„Hat der Heilige Geist wirklich das Parteibuch der Bergoglio-Partei?“

Reportage über die die Pläne, die Ziele und die Männer von Papst Franziskus

Das Wochenmagazin Panorama über die Pläne, Ziele und Männer von Papst Franziskus.
Das Wochenmagazin Panorama über die Pläne, Ziele und Männer von Papst Franziskus.

Das Wochen­ma­ga­zin Pan­ora­ma, ver­gleich­bar dem deut­schen Wochen­ma­ga­zin Focus, ver­öf­fent­lich­te eine Repor­ta­ge über das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus mit der Fra­ge, die unbe­ant­wor­tet bleibt, ob der Papst sich wirk­lich sicher kein kön­ne, daß der Hei­li­ge Geist sich das Par­tei­buch der inner­kirch­li­chen Par­tei­ung von Fran­zis­kus zuge­legt hat.

Es sei schon wahr, schreibt der Repor­ta­gen-Autor Ales­san­dro Rico, die Kir­che regie­re nicht mit den Ave Maria. Aber es sei eine Sache gewe­sen, einen sol­chen Satz „vom zyni­schen Mon­si­gno­re Paul Mar­cin­kus sagen zu hören“, als die­ser noch Prä­si­dent der Vati­kan­bank IOR war, „aber eine gan­ze ande­re Sache zu sehen, daß Jor­ge Mario Ber­go­glio, der Papst der ‚Kir­che, die hin­aus­geht‘, das Schiff­lein des Petrus auf eine alles ande­re als kol­le­gia­le Wei­se lei­tet“. Dabei hat­te er genau das am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats ange­kün­digt.

„Fran­zis­kus ist sehr ver­schie­den von sei­nem sanf­ten Vor­gän­ger Joseph Ratz­in­ger. Er ist ein geüb­ter Poli­ti­ker – mit rück­sichts­lo­sen Zügen. In den Räu­men des Vati­kans beschrei­ben ihn eini­ge als har­ten Mann, der sich erwar­tet, daß sei­ne Befeh­le gut und schnell aus­ge­führt wer­den.“

Man­che sind sich sicher, daß sei­ne Ein­la­dun­gen, frei und offen zu spre­chen und ihn auch zu kri­ti­sie­ren, nur dazu gedacht sind, sei­ne Geg­ner zu erken­nen und sie aus­zu­schal­ten.

„Dar­auf sei Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke her­ein­ge­fal­len mit sei­nen Aus­sa­gen zur Fami­li­en­syn­ode, die ihn die Ent­fer­nung aus dem Amt des Gerichts­prä­si­den­ten der Ober­sten Signa­tur koste­ten.“

Ein wei­te­res Bei­spiel nennt Rico das Päpst­li­che Insti­tut Johan­nes Paul II. für Stu­di­en zu Ehe und Fami­lie, das sich dem päpst­li­chen Kurs von Amo­ris lae­ti­tia nicht anschloß und des­halb „gesäu­bert“ wur­de.

„Gleich­zei­tig beeilt sich Ber­go­glio die ‚Sei­nen‘ in Schlüs­sel­po­si­tio­nen zu set­zen: Das beweist die Art, mit der er das Kol­le­gi­um der Papst­wäh­ler revo­lu­tio­niert hat.“

Mit ande­ren Wor­ten:

„Fran­zis­kus hat sich eine regel­rech­te Par­tei der Getreu­en geschaf­fen.“

Ob die­se ihm aus Über­zeu­gung oder mehr aus Angst fol­gen, sei dahin­ge­stellt.

„Wie es scheint, will er die Brüder nicht im Glauben bestärken“

Die vom Papst ein­ge­lei­te­ten Maß­nah­me zum per­so­nel­len Umbau des Vati­kans und der wich­ti­gen Bischofs­sit­ze welt­weit, „die Ver­welt­li­chung der Kir­che, die Öff­nung gegen­über dem Islam und die Nach­gie­big­keit gegen­über dem chi­ne­si­schen Regime schei­nen die Gläu­bi­gen aber nicht zu begei­stern.“

Der Kir­che von Fran­zis­kus, so Rico, lau­fen die Gläu­bi­gen davon. Der Anteil der Ita­lie­ner, die sich als Katho­li­ken beken­nen, ist laut Erhe­bung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Doxa unter Fran­zis­kus um 7,7 Pro­zent zurück­ge­gan­gen. Das vati­ka­ni­sche Jahr­buch weist allein von 2016 auf 2017 einen Rück­gang von 387 Prie­stern aus. Das ita­lie­ni­sche Innen­mi­ni­ste­ri­um ver­zeich­ne­te in den ersten drei Jah­ren sei­nes Pon­ti­fi­kats einen Abbau von 55 Pfar­rei­en. Die Teil­neh­mer­zahl an den Mitt­wochs­au­di­en­zen hat sich zwi­schen 2013 (dem ersten Jahr des Pon­ti­fi­kats) und 2016 hal­biert. Obwohl Fran­zis­kus der erste Papst aus Latein­ame­ri­ka ist, konn­te er dort die mas­si­ve Abwan­de­rung von Katho­li­ken zu pro­te­stan­ti­schen Sek­ten nicht stop­pen. Soll­te der Trend anhal­ten, könn­te es in weni­gen Jahr­zehn­ten in Bra­si­li­en mehr Pro­te­stan­ten als Katho­li­ken geben.

Als Grund für die­se Ent­wick­lung zitiert Rico einen Vati­ka­ni­sten, der anonym blei­ben will:

„Der Papst spricht mehr wie der UNO-Gene­ral­se­kre­tär oder der Chef von Green­peace, als der Nach­fol­ger des Petrus. Wie es scheint, will er die Brü­der nicht im Glau­ben bestär­ken, son­dern von der Welt bewun­dert wer­den.“

Agno­sti­ker und Pro­gres­si­ve schät­zen Fran­zis­kus, so Rico, die Katho­li­ken aber sind irri­tiert von ihm „und den Prä­la­ten in sei­nem Umfeld: alle­samt für die Ein­wan­de­rung und ver­bis­se­ne Geg­ner der Popu­li­sten“.

