Neuer Versuch zur Einführung des Frauendiakonats

Papst Franziskus und der "synodale Prozeß"

Papst Franziskus mit Kardinal Giuseppe Petrocchi: Stellt der neue Kommissionsvorsitzende den "entscheidenden Wendepunkt" in der Frage des "Frauendiakonats" dar?
Papst Franziskus mit Kardinal Giuseppe Petrocchi: Leitet der neue Kommissionsvorsitzende den "entscheidenden Wendepunkt" in der Frage des "Frauendiakonats" ein?

(Rom) Mit­te Sep­tem­ber wird sich erst­mals die neue Stu­di­en­kom­mis­si­on über das Frau­en­dia­ko­nat tref­fen. Zwei Jah­re nach der Ankün­di­gung von Papst Fran­zis­kus, die­se Kom­mis­si­on ein­zu­set­zen, kommt Bewe­gung in die Sache. Es ist nicht die erste Kom­mis­si­on, die Fran­zis­kus zu die­sem The­ma ernann­te. Soll solan­ge stu­diert wer­den, bis das gewünsch­te Ergeb­nis vorliegt?

Nebelschwaden und die erste Studienkommission

Bereits am 12. Mai 2016 hat­te Papst Fran­zis­kus die Ein­set­zung einer ersten Stu­di­en­kom­mis­si­on zur Fra­ge des „Frau­en­dia­ko­nats“ ange­kün­digt. Damals emp­fing er die Gene­ral­obe­rin­nen katho­li­scher Frau­en­or­den, die in der Inter­na­tio­na­len Uni­on der Gene­ral­obe­rin­nen (UISG) zusam­men­ge­schlos­sen sind. In der UISG gibt es star­ke Kräf­te, die auf die Zulas­sung von Frau­en zum Dia­ko­nat drän­gen. Bei der Begeg­nung mit dem Papst wur­de eine ent­spre­chen­de Fra­ge zuge­las­sen. Der Papst woll­te also die Fra­ge ange­spro­chen wis­sen. Die media­le Auf­merk­sam­keit dafür war enorm. Fran­zis­kust gab jedoch kei­ne Ant­wort auf die Fra­ge, son­dern kün­dig­te die Ein­set­zung einer Kom­mis­si­on an, die das The­ma stu­die­ren soll, was in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung als „eine Bereit­schaft zur Öff­nung“ inter­pre­tiert wurde.

Sol­che Schlag­zei­len sei­en „ver­früht“, dämpf­te der dama­li­ge Vati­kan­spre­cher P. Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ die Eupho­rie der Medi­en etwas. Ins­ge­samt war die Ant­wort von Fran­zis­kus näm­lich ver­wir­rend. Der Papst hat­te gegen­über den Ordens­obe­rin­nen den Ein­druck erweckt, sich bis­her nicht mit der Fra­ge befaßt zu haben, ergo, nicht damit ver­traut zu sein und sie des­halb durch eine Kom­mis­si­on stu­die­ren zu las­sen. Was das genau hei­ßen soll­te, dar­über herrsch­te selbst in den vati­ka­ni­schen Medi­en offen­sicht­li­che Unklar­heit. Wie damals noch üblich, hat­ten sie kei­ne Sprach­re­ge­lung erhal­ten. Ent­spre­chend wur­den unter­schied­li­che Begrif­fe durch­ein­an­der­ge­wir­belt. Selbst das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt nahm kei­ne sau­be­re Unter­schei­dung zwi­schen „Dia­ko­nis­sen“ und „Dia­ko­nin­nen“ vor, zwei Begrif­fe, die kei­ne Syn­ony­me sind:

  • Dia­ko­nis­sen lei­ste­ten einen früh­kirch­li­chen Dienst, den Frau­en in der Betreu­ung von Frau­en vor­nah­men, die Män­nern nach den anti­ken Kon­ven­tio­nen in einem noch heid­ni­schen Umfeld nicht erlaubt war. Durch die Chri­stia­ni­sie­rung der Gesell­schaft fiel die­se Not­wen­dig­keit weg und wur­de im Über­gang von Spät­an­ti­ke zum Früh­mit­tel­al­ter aufgegeben.
  • Dia­ko­nin­nen mei­nen hin­ge­gen die weib­li­che Ent­spre­chung des Dia­kons, also die unter­ste Stu­fe des Weihesakraments.

