Die heimliche Lehre zur Homosexualität

Römische Akrobatik und kultur-marxistische deutsche Bischöfe


Papst Leo XIV. ließ ein Schreiben des Glaubensdikasteriums zu den deutschen Homo-Segnungs-Plänen veröffentlichen, das bereits vom Herbst 2024 stammt, also noch bergoglianischen Ursprungs ist.
Papst Leo XIV. ließ ein Schreiben des Glaubensdikasteriums zu den deutschen Homo-Segnungs-Plänen veröffentlichen, das bereits vom Herbst 2024 stammt, also noch bergoglianischen Ursprungs ist.

Die jüng­ste Ver­öf­fent­li­chung eines bis­lang unbe­kann­ten Schrei­bens des römi­schen Dik­aste­ri­ums für die Glau­bens­leh­re wirft ein auf­schluß­rei­ches Licht auf die inner­kirch­li­chen Span­nun­gen rund um den Umgang mit Homo-Seg­nun­gen – ins­be­son­de­re im deut­schen Kon­text. Das Doku­ment, datiert auf den 18. Novem­ber 2024, also noch unter Fran­zis­kus, wur­de jedoch erst am 30. April 2026, unter Leo XIV., ohne grö­ße­re Ankün­di­gung auf der offi­zi­el­len Inter­net­sei­te des Dik­aste­ri­ums zugäng­lich gemacht – aller­dings bis­her nur in ita­lie­ni­scher Spra­che. Es rich­tet sich an den Trie­rer Bischof Msgr. Ste­phan Acker­mann und ent­hält gewich­ti­ge Ein­wän­de gegen ein in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ent­wickel­tes pasto­ra­les Hand­rei­chungs­do­ku­ment („Vade­me­cum“) zu Seg­nun­gen für „Paa­re, die sich lieben“.

Ein nachträglich veröffentlichtes Signal aus Rom

Die ver­spä­te­te Publi­ka­ti­on die­ses Schrei­bens ist kein Zufall. Sie fällt in eine Pha­se wach­sen­der Kon­tro­ver­sen, nach­dem meh­re­re bun­des­deut­sche Bischö­fe – allen vor­an der Münch­ner Kar­di­nal Rein­hard Marx – ange­kün­digt hat­ten, Homo-Seg­nun­gen in ihren Diö­ze­sen kon­kret umzusetzen.

Zur bes­se­ren Ein­ord­nung: Die soge­nann­te „Homo-Pasto­ral“ wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zwi­schen Kie­fers­fel­den und Flens­burg mas­siv aus­ge­baut und gehört in den mei­sten Diö­ze­sen zu den prio­ri­sier­ten Sek­to­ren, die dem noch nicht ver­trie­be­nen Rest des Vol­kes Got­tes regel­recht auf­ge­zwun­gen wer­den. Und selbst­ver­ständ­lich erfolgt die­se „Homo-Pasto­ral“ mit Homo-Fah­nen, „quee­ren Wegen“ und LGBTQ-Pro­gram­men nicht im Sin­ne der über­lie­fer­ten kirch­li­chen Moral­leh­re, son­dern ganz im Sin­ne jenes woken Zeit­gei­stes, der in Ursprung und Wesen kir­chen­fern und gott­los ist. Kurz­um: Es han­delt sich um ein Zeit­geist­pro­dukt, mit dem woke Kle­ri­ker und Kir­chen­an­ge­stell­te nicht vor Gott, son­dern vor der Welt punk­ten wol­len. Die „Homo-Häre­sie“ (Dari­usz Oko) dient dabei als eine von meh­re­ren Abriß­bir­nen gegen die Kirche.

