Dialog der Freimaurer mit der Kirche und mit Luzifer?

"Und möge Luzifer wirklich erwachen" – Die Wünsche beim Großorient von Italien

Will die Freimaurerei ernsthaft gleichzeitig einen "Dialog" mit der Kirche und mit Luzifer führen? Am Beispiel des Großorients von Italien wird aufgezeigt, was gemeint ist.
Will die Freimaurerei ernsthaft gleichzeitig einen "Dialog" mit der Kirche und mit Luzifer führen? Am Beispiel des Großorients von Italien wird aufgezeigt, was gemeint ist.

Von P. Pao­lo M. Siano*

1. Im Dialog …

Im Febru­ar 2019 ver­öf­fent­licht Futu­ra Edi­zio­ni aus Perugia eine von Rechts­an­walt Fabio Amici her­aus­ge­ge­be­ne 68seitige Ver­öf­fent­li­chung mit dem Titel „Kir­che und Frei­mau­re­rei: Ist ein Dia­log mög­lich?1, in der die Vor­trä­ge der gleich­na­mi­gen Tagung zusam­men­ge­faßt sind, die am 19. Okto­ber 2018 in Gub­bio statt­fand und vom ört­li­chen Able­ger der Christ­li­chen Arbeit­neh­mer­be­we­gung ACLI „Ora et Labo­ra“ aus Fos­sa­to di Vico und dem Bezirks­kol­le­gi­um der Frei­mau­rer­mei­ster im Groß­ori­ent von Ita­li­en (GOI) der Regi­on Umbri­en orga­ni­siert wur­de. In der Bro­schü­re heißt es, daß Fabio Amici im Jahr 2018 Mei­ster vom Stuhl der Loge Milioc­chi (GOI) von Perugia war (S. 12).

Sehen wir uns eini­ge inter­es­san­te Punk­te aus die­ser Kon­fe­renz an.

San­te Pir­ra­mi (ACLI) pflegt gute Bezie­hun­gen zu den Frei­mau­rern des Groß­ori­ents (GOI). Gemein­sam mit ihnen hielt er einen Vor­trag über das ita­lie­ni­sche Risor­gi­men­to an einem Gym­na­si­um von Fos­sa­to di Vico. Pir­ra­mi unter­streicht die Bedeu­tung des Dia­logs, auch mit den Frei­mau­rern (S. 11–14).

In dem Bericht „Chri­sten­tum und Frei­mau­re­rei: der Stand­punkt des Evan­ge­li­ums“ (S. 15–24) läßt Pawel Andrzej Gajew­ski jedoch die Unver­ein­bar­keit zwi­schen der Frei­mau­re­rei und der katho­li­schen Kir­che erken­nen. Er stellt fest, daß „der initia­to­ri­sche Weg“ der Frei­mau­re­rei es ermög­licht, die durch reli­giö­se Ideen oder Dok­tri­nen beding­ten Span­nun­gen zu über­win­den (S. 18f). Die Frei­mau­re­rei habe eine „kla­re Ver­bin­dung zum Deis­mus“ (S. 19) und die „Ver­bin­dun­gen zwi­schen Juden­tum und Frei­mau­re­rei sind untrenn­bar“ (S. 19).

In dem Bericht „Die Unver­ein­bar­keit im Kodex des Kir­chenrechts“ (S. 25–46) bestrei­tet Fabio Amici, daß die Frei­mau­re­rei mate­ria­li­stisch, ratio­na­li­stisch und rela­ti­vi­stisch ist (S. 40–43), räumt aber ein, daß die Frei­mau­re­rei „jede Art von Dog­ma­tis­mus“ ablehnt (S. 42) und daß „der frei­mau­re­ri­sche Weg der ‚Suche nach der Wahr­heit‘ “ „per defi­ni­tio­nem für Zwei­fel offen“ sei (S. 44). Dann lobt Amici eini­ge Pas­sa­gen aus dem apo­sto­li­schen Schrei­ben Gau­de­te et exul­ta­te (2018) von Papst Fran­zis­kus, in dem es heißt: „In Wirk­lich­keit ist die Leh­re, oder bes­ser unser Ver­ständ­nis und unse­re Aus­drucks­wei­se der­sel­ben, kein geschlos­se­nes System ohne Dyna­mi­ken, die Pro­ble­me, Fra­gen, Zwei­fel her­vor­brin­gen kann“ (zitiert nach Amici, S. 45f).

