Kurze Antwort an einen Großmeister der Freimaurerei

Fabio Venzi, Großmeister der Regulären Großloge von Italien (GLRI)
Fabio Venzi, Großmeister der Regulären Großloge von Italien (GLRI)

(Rom) Pater Pao­lo Maria Sia­no gehört dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta an, der 2013 von Papst Fran­zis­kus unter kom­mis­sa­ri­sche Ver­wal­tung gestellt wur­de. Eine Maß­nah­me, für die es bis heu­te offi­zi­ell kei­ne Anga­be von Grün­den gibt. Inof­fi­zi­ell sag­te der Sekre­tär der römi­schen Ordens­kon­ge­gra­ti­on, die den Kom­mis­sar ernann­te, der Orden sei wegen sei­ner Tra­di­ti­ons­ver­bun­den­heit „kryp­to-lef­eb­vria­nisch“ und stel­le die Auto­ri­tät des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils in Fra­ge. Pater Sia­no, gilt in der katho­li­schen Kir­che als einer der besten Ken­ner der Frei­mau­re­rei, der er 2012 ein 632 Sei­ten star­kes „Hand­buch“ wid­me­te.

Am Mitt­woch trat Pater Sia­no mit einer „Kur­zen Ant­wort an den Groß­mei­ster“ an die Öffent­lich­keit. Er ant­wor­te­te damit dem Groß­mei­ster trat Pater der Regu­lä­ren Groß­lo­ge von Ita­li­en, Fabio Ven­zi. Der ita­lie­ni­sche Ori­gi­nal­text von Pater Sia­no wur­de von unse­rer Part­ner­sei­te Cor­ris­pon­den­za Roma­na ver­öf­fent­licht.

Kurze Antwort an den Großmeister

von Pater Pao­lo Maria Sia­no FFI

Am ver­gan­ge­nen 8. Okto­ber (2016) hielt Fabio Ven­zi, der amtie­ren­de Groß­mei­ster der Regu­lä­ren Groß­lo­ge von Ita­li­en (GLRI) in sei­ner For­schungs­lo­ge Qua­tu­or Coro­na­ti Nr. 112 im Ori­ent von Rom (GLRI) den Vor­trag „Freie Mau­re­rei und Katho­li­sche Kir­che“ (das Skript umfaßt 39 A4-Sei­ten). Ich neh­me an, daß es sich um den­sel­ben Text han­delt, den Van­zi am ver­gan­ge­nen 11. Sep­tem­ber bei einer Tagung in Cam­bridge, ver­an­stal­tet anläß­lich der bevor­ste­hen­den Fei­er­lich­kei­ten zum 300. Jah­res­ta­ges der Frei­mau­re­rei (1717–2017) von der pre­sti­ge­träch­ti­gen Lon­do­ner Loge Qua­tu­or Coro­na­ti Nr. 2076 der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­ge von Eng­land (UGLE), vor­ge­legt hat.

Die Rede des Groß­mei­sters Ven­zi in der Loge Qua­tu­or Coro­na­ti von Rom ist öffent­lich und kann auf der Inter­net­sei­te der Regu­lä­ren Groß­lo­ge von Ita­li­en auf­ge­ru­fen wer­den.

Es hat mich sehr erstaunt, daß der Groß­mei­ster dar­in etwa acht Sei­ten mir wid­met, indem er Aus­zü­ge aus mei­nen Schrif­ten zitiert. Er beschul­digt mich sogar, die Frei­mau­re­rei falsch und irre­füh­rend dar­ge­stellt zu haben … Soviel Wer­bung hat­te ich wirk­lich nicht erwar­tet. Vor allem habe ich nicht erwar­tet, daß ein „Englisch-style“-Großmeister (Ober­haupt der eng­li­schen Frei­mau­re­rei in Ita­li­en) mir gegen­über sogar in einen „dro­hen­den“ Ton ver­fal­len wür­de, beson­ders in den „Schluß­fol­ge­run­gen“.

