Kampf ums Geld im Vatikan?

Auf Franziskus wartet ein Konflikt „aller gegen alle“

Die Harrods-Immobilie in der Londoner Sloane Avenue ist nur ein Problem, mit dem sich Papst Franziskus in Sachen Vatikanfinanzen nach seiner Rückkehr aus Japan befassen wird müssen.
Die Harrods-Immobilie in der Londoner Sloane Avenue ist nur ein Problem, mit dem sich Papst Franziskus in Sachen Vatikanfinanzen nach seiner Rückkehr aus Japan befassen wird müssen.

(Rom) Wäh­rend Papst Fran­zis­kus im Fer­nen Osten weilt, „um über den Frie­den zu pre­di­gen, fin­det im Vati­kan ein Kampf aller gegen alle ums Geld statt“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Was steckt dahin­ter?

Kurz vor sei­ner Abrei­se nach Thai­land hat­te Fran­zis­kus Neu­er­nen­nun­gen für zwei Schlüs­sel­po­si­tio­nen vor­ge­nom­men, „die alles ande­re als frie­dens­stif­tend sind“, so Magi­ster.

Eine Ernen­nung betrifft den neu­en Prä­fek­ten für das Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at. Sie wur­de am 14. Novem­ber bekannt­ge­ge­ben. Papst Fran­zis­kus ernann­te für die­sen Posten den Jesui­ten Juan Anto­nio Guer­re­ro Alves, womit das zwei­te Mini­ste­ri­um an der Römi­schen Kurie einem Ordens­mit­bru­der des Pap­stes anver­traut wur­de.

Die Ernen­nung erfolg­te unmit­tel­bar, nach­dem in Austra­li­en der Ober­ste Gerichts­hof den Ein­spruch von Kar­di­nal Geor­ge Pell gegen sei­ne Ver­ur­tei­lung für zuläs­sig erklär­te. Pell war der erste Prä­fekt des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats, der aller­dings – ohne päpst­li­che Unter­stüt­zung – im Vati­kan auf ver­lo­re­nem Posten stand und schließ­lich im Juni 2017 das Hand­tuch warf.

Als Papst Fran­zis­kus 2014 das Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­at errich­te­te, um Ver­wal­tung und Finan­zen zu kon­zen­trie­ren, stat­te­te er die neue Kuri­en­be­hör­de mit weit­rei­chen­den Voll­mach­ten aus. Doch ehe die­se kon­kret umge­setzt wer­den konn­ten, demon­tier­te sie Fran­zis­kus auf Druck ande­rer Behör­den auch schon wie­der. „Zur vol­len Zufrie­den­heit vor allem des Staats­se­kre­ta­ri­ats und der Güter­ver­wal­tung APSA“, so Magi­ster.

Unklar ist, ob Papst Fran­zis­kus dem neu­en Prä­fek­ten des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats wie­der mehr Zustän­dig­kei­ten über­tra­gen wird.

Die Finanzinformationsbehörde AIF

Die zwei­te Neu­er­nen­nung betrifft den Prä­si­den­ten der Vati­ka­ni­schen Finanz­in­for­ma­ti­ons­be­hör­de AIF. Papst Bene­dikt XVI. hat­te die Behör­de 2010 auf Druck der EU errich­tet. Sie über­wacht, daß die Finanz­trans­ak­tio­nen der Behör­den des Hei­li­gen Stuhls in Ein­klang mit den inter­na­tio­na­len Nor­men über die Ver­hin­de­rung und Bekämp­fung von Geld­wä­sche und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung ste­hen.

Die­se Neu­be­set­zung wur­de am 18. Novem­ber ange­kün­digt. Zugleich wur­de bekannt­ge­ge­ben, daß der Name des Neu­ernann­ten erst nach der Rück­kehr von Papst Fran­zis­kus aus Japan öffent­lich gemacht wird.

