Die überraschende Zölibats-Wende – Versuch einer Rekonstruktion der Ereignisse

Vier Episoden und ein Nachtrag



Am 12. Januar wurde offensichtlich: Zwischen die beiden Päpste paßt nicht nur ein Blatt, sondern ein ganzes Buch.
Am 12. Januar wurde offensichtlich: Zwischen die beiden Päpste paßt nicht nur ein Blatt Papier, sondern ein ganzes Buch.

Der Vatikanist Sandro Magister berichtet vier Episoden, die nicht nur im Zusammenhang mit der Verteidigung des priesterlichen Zölibats geeignet sind, dokumentiert zu werden, sondern dabei helfen, die Rolle rückwärts zu rekonstruieren, die von Papst Franziskus kurz vor der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia vollzogen wurde.

Episode 1

Am 14. Januar, Le Figaro hatte kurz davor den Paukenschlag durch die Vorankündigung des Sarah/Benedikt XVI.-Buches „Aus den Tiefen unserer Herzen“ ausgeführt, überschlugen sich die Ereignisse in Rom. Die radikalsten Elemente des päpstlichen Hofstaates waren aktiv geworden und schlugen mit unglaublicher Härte auf die Autoren des Buches ein. Begleitet wurde das Ganze durch ständige Distanzierungen Gänsweins, dessen verzwickte Lage als Diener zweier Herren der Vatikanist Antonio Socci rekonstruierte. Am Ende berichteten die wichtigsten weltlichen Medien die Falschmeldung, Benedikt XVI. habe seine Autorenschaft zurückgezogen. Übrigens ein Beispiel, von nicht wenigen, für die Verbreitung von Fake News durch „Leitmedien“, für die sie sich nicht entschuldigt haben.

Am 15. Januar, dem Tag, als in Frankreich das Buch in den Handel kam, hielt Papst Franziskus wie gewohnt seine Generalaudienz ab. An seiner Seite saß, ebenfalls wie gewohnt, Kurienerzbischof Gänswein in seiner Funktion als Präfekt des Päpstlichen Hauses. Währenddessen griff Benedikt XVI. persönlich zum Telefonhörer und rief Kardinal Sarah an, um ihm seine Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Der vormalige Papst brachte dem Kardinal seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck über die Härte der Angriffe. Und es geschah, was erklärt, weshalb Kardinal Sarah später davon sprechen sollte, daß die Angriffe „ins Herz getroffen“ und „tief geschmerzt“ haben: Benedikt XVI. weinte am Telefon. Kardinal Sarah war darüber so fassungslos und gerührt, daß auch er weinen mußte. Diese erschütternde Szene, die sich an einem Ende der Telefonleitung im Kloster Mater Ecclesiae und am anderen Ende im Büro des Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung abspielte, bringt die ganze Dramatik der vergangenen Tage und Wochen zum Ausdruck. Die Tränen galten nicht nur den persönlich zu erduldenden Angriffen, sondern der Bestürzung über die Angriffe gegen den priesterlichen Zölibat.

Episode 2

Die zweite Episode, die Magister berichtet, betrifft den 17. Januar und spielte sich im Kloster Mater Ecclesiae ab. An jenem Abend berichtete Kardinal Sarah mit drei Tweets, daß zwischen ihm und Benedikt XVI. vollste Übereinstimmung herrscht.

Was er nicht berichtete, war, daß er zusammen mit Benedikt XVI. eine Presseerklärung aufgesetzt hatte, die Benedikt XVI. alleine publizieren wollte, um öffentlich klarzustellen, daß er hinter dem gemeinsamen Buch steht und nicht, wie von interessierter Seite insinuiert worden war, von Kardinal Sarah reingelegt oder manipuliert worden sei. Zugleich rief er darin auf, die Polemiken einzustellen und zur gebotenen Sachlichkeit zurückzukehren.

Benedikt XVI. mit Kardinal Sarah
Benedikt XVI. mit Kardinal Sarah

Benedikt XVI. übergab den aufgesetzten Text zur Veröffentlichung an seinen persönlichen Sekretär, Kurienerzbischof Gänswein. Dieser reichte ihn, wie es offiziell üblich ist, an den Substituten im vatikanischen Staatssekretariat, Msgr. Edgar Peña Parra, weiter. Magister, dem die Erklärung vorliegt, spricht von einem stark autobiographischen Inhalt, den Benedikt XVI. dem Text gegeben hatte.

