Piusbruderschaft wählt 2018 neuen Generaloberen – eine Grundsatzentscheidung

Msgr. Marcel Lefebvre: Die von ihm gegründete Piusbruderschaft wählt im Juli 2018 einen neuen Generaloberen. Eine Grundsatzentscheidung.
Msgr. Marcel Lefebvre: Die von ihm gegründete Piusbruderschaft wählt im Juli 2018 einen neuen Generaloberen. Eine Grundsatzentscheidung.

(Men­zin­gen) 2018 wird ein wich­ti­ges Jahr für die tra­di­tio­na­li­sti­sche Pius­bru­der­schaft. In die­sem Jahr fin­det ein Gene­ral­ka­pi­tel mit der Neu­wahl des Gene­ral­obe­ren statt. Eine Grund­satz­ent­schei­dung für die Gemein­schaft.

Piusbruderschaft im deutschen Sprachraum
Pius­bru­der­schaft im deut­schen Sprach­raum

Die Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX), im deut­schen Sprach­raum kurz Pius­bru­der­schaft genannt, wur­de 1970 von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re als Reak­ti­on auf die Lit­ur­gie­re­form von 1969 und Ent­wick­lun­gen in der Kir­che seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil gegrün­det. Die inner­kirch­li­chen Ereig­nis­se führ­ten dazu, daß ihr 1975 die kano­ni­sche Aner­ken­nung ent­zo­gen wur­de. Seit­her hängt die Gemein­schaft kir­chen­recht­lich in der Luft.

Als Msgr. Lef­eb­v­re den­noch wei­ter­hin Prie­ster weih­te, wur­de er 1976 von Papst Paul VI. sus­pen­diert. Als er 1988 von Papst Johan­nes Paul II. nicht erlaub­te Bischofs­wei­hen vor­nahm, wur­de er wegen „Unge­hor­sam“ und einem „schis­ma­ti­schen Akt“ sogar exkom­mu­ni­ziert. Eben­so die von ihm gül­tig, aber uner­laubt geweih­ten Bischö­fe. Die Pius­bru­der­schaft berief sich auf einen „Kir­chen­not­stand“ und erkann­te die Exkom­mu­ni­ka­tio­nen, wie zuvor bereits die Sus­pen­die­rung, nicht an.

Turbulente Jahre

2009 nahm Papst Bene­dikt XVI. die Exkom­mu­ni­ka­ti­on für die damals geweih­ten Bischö­fe zurück, dar­un­ter den amtie­ren­den Gene­ral­obe­ren der Pius­bru­der­schaft, Msgr. Ber­nard Fel­lay. Seit­her ist das The­ma vom „Bruch mit der Kir­che“ weit­ge­hend vom Tisch, wenn auch nicht ganz. Nicht auf­ge­ho­ben wur­de die Exkom­mu­ni­ka­ti­on für die 2009 bereits ver­stor­be­nen Wei­he­spen­der, Erz­bi­schof Lef­eb­v­re und Bischof Anto­nio de Castro May­er.

Msgr. Bernard Fellay
Msgr. Ber­nard Fel­lay, Gene­ral­obe­rer seit 1994

Mit der Auf­he­bung des Exkom­mu­ni­ka­ti­on setz­ten offi­zi­el­le Gesprä­che zwi­schen dem Hei­li­gen Stuhl und der Pius­bru­der­schaft ein, mit dem Ziel der Wie­der­an­nä­he­rung und der Wie­der­her­stel­lung der vol­len kirch­li­chen Ein­heit. Die Gesprä­che führ­ten bis­her aber zu kei­ner Eini­gung, obwohl es im Mai 2012 unter Bene­dikt XVI. und im Mai 2017 unter Papst Fran­zis­kus kurz­zei­tig danach aus­sah. Den­noch ist ins­ge­samt eine zuneh­men­de Ent­span­nung im Ver­hält­nis zur Pius­bru­der­schaft fest­zu­stel­len.