Die Mit­tei­lung des Vati­kans erweck­te den Ein­druck, die Neu­be­set­zung sei not­wen­dig gewor­den, weil das Man­dat des amtie­ren­den AIF-Prä­si­den­ten, des Schwei­zers René Brüel­hart, aus­lau­fe. Noch am sel­ben Tag wider­sprach Brüel­hart gegen­über der Pres­se­agen­tur Reu­ters mit dem Hin­weis, daß sei­ne Ernen­nung unbe­fri­stet erfolgt war, er aber zurück­ge­tre­ten sei.

Zusam­men mit Brüel­hart haben noch zwei wei­te­re Mit­glie­der des AIF-Direk­ti­ons­gre­mi­ums ihr Amt nie­der­ge­legt: der Schwei­zer Marc Odend­all und der US-Ame­ri­ka­ner Juan Car­los Zara­te. Odend­all hat­te bereits am 1. Okto­ber zu Asso­cia­ted Press gesagt, die AIF sei auf eine „lee­re Muschel“ redu­ziert wor­den.

Am sel­ben 1. Okto­ber durch­such­te das Gen­dar­me­rie­korps des Staa­tes der Vati­kan­stadt auf Anord­nung ihres Kom­man­dan­ten Dome­ni­co Gia­ni über­ra­schend die Büro­räu­me der AIF und eini­ge Büros des Staats­se­kre­ta­ri­ats. Dabei wur­den Doku­men­te und Com­pu­ter beschlag­nahmt.

Am näch­sten Tag erfolg­te die Sus­pen­die­rung von fünf Vati­kan­funk­tio­nä­ren, dar­un­ter auch AIF-Direk­tor Tom­ma­so Di Ruz­za, der Schwie­ger­sohn des ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten der ita­lie­ni­schen Noten­bank Ban­ca d’I­ta­lia, Anto­nio Fazio.

Dar­auf schloß die Egmont Group of Finan­cial Intel­li­gence Units die AIF und damit den Vati­kan aus.

Eingeschränkte Souveränität

Die Egmont Group mit Sitz in Onta­rio, 1995 gegrün­det, ist ein infor­mel­les Netz­werk natio­na­ler Finanz­auf­sichts­be­hör­den. In der Egmont Group sind 164 Staa­ten zusam­men­ge­schlos­sen, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land bei­spiels­wei­se mit dem Zoll­kri­mi­nal­amt, die Schweiz mit der Mel­de­stel­le für Geld­wä­sche­rei und Öster­reich mit dem Bun­des­kri­mi­nal­amt. Der Aus­schluß des Vati­kans wur­de damit begrün­det, daß es durch die Durch­su­chung der AIF-Räum­lich­kei­ten zu einer „Wei­ter­ga­be von ver­trau­li­chen Infor­ma­tio­nen“ gekom­men sei, weil die vati­ka­ni­sche Gen­dar­me­rie AIF-Unter­la­gen beschlag­nahm­te.

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis: Ähn­li­ches traf 2018 Öster­reich auf einer ande­ren Ebe­ne, indem das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz und Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung BVT aus dem soge­nann­ten Ber­ner Club aus­ge­schlos­sen wur­de – wenn­gleich offi­zi­ell von einem „frei­wil­li­gen Selbst­aus­schluß“ die Rede ist. Im Ber­ner Club sind die Inlands­ge­heim­dien­ste der 28 EU-Mit­glieds­staa­ten sowie der Schweiz und Nor­we­gens zusam­men­ge­schlos­sen. Dem Aus­schluß war eine Durch­su­chung der BVT-Zen­tra­le durch die Wirt­schafts- und Kor­rup­ti­ons­staats­an­walt­schaft mit rich­ter­li­cher Geneh­mi­gung vor­aus­ge­gan­gen, bei der Mate­ri­al beschlag­nahmt wur­de. Dadurch sei­en ver­trau­li­che Unter­la­gen, so der Ber­ner Club, die nur den Mit­glieds­be­hör­den zugäng­lich sein dür­fe, an „Unbe­fug­te“ gelangt. Daß es sich bei den „Unbe­fug­ten“ jeweils um Behör­den der betrof­fe­nen Staa­ten, also des Vati­kans oder Öster­reichs, im Rah­men von Ermitt­lun­gen han­del­te, spiel­te dabei kei­ne Rol­le. Die Staa­ten haben zwar durch ihr Gewalt­mo­no­pol die Mög­lich­keit ihre Sou­ve­rä­ni­täts­rech­te durch­zu­set­zen, flie­gen dann aller­dings aus den inter­na­tio­na­len Zusam­men­schlüs­sen, was ein Ende oder zumin­dest ein Ein­schrän­kung des Infor­ma­ti­ons­flus­ses bedeu­tet und einer Bestra­fung gleich­kommt. Die­ser Auto­ma­tis­mus wirkt dis­zi­pli­nie­rend, höhlt aber zugleich die Sou­ve­rä­ni­tät der Staa­ten aus, wenn Behör­den wie die Finanz­auf­sicht und der Ver­fas­sungs­schutz nur mehr bedingt staat­li­cher Kon­trol­le unter­lie­gen. Aber das ist ein ande­res The­ma.