Um letz­te­res geht es, denn die femi­ni­sti­sche Strö­mung in der Kir­che hat kein Inter­es­se an den früh­kirch­li­chen Dia­ko­nis­sen, die ledig­lich zum Vor­wand genom­men wer­den, um Zugang zum Wei­he­sa­kra­ment zu erlan­gen. Auch geht es nicht wirk­lich um Dia­ko­nin­nen, son­dern um das „Frau­en­prie­ster­tum“ und den Zugang zum Epi­sko­pat. Daß femi­ni­sti­sche Theo­lo­gin­nen von einer Päp­stin träu­men, ist ein offe­nes Geheim­nis. Aus­ge­spro­chen wird es sel­ten. Der Rest ist viel Mimi­kry, um in klei­nen Schrit­ten das ange­streb­te Ziel zu erreichen.

Bezeich­nend für die Ant­wort von Papst Fran­zis­kus an jenem 12. Mai 2016 war, daß er auch zu die­ser Fra­ge jenes nebe­li­ge Kli­ma erzeug­te, das ein Cha­rak­te­ri­sti­kum sei­nes Pon­ti­fi­kats ist. Der Hei­li­ge Stuhl hat­te sich näm­lich längst mit der Fra­ge befaßt und auch schon Ant­wort gege­ben. Bereits 1994 hat­te Papst Johan­nes Paul II. mit dem Apo­sto­li­schen Schrei­ben Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis fest­ge­stellt, daß die Ordi­na­ti­on von Frau­en defi­ni­tiv unmög­lich ist. Kir­chen­recht­ler mes­sen der Ent­schei­dung dog­ma­ti­sche Bedeu­tung zu, womit die Fra­ge ein für alle­mal ent­schie­den sei. Den dog­ma­ti­schen Rang bestä­tig­te indi­rekt auch Papst Fran­zis­kus, indem er und sein Umfeld erken­nen lie­ßen, daß an Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis kein Weg vorbeiführt.

Wie die Frau zum Diakonat kam

Aller­dings gab der dama­li­ge Erz­bi­schof von Mai­land, Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ, als Reak­ti­on auf die Ent­schei­dung von Johan­nes Paul II. für die pro­gres­si­ve Rich­tung in der Kir­che einen sophi­sti­schen Stra­te­gie­wech­sel aus. Man sol­le nicht mehr vom Frau­en­prie­ster­tum reden, son­dern sich auf das „Frau­en­dia­ko­nat“ kon­zen­trie­ren, das bis dahin im femi­ni­sti­schen For­de­rungs­ka­ta­log kei­ne Rol­le spiel­te, denn das sei von Johan­nes Paul II. in Ordi­na­tio sacer­do­ta­lis nicht expli­zit erwähnt worden.

Da das Wei­he­sa­kra­ment, Dia­kon – Prie­ster – Bischof, eine Ein­heit dar­stellt und daher nicht teil­bar ist, gilt so oder anders­rum ein alles oder nichts. Ent­we­der haben Frau­en kei­nen Anteil an die­sem Sakra­ment, dann auch nicht am Dia­ko­nat, oder sie kön­nen „Dia­ko­nin­nen“ wer­den, dann aber auch „Prie­ste­rin­nen“ und „Bischö­fin­nen“. Da dies aber von Johan­nes Paul II. kate­go­risch und defi­ni­tiv aus­ge­schlos­sen wur­de, ist auch die Fra­ge des Frau­en­dia­ko­nats impli­zit ent­schie­den und vom Tisch – wenn man es hören will.