Von Rom wur­de ihr den Sta­tus einer Per­so­nal­prä­la­tur ange­bo­ten. Die­se erst in den 80er Jah­ren für das Opus Dei geschaf­fe­ne Rechts­form wür­de die der­zeit größt­mög­li­che Eigen­stän­dig­keit inner­halb der Kir­che garan­tie­ren. Kon­kret ist damit Unab­hän­gig­keit von den Diö­ze­san­bi­schö­fen gemeint und das Wei­he­recht, da eine Per­so­nal­prä­la­tur durch einen Prä­la­ten mit dem Rang und der Juris­dik­ti­on eines Bischofs gelei­tet wird.

Piusbruderschaft: Konflikte und Aderlaß

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren kam es in der Fra­ge, wel­che Posi­ti­on gegen­über Rom ein­ge­nom­men wer­den soll­te, wie­der­holt zu grö­ße­ren und klei­ne­ren Kon­flik­ten in der Pius­bru­der­schaft. 2012 führ­ten sie, nach der ersten geschei­ter­ten Fast-Eini­gung, zum Aus­schluß von Msgr. Richard Wil­liam­son, einem der vier Bischö­fe, die 1988 geweiht wor­den waren. Mit ihm wur­den auch meh­re­re Prie­ster aus­ge­schlos­sen oder haben die Gemein­schaft ver­las­sen. Wil­liam­son war ein strik­ter Geg­ner einer Ver­söh­nung mit dem Hei­li­gen Stuhl. In der Zwi­schen­zeit wur­den von ihm drei neue Bischö­fe und meh­re­re Prie­ster geweiht.

Wäh­rend sich Bischof Wil­liam­son nicht nur von Rom, son­dern auch von der Pius­bru­der­schaft ent­fern­te, ging ein ande­rer Bischof den umge­kehr­ten Weg. 1991 war Msgr. Lici­nio Ran­gel, als Nach­fol­ger von Bischof Castro May­er, von Bischof Ber­nard Tis­sier de Mal­lerais FSSPX zum Bischof geweiht und dar­auf­hin eben­falls von Rom exkom­mu­ni­ziert wor­den. Er näher­te sich spä­ter Rom wie­der an. 2001 wur­de sei­ne Exkom­mu­ni­ka­ti­on vom Hei­li­gen Stuhl auf­ge­ho­ben und er mit bischöf­li­cher Juris­dik­ti­on offi­zi­ell als Apo­sto­li­scher Admi­ni­stra­tor des welt­weit ein­zi­gen Bis­tums der Tra­di­ti­on, der Apo­sto­li­schen Per­so­nal­ad­mi­ni­stra­ti­on St. Johan­nes Maria Vian­ney, ein­ge­setzt, das auf dem Gebiet des bra­si­lia­ni­schen Bis­tums Cam­pos exi­stiert.

Einen Ader­laß gab es also im Lau­fe der Zeit nicht nur Rich­tung Wil­liam­son, son­dern auch in die ande­re Rich­tung. Fak­tisch alle soge­nann­ten Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten der katho­li­schen Kir­che gehen auf Grün­dun­gen von ehe­ma­li­gen Pius­brü­dern zurück, die zu unter­schied­li­chen Zei­ten und unter jeweils eige­nen Umstän­den in die vol­le Ein­heit mit Rom zurück­ge­kehrt sind. Als Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten wer­den seit 1988 die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Prie­ster­bru­der­schaf­ten, Insti­tu­te und Orden in der Kir­che bezeich­net, die der damals errich­te­ten Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei unter­ste­hen und das Recht haben, aus­schließ­lich in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus zu zele­brie­ren.

Kontinuierliches Wachstum

Piusbruderschaft: Priesterweihen
Pius­bru­der­schaft: Prie­ster­wei­hen

Im gro­ßen und gan­zen ist es Msgr. Fel­lay jedoch gelun­gen, die Pius­bru­der­schaft in den ver­gan­ge­nen, teils tur­bu­len­ten Jah­ren zusam­men­zu­hal­ten. Trotz der Ver­lu­ste in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen ver­zeich­net die Bru­der­schaft ein kon­ti­nu­ier­li­ches Wachs­tum. Die jüngst ver­öf­fent­lich­ten Zah­len spre­chen für sich:

6 Prie­ster­se­mi­na­re, 14 Distrik­te, 167 Prio­ra­te, 772 Meß­or­te, 2 uni­ver­si­tä­re Insti­tu­te, mehr als 100 Schu­len und sie­ben Senio­ren­hei­me. An Per­so­nen: 637 Prie­ster, 204 Semi­na­ri­sten, 195 Ordens­schwe­stern, 123 Brü­der, 79 Obla­ten, 56 Vor-Semi­na­ri­sten und 19 Mis­si­ons­schwe­stern, 4 Kar­me­li­ten­klö­ster.