Vatikanbank IOR brachte Ermittlungen ins Rollen

Die Ermitt­lun­gen im Vati­kan waren durch Anzei­gen der Vati­kan­bank IOR ins Rol­len gekom­men. Sie betref­fen nicht nur die AIF, son­dern auch – und laut Magi­ster sogar vor allem – das Staats­se­kre­ta­ri­at.

In der Vati­kan­bank sit­zen zwei Ver­trau­te des Pap­stes, die Fran­zis­kus per­sön­lich in Schlüs­sel­po­si­tio­nen setz­te. Das ist IOR-Gene­ral­di­rek­tor Gian Fran­co Mam­mì und der IOR-Prä­lat, Msgr. Bat­ti­sta Ric­ca. Mam­mì war frü­her in der Vati­kan­bank für Latein­ame­ri­ka zustän­dig und steht seit jener Zeit Kar­di­nal Ber­go­glio, dem heu­ti­gen Papst Fran­zis­kus, nahe. Msgr. Ric­ca ist der Direk­tor von San­ta Mar­ta und damit „Haus­herr“ des Pap­stes. Der Vati­kan­di­plo­mat brach­te es im Som­mer 2013 zu unrühm­li­cher, inter­na­tio­na­ler Bekannt­heit, wur­de jedoch von Papst Fran­zis­kus öffent­lich ent­schul­digt mit dem berühmt-berüch­tig­ten Satz die­ses Pon­ti­fi­kats: „Wer bin ich, um zu urtei­len?“

Laut Magi­ster scheint es daher undenk­bar, daß die Anzei­gen des IOR ohne vor­he­ri­ge Zustim­mung des Pap­stes erfolg­ten.
Der Vati­ka­nist fragt zugleich, um wel­che „Finanz­ope­ra­tio­nen“ es sich han­delt, von denen die Pres­se­er­klä­rung des Vati­kans vom 1. Okto­ber spricht.

Die wich­tig­ste Ope­ra­ti­on ist der Kauf einer Luxus­im­mo­bi­lie in der Lon­do­ner Sloa­ne Ave­nue, die den Vati­kan 200 Mil­lio­nen Dol­lar kostet. Durch­ge­führt wur­de er ab 2014 über „ver­schlun­ge­ne und wenig ver­trau­ens­wür­di­ge“ Wege durch die Erste Sek­ti­on des Staats­se­kre­ta­ri­ats, die vom dama­li­gen Sub­sti­tu­ten des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs, Msgr. Ange­lo Becciu, gelei­tet wur­de. Becciu wur­de inzwi­schen von Papst Fran­zis­kus zum Kar­di­nal erho­ben und als Prä­fekt an die Spit­ze der Kon­gre­ga­ti­on für die Selig- und Hei­lig­spre­chungs­ver­fah­ren beför­dert.

Der von Papst Fran­zis­kus fal­len­ge­las­se­ne Kar­di­nal Pell hat­te sich als Prä­fekt des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats erfolg­los gegen den Kauf gestemmt. Was Pell damals noch weni­ger ahn­te: Er mach­te sich damit eini­ge ein­fluß­rei­che Per­so­nen zu Geg­nern.

