Frauendiakonat: Als der Vatikan noch ohne Studienkommission zu antworten wußte

Frauendiakonat: Papst Franziskus gibt deutschen Bischöfen und feministischen Kreisen nach - und schiebt die Frage auf die lange Bank
Frauendiakonat: Papst Franziskus gibt deutschen Bischöfen und feministischen Kreisen nach - und schiebt die Frage auf die lange Bank

(Rom) Papst Fran­zis­kus emp­fing am ver­gan­ge­nen 12. Mai rund 870 Gene­ral­obe­rin­nen katho­li­scher Frau­en­or­den, die in der Inter­na­tio­na­len Uni­on der Gene­ral­obe­rin­nen (UISG) zusam­men­ge­schlos­sen sind. Bei die­ser Gele­gen­heit beant­wor­te­te der Papst eini­ge Fra­gen, dar­un­ter eine Fra­ge zum „Frau­en­dia­ko­nat“ vor­ge­legt. Zahl­rei­che Medi­en berich­te­ten dar­auf­hin, der Papst habe „eine Bereit­schaft zur Öff­nung“ signa­li­siert. Vom Vati­kan folg­te ein Demen­ti, das kei­nes war. Vati­kan­spre­cher Pater Fede­r­i­co Lom­bar­di SJ erklär­te, daß sol­che Schlag­zei­len „ver­früht“ sei­en, und daß der Papst „spon­tan“ gespro­chen habe. Die genau­en Absich­ten des Pap­stes sei­en daher noch gar nicht klar. Letz­te­res ist des Pudels Kern und sorgt an einer neu­en Front für Unsi­cher­heit. Dabei wuß­te der Hei­li­ge Stuhl noch vor weni­gen Jah­ren mit kla­ren Wor­ten zur Fra­ge Stel­lung zu neh­men.

Nimmt man die Ant­wort des Pap­stes wört­lich, so gab er den Gene­ral­obe­rin­nen zu ver­ste­hen, sich mit der Fra­ge bis­her so gut wie nicht befaßt zu haben. Selbst in offi­zi­el­len Erklä­run­gen, wie vor weni­gen Tagen im Tages­bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes, herrscht kei­ne sau­be­re Unter­schei­dung zwi­schen den Begrif­fen Dia­ko­nis­sen und „Dia­ko­nin­nen“. Der Papst wuß­te den Ordens­obe­rin­nen aber histo­ri­sche Aspek­te zu den früh­christ­li­chen Dia­ko­nis­sen zu nen­nen, die gegen ein „Frau­en­dia­ko­nat“ spre­chen. Ins­ge­samt ließ Papst Fran­zis­kus bis­her weder in die­sem noch in ande­ren Zusam­men­hän­gen erken­nen, daß Frau­en für ihn einen Anteil am sakra­men­ta­len Wei­he­amt haben könn­ten.

Den­noch fällt auf, daß die Fra­ge künst­lich offen­ge­hal­ten wird. Dafür spricht nicht nur die Unschär­fe in der Wort­wahl, son­dern die Ent­schei­dung des Pap­stes, die Fra­ge der Ordens­obe­rin­nen einer Kom­mis­si­on zu über­ge­ben, die sie stu­die­ren soll. Die­se Kom­mis­si­on wur­de vor weni­gen Tagen, am 2. August, mit 12 Mit­glie­dern unter dem Vor­sitz von Kuri­en­erz­bi­schof Luis Ladar­ia Fer­rer SJ errich­tet. Die Kom­mis­si­on ist pari­tä­tisch mit Män­nern und Frau­en besetzt.

In Rom heißt es, der Papst habe die Kom­mis­si­on ledig­lich ein­ge­rich­tet, um den „deut­schen Bischö­fen“ ent­ge­gen­zu­kom­men, die über Kar­di­nal Wal­ter Kas­per erheb­li­chen Ein­fluß und Druck aus­üben. Bekannt­lich wer­den Kom­mis­sio­nen ein­ge­rich­tet, wenn man eine Sache auf die lan­ge Bank schie­ben und für eini­ge Zeit, manch­mal Jah­re, Ruhe haben will. In Rom wol­len nicht weni­ge, hin­ter der Kom­mis­si­on genau die­se Tak­tik sehen und mei­nen, der Papst wol­le weder den deut­schen Bischö­fen noch eini­gen pro­gres­si­ven Ordens­obe­rin­nen eine Absa­ge ertei­len. Die Stu­di­en­kom­mis­si­on ver­mitt­le den Ein­druck, das Anlie­gen ernst­zu­neh­men, ohne daß abseh­bar etwas geschieht.