Nach Ansicht von Amici geht es um „einen offe­nen und dia­lo­gi­schen Ansatz der nach­kon­zi­lia­ren Kir­che von Fran­zis­kus, der mit der eben­so offe­nen Visi­on der Frei­mau­re­rei ver­ein­bar und ihr nicht zu wider­spre­chen scheint“ (S. 46).

Es folgt der Bericht von Don Gian­ni Gia­co­mel­li, Pri­or des Klo­sters Fon­te Avel­la­na, „Frei­mau­re­rei und Kir­che: Ver­ein­bar­keit und Unver­ein­bar­keit der Prin­zi­pi­en“ (S. 47–59), dem­zu­fol­ge es den „Rela­ti­vis­mus“ gibt, weil es den „Abso­lu­tis­mus“ der Wahr­heit gibt … Der Rela­ti­vis­mus hin­ge­gen „öff­net sich für den Dia­log, öff­net sich für den Zwei­fel, öff­net sich für die Zer­brech­lich­keit unse­rer Posi­tio­nen, wenn es sin­gu­lä­re Posi­tio­nen sind, öff­net sich für die Mög­lich­keit von etwas ande­rem, öff­net sich für das Geheim­nis“ (S. 55).

Nach Pater Gia­co­mel­li sind Kir­che und Frei­mau­re­rei „zwei Wel­ten“, die „sich die­sel­be Auf­ga­be gestellt haben, näm­lich sich im Zei­chen der uni­ver­sel­len Brü­der­lich­keit, der Tole­ranz und der Huma­ni­tät zu ver­ei­nen“ (S. 57), wes­halb es einen Dia­log zwi­schen die­sen bei­den Wel­ten geben müs­se (S. 58f).

Es fol­gen die „Schluß­fol­ge­run­gen“ (S. 61–68) des Groß­mei­sters des Groß­ori­ents von Ita­li­en Ste­fa­no Bisi, der offen­sicht­lich mit die­ser Tagung zufrie­den ist. Bisi macht deut­lich, daß der Dia­log mit der Kir­che auf Sei­ten der Frei­mau­rer auch dar­auf abzielt, daß die Kir­che den Frei­mau­rern die Sakra­men­te gewährt. Bisi selbst scheint – wie die ande­ren katho­li­schen Frei­mau­rer – die hei­li­ge Kom­mu­ni­on („Emp­fang der Hostie“, S. 63) sowie „reli­giö­se Beer­di­gun­gen“ (S. 64) zu wünschen.

Lei­der berührt die­se Tagung/​dieser Dia­log die Fra­ge der Ritua­le, Riten und Eso­te­rik der Frei­mau­re­rei und im Groß­ori­ent über­haupt nicht. Ich habe das The­ma in ande­ren mei­ner Schrif­ten aus­führ­lich behan­delt und wer­de im näch­sten Abschnitt eini­ge Aktua­li­sie­run­gen vorlegen.

* * *

Ein wei­te­res Bei­spiel für die Hal­tung der Frei­mau­re­rei gegen­über der Kir­che und dafür, wie die Frei­mau­re­rei die Kir­che heu­te sieht, bie­tet das kürz­lich erschie­ne­ne Buch „Im Namen des Vaters und der Brü­der. Prie­ster­tum und Frei­mau­re­rei2 (Mime­sis Edi­zio­ni – Il flau­to magi­co, Mai­land-Udi­ne 2021), her­aus­ge­ge­ben von Gio­van­ni Gre­co (Frei­mau­rer oder zumin­dest Freund des Groß­ori­ents), der Auf­sät­ze ver­schie­de­ner Autoren über katho­li­sche Prie­ster, pro­te­stan­ti­sche und angli­ka­ni­sche Pasto­ren, Rab­bi­ner und Frei­mau­rer ver­sam­melt. Der wis­sen­schaft­li­che Aus­schuß der Rei­he „Die Zau­ber­flö­te“ (Il flau­to magi­co) besteht aus zwei Frei­mau­rern des Groß­ori­ents, Clau­dio Bon­ve­c­chio und Anto­nio Panai­no (S. 1). Bon­ve­c­chio ist der­zeit stell­ver­tre­ten­der Groß­mei­ster des Groß­ori­ents und hat einen Bei­trag zu die­sem Band von Gio­van­ni Gre­co verfaßt.

