„Kardinal Maradiaga, die rechte Hand von Papst Franziskus, hat uns betrogen“

Kardinal Maradiaga
Botschafterwitwe erhebt neue Anschuldigungen gegen Kardinal Maradiaga, einen der engsten Papst-Vertrauten.

(Rom) Das ita­lie­ni­sche Wochen­ma­ga­zin L’Espresso setzt sei­ne Ent­hül­lun­gen über „die rech­te Hand“ von Papst Fran­zis­kus fort und berich­tet wei­te­re Details, die mit Geld und Ver­trau­ens­bruch zu tun haben. Es geht dabei nicht um irgend­ei­nen Pur­pur­trä­ger, son­dern um einen hoch­ran­gi­gen Kir­chen­ver­tre­ter, der Papst Fran­zis­kus beson­ders nahe steht, und der seit der Wahl des argen­ti­ni­schen Pap­stes, zu des­sen eng­sten Bera­tern gehört.

Autor auch des drit­ten Arti­kels ist wie­der Emi­lia­no Fit­ti­pal­di, der als Ent­hül­lungs­jour­na­list 2015 bereits an Vati­leaks 2 betei­ligt war, wenn auch mehr als Tritt­brett­fah­rer.

Die Enthüllungen von Dezember und Februar

Der erste Arti­kel über Geld­an­ge­le­gen­hei­ten von Kar­di­nal Oscar Rodri­guez Mara­dia­ga wur­de am 21. Dezem­ber 2017 ver­öf­fent­licht. Der Kar­di­nal habe 600.000 Dol­lar extra im Jahr kas­siert, weit mehr als das Gehalt des US-Prä­si­den­ten. Schon damals war die Rede von „Mil­lio­nen“, die „auf deut­schen Bank­kon­ten ver­schwun­den“ sei­en. Mara­dia­ga reagier­te empört und behaup­te­te, der Arti­kel gel­te nicht ihm, son­dern sei ein „Kom­plott gegen Papst Fran­zis­kus“, um des­sen Refor­men zu ver­hin­dern.

Die Begrün­dung war wenig schlüs­sig. Schlüs­si­ger ist, daß der Kar­di­nal durch die Ent­hül­lun­gen beschä­digt wird, der mit sei­nem 2017 ver­öf­fent­lich­ten, jüng­sten Buch sich als Kan­di­dat für die Fran­zis­kus-Nach­fol­ge in Stel­lung brach­te.

Monatliche Überweisungen der Universität an Kardinal Maradiaga
Monat­li­che Über­wei­sun­gen der Uni­ver­si­tät an Kar­di­nal Mara­dia­ga

Am 5. Febru­ar 2018 leg­te das Wochen­ma­ga­zin nach. Die Wit­we des ehe­ma­li­gen hon­du­ra­ni­schen Bot­schaf­ters beim Hei­li­gen Stuhl habe durch den Kar­di­nal das Fami­li­en­ver­mö­gen ver­lo­ren, so Fit­ti­pal­di. Die Wit­we selbst war damals zu kei­ner Stel­lung­nah­me bereit. Dafür ver­öf­fent­lich­te er Kon­to­aus­zü­ge der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Hon­du­ras, die ihrem Groß­kanz­ler Mara­dia­ga ohne erkenn­ba­re Lei­stun­gen monat­lich 35.000 Euro über­wie­sen hat­te, und Weih­nach­ten noch mehr. Der Kar­di­nal hat­te nach den ersten Ent­hül­lun­gen erklärt, das Geld sei nicht für ihn, son­dern für die armen Pfar­rei­en sei­nes Erz­bis­tums Tegu­cig­al­pa bestimmt gewe­sen. L’Espresso frag­te daher nach, war­um die Zah­lun­gen dann auf Mara­dia­gas Pri­vat­kon­ten erfolg­ten und nicht auf die Kon­ten des Erz­bis­tums.