Wegen des pro­gres­si­ven Stra­te­gie­wech­sels hat­te bereits Papst Johan­nes Paul II. zur Jahr­tau­send­wen­de eine Kom­mis­si­on ein­ge­setzt, um expli­zit die Fra­ge des „Frau­en­dia­ko­nats“ zu stu­die­ren und die kirch­li­che Ableh­nung argu­men­ta­tiv zu unter­mau­ern. Am 17. Sep­tem­ber 2001 ver­öf­fent­lich­ten drei römi­sche Kon­gre­ga­tio­nen, die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, die Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on und die Kle­rus­kon­gre­ga­ti­on, eine gemein­sa­me, von Johan­nes Paul II. appro­bier­te Note:

„Aus eini­gen Län­dern sind unse­ren Dikaste­ri­en Hin­wei­se auf die Pla­nung und Durch­füh­rung von Kur­sen zuge­kom­men, die direkt oder indi­rekt das Ziel der Dia­ko­nats­wei­he für Frau­en haben. Dadurch wer­den Erwar­tun­gen geschürt, die kei­ne Grund­la­ge in der Leh­re der Kir­che haben und die daher seel­sor­ge­ri­sche Irre­füh­rung ver­ur­sa­chen können.

Da die kirch­li­chen Vor­schrif­ten solch eine Wei­he nicht vor­se­hen, ist es nicht statt­haft, die­se Initia­ti­ven zu betrei­ben, die gewis­ser­ma­ßen dar­auf abzie­len, Kan­di­da­tin­nen auf ein Dia­ko­nat vorzubereiten.

Die wah­re För­de­rung der Frau inner­halb der Kir­che öff­net wei­te Per­spek­ti­ven des Dien­stes und der Zusam­men­ar­beit in Über­ein­stim­mung mit der bestehen­den Kir­chen­leh­re, mit beson­de­rem Bezug auf die­je­ni­ge Sei­ner Hei­lig­keit Johan­nes Pauls II..

Die unten­ste­hen­den Kon­gre­ga­tio­nen wen­den sich daher im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen an die ein­zel­nen Ordi­na­ri­en, auf daß sie obi­ge Anord­nung flei­ßig anwen­den und den Gläu­bi­gen erklä­ren mögen.

Die­se Noti­fi­ka­ti­on wur­de vom Hei­li­gen Vater am 14. Sep­tem­ber 2001 approbiert.

Vati­kan, 17. Sep­tem­ber 2001

Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glaubenslehre

Jor­ge Arturo Kar­di­nal Medi­na Esté­vez
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakramentenordnung

Dar­ào Kar­di­nal Cas­tril­lón Hoyos
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Klerus“

War­um gab Papst Fran­zis­kus nicht eine sol­che knap­pe, ein­deu­ti­ge und all­ge­mein­ver­ständ­li­che Ant­wort? Das Kon­zil von Tri­ent und Johan­nes Paul II. hat­ten ja die Ant­wort längst gege­ben, wes­halb die For­de­rung nach dem „Frau­en­dia­ko­nat“ sogar als häre­tisch erklärt wer­den kann.

Zudem hat­te 2003 die Stu­di­en­kom­mis­si­on der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on unter der Lei­tung von Kar­di­nal Joseph Ratz­in­ger ihre Unter­su­chung zum histo­ri­schen Kon­text der früh­kirch­li­chen Dia­ko­nis­sen ver­öf­fent­licht. Das Ergeb­nis war ein­deu­tig aus­ge­fal­len: Der beleg­te Dienst von Frau­en in der frü­hen Kir­che hat­te kei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment, wes­halb die Dia­ko­nis­sen kei­ne Dia­ko­nin­nen waren.

Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler brach­te es als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on 2013 in sei­ner Ant­wort an den dama­li­gen Vor­sit­zen­den der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Erz­bi­schof Robert Zollitsch, auf den Punkt, als die­ser das „Frau­en­dia­ko­nat“ forderte:

„Für Dia­ko­nin­nen gibt es kei­ne Grund­la­ge und für Dia­ko­nis­sen kei­nen Bedarf.“