„Die Schafe verlassen den Stall“

Wenn der Kle­rus aber die Ver­tei­di­gung der nicht ver­han­del­ba­ren Wer­te ver­nach­läs­si­ge, und sich nur mehr um das Will­kom­men­hei­ßen küm­mert, „ist er nicht mehr glaub­wür­dig“, zitiert Pan­ora­ma den Fun­da­men­tal­theo­lo­gen und Pfar­rer des Erz­bis­tums Bolo­gna, Don Alfre­do Mor­sel­li. Er sei dann nicht ein­mal mehr glaub­wür­dig, wenn er sei­ne aller­er­ste Auf­ga­be, die Lit­ur­gie, ver­rich­tet, wenn er also seg­net oder die Beich­te abnimmt.

„Es herrscht Bestür­zung unter den Katho­li­ken: Die Scha­fe ver­las­sen den Stall“, so Don Mor­sel­li.

Die­sel­be Bestür­zung herr­sche auch unter den Prie­stern.

„Wer sich nicht anpaßt, wird bestraft. Mehr noch: Semi­na­ri­sten, die für zu tra­di­tio­na­li­stisch gehal­ten wer­den, tun sich schwer, zur Wei­he zuge­las­sen zu wer­den. Eini­ge wur­den mit einer absur­den Begrün­dung hin­aus­ge­wor­fen: Sie haben zuviel gebe­tet…“

Um sei­ner Par­tei­ung in der Kir­che mehr Gewicht zu ver­schaf­fen, stärkt Fran­zis­kus den Ein­fluß des Jesui­ten­or­dens, dem er ange­hört, und des­sen „lin­ken Flü­gel er spon­sert“.

Dabei gehe es Ber­go­glio, so Pan­ora­ma, gar nicht so sehr um den Orden und des­sen Anse­hen. Rico zitiert den Vati­ka­ni­sten Edward Pen­tin vom Natio­nal Catho­lic Regi­ster mit den Wor­ten:

„In der Ver­gan­gen­heit hat­te er ein stür­mi­sches Ver­hält­nis zu den Jesui­ten. Er stand ihnen nie so nahe, wie man das ver­mu­ten könn­te.“

„Mehrheit der Papst-Wähler ist bergoglianisch“

Ihm gehe es wohl eher um „sein eige­nes Spiel“, so Ricos Mut­ma­ßung. Hen­ry Sire, der unter dem Pseud­onym Marcan­to­nio Colon­na 2017 das Buch „Der Papst-Dik­ta­tor“ ver­öf­fent­lich­te, spricht davon, daß Ber­go­glio eine „auto­ri­tä­re Per­sön­lich­keit“ habe. Das erin­ne­re an Juan Peron, der imstan­de war, von rechts nach links zu wech­seln. Ber­go­glio ver­mei­de die direk­te Kon­fron­ta­ti­on und sage sei­nen Gesprächs­part­ner, was die­se ger­ne hören wol­len. Das alles, um dann nach sei­nem Kopf han­deln zu kön­nen.

Die­ses Ver­hal­ten sei weit von dem gut­mü­tig, ja fast kum­pel­haft wir­ken­den Papst ent­fernt, als der sich Fran­zis­kus in der Öffent­lich­keit zei­ge. Die Ent­las­sung von Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on zei­ge einen ganz ande­ren Fran­zis­kus. Eben­so schwäch­te er einen ande­ren „unbe­que­men“ Kar­di­nal, Robert Sarah, indem er des­sen Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on per­so­nell ent­spre­chend umbe­setz­te.

Gleich­falls mache er es auch mit dem Kol­le­gi­um der Papst­wäh­ler, das er ziel­stre­big umformt.

„In sechs Jah­ren des Pon­ti­fi­kats hat Fran­zis­kus 67 neue Kar­di­nal-Wäh­ler kre­iert.“

Obwohl Paul VI. deren Höchst­zahl mit 120 fest­leg­te, sind es der­zeit 128, „und die Mehr­heit ist ohne Zwei­fel ber­go­glia­nisch“.

Die jüng­sten Ernen­nun­gen vom 5. Okto­ber haben die Migra­ti­ons-Agen­da ver­deut­licht, so Rico, vor allem mit der Kar­di­nal­s­er­he­bung des Jesui­ten Micha­el Czer­ny, Lei­ter der Vati­kan-Abtei­lung für Migran­ten und Flücht­lin­ge, des­sen Kar­di­nal­s­wap­pen eine Dar­stel­lung von Boots­flücht­lin­gen zeigt. In die glei­che Rich­tung wei­se das Migran­ten­denk­mal, das auf dem Peters­platz gezeigt wur­de.

Die päpst­li­che Agen­da ken­ne in der Migra­ti­ons­fra­ge kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung wie sie der Kate­chis­mus der Katho­li­schen Kir­che kennt. „Über­haupt scheint die Ein­hal­tung der Geset­ze für die Ber­go­glio-Par­tei kei­ne Prio­ri­tät zu haben“, so Pan­ora­ma. Der päpst­li­che Almo­se­ni­er, Kon­rad Kra­jew­ski – auch ihn mach­te Fran­zis­kus zum Kar­di­nal – beging im ver­gan­ge­nen Mai einen offe­nen Geset­zes­bruch zugun­sten von Haus­be­set­zern.