Kar­di­nal Marx nahm dazu den Prie­ster Wolf­gang Rothe in Dienst: eine Sym­bol­fi­gur. Zunächst orga­ni­sier­te und infil­trier­te er mit dem Ruf eines „Kon­ser­va­ti­ven“ das Prie­ster­se­mi­nar des öster­rei­chi­schen Bischofs Kurt Krenn in St. Pöl­ten, sei­ner­zeit eine Sym­bol­ge­stalt im Wider­stand gegen links-pro­gres­si­ve Ten­den­zen in der Kir­che. In dem Prie­ster­se­mi­nar wur­de wäh­rend Rothes Amts­zeit als Sub­re­gens eine Art Homo-Kom­mu­ne instal­liert. Rothe selbst wur­de in homo­ero­ti­scher Pose mit einem Semi­na­ri­sten foto­gra­fiert. Die Rosa Frak­ti­on fühl­te sich offen­bar sicher, man rede­te sich unter­ein­an­der mit Frau­en­na­men an. Als die Sache im Zuge von poli­zei­li­chen Ermitt­lun­gen zum Besitz von Kin­der­por­no­gra­phie auf­flog, die einen Semi­na­ri­sten betra­fen, war nicht Rothe, son­dern Bischof Krenn rui­niert, der dem aus Mar­burg stam­men­den Theo­lo­gen ver­traut hatte.

Rothe hin­ge­gen, der die Drei­stig­keit besaß, alles abzu­strei­ten, und damit auch noch den letz­ten Rest gut­gläu­bi­ger kon­ser­va­ti­ver Ver­tei­di­ger vor der öster­rei­chi­schen Öffent­lich­keit dis­kre­di­tier­te, fiel weich. Wäh­rend Bischof Krenn sein Amt ver­lor und die letz­ten Jah­re als gebro­che­ner Mann ver­brach­te, wur­de mit ihm auch der letz­te Rest jenes Ver­suchs zu Gra­be getra­gen, unter Johan­nes Paul II. durch einen Kurs­wech­sel bei den Bischofs­er­nen­nun­gen eine glau­bens­treue Erneue­rung der Kir­che in Öster­reich zu erreichen.

Rothe hin­ge­gen fiel weich. Nach einem Zwi­schen­stopp als Whis­ky-Exper­te fand er neue Betä­ti­gungs­fel­der in der Erz­diö­ze­se Mün­chen-Frei­sing – aus­ge­rech­net bei jenem homo-freund­li­chen Kar­di­nal Marx, der sich auch nun in der Sache beson­ders her­vor­tut. Die­ser lei­ste­te sich bekannt­lich 2012 auch eine fast zehn Mil­lio­nen Euro teu­re Abstei­ge in Rom und Rekord­bau­ko­sten in Mün­chen, ohne dar­über zu stür­zen, wie es hin­ge­gen sei­nem kon­ser­va­ti­ve­ren Amts­bru­der Tebartz-van Elst in Lim­burg wider­fuhr. Man muß offen­bar nur aus­rei­chend „bom­ba­stisch“ sein in der Kirchenpolitik.

In St. Pöl­ten geschah alles in Form von Infil­tra­ti­on und nach außen geheim. Seit eini­gen Jah­ren ist Rothe nun jeden­falls offi­zi­ell für die Homo-Pasto­ral in Mün­chen zuständig.

Man­che schwim­men immer oben. Man­che wer­den sogar dafür belohnt, Häre­si­en zu ver­brei­ten. In Tei­len der Kir­che von heu­te schei­nen Scham und Gren­zen weit­hin abhan­den­ge­kom­men zu sein.

Damit zurück zu Mar­xens Ankün­di­gung, Homo-Seg­nun­gen anzu­bie­ten und durch­zu­füh­ren – ein Feld, auf dem Rothe in Mün­chen insti­tu­tio­nell die erste Adres­se ist.

Das The­ma erhielt inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit, als Papst Leo XIV. wäh­rend eines Rück­flu­ges aus Afri­ka am ver­gan­ge­nen 23. April auf eine ent­spre­chen­de Fra­ge Stel­lung nahm und dabei auf eine bereits erfolg­te vati­ka­ni­sche Ant­wort ver­wies – eben jenes nun ver­öf­fent­lich­te Schrei­ben. Von die­sem Schrei­ben, das der Papst erwähn­te, wuß­te die Öffent­lich­keit bis dahin aber nichts.