Symbol der Loge Quatuor Coronati Nr. 112 im Orient von Rom
Sym­bol der Loge Qua­tu­or Coro­na­ti Nr. 112 im Ori­ent von Rom

Der Groß­mei­ster scheint noch immer ver­är­gert dar­über, daß ich 2012 von TV2000 (dem Fern­seh­sen­der der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz) zur Frei­mau­re­rei inter­viewt wur­de. Damals wur­de ich fast dazu „zwangs­ver­pflich­tet“, im Fern­se­hen auf­zu­tre­ten. Ich mag die Fern­seh­büh­ne nicht, son­dern zie­he das Stu­di­um und Tagun­gen vor. Wenn der Sen­der die­ses Inter­view dann gleich mehr­fach aus­strahlt, liegt das gewiß nicht in mei­ner Ver­ant­wor­tung. Ich fin­de die „Dro­hung“ besorg­nis­er­re­gend, so schön ver­packt sie auch sein mag, die der Groß­mei­ster am Ende sei­nes Tex­tes objek­tiv auch an mich rich­tet (S. 39).

Ven­zi ist der Mei­nung (indem er mich über­schätzt), daß auch mei­ne Schrif­ten ein Hin­der­nis für den Dia­log zwi­schen Frei­mau­re­rei und Katho­li­scher Kir­che sind, und empört sich, daß es in der Kir­che auch Platz für mei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen gibt. Da drängt sich mir die Fra­ge auf: Hat der Groß­mei­ster (unab­hän­gig davon, ob aus Eigen­in­itia­ti­ve oder auf­grund einer Forderung/eines Rates ande­rer)  einen „Befehl“ gegen den Unter­fer­tig­ten erlas­sen, oder wird er einen sol­chen erlas­sen, der von Kir­chen­ver­tre­tern, die dem katho­lisch-frei­mau­re­ri­schen Dia­log gewo­gen sind, aus­zu­füh­ren ist? Ich erlau­be mir, dem Groß­mei­ster Ven­zi zu eini­gen Punk­te eine kur­ze Ant­wort zu geben.

Das Buch des Großmeisters

Bei sei­ner Kri­tik an eini­gen mei­ner Fest­stel­lun­gen, bezieht sich der Groß­mei­ster aus­schließ­lich auf anti­frei­mau­re­ri­sche Schrif­ten, die ich aus chro­no­lo­gi­schen Grün­den oder der Voll­stän­dig­keit hal­ber zitiert habe. Bedau­er­li­cher­wei­se zitiert der Groß­mei­ster kei­ne der zahl­rei­chen frei­mau­re­ri­schen Quel­len, auf die ich in mei­nen Schrif­ten hin­ge­wie­sen habe, und die den größ­ten Teil der von mir ange­führ­ten Biblio­gra­phie umfas­sen. Zunächst möch­te ich die grund­sätz­li­che Unver­ein­bar­keit zwi­schen der Frei­mau­re­rei und der Kir­che bekräf­ti­gen, und ich spre­che dabei natür­lich auch von der „English-style“-Freimaurerei, die vom Groß­mei­ster Ven­zi reprä­sen­tiert wird.

Schon vor sei­nem Vor­trag in der Qua­tu­or Coro­na­ti (2016) scheint Groß­mei­ster Ven­zi in sei­nem Buch „Il Libe­ro Mura­to­re tra eso­te­ris­mo e tra­di­zio­ne“ (Der freie Mau­rer zwi­schen Eso­te­rik und Tra­di­ti­on, Set­ti­mo Sigil­lo, Rom 2014) drei grund­le­gen­de Wesens­merk­ma­le zu bestrei­ten, die ich der Frei­mau­re­rei, ihrem DNA zuschrei­be:
1) sub­jek­ti­vi­sti­scher und meta­dog­ma­ti­scher Huma­nis­mus;
2) intrin­sisch magi­sche Initia­ti­ons­ri­ten;
3) gno­sti­sche Eso­te­rik, die For­men der „Sym­pa­thie“ für Luzi­fer her­vor­brin­gen kann.