Es bestehe kein begründeter Zweifel, so der Vatikanist, daß der Vatikandiplomat Peña Parra seinen direkten Vorgesetzten, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, über das Schreiben informierte. Dessen Inhalt betraf eine zu heikle und virulente Frage in jenen Tagen. Ebensowenig sollte bezweifelt werden, daß der Kardinalstaatssekretär umgehend Papst Franziskus davon in Kenntnis setzte. Der Grund für diese Annahmen findet sich in der dritten Episode, die Magister berichtet.

Episode 3

Die dritte Episode spielte sich mutmaßlich zwischen dem Staatssekretariat und Santa Marta ab und muß rekonstruiert werden. Tatsache nämlich ist, daß die von Benedikt XVI. aufgesetzte Presseerklärung, mit der er persönlich den Falschmeldungen der Weltpresse entgegentreten wollte, nie veröffentlicht wurde. Anders ausgedrückt: Ab der Übergabe an Substitut Peña Parra verlieren sich ihre Spuren.

Von wem auch immer der Befehl ausgegangen sein mag, die Stellungnahme zu unterdrücken und in einer Schublade verschwinden zu lassen: Tatsache ist, daß ab diesem Augenblick – und diese Entscheidung traf mit Sicherheit Papst Franziskus persönlich – Kurienerzbischof Gänswein aus der Nähe des Papstes verbannt und von seinem Amt als Präfekt des Päpstlichen Hauses suspendiert wurde.

Gänsweins letzter Auftritt in dieser Funktion erfolgte just am Morgen jenes 17. Januar, als der Staatspräsident der Demokratischen Republik Kongo den Vatikan besuchte. Danach verschwand der deutsche Prälat von der Seite des Papstes, an der er protokollarisch bis dahin bei dessen öffentlichen Auftritten zu sehen war. Am 22. Januar fehlte er erstmals bei der Generalaudienz, ebenso beim Besuch von US-Vizepräsident Mike Pence am 24. Januar, jenem des irakischen Staatspräsidenten Barham Ahmad Salih am 25. Januar, bei der Generalaudienz vom 29. Januar und beim Besuch des argentinischen Staats- und Regierungschef Alberto Fernandez am 31. Januar.

Gänsweins protokollarischer Platz, aus dem er entfernt wurde.
Gänsweins protokollarischer Platz, aus dem er entfernt wurde.

Spätestens der Inhalt der Presseerklärung von Benedikt XVI. hatte für Papst Franziskus gezeigt, daß Msgr. Gänswein nicht willens oder nicht imstande war, ihm in der Angelegenheit mehr zu gehorchen als Benedikt XVI. Jedenfalls übte der Privatsekretär des ehemaligen Papstes nicht jene Zensurfunktion aus, die Franziskus von ihm erwartete und – laut Antonio Socci – bereits am 13. Januar lautstark von ihm gefordert hatte.

Und für jene, die Wutausbrüche des regierenden Papstes für undenkbar halten und sich weigern, solche überhaupt in Betracht zu ziehen: Selbst wenn also die lautstarke Begegnung zwischen Franziskus und Gänswein am 13. Januar ausgeblendet würde, war für Franziskus am Abend des 17. oder spätestens am Morgen des 18. Januar klar, daß die öffentlichen Beteuerungen Gänsweins vom 14. Januar, Benedikt XVI. sei nicht Co-Autor des Buches „Aus den Tiefen unserer Herzen“, haltlos waren.

Magister formuliert es so:

„Mit anderen Worten: Der Widerstand des emeritierten Papstes dagegen, daß sein Nachfolger den radikalsten Strömungen an der Front des priesterlichen Zölibats nachgeben könnte, stand damit in aller Deutlichkeit fest. Und das nur wenige Tage vor der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens, von dem sich viele in aller Welt erwarteten, darin eine Öffnung von Franziskus für die Weihe von verheirateten Männern zu lesen.“

Episode 4

Die vierte und letzte Episode, die Magister berichtet, betrifft die Rolle, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in der Angelegenheit spielte.