Der Prä­fekt des Glau­bens­dik­aste­ri­ums, Kar­di­nal Víc­tor Manu­el Fernán­dez, erklär­te gestern gegen­über Aci­pren­sa (CNA), die Ver­öf­fent­li­chung sei erfolgt, weil von die­sem Moment an vie­le nach die­ser Ant­wort gefragt hät­ten. Bereits im Okto­ber 2025 hat­te er selbst deren Exi­stenz bei­läu­fig gegen­über The Pil­lar erwähnt, ohne den Text aber zugäng­lich zu machen.

Als kei­nes­wegs neben­säch­li­ches Detail ist fest­zu­hal­ten, daß die römi­sche Reak­ti­on auf eine deut­sche woke Eigen­mäch­tig­keit zunächst vor der Öffent­lich­keit ver­bor­gen blieb. Dar­aus drängt sich der Schluß auf, daß das berg­o­glia­ni­sche Rom die kirch­li­che Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät – die in einem offen­kun­di­gen Span­nungs­ver­hält­nis zum selbst­er­nann­ten „Wer­te-Westen“ steht – alles ande­re als offen­siv zur Gel­tung brin­gen woll­te, son­dern sie viel­mehr bewußt im Ver­bor­ge­nen zu hal­ten suchte.

Erst unter Leo XIV. wur­de die­ser Zustand for­mal kor­ri­giert, indem die Ver­öf­fent­li­chung des betref­fen­den Schrei­bens ver­an­laßt wur­de. Aller­dings geschah auch dies nicht mit demon­stra­ti­ver Klar­heit, son­dern erneut in zurück­hal­ten­der, gera­de­zu unauf­fäl­li­ger Wei­se. Das Glau­bens­dik­aste­ri­um stell­te das Doku­ment ohne jede Ankün­di­gung ein­fach ins Netz und reih­te es unter das ursprüng­li­che Datum vom Novem­ber 2024 ein.

Ohne auf­merk­sa­me Beob­ach­ter wäre die­ser Vor­gang denn auch weit­ge­hend unbe­ach­tet geblie­ben. Gera­de dar­in zeigt sich die eigen­tüm­li­che Span­nung der gegen­wär­ti­gen Lage: Einer­seits wird eine Klä­rung vor­ge­nom­men, ande­rer­seits geschieht sie in einer Form, die geeig­net ist, ihre Wir­kung mög­lichst gering zu halten.

Klare Grenzen: Keine Legitimation irregulärer Verbindungen

Im Zen­trum des Schrei­bens steht die Aus­le­gung der höchst umstrit­te­nen Erklä­rung Fidu­cia sup­pli­cans, die das Dik­aste­ri­um Ende 2023 mit Bil­li­gung von Papst Fran­zis­kus ver­öf­fent­licht hat­te. Dar­in wird zwar die Mög­lich­keit nicht­lit­ur­gi­scher Seg­nun­gen für Per­so­nen in irre­gu­lä­ren Situa­tio­nen eröff­net, zugleich aber eine kla­re Gren­ze gezogen:

Die Kir­che habe „nicht die Voll­macht, eine lit­ur­gi­sche Seg­nung zu ertei­len, wenn die­se in irgend­ei­ner Wei­se eine mora­li­sche Legi­ti­ma­ti­on einer Ver­bin­dung dar­stel­len könn­te, die als Ehe ver­stan­den wird, oder einer außer­ehe­li­chen sexu­el­len Praxis“.

