Die Rache des Papstes

Kurienerzbischof Gänswein als Präfekt des Päpstlichen Hauses abgesetzt



Wird Kurienerzbischof Georg Gänswein das nächste Opfer von Papst Franziskus?
Kurienerzbischof Georg Gänswein ist das jüngste Opfer von Papst Franziskus.

(Rom) Als nachtragend und rachsüchtig wurde Franziskus von mehreren papstkritischen Autoren beschrieben. Nun folgt die Vergeltung für das jüngste Buch von Kardinal Robert Sarah und Benedikt XVI.: Papst Franziskus entfernt Kurienerzbischof Georg Gänswein aus seinem Amt eines Präfekten des Päpstlichen Hauses.

Ähnliche Gerüchte gab es bereits in der Vergangenheit mehrfach, nun ist es aber fix. Eine offizielle Bestätigung für die jüngste bergoglianische Strafmaßnahme steht allerdings noch aus. „Außer die mediale Vorankündigung läßt Santa Marta noch einmal davor zurückschrecken“, wie ein Vatikanmitarbeiter meinte. Damit dürfte weniger zu rechnen sein, denn Papst Franziskus ließ sich bisher nicht durch kritische Stimmen in seinen Absichten beirren, schon gar nicht, wenn sie aus glaubenstreuen Kreisen kamen.

Der „Schwarze Papst“, Jesuitengeneral Arturo Sosa Abascal, formulierte am 16. September 2019 die Lage nach sechseinhalb Jahren des derzeitigen Pontifikats so:

„Jene, die kritisieren oder die Kritik schüren, wissen genau, daß Franziskus seine Meinung nicht ändern wird.“

Die Worte waren auf die damals noch bevorstehende Amazonassynode und deren Hauptabsicht gemünzt, den priesterlichen Zölibat aufzuheben. Genau damit hat das derzeit in verschiedenen Sprachen erscheinende Buch von Kardinal Robert Sarah, Präfekt der römischen Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, und Benedikt XVI. zu tun. Sie legten gemeinsam ein Plädoyer für den priesterlichen Zölibat und das Weihesakrament vor. Mit ihrem „Hände weg vom Zölibat“ zogen sie eine rote Linie, deren erster Adressat unausgesprochen Papst Franziskus ist. Das nachsynodale Schreiben zur Amazonassynode steht noch aus, doch zeichnet sich ab, was glaubenstreue Kirchenkreise seit 2014 befürchten: Franziskus schafft eine Ausnahme zur Regel, die zum beabsichtigten Dammbruch führt. Die deutschen Bischöfe stehen längst ungeduldig in den Startlöchern. Eine ganze Reihe von Bischöfen des deutschen Sprachraumes, in Österreich und der Schweiz ist es nicht anders, können es kaum erwarten, den Zölibat auf den Misthaufen der Geschichte zu entsorgen. Er soll freilich mit salbungsvollem Geschwafel zu Grabe getragen werden. Darum ist die bergoglianische Bischofsgeneration nicht verlegen (siehe Verheiratete Priester? Was Bischöfe des deutschen Sprachraums dazu sagen).

Das Buch des Kardinals und des gewesenen Papstes, das offenkundig macht, daß Papst Franziskus mit einer Zölibatsaufweichung die rote Linie überschreitet und einen Bruch mit der Tradition der Kirche vollzieht, sorgte für einen Wutausbruch in Santa Marta. Die Folge war ein skandalöses Medientheater, inszeniert vom päpstlichen Umfeld, mit dem Verwirrung um die Autorenschaft von Benedikt XVI. erzeugt wurde. Da die weltlichen Massenmedien eine größere Reichweite haben, glauben auch wohlmeinende Katholiken noch immer, Benedikt XVI. habe die Autorenschaft bestritten und müsse irgendwie von Kardinal Sarah „gelinkt“ worden sein. In Wirklichkeit zielte die Fake News-Kampagne darauf ab, die Wirkmächtigkeit des Buches und seiner Verteidigung des priesterlichen Zölibats zu konterkarieren. Entgegen der verbreiteten Behauptung, der Zölibat sei „nur“ ein Gesetz der Kirche und damit jederzeit änderbar, ist er „göttlichen und apostolischen Ursprungs“ (Roberto de Mattei), siehe dazu auch Kardinal Sarah: „Der Zölibat der Priester ist nicht nur ein Gesetz der Kirche“. Der Zölibat steht allerdings der „Sexuellen Revolution“ und ihrer Sichtweise der Sexualität im Weg. Daraus speist sich der Hauptstrang der Zölibatsbekämpfung seit den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Kurienerzbischof Gänswein kam aufgrund seiner Doppelposition als Privatsekretär von Benedikt XVI. und als Präfekt des Päpstlichen Hauses von Franziskus sofort und direkt in die Schußlinie. Er bekommt nun auch die Rache von Santa Marta zu spüren, die ihn, aber natürlich auch und nicht zuletzt Benedikt XVI. meint. Ob die Vergeltungsaktion in einen Abbau der Präfektur des Päpstlichen Hauses verpackt wird, muß sich erst noch zeigen. Wie auch immer die Verpackung aussehen sollte, kommt es zur Entfernung von Msgr. Gänswein aus seinem Amt, ist der Hintergrund und die päpstliche Intention eindeutig.

