[Update] Wird Kommandant der vatikanischen Gendarmerie gestürzt?

Unerwünschte Korruptionsermittlungen könnten die Karriere kosten

Steht Domenico Giani, seit Jahren Kommandant der vatikanischen Gendarmerie, vor dem Ende seiner Karriere?
Steht Domenico Giani, seit Jahren Kommandant der vatikanischen Gendarmerie, vor dem Ende seiner Karriere?

(Rom) Der Kom­man­dant der vati­ka­ni­schen Gen­dar­me­rie „ist in Ungna­de gefal­len“ und könn­te noch heu­te sein Amt durch „Rück­tritt“ ver­lie­ren. Papst Fran­zis­kus habe bereits ent­schie­den, so der Cor­rie­re del­la Sera.

Kom­man­dant des Gen­dar­me­rie­korps des Staa­tes der Vati­kan­stadt, so die offi­zi­el­le Bezeich­nung, ist seit 2006 Dome­ni­co Gia­ni, ein über­aus loya­ler Mann, im Rang eines Gene­ral­inspek­tors.

Sei­ne seit vie­len Jah­ren ver­trau­te Anwe­sen­heit in der Nähe des Pap­stes, zuerst von Johan­nes Paul II., dann von Bene­dikt XVI. und nun von Fran­zis­kus, weckt bei vie­len Katho­li­ken Ver­trau­en, da sie das Kir­chen­ober­haupt in Sicher­heit füh­len.

Grund für den plötz­li­chen Absturz des treu­en Poli­zei­chefs sind die jüng­sten Ermitt­lun­gen wegen irre­gu­lä­rer Immo­bi­li­en­ge­schäf­te, die zur Sus­pen­die­rung von fünf Mit­ar­bei­tern des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats führ­ten. Das Wochen­ma­ga­zin L’Espresso (der ita­lie­ni­sche Spie­gel) hat­te sie vom Kom­man­dan­ten unter­zeich­ne­te Dienst­an­wei­sung vom 2. Okto­ber 2019 mit den Namen und Fotos der vom Dienst sus­pen­dier­ten Mit­ar­bei­ter ver­öf­fent­licht.

Domenico Giani, seit 2006 Kommandant des Gendarmeriekorps
Dome­ni­co Gia­ni, seit 2006 Kom­man­dant des Gen­dar­me­rie­korps

Seit­her wird vati­kan­in­tern am Kar­rie­re­en­de des Gen­dar­me­rie­kom­man­dan­ten gear­bei­tet. Grund dafür ist nicht, wie der­zeit von eini­gen Medi­en kol­por­tiert, das Durch­sickern der genann­ten Infor­ma­tio­nen. Das war nur eine Fra­ge der Zeit, da die Dienst­an­wei­sung an die Gen­dar­men aus­ge­ge­ben wur­de, um die Sus­pen­dier­ten am Betre­ten des Vati­kans zu hin­dern, bzw. den in San­ta Mar­ta wohn­haf­ten Mon­si­gno­re im Auge zu behal­ten. Grund für den Zorn auf Gia­ni sind die Kor­rup­ti­ons­er­mitt­lun­gen gegen rang­ho­he Mit­ar­bei­ter des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats an sich.

Der Bericht der Tages­zei­tung Cor­rie­re del­la Sera (die ita­lie­ni­sche Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung) wird durch Il Sis­mo­gra­fo bestä­tigt, der halb­of­fi­ziö­sen Pres­se­schau des vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­ats.

„Die Stim­men wer­den lau­ter, eini­ge von gewich­ti­ger Sei­te, die einen Rück­tritt von Dome­ni­co Gia­ni, Kom­man­dant der Gen­dar­me­rie des Vati­kans, für die näch­sten Stun­den ankün­di­gen. Gia­ni soll das Rück­tritts­schrei­ben an den Hei­li­gen Vater und den Hei­li­gen Stuhl bereits ein­ge­reicht haben, das viel­leicht am mor­gi­gen Vor­mit­tag, den 14. Okto­ber offi­zi­ell bekannt­ge­ge­ben wird.“

Gestern traf sich der Gene­ral­inspek­tor mit sei­nen eng­sten Mit­ar­bei­tern. Dabei dürf­te er sie über sei­ne bevor­ste­hen­de Abset­zung, offi­zi­ell „Rück­tritt“, in Kennt­nis gesetzt haben.

Die Auf­ga­ben als Kom­man­dant des Gen­dar­me­rie­korps dürf­te bis zur Ernen­nung eines Nach­fol­gers sein Stell­ver­tre­ter Gian­lu­ca Gauz­zi Broc­co­let­ti über­neh­men.