Um genau zu sein, ver­lief die Ent­wick­lung holp­ri­ger. Fidu­cia sup­pli­cans wur­de ver­öf­fent­licht und all­ge­mein als „Öff­nung“ der Kir­che für Homo-Seg­nun­gen ver­stan­den – und genau so prä­sen­tier­te sich das Doku­ment zunächst auch. Dage­gen erhob sich jedoch sofort ein star­ker kir­chen­in­ter­ner Wider­stand. Die erste epi­skopa­le Stim­me, die wider­sprach, war Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der aus Ast­a­na, es folg­ten wei­te­re Bischö­fe, dann gan­ze Bischofs­kon­fe­ren­zen auf meh­re­ren Kon­ti­nen­ten, dar­un­ter Ungarn, die Nie­der­lan­de und Tei­le Frank­reichs, und schließ­lich sogar der Dach­ver­band der Bischofs­kon­fe­ren­zen Schwarzafrikas.

Im berg­o­glia­ni­schen Rom stand die Homo-Agen­da weit oben auf der Prio­ri­tä­ten­li­ste. Sie zog sich als roter Faden durch das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus. Es besteht kaum ein Zwei­fel, daß Fran­zis­kus und sein Adla­tus Fernán­dez mit Fidu­cia sup­pli­cans ein kla­res Signal an die Homo-Lob­by und deren ein­fluß­rei­che För­de­rer im Hin­ter­grund sen­den wollten.

Der mas­si­ve Wider­stand pro­vo­zier­te zunächst die gewohn­te Reak­ti­on: Fran­zis­kus wur­de zor­nig. Als gewief­ter Tak­ti­ker such­te er jedoch sofort einen Weg, sein Pro­jekt zu ret­ten und die Klip­pen zu umschif­fen. Es folg­te jene berüch­tig­te Erklä­rung, mit der er den Kri­ti­kern ent­ge­gen­kam, ohne sei­nen Stand­punkt wirk­lich zu ändern. Er erklär­te, es gebe kei­ne Ver­pflich­tung; daher könn­ten die Bischofs­kon­fe­ren­zen und Diö­ze­san­bi­schö­fe selbst ent­schei­den. Die Sei­ten­hie­be fehl­ten nicht: Afri­ka sei eben etwas rück­stän­dig, man müs­se Geduld haben – dann wür­den sie die­sen Rück­stand schon auf­ho­len. Und über­haupt sei­en Kri­ti­ker von Fidu­cia sup­pli­cans „Ideo­lo­gen“.

Kar­di­nal Fernán­dez ergänz­te, es hand­le sich ohne­hin um Homo-Seg­nun­gen, die in Wirk­lich­keit kei­ne sei­en: Wenn ein Homo-Paar um einen Segen bit­te, wer­de nicht das Paar geseg­net, son­dern „nur“ die bei­den Homo­se­xu­el­len als Ein­zel­per­so­nen. Kri­ti­ker bezeich­ne­ten die­se „Nach­bes­se­rung“ als übel­ste „jesui­ti­sche“ Haar­spal­te­rei. Doch die römi­schen Stel­len hat­ten ihr Schlupf­loch gefun­den. Und über­haupt, so Fernán­dez, dür­fe die­ser Segen ohne­hin nicht län­ger als fünf­zehn Sekun­den dau­ern. Damit war der Beweis erbracht, daß im dia­lek­ti­schen Spiel der moder­ni­sti­schen Agen­da kei­ne Pein­lich­keit zu groß ist, um nicht den­noch vor­ge­tra­gen zu werden.

Die­se Prä­mis­sen sind für die Gesamt­be­ur­tei­lung ent­schei­dend. Fran­zis­kus hat­te kla­re Ziel­set­zun­gen, such­te aber stets den Weg des gering­sten Wider­stan­des – auch um den Preis von Rück- oder Seit­wärts­be­we­gun­gen, solan­ge sie letzt­lich dem Vor­wärts­kom­men dien­ten. In der Kir­che der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, seit den sech­zi­ger Jah­ren (ante lit­teram) eine woke Speer­spit­ze, sieht man das anders: weni­ger geschmei­dig, viel­mehr teu­to­nisch-dog­ma­tisch. Man will die Homo-Agen­da direkt, offen und ohne Umwe­ge durch­set­zen, weil man sich mit ihr identifiziert.

