­amt in sich ver­bor­gen. Nur gele­gent­lich blitz­te sei­ne Auto­ri­tät noch auf, zuletzt, als er zusam­men mit Kar­di­nal Robert Sarah im Janu­ar 2020 in Buch­form ein lei­den­schaft­li­ches Plä­doy­er für das Wei­he­sa­kra­ment und den prie­ster­li­chen Zöli­bat hielt. Dar­in sprach er von einer „dunk­len Zeit“, die das Prie­ster­tum durch­schrei­te, eine Ein­schät­zung, die er als histo­ri­schen Moment durch­aus für die gan­ze Kir­che ver­stan­den wis­sen woll­te. Es war wie ein letz­tes Auf­bäu­men. Ein Schritt, der in San­ta Mar­ta nicht ohne Ein­druck blieb.

Bene­dikt XVI. wur­de am 16. April 1927 als Joseph Ratz­in­ger in Marktl am Inn in Ober­bay­ern gebo­ren. 1951 wur­de er in Frei­sing zum Prie­ster, 1977 zum Bischof geweiht und im sel­ben Jahr zum Kar­di­nal kreiert.

Anschlie­ßend lie­ßen sei­ne Kräf­te bald und immer schnel­ler nach. Im Som­mer 2021 fühl­te man sich im Gäste­haus des Vati­kans schließ­lich so sicher, daß man mit dem Motu pro­prio Tra­di­tio­nis cus­to­des zum Angriff auf das Herz­stück des bene­dik­t­i­ni­schen Pon­ti­fi­kats ansetz­te, dem Angriff auf den über­lie­fer­ten Ritus.

Der auf­merk­sa­me Beob­ach­ter Mar­tin Mose­bach hat­te bereits unmit­tel­bar nach dem Amts­ver­zicht ein für den dama­li­gen Moment sehr hart anmu­ten­des Ver­dikt gefällt, indem er vor­aus­sag­te, vom Pon­ti­fi­kat Bene­dikts wer­de, wenn über­haupt, nur sein Motu pro­prio Sum­morum Pon­ti­fi­cum über­dau­ern. Heu­te zeigt sich, wie klar­sich­tig die­ses Resü­mee war, denn genau so kam es. Auch Sum­morum Pon­ti­fi­cum wur­de von sei­nem Nach­fol­ger Fran­zis­kus besei­tigt und Bene­dikt XVI. vor aller Welt wenn nicht als „Indiet­rist“, so zumin­dest als För­de­rer eines „Indiet­ris­mus“ denunziert.

Bene­dikt XVI. war kei­ne Kämp­fer­na­tur, sein Kampf geschah auf einer inne­ren Ebe­ne und im Gebet. Die gläu­bi­gen See­len ver­stan­den, trotz man­cher Dif­fe­ren­zen, instink­tiv, daß er in sei­ner Inten­ti­on das Rich­ti­ge, das Gott­ge­fäl­li­ge woll­te. Dar­an änder­te auch nichts, daß er vor gro­ßen, ent­schei­den­den Schrit­ten zurück­schreck­te. So blieb er bei aller intel­lek­tu­el­len Red­lich­keit bis zuletzt ein Ver­fech­ter des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und ver­such­te einen Spa­gat, der nur am grü­nen Tisch des Hoch­ge­lehr­ten zu gelin­gen scheint – viel­leicht. Er erkann­te die nega­ti­ven Fol­gen und die unzäh­li­gen Usur­pa­tio­nen, konn­te sich aber nicht von die­sem Teil sei­nes eige­nen Lebens tren­nen, der ihn damals, gewiß in guter Absicht, tief bewegt hat­te. Er ver­such­te mit sei­ner anti­the­ti­schen Her­me­neu­tik der Kon­ti­nui­tät eine Kor­rek­tur und zeig­te damit zumin­dest, daß sehr wohl neue Aspek­te in die Dis­kus­si­on ein­ge­bracht und die­se wie­der­auf­ge­nom­men wer­den konn­te. Er wag­te auch nicht im Okto­ber 2012, als zumin­dest das Gerücht umging, bei der ersten inter­na­tio­na­len Wall­fahrt der Tra­di­ti­on zum Stuhl Petri selbst teil­zu­neh­men und im Peters­dom als Papst erst­mals wie­der im über­lie­fer­ten Ritus zu zele­brie­ren. Lit­ur­gi­ker haben ein­ge­wen­det, daß die Rekon­struk­ti­on der Papst­mes­se als erster und ober­ster Aus­druck der Lit­ur­gie gar nicht so ohne wei­te­res mög­lich sei. Bene­dikt hät­te, als unüber­seh­ba­res Signal, aber zumin­dest einem Pon­ti­fi­kal­amt im über­lie­fer­ten Ritus bei­woh­nen kön­nen. Die Welt ahn­te zu jenem Zeit­punkt noch nicht, daß er bald das Undenk­ba­re tun und zurück­tre­ten wür­de. Er aber wuß­te es schon.

