Der ungewöhnliche Wunsch von Papst Franziskus

Kardinal McCarrick und die Papststiftung

Papst Franziskus mit Kardinal Wuerl und Kardinal McCarrick (inzwischen Ex-Kardinal) bei einem Empfang für eine US-Stiftung namens The Papal Foundation.
Papst Franziskus mit Kardinal Wuerl und Kardinal McCarrick (inzwischen Ex-Kardinal) bei einem Empfang für eine US-Stiftung namens The Papal Foundation. Bild: Empfang für die Stiftung im April 2017 - der letzte.

(Rom/New York) Immer neue Ent­hül­lun­gen geben dem Ein­fluß einer „kirch­li­chen Mafia an den Schalt­he­beln“, so Ripo­ste Catho­li­que, deut­li­cher Kon­tu­ren. Dabei geht es auch um The Papal Foun­da­ti­on, eine in Euro­pa weit­ge­hend unbe­kann­te Stif­tung mit Sitz in den USA.

Auf­ga­be die­ser wohl­tä­ti­gen Ein­rich­tung ist das Geld­sam­meln unter US-Katho­li­ken zur finan­zi­el­len Unter­stüt­zung von päpst­li­chen Pro­jek­ten. Kon­kret wer­den dem regie­ren­den Papst die Mit­tel zur Ver­fü­gung gestellt, um den Ärm­sten der Armen hel­fen zu kön­nen, auf päpst­li­chen Wunsch hin den Bau und Unter­halt von Schu­len zu finan­zie­ren und Schü­ler und Stu­den­ten mit Sti­pen­di­en zu unter­stüt­zen. Ein­zi­ger Antrags­stel­ler an die Stif­tung ist der Papst selbst.

The Papal Foundation
The Papal Foun­da­ti­on

Mit­glie­der wer­den kön­nen phy­si­sche oder juri­di­sche Per­so­nen, ob Fir­men, Stif­tun­gen oder Orga­ni­sa­tio­nen. Wer Mit­glied wird, ver­pflich­tet sich, inner­halb der näch­sten zehn Jah­re min­de­stens eine Mil­li­on Dol­lar zu spen­den, wobei jedes Mit­glied jähr­lich min­de­stens 100.000 Dol­lar zur Ver­fü­gung zu stel­len hat. Mit ihrem Geld kön­nen die Spen­der leib­li­che Wer­ke der Barm­her­zig­keit ver­rich­ten, nicht indem sie es direkt tun, son­dern dem Papst die Aus­wahl der zu för­dern­den Per­so­nen über­las­sen.

Das Stif­tungs­ver­mö­gen wur­de im ver­gan­ge­nen Früh­jahr mit 206 Mil­lio­nen US-Dol­lar bezif­fert. 1990 erfolg­te die erste Zah­lung an Rom. Anfangs waren es eine Mil­li­on Dol­lar im Jahr, um 2000 drei Mil­lio­nen jähr­lich und 2015 ins­ge­samt sogar 15 Mil­lio­nen.

Inzwi­schen ist die „Papst­stif­tung“ in den Kon­flikt hin­ein­ge­zo­gen wor­den, der um die katho­li­sche Kir­che in den USA ent­brannt ist. Ein Kon­flikt, der von Papst Fran­zis­kus aus Rom befeu­ert wird, aber in jüng­ster Zeit eine uner­war­te­te Wen­dung nahm.

Grund dafür ist der sexu­el­le Miß­brauchs­skan­dal, der die Kir­che in den USA beu­telt. Zudem steht der Vor­wurf im Raum, daß Stif­tungs­mit­tel miß­bräuch­lich Ver­wen­dung ver­wen­det wor­den sei­en. Er könn­te noch ein juri­sti­sches Nach­spiel haben.

Dabei geht es nicht nur, aber auch um die Kon­trol­le über die Geld­mit­tel. Unter US-Katho­li­ken wächst der Unmut über die Miß­brauchs­skan­da­le einer­seits, die päpst­li­che Amts­füh­rung ande­rer­seits und über die damit ver­bun­de­nen Angrif­fe auf glau­bens­treue Kir­chen­krei­se in den USA. Anders aus­ge­drückt: Gläu­bi­ge US-Katho­li­ken, die den Kurs von Papst Fran­zis­kus immer weni­ger mit­tra­gen kön­nen, sind es zuneh­mend leid, von Rom beschimpft zu wer­den, aber Geld nach Rom zah­len zu sol­len.