Am Mittwoch, dem 22. Januar veröffentlichte der Verlag Cantagalli in Siena eine Pressemitteilung, daß die italienische Ausgabe des Buches von Kardinal Sarah und Benedikt XVI. am 30. Januar erscheinen werde. Der Verlag gab zur Überraschung bergoglianischer Medien bekannt, daß die Veröffentlichung nur minimale Veränderungen gegenüber dem französischen Original aufweisen werde, das zum Zeitpunkt, als Le Figaro am 12. Januar die Vorankündigung publizierte, bereits fertig gedruckt und ausgeliefert war.

Was nicht bekannt war: Cantagalli hatte die Presseerklärung zuvor Kardinalstaatssekretär Parolin vorgelegt, der „Zeile für Zeile“ geprüft und die Veröffentlichung „lebhaft ermutigt“ hatte.

Die Ankündigung des Verlags enthielt nichts weniger als eine eindeutige Wertung: Das Buch von Kardinal Sarah und Benedikt XVI. „ist von hohem theologischem, biblischem, geistlichem und menschlichem Wert“, und sein Inhalt werde durch das „Gewicht der Autoren garantiert“ und durch „ihren Willen, allen die Früchte ihrer Überlegungen zur Verfügung zu stellen“, indem sie dadurch „ihre Liebe für die Kirche, für Seine Heiligkeit Papst Franziskus und für die ganze Menschheit zum Ausdruck bringen“.

Nachtrag

Magister beendet seine Darstellung mit der vierten Episode. Es besteht kein Zweifel, daß er damit jedoch sagen will, daß irgendwann zwischen dem 22. Januar und dem 3. Februar, zwischen der Veröffentlichung der Stellungnahme des Verlags Cantagalli und der Audienz von Kardinal Reinhard Marx bei Papst Franziskus, die Entscheidung fiel, die seit April 2014 vorbereitete Revolutionierung des Priestertums abzublasen.

Zum besseren Verständnis: Der erste Anhaltspunkt, daß Hand an den priesterlichen Zölibat gelegt werden soll, wurde am 9. April 2014 greifbar, als der österreichische Missionsbischof Erwin Kräutler, damals noch Apostolischer Prälat von Xingu im Amazonas, in einem Gespräch mit dem ORF über die Audienz bei Papst Franziskus berichtete. Kräutler war am 4. April 2014 von Franziskus empfangen worden. Der ORF berichtete, Kräutler habe ihm den Priestermangel am Amazonas geklagt und den „eucharistischen Notstand“, der dort in den entlegenen Indiodörfern herrsche. Er habe dasselbe Anliegen 2012 bereits Benedikt XVI. vorgebracht. Dieser habe ihm als Lösung geantwortet, er, Kräutler, solle um Priesterberufungen beten. Dessen brüske Reaktion lautete: „Da mache ich nicht mit“. Der Alt-68er wollte endlich die Beseitigung des priesterlichen Zölibats erreichen. Ganz begeistert berichtete er deshalb über die ganz andere Reaktion von Papst Franziskus. Dieser habe ihm gesagt, er erwarte sich von den Bischöfen „mutige“, ja „kühne Vorschläge“. Für Kräutler war das eine eindeutige Aufforderung, die von ihm und Kardinal Claudio Hummes betriebene „Amazonas-Werkstatt“ voranzutreiben. Im Herbst 2014 entstand daraus das Kirchliche Amazonas-Netzwerk REPAM, das mit der Vorbereitung der Amazonassynode beauftragt wurde – zu diesem Zeitpunkt noch geheim, denn die Einberufung der Synode wurde von Franziskus erst im Oktober 2017 bekanntgegeben. Vorsitzender von REPAM wurde ein enger Papst-Vertrauter, Kardinal Claudio Hummes, dessen Haltung zugunsten einer Zölibatsabschaffung wie bei Bischof Kräutler, der seine rechte Hand wurde, seit vielen Jahren bekannt war.

Hummes war es auch, der im Spätsommer 2017 Lösungen, die nicht ein neues, verheiratetes „Amazonas-Priestertum“ vorsahen, im Namen von Papst Franziskus eine Absage erteilte: „Nein, nein, der Papst will das nicht“. Es kann kein Zweifel bestehen, daß Franziskus die Hummes-Kräutler-Bestrebungen unterstützte. Die „tiefere Agenda“ der Amazonassynode wurde von Katholisches.info ausführlich dokumentiert. Einer der ersten Artikel, der bereits über die Absicht berichtete, zur Abschaffung des priesterlichen Zölibats eine Synode über den Amazonas einzuberufen, wurde am 9. Dezember 2015 veröffentlicht. Ihn aus heutiger Perspektive nachzulesen lohnt sich.