Der überzeugte Bergoglianer und Papst-Biograph Austen Ivereigh forderte bereits am 10. August 2019 in einem Interview, Benedikt XVI., dessen Autorität in großen Kirchenkreisen weltweit ungebrochen ist, zu isolieren. Wörtlich lautete die Aufforderung Ivereighs an Santa Marta:

„Wir müssen das Umfeld von Benedikt XVI. unter Kontrolle bringen.“

Man beachte das Personalpronomen „wir“, das, neben Ivereigh, das päpstliche Umfeld und Papst Franziskus selbst meint. Das erste, engste und wichtigste „Umfeld“ von Benedikt XVI. ist sein Privatsekretär und langjähriger, treuer Mitarbeiter Kurienerzbischof Georg Gänswein.

Ivereigh war Sprecher von Kardinal Cormack Murphy-O’Connor, einem Mitglied der kirchlichen „Viererbande“, die er als Team Bergoglio bezeichnete, und deren Existenz Ivereigh selbst enthüllte. Die vierköpfige Kardinalsgruppe (Kasper, Lehmann, Murphy-O’Connor und Danneels), so der britische Journalist und Buchautor, organisierte als ausführender Arm des innerkirchlichen Geheimzirkels von Sankt Gallen die Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Papst.

In der Kirche tobt ein Kampf „zwischen zwei Kirchen“, wie der Historiker und Vorsitzende der Lepanto-Stiftung Roberto de Mattei analysierte, von denen eine nicht die Kirche Jesu Christi sein könne.

[Update, 12.05 Uhr] Kurienerzbischof Georg Gänswein wurde von Papst Franziskus „beurlaubt“. Informell heißt es dazu beschönigend, Gänswein solle mehr Zeit haben, sich um Benedikt XVI. zu kümmern. Vatikanische Kreise rechnen derzeit nicht mit einer Neubesetzung der Stelle eines Präfekten des Päpstlichen Hauses. Der Zugang zum Papst, eine der Hauptaufgaben des Präfekten, wurde von Franziskus ohnehin von Anfang an in Eigenregie über andere Hände abgewickelt. Die Aufgaben von Erzbischof Gänswein waren weitgehend reduziert auf die protokollarische Anwesenheitspflicht beim Empfang von Staatsbesuchen und als Statist bei päpstlichen Aktivitäten.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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9 Kommentare

  1. Auch wenn es noch nicht offiziell ist – wundern würde es mich nicht. Mich wundert im Gegenteil, dass Franziskus EB Gänswein nicht schon längst „gefeuert“ hat. Bei Kardinal Müller hatte er ja auch keinerlei Skrupel.

    • Wäre es denn klug, ihn offen zu „feuern“? Bisher agieren Papst und Umfeld verdeckt, um wenig Widerstand zu provozieren und alles möglichst geschmeidig umzusetzen. Niedrigschwellige Aktionen wie doppeldeutige und nicht richtiggestellte Journalisteninterviews, diffuse Begriffe, eine versteckte Fußnote in einem voluminösen Dokument etc. sollen arglose Katholiken möglichst lange einlullen. Welchen Sinn hätte es da, den Erzbischof zu einem „Märtyrer“ und damit zur offenen Projektionsfigur der Gegner und Skeptiker zu machen?