Schau­en wir uns eini­ge die­ser Auf­sät­ze an.

Natür­lich wer­den zwei Frei­mau­rer-Kle­ri­ker geprie­sen: der noch leben­de Mon­si­gno­re Micha­el Wenin­ger (S. 8f), dem ich zwei Arti­kel gewid­met habe: Der „Fall Wenin­ger“ – Ex-Diplo­mat, Prie­ster, Kuria­ler, Frei­mau­rer und Die frei­mau­re­ri­sche Dok­tor­ar­beit von Msgr. Wenin­ger, und Don San­dro Naiaret­ti (1950–2006), Groß­ka­plan der Groß­lo­ge von Ita­li­en (vgl. Gre­co, op. cit, S. 113–116; sie­he auch Der Prie­ster, der Frei­mau­rer war – bis in den Tod.

In dem bereits erwähn­ten, von Gio­van­ni Gre­co her­aus­ge­ge­be­nen Band fin­det sich der Auf­satz „Die ‚wil­de Frei­heit‘: Süd­ame­ri­ka zwi­schen Frei­mau­re­rei und Katho­li­zis­mus“ (S. 161–178), in dem Luca Cana­pi­ni und Costan­ti­no Manes als Bei­spiel für die per­fek­te Ver­ein­bar­keit von Kir­che und Frei­mau­re­rei „den Vene­zo­la­ner Hugo Cha­vez (1954–2013), beken­nen­der Frei­mau­rer und auf­rich­ti­ger Christ“ (S. 178), vor­stel­len. Cana­pi­ni und Manes stel­len wei­ter fest:

„Und schließ­lich ist da noch die Gestalt des der­zei­ti­gen Pap­stes Fran­zis­kus I., eines Argen­ti­ni­ers und Jesui­ten, der sich immer offen und demon­stra­tiv fort­schritt­lich gezeigt hat, im offen­sicht­li­chen Gegen­satz zu den kon­ser­va­ti­ven und dog­ma­ti­schen Beweg­grün­den des Katho­li­zis­mus, und der eine Inter­pre­ta­ti­on der christ­li­chen Idea­le vor­schlägt, die sich an den Grund­sät­zen des Rela­ti­vis­mus, der Über­win­dung der Sün­den­leh­re und der vol­len Akzep­tanz aller reli­giö­sen und sozia­len Unter­schie­de ori­en­tiert. Auf die­se Wei­se strebt die Kir­che von Ber­go­glio danach, ein pri­vi­le­gier­ter Gesprächs­part­ner der heu­ti­gen Welt zu wer­den, indem sie sich einen wesent­li­chen Teil der frei­mau­re­ri­schen Leh­re zu eigen macht“ (S. 178).

In dem Auf­satz „Maß­nah­men der Kir­che gegen die Frei­mau­re­rei“ (S. 185–197) behaup­tet Pie­tro Dal­le Noga­re jedoch (S. 197), daß Papst Fran­zis­kus kein Inter­es­se an der Auf­nah­me eines neu­en Dia­logs mit der Frei­mau­re­rei zei­ge. Ein Beweis dafür sei die Tat­sa­che, daß die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on vor eini­gen Jah­ren den Band „Dichiara­zio­ni cir­ca le asso­cia­zio­ni mas­so­ni­che“ („Erklä­rung bezüg­lich frei­mau­re­ri­scher Ver­ei­ni­gun­gen“, Libre­ria Edit­ri­ce Vati­ca­na, 2015) ver­öf­fent­licht habe, in dem die Unver­ein­bar­keit zwi­schen Kir­che und Frei­mau­re­rei bekräf­tigt werde.