Venzis Buch: Der freie Maurer zwischen Esoterik und Tradition"
Ven­zis Buch: Der freie Mau­rer zwi­schen Eso­te­rik und Tra­di­ti­on“

Ich erlau­be mir, anzu­mer­ken, daß gera­de der Groß­mei­ster mir mit sei­nen Schrif­ten recht gibt, beson­ders mit sei­nem Buch Der freie Mau­rer zwi­schen Eso­te­rik und Tra­di­ti­on (Ven­zi hat es sei­nem Freund und „Bru­der“ Lord Nort­hamp­ton gewid­met, dem vor­ma­li­gen Pro-Grand Master der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­ge von Eng­land). ((Wenn ein Mit­glied der könig­li­chen Fami­lie Groß­mei­ster der Groß­lo­ge von Eng­land ist, ist es üblich, einen Pro-Grand Master zu ernen­nen, der die Auf­ga­ben des Groß­mei­sters aus­übt, wenn der Groß­mei­ster auf­grund sei­ner könig­li­chen Pflich­ten nicht ver­füg­bar ist. Seit 1968 übt Prinz Edward, der Her­zog von Kent, ein Vet­ter von Köni­gin Eli­sa­beth II., das Amt des Groß­mei­sters aus. Spen­cer Comp­ton, der 7. Mar­quess of Nort­hamp­ton war von 2001–2009 Pro­groß­mei­ster.))

1) Ven­zi prä­sen­tiert einen gno­sti­schen Initia­ti­ons­hu­ma­nis­mus: der wah­re Initiierte/Freimaurer hat, auch in Über­ein­stim­mung mit dem Den­ken von Juli­us Evo­la (vgl. S. 20–23), einen Weg der gno­sti­schen und über­dog­ma­ti­schen Ver­voll­komm­nung zu beschrei­ten.
2) Der vom Frei­mau­rer zu beschrei­ten­de ritu­el­le Initia­ti­ons­weg zielt auf eine „onto­lo­gi­sche“ Ver­än­de­rung des Indi­vi­du­ums ab (vgl. S. 23f und 300f). Dem eng­li­schen Frei­mau­rer Wal­ter Les­lie Wilms­hurst (1867–1939) fol­gend erklärt Ven­zi, daß „der Drit­te Grad des Mei­sters“ (der mit einem eigen­ar­ti­gen und für die Frei­mau­rer wich­ti­gen Ritus ver­bun­den ist) „ist der Grad des ‚mysti­schen Todes‘ oder ‚Initia­ti­onsto­des‘ “ (vgl. S. 67–71, 198f, 254f und 299f).
3) Wenn Ven­zi von „Tra­di­ti­on“ spricht, prä­sen­tiert er als „Mei­ster“ Juli­us Evo­la und Carl Gustav Jung, der behaup­te­te, daß es not­wen­dig sei, „dem Schat­ten als untrenn­ba­re Teil­per­sön­lich­keit von uns selbst zu begeg­nen und ihn ‚wie­der­ein­zu­glie­dern‘ “ (vgl. S. 184–186). Jung gibt den Schat­ten als Teu­fel wie­der (vgl. 207f). Etwas spä­ter, im Zusam­men­hang mit einem frei­mau­re­ri­schen Ritus, erklärt Ven­zi, daß der Adept „durch den sym­bo­li­schen Abstieg in eine Kryp­ta sei­nem Schat­ten begeg­nen, so sei­ne Per­sön­lich­keit ver­voll­stän­di­gen und sich mit der Gott­heit ver­ei­nen kann, näm­lich mit sei­nem Selbst“ (vgl. S. 280f).