Zu den neu­en Kar­di­nä­len gehört ein wei­te­rer Jesu­it, Jean-Clau­de Hol­le­rich. Rico fragt nach Hol­le­richs Ver­dien­sten, um die Pur­pur­wür­de zu ver­die­nen:

„Viel­leicht dafür, daß er den Lega-Vor­sit­zen­den, Matteo Sal­vi­ni, wegen des Her­zei­gens des Rosen­kran­zes abge­kan­zelt hat? Oder weil er sich am 4. Okto­ber zusam­men mit dem [links­ra­di­ka­len, öko­so­zia­li­sti­schen] Glo­ba­li­sie­rungs­geg­ner Luca Casa­ri­ni von der NGO Medi­ter­ra­nea foto­gra­fie­ren hat las­sen?“

„Ein Teil der Jesuiten arbeitet für die Errichtung einer Anti-Kirche“

Rico ver­weist wei­ters auf einen Fix­punkt bei jeder Aus­lands­rei­se von Fran­zis­kus: Er trifft sich jeweils mit der ört­li­chen Gemein­schaft der Jesui­ten. „Die­se zie­len seit Jahr­zehn­ten auf die Kir­chen­spit­ze ab“, so der Autor. Er zitiert dazu den Theo­lo­gen Don Nico­la Bux, einen engen Freund von Bene­dikt XVI., der kla­re Wor­te fin­det:

„Seit den 60er Jah­ren tritt ein ‚fehl­ge­lei­te­ter‘ Teil der Jesui­ten für ein Pro­gramm zum Umsturz der Glau­bens­leh­re und zur Errich­tung einer Art von Neo- oder Anti-Kir­che ein.“

Don Bux führt auf die­ses kul­tu­rel­le Milieu auch die Ursprün­ge der Leug­nung der Gott­heit Chri­sti zurück, die von Euge­nio Scal­fa­ri in sei­ner Kolum­ne zum Syn­oden­be­ginn in La Repub­bli­ca Fran­zis­kus zuge­schrie­ben wur­de:

„Ja, der Vati­kan hat demen­tiert, aber aus Erfah­rung kann ich sagen, daß im Gefol­ge der Theo­lo­gie von Karl Rah­ner es unter den Jesui­ten wel­che gibt, die sol­che The­sen ver­tre­ten.“

Im päpst­li­chen Umfeld fin­den sich, so Rico, eine gan­ze Rei­he von „extre­men Per­sön­lich­kei­ten“, dar­un­ter die Jesui­ten Anto­nio Spa­daro (Anti-Sou­ve­rä­nist) und James Mar­tin (Regen­bo­gen-Theo­lo­ge).

Ende Sep­tem­ber wur­de James Mar­tin von Fran­zis­kus emp­fan­gen und schrieb anschlie­ßend:

„Ich habe eine Pri­vat­au­di­enz bekom­men, in der ich die Freu­den und Hoff­nun­gen, die Schmer­zen und Sor­gen der LGBT-Katho­li­ken und der LGBT-Per­so­nen in der Welt mit­ge­teilt habe.“

„Schließ­lich“, so Rico, „wer ist denn der Papst, um zu ver­ur­tei­len?“ Eine Anspie­lung auf den berühmt-berüch­tig­sten Satz des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats, den Fran­zis­kus Ende Juli 2013 auf dem Rück­flug von Rio de Janei­ro im Zusam­men­hang mit der Homo­se­xua­li­tät sag­te.

Es gebe aber auch Jesui­ten, so Rico, die bis zur Häre­sie gehen:

„Der Jesui­ten­ge­ne­ral, Arturo Sosa Abas­cal, der als Fran­zis­kus sehr nah­ste­hend gilt, ist berühmt für sei­ne Leug­nung der Exi­stenz des Satans.“

Pan­ora­ma erwähnt auch Msgr. Matteo Zup­pi, den Fran­zis­kus zum Erz­bi­schof von Bolo­gna und zum Kar­di­nal mach­te. Des­sen Pro­gramm für sein Erz­bis­tum bestehe vor allem aus Migran­ten-Agen­da und islam­freund­li­chem, inter­re­li­giö­sem Dia­log auf der Linie des Abu-Dha­bi-Doku­ments. Ein Doku­ment, „das nach reli­giö­ser Gleich­gül­tig­keit riecht, wenn es etwa der ‚Gött­li­chen Weis­heit‘ zuschreibt, ‚den Plu­ra­lis­mus und die Ver­schie­den­heit der Reli­gio­nen‘ geschaf­fen zu haben“.

Bergoglios Personalpolitik: „schwache, kontrollierbare Persönlichkeiten“

Es fal­le zudem auf, daß Fran­zis­kus in Sachen sexu­el­lem Miß­brauch durch Kle­ri­ker zwar Refor­men ankün­dig­te, aber wenig Kon­kre­tes tat. Des­halb sei­en die Miß­brauchs­op­fer vom Anti-Miß­brauchs­gip­fel im ver­gan­ge­nen Febru­ar im Vati­kan auch ent­täuscht wor­den. Hen­ry Sire sagt, daß Fran­zis­kus, jen­seits der Image-Initia­ti­ven, sich mit Per­so­nen „von zwei­fel­haf­ter Moral“ umgibt, also Per­so­nen, die „sehr schwach und kon­trol­lier­bar“ sind.

Die­ses Muster, so Edward Pen­tin, habe Ber­go­glio bereits in sei­ner Zeit in Bue­nos Aires ange­wandt.

Als Erz­bi­schof in der argen­ti­ni­schen Haupt­stadt, hat­te Ber­go­glio 1999 Juan Car­los Mac­ca­ro­ne zu sei­nem Weih­bi­schof gemacht. 2005 wur­de Mac­ca­ro­ne von Papst Bene­dikt XVI. sei­nes Amtes ent­ho­ben, als ein Video auf­tauch­te, das ihn mit einem Stri­cher zeig­te. Ber­go­glio ver­tei­dig­te ihn den­noch ener­gisch und sprach von einem „Kom­plott“ gegen Mac­ca­ro­ne, weil die­ser „lin­ker Ideen“ habe.