1977 wur­de er Erz­bi­schof von Mün­chen und Frei­sing, 1982 Prä­fekt der römi­schen Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on und 2002 Dekan des Kar­di­nals­kol­le­gi­ums. Am 19. April 2005 wur­de er als 265. Stell­ver­tre­ter Chri­sti auf Erden zum Papst gewählt.

Durch sei­nen gro­ßen Intel­lekt und durch gött­li­che Gna­de erkann­te er viel, wo ande­re mit Blind­heit geschla­gen sind. Es fehl­te ihm als Mensch des Gei­stes aber die Kraft zu den sich aus dem Erkann­ten erge­ben­den not­wen­di­gen Schrit­ten. Er hoff­te auf eine orga­ni­sche Ent­wick­lung über Gene­ra­tio­nen hin­weg, die ganz sei­nem Kir­chen­ver­ständ­nis ent­sprach. Er wür­de die ihm mög­li­chen Wei­chen stel­len, die dann von sei­nen Nach­fol­gern beschrit­ten wer­den kön­nen. Doch schon sein unmit­tel­ba­rer Nach­fol­ger tat dies nicht. Die Gna­de des Todes, den die Päp­ste vor ihm hat­ten, um even­tu­ell nach­fol­gen­de Fehl­ent­wick­lun­gen nicht mit­er­le­ben zu müs­sen, blieb ihm aus eige­nem Wol­len ver­sagt. Man­che sahen dar­in eine „Stra­fe“ für sei­ne Amts­nie­der­le­gung. So muß­te er Zeu­ge einer fort­ge­setz­ten Demon­ta­ge der Kir­che im all­ge­mei­nen und sei­ner Bemü­hun­gen, die­ser ent­ge­gen­zu­tre­ten, im beson­de­ren sein. Man erahnt viel­leicht ein wenig, was eine Vor­weg­nah­me des Fege­feu­ers auf Erden sein könnte.

Heu­te wur­de ihm die Gna­de geschenkt, die­se Zeu­gen­schaft, die Fol­ge sei­nes Amts­ver­zichts ist, been­den zu kön­nen. Bischof Atha­na­si­us Schnei­der sag­te vor kur­zem, die Kir­che gehö­re nicht dem Papst und die Gläu­bi­gen soll­ten dar­um bit­ten, daß ihr ein hei­li­ger Papst geschenkt wer­de. Wir dür­fen anneh­men, daß Bene­dikt XVI. nicht anders dach­te und in die­sen letz­ten Jah­ren sei­nes Erden­le­bens mit Nach­druck in die­sem Anlie­gen den Him­mel bestürmt haben wird.

Im Gegen­satz zu zwei­fel­haf­ten Benen­nun­gen, die sein Nach­fol­ger vor­nahm, kön­nen wir aus Über­zeu­gung und rei­nen Gewis­sens sagen, daß Bene­dikt XVI. wirk­lich „ein Gro­ßer“ war, der nun aus unse­rer Mit­te gegan­gen ist, um in der Läu­te­rung alles zu erken­nen, wonach er sich gesehnt und auf Erden in bester Absicht aus­ge­streckt hat.

In para­di­sum dedu­cant te ange­li;
in tuo adven­tu sus­ci­piant te mar­ty­res,
et per­du­cant te in civitatem sanc­tam Ierusa­lem.
Cho­rus ange­lorum te sus­ci­pi­at,
et cum Laza­ro, quon­dam pau­pe­re,
æter­nam habe­as requiem.

Ins Para­dies mögen die Engel dich gelei­ten,
bei dei­ner Ankunft die Mär­ty­rer dich emp­fan­gen
und dich füh­ren in die hei­li­ge Stadt Jeru­sa­lem.
Der Chor der Engel möge dich emp­fan­gen,
und mit Laza­rus, dem einst armen,
mögest du ewi­ge Ruhe haben.

Requiescat in pace.