Bezüg­lich der gno­sti­schen Eso­te­rik zitie­re ich die­sen Abschnitt von Ven­zi: „In den eleu­si­ni­schen Myste­ri­en, in den gno­sti­schen und her­me­ti­schen Trak­ta­ten (beson­ders der Acht­heit von Her­mo­po­lis und der Neun­heit von Helio­po­lis), in den alche­mi­sti­schen Trak­ta­ten und den frei­mau­re­ri­schen Ritua­len, wird der Arche­ty­pus des Selbst wie­der bewußt, indem das Bedürf­nis des Initi­ier­ten nach Tran­szen­denz als bewuß­te Selbst­ver­wirk­li­chung der eige­nen Ganz­heit erfüllt wird. Der Adept der Weis­heits­schu­len sucht über einen Initia­ti­ons­weg der Ver­voll­komm­nung in sei­nem Inne­ren die Instan­zen die­ses Arche­ty­pus, um sie in sein Bewußt­sein zu inte­grie­ren, und ihnen dadurch eine indi­vi­du­el­le Lösung zu geben. Das Selbst reprä­sen­tiert in die­ser Sicht­wei­se die gött­li­che Kom­po­nen­te der Per­sön­lich­keit, jene, die in der Gno­sis und in der Kab­ba­la der Licht-Fun­ken war, der sei­ne bewuß­te Ver­wirk­li­chung ver­langt“ (S. 197).

Wappenschild- und zier der Vereinigten Großloge von England. Man beachte die Engel mit Bocksfüßen und die hebräische Inschrift
Wap­pen­schild- und zier der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­ge von Eng­land. Man beach­te die Engel mit Bock­fü­ßen und die bei­den Wap­pen­sprü­che (unten und oben)

