Die „Corredemptrix“ zur Zeit von Pius XII.

Mariologie der Miterlöserschaft

Als Kardinalstaatssekretär nannte Eugenio Pacelli Maria "Miterlöserin". Tat er das auch als Papst Pius XII.?
Als Kardinalstaatssekretär nannte Eugenio Pacelli Maria "Miterlöserin". Tat er das auch als Papst Pius XII.?

Von P. Pao­lo M. Siano*

Am 8. Dezem­ber 1937 ver­öf­fent­licht der Osser­va­to­re Roma­no auf den Sei­ten 3–4 die Rede des dama­li­gen Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs Euge­nio Pacel­li in der Kir­che San Lui­gi dei Fran­ce­si in Rom zum 70jährigen Jubi­lä­um der Ver­ei­ni­gung Unse­rer Lie­ben Frau vom Guten Tod (Soda­li­tas Nostræ Dominæ a bona mor­te). Obwohl bereits von der Tages­zei­tung La Croix in Paris ver­öf­fent­licht, beschließt auch der Osser­va­to­re Roma­no den­noch die­se fran­zö­sisch gehal­te­ne Rede in Über­set­zung zu drucken, „da wir ein­dring­li­che Anfra­gen aus ver­schie­de­nen Tei­len Ita­li­ens und des Aus­lan­des erhal­ten haben“ (S. 3) und wegen der Gewiß­heit, daß die­se Rede „zur Erzie­hung und Erbau­ung vie­ler die­nen kann“ (S. 3).

Kar­di­nal Pacel­li nann­te Maria zwei­mal Mit­erlö­se­rin („co-réd­emp­t­ri­ce“, S. 4). Er wand­te sich ver­trau­ens­voll an die Jung­frau Maria und bat sie, dem himm­li­schen Vater ihre Trä­nen der Mit­erlö­se­rin anzu­bie­ten: „Off­rez-les encore au Père céle­ste, vos lar­mes de co-réd­emp­t­ri­ce“ (S. 4).

Dann bekräf­tig­te er, daß Gott selbst Maria „den Titel und die Rech­te der Mit­erlö­se­rin“ („le tit­re et les droits de co-réd­emp­t­ri­ce“ (S. 4) ver­lie­hen hat.

Zu die­sem maria­ni­schen Titel schreibt Pater Gabrie­le Roschi­ni OSM (1900–1977), daß Kar­di­nal Pacel­li „ihn als Papst nie benutz­te. Er hat jedoch die Leh­re, die er bedeu­tet, klar zum Aus­druck gebracht“.1

Daß Pius XII., als Papst, nie den Titel Mit­erlö­se­rin ver­wen­det hat, scheint mir nicht so sicher zu sein, wie Pater Roschi­ni es behaup­tet. In der Tat gibt es dazu eine inter­es­san­te Entdeckung.

Im Buch „Doc­tri­na Pon­ti­fi­cia. IV. Docu­ment­os maria­nos“ (Edi­ci­on pre­pa­ra­da por el P. Hil­ario Marin SJ, Pon­ti­fi­cia Uni­ver­sidad de Sala­man­ca — Biblio­te­ca de Auto­res Cri­stia­nos BAC, La Edi­to­ri­al Cato­li­ca, Madrid 1954), ist auf den Sei­ten 623–625 eine Rede von Pius XII. von 1949 (lei­der ohne Anga­be von Tag und Monat) „an den Direk­tor des Gene­ral­se­kre­ta­ri­ats der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tio­nen“ in Spa­ni­en (S. 623) wie­der­ge­ge­ben. In die­ser Anspra­che nennt Pius XII. Maria: Mitt­le­rin, Mit­erlö­se­rin der Mensch­heit, jene, wel­che die Schlüs­sel aller Gna­den, aller voll­kom­me­nen Gaben hat. Ich zitie­re das spa­ni­sche Ori­gi­nal: „¿No ves en el mun­do ente­ro qué lección de amor, de fer­vor extra­or­di­na­rio, íba­mos a decir de san­ta locu­ra, por la Madre de Dios, por la medi­a­ne­ra de todas las cosas, por la cor­re­den­to­ra del lina­je huma­no, por la divina gober­na­do­ra, por la que tie­ne las cla­ves de toda gra­cia, de todo don per­fec­to, de todo bien que desci­en­de del cie­lo? Lo que siemp­re ha sido ver­dad; lo que siemp­re ha sido un dog­ma cató­li­co, se vive aho­ra más que nun­ca; es la pal­pita­ción de mil­lo­nes de hijos de la Vir­gen Maria, que la aman, que la veneran; […].“