2. Luzifer

In den Ver­öf­fent­li­chun­gen des frei­mau­re­ri­schen Groß­ori­ents wird von Zeit zu Zeit der Fall von Leo Taxil wie­der auf­ge­grif­fen, einem ehe­ma­li­gen Frei­mau­rer (1°, Lehr­lings­grad), der die Frei­mau­re­rei des Sata­nis­mus bezich­tig­te, dann aber sei­ne Behaup­tun­gen zurück­nahm mit der Behaup­tung, er habe sich damit nur über die Katho­li­ken und die Kir­che lustig gemacht (vgl. Nico­let­ta Casa­no, „Die Mysti­fi­zie­rung von Leo Taxil“ 3, in Hiram, Zeit­schrift des GOI, Nr. 3/​2010, S. 73–86; vgl. Enri­co Olia­ri, „Der Anti­frei­mau­rer-Kon­greß in Tri­ent“ 4, in Nuo­vo Hiram, Zeit­schrift des GOI, Nr. 3/​2021, S. 52–57). Zum Fall Taxil ver­wei­se ich auf mei­nen Auf­satz über den eng­li­schen Okkul­ti­sten und Frei­mau­rer Arthur Edward Wai­te, der einer­seits ver­such­te, den anti­frei­mau­re­ri­schen Taxil zu wider­le­gen, gleich­zei­tig aber selbst als Bro­ther Wai­te Luzi­fer lob­te, indem er des­sen Erlö­sung theoretisierte.

Auch unter den Mei­stern des Groß­ori­ents gibt es Sym­pa­thien für Luzi­fer, und das schon vor dem Fall Taxil… Ich beschrän­ke mich dar­auf, auf eini­ge „Sym­pa­thien“ unse­rer Tage hin­zu­wei­sen, in denen der Groß­ori­ent den Dia­log und die Kom­pa­ti­bi­li­tät mit der katho­li­schen Kir­che behaup­tet. Ver­ges­sen wir nicht, daß die Frei­mau­re­rei und jeder ech­te Frei­mau­rer­mei­ster die Ver­söh­nung der Gegen­sät­ze anstrebt, den Grund­stein, die Leh­re oder das Ziel der eso­te­ri­schen Wis­sen­schaf­ten (Gno­sis, Alche­mie, Kab­ba­la, Her­me­tik …), also die Ver­söh­nung zwi­schen der Kir­che und der Freimaurerei/​Esoterik …

Am 15. Janu­ar 2022 ver­öf­fent­lich­te Radio Spa­da einen Arti­kel über die Sym­pa­thie des Musik­wis­sen­schaft­lers und Essay­isten Qui­ri­no Princi­pe für Luzi­fer, der bereits in einem Inter­view mit La Repub­bli­ca im Juli 2015 sei­ne „luzi­fe­ri­sche Lei­den­schaft“, sei­ne „luzi­fe­ri­sche Kunst des Nein­sa­gens“ zugab. Viel inter­es­san­ter ist in in dem oben genann­ten Arti­kel von Radio Spa­da das kur­ze Video, in dem Princi­pe wäh­rend einer Tagung vor Frei­mau­rern des Großorients von Ita­li­en Luzi­fer beschwört. In der Tat kann man das typi­sche grü­ne Labar­um des Groß­ori­ents sehen. Lei­der sind weder Datum noch Ort des Vor­trags von Princi­pe angegeben.

Eine Suche auf You­Tube zeigt, daß es sich um den Vor­trag „Ode an die Freu­de“ han­delt, den Qui­ri­no Princi­pe am 20. Sep­tem­ber 2018 in der Vil­la Il Vascel­lo, dem Sitz des Groß­ori­ents in Rom hielt. Jedes Jahr orga­ni­siert der Groß­ori­ent eine Ver­an­stal­tung zum Geden­ken an die Ein­nah­me Roms am 20. Sep­tem­ber 1870 und das Ende des Kirchenstaates.

Im Lau­fe des Vor­trags, wäh­rend er einer­seits die Eini­gung Ita­li­ens durch das Risor­gi­men­to lobt und ande­rer­seits die „reak­tio­nä­ren“ Kräf­te beklagt, zitiert Qui­ri­no Princi­pe Ver­se aus der ita­lie­ni­schen Natio­nal­hym­ne: „Brü­der Ita­li­ens, Ita­li­en ist erwacht...“ (Min. 6:47–6:48) und fügt hin­zu: „Und möge Luzi­fer wirk­lich erwa­chen“ (Min. 6:49–6:51)! Kur­ze Pau­se. Dann sagt Princi­pe: „Die Musik wur­de geop­fert, sie wur­de besei­tigt aus…“ (Min. 6:55–6:57). Qui­ri­no kann den Satz nicht been­den, weil die Anwe­sen­den applau­die­ren (Min. 6:58–7:03). Dann fährt er fort: „(Die Musik) wur­de besei­tigt aus dem Orga­ni­gramm der Dis­zi­pli­nen …“ usw.