Damit zog der vor­pre­schen­de Teil der deut­schen Bischö­fe den Unmut von Fran­zis­kus auf sich. Inhalt­lich bestand zwar weit­ge­hend Einig­keit, doch Fran­zis­kus woll­te Tem­po und Takt bestim­men und sich die­se nicht dik­tie­ren las­sen – auch nicht von jenen deut­schen Par­tei­gän­gern, denen er den Papst­thron verdankte.

Im bis­lang geheim­ge­hal­te­nen Schrei­ben betont Kar­di­nal Fernán­dez, daß die vor­ge­se­he­nen Homo-Seg­nun­gen aus­drück­lich nicht dazu dien­ten, Lebens­for­men zu „legi­ti­mie­ren“ oder zu „sank­tio­nie­ren“, son­dern allein dar­auf abziel­ten, Got­tes Bei­stand zu erbit­ten, damit Men­schen ihr Leben stär­ker am Evan­ge­li­um ausrichten.

Unaus­ge­spro­chen bleibt dabei – wie so oft – die kirch­li­che Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät. Auch hier wies Fran­zis­kus den Weg: Im Juli 2013 erklär­te er knapp, alles ste­he dazu ja im Kate­chis­mus, man wis­se es ohne­hin. Dabei blieb es. Trotz zahl­rei­cher Homo-Gesten ver­mied er es kon­se­quent, die Leh­re aus­drück­lich dar­zu­le­gen oder zu begründen.

Kritik am deutschen Vademecum

Das in „syn­oda­ler“ Koope­ra­ti­on zwi­schen Deut­scher Bischofs­kon­fe­renz und Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Katho­li­ken erar­bei­te­te Vade­me­cum wird in dem bis­her gehei­men Schrei­ben deut­lich kri­ti­siert. Es spricht von einer „offi­zi­el­len Rege­lung“ für Seg­nun­gen von Paa­ren außer­halb der Ehe und ent­hält Ele­men­te wie eine „Akkla­ma­ti­on“, also einen Begriff aus der Eheschließungsliturgie.

Aus Sicht des Glau­bens­dik­aste­ri­ums ent­steht dadurch fak­tisch der Ein­druck einer kirch­li­chen Aner­ken­nung sol­cher Ver­bin­dun­gen – im Wider­spruch zur Leh­re. Beson­ders pro­ble­ma­tisch ist, daß das Doku­ment trotz anfäng­li­cher Hin­wei­se auf „Spon­ta­nei­tät“ kon­kre­te Ablauf­plä­ne, ästhe­ti­sche Vor­ga­ben sowie musi­ka­li­sche Gestal­tungs­ele­men­te vor­sieht. Ein offen­sicht­li­cher Wider­spruch, der die Inten­ti­on dahin­ter preisgibt.

Kar­di­nal Fernán­dez erkennt dar­in eine „Lit­ur­gie oder Para­lit­ur­gie“, die von Rom aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen wor­den sei, und for­mu­liert unmiß­ver­ständ­lich: Es dür­fe „weder ein Ritu­al vor­ge­se­hen noch geför­dert werden“.

Letzt­lich jedoch geht es um Nuan­cen: um Tak­tik. Fidu­cia sup­pli­cans wur­de nach­träg­lich umin­ter­pre­tiert, das jetzt ver­öf­fent­lich­te Schrei­ben zunächst zurück­ge­hal­ten. Rom selbst hat in der Sache nicht sau­ber gespielt. Im kon­kre­ten Fall woll­te es den woken deut­schen Epi­sko­pat ein­bin­den und ganz im Sin­ne der berg­o­glia­ni­schen Vor­ge­hens­wei­se bloß­stel­len­de Kon­fron­ta­tio­nen ver­mei­den. Doch die­se Rech­nung ging nicht auf, da die kul­tur-mar­xi­sti­schen deut­schen Amts­trä­ger unru­hig sind. Leo XIV. bestand schließ­lich auf der Ver­öf­fent­li­chung. Sie ist ein Schuß vor den Bug der deut­schen Unduld­sam­keit – auch wenn frag­lich bleibt, ob er gehört wird.

