Kardinal Hummes schreibt allen Bischöfen: „Nachsynodales Schreiben kommt und ist zu akzeptieren“

Der Heilige Geist und seine Inanspruchnahme

Schreiben von Kardinal Hummes an alle Bischöfe der Welt mit einer apodiktischen Ankündigung.
Brief von Kardinal Claudio Hummes an alle Bischöfe der Welt mit apodiktischen Ankündigung zum nachsynodalen Amazonas-Schreiben.

(Rom) Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, Papst­ver­trau­ter und einer der bei­den Haupt­or­ga­ni­sa­to­ren der Ama­zo­nas­syn­ode, schrieb am 13. Janu­ar an die Bischö­fe der gan­zen Welt einen Brief mit der Auf­for­de­rung, sich auf das nach­syn­oda­le Apo­sto­li­sche Schrei­ben zur Ama­zo­nas­syn­ode und des­sen Umset­zung vor­zu­be­rei­ten.

Mit dem heu­te erschie­ne­nen Pau­ken­schlag-Buch „Aus den Tie­fen unse­rer Her­zen“ von Kar­di­nal Robert Sarah und Bene­dikt XVI. zur Ver­tei­di­gung des prie­ster­li­chen Zöli­bats ist ein gro­ßer Wurf gelun­gen. Die mit Hil­fe von Kuri­en­erz­bi­schof Georg Gäns­wein insze­nier­te „Distan­zie­rung“ Bene­dikts XVI., die von den welt­li­chen Medi­en bereit­wil­lig im gewünsch­ten Sinn auf­ge­bauscht wur­de, ist San­ta Mar­ta ein beacht­li­cher Gegen­wurf gelun­gen, weit mehr als mit den inhalt­lich schwa­chen Abwehr­ver­su­chen durch Vati­kan­spre­cher Matteo Bruni und den päpst­li­chen Haus­va­ti­ka­ni­sten Andrea Tor­ni­el­li. Aus der Welt bringt man das Buch aller­dings nicht mehr, zumal sich Bene­dikt XVI. nicht von des­sen Inhalt distan­zier­te – wie denn auch, stam­men die ent­spre­chen­den Tex­te ja aus sei­ner Feder. Kennt man das gute Ver­hält­nis zwi­schen Kar­di­nal Sarah und Bene­dikt XVI. kann von einer Distan­zie­rung ohne­hin kei­ne Rede sein.

Die Buch­sen­sa­ti­on, die Le Figa­ro am Sonn­tag publik mach­te, fes­selt in den ver­gan­ge­nen bei­den Tagen die Auf­merk­sam­keit. Sie lenk­te das Augen­merk wie­der auf die zen­tra­le Fra­ge, derent­we­gen die Ama­zo­nas­syn­ode abge­hal­ten wur­de: die Abschaf­fung oder Auf­wei­chung des prie­ster­li­chen Zöli­bats.

Papst Fran­zis­kus kün­dig­te zum Syn­oden­schluß an, das nach­syn­oda­le Schrei­ben noch vor Jah­res­en­de vor­le­gen zu wol­len. Dazu kam es zwar nicht, doch nun soll es soweit sein. Dar­in ist auch der Grund zu sehen, wes­halb das Buch mit den Plä­doy­ers zur Ver­tei­di­gung des prie­ster­li­chen Zöli­bats von Kar­di­nal Sarah und Bene­dikt XVI., jetzt und unter erheb­li­chem Zeit­druck her­aus­ge­ge­ben wur­de. Das Buch soll das nach­syn­oda­le Schrei­ben von Fran­zis­kus noch beein­flus­sen. Kein gutes Zei­chen, denn es setzt vor­aus, daß die bei­den Autoren der Über­zeu­gung sind, daß Fran­zis­kus dar­in den „klei­nen Fin­ger­stoß“ voll­zie­hen könn­te, mit dem die Dis­zi­plin des prie­ster­li­chen Zöli­bats gekippt wer­den soll.

Der Zeit­plan ist auf­ge­gan­gen. Ob auch das Ziel erreicht wird, muß sich erst zei­gen. Das nach­syn­oda­le Schrei­ben von Fran­zis­kus liegt noch nicht vor. Aller­dings scheint das in Kür­ze der Fall zu sein. Einer der eng­sten Papst­ver­trau­ten in Sachen Ama­zo­nas­syn­ode, der bra­si­lia­ni­sche Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, schrieb am Mon­tag – Le Figa­ro hat­te das Sarah/Benedikt XVI.­­–Buch weni­ge Stun­den zuvor ange­kün­digt –  allen Bischö­fen welt­weit einen Brief. Der RAI-Vati­ka­nist Aldo Maria Val­li bekam ihn zuge­spielt und ver­öf­fent­lich­te ihn.