Da Papst Fran­zis­kus sofort im Dezem­ber die­se Erklä­rung des Kar­di­nals akzep­tier­te, gab es auf den zwei­ten Arti­kel kei­ne Reak­tio­nen mehr aus dem Vati­kan. In ande­ren Fäl­len begnüg­te sich der Papst nicht mit dem Wort eines Betrof­fe­nen. Aller­dings scheint die päpst­li­che Nach­sicht bei Par­tei­gän­gern deut­lich grö­ßer zu sein, als bei Kir­chen­ver­tre­tern, die ein tra­di­tio­nel­les Kir­chen­ver­ständ­nis haben.

L’Espresso fühlt „Kirch der Armen für die Armen“ auf den Zahn

Fit­ti­pal­di und L’Espresso las­sen aber nicht locker. Sie wol­len der „Kir­che der Armen und für die Armen“ auf den Zahn füh­len. Kar­di­nal Mara­dia­ga gehört zu den Wort­füh­rern des Pau­per­is­mus im päpst­li­chen Umfeld. Bis 2015 war er Vor­sit­zen­der der Cari­tas Inter­na­tio­na­lis, des Dach­ver­ban­des aller natio­na­len Cari­tas-Orga­ni­sa­tio­nen.

Im Wider­spruch dazu steht ein wei­te­rer bis heu­te nicht geklär­ter Vor­fall aus dem Jahr 2015. Im Sep­tem­ber 2015 besuch­te der Papst die USA, wo damals noch Barack Oba­ma im Wei­ßen Haus und die poli­ti­sche Lin­ke an den Schalt­he­beln saß – jeden­falls deren rei­che und super­rei­che Füh­rungs­schicht. Ein Jahr spä­ter wur­de im Zuge des US-Prä­si­dent­schafts­wahl­kamp­fes der E‑Mail-Ver­kehr des Wahl­kampf­lei­ters von Hil­la­ry Clin­ton gehackt. Unter den von DC Leaks ver­öf­fent­lich­ten E‑Mails fan­den sich zahl­rei­che inter­es­san­te, erhel­len­de und auch schockie­ren­de Doku­men­te.

Soros-Zahlung für Papst-Besuch
Soros-Zah­lung für Papst-Besuch in den USA

Unter ande­rem wur­de ent­hüllt, daß der jüdisch-ame­ri­ka­ni­sche Mul­ti­mil­li­ar­där und Groß­fi­nan­cier der lin­ken Agen­da, Geor­ge Soros, mit 650.000 Dol­lar zur Finan­zie­rung des Papst-Besu­ches bei­getra­gen hat­te. Die Kon­tak­te zu Soros hat­te Kar­di­nal Mara­dia­ga her­ge­stellt. Es tauch­te die Fra­ge auf, ob Soros Ein­fluß auf das Besuchs­pro­gramm oder gar die Inhal­te der päpst­li­chen Bot­schaft neh­men woll­te. Die USA stan­den im Sep­tem­ber 2015 noch ganz im Zei­chen des Kul­tur­kamp­fes, nach­dem ein Über­ge­wicht an links­li­be­ra­len Rich­tern am Ober­sten Gerichts­hof gegen den erklär­ten Wil­len einer brei­ten Mehr­heit der US-Ame­ri­ka­ner die „Homo-Ehe“ lega­li­siert hat­te. Die Aus­sa­gen des Pap­stes zu die­sem The­ma hät­ten erheb­li­che Aus­wir­kun­gen haben kön­nen. Die Vor­wah­len für die Prä­si­dent­schafts­wah­len 2016 stan­den unmit­tel­bar vor der Tür. Doch Fran­zis­kus schwieg. Ein erkauf­tes Schwei­gen? Das frag­ten sich damals nicht nur eini­ge katho­li­sche, son­dern auch pro­te­stan­ti­sche US-Krei­se. Zusätz­lich genährt wur­de der Ver­dacht durch zwei Audi­en­zen (Absatz: „Die Geschick­lich­keit Ber­go­gli­os“ mit Gesten Wor­te zu neu­tra­li­sie­ren), die der Papst in der Apo­sto­li­schen Nun­tia­tur in Washing­ton D.C. gewähr­te, die kaum unter­schied­li­cher ablau­fen hät­ten kön­nen.