„Sieht man es nicht auf der gan­zen Welt, was für eine Leh­re von Lie­be, von außer­or­dent­li­chem Eifer, wir möch­ten sagen, von hei­li­gem Wahn­sinn, für die Mut­ter Got­tes, für die Mitt­le­rin aller Din­ge, für die Mit­erlö­se­rin der Mensch­heit, für die gött­li­che Statt­hal­te­rin, für jene, wel­che die Schlüs­sel aller Gna­de, aller voll­kom­me­nen Gaben, aller guten Din­ge hat, die vom Him­mel her­ab­kom­men? Was immer wahr gewe­sen ist, was immer ein katho­li­sches Dog­ma war, wird heu­te mehr denn je gelebt, ist der Herz­schlag von Mil­lio­nen von Kin­dern der Jung­frau Maria, die sie lie­ben, die sie ver­eh­ren, […]“ (S. 625).

Die Zeit­schrift Marie aus Kanada

In der Fuß­bo­te auf S. 623 gibt der Her­aus­ge­ber der „Doc­tri­na Pon­ti­fi­cia“ an, daß er selbst die­se Rede nicht im spa­ni­schen Ori­gi­nal, son­dern in der fran­zö­si­schen Fas­sung (die er dann wie­der ins Spa­ni­sche über­setz­te) ver­öf­fent­licht fand in: „Marie III (1950), S. 58–59“. Die Abkür­zung „Marie III“ dürf­te der in der Biblio­gra­phie des oben genann­ten BAC-Ban­des auf Sei­te XXVIII erwähn­ten Zeit­schrift „MARIE, La gran­de revue maria­le du jour, Cent­re Mari­al Cana­di­en, Nico­let (Cana­da), à par­tir du 1947“ entsprechen.

Tat­säch­lich fin­de ich eine Bestä­ti­gung dafür in dem, was Pater Juni­per B. Carol OFM in dem Auf­satz „Our Lady’s Coredemp­ti­on“ schreibt, der in dem von ihm 1957 her­aus­ge­ge­be­nen zwei­ten Band der „Mario­lo­gy“ ver­öf­fent­licht ist. Dar­in stellt Pater Carol fest, daß Pius XII. den Begriff „Cor­redemp­t­rix“ in sei­nen offi­zi­el­len Doku­men­ten (vgl. S. 384) noch nicht ver­wen­det hat, prä­zi­siert aber in der Fuß­no­te 24: „[…] howe­ver, the words of the Holy Father to A. Car­ril­lo de Albor­noz, S.J., as repor­ted in the latter’s arti­cle La pen­seé du Pape, in Marie, Vol. 3, March–April 1950, p. 59″.

Die Zeit­schrift Marie, III, Sei­te 59, ist die­sel­be Quel­le, die in dem BAC-Band über die Rede oder den Brief von Pius XII. an den Direk­tor des Gene­ral­se­kre­ta­ri­ats der Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tio­nen von Spa­ni­en zitiert wird. Ange­sichts des wis­sen­schaft­li­chen Gewichts von Insti­tu­tio­nen und aka­de­mi­schen Per­sön­lich­kei­ten der dama­li­gen Zeit wie der Päpst­li­chen Uni­ver­si­tät von Sala­man­ca, der BAC-Aus­ga­ben, des Her­aus­ge­bers die­ses Ban­des P. Hil­ario Marin SJ und von P. Carol OFM, hal­te ich es für glaub­wür­dig, daß Pius XII. in die­ser Rede oder die­sem Brief von 1949 an die Maria­ni­schen Kon­gre­ga­tio­nen Maria als „Mit­erlö­se­rin“ bezeichnete.