In die­se Kate­go­rie fällt in jün­ge­rer Zeit auch der Fall von Gusta­vo Zan­chet­ta, den Fran­zis­kus zum Bischof von Oran gemacht hat­te. Im ver­gan­ge­nen Juni erhob die argen­ti­ni­sche Staats­an­walt­schaft for­mal Ankla­ge wegen „fort­ge­setz­ten sexu­el­len Miß­brauchs“ zu Lasten von Semi­na­ri­sten sei­nes eige­nen Prie­ster­se­mi­nars. Als es für den Bischof in sei­nem Bis­tum eng wur­de, hol­te ihn Fran­zis­kus in den Vati­kan und ver­schaff­te ihm einen rang­ho­hen Posten bei der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung APSA. Im Früh­jahr nahm Zan­chet­ta zusam­men mit Fran­zis­kus an den Fasten­ex­er­zi­ti­en der Römi­schen Kurie teil. Fran­zis­kus recht­fer­tig­te sich vor weni­gen Mona­ten in einem Inter­view mit einem mexi­ka­ni­schen Fern­seh­sen­der mit Gedächt­nis­lücken. Er habe geglaubt, daß das Han­dy Zan­chet­tas, auf dem kom­pro­mit­tie­ren­de Bil­der gefun­den wur­den, „gehackt“ wor­den sei. Fran­zis­kus gab zu, daß der Bischof „öko­no­misch schlam­pig“ sei, aber sei­ne „Sicht­wei­se ist gut“.

An sol­chen Fäl­len von umstrit­te­ner För­de­rung und dem Decken von zwei­deu­ti­gen Per­so­nen „gab es meh­re­re“, so Rico unter Ver­weis auf den Vati­kan­di­plo­ma­ten Bat­ti­sta Ric­ca und des­sen Zeit an der Nun­tia­tur in Mon­te­vi­deo mit ver­däch­ti­gem männ­li­chem Anhang, einer Schlä­ge­rei in einem Schwu­len­lo­kal, einem Zwangs­stopp in einem fest­hän­gen­den Auf­zug der Nun­tia­tur in kom­pro­mit­tie­ren­der Pose mit einem Jugend­li­chen und einem Kof­fer mit Pisto­le, Kon­do­men und Por­no-Fil­men. Fran­zis­kus aber beför­der­te ihn zu sei­nem per­sön­li­chen Ver­tre­ter bei der Vati­kan­bank IOR. Ric­ca ist Direk­tor von San­ta Mar­ta.

Koor­di­na­tor des 2013 von Fran­zis­kus geschaf­fe­nen Kar­di­nal­s­ra­tes, der ihn bei der Kuri­en­re­form und der Lei­tung der Welt­kir­che bera­ten soll, ist der Hon­du­ra­ner Oscar Kar­di­nal Rodri­guez Mara­dia­ga, der sowohl durch finan­zi­el­le Unre­gel­mä­ßig­kei­ten als auch durch erwie­se­ne „Blind­heit“ gegen­über den homo­se­xu­el­len Akti­vi­tä­ten sei­nes Weih­bi­schofs auf­fiel. Die Unre­gel­mä­ßig­kei­ten betref­fen nicht nur Geld sei­nes Erz­bis­tums und der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Hon­du­ras, son­dern auch das Fami­li­en­ver­mö­gen des ehe­ma­li­gen hon­du­ra­ni­schen Bot­schaf­ters beim Hei­li­gen Stuhl. Des­sen Wit­we klagt den Kar­di­nal an, ihren inzwi­schen ver­stor­be­nen Mann zu Inve­sti­tio­nen gedrängt zu haben, für deren Serio­si­tät der Pur­pur­trä­ger mit sei­nem Namen gebürgt habe. Der von einem mus­li­mi­schen Geschäfts­mann ver­wal­te­te Lon­do­ner Invest­ment­fonds löste sich dann aber in Luft auf – und das Geld mit ihm. Die Wit­we bat Papst Fran­zis­kus um Hil­fe, doch aus dem Vati­kan kam bis­her kei­ne Reak­ti­on. Kar­di­nal Mara­dia­ga ist wei­ter­hin in Amt und Wür­den, wur­de von Fran­zis­kus kurz ange­bun­den ver­tei­digt und hat wei­ter­hin direk­ten Zugang zum Papst.

„Franziskus ist Vertreter einer Minderheit, die die Macht ergriffen hat“

Zu einer Fra­ge, so Pan­ora­ma, sei­en sich die Beob­ach­ter aller­dings uneins:

„Will Fran­zis­kus die Kir­che jetzt revo­lu­tio­nie­ren, oder will er die ersten Stei­ne zu einem Gebäu­de legen, das erst nach ihm voll­endet wer­den soll?“

Jose Anto­nio Ure­ta, Autor des 2018 in eng­li­scher, spa­ni­scher, por­tu­gie­si­scher und ita­lie­ni­scher (lei­der nicht auch in deut­scher) Spra­che erschie­ne­nen Buches „Der ‚Para­dig­men­wech­sel‘ von Papst Fran­zis­kus. Kon­ti­nui­tät oder Bruch in der Mis­si­on der Kir­che? Fünf­jah­res­bi­lanz sei­nes Pon­ti­fi­kats“, ver­si­cher­te gegen­über dem Wochen­ma­ga­zin:

„Ber­go­glio ist sich bewußt, der Ver­tre­ter einer Min­der­heit zu sein, die mit einem geschick­ten Manö­ver die Macht ergrif­fen hat.“

Tat­sa­che sei, so Ure­ta, „daß Fran­zis­kus die Refor­men so schnell als mög­lich voll­enden will auch um den Preis, dafür ein Schis­ma zu ris­kie­ren“.

Obwohl es viel Unbe­ha­gen und Unru­he in der Kir­che gebe, setzt Fran­zis­kus sei­nen Kurs fort, der­zeit mit der Ama­zo­nas­syn­ode, die zur Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern und einer Aner­ken­nung der Befrei­ungs­theo­lo­gie in „grü­ner Sau­ce“ füh­ren könn­te, obwohl das hef­ti­ge Reak­tio­nen zur Fol­ge haben dürf­te.