Gestern bemühte sich der Kardinal Michael Czerny gegenüber VaticanNews den Eindruck zu erwecken, das Buch von Kardinal Sarah und Benedikt XVI. habe keine Rolle für das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia gespielt. Der von Franziskus 2019 zum Erzbischof ernannte und zum Kardinal kreierte Jesuit aus Mähren, mit Purpur ausgezeichnet, obwohl nur Untersekretär des von Franziskus neuerrichteten Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, sagte dabei nur die halbe Wahrheit. Es stimmt, daß Querida Amazonia bereits vor der Veröffentlichung des Buches weitgehend ausformuliert war. Es gibt aber keinen Hinweis, daß Franziskus bereits vor dem 15. Januar auf das eigentliche Ziel der Operation Amazonassynode, die Aufweichung des priesterlichen Zölibats, verzichten wollte, in die fast sechs Jahre seines Pontifikats investiert worden waren. Umgekehrt gibt es konkrete Hinweise, daß noch das Gegenteil geplant war. Am 13. Januar verschickte Kardinal Hummes ein erstes Schreiben an alle Bischöfe weltweit, mit dem er sie auf die bevorstehende Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens vorbereitete und Tipps für dessen Präsentation in der Öffentlichkeit gab. Am selben Tag explodierte in Rom die Polemik um das Buch von Sarah und Benedikt XVI., was das bereits aufgesetzte Schreiben nicht mehr berührte.

Der synodale Irrweg
Der synodale Irrweg

Kardinal Hummes verschickte am 29. Januar noch ein zweites Schreiben. Wie Prof. Roberto de Mattei anhand des Inhalts nachweisen konnte, ging zumindest Hummes auch damals noch davon aus, daß der priesterliche Zölibat fallen werde. Franziskus hatte ihm, seinem engsten Vertrauten in der Amazonas-Agenda, zu diesem Zeitpunkt noch keine andere Weisung erteilt. Die Kursänderung des Papstes läßt sich daher noch genauer einschränken auf den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 3. Februar. Die Entscheidung dazu kann in ihm bereits nach dem 18. Januar gereift sein. Ausgesprochen wurde sie von ihm aber erst am 3. Februar gegenüber einem entsetzten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, der glaubte, durch die erste Runde des „Synodalen Weges“, die in den Tagen davor stattgefunden hatte, gestärkt nach Rom zu reisen.

Verschiedene Quellen berichteten noch Ende Januar/Anfang Februar von Bischöfen, die den Entwurf des nachsynodalen Schreibens in Auszügen einsehen konnten und gesehen hatten, daß darin der umstrittene Paragraph 111 des Synoden-Schlußdokuments enthalten war. Dieser Paragraph fehlt in der gestern veröffentlichten Endfassung ganz wie auch jeder andere Hinweis auf das Synoden-Schlußdokument außer einer lapidaren Empfehlung, es zu lesen.

Hatte man im Vatikan bisher Wert auf die Betonung gelegt, zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. passe „kein Blatt Papier“, war spätestens seit dem 12. Januar offensichtlich geworden, daß nicht nur ein Blatt Papier, sondern ein ganzes Buch zwischen sie paßt. Benedikt XVI., der sich lange geduldig den Ansprüchen und Erwartungen seines Nachfolgers gefügt hatte, war dazu in diesem Punkt nicht mehr bereit. Papst Franziskus mußte zur Kenntnis nehmen, daß er von höchster Stelle Widerstand erfuhr.

Am 3. Februar teilte Papst Franziskus Kardinal Reinhard Marx mit, daß es keine Änderung des priesterlichen Zölibats geben werde. Der Kardinal, der im Gefolge der vom deutschen Episkopat teils euphorisch geförderten Amazonassynode einen deutschen „Synodalen Weg“ beschritten hatte, war so entsetzt, daß er wenige Tage später ohne Nennung von Gründen seinen Verzicht auf das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz bekanntgab. Den genauen Zusammenhang verschwieg er, vielleicht auf Anweisung von Papst Franziskus, sicher aber auch, weil er sein persönliches Scheitern nicht zu offensichtlich werden lassen wollte, immerhin ist Marx im Gegensatz zu Kardinal Hummes, dem anderen großen Verlierer, der auf den 86. Geburtstag zusteuert, erst 66 Jahre alt. Er gehört rechnerisch noch 14 Jahre zum Kreis der Papstwähler.