Und nun der Rei­he nach.

Die Stiftung war für McCarrick „ein Hebel in Rom“

Erz­bi­schof Theo­do­re McCarrick, der im ver­gan­ge­nen Juli sei­ne Kar­di­nal­s­wür­de ver­lor, weil gegen ihn mas­si­ve sexu­el­le Miß­brauchs­vor­wür­fe laut wur­den, gehör­te 1988 zu den Grün­dern von The Papal Foun­da­ti­on. Das erstaunt wei­ter nicht, da alle in den USA resi­die­ren­den Kar­di­nä­le auto­ma­tisch Mit­glie­der des Stif­tungs­ra­tes sind. Die Stif­tung ist zwar kein McCarrick-Pro­jekt, aber sein Name ist wie der kei­nes ande­ren US-Prä­la­ten mit der Stif­tung ver­knüpft. Des­halb steht die Fra­ge im Raum, ob McCarrick sei­ne Posi­ti­on am Geld­hahn auch für eigen­nüt­zi­ge Zwecke ein­setz­te. Immer­hin war er vie­le Jah­re lang Stif­tungs­rats­vor­sit­zen­der

Seit dem Pur­pur­ver­lust McCarricks besteht der Vor­stand aus neun Kar­di­nä­len. Dazu kom­men noch ein­mal sechs Erz­bi­schö­fe und Bischö­fe und neun Lai­en, die von den Kar­di­nä­len bestellt wer­den.

Im ver­gan­ge­nen Juli, als der McCarrick-Skan­dal los­brach, zitier­te die Washing­ton Post Ste­ve Schneck, den lang­jäh­ri­gen Lei­ter des Insti­tu­te for Poli­cy Rese­arch and Catho­lic Stu­dies an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Ame­ri­ka (CUA) mit den Wor­ten:

„Die Papst­stif­tung war für ihn [McCarrick] ein gro­ßer Hebel in Rom“.

Schneck selbst arbei­te­te oft mit McCarrick zusam­men:

„Es gibt kei­ne katho­li­sche Orga­ni­sa­ti­on in den USA, für die er kein Geld gesam­melt hat“.

Wer Geld bringt, ist meist gern­ge­se­hen. McCarrick war ein tüch­ti­ger Fund­rai­ser, wie die Bran­chen­be­zeich­nung für „Sozi­al­mer­ke­ting“ auch im deut­schen Sprach­raum heu­te lau­tet.

Das bankrotte Krankenhaus und die Kongo-Tantiemen

Im ver­gan­ge­nen Früh­jahr gelang­te die dis­kret arbei­ten­de Stif­tung durch eine Kon­tro­ver­se in die öffent­li­chen Schlag­zei­len. Life­Si­teNews ver­öf­fent­lich­te inter­ne Doku­men­te über einen außer­ge­wöhn­li­chen Zuschuß, den die Stif­tung dem Vati­kan gewäh­ren soll­te.

Das IDI-Rom, Mißwirtschaft, Geldwäsche, Veruntreuung
Das IDI-Rom, Miß­wirt­schaft, Geld­wä­sche, Ver­un­treu­ung

Im Juni 2017 teil­te Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin dem vor­sit­zen­den Kar­di­nal der Stif­tung, Donald Wuerl, Erz­bi­schof von Washing­ton, einen beson­de­ren Wunsch von Papst Fran­zis­kus mit. Die Stif­tung sol­le 25 Mil­lio­nen Dol­lar für einen Neu­start des Der­ma­to­lo­gi­schen Kran­ken­hau­ses samt Krebs­for­schungs­zen­trum in Rom zur Ver­fü­gung stel­len. Gemeint ist das Isti­tu­to Der­mo­pa­ti­co dell’Immacolata (IDI), ein hoch­spe­zia­li­sier­tes, ordens­ei­ge­nes Kran­ken­haus der Söh­ne der Unbe­fleck­ten Emp­fäng­nis (Con­gre­ga­tio Filio­rum Imma­cu­la­tae Con­cep­tio­nis, CFIC). Der Orden wur­de 1857 vom Lai­en­bru­der Lui­gi Maria Mon­ti gegrün­det, um in Rom Kran­ken und Ster­ben­den bei­zu­ste­hen. 1865 päpst­lich aner­kannt, wur­de die Bru­der­schaft 1904 in einen geist­li­chen Orden umge­wan­delt, dem auch Prie­ster ange­hö­ren. 1925 erfolg­te die Grund­stein­le­gung für das Kran­ken­haus, in dem wäh­rend der deut­schen Besat­zung in der Ewi­gen Stadt eine grö­ße­re Zahl von Juden ver­steckt wur­de. Das Kran­ken­haus genoß schnell einen sehr guten Ruf.