Die Pius­bru­der­schaft wirkt heu­te welt­weit in 72 Staa­ten.

2015 wur­den 16 Neu­prie­ster geweiht, 2016 waren es 23 und im Jahr 2017 sogar 28. Im Herbst 2017 gab es 47 Neu­ein­trit­te in die Prie­ster­se­mi­na­re der Bru­der­schaft.

„Traditionalisten haben sich in der Kirche vervielfacht“

Piusbruderschaft: Zahlen 2017

Dazu schreibt Fran­cis­co Fer­nan­dez de la Cigo­ña, einer der bekann­te­sten, katho­li­schen Kolum­ni­sten Spa­ni­ens:

„Mehr als 600 Prie­ster und mehr als 200 Semi­na­ri­sten, bei dem Gegen­wind, sind eine mehr als beacht­li­che Zahl.“

Und grund­sätz­lich:

„Alle Welt weiß, daß ich kein Anhän­ger von Msgr. Lef­eb­v­re bin, den ich per­sön­lich kann­te und dem ich bei zahl­rei­chen Gele­gen­hei­ten mei­nen Respekt aus­ge­drückt habe. Ich den­ke – die Wege Got­tes sind geheim­nis­voll –, daß er für die Kir­che viel Gutes getan hat. Des­halb ist es mein Wunsch, daß die vol­le Gemein­schaft mit der Kir­che bald wie­der­her­ge­stellt sein wird. Die der­zei­ti­ge Situa­ti­on hin­dert mich aber nicht, an ihren Mes­sen teil­zu­neh­men und die Kom­mu­ni­on zu emp­fan­gen, wenn ich das bis­her auch nur sehr sel­ten getan habe. Nicht auf­grund von Beden­ken, son­dern weil sich die Gele­gen­heit nicht ergab.“

Eine Fol­ge von Msgr. Lef­eb­v­res Grün­dung ist, so Fer­nan­dez de la Cigo­ña,

„daß sich die ‚Tra­di­tio­na­li­sten‘ in der Kir­che ver­viel­facht haben. In Frank­reich ist bereits fast die Hälf­te aller Neu­prie­ster Tra­di­tio­na­li­sten. Die Pro­gres­si­ven wer­den kaum mehr ein Dut­zend aus­ma­chen. Und das scheint mir sehr gut zu sein.“

Annäherungen

Von bei­den Sei­ten, von Rom und der Pius­bru­der­schaft, wird grund­sätz­lich die Gemein­schaft ange­strebt. Die­se schei­ter­te, zuletzt im ver­gan­ge­nen Mai, an unter­schied­li­chen Posi­tio­nen, wobei das Nein von Rom kam. Dort zie­hen unter­schied­li­che Strö­mun­gen in ver­schie­de­ne Rich­tun­gen. Die vom Papst beauf­trag­ten Gesprächs­part­ner der Pius­bru­der­schaft, schei­nen einer Eini­gung sehr wohl­wol­lend gegen­über­zu­ste­hen und die­se anzu­stre­ben. Durch den direk­ten Kon­takt konn­ten zahl­rei­che Vor­ur­tei­le und Vor­be­hal­te abge­baut wer­den. Die­se Erfah­rung fehlt ande­ren Kir­chen­ver­tre­tern, die dann — wenn es soweit ist — in den Gre­mi­en ein ent­schei­den­des Wort mit­re­den.

Piusbruderschaft: Priesterweihen
Pius­bru­der­schaft: Prie­ster­wei­hen

Nach dem Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI., dem ein Wohl­wol­len gegen­über der Tra­di­ti­on atte­stiert wird, setz­te Papst Fran­zis­kus die Signa­le für eine Nor­ma­li­sie­rung fort, obwohl für ihn, laut eige­nen Aus­sa­gen, die über­lie­fer­te Form des Römi­sches Ritus und die Tra­di­ti­on fern wie eine frem­de Gala­xie sind. So sind seit dem Jahr der Barm­her­zig­keit die Beich­ten bei Prie­stern der Pius­bru­der­schaft offi­zi­ell gül­tig. Glei­ches gilt unter gewis­sen Auf­la­gen für Ehe­schlie­ßun­gen und seit Mai 2017 auch für Prie­ster­wei­hen.