Von frommen Seelen ist in diesen Stunden zu hören, sie hätten schon immer gewußt, daß der Papst nicht Hand an den Zölibat legen werde, wobei nicht immer klar ist, ob aus ihnen so großes Gottvertrauen spricht oder die Weigerung, unangenehmen Dingen in die Augen zu sehen. Tatsache ist, daß der Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia zwischen dem 12. Januar, dem Tag, als Le Figaro den Vorabdruck zum Buch von Kardinal Sarah und Benedikt XVI. veröffentlichte, und dem 12. Februar, dem Tag der Veröffentlichung von Querida Amazonia, Schlag auf Schlag hochdramatische Tage im Vatikan folgten, deren genaue Rekonstruktion noch nicht abgeschlossen ist (Stichwort: Acies ordinata am 18. Januar in München mit schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Kardinal Marx und Bischof Bode; Stichwort: mögliche abschreckende Wirkung des deutschen „Synodalen Wegs“ auf Rom, einschließlich der die Intentionen enthüllenden Tatsache, daß trotz Anwesenheit der Bischöfe und zahlreicher Priester am letzten „Synodentag“ keine Messe zelebriert wurde, sondern eine laiengeleitete „Wortgottesfeier“ stattfand). Erst recht sind die Konsequenzen für das weitere Pontifikat von Papst Franziskus nicht absehbar, das für bestimmte Kirchenkreise, darunter ein Gutteil jener, die sich vom 30. Januar bis zum 1. Februar im Frankfurter Dom versammelten, den ersten massiven Dämpfer erfahren hat.

Bleibt die Frage, wie ernst es Franziskus ist, die Hand nicht gegen den priesterlichen Zölibat zu erheben, aber auch, ob er möglicherweise nicht bald zwischen allen Stühlen sitzen wird.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: Vatican.va/Synodaler Weg (Screenshots)

Sie lesen gern Katholisches.info? Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!





10 Kommentare

  1. Hochinteressante Rekonstruktion und Darstellung der Ereignisse, jedoch halte ich es für eine reine Legendenbildung, dass der achso „diktatorische“ Papst, der macht was er will, sich in diesem Fall wegen einem Buch hat einschüchtern lassen.
    Es fehlt mir das zwingende Argument, diesen Werdegang so zu glauben.

  2. „Bleibt die Frage, wie ernst es Franziskus ist, die Hand nicht gegen den priesterlichen Zölibat zu erheben, aber auch, ob er möglicherweise nicht bald zwischen allen Stühlen sitzen wird.
    Es geht um die Heilige Kirche und wir sollten die Kräfte des Himmels als unbesiegbar betrachten und sie sind keineswegs passiv. Aber der Angriff wird weiter gehen bis der Herr kommt. Alles andere wäre seiner nicht würdig. Das Kardinal Marx nicht mehr Vorsitzender der Konferenz sein will ist für viele moderne Katholiken die unter der „Zölibatsdiktatur“ der katholischen Kirche schwer leiden und kaum noch atmen können natürlich sehr traurig aber sie können doch problemlos protestantisch werden und alle ihre Probleme mit der katholischen Kirche die sie so traurig machen sind weg. Nur zu, geht dort hin wo euer zu Hause ist. Aber ihr bekommt dann kein Requiem mehr.
    Per Mariam ad Christum.

    • @Shuca. Oder doch lieber zu den Altkatholiken überwechseln. Da bekommen sie sogar, soweit mir bekannt ist, ihr Requiem. Altkatholische Frauen können, ähnlich wie bei den Anglikanern, zu Priesterinnen und zu Bischöfinnen geweiht werden. Es gibt bei denen keinen verpflichtenden Zölibat, alle dürfen heiraten, Homoehen können gesegnet werden, Wiederverheiratet-Geschiedenen die Eucharisie empfangen. Außerdem: Die Altkatholiken haben eine bischöflich-synodale Verfassung. Sie nehmen den Papst nicht allzu ernst und sind m.W. wie herkömmliche Katholiken in Deutschland kirchensteuerpflichtig.

    • Das ist eben ihr Problem, sie wollen nicht dahin gehen, wo alles schon so ist, wie es wollen, sondern sie wollen, dass es nur so ist und deshalb wollen sie die apostolisch-katholische Kirche niederreißen.