Der Orden wirkt heu­te auf vier Kon­ti­nen­ten. Das IDI war der Aug­ap­fel der ita­lie­ni­schen Ordens­pro­vinz, geriet aber in die fal­schen Hän­de. Aus dem Vor­zei­ge­pro­jekt wur­de das „Skan­dal­kran­ken­haus“, wie es ita­lie­ni­sche Medi­en nann­ten. Das bezog sich nicht auf die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung, aber auch eine skan­da­lö­se Geschäfts­füh­rung. Im Dezem­ber 2011 war das 250-Bet­ten-Kran­ken­haus bank­rott. Das gan­ze Aus­maß des Skan­dals wur­de erst im Lau­fe der näch­sten Jah­re bekannt. Fünf Jah­re hat­ten den Ver­ant­wort­li­chen „genügt“, um die renom­mier­te Kli­nik finan­zi­ell an die Wand zu fah­ren. Wie die ita­lie­ni­sche Staats­an­walt­schaft schrieb, hat­te die Geschäfts­lei­tung einen Schul­den­berg von fast einer Mil­li­ar­de Euro ange­häuft. „Mehr Schul­den, als 20 Staa­ten die­ser Welt haben“, so Life­Si­teNews.

2013 wur­den die drei Haupt­ver­ant­wort­li­chen ver­haf­tet, dar­un­ter auch ein Prie­ster. Der Vor­wurf lau­te­te Insol­venz­be­trug, Geld­wä­sche und Unter­schla­gung. Dem ver­haf­te­ten Prie­ster, P. Fran­co Deca­mi­na­da, wur­de unter ande­rem vor­ge­wor­fen, einen Teil von 14 ver­un­treu­ten Mil­lio­nen Euro auch für sich abge­zweigt zu haben. Nicht aus den Kas­sen des Kran­ken­hau­ses, son­dern der Ordens­pro­vinz. Zudem habe er „ohne jede Begrün­dung“ zwei Mil­lio­nen Bar­geld aus den Kas­sen des Kran­ken­hau­ses ent­nom­men, so der Unter­su­chungs­rich­ter, der den Haft­be­fehl bestä­tig­te. Die Staats­an­walt­schaft beschlag­nahm­te eine Vil­la in der Tos­ka­na, die einer Immo­bi­li­en­ge­sell­schaft gehör­te, die sich im Besitz von Pater Deca­mi­na­da befand. Für Umbau­ar­bei­ten in der Vil­la sei­en wei­te­re mehr als 900.000 Euro miß­bräuch­lich aus dem Kran­ken­haus umge­lei­tet wor­den, so der römi­sche Staats­an­walt Miche­le Nar­di.

Auf­ge­bläh­te Kosten, fal­sche Rech­nun­gen und der Schat­ten der ´Ndran­ghe­ta, der kala­bri­schen Mafia, die am Geld­fluß mit­ge­saugt haben soll. Im Kon­go habe der Orden als Gegen­lei­stung für medi­zi­ni­sche Lei­stun­gen vom Staat Tan­tie­men aus der Erd­öl­för­de­rung erhal­ten. Sie wur­den über eine in Luxem­burg regi­strier­te Gesell­schaft ver­wal­tet. Aller­dings sei­en 50 Pro­zent davon direkt in die Taschen „von P. Deca­mi­na­da und sei­nen Leu­ten“ gewan­dert, so Staats­an­walt Nar­di.