Bild: Vati​can​.va (Screen­shots)


Wei­ter­füh­rend:

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8 Kommentare

  1. Ich fürch­te, Bene­dikt wird in die Kir­chen­ge­schich­te bei aller per­sön­li­chen Hei­lig­keit als ein neu­er Coele­stin V. ein­ge­hen, der mit sei­ner Schwä­che und Abdan­kung den Weg für das Scheu­sal Boni­faz VIII. frei machte.

  2. Jetzt haben wir defi­ni­tiv nur noch einen Papst. Ist nun­mehr Fran­zis­kus der letz­te Papst der End­zeit? Steht nun die von der Got­tes­mut­ter im abge­schie­den gele­ge­nen spa­ni­schen Berg­dorf Gara­band­al vier unschul­dig-jun­gen Mäd­chen mit­ge­teil­te Pro­phe­zei­ung „War­nung und Wun­der“ bevor? Sie soll sich, zeit­lich fixiert, ereig­nen im vier­ten Pon­ti­fi­kat nach Johan­nes XXIII.? Es scheint also span­nend zu werden.

  3. Hr. Giu­sep­pe Nar­di hat hier den schön­sten, edlen und wahr­haf­ti­gen Nach­ruf in deut­scher Spra­che und weit dar­über hin­aus geschrieben.
    Wenn eine ver­stor­be­ne Per­son vor dem Ewi­gen Rich­ter steht, gibt es für uns Men­schen nichts zu urteilen.
    Sum­morum Pon­ti­fi­cum, und schon lan­ge vor­her sein Inter­es­se und Empa­thie und Sym­pa­thie für die Tra­di­ti­on und beson­ders die Ecle­sia Dei ‑gesell­schaf­ten, und auch sein Instinkt haben da im Stil­len und Ver­bor­ge­nem viel bewirkt.
    Sehr viel, und wohl viel mehr als durch Tra­di­tio­nis cus­to­des aus­ge­wischt wor­den kann, lebt wei­ter und floriert.
    Die Tra­di­ti­on ist leben­di­ger denn je, kräf­ti­ger, grö­ßer- und jetzt nicht nur und allein auf die Lit­ur­gie fixiert, son­dern breit und total fun­da­men­tal : „La véri­té!“, wie SE EB Msgr. Lefeb­v­re bei sei­ner letz­ten Unter­re­dung im Rom zu den unter­han­deln­den Kar­di­nä­len sagte.

  4. RIP Papst Bene­dikt XVI.! Ich darf mich den Vor­kom­men­ta­ren mit die­sem Gedan­ken anschliessen:

    Papst Bene­dikt XVI. war in sei­ner Pri­vat­fröm­mig­keit ein bay­ri­scher Katho­lik, des­sen barocker Katho­li­zis­mus noch vom so wich­ti­gen Sen­dungs­be­wusst­sein des „Got­tes­gna­den­tums“ und somit der über­na­tür­li­chen, unab­än­der­li­chen, über­welt­li­chen Amts­auf­fas­sung für das Papst­tum geprägt wäre. Lei­der hat sein moder­ni­sti­scher und hege­lia­ni­scher Intel­lekt sei­ne Ent­schei­dun­gen domi­niert und so ent­stand durch sei­nen so schick­sals­haft ver­fehl­ten Rück­tritt, den er schein­bar nur intel­lek­tu­ell-welt­lich erwog, ein irrepa­ra­bler Scha­den am über­na­tür­li­chen Nim­bus des „Papst­tums“ in sei­ner ewig­gül­ti­gen Sen­dung. Wie mahn­te der Kra­kau­er Erz­bi­schof SE Kadri­nal Dzwisz, lebens­lan­ger Sekre­tär des Hl.Johannes Paul II., anläss­lich des Papst-Rück­tritts: „Chri­stus ist auch nicht vom Kreuz heruntergestiegen!“- 

    Der Hl. Papst Johan­nes Paul II. hat uns- in sei­ner tie­fen, mysti­schen Sen­dung und Fröm­mig­keit in der Moder­ne die Ewig­keit und Über­na­tür­lich­keit des Papst­tums vor­ge­lebt bis zum letz­ten Atem­zug. Wei­land Papst Bene­dikt XVI. hat mE mit sei­ner fata­len Fehl­ent­schei­dung nun­mehr dar­aus ein welt­i­ches Amt mit Ablauf- und Rück­tritts­da­tum defi­niert. Das ist ein für uns und kom­men­de Gene­ra­ti­on noch unfass­ba­rer Scha­den am Papst­tum, genau­so wie das gegen­wär­ti­ge Pon­ti­fi­kat, wo der Amts­in­ha­ber sich offen­bar mehr als gut­mensch­li­cher NGO-Vor­sit­zen­der ver­steht, denn sakra­men­tal-über­na­tür­lich als Stell­ver­tre­ter Chri­sti und Nach­fol­ger Petri auf Erden, der sich dem Main­stream einer ver­irr­ten Welt nicht anpasst, son­dern auf die All­macht Got­tes und sei­ner Sen­dung ver­trau­end, dage­gen stellt.