Zur Zeit von Pius XII. fin­det sich der Titel „Mit­erlö­se­rin“ auf posi­ti­ve Wei­se auch in der „Civil­tà Cat­to­li­ca“ (Abkür­zung: Civ.Catt.), der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift, die im Staats­se­kre­ta­ri­at genau gele­sen wird. Sehen wir uns eini­ge Arti­kel an.

Im Bei­trag „Testi­mo­ni­an­ze e sin­te­si sul­la gran­dez­za del­la Madon­na in un’opera recen­te” („Zeug­nis­se und Zusam­men­schau über die Grö­ße der Got­tes­mut­ter in einem neue­ren Werk“, Civ.Catt. 1949, Bd. IV, 274–285), in dem das mehr­bän­di­ge Werk des Mit­bru­ders Pater Paul Strä­ter SJ „Katho­li­sche Mari­en­kun­de“ bespro­chen wird, schließt Pater Alfre­do Vit­ti SJ unter „die ver­schie­de­nen Aspek­te von Mari­ens Grö­ße“ auch die Tat­sa­che ein, daß sie „in den Bezie­hun­gen mit uns […] unse­re Mut­ter, Mitt­le­rin, Mit­erlö­se­rin und Köni­gin“ ist (S. 282); Maria ist „Mit­erlö­se­rin“ (S. 283), ein „Titel, der Maria zum ersten Mal von P. Sal­me­ro­ne, Theo­lo­ge des Kon­zils von Tri­ent, gege­ben wur­de“ (S. 283).2

Alfon­so Sal­merón SJ nann­te Maria Cor­redemp­t­rix

In dem Arti­kel „A pro­po­si­to del­la ‚Don­na‘ del Pro­to­van­ge­lo“ („Über die ‚Frau‘ des Pro­to­evan­ge­li­ums“, Civ.Catt., 1949, Bd. IV, S. 393–401) stellt Pater Car­me­lo Lo Giu­di­ce SJ fest, daß „der Dienst der Mit­erlö­se­rin bewun­derns­wert und pla­stisch aus­ge­drückt ist in die­ser Pas­sa­ge aus der Gene­sis, die die Mut­ter mit dem Sohn im Heils­werk ver­bin­det“ (S. 398). Am Ende schreibt Lo Giu­di­ce, daß das Pro­to­evan­ge­li­um (Gen 3,15) „auf geheim­nis­vol­le Wei­se mit dem erlö­sen­den Mes­si­as die geseg­ne­te Frau über­schat­tet, die im Heils­werk untrenn­bar mit ihm ver­bun­den sein wird, Maria, die Mut­ter des Fleisch gewor­de­nen Chri­stus und Mit­erlö­se­rin des Men­schen­ge­schlechts“ (S. 401).

Im Arti­kel „La dott­ri­na maria­na dei Papi (da Pio IX al Pio XII)“ („Die maria­ni­sche Leh­re der Päp­ste von Pius IX. bis Pius XII.“, Civ.Catt., 1952, Bd. III, S. 347–364) sagt Pater Giu­sep­pe Filo­gras­si SJ über Maria, daß „ihr zu Recht der Titel einer Mit­erlö­se­rin zuge­schrie­ben wird“ (S. 355); „auf die kla­ren und aus­drück­li­chen Bekräf­ti­gun­gen der Päp­ste und den gemein­sa­men Glau­ben in der Kir­che war­tend glau­ben wir, daß die Mit­wir­kung Mari­ens Glau­bens­wahr­heit ist“ (S. 355).

„Da Maria Mit­wir­ken­de der Erlö­sung der Men­schen war, wur­de Sie auf­grund der fast unbe­grenz­ten Macht, die Ihr ver­lie­hen wur­de, auch die Aus­spen­de­rin der Gna­de, die sich aus die­ser Erlö­sung in jedem Zeit­al­ter ergibt“ (S. 355).

