„Alle Kardinäle werden durchleuchtet“

Dossiers über alle Kardinäle
Neue katholische US-Organisation läßt alle wahlberechtigen Kardinäle durchleuchten und Dossiers von ihnen erstellen.

(Washing­ton) Eine neu­ge­grün­de­te katho­li­sche Orga­ni­sa­ti­on in den USA stellt eine Mil­li­on Dol­lar zur Ver­fü­gung, um die Kar­di­nä­le der Kir­che zu durch­leuch­ten.

Die Orga­ni­sa­ti­on nennt sich The Bet­ter Church Gover­nan­ce Group. Das Tref­fen, bei dem der Beschluß gefaßt wur­de, habe „pri­vat“ statt­ge­fun­den, so Crux, das katho­li­sche Nach­rich­ten­por­tal des Bos­ton Glo­be.

„Mißbrauch ahnden“

Nicht nur die US-Bischö­fe ste­hen durch den Penn­syl­va­nia-Bericht und den Fall des Skan­dal-Kar­di­nals Theo­do­re McCarrick beson­ders schwer in der Kri­tik. Papst Fran­zis­kus selbst steht in der Kri­tik. Das Viganò-Dos­sier des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA bela­stet ihn schwer. Erz­bi­schof Viganò for­der­te des­halb sei­nen Rück­tritt. Wäh­rend der Papst schweigt und die US-Bischö­fe im Rah­men der Bischofs­kon­fe­renz an neu­en Richt­li­ni­en arbei­ten, hat die neue Ver­ei­ni­gung 1.126.500 Dol­lar für Erhe­bun­gen über die Kar­di­nä­le zur Ver­fü­gung gestellt. Die­se Sum­me nur für das erste Jahr. Bei Bedarf wer­de der Fonds auf­ge­stockt.

The Better Church Governance Group
The Bet­ter Church Gover­nan­ce Group

Nicht jeder Pur­pur­trä­ger soll in Visier genom­men wer­den, aber alle Kar­di­nä­le, die in einem Kon­kla­ve wahl­be­rech­tigt sind. Das Ziel: Um„jene anzu­kla­gen, die glaub­haft eines Skan­dals, Miß­brauchs oder des­sen Ver­tu­schung beschul­digt wer­den“, so Crux.

The Bet­ter Church Gover­nan­ce Group traf sich am ver­gan­ge­nen Sams­tag an der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Ame­ri­ka (CUA) in Washing­ton D.C. Die Uni­ver­si­tät unter­steht direkt der Bischofs­kon­fe­renz. Pikan­ter­wei­se ist Kar­di­nal Donald Wuerl als Erz­bi­schof von Washing­ton ihr Groß­kanz­ler. Auch McCarrick übte die­ses Amt an der Uni­ver­si­tät aus.

Die Uni­ver­si­tät betont, weder mit dem Tref­fen noch der Orga­ni­sa­ti­on etwas zu tun zu haben. Bei­de Din­ge sei­en „strikt pri­vat“ und stün­den in kei­nem Zusam­men­hang zur Uni­ver­si­tät.

Derzeit 124 Kardinäle im Konklave wahlberechtigt

Rund 40 Per­so­nen fan­den sich am Sams­tag ein, um einen bei­spiel­lo­sen Beschluß zu fas­sen und die genann­te Sum­me auf­zu­bie­ten. Die Grup­pe hofft, bis 2020 einen voll­stän­di­gen Red Hat Report vor­lie­gen zu haben.

Der­zeit gibt es 124 Kar­di­nä­le, die das 80. Lebens­jahr noch nicht voll­endet haben, also im Kon­kla­ve wahl­be­rech­tigt sind, das den Nach­fol­ger von Papst Fran­zis­kus bestim­men wird. Die beauf­trag­te Ermitt­lungs­grup­pe umfas­se bereits rund ein­hun­dert Per­so­nen, dar­un­ter Pri­vat­de­tek­ti­ve, Pro­fes­so­ren, Exper­ten ver­schie­de­ner Berei­che und Jour­na­li­sten. Das Ziel der Ermitt­lun­gen sei es,

„die Hier­ar­chie der katho­li­schen Kir­che zu zwin­gen, für jeden Miß­brauch oder kor­rup­te Hand­lung zur Rechen­schaft gezo­gen zu wer­den und Ehr­lich­keit, Klar­heit und Treue in der Kir­chen­lei­tung zu för­dern“.