Kar­di­nal Hum­mes, der Fran­zis­kus den Papst­na­men emp­foh­len hat­te, gehört seit lan­gem zu den erklär­ten Geg­nern des prie­ster­li­chen Zöli­bats, der in die­sen Krei­sen als „Zwangs­zö­li­bat“ dis­kre­di­tiert wird. Unter Papst Bene­dikt XVI. muß­te er zurück­ru­dern und sich zurück­hal­ten – zumin­dest in der Öffent­lich­keit. Unter Papst Fran­zis­kus betreibt Hum­mes die Zöli­bats­be­sei­ti­gung aktiv und mit Nach­druck, wie sie von pro­gres­si­ven Krei­sen seit den 60er Jah­ren ange­strebt wird. Da ihm Fran­zis­kus, trotz sei­ner bekann­ten Posi­tio­nen, den Wunsch einer Ama­zo­nas­syn­ode erfüll­te, ihn mit deren Vor­be­rei­tung beauf­trag­te und schließ­lich zum Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode mach­te, besteht kein Zwei­fel, daß er des­sen Haupt­ziel begün­stigt.

Kardinal Hummes (rechts) nach der Papstwahl auf der Mittelloggia zeigte an, er werde Einfluß im neuen Pontifikat haben
Die Anwe­sen­heit von Kar­di­nal Hum­mes (rechts) nach der Papst­wahl auf der Mit­tel­log­gia zeig­te an, er wer­de Ein­fluß im neu­en Pon­ti­fi­kat haben.

„Unter der Leitung des Heiligen Geistes“

In die­sem Kon­text ist auch sein Schrei­ben an den Welt­epi­sko­pat zu sehen, das er am Mon­tag aus­sand­te. Hum­mes teilt den Bischö­fen aller fünf Kon­ti­nen­te dar­in mit, daß sich der Ent­wurf des nach­syn­oda­len Schrei­bens in der End­re­dak­ti­on befin­det. Zugleich läßt er den Bischö­fen eine Liste von „nütz­li­chen“ Tex­ten zukom­men, damit sie sich dar­auf vor­be­rei­ten kön­nen. Vor allem betont Hum­mes eine Dik­ti­on, die seit Beginn des Pon­ti­fi­kats von Fran­zis­kus in auf­fäl­lig ver­stärk­tem Maße bekannt ist: Er unter­streicht, daß die „neu­en Wege für die Kir­che“, die mit dem nach­syn­oda­len Schrei­ben beschrit­ten wer­den sol­len, „unter der Lei­tung des Hei­li­gen Gei­stes“ ver­faßt wur­den. Die insi­sten­te Beru­fung auf den Hei­li­gen Geist wird vom päpst­li­chen Umfeld bevor­zugt für des­sen „Revo­lu­tio­nen“ genann­te Neue­run­gen in Anspruch genom­men:

  • Die Ver­fech­ter der Neue­run­gen wer­den damit der argu­men­ta­ti­ven Begrün­dung und Recht­fer­ti­gung ent­bun­den;
  • Kri­tik dar­an ist nicht erlaubt, da es Kri­tik am Hei­li­gen Geist wäre, doch Kri­tik am Hei­li­gen Geist, wie jeder Katho­lik weiß, die ein­zi­ge Sün­de ist, die nicht ver­ge­ben wird.

War­um aber das Schrei­ben von Kar­di­nal Hum­mes an alle Bischö­fe?

Weil, so der Bra­si­lia­ner, Papst Fran­zis­kus wünscht, daß die Bischö­fe das Doku­ment bereits erhal­ten, bevor „die Pres­se es kom­men­tiert“, und sich so „mit ihm bei der Vor­stel­lung ver­ei­nen kön­nen“.