Der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster betont dage­gen, daß Fran­zis­kus, wie er es in Evan­ge­li­um gau­di­um geschrie­ben hat, auf „lan­ge Sicht“ pla­ne und nicht unbe­dingt „sofort Ergeb­nis­se“ erwar­te. Er wol­le „Pro­zes­se ansto­ßen“, die sich irgend­wann in der Zukunft voll­enden wer­den, aber – und das scheint zen­tral – „irrever­si­bel“ sein sol­len. Er ver­su­che die von ihm ein­ge­schla­ge­ne Rich­tung so abzu­si­chern, daß auch nach ihm kein Zurück mög­lich ist. Dazu gehö­re es vor allem, Mehr­hei­ten in einem künf­ti­gen Kon­kla­ve zu schaf­fen, die einen Nach­fol­ger auf sei­ner Linie sicher­stel­len.

Pan­ora­ma zitiert dazu aller­dings auch Don Bux:

„Ent­we­der sagen wir, daß die Kir­che eine rein mensch­li­che Rea­li­tät ist, dann rei­chen poli­ti­sche Stra­te­gien aus, um sie zu for­men, oder wir erken­nen, daß es auch eine über­na­tür­li­che Varia­ble gibt, mit der frü­her oder spä­ter zu rech­nen sein wird.“

Als Resü­mee schreibt Rico:

„Die­se ‚Kir­che, die hin­aus­geht‘, ist in Wirk­lich­keit ein­ge­bun­ker­ter denn je. Sie wird bela­gert von Skan­da­len und erschüt­tert von Macht­kämp­fen. Zum Plan Ber­go­gli­os bleibt die berech­tig­te Fra­ge: Hat sich der Hei­li­ge Geist wirk­lich das Par­tei­buch der inner­kirch­li­chen Par­tei­ung von Papst Fran­zis­kus zuge­legt?“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Pan­ora­ma (Screen­shot)

9 Kommentare

  1. Zitat: „José Anto­nio Ure­ta: … Ber­go­glio ist sich bewußt, der Ver­tre­ter einer Min­der­heit zu sein, die mit einem geschick­ten Manö­ver die Macht ergrif­fen hat.“

    Mit Ver­laub: Das dürf­te nicht der Rich­tig­keit ent­spre­chen. Ber­go­glio muß­te es A.D. 2005 zwar noch ein­mal damit belas­sen, nur mit den Hufen schar­ren zu dür­fen, aber A.D 2013 war‘s dann so weit: Im Rah­men des Kon­kla­ves ist er ja gewählt wor­den. Auch außer­halb der Sankt-Gal­len-Mafia war er bei­lei­be kein Unbe­kann­ter, und jetzt haben wir halt zwei Päp­ste. Kann pas­sie­ren…
    Erneut bit­te ich dar­um, man möge sich bit­te eini­ge Tat­sa­chen ins Gedächt­nis zu rufen, vor allem des­we­gen, um nicht per Retro­spek­ti­ve einer abso­lut unge­recht­fer­tig­ten „Papst-Bene­dikt-Nost­al­gie“ anheim­zu­fal­len. Ratz­in­ger hät­te dies nicht ver­dient – weder im Guten, noch im Schlech­ten.
    Bei­de Päp­ste sind hart­ge­sot­te­ne Kon­zils-Kle­ri­ker, wobei Bene­dikt XVI., vor allem aber des­sen Amts­vor­gän­ger Johan­nes Paul II., das heu­ti­ge Kar­di­nals-Per­so­nal in toto inkar­di­niert haben – Aus­re­de zweck­los. Per Sal­do kann man also ger­ne fest­stel­len, daß kaum ein ande­rer Papst VK II. der­art kon­se­quent, bra­chi­al und bru­tal umsetzt wie aktu­ell eben Ber­go­glio. Reli­gi­ons­frei­heit? Aber frei­lich: War­um soll­ten denn kei­ne Pach­a­ma­ma-Göt­zin­nen auf den Altä­ren dra­piert wer­den dür­fen? Öku­me­nis­mus? Aber natür­lich: Geor­ge Orwell läßt grü­ßen. Schließ­lich ist alles rela­tiv.
    Ich kann mir, so bese­hen, beim besten Wil­len nicht vor­stel­len, Ber­go­glio sei ledig­lich Teil eine Min­der­heit. Im Gegen­teil: Kle­ri­ker wie Robert Sarah, Ray­mond Bur­ke oder Car­lo Maria Viganò dürf­ten sich in der Min­der­heit befin­den.

    Zitat: „Don Bux: Ent­we­der sagen wir, daß die Kir­che eine rein mensch­li­che Rea­li­tät ist, dann rei­chen poli­ti­sche Stra­te­gien aus, um sie zu for­men, oder wir erken­nen, daß es auch eine über­na­tür­li­che Varia­ble gibt, mit der frü­her oder spä­ter zu rech­nen sein wird.“

    Noch­mals mit Ver­laub: Allein die­se Fra­ge so zu stel­len impli­ziert bereits den Irr­tum oder gar die Häre­sie. Auch Bux ist ja ein Zög­ling von VK II., wes­we­gen ich mir nicht vor­stel­len mag, sei­ne Fra­ge sei halt unbe­darft-naiv und/oder auch nur rein rhe­to­risch inten­diert.