Nebeliges Klima als Charakteristikum dieses Pontifikats

Dage­gen spricht, daß der Avve­ni­re, die Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, neben einem Bild von Papst Fran­zis­kus titel­te: „Dia­ko­nin­nen? Das ist zu stu­die­ren“. Obwohl der Papst in sei­ner Ant­wort über früh­christ­li­che Dia­ko­nis­sen gespro­chen hat­te, titel­te die Zei­tung der Bischö­fe von „Dia­ko­nin­nen“. Für die Linie der Tages­zei­tung ist Bischof Nun­zio Galan­ti­no zustän­dig, der von Papst Fran­zis­kus als sein Ver­trau­ens­mann ein­ge­setz­te Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­kon­fe­renz.

Dage­gen spricht eben­so ein Arti­kel des päpst­li­chen Hof­va­ti­ka­ni­sten Andrea Tor­ni­el­li. Tor­ni­el­li ver­fügt über direk­ten Zugang zum Papst. Er gibt in der Regel des­sen Posi­ti­on wie­der und schreibt auch das, was Papst Fran­zis­kus offi­zi­ell nicht sagen kann oder will. Der Vati­ka­nist schrieb im ver­gan­ge­nen Mai über das Tref­fen des Pap­stes mit den Obe­rin­nen, daß Papst Johan­nes Paul II. 1994 einen defi­ni­ti­ven Schluß­strich unter die Dis­kus­si­on über das Frau­en­prie­ster­tum gezo­gen habe. Die Fra­ge sei dog­ma­tisch defi­niert und ein Frau­en­prie­ster­tum aus­ge­schlos­sen wor­den.

Johan­nes Paul II., so Tor­ni­el­li, habe damals aber nicht expli­zit das „Frau­en­dia­ko­nat“ aus­ge­schlos­sen. Der Vati­ka­nist griff damit eine The­se des 2012 ver­stor­be­nen ehe­ma­li­gen Erz­bi­schofs von Mai­land, Kar­di­nal Car­lo Maria Mar­ti­ni SJ, auf, der nach dem Ver­bot des Frau­en­prie­ster­tums, die Dis­kus­si­on auf das Frau­en­dia­ko­nat lenk­te. Kar­di­nal Mar­ti­ni, obwohl 1979 von Johan­nes Paul II. zum Erz­bi­schof von Mai­land und damit einem der bedeu­tend­sten Bischofs­sit­ze der Welt gemacht, galt als des­sen gro­ßer Gegen­spie­ler. Kar­di­nal Mar­ti­ni war in den 90er Jah­ren, wie erst vor weni­gen Mona­ten bekannt wur­de, der Grün­der des inner­kirch­li­chen Geheim­zir­kels Sankt Gal­len zur Vor­be­rei­tung einer pro­gres­si­ven Wen­de nach dem Tod des pol­ni­schen Pap­stes. Der Ver­such schei­ter­te an der über­ra­gen­den Gestalt von Joseph Ratz­in­ger, der 2005 als Bene­dikt XVI. zum neu­en Papst gewählt wur­de. Der Ver­such gelang aber im zwei­ten Anlauf mit der Wahl von Kar­di­nal Jor­ge Mario Ber­go­glio.

Der Arti­kel Tor­ni­el­lis erzeug­te zur Fra­ge des Frau­en­dia­ko­nats jenen unsi­che­ren Schwe­be­zu­stand, der das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus cha­rak­te­ri­siert. Der argen­ti­ni­sche Papst läßt sich kaum in die Kar­ten schau­en. Mit die­ser Tak­tik, will er sich alle Mög­lich­kei­ten offen las­sen und mög­lichst vie­le inner­kirch­li­che Kräf­te an sich bin­den. Der Preis, der dafür bezahlt wird, ist aller­dings enorm: Es herr­schen zuneh­men­de Unsi­cher­heit, Unklar­heit, begriff­li­che Ver­schwom­men­heit und inhalt­li­che Ver­wir­rung. Die­ses nebel­haf­te Kli­ma betrifft seit Mai auch die Fra­ge der Dia­ko­nis­sen (oder Dia­ko­nin­nen?). Nie­mand weiß, was Papst Fran­zis­kus wirk­lich dazu denkt, geschwei­ge denn, was er in der Sache beab­sich­tigt.