„Betrogen und verraten, sie haben mir alles gestohlen“

Kar­di­nal Mara­dia­ga steht auch jetzt wie­der im Mit­tel­punkt offe­ner Fra­gen, die mit Geld zu tun haben. Kein Zufall, meint Fit­ti­pal­di. L’Espresso titel­te in der neu­en Aus­ga­be:

„‚Betro­gen und ver­ra­ten, sie haben mir alles gestoh­len‘. Die Anschul­di­gen gegen den rech­ten Arm des Pap­stes.“

Inzwi­schen war die Wit­we des ehe­ma­li­gen Doy­ens des beim Hei­li­gen Stuhl akkre­di­tier­ten Diplo­ma­ti­schen Korps bereit, mit Fit­ti­pal­di zu spre­chen.

„Der Pur­pur­trä­ger Oscar Mara­dia­ga, unser brü­der­li­cher Freund seit 40 Jah­ren, hat uns 2012 dazu gedrängt, unser Geld bei einem Lon­do­ner Finanz­ma­na­ger zu inve­stie­ren, der sich dann in nichts auf­ge­löst hat. Ich habe mit Fran­zis­kus und Paro­lin gespro­chen, aber die Unter­su­chung des Hei­li­gen Stuhls steht seit einem Jahr still. Ich bin zer­stört vom Schmerz und der Schan­de.“

Mit „Fran­zis­kus und Paro­lin“ meint die Wit­we Papst Fran­zis­kus und Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Paro­lin. Über die Espres­so-Arti­kel sagt die Wit­we:

„Sie haben es gut geschrie­ben. Kar­di­nal Oscar Mara­dia­ga, die rech­te Hand von Papst Fran­zis­kus, hat uns betro­gen.“

Mit die­sen Wor­ten bestä­tig­te Mar­tha Ale­gria Reich­mann, die Wit­we des ehe­ma­li­gen hon­du­ra­ni­schen Bot­schaf­ters beim Hei­li­gen Stuhl, Ale­jan­dro Val­la­da­r­es, den Espres­so-Arti­kel vom ver­gan­ge­nen Febru­ar.  Val­la­da­r­es war 22 Jah­re Bot­schaf­ter sei­nes Lan­des beim Vati­kan und zuletzt sogar Doy­en des Dipo­ma­ti­schen Korps. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Paro­lin hielt „eine bewe­gen­de Trau­er­re­de“, als Val­la­da­r­es Ende 2013 gestor­ben ist.

„Ich habe Papst Fran­zis­kus alles erzählt“,  so die Wit­we.

Gesche­hen sei aber nichts.

„Wir und ande­re Opfer haben kei­ne Gerech­tig­keit erfah­ren.“

Bericht des Visitators liegt seit einem Jahr auf dem Schreibtisch des Papstes

Erinnerungsfoto aus anderen Zeiten: Kardinal Maradiaga mit dem Ehepaar Valladares (samt Widmung)
Erin­ne­rungs­fo­to aus ande­ren Zei­ten: Kar­di­nal Mara­dia­ga mit dem Ehe­paar Val­la­da­r­es (samt Wid­mung)

Tat­sa­che ist, daß Papst Fran­zis­kus einen Weih­bi­schof von Bue­nos Aires, Msgr. Pedro Casa­ret­to, als Apo­sto­li­schen Visi­ta­tor nach Hon­du­ras geschickt hat­te, um im Erz­bis­tum Tegu­cig­al­pa nach dem Rech­ten zu schau­en. Mara­dia­gas Bis­tum steht seit eini­ger Zeit im Mit­tel­punkt von Gerüch­ten über zwei­fel­haf­te Finanz­trans­ak­tio­nen. Sie kon­zen­trie­ren sich um die Per­son des Erz­bi­schofs und sei­nes Weih­bi­schofs Juan Pine­da. In bei­den Fäl­len flos­sen als auf­fäl­li­ges Merk­mal gro­ße Geld­sum­men über deren Pri­vat­kon­ten.