Auch Groß­mei­ster Ven­zi ver­knüpft also den frei­mau­re­ri­schen Weg mit der Gno­sis, der Alche­mie, der Kab­ba­la. In sei­ner Rede in der Qua­tu­or Coro­na­ti zitiert der Groß­mei­ster mei­nen Text, in wel­chem ich fest­hal­te, daß „in der Alche­mie, die Mate­ria Pri­ma, die Urma­te­rie des alche­mi­sti­schen Wer­kes auch als Dra­chen oder Teufel/Luzifer dar­ge­stellt wird“. Das sage nicht ich, son­dern der Alche­mist Fun­ca­nel­li (den ich zitiert habe), den Ven­zi selbst in sei­nem Buch den „legen­dä­ren Fun­ca­nel­li“ (S. 200) nennt. Zudem läßt uns Ven­zi selbst wis­sen, indem er den Frei­mau­rer Her­bert Sil­be­rer zitiert, daß die „Mate­ria Pri­ma von den Alche­mi­sten auch ‚Luzi­fer‘ genannt wird“ und sogar „Kot, Men­strua­ti­on, Urin“ (vgl. S. 210). Am Ende sei­nes Buches schreibt Ven­zi: „In den Dok­tri­nen der Initia­ti­ons­schu­len lehrt uns die Erwar­tung der Ewi­gen Rück­kehr, daß das unab­wend­ba­re Ende des Kaly Yuga zur Über­win­dung des Nihi­lis­mus selbst füh­ren wird, ‚indem er ins Posi­ti­ve ver­kehrt wird durch die frei­wil­li­ge Aner­ken­nung der Rück­kehr zum Sein. Die Wil­lens­kraft des­sen, was zurück­keh­ren will, um ewig zu besit­zen.‚79 Man muß daher unver­sehrt die Epo­che durch­le­ben, in der wir uns befin­den, indem wir unse­re höch­sten Gaben und Fähig­kei­ten ein­set­zen, uns mit unse­ren Arche­ty­pen tref­fen, sie ken­nen­ler­nen, sie inter­pre­tie­ren und uns so ken­nen­ler­nen (…)“ (S. 346f).
In der Fuß­no­te 79 zitiert Ven­zi einen Text von Miguel Ser­ra­no: „Nietz­sche e la dan­za di Shi­va (Nietz­sche und Shi­vas tan­da­va, Set­ti­mo Sigil­lo, Rom 2013). War­um wird Ser­ra­no zitiert? Ser­ra­no ((Der Chi­le­ne Miguel Ser­ra­no, 1917–2009, aus wohl­ha­ben­dem Haus schloß sich in sei­ner Jugend zunächst links­ex­tre­men Grup­pen an, dann wur­de er ein glü­hen­der Ver­fech­ter des Natio­nal­so­zia­lis­mus, für den er in Latein­ame­ri­ka wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges in einer von ihm her­aus­ge­ge­ben, spa­nisch­spra­chi­gen Publi­ka­ti­on warb. Nach dem Krieg nahm er an der zwei­ten chi­le­ni­schen Ant­ark­tis-Expe­di­ti­on teil, trat dann in den Diplo­ma­ti­schen Dienst ein und war Bot­schaf­ter Chi­les in Indi­en, wo er sei­ne „ari­schen Stu­di­en“ fort­setz­te, dann in Jugo­sla­wi­en und schließ­lich von 1964–1970 in Öster­reich als Bot­schaf­ter bei der Inter­na­tio­na­len Atom­ener­gie­be­hör­de und bei der UNIDO). Zu sei­nen per­sön­li­chen Freun­den gehör­ten Indi­ens Staats­grün­der Neh­ru, eben­so Indi­ra Gan­dhi, der Dalai Lama und Pablo Neru­da, zudem eine Rei­he füh­ren­der Natio­nal­so­zia­li­sten.)) war ein chi­le­ni­scher Phi­lo­soph, Diplo­mat und Schrift­stel­ler. Er war Ver­fech­ter eines eso­te­ri­schen Natio­nal­so­zia­lis­mus, der in sei­nem Buch „El hijo del viudo“ (Der Sohn des Wit­wers, 2003, ital. Aus­ga­be bei Set­ti­mo Sigil­lo, Rom 2005) gno­sti­sche und eso­te­ri­sche Ideen aus­brei­tet über „Gott, den Andro­gy­nen und Luzi­fer, letz­te­rer ver­stan­den als jener, der die Wie­der­ge­win­nung der Gesamt­heit der Gegen­sät­ze in jedem ermög­licht“ (vgl. S. 17, 35f. 39, 43–45. 49–51).

Der Freimaurer-Meister zwischen Morgenstern und „Retrologe“

Groß­mei­ster Ven­zi meint, ich sei „fixiert“ auf die luzi­fe­ri­sche Bedeu­tung, die ich dem frei­mau­re­ri­schen „Mor­gen­stern“ (Drit­ter Grad des Mei­sters) zuschrei­be, und auf die „Retro­lo­gen“. Ich beschrän­ke mich an die­ser Stel­le ledig­lich auf weni­ge Anmer­kun­gen dazu. Ven­zi kennt (auch dank mei­ner Schrif­ten) die Figur von Wil­liam Wynn West­cott (1848–1825). West­cott war Frei­mau­rer der Ver­ei­nig­ten Groß­lo­ge von Eng­land, der Loge Qua­tu­or Coro­na­ti von Lon­don, des 30. Gra­des des angeb­lich „christ­li­chen“ Alten und Ange­nom­me­nen Schot­ti­schen Ritus, des IX. Gra­des der angeb­lich „christ­li­chen“ Socie­tas Rosi­cru­cia­na in Anglia (SRIA) und Mit­be­grün­der des Her­me­tic Order of the Gol­den Dawn (Her­me­ti­scher Orden der Gol­de­nen Däm­me­rung, GD). Mit ande­ren Wor­ten, er war ein respek­ta­bler und regu­lä­rer eng­li­scher Frei­mau­rer und  angeb­li­cher Christ mit einer Lei­den­schaft für die Kab­ba­la, die Alche­mie und die Magie, die er auch prak­ti­zier­te.