    Zitat: „Pan­ora­ma, Ales­san­dro Rico: Die­se ‚Kir­che, die hin­aus­geht‘, ist in Wirk­lich­keit ein­ge­bun­ker­ter denn je. Sie wird bela­gert von Skan­da­len und erschüt­tert von Macht­kämp­fen. Zum Plan Ber­go­gli­os bleibt die berech­tig­te Fra­ge: Hat sich der Hei­li­ge Geist wirk­lich das Par­tei­buch der inner­kirch­li­chen Par­tei­ung von Papst Fran­zis­kus zuge­legt?“

    In der Debat­te, der katho­li­schen zumal, gilt ein wich­ti­ger Para­me­ter: Wie debat­tie­re ich? Ad per­so­nam oder ad cau­sam – also „zur Per­son“ oder „zur Sache“ — die „Sache“ im Sin­ne der Früch­te, der guten oder der schlech­ten, die jemand getra­gen hat. „Zur Per­son“ Ber­go­gli­os zu debat­tie­ren führt im Grun­de ins Lee­re: In ihn hin­ein­zu­blicken ist mir nicht mög­lich, über ihn im Kaf­fee­satz zu lesen zu ver­su­chen ist obso­let, und mich pha­ri­sä­er­haft über ihn zu über­he­ben fällt mir nicht und steht mir nicht zu. Über die Per­son Papst Ber­go­gli­os irgend­wann irgend­wo irgend­wie ein­mal zu urtei­len über­las­se ich des­sent­hal­ben getrost und exklu­siv Unse­rem Herr­gott. „Zur Sache“, also den Früch­ten, darf ich mit jedoch schon ein Urteil erlau­ben: Das Apo­sto­lat Ber­go­gli­os hat bis dato nur fau­le Früch­te her­vor­ge­bracht; in kei­ner ein­zi­gen ver­mag ich das Wir­ken des Hei­li­gen Gei­stes zu erken­nen. Ber­go­glio des­we­gen unge­hor­sam zu sein, allein im Bestre­ben, Unse­rem Herr­gott gehor­sam blei­ben zu kön­nen, sowie der Kon­zils­kir­che kei­nen ein­zi­gen Cent mehr zukom­men zu las­sen, sind somit die Gebo­te. Für mein See­len­heil und das aller ande­rer Katho­li­ken, die ihren Glau­ben noch ernst neh­men, ist die­ses Pon­ti­fi­kat des­we­gen im harm­lo­se­sten Fal­le irrele­vant, im schlimm­sten gefähr­lich. Wir wis­sen indes: In der Apo­ka­lyp­se des Hei­li­gen Johan­nes ist uns all dies pro­phe­zeit wor­den. Gau­dea­mus ígi­tur: Set­zen wir also den­noch Glau­be, Hoff­nung Lie­be und all unser Ver­trau­en auf Unse­ren Herr­gott. Er wird‘s rich­ten – so oder so.

    In Cri­sto per Mari­am. +

    Car­los­mi­guel

  2. An Car­los­mi­guel, vie­len Dank für Ihren inter­es­san­ten Arti­kel, auch wenn ich die­sem nicht in allen Punk­ten zustim­me. Aber wir wol­len die The­ma­tik ja Ergeb­nis offen dis­ku­tie­ren, also offen für die Argu­men­ta­ti­on des Ande­ren. Ich ken­ne per­sön­lich zwei Men­schen, die mit Bene­dikt befreun­det waren. Einer war Kon­zils­be­ob­ach­ter und Über­set­zer für Latein, der ande­re war Prie­ster, Hoch­schul­leh­rer und hat sich zur glei­chen Zeit mit Bene­dikt habi­li­tiert. Bei­de sind voll­kom­men unab­hän­gig von­ein­an­der nach der Papst­wahl 2005 nach Rom gereist und haben ihren alten Freund Josef gebe­ten, Josef Du musst jetzt end­lich mit den Irr­tü­mern und Lügen des Kon­zils auf­räu­men. Bene­dikt ant­wor­te­te nicht, son­dern er ließ den einen wie den ande­ren ste­hen. Wie kön­nen wir dies inter­pre­tie­ren? Dar­in liegt ver­mut­lich der Zugang zur Wahr­heit. Ich erlau­be mir mei­ne Deu­tung:
    1.Die Lügen des Kon­zils, oder nen­nen wir es die poli­tisch gewoll­te Deu­tung, waren und sind Bene­dikt bekannt, ja er hat sie in sei­nem eng­sten und intern­sten Freun­des­kreis ver­mut­lich oft und offen und ehr­lich dis­ku­tiert.
    2. Wie alle, die zum inter­nen Kreis gehör­ten, wuss­te auch er, dass maß­geb­li­che Kon­zils­vä­ter, wie Bac­chio, Casa­ro­li, Sue­n­ens, Lien­hard, König, Bea, Vil­lot und…und… Frei­mau­rer waren und dass mass­geb­li­che Tex­te wie nostra aeta­te gar nicht aus vati­ka­ni­scher bzw. katho­li­scher Feder stamm­ten.
    3. Er wuss­te auch, dass Johan­nes Paul I, der die Ver­rä­ter aus ihren Ämtern ent­fer­nen woll­te, die­ses Wis­sen nicht über­lebt hat.
    4. Er war Zeu­ge mit wel­chen poli­ti­schen Mit­teln Abstim­mun­gen beein­flusst wur­den. Die Zeit zum Lesen der zur Abstim­mung vor­ge­leg­ten Kon­zils­tex­te war viel zu kurz. Im nor­ma­len Leben, nennt man ein sol­ches Ver­hal­ten Mani­pu­la­ti­on. Heu­te erzäh­len vie­le, dass es die Grund­la­ge der wah­ren Kir­che sei.
    Das heisst Bene­dikt wuss­te um vie­les, um nicht zu sagen alles. Er wuss­te aber auch, dass er die­ses Wis­sen, sofern er es offen zei­gen soll­te — wie Johan­nes Paul I — nicht über­le­ben wür­de. Er war von Ver­rä­tern umge­ben. Das Kon­zil war poli­tisch so gewollt.Die Fen­ster wur­den für den Geist der Welt geöff­net. Paul VI soll­te sagen, dass der Rauch Satans ein­ge­drun­gen sei. So naiv war ein Vor- Vor­gän­ger von Bene­dikt. Dass man in sol­chen Fäl­len geöff­ne­te Fen­ster schlie­ßen muss, fiel Paul VI nicht ein.
    Was will ich mit die­sen Aus­sa­gen eines Kon­zils­be­ob­ach­ters sagen, Bene­dikt weiß und wuss­te um alles, aber er konn­te in der Situa­ti­on nicht das tun, was uns — ohne den geschil­der­ten Hin­ter­grund — als rich­tig erschei­nen wür­de. Hät­te er damals das unter­nom­men, was mei­ne höchst intel­li­gen­ten Gesprächs­part­ner von ihm erwar­tet hät­ten, wäre zumin­dest ein Schis­ma die Fol­ge gewe­sen. Ich bin zutiefst davon über­zeugt, dass sei­ne kir­chen­po­li­ti­sche Auf­ga­be noch nicht been­det ist, so sehr auch die äuße­ren Zei­chen dar­auf hin­zu­wei­sen schei­nen.