War die­ser Bei­fall des Groß­ori­ents für Luzi­fer oder für die von Qui­ri­no Princi­pe geprie­se­ne Musik? Oder beides?

Kom­men wir nun zu einer kürz­lich erschie­ne­nen frei­mau­re­ri­schen Veröffentlichung.

Fabri­zio Illu­mi­na­ti ist Mei­ster des Groß­ori­ents von Ita­li­en und war min­de­stens von 2015 bis 2019 Prä­si­dent des Bezirks­kol­le­gi­ums der Mei­ster des Groß­ori­ents in der Regi­on Mar­ken (sie­he auch hier).

Im Jahr 2021 ver­öf­fent­lich­te Edi­zio­ni Tiphe­ret der Ver­lags­grup­pe Bon­an­no (Aci­rea­le – Rom) das Buch von Fabri­zio Illu­mi­na­ti „Die schön­sten Engel und ande­re archi­tek­to­ni­sche Tafeln5, in dem eini­ge sei­ner frei­mau­re­ri­schen Über­le­gun­gen zusam­men­ge­faßt sind.

In bezug auf den Alten und Ange­nom­me­nen Schot­ti­schen Ritus (RSAA), ein System von Hoch­gra­den, das auch im Groß­ori­ent prak­ti­ziert wird, schreibt Illu­mi­na­ti unter ande­rem: „Schließ­lich kann nicht über­se­hen wer­den, dass der R.S.A.A. in sei­nen ver­schie­de­nen Gra­den gemäß einem für die spe­ku­la­ti­ve Frei­mau­re­rei cha­rak­te­ri­sti­schen Eklek­ti­zis­mus Ele­men­te aus den edel­sten Leh­ren – Alche­mie, Kab­ba­la, Her­me­tik, Rosen­kreu­zer­tum, Temp­ler­tum usw. – berück­sich­tigt, die er sei­nen Adep­ten als Ver­fei­ne­rung ihrer Initia­ti­ons­aus­bil­dung zum Stu­di­um vor­schlägt“ (S. 22).

Illu­mi­na­ti spricht vom 18. Grad des RSAA, „Rit­ter vom Rosen­kreuz“ (S. 31–35), und vom 30. Grad der RSAA, „Rit­ter Kadosch“, inspi­riert von den Temp­lern. Illu­mi­na­ti stellt klar, daß der 30. Grad gno­stisch ist.

Am inter­es­san­te­sten ist der letz­te Auf­satz bzw. das letz­te Kapi­tel, „Der schön­ste aller Engel“ (S. 67–71), in dem Illu­mi­na­ti Luzi­fer posi­tiv dar­stellt, als Trä­ger des Lichts, geprie­sen von der (Neo-)Gnosis und der pro­me­t­hei­schen Kultur.

Illu­mi­na­ti schreibt: „Die Idee Luzi­fers als posi­ti­ves Prin­zip sowie sei­ne Gleich­set­zung mit der Figur des Pro­me­theus wer­den Moti­ve sein, die von der nie erlo­sche­nen gno­sti­schen und phi­lo­so­phi­schen Tra­di­ti­on vor­ge­schla­gen wur­den, die, wenn auch in einer oft unter­ir­di­schen Form, zuerst im Rosen­kreu­zer­tum, dann in der Auf­klä­rung und in der Frei­mau­re­rei nach­hall­te“ (S. 68).

Auf S. 68 zitiert Illu­mi­na­ti die Lob­prei­sung Luzi­fers durch den ame­ri­ka­ni­schen Frei­mau­rer Albert Pike 33° (RSAA) auf S. 231 sei­nes Buches „Morals and Dog­ma“.

Illu­mi­na­ti prä­zi­siert, daß „Car­duc­cis Satan“ (Gio­sué Car­duc­ci, Dich­ter und Frei­mau­rer) in Wirk­lich­keit „die „rach­süch­ti­ge Kraft der Ver­nunft“ ist, die sich den katho­li­schen Dog­men wider­setzt“ (S. 69), daher ist er „Luzi­fer“, „der Trä­ger des Lichts“ (S. 69).