Pater Filo­gras­si zitiert auch Bene­dikt XV., der lehrt, daß „zu Recht gesagt wer­den kann“, daß Maria „mit Chri­stus die Mensch­heit erlöst hat“ (S. 356), und bekräftigt: 

„In Bezug auf Maria, Gefähr­tin des Erlö­sers, sind gemäß der Leh­re der Päp­ste zwei Wahr­hei­ten gesi­chert: 1) Maria ist ganz all­ge­mein Mit­erlö­se­rin, 2) folg­lich ist sie Aus­spen­de­rin aller Gna­den“ (S. 357).

In 1950 ver­öf­fent­licht die Typis Poly­glot­tis Vati­ca­nis (Civi­tas Vati­ca­na) das Werk von Pater Juni­per B. Carol OFM: „De Cor­redemp­tio­ne Bea­tae Vir­gi­nis Mariae. Dis­qui­si­tio posi­ti­va“ (Über die Mit­erlö­ser­schaft der seli­gen Jung­frau Maria. Eine posi­ti­ve Anfra­ge“, 644 Sei­ten). Der Band wird ins­ge­samt posi­tiv in der Civ.Catt., 1952, Bd. III, S. 185f bespro­chen. Der Rezen­sent bekräf­tigt, daß die­se Arbeit von P. Carol „die theo­lo­gi­sche Rei­he der Ver­öf­fent­li­chun­gen des Fran­ciscan Insti­tu­te St. Bona­ven­ture in New York wür­dig eröff­net“ (S. 185) und die „Mit­erlö­ser­schaft Unse­rer Lie­ben Frau im engen Sinn der direk­ten und unmit­tel­ba­ren, wenn auch zweit­ran­gi­gen und unter­ge­ord­ne­ten Mit­wir­kung an der objek­ti­ven Erlö­sung, die Chri­stus mit sei­nem Opfer auf Gol­ga­tha gewirkt hat“, dar­stellt (S. 185).

Über die Mit­erlö­ser­schaft der seli­gen Jung­frau Maria (1950)

Pater Juni­per B. Carol ist unter ande­rem Her­aus­ge­ber des drei­bän­di­gen Werks „Mario­lo­gy“ (The Bruce Publi­shing Com­pa­ny, Mil­wau­kee, USA, 1955/1957/1961). Im zwei­ten Band (1957) gibt es sei­nen Auf­satz „Our Lady’s Coredemp­ti­on“ („Unse­rer Lie­ben Frau Mit­erlö­ser­schaft“, S. 377–425), in dem er aus­führt, daß der Begriff „Cor­redemp­t­rix“ bedeu­tet: „Our Lady’s share in the work of man’s super­na­tu­ral reha­bi­li­ta­ti­on as brought about by Christ“ („Anteil der Mut­ter­got­tes am Werk der über­na­tür­li­chen Reha­bi­li­tie­rung des Men­schen durch Chri­stus“, S. 378). Pater Carol ver­weist dabei auf sei­ne aus­führ­li­che­re Dar­stel­lung in dem oben erwähn­ten Band „De Cor­redemp­tio­ne B.V.Mariae dis­qui­si­tio“ (Civi­tas Vati­ca­na, 1950).

Eben­falls in dem Auf­satz „Our Lady’s Coredemp­ti­on” führt P. Carol aus, daß eine Min­der­heit von Gelehr­ten Mari­ens Mit­wir­kung auf die blo­ße Anwen­dung oder Ver­tei­lung der Gna­den („sub­jek­ti­ve Erlö­sung“) beschränkt (so zum Bei­spiel der Jesu­it Hein­rich Lenn­erz, vgl. S. 379f). Ande­re Gelehr­te (z. B. Carol OFM, Bit­tre­mieux, Dil­len­schnei­der CSSR, Sei­ler SJ, Strä­ter SJ, Roschi­ni OSM, Ber­tet­to SDB, S. 380f), also die über­wie­gen­de Mehr­heit jener Zeit („the vast majo­ri­ty of Catho­lic theo­lo­gi­ans at the pre­sent time“, S. 380), bekräf­ti­gen hin­ge­gen die Betei­li­gung Mari­ens an der Erlö­sung und dem Erwerb der Gna­den („objek­ti­ve Erlö­sung“). Die Welt wur­de also von Chri­stus erlöst und von Maria mit­erlöst (vgl. S. 380) ). Das päpst­li­che Lehr­amt, ins­be­son­de­re das von Bene­dikt XV. und Pius XII., lehrt die Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens („Mary’s Coredemp­ti­on“) im Sin­ne der Mehr­heit der Theo­lo­gen (vgl. S. 386).