Ein kontroverser „Wunsch“ von Papst Franziskus

Den Zuschuß, den Papst Fran­zis­kus für das Kran­ken­haus woll­te, war hun­dert­mal höher als die übli­chen Ein­zel­zu­schüs­se, die von der Papst­stif­tung in den USA in der Regel gewährt wur­den.

Papst Franziskus mit Kardinal Wuerl und Kardinal McCarrick (Mitte)
Papst Fran­zis­kus mit Kar­di­nal Wuerl und Kar­di­nal McCarrick (Mit­te)

Kar­di­nal Wuerl brach­te den Wunsch des Pap­stes noch im Juni 2017 in den Stif­tungs­rat und über­rum­pel­te des­sen Mit­glie­der. Unter­stützt wur­de er dabei tat­kräf­tig von Kar­di­nal McCarrick. Im August 2017 zahl­te die Stif­tung tat­säch­lich acht Mil­lio­nen an den Vati­kan. Bereits damals hat­ten eini­ge Stif­tungs­rä­te Bauch­schmer­zen, wuß­ten aber über die Hin­ter­grün­de des Geld­flus­ses noch nicht Bescheid.

Es waren die Lai­en in der Stif­tung, die nach­bohr­ten und Aus­kunft woll­ten, und je mehr aus Ita­li­en bekannt wur­de, desto empör­ter wur­de die Stim­mung. Wie konn­te der „Papst der Armen“ Gel­der, die für wohl­tä­ti­ge Zwecke bestimmt waren, zur Sanie­rung kor­rup­ter Miß­wirt­schaft ein­set­zen? Erste Spen­der kün­dig­ten ihre Mit­glied­schaft und zogen sich aus der Stif­tung zurück.

Obwohl die Lai­en dage­gen waren, stimm­ten die Kar­di­nä­le und Bischö­fe im Dezem­ber für eine wei­te­re Zah­lung von fünf Mil­lio­nen Dol­lar. Das Geld wur­de im Janu­ar 2018 über­wie­sen. Damit war Feu­er am Dach.

Ein ein­ge­setz­ter Prü­fungs­aus­schuß der Stif­tung tadel­te die Ent­schei­dung. Sie sei „ver­ant­wor­tungs­los, unge­recht­fer­tigt und rück­sichts­los“. Man wer­de Schwie­rig­kei­ten haben, künf­tig Spen­der zu fin­den, wenn das Geld auf sol­che Wei­se ein­ge­setzt wer­de.

Die Spender sind „keine Melkkühe“

Im Catho­lic Herald schrieb James Lon­gon, Mit­glied des Prü­fungs­aus­schus­ses, im März 2018 über die Lai­en wie ihn, also die eigent­li­chen Geld­ge­ber: Das „sind Geschäfts­leu­te von gro­ßem Scharf­sinn, mit lang­jäh­ri­ger Erfah­rung und außer­ge­wöhn­li­chen Lei­stun­gen“. Sein Vor­wurf: Wie kön­ne man von seriö­sen Geschäfts­leu­ten ver­lan­gen, die sich ihr Geld anstän­dig und unter Mühen ver­die­nen, daß sie ihr Geld zur Berei­ni­gung von Miß­wirt­schaft, Kor­rup­ti­on und Unter­schla­gung ein­set­zen. Das sei „gro­ber Miß­brauch“. Die Spen­der sei­en „Ver­wal­ter“ und kei­ne „Melk­kü­he“, so Lon­gon, der aus Pro­test aus der Stif­tung aus­trat. „Ich bin 73 Jah­re alt und kom­me dem Gericht näher“, da kön­ne er so etwas nicht mit­tra­gen.

Im Frühjahr 2018 geriet der Streit in der Stiftung in die Schlagzeilen
Im Früh­jahr 2018 geriet der Streit in der Stif­tung in die Schlag­zei­len

Für Empö­rung sorg­te, daß Kar­di­nal Wuerl wegen der Wider­stän­de in der Stif­tung zu Mit­teln griff, die bis dahin unüb­lich waren. Die Bischö­fe stimm­ten mit einer Aus­nah­me im Block für die Über­wei­sung an Rom. Es habe star­ker Grup­pen­zwang geherrscht. Nie­mand von den Prä­la­ten woll­te als „Geg­ner des Pap­stes“ daste­hen.