Beanstandete Dienstanweisung des Kommandanten
Bean­stan­de­te Dienst­an­wei­sung des Kom­man­dan­ten

Sei­ne Kar­rie­re begann Gia­ni nach sei­nem Stu­di­um als Offi­zier der ita­lie­ni­schen Finanz­po­li­zei. Anschlie­ßend war er für den ita­lie­ni­schen Inlands­ge­heim­dienst SISDE tätig, Kom­man­dant einer Sek­ti­on der Gerichts­po­li­zei und Lei­tungs­amt des ita­lie­ni­schen Justiz­voll­zugs und war Lehr­be­auf­trag­ter an der Uni­ver­si­tät L’Aquila.

1999 trat er in das Gen­dar­me­rie­korps des Vati­kans ein als Vize­kom­man­dant. Der Vater von zwei Kin­dern besitzt die ita­lie­ni­sche Staats­bür­ger­schaft und die des Vati­kan­staa­tes. Unter sei­nem Kom­man­do fand eine Moder­ni­sie­rung und tech­ni­sche Auf­rü­stung des Gen­dar­me­rie­korps statt samt Bil­dung einer Schnel­len Ein­greif­trup­pe sowie von Ein­hei­ten zur Ter­ror- und Sabo­ta­ge­be­kämp­fung. Eben­so wur­de das Poli­zei­korps unter sei­nem Kom­man­do Mit­glied von Inter­pol.

Bekannt wur­de er durch sein zwei­ma­li­ges, schnel­les Ein­grei­fen zum Schutz von Papst Bene­dikt XVI., als die­ser von einer ver­wirr­ten Schwei­ze­rin attackiert wur­de.

Unter sei­nem Kom­man­do stürm­te 2017 die Gen­dar­me­rie die Woh­nung des Sekre­tärs von Kar­di­nal Coc­co­pal­me­rio, wo eine Homo-Dro­gen-Par­ty statt­fand. Auch der Kar­di­nal soll dabei ange­trof­fen, aber dis­kret aus der Schuß­li­nie gebracht wor­den sein.

Gia­ni, loy­al in jeder Hin­sicht, über­nahm es per­sön­lich, eben­falls 2017, den damals in Ungna­de gefal­le­nen Gene­ral­re­vi­sor des Vati­kans, Libe­ro Milo­ne, unsanft aus dem Vati­kan hin­aus­zu­kom­pli­men­tie­ren.

Der Anlaß, der Milo­nes abrup­ten Sturz brach­te, war jenem nicht unähn­lich, der nun auch Gia­ni den Kopf kosten könn­te.

[Update] Das vati­ka­ni­sche Pres­se­amt gab am Nach­mit­tag des 14. Okto­ber 2019 den Rück­tritt von Dome­ni­co Gia­ni bekannt. Als Grund wur­de die Her­aus­ga­be der genann­ten Dienst­an­wei­sung ange­führt. Wört­lich heißt es: „Die­se Ver­öf­fent­li­chung ist sowohl für die Wür­de der Betei­lig­ten als auch für das Image der Gen­dar­me­rie äußerst schäd­lich.“ Obwohl nicht geklärt sei, wer die Dienst­an­wei­sung nach außen wei­ter­ge­ge­ben habe, und den Kom­man­dan­ten „sub­jek­tiv kei­ne Schuld“ tref­fe, habe er „aus Lie­be zur Kir­che und zum Nach­fol­ger des Petrus“ sein Man­dat zurück­ge­legt. Der Rück­tritt wur­de von Papst Fran­zis­kus ange­nom­men, der ihm für sei­nen Ein­satz für die Sicher­heit des Hei­li­gen Stuhls dank­te.

[Update 2: 15.10.2019] Der Hei­li­ge Stuhl gab im heu­ti­gen Tages­bul­le­tin des vati­ka­ni­schen Pres­se­am­tes die Ernen­nung von Gian­lu­ca Gauz­zi Broc­co­let­ti zum neu­en Sicher­heits­di­rek­tors und Kom­man­dan­ten des Gen­dar­me­rie­korps des Vati­kan­staa­tes bekannt. Gauz­zi Broc­co­let­ti war bereits bis­her Vize­kom­man­dant der vati­ka­ni­schen Gen­dar­me­rie und stell­ver­tre­ten­der Sicher­heits­di­rek­tor.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Vatican.va/Wikicommons (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Offen­sicht­lich wuß­te er zuviel von den Finanz­ge­schäf­ten des Vati­kan. Ihm ließ man noch die Wahl zum belob­hul­de­tem Rück­tritt, bei Kar­di­nal Pell orga­ni­sier­te man Gefäng­nis ohne Wahl.

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