Der günstige Zeitpunkt

Zu den Nebel­schwa­den, die hin­ge­gen Fran­zis­kus 2016 durch sei­ne Ant­wort auf­stei­gen ließ, gehört ein wei­te­res Ele­ment. Er erklär­te, daß ihm ein klu­ger Mann ein­mal den Rat gege­ben habe, wenn man eine Sache nicht ent­schei­den wol­le, sol­le man eine Kom­mis­si­on ein­set­zen. Dar­an klam­mern sich seit­her lehr­amts­treue Krei­se in der Kir­che. Sie gehen davon aus, daß Fran­zis­kus gemäß der Vor­ga­be von Johan­nes Paul II. eine Zulas­sung von Frau­en zum Wei­he­sa­kra­ment für unmög­lich hält, aber femi­ni­sti­sche Tei­le der Kir­che nicht zu sehr vor den Kopf sto­ßen und des­halb hin­hal­ten wolle.

Die­ser Annah­me wider­sprach bereits im Febru­ar 2017 ein Arti­kel der Civil­tà Cat­to­li­ca, der die Tür zum „Frau­en­prie­ster­tum“ neu auf­stieß. Jeder Arti­kel der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift bedarf der Druck­erlaub­nis durch den Hei­li­gen Stuhl. Schrift­lei­ter ist einer der eng­sten Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus. Die Auf­ga­be des Zen­sors nimmt Fran­zis­kus zu ihm wich­ti­gen The­men per­sön­lich wahr.

Tat­sa­che ist, daß sich die For­de­run­gen nach dem Frau­en­dia­ko­nat unter Papst Fran­zis­kus ver­viel­facht haben, ohne daß ihnen ent­ge­gen­ge­tre­ten wird. Das deu­tet dar­auf­hin, daß Fran­zis­kus kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken hegt, son­dern den Zeit­punkt noch nicht für gekom­men hält. Das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis custo­des und die nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia und Que­ri­da Ama­zo­nia lie­fern dafür Anhaltspunkte.

  • Die Hal­tung von Papst Fran­zis­kus gegen­über dem über­lie­fer­ten Ritus und sei­nen Ver­tre­tern, bes­ser gesagt, sei­ne Abnei­gung, war 2013 die­sel­be wie heu­te. Den­noch war­te­te er mehr als acht Jah­re ab, um mit Tra­di­tio­nis custo­des den Schlag gegen die Tra­di­ti­on zu füh­ren, der – so wie er ange­legt ist – töd­lich sein soll.
  • Nach der Ver­öf­fent­li­chung von Amo­ris lae­ti­tia ent­hüll­te der Son­der­se­kre­tär der Syn­ode, Erz­bi­schof Bru­no For­te, daß ihm Papst Fran­zis­kus für die Abfas­sung des Syn­oden­schluß­be­richts den Auf­trag erteil­te, ihn so ver­schlei­ernd zu for­mu­lie­ren, daß er mög­lichst wenig Wider­stand provoziert.
  • Im Zusam­men­hang mit Que­ri­da Ama­zo­nia ver­zich­te­te Papst Fran­zis­kus im letz­ten Moment auf die von sei­nem eige­nen Umfeld bereits als sicher ange­nom­me­ne Auf­wei­chung des prie­ster­li­chen Zöli­bats, nach­dem Kar­di­nal Robert Sarah und vor allem sein Vor­gän­ger Bene­dikt XVI. mit einem Plä­doy­er für den prie­ster­li­chen Zöli­bat an die Öffent­lich­keit getre­ten waren.

Dar­aus läßt sich able­sen, daß Fran­zis­kus, der öffent­li­che Kon­flik­te nicht mag, den gün­sti­gen Zeit­punkt sucht, an dem mög­li­che Wider­stän­de abseh­bar und vor allem kon­trol­lier­bar sind.

„Man muß innovativ sein“

Die 2016 ange­kün­dig­te Stu­di­en­kom­mis­si­on zu den früh­kirch­li­chen Dia­ko­nis­sen, pari­tä­tisch von Frau­en und Män­nern besetzt, nahm ein hal­bes Jahr spä­ter ihre Arbeit auf. Kar­di­nal Wal­ter Kas­per, der „Theo­lo­ge des Pap­stes“, erklär­te für pro­gres­si­ve Ohren viel­ver­hei­ßend: „Man muß inno­va­tiv sein!“ Der bekann­te tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne fran­zö­si­sche Prie­ster Clau­de Bar­t­he sprach jüngst hin­ge­gen von „einer Art Kle­ri­ka­li­sie­rung der Lai­en“, die von pro­gres­si­ven Krei­sen betrie­ben werde.