Die Kar­di­nä­le Wuerl und McCarrick ver­such­ten wegen der Miß­stim­mung auch noch die Zah­lung der ver­blei­ben­den 12 Mil­lio­nen mög­lichst rasch über die Büh­ne zu brin­gen. Sie argu­men­tier­ten mit einer „Not­la­ge“, in der sich das Kran­ken­haus befin­de, wes­halb eili­ges Han­deln drin­gend not­wen­dig sei. Als die Lai­en in Erfah­rung brach­ten, daß der Vati­kan in Wirk­lich­keit noch nicht ein­mal die acht Mil­lio­nen von August 2017 an das Kran­ken­haus wei­ter­ge­lei­tet hat­te, war der Unmut per­fekt. Wei­te­re Spen­der droh­ten mit Rück­zug. Die Sache wur­de so ernst, daß Kar­di­nal Wuerl schließ­lich Papst Fran­zis­kus ersu­chen muß­te, auf die Über­wei­sung der rest­li­chen Sum­me zu ver­zich­ten.

Papst Fran­zis­kus reagier­te ver­är­gert und sag­te den jähr­li­chen Emp­fang für die Stif­tung im März ab. Kein Geld, kei­ne Audi­enz.

„Das ist Kle­ri­ka­lis­mus“, schrieb der Catho­lic Herald.

Der „Papst der Armen“ schlug den Spen­dern die Tür vor der Nase zu, als er nicht bekam, was er woll­te. Und was er woll­te, war nicht für die Armen, son­dern zur Berei­ni­gung einer schuld­haf­ten, kor­rup­ten Miß­wirt­schaft.

Das erklärt, war­um ein Laie unter den Stif­tungs­rä­ten als einer der maß­geb­li­chen Orga­ni­sa­to­ren von The Bet­ter Church Gover­nan­ce Group gilt. Die­se Grup­pe ver­sam­mel­te sich am 1. Okto­ber an er Katho­li­schen Uni­ver­si­tät in Washing­ton und beschloß mehr als 1,2 Mil­lio­nen Dol­lar ein­zu­set­zen, um alle wahl­be­rech­tig­ten Kar­di­nä­le zu durch­leuch­ten. Damit sol­le ein wei­te­rer Fall McCarrick ver­hin­dert wer­den. Nicht so deut­lich gesagt, aber offen­bar gemeint war, daß auch ein wei­te­rer Fall Ber­go­glio ver­mie­den wer­den soll­te, näm­lich die Wahl eines Pap­stes, von dem kaum jemand etwas wuß­te, weder was er denkt noch für wel­ches Kir­chen­ver­ständ­nis er steht.

McCarricks Interessenskonflikt

Die Anwe­sen­heit McCarricks im Stif­tungs­rat könn­te noch ein recht­li­ches Nach­spiel haben. McCarrick, damals noch Kar­di­nal, nahm zwi­schen Juni 2017 und April 2018 an allen vier Sit­zun­gen des Stif­tungs­ra­tes teil, in denen es um den 25-Mil­lio­nen-Dol­lar-Zuschuß von Papst Fran­zis­kus ging.

McCarrick unter­stütz­te den päpst­li­chen Wunsch mit Nach­druck, wie ver­schie­de­ne Quel­len bestä­tig­ten. Mit Aus­nah­me der Juni-Sit­zung stand er wäh­rend der ande­ren drei Sit­zun­gen bereits unter Ermitt­lung. Der Anstoß dazu kam weni­ge Wochen vor der Juni-Sit­zung. Spä­te­stens seit Okto­ber 2017 wuß­te McCarrick, laut First Things, daß gegen ihn ermit­telt wird. Er stimm­te jeweils für die Geld­über­wei­sun­gen an den Vati­kan. Sei­ne Kar­di­nal­s­wür­de, und damit sei­nen Sitz im Stif­tungs­rat, ver­lor er erst am 28. Juli 2018.