Die Vor­ge­hens­wei­se ist unge­wöhn­lich. Auch in der Ver­gan­gen­heit wur­den Ent­wür­fe päpst­li­cher Doku­men­te vor­ab den Bischö­fen zur Kennt­nis gebracht, aller­dings zum Zweck, daß sie dazu Stel­lung neh­men konn­ten, wozu sie aus­drück­lich ersucht wur­den. Die­se Rück­mel­dun­gen aus aller Welt dien­ten dem Hei­li­gen Stuhl nicht nur zur Erfas­sung der Stim­mung unter den Bischö­fen und in den Orts­kir­chen, son­dern dien­te der Ein­bin­dung und der Mit­be­stim­mung.

Das war gestern. Unter Papst Fran­zis­kus wird die Mög­lich­keit, daß ein Bischof ande­rer Mei­nung sein oder gege­be­nen­falls Ände­rungs­vor­schlä­ge haben könn­te, gar nicht in Erwä­gung gezo­gen. Mit dem Schrei­ben gibt Kar­di­nal Hum­mes in „geschlif­fe­ner Kuri­en­spra­che“ (Aldo Maria Val­li) den Bischö­fen zu ver­ste­hen, daß sie nicht ande­rer Mei­nung zu sein haben, son­dern zur Gemein­schaft und Ein­heit mit dem Papst ver­pflich­tet sind. Val­li faßt die Bot­schaft des Schrei­bens noch deut­li­cher zusam­men:

„Kurz­um: Wis­se, Herr Bischof, daß du kei­ne Wahl hast. Falls dir die Exhor­ta­ti­on nicht gefällt, heißt das, daß du nicht in der Gemein­schaft mit dem Papst bist.“

Wel­cher „bit­te­re Hap­pen“ muß in dem ange­kün­dig­ten nach­syn­oda­len Schrei­ben also wohl ent­hal­ten sein, fragt sich Val­li, wenn Kar­di­nal Hum­mes mit einer sol­chen Ankün­di­gung vor­ge­schickt wird, um den Bischö­fen Unver­dau­li­ches schmack­haft zu machen, und damit sie sich ihrer­seits schon ein­mal dar­auf vor­be­rei­ten, das Unver­dau­li­che den Gläu­bi­gen schmack­haft zu machen?

Das Schrei­ben von Kar­di­nal Hum­mes im Wort­laut:

Euer Eminenz, höchwürdigste Exzellenz!

Der Hei­li­ge Vater berei­tet ein neu­es Apo­sto­li­sche Schrei­ben vor, das die Neu­en Wege für die Kir­che und für eine ganz­heit­li­che Öko­lo­gie vor­ge­stellt wird, die unter der Lei­tung des Hei­li­gen Gei­stes wäh­rend der Ama­zo­nas­syn­ode im Okto­ber letz­ten Jah­res erar­bei­tet wur­den.

Der Ent­wurf wird der­zeit über­ar­bei­tet und kor­ri­giert und dann über­setzt. Papst Fran­zis­kus hofft, es bis Ende die­ses Monats oder Anfang Febru­ar pro­mul­gie­ren zu kön­nen.

Die Ermah­nung wird mit Span­nung erwar­tet und wird gro­ßes Inter­es­se und unter­schied­li­che Reak­tio­nen nach sich zie­hen. Wie zuvor bei Lau­da­to si (2015), Amo­ris Lae­ti­tia (2016), Gau­de­te et Exul­ta­te (2018) und Chri­stus Vivit (2019) möch­te der Hei­li­ge Vater daher, daß die ört­li­chen Ordi­na­ri­en den Text direkt erhal­ten, bevor er ver­öf­fent­licht wird und die Pres­se ihn zu kom­men­tie­ren beginnt. Auf die­se Wei­se kön­nen Sie sich mit ihm in der Prä­sen­ta­ti­on des Schrei­bens und dar­in ver­ei­nen, es den Gläu­bi­gen sowie allen Män­nern und Frau­en guten Wil­lens, den Medi­en, der Wis­sen­schaft und ande­ren Per­so­nen zugäng­lich zu machen, die Auto­ri­täts- und Füh­rungs­po­si­tio­nen beklei­den.

Mit dem Ziel, eine ange­mes­se­ne Vor­be­rei­tung zu för­dern, wer­den in die­sem ersten Brief eini­ge Emp­feh­lun­gen gege­ben. Der Zweck ist nicht, zu wer­ben oder Auf­merk­sam­keit zu erre­gen. Es geht viel­mehr dar­um, Sie als Ordi­na­ri­us in Gemein­schaft mit Papst Fran­zis­kus dis­kret zu unter­stüt­zen, wäh­rend sie sich dar­auf vor­be­rei­ten, die Ermah­nung ent­ge­gen­zu­neh­men und dem Volk Got­tes in Ihrem Zustän­dig­keits­be­reich zu über­mit­teln. Infol­ge­des­sen kön­nen die Emp­feh­lun­gen mit größ­ter Frei­heit ver­wen­det wer­den, sofern sie nütz­lich erschei­nen.