Miguel Serrano (Podium) als Hauptredner einer Hitler-Gedenkveranstaltung
Miguel Ser­ra­no (Podi­um), ein Freund von Pablo Neru­da, als Haupt­red­ner einer Hit­ler-Gedenk­ver­an­stal­tung

In der Gol­den Dawn (das ist kei­ne „Fixiert­heit“ von mir) stellt die Stel­la Matu­ti­na oder der Pla­net Venus-Luzi­fer, der in der Mor­gen­däm­me­rung erstrahlt, (daher „Gol­de­ne Däm­me­rung“, Gol­den Dawn) Luzi­fer-Schlan­ge der Gene­sis dar. Das sagt Isra­el Regar­die (den ich auch zitie­re), Mit­glied der Gol­den Dawn. Zudem ver­schmäh­te es West­cott 30° [als Frei­maue­rer des 30. Gra­des] nicht, in der Zeit­schrift der Theo­so­phi­schen Gesell­schaft zu schrei­ben, die damals den bezeich­nen­den Titel Luci­fer trug. Initia­ti­ons­er­fah­run­gen wie jene von West­cott 30° sind auch heu­te mög­lich …
Ich weiß, daß im frei­mau­re­ri­schen Sprach­ge­brauch der Begriff „Retro­lo­ge“ nicht exi­stiert. Mit die­sem ein­fa­chen Wort bezeich­nen wir Nicht-Ein­ge­weih­ten jene frei­mau­re­ri­schen oder paraf­rei­mau­re­ri­schen Kör­per („Side Degrees“) der Hoch­gra­de, in denen es mög­lich ist, gewis­se eso­te­ri­sche Inhal­te zu ver­tie­fen. Der Mor­gen­stern der „blau­en“ Logen stellt nur das Licht, die Mor­gen­däm­me­rung der Erleuch­tung, die Wie­der­ge­burt dar? Und für die christ­li­chen Frei­mau­rer viel­leicht auch Chri­stus? In Wirk­lich­keit aber hat der Chri­stus des katho­li­schen Dog­mas, auf­grund der huma­ni­sti­schen und gno­sti­schen Aus­rich­tung, die Ven­zi selbst dem frei­mau­re­ri­schen Weg zuschreibt, wenig Platz und Ein­fluß in der Frei­mau­re­rei.

Jeden­falls kann der frei­mau­re­ri­sche Mei­ster, der sich mehr für Gno­sis und Eso­te­rik inter­es­siert, in ande­ren „Kör­pern“, zusam­men mit ande­ren Frei­mau­rern, im Mor­gen­stern etwas ande­res oder einen ande­ren sehen …

Ich kom­me zum Schluß. Es wer­de sicher nicht ich sein, der wei­te­re vatikanisch/diözesane Dia­lo­ge zwi­schen Frei­mau­rern und Katho­li­ken ver­hin­dern oder behin­dern kann. Ich ste­he nicht im Genuß der mäch­ti­gen Unter­stüt­zun­gen (frei­mau­re­ri­sche, sozia­le, kirch­li­che und wirt­schaft­li­che) des Groß­mei­sters Ven­zi, der aus­ge­zeich­ne­te Bezie­hun­gen zur bri­ti­schen und skan­di­na­vi­schen Frei­mau­re­rei unter­hält und auch zur Groß­lo­ge des Staa­tes Isra­el. ((Groß­mei­ster Ven­zi ist Ehren­mit­glied und Trä­ger des Ver­dienst­or­dens der Groß­lo­ge des Staa­tes Isra­el.)) Heut­zu­ta­ge rollt man in der Kir­che die roten Tep­pi­che viel leich­ter den Groß­mei­stern aus, aber sicher nicht einem armen Bru­der und Prie­ster wie dem Unter­fer­tig­ten.