Damit steht die Fra­ge im Raum, ob und wel­che Rol­le die Geld­flüs­se für sei­ne Posi­ti­on im Vati­kan spiel­ten. First Things spricht von einem „schwer­wie­gen­den Inter­es­sens­kon­flikt“. Gegen McCarrick wur­de von der Stel­le ermit­telt, für die er Geld­zu­wen­dun­gen beschloß. Durf­te er dafür im Gegen­zug auf Mil­de hof­fen? Galt das auch schon in den Jah­ren zuvor, seit er 1988 die Stif­tung grün­de­te und ab 1990 Gel­der nach Rom flie­ßen ließ?

Laut First Things könn­te er auch in Kon­flikt mit der Rechts­ord­nung des Staa­tes Penn­syl­va­nia gera­ten sein. Um steu­er­be­freit zu sein, müs­sen wohl­tä­ti­ge Orga­ni­sa­tio­nen bestimm­te Auf­la­gen erfül­len, unter ande­rem eine Über­prü­fung, ob der Ver­wen­dungs­zweck der gewähr­ten Mit­tel ein­ge­hal­ten wird. Zudem hät­te, so die Mei­nung von Juri­sten, McCarrick wegen des Inter­es­sen­kon­flik­tes sei­nen Sitz im Stif­tungs­rat ruhend stel­len müs­sen oder zumin­dest nicht an den Abstim­mun­gen teil­neh­men dür­fen. Er könn­te gegen gel­ten­des Recht ver­sto­ßen haben. Damit könn­ten auch die Beschlüs­se ange­foch­ten und der Vati­kan zur Rück­zah­lung der bereits über­wie­se­nen 13 Mil­lio­nen Dol­lar ver­an­laßt wer­den.

Kardinal Pells Abgang aus Rom

Zeit­lich fällt der päpst­li­che Wunsch, den Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin im Juni 2017 Kar­di­nal Wuerl mit­teil­te, mit dem Abschied von Kar­di­nal Geor­ge Pell aus Rom zusam­men. Pell ver­ließ im sel­ben Monat den Vati­kan und kehr­te nach Austra­li­en zurück, um sich gegen Vor­wür­fe im Zusam­men­hang mit sexu­el­lem Miß­brauch zu ver­tei­di­gen. An er Römi­schen Kurie war er Prä­fekt des neu­errich­te­ten Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats. For­mal gese­hen ist er es immer noch, aller­dings der­zeit außer Dienst. Pell haf­tet nicht nur der Ruf eines ernst­haf­ten Ver­fech­ters der Null­to­le­ranz an, son­dern auch der eines guten Ver­wal­ters. Dadurch geriet der frü­he­re Erz­bi­schof von Syd­ney schnell in Kon­flikt mit alten Seil­schaf­ten im Vati­kan, die die kei­ne Ein­mi­schung in ihre Finan­zen dul­de­ten.

Beson­ders häu­fig fiel dabei der Name von Kar­di­nal Dome­ni­co Cal­ca­g­no, Prä­fekt der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung (APSA). Papst Fran­zis­kus nahm auf die­se Krei­se, die kein Hehl dar­aus mach­ten, ihn gewählt zu haben, mehr Rück­sicht als auf Kar­di­nal Pell, der nicht zu den Ber­go­glia­nern gezählt wird. Die Zustän­dig­kei­ten des Wirt­schafts­se­kre­ta­ri­ats wur­den von Fran­zis­kus wie­der stark beschnit­ten, bevor sie über­haupt ange­wandt wer­den konn­ten. Zu Pells Abgang aus Rom schrieb der US-Vati­ka­nist Edward Pen­tin:

„Je län­ger Kar­di­nal Pell von Rom fern ist, desto wahr­schein­li­cher ist es, daß das finan­zi­el­le Fehl­ver­hal­ten der ‚alten Gar­de‘ anhält und die Finanz­re­for­men, an denen Pell gear­bei­tet hat, wei­ter ins Stocken gera­ten“.

McCarrick und sein Kreis

Nicht nur die Mit­glied­schaft und die Rol­le von McCarrick im Stif­tungs­rat The Papal Foun­da­ti­on erscheint aus heu­ti­ger Sicht pro­ble­ma­tisch. Das gilt für min­de­stens zwei wei­te­re Kir­chen­ver­tre­ter, die füh­ren­de Posi­tio­nen in der Stif­tung inne­hat­ten – zum Teil bis vor weni­gen Tagen.