Etwas wei­ter heißt es bei Illu­mi­na­ti: „Es ist also viel­leicht der wah­re Ein­ge­weih­te, der, als er den Mythos Luzi­fer zum ersten Mal hör­te, sofort mit der Sehn­sucht des schön­sten der Engel nach Rebel­li­on sym­pa­thi­sier­te und selbst eine Bewe­gung der Rebel­li­on gegen einen unge­rech­ten und unter­drücken­den Gott ver­spür­te. Es ist viel­leicht wah­rer Ein­ge­weih­ter, wer auf Evas Sei­te stand und nicht akzep­tiert hat, daß es eine ver­bo­te­ne Frucht gibt“ (S. 69).

Indem er eine luzi­fe­ri­sche Inter­pre­ta­ti­on der berühm­ten Frei­heits­sta­tue in New York gibt, die eine bren­nen­de Fackel hält, behaup­tet Illu­mi­na­ti: „Albert Pike defi­nier­te die Frei­mau­re­rei als ‚einen Marsch und einen Kampf zum Licht‘, und der Tra­di­ti­on zufol­ge wer­den die Frei­mau­rer auch ‚Söh­ne des Lichts‘ genannt, wäh­rend es heißt, daß die Pro­fa­nen oder Unein­ge­weih­ten ‚in der Fin­ster­nis sind‘. Und wer wäre mehr als Luzi­fer, der Trä­ger des Lichts, wür­dig, die­se Fackel zu hal­ten?“ (S. 71).

Illu­mi­na­ti zufol­ge ist Luzi­fer „der schön­ste der Engel, der maje­stä­tisch eine Fackel hält, die Fackel der Frei­heit“ (S. 71).

So endet das Buch von Fabri­zio Illuminati.

*Pater Pao­lo Maria Sia­no gehört dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta (FFI) an; der pro­mo­vier­te Kir­chen­hi­sto­ri­ker gilt als einer der besten katho­li­schen Ken­ner der Frei­mau­re­rei, der er meh­re­re Stan­dard­wer­ke und zahl­rei­che Auf­sät­ze gewid­met hat. Von Katho​li​sches​.info wur­de bis­her von ihm veröffentlicht:

In der Rei­he Frei­mau­re­rei, Eso­te­rik, Gno­sis:

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana


1 Ori­gi­nal­ti­tel: „Chie­sa e Mas­so­neria: un dia­lo­go possibile?“.

2 Ori­gi­nal­ti­tel: „In nome del Pad­re e dei fra­tel­li. Sacerdo­zio e massoneria“.

3 Ori­gi­nal­ti­tel: „La misti­fi­ca­zio­ne di Leo Taxil“.

4 Ori­gi­nal­ti­tel: „Il Con­gres­so Anti­mas­so­ni­co di Trento“.

5 Ori­gi­nal­ti­tel: „Il più bel­lo degli Ange­li. E alt­re tavo­le architettoniche“.

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1 Kommentar

  1. Eine wert­vol­le Samm­lung von Quel­len und Hin­wei­sen. Betrach­tet man die Grund­la­ge der Frei­mau­re­rei nüch­tern und objek­tiv, wird klar, „wohin die Rei­se geht“: In-Fra­ge-Stel­len von Got­tes Gebo­ten und den Vor­ga­ben der von ihm ein­ge­setz­ten Kir­che und Erar­bei­ten eines eige­nen Stand­punk­tes auf­grund per­sön­li­cher Befind­lich­kei­ten und Ansich­ten. Mit ande­ren Wor­ten die immer­wäh­ren­de Fort­set­zung des Wer­kes der Schlan­ge im Para­dies: Hat dies Gott wirk­lich gesagt? Und wenn – hat er es auch so gemeint? Könn­te er es nicht anders gemeint haben? Will er viel­leicht nur Wis­sen vor­ent­hal­ten, wel­ches den Men­schen ver­gött­li­chen kann? Etwa das Licht der Erkennt­nis? Wird viel­leicht Luzi­fer (= Licht­brin­ger) nur ver­leum­det, weil er als Men­schen­freund die­sen das Licht der Erkennt­nis brin­gen will?

    Wer, wie die Logen, den Herrn als die per­so­ni­fi­zier­te Wahr­heit ablehnt, wird natür­lich den Irr­tum der ande­ren „Reli­gio­nen“ auf die glei­che Stu­fe heben und dem mün­di­gen Men­schen die Aus­wahl über­las­sen (tole­rant, wie man ist…) Wohl wis­send, dass alles, was nicht zu Gott führt, über kurz oder lang zur Gegen­sei­te leitet.

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