  2. Mir tun die Menschen einfach nur Leid, die mit diesem Choleriker zusammenprallen.

    „Laut italienischen Medien, die am Mittwoch auch berichtet haben, soll es eine sehr heftige Begegnung zwischen Gänswein und Papst Franziskus gegeben haben. Dabei soll Franziskus dem Präfekten des Päpstlichen Hauses zu verstehen gegeben, dass er ihn nicht mehr sehen möchte. Seit einigen Wochen fehlte Gänswein bei öffentlichen Auftritten des Papstes.“

    Demnach wird vollumfänglich bestätigt, was A. Socci über den Wutanfall des Bischofs von Rom geschrieben hat: vgl. dazu https://beiboot-petri.blogspot.com/2020/01/a-socci-was-geschah-im-hintergrund.html

    Auch das erneute Treffen mit der von Franziskus kürzlich abgewatschten asiatischen Frau kann vor diesem Hintergrund nur als „Medientheater“ bewertet werden.

  3. Während das Presseamt des Vatikans angeblich nichts von der Beurlaubung wissen will und sich – wahrscheinlich aus Angst vor einem erneuten Wutanfall des Papstdiktators herausreden muss – zeichnet sich der Hergang durch die Informationen Marco Tosattis immer deutlicher ab.

    Man rekonstuiere:

    1. Bergoglio hat einen schrecklichen Wutanfall, bevor Gänswein kommt.
    2. Vor Gänswein ist er dann wiederum eiskalt.

    Tosatti schreibt über das Geschehene:

    „… Tatsächlich hat man- seit die Bombe wegen des von Benedikt XVI und Sarah geschriebenen Buches detonierte- Gänswein nicht mehr an der Seite der Pontifex gesehen.
    Im Vatican gehen Berichte über einen Wutausbruch des Pontifex und eine turbulente Begegnung herum. In Wirklichkeit soll nichts Derartiges geschehen sein. Papst Bergoglio soll dem Erzbischof einfach gesagt haben „ich will dich nicht mehr sehen“ . Der Präfekt habe ihn gefragt: „aber soll ich zurückkommen und wann?“ Darauf habe der Pontifex nicht geantwortet.
    Als Gänswein ihn dann fragte „soll ich denn ins Büro kommen?“ hat der Papst „Besser nicht, jetzt macht es Msgr. Sapienza!“ Und so wurde Georg Gänswein ein Verschwundener…“

    Im „Papstdiktator“ werden diese Gesichterwechsel Bergglios beschrieben. Ich gebe aus dem Gedächtnis wieder:
    Ein Sekräter Bergoglios wird hinsichtlich eines Mitarbeiters instruiert: „Ich will, dass er verschwindet. Ich will ihn nicht mehr sehen.“
    Der Entlassene kann das nicht glauben und geht selber zu Bergogio. Dieser hört ihn mitfühlend an und sagt ihm, er wisse nichts davon. Dann beschenkt er ihn sogar.

    Kardinal Zen hat ähnliche Erfahrungen mit Bergoglio gemacht.

    Ich sage es nicht gern; aber er sagt und tut nicht die Wahrheit. Er hat immer aus Vorteil und strategischer die Wahrheit gedehnt oder sogar verdreht – und er wird es weiter tun.

  4. Der Papstdiktator zeigt mal wieder seine ehrliche Maske.
    Alles was ihm nicht gefällt,muß entfernt werden.
    Fehler kann er nicht einsehen und eine Entschuldigung
    gibt es nicht.
    Er versucht die ewige kath.Lehre gegen jeden Widerstand
    zu ändern.
    Wie mit China, Kardinal Zen hat ihn gewarnt.
    China hat mit der Generation im Jahre 2018
    „Designer Babys“ geschaffen und in der
    Schöpfungs-Ordnung- Gottes eingegriffen.
    Anstatt vorsichtig zu sein, hat er auch die
    Untergrund-Kirche verraten.
    So geschieht es auch mit uns Christen, wenn
    wir nicht aufwachen und unsere Hirten dem
    Geschehen ein Ende setzen.
    Bald werden wir dann eine „Einheitskirche“
    werden. Das ist sein Ziel.

  5. Die Sache hat auch ihr Gutes. Die Fronten sind jedenfalls geklärt. Die Entlassung von Erzbischof Gänswein ist Zeichen von Schwäche und eine Niederlage dessen, der ihn weggeschickt hat.

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