Zum Nach­fol­ger von Becciu als Sub­sti­tut mach­te Fran­zis­kus den Vati­kan­di­plo­ma­ten Edgar Peña Par­ra. Die­ser ersuch­te Anfang 2019 die Vati­kan­bank IOR um eine wei­te­re gro­ße Sum­me, um die Ange­le­gen­heit mit dem vor sei­ner Zeit getä­tig­ten Immo­bi­li­en­kauf abzu­schlie­ßen. Das IOR ver­wei­ger­te die Sum­me jedoch und erstat­te­te Anzei­ge bei der vati­ka­ni­schen Justiz­be­hör­de – auch gegen die AIF wegen Unter­las­sung der Auf­sichts­pflicht.

  • Die erste Fol­ge die­ser Anzei­gen waren die erwähn­ten Haus­durch­su­chun­gen in den Räu­men der AIF und eines Amtes im Staats­se­kre­ta­ri­at.
  • Die zwei­te Fol­ge war im Gegen­zug die Ent­las­sung des Kom­man­dan­ten des Gen­dar­me­rie­korps des Vati­kans, die offi­zi­ell als Rück­tritt aus­ge­ge­ben wur­de.

Die­se Wider­sprüch­lich­keit läßt den Macht­kampf zwi­schen unter­schied­li­chen vati­ka­ni­schen Stel­len erken­nen, der hin­ter den Kulis­sen statt­fin­det.

Ins Visier geriet auch der nun­meh­ri­ge Kar­di­nal­prä­fekt Ange­lo Becciu. Zu den fünf sus­pen­dier­ten Vati­kan­funk­tio­nä­ren gehört Msgr. Mau­ro Car­li­no, der zuvor Becci­us Sekre­tär war. Soweit bis­her bekannt wur­den, ver­dien­ten sich mit dem Kauf der Lon­do­ner Immo­bi­lie in der Sloa­ne Ave­nue hin­ter­ein­an­der zwei vom Vati­kan hin­zu­ge­zo­ge­ne „Finanz­ex­per­ten“ eine gol­de­ne Nase im zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich, einer unter Becciu, der ande­re unter des­sen Nach­fol­ger Peña Par­ra. Das Geld stamm­te aus dem Peters­pfen­nig, den Spen­den der Gläu­bi­gen der gan­zen Welt zur Unter­stüt­zung der apo­sto­li­schen und kari­ta­ti­ven Akti­vi­tä­ten des Hei­li­gen Stuhls.

Um die Immo­bi­lie, die 1911 von Har­rods errich­tet wur­de, gewinn­brin­gend ver­mie­ten zu kön­nen, müs­sen wei­te­re Mil­lio­nen für Umbau­ar­bei­ten in die Hand genom­men wer­den.

Becciu ver­tei­dig­te den gan­zen Okto­ber hin­durch sein Vor­ge­hen mit Vehe­menz. Am 30. Okto­ber stieg dann Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin selbst in den Ring. Das Ver­hält­nis zwi­schen Paro­lin und sei­nem ehe­ma­li­gen Sub­sti­tu­ten Becciu gehört nicht zu den besten, obwohl bei­de treue Ber­go­glia­ner sind. Den­noch hielt sich der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär lan­ge aus dem Spiel. Ende Okto­ber bezeich­ne­te er plötz­lich die Lon­do­ner Immo­bi­li­en­ope­ra­ti­on als „undurch­sich­tig“ und for­der­te die Justiz des Vati­kans auf, Klar­heit zu schaf­fen.

Die Reak­ti­on von Becciu erfolg­te, so Magi­ster, „sofort und stür­misch“. „Es gab nichts Undurch­sich­ti­ges“, ließ der heu­ti­ge Prä­fekt der Hei­lig­spre­chungs­kon­gre­ga­ti­on wis­sen. Mit den Anschul­di­gun­gen wol­le man ihn ledig­lich mit „Dreck bewer­fen“.