Eine nütz­li­che Mög­lich­keit, sich vor­zu­be­rei­ten, besteht dar­in, eini­ge der frü­he­ren Doku­men­te zu die­sem The­ma zu lesen, die wei­ter unten in den ange­häng­ten Hilfs­mit­teln bereit­ge­stellt wer­den. Inner­halb von etwa 10 Tagen erhal­ten Sie einen zwei­ten Brief mit wei­te­ren Vor­schlä­gen.

Wenn der Tag der Ver­kün­dung naht, erhal­ten Sie die Ermah­nung per E‑Mail mit Sperr­frist. Am sel­ben Tag fin­det in der Syn­oden­hal­le, in der im Okto­ber die Arbei­ten statt­fan­den, eine fei­er­li­che Ver­an­stal­tung statt.

Sie könn­ten auch mit der Pla­nung einer Pres­se­kon­fe­renz oder einer ande­ren Ver­an­stal­tung begin­nen, die sobald als mög­lich auf die Ver­öf­fent­li­chung der Ermah­nung folgt. Zum Bei­spiel könn­te es ange­bracht sein, daß Sie die Ermah­nung zusam­men mit einem Indi­ge­nen-Ver­tre­ter (sofern dies in Ihrer Regi­on prak­ti­ka­bel ist), einem sach­kun­di­gen Pasto­ral­ver­ant­wort­li­chen (Prie­ster oder Ordens­ver­tre­ter, Laie oder Lai­in), einem Sach­ver­stän­di­gen für öko­lo­gi­sche Fra­gen und einem in der Jugend­seel­sor­ge täti­gen Jugend­li­chen vor­stel­len.

Bit­te behan­deln Sie die­ses Schrei­ben ver­trau­lich und geben Sie es nur an die­je­ni­gen wei­ter, die direkt an der diö­ze­sa­nen Vor­be­rei­tung der Ver­öf­fent­li­chung des Schrei­bens betei­ligt sind, nicht an ande­re oder an die Medi­en. Bit­te beach­ten Sie die­se Richt­li­ni­en sorg­fäl­tig. Bit­te ver­zei­hen Sie gleich­zei­tig, wenn Sie mehr als ein Exem­plar die­ses Schrei­bens erhal­ten – es ist bes­ser, Dupli­ka­te zu ris­kie­ren, als eini­ge Diö­ze­sen wegen schlech­ter Inter­net­ver­bin­dun­gen nicht zu errei­chen.

In der Hoff­nung, daß die­ser Brief nütz­lich sein wird, wol­len wir uns im auf­rich­ti­gen Gebet zum Vater Unser aller Barm­her­zig­keit zusam­men­schlie­ßen, auf daß Er Papst Fran­zis­kus und alle Bischö­fe bei der Ver­kün­di­gung der Ermah­nung seg­net und Er das Volk Got­tes im Ama­zo­nas und auf der gan­zen Welt vor­be­rei­tet, es mit Glau­ben, Hoff­nung, Intel­li­genz und Wirk­sam­keit zu emp­fan­gen.

Mit auf­rich­ti­gen Grü­ßen in Chri­stus

Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, OFM
Gene­ral­re­la­tor der Syn­ode
Prä­si­dent des Pan-Ama­zo­ni­schen Kir­chen­netz­werks (REPAM)

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Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Aldo Maria Valli/MiL

6 Kommentare

  1. Den Brief von Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes kann man kurz in dem Satz zusam­men­fas­sen:
    „Lie­ber mit dem Papst irren, als gegen ihn recht zu haben.“

    Erz­bi­schof Lef­eb­v­re hat sich — gott­lob — nie von sol­chen Sprü­chen ins Bocks­horn jagen las­sen,
    und das soll­ten wir tra­di­tons­reu­en Katho­li­ken eben­falls nicht tun.