„Maria ist im eigent­li­chen Sinn des Wor­tes unse­re Mit­erlö­se­rin“ („she is our Coredemp­t­rix in the pro­per sen­se of the word“, S. 385).

Carol berich­tet, daß Kar­di­nal Emma­nu­el Arte­a­ga, Erz­bi­schof von Havan­na, mit der gesam­ten kirch­li­chen Hier­ar­chie Kubas am 26. Novem­ber 1951 Pius XII. ein „Postu­la­tum“ vor­leg­te, datiert vom 6. Okto­ber 1951, in dem er um die dog­ma­ti­sche Defi­ni­ti­on der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens bit­tet (vgl. S. 425, Fuß­no­te 166).

Ende der 40er/Anfang der 50er Jah­re des vori­gen Jahr­hun­derts ver­öf­fent­lich­te der Prie­ster Don Albi­no Ster­zi eine Bro­schü­re (78 Sei­ten), her­aus­ge­ge­ben von der Mäd­chen­schaft der Katho­li­schen Akti­on (Rom-Mai­land) mit dem Titel „Cor­re­den­t­ri­ce“. Das genaue Jahr ist nicht ange­ge­ben, aber auf Sei­te 67 zitiert der Autor die Enzy­kli­ka von Pius XII. „Media­tor Dei“ von 1947. Die­ses Jahr kann daher als Ter­mi­nus a quo der Bro­schü­re gel­ten. Auf der letz­ten Sei­te (der vier­ten Umschlag­sei­te) steht geschrie­ben: „Impri­matur: Br. G. Mon­ti, Secr. Vic. Gen. Civ. Vat. Tip. S. P – C. d. V.“.

Die­se Anga­ben wei­sen dar­auf hin, daß die Bro­schü­re im Vati­kan appro­biert und gedruckt wurde.

Don Ster­zi legt dar, daß Maria bei der Inkar­na­ti­on des Wor­tes (S. 7–9) mit­ge­wirkt hat, indem sie Mut­ter Got­tes gewor­den ist. Dann fügt er hinzu: 

„Die Kir­che lehrt, daß Maria von Gott als Mit­wir­ken­de auch im Erlö­sungs­werk aus­er­wählt wur­de. […] Aus die­sem Grund wird Maria zu Recht die ‚Mit­erlö­se­rin‘ genannt“ (S. 10). 

Maria „berei­te­te das gött­li­che Opfer, Jesus, vor, das auf Gol­ga­tha geop­fert wer­den soll­te, indem sie es in ihrem Mut­ter­leib form­te, nähr­te und beschütz­te“ (S. 11). Nicht nur: 

„Gott woll­te, daß durch Mari­ens Teil­ha­be am Kreu­zes­op­fer die Ver­bin­dung zwi­schen Maria und Jesus, des­sen Mit­wir­ken­de sie wur­de, und zwi­schen Maria und uns, deren Mut­ter und Mit­erlö­se­rin sie wur­de, für alle offen­sicht­li­cher wird“ (S. 19). 

Don Ster­zi bekräftigt: 

„Die katho­li­sche Tra­di­ti­on und die Leh­re der jüng­sten Päp­ste von Leo XIII. bis Pius XII. bekräf­ti­gen auf deut­lich­ste Wei­se, daß auch Maria sich mit dem Opfer Jesu ver­ein­te und Ihn dem Vater dar­brach­te“ (S. 25).