Im Janu­ar 2019 hat­te Papst Fran­zis­kus den Abschluß­be­richt auf sei­nem Schreib­tisch lie­gen, doch das Ergeb­nis befrie­dig­te nicht. Es soll zu einer Patt­si­tua­ti­on gekom­men sein, was weni­ger den histo­ri­schen Fak­ten geschul­det ist, dafür umso mehr der Ein­stel­lung zur For­de­rung heu­te. Der Bericht wan­der­te in die Schub­la­de und die Kom­mis­si­on wur­de still­schwei­gend begraben.

Unter­des­sen war die Liste der Stim­men, die das „Frau­en­dia­ko­nat“ for­dern, län­ger und län­ger gewor­den, dar­un­ter, aller­dings wenig über­ra­schend, durch jene der deutsch­spra­chi­gen Gene­ral­obe­rin­nen. Kurz zuvor hat­ten bereits die Ordens­obe­ren in den USA die­se For­de­rung erho­ben. Auch durch die lau­fen­de Ernen­nung neu­er Bischö­fe stärk­te Fran­zis­kus die Fron­de des „Frau­en­dia­ko­nats“, nur zwei Bei­spie­le dafür sind Msgr. Georg Bät­zing, seit 2016 Bischof von Lim­burg und seit 2020 Vor­sit­zen­der der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, und Msgr. Diar­muid Mar­tin, seit 2020 Erz­bi­schof von Dub­lin und Pri­mas von Irland.

Im Vor­feld der umstrit­te­nen Ama­zon­asyn­ode, die im Okto­ber 2019 tag­te, hat­te sich bereits abge­zeich­net, daß auch das „Frau­en­dia­ko­nat“ auf der Tages­ord­nung ste­hen wür­de. In den Cir­cu­les mino­res wur­de dann erwar­tungs­ge­mäß die For­de­rung vorgebracht.

Am Ende der „Pach­a­ma­ma-Syn­ode“, wie sie auch genannt wird, gab Papst Fran­zis­kus über­ra­schend die Ein­set­zung einer neu­en Kom­mis­si­on zum Stu­di­um des Frau­en­dia­ko­nats bekannt. Im April 2020 wur­de die Kom­mis­si­on ernannt. Kei­nes der zwölf Mit­glie­der gehör­te der ersten Kom­mis­si­on (2016–2019) an.

Katholisches.info schrieb dazu am 27. Mai 2020:

„Wie kann es aber sein, daß es in den erst 20 Jah­ren des 21. Jahr­hun­derts bereits drei Kom­mis­sio­nen zum sel­ben The­ma gibt? Da ist es wenig ver­wun­der­lich, wenn auf der einen Sei­te mit zuneh­men­der Hoff­nung, auf der ande­ren mit wach­sen­der Sor­ge der Ein­druck ent­steht, es wer­de so vie­le und so lan­ge Kom­mis­sio­nen geben, bis das gewünsch­te Ergeb­nis erzielt wird. Was auch bedeu­tet, wie Peter Hüner­mann bereits inter­pre­tier­te, daß die bei­den ersten Kom­mis­sio­nen mit ihrem Nein zu Dia­ko­nin­nen die­ses „gewünsch­te Ergeb­nis“ nicht erbracht hatten.“

Mit Kar­di­nal Giu­sep­pe Petroc­chi, dem Erz­bi­schof von L’Aquila, ernann­te Fran­zis­kus einen engen Ver­trau­ten zum Vor­sit­zen­den der Kommission.