Der päpst­li­che Ermitt­ler befrag­te mehr als 50 Zeu­gen, dar­un­ter auch die Wit­we von Bot­schaf­ter Val­la­da­r­es.

Seit bald einem Jahr liegt Casa­ret­tos Bericht über sei­ne Visi­ta­ti­on nun auf dem Schreib­tisch von Papst Fran­zis­kus. Der blieb aber untä­tig. Als am 21. Dezem­ber L’Espresso mit Ent­hül­lun­gen die „Bom­be“ plat­zen ließ und „Skan­dal“ rief, begnüg­te sich Fran­zis­kus mit dem Wort sei­nes engen Ver­trau­ten. Objek­ti­ve Unter­su­chun­gen, die Zwei­fel aus­räu­men sol­len, sehen anders aus.

Als Fran­zis­kus im Janu­ar aus Peru zurück­kehr­te, wie­der­hol­te er sei­ne Hal­tung vor der Pres­se. Kar­di­nal Mara­dia­ga habe die Ver­wen­dung des Gel­des erklärt. Cau­sa fini­ta.

„Mein Mann hat ihm sehr geholfen, Kardinal zu werden“

Gegen­über dem Espres­so erzähl­te Mar­ta Alge­ria Reich­mann, daß Kar­di­nal Mara­dia­ga in Rom immer Gast in ihrem Haus war. Immer­hin sei man 40 Jah­re lang befreun­det gewe­sen. Bereits im Febru­ar hat­te das Wochen­ma­ga­zin geschrie­ben, daß Mara­dia­ga jahr­zehn­te­lang bei sei­nen Rom-Auf­ent­hal­ten im Haus der Val­la­da­r­es wohn­te.

„Als er nach dem Kon­kla­ve in unser Haus zurück­kehr­te, erzähl­te er, was gesche­hen war. Er sag­te uns sogar, er habe Ber­go­glio über­zeugt, die Inve­sti­tur anzu­neh­men, weil der Papst anfäng­lich gesagt habe, nicht die beste Gesund­heit zu haben.“

Und noch mehr ent­hüll­te die schwer gekränk­te Bot­schaf­ter­wit­we:

„Er sag­te mir und mei­nem Mann, daß wir sei­ne Fami­lie sei­en. Er weiß genau, daß mein Mann sich 2001 sehr im Vati­kan ein­ge­setzt hat, um ihm dabei zu hel­fen, Kar­di­nal zu wer­den.“

Vor fast einem Jahr wur­de sie vom Apo­sto­li­schen Visi­ta­tor Casa­ret­to in Tegu­cig­al­pa ein­ver­nom­men, weil sie wie ande­re auch mit einer Anga­be auf Unre­gel­mä­ßig­kei­ten auf­merk­sam gemacht hat­te. Die Anhö­rung habe „vor einem Kru­zi­fix statt­ge­fun­den und mit der Hand auf der Bibel“, womit die Wit­we eine Ver­ei­di­gung andeu­tet.

Vermittlung einer betrügerischen Finanzaktion

Reich­mann bestä­tig­te nun, was L’Espresso Anfang Febru­ar geschrie­ben hat­te. 2012 dräng­te Kar­di­nal Mara­dia­ga den Bot­schaf­ter und sei­ne Frau, ihr Geld bei Leman Wealth Manage­ment in Lon­don zu inve­stie­ren.