Ein wiederkehrender Konflikt

Bereits unter Kar­di­nal Luis Lada­ria hat­te der Vati­kan 2021 klar­ge­stellt, daß Seg­nun­gen von Homo-Ver­bin­dun­gen nicht erlaubt sind. Ein ent­spre­chen­des Respon­sum ad dubi­um ver­nein­te die­se Pra­xis ausdrücklich.

Als Kar­di­nal Lada­ria jedoch dis­zi­pli­na­risch gegen deut­sche Vor­stö­ße vor­ge­hen woll­te, wur­de er von Fran­zis­kus zurück­ge­pfif­fen. Rom erschien zahn­los. Fran­zis­kus setz­te auf Ein­sicht, da das Ziel ja gleich sei – eine Hoff­nung, die sich offen­bar nicht erfüllte.

In der Bun­des­re­pu­blik ver­folgt ein Teil der Bischö­fe seit Jah­ren einen radi­ka­le­ren, unge­dul­di­ge­ren Ansatz im Rah­men des „Syn­oda­len Weges“. Die offi­zi­el­le Begrün­dung lau­tet „Beglei­tung“. Rea­li­ter ist der men­ta­le Damm­bruch aber längst erfolgt. In den deut­schen kirch­li­chen Struk­tu­ren gilt Homo­se­xua­li­tät weit­ge­hend als aner­kannt. Mehr noch: Man will die ver­blei­ben­den Wider­stän­di­gen zur Zustim­mung drän­gen. Wer nicht mit­singt, gerät rasch unter Ver­dacht und wird in den „Kampf gegen rechts“ ein­sor­tiert – jenen Kampf, in dem sich der Zeit­geist gera­de erschöpft.

Die Geister, die man rief…

Glau­bens­treue Stim­men sehen ihre Befürch­tun­gen bestä­tigt: Die Öff­nung für Seg­nun­gen, einer­lei ob lit­ur­gisch oder nicht­lit­ur­gisch, führt fak­tisch zur Aner­ken­nung nicht-ehe­li­cher Lebens­for­men. Die Kri­tik rich­tet sich auch gegen die Unklar­hei­ten von Fidu­cia sup­pli­cans. Die Büch­se der Pan­do­ra wur­de in Rom geöffnet.

Die nun erfolg­te Klar­stel­lung wird zwar als Ein­he­gungs­ver­such gewer­tet, doch die Dyna­mik ist ohne eine grund­sätz­li­che Klar­stel­lung, indem die kirch­li­che Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät gelehrt, erklärt und begrün­det wird, wohl kaum mehr ein­zu­fan­gen. Ist die Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens – ver­spä­tet und zurück­hal­tend – ein Signal für eine Wen­de in die­se Rich­tung oder ver­stärkt sie nur den Ein­druck eines schritt­wei­sen Vor­ge­hens: eine Men­ta­li­täts­än­de­rung in klei­nen Schrit­ten, die am Ende eine fak­ti­sche Ände­rung der Leh­re bewir­ken soll.

Das Schrei­ben zeigt jeden­falls, daß inner­halb der Kir­che erheb­li­cher Klä­rungs­be­darf besteht. Die­ser, so die Kri­ti­ker, kön­ne nur beho­ben wer­den, wenn die Kir­che wie­der begin­ne, ihre über­lie­fer­te Leh­re zur Homo­se­xua­li­tät klar zu ver­kün­den – statt zwi­schen unter­schied­li­chen Geschwin­dig­kei­ten auf dem Weg zur Aner­ken­nung der Homo-Agen­da zu streiten.

Die ver­spä­te­te und stil­le Ver­öf­fent­li­chung macht deut­lich, wie sen­si­bel und kon­flikt­reich das The­ma ist – und daß die Aus­ein­an­der­set­zung dar­über noch lan­ge nicht abge­schlos­sen sein dürfte.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: doc​tri​na​fi​dei​.va (Screen­shot)

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