Neuer Anlauf im „synodalen Prozeß“

Wie nun von der pro­gres­si­ven bri­ti­schen Zeit­schrift The Tablet gestern berich­tet, wird die erste wirk­li­che Kom­mis­si­ons­sit­zung vor­aus­sicht­lich am 13. Sep­tem­ber in Rom begin­nen und sich eine Woche  hin­zie­hen. Bis­her fand der Gedan­ken­aus­tausch Coro­na-bedingt nur vir­tu­ell statt. Die Ein­be­ru­fung erfolgt damit unmit­tel­bar vor Beginn eines „syn­oda­len Pro­zes­ses“, den Papst Fran­zis­kus der Welt­kir­che ver­ord­net hat. Ursprüng­lich war die­ser als Bischofs­syn­ode 2022 geplant. Fran­zis­kus gab vor kur­zem aber über­ra­schend bekannt, einen län­ge­ren „Pro­zeß“ zu wün­schen, der sich in Form einer Dop­pel­syn­ode, wie bereits jene über die Fami­lie 2014/2015, über zwei Jah­re erstrecken soll und bereits im kom­men­den Okto­ber begin­nen wird.

Der „syn­oda­le Pro­zeß“, des­sen Ana­lo­gie zum „syn­oda­len Weg“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz unüber­seh­bar ist, soll die­sem Vor­bild fol­gend „Bischö­fe, Prie­ster und Lai­en aus den Orts­kir­chen zusam­men­füh­ren, um neue pasto­ra­le Prio­ri­tä­ten zu ermit­teln“, so The Tablet zufrieden.

Unschwer zu erra­ten ist, daß damit das „Frau­en­dia­ko­nat“, das auf der Tages­ord­nung des „syn­oda­len Weges“ der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz steht, auch auf die Tages­ord­nung der Welt­kir­che gesetzt  wird.

Die Rede ist davon, daß auch die neue Kom­mis­si­on sich, soweit erkenn­bar, pari­tä­tisch aus Befür­wor­tern und Geg­nern des „Frau­en­dia­ko­nats“ zusam­men­setzt. The Tablet äußer­te „die Gefahr“, daß sich „wie­der­holt, was bei der ersten Kom­mis­si­on pas­siert ist, die nach Aus­sa­ge des Pap­stes kei­ne Eini­gung erzie­len konn­te“. Was dem Papst als Ergeb­nis vor­ge­legt wird, ist eine Zusam­men­fas­sung durch den Kom­mis­si­ons­vor­sit­zen­den. Das war in der ersten Kom­mis­si­on Glau­bens­prä­fekt Luis Kar­di­nal Ladar­ia SJ. Nun­mehr aber wird es Kar­di­nal Petroc­chi sein.

„Frau­en­dia­ko­nat“, das Drän­geln im Altarraum

„Dienst“, „Amt“ oder „Dienstamt“?

Die Befür­wor­ter des Frau­en­dia­ko­nats ver­su­chen die Beden­ken zu zer­streu­en, sie wür­den in Wirk­lich­keit auf das Frau­en­prie­ster­tum abzie­len. Gelin­gen will ihnen das frei­lich nicht. Aller­dings legen sie die Stoß­rich­tung offen, mit der ein sol­cher Schritt begrün­det wer­den soll. Das Stich­wort lau­tet „Dienst“. Es gehe ihnen nicht um das „Amt“, son­dern um den „Dienst“. Die auf­ge­setz­te Beschei­den­heit steht den Ver­fech­tern aller­dings nicht zu Gesicht. Um genau zu sein, lau­tet das Stich­wort daher in zwei­ter Aus­füh­rung, so auch im Tablet, „Dienst­amt“. Das hat sei­nen Grund.

Am 11. Janu­ar 2021 erließ Papst Fran­zis­kus das Motu pro­prio Spi­ri­tus Domi­ni. Damit öff­ne­te er zwei Dien­ste für Frau­en, die bis zur Lit­ur­gie­re­form von 1969/70 zu den nie­de­ren Wei­hen gehör­ten. Sie wur­den offi­zi­ell als Lek­to­ren und Ako­ly­then zuge­las­sen. Lek­to­rat und Ako­ly­that sind zwei Dien­ste in der hei­li­gen Lit­ur­gie der Kirche. 