Damit erkann­te Rom die fak­ti­sche Gül­tig­keit der der Sakra­men­ten­spen­dung durch Bischö­fe und Prie­ster der Bru­der­schaft an, wenn auch der kir­chen­recht­li­che Sta­tus der­sel­ben noch unge­klärt ist.

Neuwahl des Generaloberen: eine Grundsatzentscheidung

Am ver­gan­ge­nen Mon­tag wur­de vom Gene­ral­obe­ren, Msgr. Fel­lay, das Vier­te Gene­ral­ka­pi­tel der Pius­bru­der­schaft ein­be­ru­fen. Es tagt nur alle zwölf Jah­re und bedeu­tet, daß Grund­sätz­li­ches bespro­chen und ent­schie­den wird. Das Gene­ral­ka­pi­tel wird vom 11.–21. Juli 2018 im Prie­ster­se­mi­nar von Eco­ne im Kan­ton Wal­lis zusam­men­tre­ten. Der viel­leicht wich­tig­ste Tages­ord­nungs­punkt ist die Neu­wahl des Gene­ral­obe­ren und sei­ner bei­den Assi­sten­ten.

Msgr. Fel­lay steht der Bru­der­schaft seit dem Gene­ral­ka­pi­tel von 1994 vor. 2006 wur­de er für eine zwei­te Amts­zeit von zwölf Jah­ren bestä­tigt. Es deu­tet alles dar­auf hin, daß auf Sta­bi­li­tät und Kon­ti­nui­tät gesetzt wer­den dürf­te, und der dann 60 Jah­re alte Schwei­zer Fel­lay im Amt bestä­tigt wird.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Por­te Latine/pius.info/MiL (Screen­shots)

8 Kommentare

  1. Die Pius­bru­der­schaft möge gut bera­ten sein, jetzt klug und wei­se zu han­deln und zu ent­schei­den und sich dabei ein­mü­tig vom Hei­li­gen Geist füh­ren zu las­sen. Es sieht ganz danach aus, als hät­ten ihre Mit­glie­der ange­sichts der gegen­wär­ti­gen Lage inner­halb der Kir­che und in der Welt zukünf­tig noch eine emi­nent wich­ti­ge Rol­le zu spie­len.

  2. Grund­sätz­lich wün­sche auch ich eine Annä­he­rung von Rom und der Pius­bru­der­schaft, wobei aber Rom lehr- und glau­bens­mä­ßig auf die Pius­bru­der­schaft zuge­hen müß­te, denn die Pius­bru­der­schaft pflegt das ech­te Katho­li­ken­tum.

    Zur Füh­rung der Pius­bru­der­schaft wird auch Gerad­li­nig­keit benö­tigt.

    Die größt­mög­li­che Eigen­stän­dig­keit inner­halb der Kir­che könn­te die Pius­bru­der­schaft mit einem Per­so­nal­or­di­na­ri­at wie für die Ex-Angli­ka­ner erhal­ten, wes­we­gen ein sol­ches von der Pius­bru­der­schaft ange­strebt wer­den soll­te.