McCarrick, des­sen homo­se­xu­el­les Dop­pel­le­ben vom Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, dem ehe­ma­li­gen Nun­ti­us in den USA, als „per­vers und dia­bo­lisch“ bezeich­net wur­de, war Grün­dungs­prä­si­dent der Stif­tung und blieb es vie­le Jah­re lang bis zu sei­ner Kar­di­nal­s­er­he­bung 2001.

Bransfield, noch vor kurzem als Stiftungspräsident geführt
Brans­field, noch vor kur­zem als Stif­tungs­prä­si­dent geführt

Bis zum 18. Sep­tem­ber 2018 war Msgr. Micha­el Brans­field, der Bischof von Whee­ling-Charles­ton, Stif­tungs­prä­si­dent. Sein Lebens­weg ist eng mit dem McCarricks ver­bun­den. Sein Pro­te­gé Brans­field wur­de Rek­tor der Basi­li­ka des Natio­nal Shri­ne of the Imma­cu­la­te Con­cep­ti­on in Washing­ton. Brans­field hat­te die­se pre­sti­ge­träch­ti­ge Posi­ti­on bis zu sei­ner Bischofs­er­nen­nung inne, die im Dezem­ber 2004 in den letz­ten Lebens­mo­na­ten von Papst Johan­nes Paul II. erfolg­te. Als Stif­tungs­prä­si­dent war McCarrick sein Vor­gän­ger. Im Zusam­men­hang mit dem Fall McCarrick wur­den im Penn­syl­va­nia-Report auch Vor­wür­fe gegen ihn erho­ben. Am 18. Sep­tem­ber 2018 nahm Papst Fran­zis­kus sei­nen Rück­tritt an, offi­zi­ell aus Alters­grün­den, inof­fi­zi­ell wegen der Vor­wür­fe. Mit sei­nem Rück­tritt gab der Vati­kan bekannt, daß Ermitt­lun­gen wegen sexu­el­len Fehl­ver­hal­tens und Miß­brauchs ein­ge­lei­tet wur­den.

Die Stif­tung lösch­te sei­nen Namen sofort von ihrem Inter­net­auf­tritt.

Der drit­te Name ist der von Tho­mas Bene­stad, der von 1988–2001 erster Geschäfts­füh­rer der Papst­stif­tung war. Auch ihm wird im Penn­syl­va­nia-Report sexu­el­ler Miß­brauch vor­ge­wor­fen. Der Vati­kan hat ihn vom Prie­ster­tum sus­pen­diert. 2014 wur­de er aber, weil in den USA ein Miß­brauchs­fall ver­jährt war, wie­der in sei­ne prie­ster­li­chen Rech­te ein­ge­setzt. Heu­te lebt er in Flo­ri­da, in einer Diö­ze­se, die ihm aller­dings die Aus­übung des prie­ster­li­chen Dien­stes ver­wei­gert.

Über der Stif­tung liegt der Schat­ten McCarricks und sei­ner Homo-Seil­schaf­ten. Dabei geht es auch um den Ver­dacht, sich sei­ne Posi­ti­on in der Stif­tung eigen­nüt­zig dienst­bar gemacht zu haben.

Alle Sei­ten sind sich der Bedeu­tung und des Ein­flus­ses der Stif­tung bewußt. Es besteht aber kein Zwei­fel, daß der­zeit jene katho­li­schen Krei­se in den USA den Auf­stand pro­ben, die es leid sind, aus Rom als „reli­giö­se Rech­te“ dis­kre­di­tiert und ange­fein­det zu wer­den, wäh­rend sie mit wach­sen­dem Miß­mut das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus beob­ach­ten und erle­ben müs­sen, wie das Anse­hen der gan­zen Kir­che mit Schmutz besu­delt wird, von Per­so­nen, die Fran­zis­kus beson­ders nahe­ste­hen. In die­sem auf­ge­bro­che­nen Kon­flikt geht es auch um The Papal Foun­da­ti­on.

Unbe­kannt ist auch, wer Papst Fran­zis­kus über­zeu­gen konn­te, bei der US-Stif­tung den 25-Mil­lio­nen-Zuschuß zu bean­tra­gen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Ripo­ste Catholique/The Papal Foundation/IDI (Screen­shots)