Die Ermitt­lun­gen bezie­hen sich aber nicht nur auf den der­zeit aktu­el­len Miß­brauchs­skan­dal. Ins­ge­samt sol­len Infor­ma­tio­nen gesam­melt wer­den, um Bio­gra­phien und Dos­siers über die ein­zel­nen Papst­wäh­ler zur Ver­fü­gung zu stel­len. Das hat sei­nen Grund.

Jacob Imam: Wäre Franziskus gewählt worden, wenn es 2013 schon Dossiers gegeben hätte?

Jacob Imam, der zustän­di­ge Lei­ter des Bet­ter Church Gover­nan­ce Group, erklär­te, daß sich die Akti­on in kei­ner Wei­se gegen Papst Fran­zis­kus rich­te. Zugleich beton­te er jedoch, sich wie­der­holt zu fra­gen, was gesche­hen wäre, wenn das Kon­kla­ve 2013 einen ande­ren Papst gewählt hät­te.

Jacob Imam, Leiter von Better Church Governance Group
Jacob Imam, Lei­ter von Bet­ter Church Gover­nan­ce Group

Beim Tref­fen sol­len die Anwe­sen­den dar­in über­ein­ge­kom­men sein, daß Papst Fran­zis­kus viel­leicht nicht gewählt wor­den wäre, wenn bereits 2013 ein ent­spre­chen­der Ermitt­lungs­be­richt vor­ge­le­gen hät­te, wie er nun von der Grup­pe in Auf­trag gege­ben wur­de.

Der US-Ame­ri­ka­ner Jacob Imam ist Kon­ver­tit. Vor drei Jah­ren kon­ver­tier­te er, damals schon Stu­dent der Ver­glei­chen­den Reli­gi­ons­wis­sen­schaft, vom Islam zum katho­li­schen Glau­ben. Nach sei­nem Stu­di­en­ab­schluß an der Bay­lor Uni­ver­si­tät wur­de er For­schungs­sti­pen­di­at der Mar­schall Scho­l­ar­ship an der Uni­ver­si­tät Oxford.

Er unter­streicht, daß die mei­sten Jour­na­li­sten, als das Ergeb­nis des Kon­kla­ves von 2013 bekannt wur­de, bei Wiki­pe­dia nach­schau­en muß­ten, um Infor­ma­tio­nen über den neu­en Papst zu bekom­men. Für Imam sei es sehr ris­kant, wenn auch die Wäh­ler, die einen Stell­ver­tre­ter Chri­sti bestim­men sol­len, der ver­mut­lich das Amt bis zu sei­nem Tod beklei­det, kaum etwas über ihren Mit­bru­der, des­sen Ideen und sei­ne Lebens­ge­schich­te wis­sen.

„Vie­le von uns, die in einer libe­ra­len, demo­kra­ti­schen Gesell­schaft auf­ge­wach­sen sind, wis­sen nicht immer, wie eine Hier­ar­chie kon­sti­tu­iert wird. Die Geschich­te bie­te aber vie­le Hin­wei­se und Heil­mit­tel.“

The Bet­ter Church Gover­nan­ce Group habe damit begon­nen, die Hin­wei­se und Heil­mit­tel zu sam­meln und zu syste­ma­ti­sie­ren.

Er und sei­ne Grup­pe sehen sich in der Pflicht, „zur Trans­pa­renz in der Kir­che bei­zu­tra­gen, und sie bei der Wah­rung ihrer Inte­gri­tät zu unter­stüt­zen“.

Die Grup­pe sucht noch jun­ge Aka­de­mi­ker, die bereit sind, gegen eine Ent­loh­nung von 25 Dol­lar die Stun­de bei den Ermitt­lun­gen mit­zu­wir­ken.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: InfoVaticana/The Bet­ter Churc Gover­nan­ce Group/Troubonline.com (Screen­shots)