Maria ist „Cor­redemp­t­rix“, „neben Jesus, aber nach Jesus und abhän­gig von Jesus“ (S. 33). Jesus ist der „neue Adam“, Maria ist „die neue Eva“, die das töd­li­che Werk der alten Eva wie­der­gut­macht und die wah­re Mut­ter der Leben­den wird (vgl. S. 33).

1950 ver­öf­fent­li­chen die Edi­zio­ni Pao­li­ne die zwei­te Aus­ga­be der „Istru­zio­ni maria­ne“ („Maria­ni­sche Unter­wei­sun­gen“) von Pater Gabrie­le Roschi­ni OSM, in der es heißt, daß Maria „von der Kir­che als Mit­erlö­se­rin des Men­schen­ge­schlechts ange­ru­fen wird“ (S. 82). Am Ende sei­ner Unter­wei­sung über die Cor­redemp­t­rix (S. 80–91) emp­fiehlt Pater Roschini: 

„Laßt uns vor den Füßen der schmerz­haf­ten Mit­erlö­se­rin uns nie­der­wer­fen, die mit ihrer uner­meß­li­chen Lie­be, die die Wun­den umfan­gen und gesalbt hat, die von uns durch das ver­bo­te­ne Ver­gnü­gen ver­ur­sacht wur­den. Sei­en wir immer zu Füßen der Addo­lo­ra­ta: Das ist unser Platz!“ (S. 91).

1955 ver­öf­fent­lich­te die Socie­tà Edit­ri­ce Inter­na­zio­na­le von Turin die zwei­te über­ar­bei­te­te und erwei­ter­te Auf­la­ge des Buches „Maria nel dom­ma cat­to­li­co. Trat­ta­to di mario­lo­gia“ („Maria im katho­li­schen Dog­ma. Abhand­lung der Mario­lo­gie“) von Pater Dome­ni­co Ber­tet­to SDB, Pro­fes­sor am Päpst­li­chen Athen­ae­um Sale­sia­num (heu­te Päpst­li­che Uni­ver­si­tät). Auch Pater Ber­tet­to nennt Maria mehr­fach „Mit­erlö­se­rin“ (S. 104, 337, 340, 375f, 381, 400f, 446, 448, 527–529, 533, 535, 537, 584, 586f, 597, 602, 676, 685). „Mari­ens gei­sti­ge Mut­ter­schaft gegen­über den Men­schen“ grün­det „ins­be­son­de­re auf Mari­ens Mit­erlö­ser­schaft und Ver­mitt­lung in Bezug auf die Gna­de, die uns zum Leben von Kin­dern Got­tes und Brü­dern Jesu Chri­sti führt“ (S. 104). 

„Maria Cor­redemp­t­rix erscheint somit als größ­te Wohl­tä­te­rin der Mensch­heit und hat das Anrecht auf Dank­bar­keit aller Völ­ker, die sie zu Recht als geseg­net ver­kün­den“ (S. 585).

Papst Pius XII. ver­kün­de­te 1950 das drit­te Mari­en­dog­ma, der im Him­mel Gekrönten.

1958 ver­öf­fent­licht Mari­et­ti Edi­to­ri Pon­ti­fi­ci (in Casa­le Mon­fer­ra­to) die ita­lie­ni­sche Aus­ga­be des Buches „Katho­li­sche Mari­en­kun­de. Bd. III: Maria im Chri­sten­le­ben“ (dt. Ori­gi­nal: Schö­ningh, Pader­born 1951, 2. Aufl. 1952) des Jesui­ten Paul Strä­ter. Die ita­lie­ni­sche Über­set­zung wird vom Jesui­ten Pater Giu­sep­pe Filo­grossi durch­ge­se­hen. Das Buch trägt das „Nihil obstat“ der Jesui­ten, datiert mit „Romae 28–9‑1956“, und das Impri­matur des Gene­ral­vi­kars der Diö­ze­se Casa­le Monferrato.