  2. Ich habe den obi­gen Arti­kel noch nicht gele­sen, wer­de dies erst tun, nach­dem ich kom­men­tiert habe:

    Nun, ich den­ke, was hier durch die­ses Schrei­ben vor­weg­ge­nom­men wird, ist ziem­lich klar:

    Der Papst hat sich für die Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Dia­ko­nen im Ama­zo­nas­ge­biet ent­schie­den. In Anleh­nung an die­sen Ein­zel­fall sol­len die Bischö­fe nun selbst, „mutig“ ent­schei­den, ob auch in ihrer Diö­ze­se ein sol­cher Ein­zel-Aus­nah­me-Not­stand vor­lie­ge. Dies hei­ße aber nun nicht, dass der Zöli­bat ange­tat­stet wer­de. Er gel­te wei­ter unum­schränkt.

    Wir ken­nen ja die Dop­pel­zün­gig­keit der Moder­ni­sten, der wun­der­bar ein­deu­tig als Kon­zils­sprech bekannt gewor­den ist.

    Die Auf­rechterhung der Tra­di­ti­on in Wort und Tat wird nur inso­fern auf­recht­erhal­ten, wie man sie selbst her­vor­ra­gend als Schutz­schild benut­zen kann, hin­ter dem man eine voll­kom­men neue Kir­che des Abfalls baut.

    Dies­be­züg­lich zitie­re ich ein­mal aus dem neu­en Hir­ten­brief des Esse­ner Kata­stro­phen­bi­schofs Over­beck:

    Er zieht die kom­men­den Umwäl­zun­gen in der Kir­che als Aus­druck einer Zei­ten­wen­de.

    „Zei­ten­wen­den haben es in sich. Danach ist nichts mehr, wie es vor­her war.“

    Nach­dem er die Miss­brauchs­kri­se ange­spro­chen hat, nutzt er die­se, um fest­zu­stel­len: „Die Glaub­wür­dig­keit der Kir­che ist erschüt­tert.“ Und wie­der­holt: „Das ist eine Zei­ten­wen­de!“

    Dann reibt er der Kir­che Dreck ins Gesicht, indem er nach Refor­men schreit und schreibt, vie­le Gläu­bi­ge hät­ten „vor allem durch eine rigi­de Moral, die die See­len vie­ler Men­schen ver­letzt hat“ „gelit­ten“.

    Nach und nach baut er ein Mon­strum ‚Moral’auf. So schreibt er:

    „Das Leid vie­ler Men­schen schreit zum Him­mel und beschämt uns …“

    Im nach­fol­gen­den weist er sich als voll­ende­ter Huma­nist aus, wenn er kund­tut, dass der Mensch nicht Gott zu die­nen habe, son­dern die Kir­che dem Men­schen!

    „Die Kir­che ist für die Men­schen da und hat ihnen zu die­nen, ihren Sehn­süch­ten und Bedürf­tig­kei­ten gilt alls Auf­merk­sam­keit.“

    Und wie­der: Die Zei­ten­wen­de ver­lan­ge „eine gründ­li­che Umkehr“.

    Sein Zei­ten­wen­desprech mutet dem Leser des Hir­ten­brie­fes wie eine Neu­of­fen­ba­rung an. Wir ken­nen die­se begei­ster­ten Stim­men nur all­zu­gut aus der Ver­gan­gen­heit unse­rer deut­schen Geschich­te!

    Danach spricht er die not­wen­di­ge Zusam­men­ar­beit mit dem ZDK an, die Bewe­gung statt Still­stand ver­hei­ße.

    Im fünf­ten Absatz sei­nes Hir­ten­brie­fes spricht er dann bereits zum vier­ten Male von der jetzt ein­tre­ten­den „Zei­ten­wen­de“, die eine Kir­che zei­ge, die „auf­bricht“, die „suchend“ ist.

    Und erst vor­sich­tig, spä­ter unver­schämt offen, boxt er gegen die Tra­di­ti­on:

    „Was uns lei­tet, ist die Kraft des Evan­ge­li­ums, die viel­leicht zu oft in den letz­ten Jahr­zehn­ten unter der Asche der Tra­di­ti­on und Gewohn­hei­ten ver­sun­ken ist.