    • Wer­ter Hans 2, mensch­lich gese­hen ehrt es Sie natür­lich, daß Sie in gewis­sem Sin­ne Par­tei für Ratz­in­ger ergrei­fen. Wie gesagt: Mensch­lich gese­hen. Aber auch bezüg­lich Ratz­in­ger argu­men­tie­re ich natür­lich nicht „ad per­so­nam“, son­dern aus­schließ­lich „ad cau­sam“ — eben um die theo­lo­gi­schen „Früch­te“ zu ana­ly­sie­ren, die Ratz­in­ger zeit sei­nes Lebens getra­gen hat. Und die waren halt reich­lich faul.
      Über so vie­le Jahr­zehn­te hin­weg hät­te Ratz­in­ger gewiß mehr als nur eine Gele­gen­heit gehabt, sich für den muti­gen Erz­bi­schof, S.E. Mar­cel Lef­eb­v­re in die Bre­sche zu wer­fen. Was hät­te ihn z.B. dar­an gehin­dert, sich mutig und schüt­zend an des­sen Sei­te zu stel­len? Der Erz­bi­schof muß­te ja, Deo gra­ti­as, nicht ver­hun­gern, son­dern wur­de getra­gen von zahl­lo­sen Gläu­bi­gen; Ratz­in­ger hin­ge­gen bevor­zug­te es, sich hin­ter den siche­ren Mau­ern des Vati­kan zu ver­schan­zen. Er war es, der über so vie­le Jah­re hin­weg die FSSPX und den Erz­bi­schof mit unehr­lich gemein­ten Ver­spre­chun­gen hin­ge­hal­ten, die Tra­di­ti­on in Gestalt der FSSPX ver­bis­sen bekämpft hat, und aus sei­ner Feder stamm­ten die­se unge­heu­er­li­chen „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“. Wohl­ge­merkt: Man hat­te die FSSPX „exkom­mu­ni­ziert“, ohne sie vor einem kirch­li­chen Gericht anzu­hö­ren – also dort, wo der Anklä­ger die vor­ge­wor­fe­ne Tat vor­tra­gen und ein­deu­tig begrün­den und der „Delin­quent“ aus­rei­chend Gele­gen­heit bekom­men müß­te, sich auch ver­tei­di­gen zu kön­nen. Selbst jener Eier­dieb von „Vati-Leaks“ erhielt solch ein Gerichts­ver­fah­ren: Er wur­de zwar ein­ge­sperrt, aber als­bald begna­digt. Um wie­viel schwe­rer wiegt da die Höchst­stra­fe der Exkom­mu­ni­ka­ti­on?
      Auch als Pón­ti­fex ent­pup­pen sich sei­ne Wer­ke bei Lich­te betrach­tet als fau­le Früch­te, ver­packt in wert­lo­se Wort­hül­sen: Am Ende stand immer und grund­sätz­lich der Impe­ra­tiv an die FSSPX, jetzt doch bit­te­schön mal end­lich das Kon­zil zu unter­schrei­ben – sicher­lich wohl­wis­send, daß dies offi­zi­ell-offi­zi­ös unmög­lich blei­ben wür­de. Sein Motu Pro­prio war an ver­gif­te­ter, intrin­si­scher Sibyl­li­nik kaum zu über­tref­fen. Vie­le Gläu­bi­ge waren damals freu­dig über­rascht, frei­lich, ohne sich klar­zu­ma­chen, was Bene­dikts Erklä­run­gen im Kern eigent­lich bedeu­te­ten. War­um? Bekannt­lich wur­den damit jene „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“ ja „auf­ge­ho­ben“. Ein­fach so. Erneut ohne Begrün­dung. Wes­we­gen eigent­lich? Und erneut: War­um waren sie eigent­lich der­einst ver­hängt wor­den?
      Nicht eine die­ser Fra­gen hat­te Bene­dikt je beant­wor­tet – ganz im Gegen­teil. Hät­te er es hin­ge­gen tat­säch­lich scho­nungs­los ehr­lich, vor allem hin­sicht­lich eige­ner Schuld und Ver­ant­wor­tung, gemeint gehabt, dann hät­te er coram púb­li­co „Mea Cul­pa“ beken­nen, sodann um Ver­ge­bung bit­ten und dekla­rie­ren müs­sen, daß jene Exkom­mu­ni­ka­tio­nen „von Anfang an Null und nich­tig“ und völ­li­ges Unrecht gewe­sen sei­en – also exakt so, wie es S.E. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re wahr­heits­ge­mäß for­mu­liert hat­te, denn im Umkehr­schluß soll­te das Motu Pro­prio näm­lich, frei­lich unaus­ge­spro­chen, besa­gen, daß jene „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“ der­einst – immer noch! — zu Recht ver­hängt wor­den waren. Das alles ist nur logisch.
      Klar­text: Jene „Exkom­mu­ni­ka­tio­nen“, sowie deren „Auf­he­bun­gen“, waren ganz im Gegen­teil Akte purer Will­kür, für die Ratz­in­ger die Ver­ant­wor­tung trägt. Die FSSPX soll­te brav parie­ren und zum bedin­gungs­lo­sen Kada­ver­ge­hor­sam unter die Knu­te der Kon­zils­kir­che gezwun­gen wer­den. Nichts wei­ter.
      Selbst­ver­ständ­lich ver­mag ich auch in die Per­son Ratz­in­gers nicht hin­ein­zu­blicken, und ein Urteil „ad per­so­nam“ steht mir auch nicht zu. Anhand der fau­len Früch­te, die er getra­gen hat, dürf­te er, rea­li­stisch betrach­tet, besten­falls als tra­gi­sche Figur in die Anna­len der Hei­li­gen Kir­che ein­ge­hen – mehr nicht.