„Eines Abends begann er plötz­lich von Leman zu spre­chen. Mein Mann und ich hat­ten weder den Namen die­ser Gesell­schaft noch den des Eigen­tü­mers, eines gewis­sen Heni­en, je zuvor gehört. Mara­dia­ga ver­si­cher­te uns, daß die­se Invest­ment­ge­sell­schaft seri­ös ist und Inve­sti­tio­nen in der Schweiz in Deutsch­land und ande­ren euro­päi­schen Län­dern tätigt. Er ver­si­cher­te auch, daß die Inve­sti­tio­nen lukra­ti­ve Zin­sen ver­spre­chen. Er sei sich mehr als sicher, wes­halb er sogar die Gel­der des Erz­bis­tums Tegu­cig­al­pa dort inve­stiert habe.“

Kar­di­nal Mara­dia­ga hat­te in der Ver­gan­gen­heit im Zuge der Espres­so-Ent­hül­lun­gen behaup­tet, daß sein Bis­tum sol­che Inve­sti­tio­nen „nie gebil­ligt“ habe, wes­halb er auch jede Anschul­di­gung zurück­wei­se, als „betrü­ge­ri­scher Ver­mitt­ler“ auf­ge­tre­ten zu sein.

Die Wit­we kann sol­che Aus­sa­gen nicht glau­ben:

„Mein Mann war sehr skep­tisch über die­se Ope­ra­ti­on. Er ließ sich nur durch die Insi­stenz des Kar­di­nals über­zeu­gen, der uns sag­te, daß er alle not­wen­di­gen Über­prü­fun­gen vor­ge­nom­men habe, und daß alles sau­ber und sicher sei. Es war Mara­dia­ga, der den Kon­takt zu Herrn Heni­en her­stell­te.“

Leman Wealth Management
Leman Wealth Manage­ment

Das Bot­schaf­ter-Ehe­paar ließ sich über­zeu­gen, wie L’Espresso schreibt, und ver­trau­te dem Lon­do­ner Finanz­ma­na­ger ihre Erspar­nis­se an. Dem Wochen­ma­ga­zin liegt die genaue Sum­me vor.

Nach einem Jahr, inzwi­schen war der Bot­schaf­ter gestor­ben, kam den Töch­tern bei Durch­sicht der Hin­ter­las­sen­schaft an der Sache etwas selt­sam vor. Auf den Kon­ten, von denen Heni­en behaup­te­te, dort „die Erspar­nis­se eines Lebens depo­niert zu haben, befand sich nichts“. Der Finanz­ma­na­ger selbst war unauf­find­bar. Leman Wealth Manage­ment war laut Aus­kunft der Lon­do­ner Han­dels­kam­mer im Novem­ber 2012 auf­ge­löst wor­den.

„Pineda ist von Oscar geschützt, und Maradiaga vom Papst“

„Wir haben begrif­fen, betro­gen wor­den zu sein. Wir stell­ten Ermitt­lun­gen an und fan­den her­aus, daß der Finanz­ma­na­ger bereits in der Ver­gan­gen­heit in ähn­li­chen Situa­tio­nen war. Ver­zwei­felt habe ich ver­sucht, Mara­dia­ga zu kon­tak­tie­ren. Mona­te­lang hat er sich ver­wei­gert. Ich bin eigens in die Kathe­dra­le nach Tegu­cig­al­pa gegan­gen, um mit ihm zu spre­chen. Er sag­te mir, selbst Geschä­dig­ter zu sein. Auch er habe das Geld des Erz­bis­tums ver­lo­ren, aber er bat mich um Dis­kre­ti­on. Ich sag­te ihm, den Fall bereits einer Rechts­an­walts­kanz­lei in Ita­li­en über­ge­ben zu haben, die auch eine Nie­der­las­sung in Lon­don hat, daß aber die Kosten sehr hoch sei­en. Er bot an, uns zu hel­fen, und gab uns Geld, um die Cau­sa begin­nen zu kön­nen. Zugleich ord­ne­te er mir an, nie zu sagen, daß er uns Heni­en vor­ge­stellt hat­te.“

Als sie die Reak­ti­on Mara­dia­gas auf die bis­he­ri­gen Espres­so-Arti­kel hör­te, der behaup­te­te, es hand­le sich um ein „Kom­plott gegen Papst Fran­zis­kus“, habe sie das noch mehr empört.