    Nach Over­beck ist der „Syn­oda­le Weg“ ein direk­ter Ant­wort­ver­such auf den Miss­brauchs­skan­dal. Bei ihm gehe es um

    „Sexu­al­mo­ral, Prie­ster­bild, Macht und Gewal­ten­tei­lung, Ämter und Dien­ste für Frau­en.“

    So wol­le man „auf dem Weg neu­er Erkennt­nis­se unse­re Tra­di­ti­on fort­schei­ben und erwei­tern.“

    Over­beck umschreibt so ele­gant der Bruch mit der Tra­di­ti­on der Kir­che, di schon im II. Vati­ka­num ange­legt ist.

    Dem aber nicht genug. Im fol­gen­den, dem Punkt IV. sei­ner Aus­füh­run­gen, redet er einer demo­krti­schen Kir­che das Wort:

    „Voaus­set­zung ist, dass alle Sei­ten dar­auf ver­zisch­ten Recht haben zu wol­len oder gar als Sie­ger aus strit­ti­gen Situa­tio­nen her­vor­ge­hen zu wol­len.. So gel­te es „unter­schied­li­che Wei­sen der Nach­fol­ge Jesu zu ent­decken und dif­fe­ren­zier­te Ant­wor­ten auf vie­le noch offe­ne Fra­gen zu geben.“

    Over­beck zielt also dar­auf ab, die Natur­wis­sen­schaf­ten könn­ten die Sün­de — oder das, was ehe­mals Sün­de genannt wur­de — durch neue Erkennt­nis­se weg­ra­tio­na­li­sie­ren und die Men­schen so von der Moral der Kir­che erlö­sen.

    Nach­dem er in Abschnitt V. dar­auf ver­wie­sen hat, das der äuße­re Bestand der Kir­che ver­ge­he und „nicht zu ret­ten ist“ — eine Aus­re­de für die mas­sen­haf­ten Kir­chen­schlie­ßun­gen im Bis­tum Essen -, nimmt er den Begriff der schwan­ken­den Kir­che auf. Es gel­te in Zukunft, „For­men des Betens“ erst noch zu fin­den. Indi­rekt stützt er damit den Pach­ma­ma­kult in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten, beson­ders wenn er die­se neu­en Gebets­for­men in einem Atem­zug mit der Fei­er der Eucha­ri­stie nennt.

    Der Abschnitt V. endet gebets­müh­len­ar­tig mit dem Ver­weis auf die Skan­da­le inner­haln der Kir­che, dem fast schon hypt­no­tisch ver­wen­de­ten Wie­der­ho­lungs­be­griff Zei­ten­wen­de und mit mit der Gehor­sams­for­mel: „Wir sind Suchen­de und Ler­nen­de.“

    So schafft er Over­beck, die Gläu­bi­gen schritt­wei­se zu ent­mün­di­gen, indem er sie gera­de­zu begriff­lich zu Offen­heit, zum Ler­nen und Suchen zwin­gen möch­te.

    Die­ser unsäg­li­che Hir­ten­brief lässt als­dann den Abschnitt VI. mit dem Begriff „einer Kir­che der neu­en Zeit“ ein­lei­ten. Zu ihr wer­de gehö­ren, „dass die Bega­bun­gen aller [aller als Fett­druck] Glie­der des Vol­kes Got­tes geach­tet und gewür­digt wer­den — und zur Gel­tung kom­men [sic!].“

    „Es darf nicht sein“, so der Esse­ner Ober­hir­te, „dass die Macht ein­zel­ner oder bestimm­ter Grup­pen das Leben und die Ent­wick­lung der Vie­len unse­rer Kir­che bein­träch­ti­gen oder gar behin­dern.“

    Mit ande­ren Wor­ten darf es nach Over­beck nicht mehr sein, dass ein mora­li­sches Fehl­ver­hal­ten im Rah­men des geschlecht­lich Per­ver­sen als sol­ches bezeich­net wer­de.

    Mit den Wor­ten „Dar­um wer­den wir neu und inten­siv über das Wei­he­amt in unse­rer Kir­che nach­den­ken und dir­ku­tie­ren müs­sen.“ aus dem Sack.

    Doch dem nicht genug. Vor dem Hin­ter­grund des erneut bemüh­ten Miss­brauchs­skan­dals, der für Over­beck für die alte über­kom­me­ne Zeit der Kir­che steht, greift er nun das Prie­ster­amt in sei­ner bis­he­ri­gen, nur Männ­dern und Zöli­ba­tö­ren vor­be­hal­te­nen Form an, wenn er sagt:

    „Der Miss­brauchs­skan­dal hat die Gefah­ren scho­nungs­los offen gelegt, die mit einem Amt ver­bun­den sind, das in viel­fa­cher Wei­se des­sen Trä­ger über­hö­hen kann und oft­mals über­for­dert.“

    Mit ande­ren Wor­ten ist nach Over­beck dann der geweih­te Prie­ster ein hoch­p­ten­zi­el­ler Gefähr­der im Rah­men sexu­el­len Miss­brauchs.