  5. Ich tei­le die Fra­ge der Fehl­ent­schei­dung bezo­gen auf den Rück­tritt von Papst Bene­dikt nicht. Wie ist die­ser Rück­tritt zu bewerten?
    Die Decla­ra­tio ist in latei­ni­scher Spra­che geschrie­ben. Sie hat Feh­ler und ist sti­li­stisch schwie­rig ein­zu­ord­nen. Sie ist weder cice­ro­nisch noch klas­si­sches Kir­chen­la­tein. Dies beinhal­tet Schwie­rig­kei­ten im Verständnis.Beim genau­en Lesen der latei­ni­schen Rück­trit­s­sde­cla­ra­tio von Bene­dikt XVI. erken­nen wir, dass Bene­dikt nicht in dem Sin­ne zurück­ge­tre­ten ist, wie es viel­fach ver­stan­den wird. Dazu ver­wei­se ich auf fol­gen­de Punkte:
    1. Gleich im ersten Satz beschreibt Bene­dikt XVI den wah­ren Grund sei­nes „Rück­trit­tes: „ut vobis decis­io­nem magni momen­ti pro Eccle­siae vita com­mu­nicem.“ …damit ich Euch eine Ent­schei­dung von gro­ßer Bedeu­tung für das Leben der Kir­che ver­mit­te­le. Bene­dikt geht also die­sen Schritt um das (wei­te­re) Leben der Kir­che zu sichern. Er macht die­sen Schritt, obgleich der Grün­der der Kir­che, unser Herr, Jesus Chri­stus, ver­spro­chen hat, daß die Pfor­ten der Höl­le sie nicht über­wäl­ti­gen wer­den. Die­sen Schritt geht er als „Kat­echon“. (Die Form kommt in 2 Thess 2,6 EU im Neu­trum und in 2,7 EU – nun also per­so­na­li­siert – im Mas­ku­li­num vor.)
    2. Der näch­ste wich­ti­ge Punkt ist die unter­schied­li­che Bedeu­tung von munus und mini­ste­ri­um. Bene­dikt sagt: ad cogni­tio­nem cer­tam per­ve­ni vires meas ingra­ve­s­cen­te aet­a­te non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque admi­ni­stran­dum. Bene con­sci­us sum hoc munus secund­um suam essen­ti­am spi­ri­tua­lem non solum agen­do et loquen­do exse­qui debe­re, sed non minus pati­en­do et oran­do. Aber nach dem latei­ni­schen Text der Decla­ra­tio tritt er nicht vom Munus ( = Auf­ga­be, Pflicht daher auch munus petrinum ) ‑so beschwer­lich er es auch emp­fun­den hat – zurück, son­dern vom mini­ste­ri­um ( = Amt, Dienst, Dienstleistung).
    3. Aus dem Geschrie­be­nen folgt die Fra­ge nach der alles ent­schei­den­den Bin­de- und Löse­ge­walt eines Pap­stes. Sie ist Teil des Munus und basiert auf der Zusa­ge Chri­sti an Petrus nach Mt. 16,19: Ich wer­de dir die Schlüs­sel des Him­mel­reichs geben; was du auf Erden bin­den wirst, das wird auch im Him­mel gebun­den sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Him­mel gelöst sein. Bene­dikt beschreibt sogar gemäß dem Vor­satz „Bene con­sci­us sum hoc munus secund­um suam essen­ti­am spi­ri­tua­lem non solum agen­do et loquen­do exse­qui debe­re, sed non minus pati­en­do et oran­do. Er ver­weist kon­kret auf den spi­ri­tu­el­len Gehalt, wel­chen das munus ausmacht.
    Die­se spi­ri­tu­el­le Gewalt hat er behal­ten und nicht zurückgegeben.

  6. Theo­lo­gi­sche Theo­rie und syste­ma­ti­sches Theo­re­ti­sie­ren in der Theo­lo­gie ist legi­tim, cum gra­no salis:

    Man kann in der Theo­lo­gie viel kon­stru­ie­ren, debat­tie­ren oder auch theoretisieren.

