Menschenleeres Fatima

Gedenktag der heiligen Corona

Fatima am 13. Mai 2020, nebelverhangen und menschenleer.
Lourdes menschenleer, Petersdom menschenleer, Fatima am 13. Mai 2020: nebelverhangen und menschenleer.

(Rom) Der Ist­zu­stand am Gedenk­tag der hei­li­gen Coro­na: Die Wahr­schein­lich­keit ist grö­ßer, den Euro­jack­pot zu knacken, als im deut­schen Sprach­raum an Covid-19 zu erkran­ken. Den­noch zie­ren sich welt­li­che und kirch­li­che Auto­ri­tä­ten, den Nor­mal­zu­stand wie­der­her­zu­stel­len und las­sen sich damit auf­fäl­lig viel Zeit, wäh­rend gleich­zei­tig auf der Ebe­ne der Natio­nal­staa­ten und der EU eif­rig an astro­no­mi­schen Hilfs- und För­der­pa­ke­ten geschnürt wird, obwohl nie­mand weiß, woher das vie­le Geld dafür kom­men soll. Dabei ist kei­ne der hor­ren­den Vor­her­sa­gen ein­ge­tre­ten, mit denen in den ver­gan­ge­nen zwei Mona­ten Radi­kal­maß­nah­men gerecht­fer­tigt wur­den, die nun die gigan­ti­schen Geld­flüs­se not­wen­dig machen.

Spre­chen des­halb das Robert-Koch-Insti­tut und Regie­rungs­ver­tre­ter wie Öster­reichs Natio­nal­rats­prä­si­dent und Ex-Innen­mi­ni­ster Wolf­gang Sobot­ka (ÖVP) sowie die Gesund­heits­mi­ni­ster Jens Spahn (CDU, Ber­lin) und Rudolf Anscho­ber (Grü­ne, Wien) so häu­fig vom „Hirn­ge­spinst“ (Klaus-Die­ter Zastrow, Hygie­ne-Insti­tut Ber­lin) einer „zwei­ten Wel­le“? Die Akteu­re in der Coro­na-Kri­se, ob Regie­ren­de oder ihre Bera­ter, soll­ten der­zeit vor allem für Trans­pa­renz sor­gen und ihre Kon­tak­te zu Bill Gates und des­sen Stif­tungs­netz­werk offen­le­gen, um mög­li­che Inter­es­sens­kon­flik­te aus­zu­schlie­ßen. Obwohl man sich in Bern zurück­hal­ten­der ver­hält als in Ber­lin und Wien, gilt die Offen­le­gungs-Auf­for­de­rung auch für den Epi­de­mio­lo­gen und ober­sten For­schungs­för­de­rer der Schweiz Mat­thi­as Egger (Bern).

Die kirch­li­chen Auto­ri­tä­ten haben sich am Rock­zip­fel der Regie­run­gen fest­ge­krallt und attackie­ren sogar die eige­nen Mit­brü­der im Bischofs­amt, die den Mut zu einer eigen­stän­di­gen Posi­ti­on haben.

Nebel über Fatima

Nach dem tri­ste­sten Ostern der Kir­chen­ge­schich­te wie­der­hol­te sich gestern die erzwun­ge­ne Lee­re im Mari­en­hei­lig­tum von Fati­ma. Der 103. Jah­res­tag der ersten Mari­en­er­schei­nung am 13. Mai 1917 wur­de zwar gefei­ert, doch ohne Volk. Obwohl die por­tu­gie­si­sche Regie­rung sich gesprächs­be­reit zeig­te, die Fest­lich­kei­ten zu erlau­ben, baten die Bischö­fe, allen vor­an der zustän­di­ge Bischof von Lei­ria-Fati­ma, davon abzu­se­hen.

Statt der erwar­te­ten 200.000 Pil­ger bevöl­ker­ten am 12./13. Mai 3.500 Poli­zi­sten den Mari­en­wall­fahrts­ort, die zusam­men „mit Mit­ar­bei­tern des Hei­lig­tums“ den Auf­trag hat­ten, den Gläu­bi­gen den Zutritt zu ver­weh­ren. Drin­nen zele­brier­te der Bischof von Lei­ria-Fati­ma, Anto­nio Kar­di­nal Mar­to, den Papst Fran­zis­kus mit dem Kar­di­nal­spur­pur ehr­te, mit einem auf ein Mini­mum redu­zier­ten Teil­neh­mer­kreis. Der Kar­di­nal begrün­de­te sei­ne Wei­ge­rung, Pil­ger zuzu­las­sen, mit sei­ner Ver­ant­wor­tung vor der Geschich­te. Er wol­le „vor der Geschich­te“ nicht dafür ver­ant­wort­lich sein, daß sich „die Pan­de­mie ver­schlim­mert“. Er sehe wohl, daß „vie­le Men­schen“ dar­über trau­rig sei­en, doch sol­le man die­se Situa­ti­on „als Wall­fahrt in Rein­form“ betrach­ten.

Das Ergeb­nis beschrieb die spa­ni­sche Pres­se­agen­tur EFE wie folgt:

„Nie wur­de der Jah­res­tag der Mari­en­er­schei­nung in Fati­ma mit so wenig Men­schen gefei­ert. Nie herrsch­te an die­sem Tag eine sol­che Stil­le.“

Für EFE ent­spra­chen die Wit­te­rungs­ver­hält­nis­se der all­ge­mei­nen Stim­mung: Lan­ge habe man im Nebel den Glocken­turm der Basi­li­ka nicht sehen kön­nen. Der gigan­ti­sche Gebets­platz zwi­schen der Basi­li­ka und der neu­en Kir­che war „men­schen­leer“. EFE zitiert Pedro Luz, einen Mit­ar­bei­ter des Hei­lig­tums:

„Es ist so trau­rig, das erle­ben zu müs­sen.“

In zwölf Jah­ren, die er in Fati­ma tätig ist, habe er den Platz nie so gese­hen.