    Nur kon­se­quent fol­gert der Neue­rer Over­beck dar­um auch immer muti­ger, wenn auch noch im Tarn­ge­hölz des Kon­zils­sptrechs:

    „Natür­lich gehört dann auch dazu, über die Lebens­form der Prie­ster zu debat­tie­ren und Kon­se­quen­zen zu zie­hen aus der Erfah­rung, dass das zöl­i­na­tä­re Leben für nicht weni­ge Prie­ster eher eine schwe­re Last bede­tet und kei­ne Befrei­ung für den grö­ße­ren Dienst.“

    Nun, ein­deu­ti­ger geht es nun wirk­lich nicht: Over­beck fließt gera­de­zu über vor Begei­ste­rung für den neu­en, befrei­ten ver­her­ra­te­ten Prie­ster, der die Last des Zöli­bats abge­wor­fen hat und nun als neu­er Mensch auf­tre­ten kann.

    Und etwas schwä­cher, seman­tisch aber immer dring­li­cher, den Leser zudem noch durch die Begrif­fe „müs­sen uns fra­gen“ und „wirk­lich Got­tes wil­le“ für sei­ne libe­ra­le Sicht ein­neh­mend und mani­pu­lie­rend, sagt, nein for­dert er die Auf­ga­be der Zöli­bats­be­schrän­kung:

    „Des­halb müs­sen wir uns fra­gen, ob es auf Dau­er wirk­lich Got­tes Wil­le ist, den prei­s­ter­li­chen Dienst aus­nahms­los auf zöli­ba­tär leben­de Männ­der zu beschrän­ken.“

    Der fre­ne­ti­sche Fran­zis­kus­fan Over­beck gibt in sei­nem Hir­ten — oder bes­ser Wolfs-Wort wie­der, was nun wirk­lich allen Zwei­feln hin­sicht­lich der von Rom aus­ge­sag­ten Beschrän­kung der Zöli­bats­auf­he­bung ‚auf ein­zel­ne ent­fern­te Gebie­te‘ den Schlei­er nimmt und offen zuta­ge för­dert, wor­um es bei der Ama­zo­nas­syo­de im stra­te­gisch klug ange­leg­ten syn­oda­len Weg eben geht.

    Ober­beck kommt über­haut nicht im Ent­fern­te­sten auf die Idee, die Ursa­chen der Miss­brauchs­kri­se in der schritt­wei­sen Auf­wei­chung des Zöli­bats, der Män­gel in unse­ren Prie­ster­se­mi­na­ren, in der Anglei­chung an den Geist die­ser Welt zu sehen. Wir haben dem­nach, was Over­beck nicht bedenkt, ein zu wenig an Zöli­bat, und nicht ein zuviel. Indem sich der Prie­ster in sei­ner Wür­de nicht mehr als Gott­ge­weih­ter erfährt, beginnt er in einem Gefühl des Man­gels zu leben und die Erfül­lung nicht mehr bei Gott, son­dern in der Welt und unter den Men­schen zu suchen.

    Schluss­end­lich stellt Over­beck unber­blümt die gesam­te Leh­re und Dis­zi­plin der Kir­che auf den Kopf, wenn er for­mu­liert:

    „Aber heu­te …“

    Die Zei­ten­en­de mit die­sem „Aber heu­te“ beschwö­rend, fährt er fort:

    „Aber heu­te wis­sen wir längst, dass das Leben in Bezie­hun­gen und die Sexua­li­tät nicht ein­fach zu leben und zu beur­tei­len sind [wie es die alte Kir­che tat].“

    Und als Schul­mei­ster hält er der alten min­de­stens 2oo Jah­re rück­schrit­ti­gen Kir­che vor:

    „Es gibt ver­schie­de­ne sexu­el­le Ori­en­tie­run­gen; Geschlech­ter­zu­schrei­bun­gen sind nicht immer ein­deu­tig, Bezie­hun­gen nicht mehr ein­fach in den mora­li­schen Kate­go­rien ver­ga­ne­ner Zei­ten zu leben. […] Wer­den wir als Kir­che in der Lage sein, unse­re Über­zeu­gun­gen und unse­re Leh­re neu zu inter­pre­tie­ren, damit die Men­schen von heu­te und mor­gen den Schatz des Evan­ge­li­ums für ihre Bezie­hun­gen und für sexu­el­les Leben wie­der ent­decken kön­nen?“

    Abschlie­ßend ver­weist der in die Irre gegan­ge­ne Esse­ner Ober­hir­te noch dar­auf, er wis­se, dass sich vie­le schnel­le­re Ent­wick­lun­gen wünsch­ten (womit er z.B. ini­rekt Maria 2.0) anspricht,aber auch auf die Inhal­te des syn­oda­len Weges ver­weist. Aber es gel­te, die ver­schie­de­nen Stan­dunk­te aus­zu­hal­ten, und es schwingt mit.

    Zumin­dest doch für eine Wei­le.

    Was ist das nur für ein Bischof.

    Sicher einer ganz nach dem Her­zen von Papst Fran­zis­kus.

    So kann die­ser Hir­ten­brief mei­nes Erach­tens Auf­schluss über den Geist geben, der einen Bischof Hum­mes umtreibt, der aber auch stär­ker oder schwä­cher im zu erwar­ten­den nach­syn­oda­len Schrei­ben zu erwar­ten ist:

    Geht mutig in die Auf­lö­sung!

  3. „Kurz­um: Wis­se, Herr Bischof, daß du kei­ne Wahl hast. Falls dir die Exhor­ta­ti­on nicht gefällt, heißt das, daß du nicht in der Gemein­schaft mit dem Papst bist.“

    So fasst Aldo Maria Val­li das Schrei­ben zusam­men. Ich mache es noch kür­zer:

    Der Papst­dik­ta­tor — The Dic­ta­tor Pope — Le pape dic­ta­teur — Papież dyk­ta­tor — Il Papa dit­ta­to­re — El papa dic­ta­dor lässt grü­ssen.

    Das soll­ten alle Katho­li­ken inzwi­schen ver­stan­den haben (?). Es gibt Dik­ta­to­ren, die die Gut­men­schen-Welt nicht auf­re­gen. Auch nicht die Jour­na­li­sten.

  4. Lie­ber Alfons,
    Ihre Ana­ly­se ist groß­ar­tig!

    Bei der Gele­gen­heit muss ich mei­nen Tipp­feh­ler kor­ri­gie­ren: Natür­lich muss es „tra­di­ti­ons­treue Katho­li­ken“ hei­ßen und nicht „tra­di­tons­reue“.

  5. Alter­na­tiv kann man den steu­er­ver­ein auch ver­las­sen und das Geld der FSSPX zukom­men las­sen.

  6. Was haben Kar­di­nal Hum­mes und Papst Fran­zis­kus zu ver­ber­gen?

    Die Mah­nung an die geweih­ten Prie­ster ist eine Dro­hung, die
    auch in tota­li­tä­ren Staa­ten und mafiö­sen Orga­ni­sa­tio­nen üblich ist.

    Kar­di­nal Hum­mes erwähnt auch, daß die neu­en Wege der Ama­zon­s­syn­ode im Okto­ber unter der Lei­tung des
    hei­li­gen Gei­stes erar­bei­tet wur­den. Dar­an muß man zu Recht Zwei­feln, weil doch dort auch Göt­zen­fi­gu­ren ange­be­tet wur­den

    Wie auch die Papst­wahl! Erin­nern wir uns an die „Sankt Gal­len Mafia“ mit Kar­di­nal Kas­per und Co, die mit ihrem „Erfolg“ sicht­lich prahl­te.

    Man weiss vom Hl. Pater Pio und vie­len Hei­li­gen, der Fürst die­ser Welt alles unter­nimmt, um an die Macht zu kom­men.
    Er hat­te auch Jesus ver­sucht!!

    Im Vati­kan scheint der Rauch Satans schon ziem­lich dick zusein. Dort wird offen­sich­lich alles getan um der Welt und ihren Ideo­lo­gien zu gefal­len.

    Las­sen wir uns nicht täu­schen und beten für Bischö­fe, Prie­ster und Ordens­ge­mein­schaf­ten, die den unver­än­der­li­chen katho­li­schen und apo­sto­li­schen Glau­ben ver­kün­den und leben.

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