„Es ist lach­haft zu den­ken, daß ich und mei­ne Töch­ter, Freun­de des Kar­di­nals seit ewi­gen Zei­ten, lügen und uns eine sol­che Geschich­te erfin­den könn­ten.“

Ehepaar Valladares als Maradiaga noch nicht Kardinal war
Fami­lie Val­la­da­r­es als Mara­dia­ga noch nicht Kar­di­nal war

Papst Fran­zis­kus, den die Wit­we im Novem­ber 2017 in der Sache spre­chen konn­te, ord­ne­te eine Unter­su­chung zu Weih­bi­schof Pine­da an. Pine­da ist die rech­te Hand Mara­dia­gas im Erz­bis­tum Tegu­cig­al­pa.

Um sei­nen Ver­trau­ten Mara­dia­ga hält Fran­zis­kus aber sei­ne schüt­zen­de Hand. Und Mara­dia­ga hält sei­ne schüt­zen­de Hand über Pine­da.

Die Wit­we ent­hüllt noch wei­te­re schwe­re Anschul­di­gun­gen gegen Pine­da, die noch län­ger zurück­lie­gen. Kar­di­nal Mara­dia­ga habe ihre Ein­ga­be gegen den Weih­bi­schof jah­re­lang zurück­ge­hal­ten und sie auch gedrängt, die­se zurück­zu­neh­men.

Dazu Mar­ta Ale­gria Reich­mann:

„Sei­ne Opfer leben nun in Angst, weil sie Pine­da ange­zeigt haben, aber sehen, daß nichts pas­siert ist. Sie haben ver­stan­den, daß Pine­da von Oscar geschützt ist, und es scheint mir offen­sicht­lich, daß Mara­dia­ga vom Papst geschützt wird.“

Casaretto-Bericht in der Schublade von Papst Franziskus „verschwunden“

Im Vati­kan, so L’Espresso, woll­te bis­her nie­mand die Aus­sa­gen Reich­manns kom­men­tie­ren, auch nicht jene der ande­ren Zeu­gen über Pine­da und Mara­dia­ga, die der Apo­sto­li­sche Visi­ta­tor zu Pro­to­koll gebracht hat­te. Der Casa­ret­to-Bericht sei in der Schub­la­de von Papst Fran­zis­kus „ver­schwun­den“, so das Wochen­ma­ga­zin.

„Ich habe den Papst um Audi­enz gebe­ten und wur­de am 21. Novem­ber von ihm emp­fan­gen. Er sag­te mir, über mei­ne gan­ze Geschich­te infor­miert zu sein, und dem Staats­se­kre­ta­ri­at Auf­trag erteilt zu haben, alles zu lösen.“

Reich­mann hofft noch immer, Heni­en auf­zu­stö­bern und die Rück­erstat­tung des Fami­li­en­ver­mö­gens zu errei­chen.

„Ich habe mit Kar­di­nal Paro­lin und sei­nen Sekre­tä­ren gespro­chen, die mir ein klä­ren­des Tref­fen mit Mara­dia­ga im Vati­kan vor­ge­schla­gen haben. Ich hat­te gro­ße Hoff­nung, doch nach einer lan­gen Zeit des War­tens kam es nicht dazu. Kann es sein, daß ein Kar­di­nal den Wil­len des Pap­stes miß­ach­tet? Ich habe gehört, daß er mich als ver­rückt bezeich­net, und daß ich nie mehr zurück­er­hal­te wür­de, was ich ver­lo­ren habe. Das kann schon sein. Ich bin es aber leid, an der Nase her­um­ge­führt zu wer­den und habe des­halb beschlos­sen, mei­nen gan­zen Schmerz zu erzäh­len, der mir zuge­fügt wur­de. Ich bin das erste Opfer, das einen sol­chen Schritt setzt. Ich weiß, daß wei­te­re mei­nem Bei­spiel fol­gen wer­den.“

L’Espresso merk­te an, nicht zu wis­sen, ob die Bot­schaf­ter­wit­we aus­rei­chend Beweis­ma­te­ri­al besitzt, um den Papst vom Wahr­heits­ge­halt ihrer Ankla­gen gegen einen der eng­sten Papst-Ver­trau­ten zu über­zeu­gen.