  3. Vie­les ist bereits ad nau­seam wie­der­holt wor­den. Der Prä­zi­si­on zulie­be sind den­noch eini­ge Eck­pfei­ler erneut zu ver­deut­li­chen.
    Die Sache mit dem „Gehor­sam“. Kano­ni­sches Recht und katho­li­sche Theo­lo­gie defi­nie­ren zwei Kate­go­rien von Tugen­den: Kar­di­nal­tu­gend und ordi­nä­re Tugend. Erste­re ist eine „con­di­tio sine qua non“ — also eine Tugend, die immer und über­all und ohne Aus­nah­me gilt und gegol­ten hat. Ein Bei­spiel: Das Erste Gebot.
    „Gehor­sam“ hin­ge­gen ist ledig­lich eine ordi­nä­re Tugend, denn schließ­lich darf nie­mand Gehor­sam einer dum­men, einer schlech­ten oder einer bösen Sache gegen­über ein­for­dern. Bei­spie­le: Ver­langt ein Prie­ster von mir, ich sol­le mein Auto gelb-blau kariert anma­len, dann darf ich den Gehor­sam als dumm ver­wei­gern; Bezü­ge zur Hei­li­gen Kir­che bestün­den da ohne­hin kei­ne. Befiehlt eine Alko­ho­li­ke­rin ihrem Kind, im Laden neben­an eine fri­sche Fla­sche Schnaps zu klau­en, dann darf das Kind den Gehor­sam, weil böse und schlecht, wirk­sam und rechts­wirk­sam ver­wei­gern. Ver­langt nun ein Kle­ri­ker, wie gar der Papst, von mir, etwas zu glau­ben, was gegen den wah­ren, tra­dier­ten Glau­ben gerich­tet ist, dann darf ich ihm den Gehor­sam, weil böse, schlecht und häre­tisch, ver­wei­gern – und nicht nur das: Auch als Laie darf ich den Papst coram púb­li­co zur Ord­nung rufen. Stich­wor­te: Cor­rec­tio Fra­ter­na, i.e. Cor­rec­tio Filia­lis. Wie aktu­ell…
    Sankt Tho­mas von Aquin hat dar­über im übri­gen sehr prä­zi­se refe­riert, und die FSSPX hat­te dem The­ma vor knapp fünf Jah­ren einen aus­führ­li­chen Arti­kel gewid­met, der heu­te lei­der nur noch im Netz-Archiv auf­zu­fin­den ist:

    https://web.archive.org/web/20130420061221/http://pius.info/lehramt/7858-rechtmaessiger-ungehorsam-gegen-die-autoritaet