Lourdes öffnet „teilweise“

Lour­des, das zwei­te gro­ße Mari­en­hei­lig­tum, das den Coro­na-Maß­nah­men zum Opfer fiel, wird am kom­men­den Sams­tag, dem 16. Mai nach zwei Mona­ten „teil­wei­se“ wie­der geöff­net. Das gab die Wall­fahrts­di­rek­ti­on gestern bekannt.

Die Erschei­nungs­gro­t­te, in der 1858 die Got­tes­mut­ter der jun­gen Ber­na­det­te Sou­bi­rous, eigent­lich Maria Ber­na­da Sobei­rons, erschie­nen ist, bleibt wei­ter­hin geschlos­sen. Wer das Hei­lig­tum betre­ten will, muß eine Gesichts­mas­ke tra­gen. Wall­fahrts­di­rek­tor Oli­vi­er Riba­deau Dumas spricht von „einem Zei­chen der Hoff­nung“. Acht Mil­lio­nen Pil­ger strö­men jedes Jahr nach Lour­des. Das Hei­lig­tum ver­zeich­net durch die zwei­mo­na­ti­ge Schlie­ßung ein „histo­ri­sches Defi­zit“, so Riba­deau Dumas. Es brau­che die Mit­hil­fe aller, um die Wall­fahrt wie­der anzu­kur­beln, so der Prie­ster.

Morgendliche Direktübertragung aus Santa Marta endet

Unter­des­sen wur­de bekannt, daß Papst Fran­zis­kus mit dem 18. Mai die Direkt­über­tra­gung sei­ner mor­gend­li­chen Mes­se in San­ta Mar­ta been­den wird. Sei­ne letz­te Mes­se die­ser Art wird Fran­zis­kus auch nicht in der Haus­ka­pel­le sei­ner Resi­denz, son­dern am Grab von Johan­nes Paul II. zele­brie­ren.

Die Nach­richt war zunächst aus pol­ni­schen Diplo­ma­ten­krei­sen durch­ge­sickert. Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni bestä­tig­te nur, daß der 18. Mai der 100. Geburts­tag von Karol Woj­ty­la, dem 2014 hei­lig­ge­spro­che­nen Papst Johan­nes Paul II. ist, der die Kir­che von 1978 bis 2005 regier­te. Papst Fran­zis­kus wer­de aus die­sem Anlaß, so Bruni, „die mor­gend­li­che Mes­se in Direkt­über­tra­gung um 7 Uhr in der Kapel­le mit dem Grab des Hei­li­gen in der vati­ka­ni­schen Basi­li­ka zele­brie­ren“.

Lourdes menschenleer, Petersdom menschenleer, Fatima menschenleer.
Das Grab von Johan­nes Paul II. im Peters­dom

Kurz dar­auf gab der päpst­li­che Hof­va­ti­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li, seit Anfang 2019 Chef­re­dak­teur mit Koor­di­nie­rungs­be­fug­nis für alle Vati­kan­me­di­en, auf Vati­can­News etwas mehr bekannt. Er teil­te mit, daß die „Direkt­über­tra­gun­gen aus San­ta Mar­ta am 18. Mai, dem 100. Geburts­tag von Woj­ty­la, enden“.

„Am Mon­tag­mor­gen fei­ert Papst Fran­zis­kus am Grab des Hei­li­gen Johan­nes Paul II. des­sen 100. Geburts­tag. Damit sind die Sen­dun­gen der täg­li­chen Lit­ur­gie aus der Kapel­le der päpst­li­chen Resi­denz been­det.“

Die Direkt­über­tra­gun­gen sei­en, so Tor­ni­el­li, auf eine Idee von Fran­zis­kus zurück­ge­gan­gen, als vor zwei Mona­ten die öffent­li­chen Got­tes­dien­ste in Ita­li­en aus­ge­setzt wur­den. Da mit 18. Mai „in Ita­li­en die Wie­der­auf­nah­me der Mes­sen in Anwe­sen­heit des Vol­kes“ erfol­gen wird, habe der Papst ent­schie­den, die Über­tra­gun­gen zu been­den. „Mil­lio­nen von Men­schen“, so Tor­ni­el­li, sei­en durch die­se Über­tra­gun­gen täg­lich auf der gan­zen Welt beglei­tet wor­den.

„Täg­lich kamen meh­re­re Mil­lio­nen Men­schen mit die­sen Mes­sen in Kon­takt. Vie­le haben geschrie­ben, um sich zu bedan­ken. Mit der Wie­der­auf­nah­me der Zele­bra­tio­nen mit Gläu­bi­gen in den ita­lie­ni­schen Kir­chen beginnt eine neue Pha­se. Mit Sicher­heit wer­den vie­le die­sen täg­li­chen Ter­min ver­mis­sen. Aber wie Fran­zis­kus selbst sag­te, ist es not­wen­dig, durch die per­sön­li­che Teil­nah­me an der Lit­ur­gie zur Ver­traut­heit der Gemein­schaft mit dem Herrn in den Sakra­men­ten zurück­zu­keh­ren. Und noch eine wei­te­re Ein­la­dung des Pap­stes soll­te nicht ver­ges­sen wer­den: Jeden Tag die Sei­ten des Evan­ge­li­ums zu ‚besu­chen‘.“

Papst Fran­zis­kus selbst kün­dig­te gestern im Rah­men der Gene­ral­au­di­enz an, daß er am 18. Mai um 7 Uhr mor­gens am Grab von Johan­nes Paul II. zele­brie­ren wer­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/Leiria (Screen­shot)

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