Der IDI-Kauf

Doch da geriet bereits eine ande­re Finanz­ope­ra­ti­on Becci­us aus sei­ner Zeit als Sub­sti­tut am Staats­se­kre­ta­ri­at ins Visier: der Kauf eines beacht­li­chen Anteils am Isti­tu­to Der­mo­pa­ti­co dell’Immacolata (IDI), eines hoch­spe­zia­li­sier­ten der­ma­to­lo­gi­schen Kran­ken­hau­ses mit Krebs­for­schungs­zen­trum in Rom, das einer Ordens­ge­mein­schaft gehör­te, aber bank­rott ging.

Für den Ankauf hat­te Becciu 2015 vom IOR einen gro­ßen Kre­dit bean­tragt, der ihm ver­wei­gert wur­de, weil die Vati­kan­bank befürch­te­te, das Geld nie wie­der­zu­se­hen. Auch Kar­di­nal Pell hat­te sich dage­gen aus­ge­spro­chen.

Becciu wand­te sich dar­auf an die Güter­ver­wal­tung des Apo­sto­li­schen Stuhls APSA, die damals von Kar­di­nal Dome­ni­co Cal­ca­g­no gelei­tet wur­de, der bei Fran­zis­kus in Gunst stand. Die APSA gewähr­te das Geld.

Da aber auch sie nicht mit einer Rück­zah­lung rech­ne­te, woll­te sie als Garan­tie im Gegen­zug eine Schen­kung von der US-ame­ri­ka­ni­schen Papst­stif­tung Papal Foun­da­ti­on im Wert von 25 Mil­lio­nen Dol­lar. Eine so gro­ße Ein­zel­sum­me war für die Stif­tung, die in erster Linie sozia­le Pro­jek­te des jeweils regie­ren­den Pap­stes unter­stützt, völ­lig unge­wöhn­lich. Um die Stif­tungs­gre­mi­en zu über­zeu­gen, mobi­li­sier­ten die Kar­di­nä­le McCarrick und Wuerl, die damals bei­de dem Stif­tungs­rat ange­hör­ten.

Der 2018 in Ungna­de gefal­le­ne Kar­di­nal Theo­do­re McCarrick war gewis­ser­ma­ßen der Erfin­der und Grün­der der Stif­tung und vie­le Jah­re ihr Prä­si­dent. Als sei­nen Nach­fol­ger instal­lier­te er sei­nen Nach­fol­ger als Erz­bi­schof von Washing­ton und Ver­trau­ten, Kar­di­nal Wuerl. Bei­de muß­ten wegen des sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dals in den USA, der im Som­mer 2018 ans Tages­licht kam, ihre Stel­lun­gen inzwi­schen räu­men. McCarrick ver­lor die Kar­di­nal­s­wür­de und wur­de lai­siert. Kar­di­nal Wuerl muß­te als Erz­bi­schof von Washing­ton zurück­tre­ten.

Ende 2017 hat­te McCarrick aber noch erreicht, daß die Stif­tung 13 Mil­lio­nen an den Vati­kan aus­schüt­te­te. Dage­gen gab es intern erheb­li­chen Wider­stand von Sei­ten der Lai­en im Stif­tungs­rat. Nach­dem McCarrick und Wuerl gestürzt waren, gelang es der Stif­tung Anfang 2019, die Schen­kung in ein Dar­le­hen umzu­wan­deln, das zurück­ge­zahlt wer­den muß.

Solan­ge Becciu Sub­sti­tut des Kar­di­nal­staats­se­kre­tärs war, also bis zum 29. Juni 2018, sei „all­ge­mein bekannt“ gewe­sen, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster, daß er beim Kauf der IDI-Antei­le eine zen­tra­le Rol­le spiel­te.