Die Zei­ten einer knap­pen, ein­deu­ti­gen und all­ge­mein­ver­ständ­li­chen Spra­che, wie sie dem Kon­zil von Tri­ent eigen war, lie­gen schon lan­ge zurück. Doch auch in der jüng­sten Zeit wuß­te der Vati­kan noch eine kla­re Spra­che zu spre­chen. Dazu gehö­ren Stel­lung­nah­men von Glau­bens­prä­fekt Ger­hard Kar­di­nal Mül­ler. Ein Bei­spiel dafür ist eine Noti­fi­ka­ti­on, die auf Wunsch von Papst Johan­nes Paul II. 2001 von drei römi­schen Kon­gre­ga­tio­nen gemein­sam ver­öf­fent­licht wur­de.

Notifikation gegen das Frauendiakonat von 2001

Am 17. Sep­tem­ber 2001 ver­öf­fent­lich­ten die Kon­gre­ga­tio­nen für die Glau­bens­leh­re, die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung und die Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus fol­gen­de Noti­fi­ka­ti­on:

  1. Aus eini­gen Län­dern sind unse­ren Dikaste­ri­en Hin­wei­se auf die Pla­nung und Durch­füh­rung von Kur­sen zuge­kom­men, die direkt oder indi­rekt das Ziel der Dia­ko­nats­wei­he für Frau­en haben. Dadurch wer­den Erwar­tun­gen geschürt, die kei­ne Grund­la­ge in der Leh­re der Kir­che haben und die daher seel­sor­ge­ri­sche Irre­füh­rung ver­ur­sa­chen kön­nen.

  2. Da die kirch­li­chen Vor­schrif­ten solch eine Wei­he nicht vor­se­hen, ist es nicht statt­haft, die­se Initia­ti­ven zu betrei­ben, die gewis­ser­ma­ßen dar­auf abzie­len, Kan­di­da­tin­nen auf ein Dia­ko­nat vor­zu­be­rei­ten.

  3. Die wah­re För­de­rung der Frau inner­halb der Kir­che öff­net wei­te Per­spek­ti­ven des Dien­stes und der Zusam­men­ar­beit in Über­ein­stim­mung mit der bestehen­den Kir­chen­leh­re, mit beson­de­rem Bezug auf die­je­ni­ge Sei­ner Hei­lig­keit Johan­nes Pauls II..

  4. Die unten­ste­hen­den Kon­gre­ga­tio­nen wen­den sich daher im Rah­men ihrer Kom­pe­ten­zen an die ein­zel­nen Ordi­na­ri­en, auf daß sie obi­ge Anord­nung flei­ßig anwen­den und den Gläu­bi­gen erklä­ren mögen.

Die­se Noti­fi­ka­ti­on wur­de vom Hei­li­gen Vater am 14. Sep­tem­ber 2001 appro­biert.

Vati­kan, 17. Sep­tem­ber 2001

Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für die Glau­bens­leh­re

Jor­ge Arturo Kar­di­nal Medi­na Esté­vez
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung

Darà­o Kar­di­nal Cas­tril­lón Hoyos
Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Kle­rus

Fra­gen wirft — im Zusam­men­hang mit der Stu­di­en­kom­mis­si­on, aber auch mit die­ser Noti­fi­ka­ti­on — ein angeb­li­cher Emp­fang für exkom­mu­ni­zier­te „Prie­ste­rin­nen“ auf, die Anfang Juni durch ein Amt des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats erfolgt sein soll. Die Infor­ma­tio­nen sind unklar. Zudem ist nichts dar­über bekannt, was bei dem Emp­fang gespro­chen wur­de.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Gio­na­l­et­tis­mo (Sce­en­shot)