    Hier aber schei­nen mir die­se Punk­te maßgeblicher:

    1. Wann jemals in 2000 Jah­ren Kir­chen­ge­schich­te gab es eine Auf­spal­tung von munus und mini­ste­ri­um auf zwei Per­so­nen im Papst­amt? Wäre genau die­se Auf­spal­tung des Papst­am­tes in zwei Berei­che nicht kon­tra­pro­duk­tiv, was die apo­sto­li­sche Sen­dung anlangt? Cui bono? Hät­te dann nicht Chri­stus selbst munus und mini­ste­ri­um eben­so auf zwei Per­so­nen auf­tei­len müs­sen, um hier eine apo­sto­li­sche Tra­di­ti­on einer sol­chen Vor­gangs­wei­se recht­fer­ti­gen zu können?

    2. Wenn also die spi­ri­tu­el­le Gewalt beim „alten“ bzw. „emi­ri­tier­ten“ Papst blie­be, an wel­chen Hir­ten soll­ten sich dann die Gläu­bi­gen in der Segens- und Löse­ge­walt wen­den, führt das dann den „amtie­ren­den“ Papst mit sei­nem blo­ßen Magi­steri­um prak­tisch nicht ad absurdum.

    Vie­les, was von theo­lo­gi­scher Syste­ma­tik und Theo­rie her, also aus dem Intel­lekt kommt, ist zwar in der Theo­rie per se nicht falsch, aber es ist nicht immer segens­reich und ent­spricht in den sel­ten­sten Fäl­len dem über­na­tür­li­chen Cha­rak­ter der Sen­dung der Kir­che, nota­be­ne man auch die apo­sto­li­sche Kon­ti­nui­tät oder Tra­di­ti­on immer befra­gen sollte.

    Die­se theo­re­ti­sie­ren­de Auf­tei­lung von munus und mini­ste­ri­um erin­nert – um es etwas pole­misch zu poin­tie­ren- in irri­tie­ren­der Wei­se an die über­schäu­men­de Scho­la­stik des Mit­tel­al­ters, wo Theo­lo­gen her­um­theo­re­ti­sier­ten, wie­vie­le Schutz­en­gel auf einer Nadel Platz fänden.…

    Sol­che Über­le­gun­gen mögen theo­lo­gisch-gei­stes­wis­sen­schaft­li­cher Denk­sport sein, haben aber mit dem Glau­bens­le­ben und der Glau­bens­er­bau­ung und Stär­kung des Kir­chen­volks mit EINEM ÜBERNATÜRLICH GESANDTEN UND GESALBTEN HIRTEN ALS PAPST wirk­lich nichts mehr zu tun.

    So scheint das das auch mit die­ser theo­re­ti­schen Auf­tei­lung von munus und mini­ste­ri­un zu sein: Alles ande­re als erbau­lich, stär­kend und einend für das Kir­chen­volk, son­dern ver­wir­rend, schwä­chend und zwei­fel­be­gün­sti­gend, quod erat demon­stran­dum in die­ser Situa­ti­on, seit wir hier einen Papa eme­ri­tus par­al­lel zum amtie­ren­den Papst hatten.

  7. Papst Been­dikt XVI. wird der Kir­che noch lan­ge als Theo­lo­ge und Per­son gro­ßen Gei­stes erhal­ten blei­ben. Er wur­de so viel attackiert. Er muß­te so vie­le Unge­rech­tig­kei­ten erleiden.
    Die von ihm noch ernann­ten Kar­di­nä­le haben nun die Auf­ga­be, einen der ihren als neu­en Papst zu wählen.
    Ande­rer­seits aber sind mit dem Tod von Bene­dikt XVI. auch die Bot­schaf­ten von Gara­band­al wohl an ein Ziel gekom­men. Er war jeden­falls der letz­te Papst einer Epo­che. Nach sei­ner Grab­le­gung kom­men­den Don­ners­tag wird sich vie­les ändern.

  8. Den Rück­tritt Bene­dikts kann man auch als Lebens­ver­si­che­rung für die Kir­che wer­ten, denn sowohl der Papst, als auch EB Gäns­wein befürch­te­ten einen bal­di­gen Tod. Dann hät­te der bereits „fest­ste­hen­de“ Nach­fol­ger freie Hand in Allem (gehabt). Soo war der Beten­de Papst doch ein mas­si­ves Hin­der­nis. Das ver­zeiht ihm kein Neukatholischer.

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