  3. Das Reich Satans ist in sich gespalten: das zeigen diese Vorgänge.
    Tatsache ist, daß seit vielen Jahren auf die Beseitigung des Zölibats und die Einführung eines „Frauenpriestertums“ mit aller Kraft hingearbeitet wurde. In der Tat hatte dann das gemeinsame Buch von Kardinal Sarah und Papst em. Benedikt XVI. den daran Interessierten einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Daß die Dinge jetzt geklärt sind, kann kein Mensch bei Verstand annehmen. Sie werden sehr wahrscheinlich ihre Wunden lecken und dann weiterdrängen, aber es ist und war immer ein Kampf gegen Windmühlen- völlig hirnverbrannt.
    Die Kirche in Deutschland steht vor einem Scherbenhaufen, einem GAU, ihrem eigenen. Es ist gut, daß jetzt alles offen zu Tage getreten ist, und die Häretiker und Apostaten entlarvt sind. Sie müssen jetzt abtreten und manche müßten laisiert werden.

  4. Kann es sein, dass vor lauter Augenmerk auf den Zölibat der seltsame Geist nicht bemerkt wird, der sonst durch das Abschlussdokument weht?

  5. Vittorio Agamben schrieb nach dem Schritt Benedikts, der allgemein als Amtsverzicht bezeichnet wird, ein Essay „Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ Er verwies dabei auf einen Artikel aus Benedikts wissenschaftlichen Jugendjahren über den Kirchenbegriff des Tyconius, ein ecclesiologisches Tractat. Er ging dabei auf die zweite Regel mit dem Namen corpus bipartitum im Besonderen ein. Sie beschreibt eine Kirche, welche einen Leib mit zwei Seiten hat, eine linke und eine rechte, eine sündige und eine begnadete.Dieser Leib umfasst Sünde und Gnade. Danach ist die Kirche eine permixta mit einer guten und einer schlechten Seite. Auch Jerusalenm und Babylon sind zwei Seiten derselben Stadt.Beide Seiten sind bis zur Endzeit permixt und erst zur Endzeit werden die beiden Seiten getrennt. Solange ist nach dieser Lehre die Kirche in sich als Antithese zu erkenen. Wenn Sie so wollen, ist dies auch in dem Bild des heutigen Papsttums zu erkennen. Aber es darf nicht sein, dass falsche Lehre, als eine Seite der Kirche, die andere Seite, die richtige Lehre erstickt. Dies war und ist die Aufgabe Benedikts. Er hat in dem gemeinsame Buch mit Kardinal Sarah die richtige, die helle Seite der Kirche sichtbar gemacht. Trotz seines beschrieben Wutanfalles war Franziskus dagegen machtlos. Noch ist die Trennung der beiden Kirchen nicht erfolgt. Wir können noch auf Benedikt schauen. Vieles erinnert in dem Kirchenbild des Tyconius an Mt. 13,24 -30 , das Unkraut im Weizenfeld. Ich glaube, dass in Kenntnis des von Dr. Joseph Ratzinger erneut beschriebenen Kirchenbildes des Tyconius, die jetzigen Ereignisse besser zu verstehen sind.

  6. Ich möchte jedoch meinen Kommentar weiterführen. Was wird sein, wenn Benedikt gestorben ist? Wer wird mit seiner Autorität, die heilige Seite der Kirche auf Erden beschützen, übernehmen? Kommt dann die Zeit des Antichristentums mit dem Antichristen, der sich auf anstelle des Nachfolgers Petri auf den Stuhl Christi setzen wird? Die genaue Interpretation und übersetzung von Mt.13,24 – 30 lässt die Wirng dessen erkennen, das mit Unkraut übersetzt wird.Christus sprach in der genauen Übersetzung der Stelle bei Matthäusnicht von Unkraut, sondern von Taumellolch, eine durch einen endphytischen Parasiten giftige Pflanze, welche wie der Weizen und mit dem Weizen aufwächst und erst bei der Reife von diesem unterscheidbar ist. Die Giftwirkung des Taumellolches auf den Körper ist direkt vergleichbar mit der Wirkung der Sünde für die Seele. Heute scheint der Taumellolchals Symbol für das Böse, die Sünde den Weizen als das Symbol der guten Frucht zu überwuchern.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*