„Sicher ist, daß sie weder ver­rückt scheint noch eine gefähr­li­che Ver­schwö­re­rin, die irgend­ei­ner kon­ser­va­ti­ven Frak­ti­on ange­hört, die Refor­men von Fran­zis­kus zu Fall brin­gen will.“

So ver­sucht Kar­di­nal Mara­dia­ga bis­her die Sache dar­zu­stel­len, und damit abzu­tun. Reich­mann abschlie­ßend:

„Ich hof­fe, daß der Papst mir hilft. Er hat mich mit Mut machen­den Wor­ten ver­ab­schie­det und ver­spro­chen, daß mir Gerech­tig­keit wider­fah­ren wer­de. Er hat es mir gesagt wie ein Vater vol­ler Lie­be.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: L’Espresso/beta.companieshouse.gov.uk/DC Leaks (Screen­shots)

3 Kommentare

  1. Ohne Zwei­fel ist Kar­di­nal Oscar Mara­dia­ga ein hoch­in­tel­li­gen­ter, viel­sei­tig gebil­de­ter und aus­ge­bil­de­ter Mann, u.a. auch in den Fächern Psy­cho­lo­gie und Psy­cho­the­ra­pie. Er dürf­te (neben eini­gen latein­ame­ri­ka­ni­schen Jesui­ten) zusam­men mit Kar­di­nal Kas­per zu den ein­fluss­reich­sten Per­so­nen gehö­ren, die beim letz­ten Kon­kla­ve bzw. schon im Vor­aus den Argen­ti­ni­er Jor­ge Mario Ber­go­glio auf den Schild geho­ben haben und die jetzt zu den Haupt­ein­flü­ste­rern des Pap­stes zäh­len.

    Gut denk­bar, dass die Urhe­ber­schaft des von Fran­zis­kus ger­ne und häu­fig benutz­ten, aber inhalts­lee­ren Schlag­wor­tes „Arme Kir­che für die Armen“ beim hon­du­ra­ni­schen Kar­di­nal Mara­dia­ga zu suchen ist. Gera­de des­halb ist es schon mehr als merk­wür­dig, dass gera­de die­ser Mann mit undurch­sich­ti­gen Geld­ge­schäf­ten und Trans­ak­tio­nen in Ver­bin­dung gebracht wird. Und so, wie es sich im Moment dar­stellt, sind das kei­nes­wegs Fake News. Der Papst wird Mara­dia­ga wohl schüt­zen. Weil er ihn braucht. Eine bri­san­te Sto­ry jeden­falls

  2. wenn man das Foto von Hoch­wür­den mit dem Bot­schaf­ter­ehe­paar so anschaut, dann kauft man dem Herrn Kar­di­nal sei­nen Pau­per­is­mus nicht wirk­lich ab

  3. wie schon die Par­ty für die Rei­chen und die Pro­mi­nenz nach der Hei­lig­erklä­rung v. P.Johannes XXIII und Johann Paul II exem­pla­risch zeig­te, und die vie­le Fotos und Screen­shots von Finanz­pro­mi­nenz, sehr häu­fig frei­gei­stig ori­en­tiert und nicht sel­ten mit zwie­lich­ti­gen Figu­ren eben­falls demon­strie­ren, ist die­ser Aus­druck von „einer armen Kir­che für die Armen“ blan­ker Hohn.
    In Wirk­lich­keit han­delt es sich um eine „Kir­che von rei­chen Prä­la­ten für sehr rei­che Men­schen“ und mit einer pro­le­ten­haf­ten pero­ni­sti­schen Sturm­ab­tei­lung um jeg­li­che Kri­tik „nie­der­zu­knüp­peln“ (sic ein Wort vor 10 Tagen in der Pre­digt in domus Sta. Mar­ta ver­wen­det).

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