    S.E. Erz­bi­schof Lef­eb­v­res „Unge­hor­sam“ gegen das post­kon­zi­lia­re Rom hin­sicht­lich jener Bischofs­wei­hen A.D. 1988 war also nicht nur erlaubt, son­dern gebo­ten, damit „der Glau­be fort­be­stehe“. Q.e.d. — Es stel­len sich dane­ben den­noch Fra­gen.
    Wor­in soll­te also jener „Bruch mit der Kir­che“ gele­gen sein? Die­se Sen­tenz bedarf einer genaue­ren Erläu­te­rung.
    „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“? Die waren allen Regeln der Logik zufol­ge eben­falls von Anfang an „null und nich­tig“ — exakt so, wie es S.E. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re auch immer for­mu­liert hat­te. Soll­ten die „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“ jedoch ledig­lich „auf­ge­ho­ben“ wor­den sein, wür­de dies ja zwin­gend bedeu­ten, daß sie vor­her latae sen­ten­tiae rich­tig und gül­tig ergan­gen wären. Was also soll man sich denn genau unter der „Wie­der­an­nä­he­rung und der Wie­der­her­stel­lung der vol­len kirch­li­chen Ein­heit“, sowie der „zuneh­men­den Ent­span­nung“ vor­stel­len?
    Und: Wem soll­te jene zu errich­ten­de „Per­so­nal­prä­la­tur“ denn am Ende besag­ten Gehor­sam lei­sten? Der Hei­li­gen, Katho­li­schen Tra­di­ti­on oder dem „Zwei­ten Vati­ka­num“ samt sei­nen Adep­ten und Epi­go­nen? Bei­des zusam­men geht ja wohl nicht. Wer etwas ande­res behaup­tet, behaup­tet die Exi­stenz eines ech­ten Para­do­xons.
    Was schließ­lich von Papst Bene­dikts sol­cher­ma­ßen for­mu­lier­tem, nebu­lö­sem „Wohl­wol­len“ zu hal­ten ist – nun ja. Nicht ver­ges­sen: Er war es als Kar­di­nal Ratz­in­ger, der die FSSPX sei­ner­zeit bis aufs Mes­ser bekämpft hat, hat sie mit sei­nem immer wie­der ver­scho­be­nem Ver­spre­chen hin­sicht­lich eines eige­nen Bischofs am aus­ge­streck­ten Arm ver­hun­gern las­sen — er hat am Ende jene unge­rech­ten „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“ betrie­ben. Soll­te Bene­dikt zwi­schen­zeit­lich geläu­tert sein und es jetzt nun­mehr ehr­lich und ernst mei­nen, dann hät­te er coram púb­li­co mit einem „mea cul­pa“ um Ver­zei­hung bit­ten müs­sen. Er hät­te sodann die „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“ nicht nur mal „auf­he­ben“ dür­fen, son­dern sie exakt als das erklä­ren müs­sen, was sie gewe­sen waren: Ein Akt der Will­kür und von Anfang an null und nich­tig. Q.e.d. So aber…
    Kur­zer Exkurs zur Cau­sa S.E. Bischof Wil­liam­son.
    Bezüg­lich besag­ter Tugend des inner­kirch­li­chen Gehor­sams unter­schei­det man kano­nisch-theo­lo­gisch wie­der­um zwei Kate­go­rien: Den dok­tri­nel­len und den prag­ma­ti­schen.
    Dok­tri­nel­ler Gehor­sam bedeu­tet, daß wir Katho­li­ken von Her­zen alles glau­ben, was die Kir­che bis dato – i.e. bis A.D. 1958; bis ein­schließ­lich Papst Pius XII. — unver­kürzt, unver­än­dert und in sich geschlos­sen gelehrt hat. Es ist nicht erlaubt, etwas davon weg­zu­neh­men oder etwas hin­zu­zu­fü­gen. S.E. Bischof Wil­liam­sons Apo­sto­lat müß­te dahin­ge­hend peni­bel über­prüft wer­den.
    Prag­ma­ti­scher Gehor­sam bedeu­tet, daß eine hier­ar­chisch struk­tu­rier­te Kör­per­schaft, wie die Hei­li­ge Kir­che eine ist, schlicht­weg und ein­fach funk­tio­nie­ren muß. Unter­ge­be­ne schul­den Vor­ge­setz­ten inner­halb die­ser Hier­ar­chie Gehor­sam. Wie ver­hält es sich jedoch bei rein welt­li­chen The­men außer­halb der Kir­che? Darf dort rechts­wirk­sam eben­falls prag­ma­ti­scher Gehor­sam ein­ge­for­dert wer­den? Darf ein Bischof einem ande­ren Bischof dort „Schwei­gen“ bis wann, wo und war­um auch immer auf­er­le­gen? Und: Darf die­ses Schwei­ge-Gebot auch den dok­tri­nel­len Gehor­sam – gesetzt, S.E. Wil­liam­son hät­te sich eines dok­tri­nel­len Unge­hor­sams schul­dig gemacht! — ein­be­zie­hen, so daß ihm die Aus­übung sei­nes Apo­sto­lats hät­te ver­bo­ten wer­den dür­fen? Berüh­ren die per­sön­li­chen Zer­würf­nis­se mit S.E. Bischof Fel­lay bei­de Kate­go­rien des Gehor­sams? Die­se Fra­gen stel­len sich zwin­gend und ohne dabei eine Wer­tung hin­sicht­lich der Äuße­run­gen S.E. Bischof Wil­liam­sons im Jah­re A.D. 2009 vor­zu­neh­men. Nur so viel noch: Nicht ein­mal ein Schwer­ver­bre­cher, wie etwa ein Mör­der, dürf­te wegen sei­ner Tat latae sen­ten­tiae qua­si exkom­mu­ni­ziert wer­den; das Kir­chen­recht gibt die­se Tat­stra­fe nicht her.

    In Cri­sto per Mari­am +

    Car­los­mi­guel

    • Anmer­kung und Berich­ti­gung: Bischof Wil­liam­son wur­de wegen Unge­hor­sam gegen­über dem Gene­ral­obe­ren und wegen Aus­plau­dern von inner­nen Gesprä­chen und wegen wie­der­hol­ten wider­set­zen gegen­über den Sta­tu­ten, nicht aber wegen sei­ner dümm­li­chen Aus­sa­ge bezüg­lich Holo­caust, aus­ge­schlos­sen.