  • Der Lek­tor (Vor­le­ser) trägt im Novus Ordo die erste und zwei­te Lesung vor. Er kann auch die Für­bit­ten vor­brin­gen und bei Abwe­sen­heit eines Kan­tors den Eröff­nungs­vers und den Ant­wort­psalm vortragen.
  • Der Ako­ly­th (Beglei­ter) dient in der hei­li­gen Lit­ur­gie dem Prie­ster am Altar und bei der Kom­mu­ni­ons­pen­dung. Ihm kommt es auch zu, die Ker­zen auf dem Altar zu ent­zün­den, zum Evan­ge­li­um den Leuch­ter zu tra­gen und zur Gaben­be­rei­tung Was­ser und Wein zum Altar zu bringen.

Bis 1972 gehör­ten bei­de Dien­ste zu den nie­de­ren Wei­hen, die ange­hen­de Prie­ster auf dem Weg zum Prie­ster­tum erhal­ten. Mit dem Motu pro­prio Mini­ste­ria qua­e­dam vom 15. August 1972 ent­kop­pel­te sie Papst Paul VI. im Novus Ordo vom Wei­he­sa­kra­ment. Bei­be­hal­ten wur­de ihre Über­tra­gung als nie­de­re Wei­he­stu­fen hin­ge­gen in der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus. Dem aber will Fran­zis­kus nun den Gar­aus machen. Dem Abwür­gen der Meß­or­te wird die Ein­schrän­kung der Prie­ster­aus­bil­dung im Geist der Tra­di­ti­on folgen.

Im Neu­en Ritus kann seit 1972 „männ­li­chen Lai­en“ von der zustän­di­gen Bischofs­kon­fe­renz erlaubt wer­den, den Dienst des Lek­tors und des Ako­ly­then aus­zu­üben. Wäh­rend sie im über­lie­fer­ten Ritus Wei­he­stu­fen auf dem Weg zum Prie­ster­tum dar­stel­len, wer­den sie im Novus Ordo nur mehr als Dien­ste behandelt.

In der Reform der Wei­he­stu­fen im Novus Ordo durch Paul VI. fin­den Frau­en kei­ne Erwäh­nung. Im Motu pro­prio Mini­ste­ria qua­e­dam vom 15. August 1972 ist aus­drück­lich nur von Män­nern die Rede, denen die Dien­ste „vor­be­hal­ten“ sind.

Mit Spi­ri­tus Domi­ni weich­te Fran­zis­kus die Leh­re der Kir­che auf, wie sie zuletzt von Papst Johan­nes Paul II. im Apo­sto­li­schen Schrei­ben Chri­sti­fi­de­les Lai­ci von 1988 bekräf­tigt wor­den war. Bezeich­nend ist auch die Begrün­dung, die Fran­zis­kus für sei­ne Neue­rung anführ­te: Das Motu pro­prio Spi­ri­tus Domi­ni sei ein direk­ter Aus­fluß der Ama­zo­nas­syn­ode.

Die­se war aller­dings für eine eng umgrenz­te Welt­ge­gend ein­be­ru­fen wor­den. Auch die Syn­oda­len stamm­ten mit weni­gen Aus­nah­men nur aus dem Ama­zo­nas­becken. Fran­zis­kus stülp­te die angeb­lich dar­aus gewon­ne­ne Erkennt­nis, die bei­den Dien­ste für Frau­en öff­nen zu müs­sen, der gesam­ten Welt­kir­che über.

Er bezieht in Spi­ri­tus Domi­ni alle Lai­en ein, ohne Unter­schied des Geschlechts. Er betont, daß sie damit kei­nen Anteil am Wei­he­sa­kra­ment haben und „nicht zum Hir­ten“ wer­den. Aller­dings bleibt er die Begrün­dung schul­dig, wie die plötz­li­che Erwei­te­rung auf die Frau­en zustan­de­kommt. Die zahl­reich von ihm zitier­ten nach­kon­zi­lia­ren Doku­men­te ent­hal­ten alle kei­nen sol­chen Hin­weis. Statt­des­sen spricht er von einer „dok­tri­nä­ren Ent­wick­lung“, die „in jüng­ster Zeit“ statt­ge­fun­den habe. Eine unge­wöhn­li­che For­mu­lie­rung für eine unge­wöhn­li­che­re Begründung.