Das Buch von P. Strä­ter ist ein Sam­mel­band ver­schie­de­ner Bei­trä­ge. Schau­en wir uns die inter­es­san­te­sten an.3

In „Maria und das Mis­si­ons­werk“ (S. 93–120) schreibt Pater Anton Frei­tag SVD: 

„Als Mit­erlö­se­rin der Welt ver­eint Maria auf Gol­ga­tha ihren Schmerz mit dem Chri­sti, um die Welt zu ret­ten. Auf Gol­ga­tha ward unse­re Qua­li­tät als Kin­der Got­tes ver­dient. Die grau­sa­men Lei­den Mari­ens sind die Lei­den für alle Erlö­sten“ (S. 99).

Unse­re Lie­be Frau „nahm als Mit­erlö­se­rin am Holo­caust von Gol­ga­tha ver­dienst­vol­len Anteil, und seit Pfing­sten greift sie unun­ter­bro­chen mit ihrer müt­ter­li­chen Hil­fe in jede Bekeh­rung und jede Tau­fe ein“ (S. 100).

Carl Feckes (1894–1958), Pro­fes­sor am Erz­bi­schöf­li­chen Semi­nar von Köln, schreibt in dem Arti­kel „Die Wei­he der Kir­che und der Welt an Maria“ (S. 163–176):

Der Mari­en­ver­eh­rer sieht in Maria nicht nur die Frau des Ori­ents, „ruhig, an ihr eige­nes Zuhau­se gebun­den, son­dern vor allem die Mit­erlö­se­rin der Mensch­heit, die ihre Mit­wir­kung, ihre Treue, ihre Zustim­mung, ihre Schmer­zen Chri­stus geschenkt hat. Und Chri­stus woll­te sie bei der Fort­set­zung sei­nes Wer­kes an sei­ner Sei­te haben und sicher­stel­len, daß das Wir­ken sei­ner Kir­che durch die himm­li­sche Für­spra­che und Ver­mitt­lung Mari­ens erfolgt“(S. 176).

In dem Arti­kel „Mari­en­ver­eh­rung als Hilfs­mit­tel zum christ­li­chen Leben“ (S. 177–200) stellt Pater Paul Strä­ter SJ fest: 

„Maria ist gemäß der Schrift und der Leh­re der Kir­che als Mut­ter der Chri­sten­heit und Mit­erlö­se­rin des Men­schen­ge­schlechts anzu­se­hen“ (S. 186). 

Unse­re Lie­be Frau ist „unse­re Media­trix und Cor­redemp­t­rix“ (S. 194).

Schließ­lich fin­det vom 10. bis 17. Sep­tem­ber 1958 in Lour­des der Inter­na­tio­na­le Mario­lo­gi­sche Kon­greß statt, bei dem „auf höch­ster theo­lo­gi­scher Ebe­ne“ die The­se des Jesui­ten Hein­rich Lenn­erz wider­legt wird, der die Mit­wir­kung Mari­ens an der objek­ti­ven Erlö­sung bestritt, trotz des Gewichts der Mit­erlö­sungs­tra­di­ti­on in der Patri­stik, in der Theo­lo­gie und auch im päpst­li­chen Lehr­amt, zumin­dest von Leo XIII. bis Pius XII. 

Papst Pacel­li stirbt am 9. Okto­ber 1958, ohne die Zeit zu fin­den, die Schluß­fol­ge­run­gen die­ses Kon­gres­ses im Sin­ne der Cor­redemp­t­rix in sei­ne Leh­re auf­zu­neh­men (vgl. P. Ales­san­dro Apol­lo­nio, Il „cal­va­rio teo­lo­gi­co“ del­la Cor­re­den­zio­ne maria­na („Das ‚theo­lo­gi­sche Kal­va­ria‘ der Mit­erlö­ser­schaft Mari­ens“, Casa Maria­na Edit­ri­ce, 1999, S. 13).