    • Zum Vor­wurf, daß es Kar­di­nal Ratz­in­ger gewe­sen sein soll­te, der die FSSPX (bes­ser S. E. Mar­cel Leve­brve) am lan­gen Arm ver­hun­gert hat las­sen, möch­te ich eini­ges sagen, was die dama­li­ge Situa­ti­on erhellt:
      1) Der zwei­te Mann im Vati­kan war damals kein ande­rer als S. Em. Kadi­nal­staats­se­kre­tär Agosti­no Casa­ro­li, der ein enger Ver­trau­ter von Papst Paul VI und zugleich Frei­mau­rer, wenn auch von nie­de­rem Rang war. Sei­ne Ver­wick­lun­gen in die Geschäf­te der Orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät und der Geheim­dien­ste, ins­be­son­de­re der frei­mau­re­ri­schen CIA, ist hin­läng­lich bekennt. Casa­ro­li war der­je­ni­ge, der am ein­drück­lich­sten vor den diplo­ma­ti­schen Ver­wick­lun­gen der Aner­ken­nung der FSSPX und S. E. Mar­cel Lefebrve gewarnt hat, ins­be­son­de­re für die Fol­gen für die vati­ka­ni­sche Ost­po­li­tik.
      2) Papst Johan­nes Paul II. hat für sei­ne Enzy­kli­ken jeweils Ghost­wri­ter bestimmt, die ihm sei­ne Poli­tik mit­be­stimm­ten und per Geheim­auf­trag jün­ge­re Theo­lo­gen und Kir­chen­leu­te beauf­tragt, ein all­ge­mein­ver­bind­li­ches Doku­ment zu ver­fas­sen. Für die Enzy­kli­ka „Redemp­tor Homi­nis“ wur­de von ihm ein damals unbe­kann­ter Autor aus­ge­wählt, der Jor­ge Mario Ber­go­glio hieß und der ein radi­ka­ler Huma­nist war. Aus des­sen Feder stammt der Satz: „Re qui­dem vera mira­tio maxi­ma illa de pre­tio ac digni­ta­te homi­nis nun­cup­a­tur Evan­ge­li­um, id est Bonus Nun­ti­us, Voca­tur item Chri­stia­nis­mus. Ex eadem ipsa admi­ra­tio­ne pro­fi­cis­ci­tur Eccle­siae munus in hoc mun­do, immo ac for­tas­se eti­am magis «in mun­do hui­us tem­po­ris»“ (Natür­lich ist die­ser Satz erst in Spa­nisch geschrie­ben wor­den und dann von irgend einem Über­set­zer ins latei­ni­sche über­setzt wor­den. Ich über­set­ze: „Tat­säch­lich wird das Stau­nen über den Wert und die Wür­de des Men­schen das Evan­ge­li­um genannt, Chri­sten­tum. Aus eben die­sem Bewun­dern her­aus wächst die Auf­ga­be der Kir­che in die­ser Welt, umso­mehr viel­leicht in der heu­ti­gen Zeit!“)
      Die­ses ist offe­ne Blas­phe­mie und als „Fran­zis­kus“ hat die­ser Geist­li­che durch sein — man kann es nicht anders bezeich­nen — Her­um­flö­zen vor dem Aller­hei­lig­sten Altarsa­kra­ment in Mai­land sei­ne völ­li­ge Unsen­si­bi­li­tät vor dem Über­na­tür­li­chen demon­stra­tiv zur Schau gestellt (Man ver­zei­he mir die „con­struc­tio ad sen­sum — n.d.c.) Falls jemand die offi­zi­el­le Quel­le sucht: AAS 1979 (LXXI) p. 275 Libre­ria edit­ri­ce Vati­ca­na Citta del Vati­ca­no 1979.
      3) Mit Inno­cen­ti und Gan­tin und ins­be­son­de­re durch den Ultra­mo­der­ni­sten Hamer hat­te S. E. Mar­cel Lefebrve gleich drei Gegen­spie­ler im Vva­ti­kan (natür­lich neben Casa­ro­li).
      Kurz: S. Em. Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger konn­te viel ver­spre­chen mit den genann­ten vier Gegen­spie­lern war nichts zu machen. Daher das Spiel mit der Schild­krö­te und der Karot­te.
      Zu den kano­ni­sti­schen Rami­fi­ka­tio­nen soll­te man den zwei­ten Vor­trag von DDr. Gre­go­ri­us Hes­se „„Eccle­sia Dei“ — neu betrach­tet“ hören. Da sieht man die gan­ze Ver­lo­gen­heit und Unwür­dig­keit der Exkom­mu­ni­ka­tio­nen und der Theo­lo­gie, die die­sen zugrun­de liegt.