Übersetzung/Fußnoten: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/Gran Log­gia Regu­la­re d’I­ta­lia (Screen­shots)

4 Kommentare

  1. Der resi­gna­ti­ve letz­te Satz spricht Bän­de.
    De fac­to ist die katho­li­sche Kir­che zu einem Organ der FMei gewor­den, wie (nicht nur) die „Flüchtlings“-Frage ein­drucks­voll beweist.
    Die hier dis­ku­tier­ten Anlie­gen des GM sind rei­ne Maku­la­tur, eine offi­zi­el­le Sprach­re­ge­lung für inhalt­lich längst Voll­zo­ge­nes.
    Wir ken­nen das Her­ren­wort von den nicht sieg­rei­chen Pfor­ten der Höl­le, und nur die­ses ist es, das den sofor­ti­gen Kir­chen­aus­tritt noch ver­bie­ten bzw die Hoff­nung auf­recht erhal­ten kann, dass es Ret­tung geben wird.

  2. @Franz Lech­ner
    Sie tref­fen es auf den Punkt.
    Aus­tritt bedeu­tet Exkom­mu­ni­ka­ti­on und ausser­dem freu­en sich dann auch die ganz Fal­schen, die mit Haeme erfu­ellt, die Kir­che noch mehr ver­un­glimp­fen koen­nen.
    Denen soll man kei­ne Nah­rung geben, Geld ist nicht alles.
    Ande­rer­seits bezug­neh­mend auf die Her­ren­wor­te wg. End­zeit des Glau­bens resp.der Kir­che.
    Ich bin fas­sungs­los mit wel­cher rapi­den Geschwin­dig­keit sich das Gan­ze unter aller Augen voll­zieht.
    Man dach­te immer der Vati­ka­nums II Irsinn wae­re irgend­wann und durch einen star­ken Papst zu stop­pen.
    Weit weit gefehlt, die Kir­chen­ma­en­ner, allen vor­an Fran­zis­kus ueber­bie­ten sich im Welt­li­chen und spie­len gewollt oder unge­wollt Satans Frei­mau­rern oder allen Anti­chri­sten in die Haen­de.
    Man darf es kaum glau­ben, aber heu­te sind die Lai­en treu­er und fro­em­mer als die mei­sten Kir­chen­leu­te.
    Nur eins ist gewiss naem­lich das Chri­stus sich nicht auf ewig ver­al­bern laesst.
    Wer Augen hat der sehe !

  3. Die Kon­ser­va­ti­ven sind viel zu Auto­ri­täts­hö­rig. Sie soll­ten ein­fach das Gegen­teil von dem tun, was ihnen die Moder­ni­sten vor­schrei­ben wol­len. Die sog. Visi­ta­to­ren hät­te ich in hohem Bogen raus­ge­schmis­sen.

  4. Vie­les in der Freimaurerei(und auch im Islam, v.a. Koran neben­bei bemerkt) ist schlicht und ein­fach von der katho­li­schen Kir­che abge­kup­fert.
    Aus die­sem Arti­kel lässt sich wie­der ein­mal klar her­aus­le­sen, dass die Frei­mau­rer kon­kret dem Tier, dem Teu­fel, dem Satan, also Luzi­fer hul­di­gen, ihn ver­eh­ren und anstel­le Got­tes anbe­ten. Eine schwe­re­re Sün­de kann ein leben­der Mensch kaum bege­hen. Sie ver­ges­sen dabei, dass Gott, der Gott der gan­zen Schöp­fung ist. Dar­um ist sogar der Satan ihm unter­wor­fen.

    Jan, das haben sie gut aus­ge­drückt. „Man darf es kaum glau­ben, aber heu­te sind die Lai­en treu­er und fro­em­mer als die mei­sten Kir­chen­leu­te.“

    Da haben Sie völ­lig Recht.

Kommentare sind deaktiviert.