Bis­her waren Frau­en nur mit Aus­nah­me­re­ge­lun­gen, soge­nann­ten Dis­pen­sen, durch ein­zel­ne Bischofs­kon­fe­ren­zen als außer­or­dent­li­che Kom­mu­ni­ons­pen­de­rin­nen und Lek­to­rin­nen zugelassen.

Fran­zis­kus kon­stru­iert in Spi­ri­tus Domi­ni einen Zusam­men­hang zwi­schen sei­ner Neue­rung und dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil, indem er den Ein­druck ver­mit­telt, als habe das Kon­zil die Neue­rung impli­zit bereits vor­aus­ge­dacht und gewollt. In kei­nem Kon­zils­do­ku­ment fin­det sich jedoch ein Hin­weis auf eine Zulas­sung von Nicht-Geweih­ten zu lit­ur­gi­schen Dien­sten, die in der Tra­di­ti­on der Kir­che nur Geweih­ten vor­be­hal­ten sind. Es fin­det sich kein Hin­weis, der nicht geweih­te Män­ner betrifft, und eben­so wenig fin­det sich ein Hin­weis auf Frauen.

Johan­nes Paul II. unter­schied in Chri­sti­fi­de­les lai­ci zwi­schen „Dienst“ und „Amt“, wäh­rend Fran­zis­kus in Spi­ri­tus Domi­ni das Gegen­teil tut. Er zieht die bei­den Begrif­fe zusam­men und ver­mengt sie zu „Dienst­äm­tern“. Damit war wei­te­re Ver­wir­rung vor­pro­gram­miert. Es erklärt auch, war­um pro­gres­si­ve, beson­ders femi­ni­sti­sche Kir­chen­krei­se den „Dienst“ beto­nen, als wäre ihnen das „Amt“ einer­lei. Im Hin­ter­grund schwingt das Dienst-Ver­ständ­nis des „Dienst­am­tes“ mit, das Fran­zis­kus durch Spi­ri­tus Domi­ni etablierte.

The Tablet schreibt:

„Eini­ge in Rom wer­den jedoch jede Öff­nung für Dia­ko­nis­sen vehe­ment ableh­nen, und es wird ange­nom­men, daß Kar­di­nä­le der Kurie zu denen gehör­ten, die sich auf der Ama­zo­nas­syn­ode jeder Öff­nung des weib­li­chen Dia­ko­nats wider­setz­ten. Die Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on wird als Zen­trum des Wider­stands gegen Ver­än­de­run­gen verstanden.“

Das ist ein Grund, wes­halb Kar­di­nal Ladar­ia als Vor­sit­zen­der der Stu­di­en­kom­mis­si­on durch Kar­di­nal Petroc­chi ersetzt wur­de. The Tablet nennt die­se Umbe­set­zung sogar einen „mög­li­chen Wen­de­punkt“. Sekre­tär der Kom­mis­si­on ist P. Denis Dupont-Fau­vil­le. Er bestä­tig­te dem bri­ti­schen Blatt, daß er nichts sagen dür­fe, da er dem Secretum pon­ti­fi­ci­um unter­lie­ge, dem „Päpst­li­chen Geheim­nis“, einer stren­gen Geheimhaltungspflicht.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/MiL (Screen­shot)

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2 Kommentare

  1. Die drei Damen in prie­ster­li­cher Klei­dung schau­en wie Kin­der, die bei einem üblen Streich erwischt wurden.

  2. Erschüt­ternd.
    Ich wer­de am Wochen­en­de mit einem ver­trau­ten Pater der FSSPX dar­über spre­chen, ob ich aus der RKK aus­tre­ten kann oder nicht. Ich möch­te die­se Häre­si­en nicht mehr mit­tra­gen, ich will und kann es nicht.
    Fran­zis­kus ist eine Kata­stro­phe, wie­so hat Gott das zugelassen?

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