  4. Zusätz­lich zu den genann­ten Zah­len und noch mehr beein­drücend:
    wenn man alle jemals ein­ge­schrie­be­ne Semi­na­ri­sten, die seit 1970 ange­schlos­se­ne (häu­fig älte­re und inzwi­schen ver­stor­be­ne) Prie­ster und die in der FSSPX geweih­te Prie­ster zusam­men­zählt, erreicht man die sehr hohe Zahl von über 1500.
    Inner­halb oder außer­halb der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X: die­se Zahl reflek­tiert auch die gewal­ti­ge Wir­kung und den Ein­fluß der Tra­di­ti­on.
    Dafür haben ihre Geg­ner Angst.
    Im Übri­gen ist es Unsinn von „Spal­tung“, „Spal­ter­grup­pe“, „Schis­ma“ und „Schis­ma­ti­kern“ zu reden: es ist ganz ein­fach so, daß die moder­ni­sti­sche Fol­ge­struk­tu­ren der Kir­che im Westen dabei sind, kom­plett zu ver­dün­sten.
    Mit­tel­fri­stig wird da nichts übrig blei­ben.
    In Nord­bel­gi­en haben Dan­neels, DeKesel und ihre Hel­fer dafür den Ter­mi­nus „Aus­lösch­sze­na­rio“ han­delt (wobei es genau gesagt ein „Selbst­aus­lösch­sze­na­rio“ betrifft — paßt übri­gens sehr gut zu der dort mas­siv prak­ti­zier­ten und von dem dor­ti­gen Epi­sko­pat whl­wol­lend tole­rier­ten Eutha­na­sie).

  5. Sehr geehr­te Damen und Her­ren,

    zunächst möch­te ich für Ihre Bericht­erstat­tung zu den Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten dan­ken.

    Zur voll­stän­di­gen Rich­tig­keit Ihrer Infor­ma­ti­on sei jedoch dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die zweit­größ­te der Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten, näm­lich das Insti­tut Chri­stus König und Hohe­prie­ster, nicht aus der Pius-Bru­der­schaft her­vor­ging und immer in der vol­len Ein­heit mit dem Hei­li­gen Stuhl geblie­ben ist.

    Die Grün­der und der Gene­ral­vi­kar die­ser Gemein­schaft sind jeweils von Papst Johan­nes Paul II und Papst Bene­dikt XVI zu Prie­stern geweiht wor­den. Sei­ne Ursprün­ge hat das Insti­tut Chri­stus König in der Diö­ze­se Moui­la in Gabun (Äqua­to­ri­al­afri­ka) und der Erz­diö­ze­se Flo­renz in Ita­li­en, wo es zunächst als diö­ze­sa­nen Rechts aner­kannt wur­de, um 2008 das päpst­li­che Recht als Gesell­schaft apo­sto­li­schen Lebens in kano­ni­ka­ler Form zu erhal­ten und die end­gül­ti­ge Aner­ken­nung der Kon­sti­tu­tio­nen als Säku­lar­ka­no­ni­ker­ge­mein­schaft durch den Hei­li­gen Stuhl im Jah­re 2016.

    Das Insti­tut Chri­stus König arbei­tet heu­te in über 70 Diö­ze­sen welt­weit, umfasst über 100 Kano­ni­ker, etwa 90 Semi­na­ri­sten, ca. 15 Obla­ten, mehr als 40 „Anbe­tungs­schwe­stern des König­li­chen Her­zens Jesu“ in vier eige­nen Kom­mu­ni­tä­ten und die Herz-Jesu-Gemein­schaft für Lai­en. Das Leben der Mit­glie­der wird vom gemein­schaft­li­chen Chor­ge­bet und von einer beson­de­ren Spi­ri­tua­li­tät geprägt, die sich aus dem Geist der Hei­li­gen Bene­dikt von Nur­sia, Tho­mas von Aquin und Franz von Sales nährt.

    Sehr ver­bun­den wäre ich, wenn Sie die­se Infor­ma­ti­on an Ihre Leser wei­ter­ge­ben wür­den.

    Im Gebet ver­bun­den und mit besten Grü­ßen

    Kano­ni­kus Richard von Mens­hen­gen
    Rek­tor, Klo­ster Maria Engel­port

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