      In Cri­sto per Mari­am. +

      Car­los­mi­guel

  3. Es liegt an der Kon­zep­ti­on der Kir­che nach 1870 das nie­mand recht­lich etwas gegen die­se Ent­wick­lung tun kann
    und die­se wird nach dem näch­sten Kon­kla­ve wei­ter­gehn und der dort gewähl­te könn­te im Alter von Johan­nes Paul II bei sei­ner Wahl sein

  4. @ Car­los­mi­guel
    Sagt Ihnen das Schlag­wort „Geist des Kon­zils“ etwas? Mit die­sem wur­den nach dem Kon­zil die „Neu­ig­kei­ten“ unters Volk gebracht. Mir ver­ur­sach­ten die­se Pein. Da stimmt was nicht. Die­sen omi­nö­sen Kon­zils­geist füh­re ich auf den Geist Marin Luthers zurück. Mit die­sem im Hin­ter­kopf zogen die deut­schen Bischö­fe, Veni Creator Spi­ri­tus sin­gend in die Aula ein. Als GdK bestimm­te er als para­kon­zi­lia­re Ideol­gie die Ent­wick­lun­gen danach. Trotz deren kata­stro­pha­len Ergeb­nis­sen wird auf die­sem Holz­weg wei­ter­ge­wur­stelt.

    • Das Kon­zil soll­te nichts defi­nie­ren nichts ver­ur­tei­len war pasto­ral, ja was war es eigent­lich ?
      Eine Räu­ber­syn­ode schlimm­sten Aus­ma­ßes, aller­dings kann die­ser Unsinn mit einem Hand­streich weg­ge­wischt wer­den, nur wer­den dann 95%
      des Kle­rus weg sein, das ist sicher.

  5. Alle Vor­kom­men­ta­to­ren regen mich zum Nach­den­ken über den Aspekt der Reli­gi­ons­frei­heit an. Ich bin dabei, mit Bischof Lef­eb­v­re gespro­chen, zu dem Schluss gekom­men: Ein christ­li­cher Staat, der die Reli­gi­ons­frei­heit über das Tole­ranz­ge­bot als höch­ste Tugend hin­stellt, wird sich auf­lö­sen. Eben­so wird sich der christ­li­che Staat des Got­tes­vol­kes inner­halb der Kir­che unter die­sem fal­schen Glau­bens­be­griff der Reli­gi­ons­frei­heit auf­lö­sen. Kir­che löst sich also auf. (Georg May: Der Pro­te­stan­tis­mus ist das Prin­zip der Auf­lö­sung.“ — Alma von Stock­hau­sen: „Das Haupt­ziel muss heu­te sein, den Pro­te­stan­tis­mus aus der Kir­che zu ver­ban­nen und ihn mit allen Mit­teln zu bekämpfen.“/Letztes Zitat sinn­ge­mäß wie­der­ge­ge­ben.)

    Kin­der, die mit immer mehr Frei­hei­ten auf­wach­sen, haben kaum mehr die Enzt­schei­dungs­frei­heit für den befei­en­den wah­ren katho­li­schen Glau­ben, da sie mit allen Ange­bo­ten der Beses­sen­heits­gei­ster unse­rer syn­chreti­stisch-athe­isti­schen Kul­tur beses­sen und ver­stopft sind. Sie leben unter Hand­lungs­zwän­gen und müs­sen die Gei­ster aller in sie ein­ge­las­se­nen Dämo­nen durch Kon­sum­zwang befrie­di­gen, was die Höl­le ist.

    Die­se Gei­ster ver­weh­ren das freie Arbei­ten der Ver­nunft und ver­hin­dern die Umkehr. Sie for­dern den Zusam­men­bruch und den gei­sti­gen Tod. Und sie bekom­men ihn, wenn da kein statt­lich geschütz­tes und beför­der­tes Lehr­amt mehr ist, wel­ches den Weg zur wah­ren Befrei­ung des Men­schen über den einen Weg — den Chri­stus der Gebots­er­fül­lung wei­sen könn­te.

    Die christ­li­che katho­li­sche Reli­gi­on ist die Ver­wirk­li­chung der wah­ren Got­tes- und Men­schen­rech­te. Die Men­schen­rech­te, wie wir sie heu­te ken­nen, las­sen den Glau­bens­ab­fall zu und beför­dern ihn sogar, indem sie alle durch das Gesetz Mose ver­damm­ten Gebots­über­trit­te als Wahl­frei­heit hin­stellt.

    Sicher kann ohne die Frei­heit der Wahl kei­ne Lie­be sein. Und dies mag dem frei­mau­re­ri­schen Geist der Kon­zils­vä­ter und Theo­lo­gen des VK II ent­spre­chen. Doch ohne die Erzie­hung im Rah­men der Gebo­te ist kei­ne wirk­li­che Opti­on zur Befrei­ung durch den Geist des lie­ben­den Got­tes mög­lich.

    Der christ­li­che Staat lässt immer noch genü­gend Wahl­frei­heit für die Gewis­sen: z.B. wen hei­ra­te ich, hei­ra­te ich über­haupt, wel­chen Beruf wäh­le ich, usw. usf.

Kommentare sind deaktiviert.