„Heu­te bestrei­tet Becciu, damit zu tun gehabt zu haben. Vor weni­gen Tagen kam ihm plötz­lich auch Kar­di­nal Paro­lin zu Hil­fe.“

Der Kar­di­nal­staats­se­kre­tär erklär­te gegen­über CNA, selbst den IDI-Kauf durch Ein­bin­dung von APSA und Papal Foun­da­ti­on abge­wickelt zu haben. Zugleich bestritt er, daß es eine „Kuri­en­ver­schwö­rung“ gebe, um Becciu zu bela­sten. Aller­dings mit einem Zusatz: Soll­te es Unre­gel­mä­ßig­kei­ten gege­ben haben, „ver­ur­tei­le ich sie auf das Schärf­ste“.

„Einem exter­nen Beob­ach­ter ist nicht klar, was genau an der Sache wahr und in die­sem Spiel zwi­schen dem amtie­ren­den Kar­di­nal­staats­se­kre­tär und jenem Mann gespielt ist, der von 2013 bis 2018 sein Sub­sti­tut war. Tat­sa­che ist, daß der voll­zo­ge­ne Kauf der IDI-Antei­le durch das Staats­se­kre­ta­ri­at mit­tels APSA gegen die euro­päi­schen Bank­be­stim­mun­gen von 2012 zu ver­sto­ßen scheint, die von Money­val über­wacht wer­den, und die es der APSA als Zen­tral­bank des Vati­kans unter­sa­gen, ein­zel­nen Per­so­nen Kre­di­te zu gewäh­ren und an Han­dels­ge­schäf­ten teil­zu­neh­men.“

Money­val ist ein 1997 geschaf­fe­nes Exper­ten­ko­mi­tee zur Über­prü­fung von Maß­nah­men gegen Geld­wä­sche und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung. Es gilt als das wich­tig­ste Über­wa­chungs­in­stru­ment des Euro­pa­rats im Kampf gegen Geld­wä­sche.

Die APSA und der Fall Zanchetta

Doch es gibt noch eine wei­te­re Ange­le­gen­heit, die Fran­zis­kus bei sei­ner Rück­kehr aus Japan auf sei­nem Schreib­tisch vor­fin­den wird. Eine Ange­le­gen­heit, die „für ihn noch hei­ßer ist“ und eben­falls mit der APSA zu tun hat. Gegen Bischof Gusta­vo Zan­chet­ta wur­de ver­gan­ge­ne Woche von der argen­ti­ni­schen Staats­an­walt­schaft ein inter­na­tio­na­ler Haft­be­fehl aus­ge­stellt. Zan­chet­ta war vor zwei Jah­ren von Papst Fran­zis­kus als Asses­sor bei der APSA ein­ge­setzt wor­den, nach­dem er eini­ge Mona­te zuvor sein Bis­tum in Argen­ti­ni­en flucht­ar­tig ver­las­sen hat­te und abge­taucht war. Die Ernen­nung sorg­te damals nicht nur wegen der per­sön­li­chen Inter­ven­ti­on von Fran­zis­kus zugun­sten Zan­chet­tas für Auf­se­hen, son­dern auch des­halb, weil der Bischof kei­ne Vor­aus­set­zun­gen für den Posten mit­brach­te. Grund für sei­ne Flucht aus Argen­ti­ni­en waren aber nicht der Zustand der Finan­zen in sei­nem Bis­tum, son­dern ein homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben. Ihm wird die sexu­el­le Kor­rum­pie­rung eige­ner Semi­na­ri­sten vor­ge­wor­fen.

Gegen Zan­chet­ta wur­de des­halb zum argen­ti­ni­schen Ver­fah­ren auch ein kirch­li­ches Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet. Seit sei­nem Auf­tau­chen in Rom vor knapp zwei Jah­ren wohn­te Zan­chet­ta in San­ta Mar­ta wie Papst Fran­zis­kus. Laut Anga­ben sei­nes Rechts­bei­stan­des will er aber nach Argen­ti­ni­en zurück­keh­ren, um sich der Gerichts­be­hör­de zu stel­len.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

3 Kommentare

  1. Was muss noch alles gesche­hen,
    damit wir Chri­sten erken­nen,
    wie der „schwar­ze Rauch“ im Vati­kan, sich
    immer grö­ßer ent­wickelt?

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