*Pater Pao­lo Maria Sia­no gehört dem Orden der Fran­zis­ka­ner der Imma­ku­la­ta (FFI) an; der pro­mo­vier­te Kir­chen­hi­sto­ri­ker gilt als einer der besten katho­li­schen Ken­ner der Frei­mau­re­rei, der er meh­re­re Stan­dard­wer­ke und zahl­rei­che Auf­sät­ze gewid­met hat. Von Katholisches.info wur­de bis­her von ihm veröffentlicht:

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/Wikicommons/Lettoriletto (Screen­shot)

1 vgl. G. Roschi­ni, Maria San­tis­si­ma nella sto­ria del­la sal­ve­z­za (Die aller­se­lig­ste Maria in der Heils­ge­schich­te) Bd. II, M. Pisa­ni, Iso­la del Liri 1969, S. 126.

2 Alfon­so Sal­merón (1515–1585), spa­ni­scher Jesu­it, bekann­ter Pre­di­ger und Theo­lo­ge, lern­te Igna­ti­us von Loyo­la 1532 in Paris ken­nen und bil­de­te zusam­men mit fünf wei­te­ren Gefähr­ten den Grün­dungs­kern des Jesuitenordens.

3 Alle nach­fol­gen­den Sei­ten­an­ga­ben und Zita­te zu die­sem Werk bezie­hen sich auf die ita­lie­ni­sche Aus­ga­be von 1958.

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2 Kommentare

  1. In der Kir­che Not­re Dame de la Gor­ge in der Nähe von St. Ger­vais ist auf dem Reta­bel auf glei­cher Ebe­ne wie Gott Vater und Gott Sohn thro­nend dar­ge­stellt. Dar­über der Hei­li­ge Geist. Auch die Rück­sei­te der Wun­der­tä­ti­gen Medail­le ist erhel­lend. Das Kreuz steht auf einem Bal­ken quer durch das M.

  2. Das ist ein sehr inter­es­san­ter und gut recher­chier­ter Bei­trag, vie­len Dank dafür! Und doch kommt mir die The­ma­tik ein biss­chen vor wie der Streit um des Kai­sers Bart. Die Tat­sa­che, dass Jesus ohne Mari­as Zustim­mung zum gött­li­chen Plan nicht gebo­ren wor­den wäre und wir somit kei­ne Chan­ce auf Erlö­sung hät­ten, ist unbe­strit­ten. Damit hat Maria sicher einen ganz ent­schei­den­den Anteil an Got­tes Erlö­sungs­werk! Ob sie dafür einen neu­en — oder auch nicht ganz so neu­en — Titel bekom­men muss, ist in mei­nen Augen neben­säch­lich. Viel wich­ti­ger ist die Tat­sa­che, dass sie zwar Mitt­le­rin der gött­li­chen Gna­den ist, dass die­se und auch die Erlö­sung aber von Gott kom­men! Wir Katho­li­ken wen­den uns ver­trau­ens­voll an Maria, aber wir beten den drei­fal­ti­gen Gott an! Er ist unser Hei­land und Erlö­ser — ver­ges­sen wir das bei all dem „Streit“ um Maria nicht!
    Noch ein ande­rer Punkt ver­dient Erwäh­nung: vie­le Päp­ste waren und sind voll des Lobes für Maria und spre­chen ihr — zurecht! — alle Tugen­den zu. Ihr Schutz, ihre Kraft, ihre Ver­mitt­lung und ihr Ein­grei­fen in die Ent­wick­lung der Welt wur­de und wird vom Vati­kan aner­kannt. Und doch hat sich in mehr als 100 Jah­ren kein Papst gefun­den, der ihrem in Fati­ma geäu­ßer­ten Wunsch ihr Russ­land zu wei­hen, genau und getreu nach­ge­kom­men wäre. Wir erle­ben gera­de die Fol­gen die­ser diplo­ma­ti­schen — oder bes­ser fei­gen? — Ent­schei­dung. Ich bin über­zeugt, Maria ist die­se Wei­he Russ­lands wich­ti­ger als ein zusätz­li­cher Titel! Viel­leicht ist es dafür aber schon zu spät…

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