„Bergoglios Guillotine ist keine Reinigung der Kirche“

Die Analyse von Erzbischof Carlo Maria Viganò nach dem jüngsten Finanzskandal im Vatikan

Hinrichtung von König Ludwig XVI. mit der Guillotine.
Hinrichtung von König Ludwig XVI. 1793 mit der Guillotine.

(Rom) „Die Guil­lo­ti­ne von Ber­go­glio ist kei­ne wirk­li­che Rei­ni­gung der Kir­che.“ In die­sem Satz kon­zen­triert sich die Ana­ly­se des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, in sei­nem jüng­sten Kom­men­tar, der gestern von ver­schie­de­nen Medi­en, dar­un­ter die Tages­zei­tung La Veri­tà und der Blog des Vati­ka­ni­sten Mar­co Tosat­ti, ver­öf­fent­licht wur­de. Der Wunsch nach der Guil­lo­ti­ne zer­rüt­te die Kir­che, so der ein­sti­ge Bot­schaf­ter des Hei­li­gen Stuhls, der 2018 wegen der päpst­li­chen Reak­ti­on auf den Fall von Kar­di­nal McCarrick zum schärf­sten Kri­ti­ker des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats wur­de. Die Tat­sa­che, daß Kar­di­nal Geor­ge Pell vom Hei­li­gen Stuhl, obwohl unschul­dig, fal­len­ge­las­sen wur­de, bewei­se, daß die „Mora­li­sie­rung“ nur Fas­sa­de sei. Der mit Nach­druck erklär­te Wil­le des Pap­stes, eine „Rei­ni­gung“ durch­füh­ren zu wol­len, ver­tra­ge sich so gar nicht mit sei­ner Aus­wahl von Mit­ar­bei­tern wie McCarrick.

In die­sen Tagen, so Erz­bi­schof Viganò, wur­de viel über den jüng­sten vati­ka­ni­schen Skan­dal geschrie­ben, in den Kar­di­nal Ange­lo Becciu ver­wickelt ist.

„Ange­sichts der Anschul­di­gun­gen, die erst noch bewie­sen wer­den müs­sen, scheint die Ant­wort von Jor­ge Mario Ber­go­glio mehr von Wut als von Lie­be zur Wahr­heit dik­tiert zu sein, mehr von All­machts­al­lü­ren als von Wil­len zur Gerech­tig­keit: in jedem Fall von einem schwe­ren des­po­ti­schen Miß­brauch der Auto­ri­tät.“

Jeden­falls schei­nen der Ent­zug der Pur­pur­wür­de und die Ver­set­zung in den Lai­en­stand, so Msgr. Viganò, zu einer Form von „sofor­ti­ger außer­ge­richt­li­cher Hin­rich­tung mit star­ker Medi­en­wirk­sam­keit“ gewor­den zu sein, die „los­ge­löst von der mora­li­schen oder straf­recht­li­chen Ver­ant­wor­tung der Ver­ur­teil­ten auf den Image­nut­zen für den Exe­ku­tor“ abzie­le.

„Der Herr Theo­do­re McCarrick“, der bis Som­mer 2018 Kar­di­nal und ein enger Ver­trau­ter von Papst Fran­zis­kus war, „der schwer­ster Ver­bre­chen beschul­digt war, wur­de direkt vom Papst ver­ur­teilt, ohne daß die Pro­zeß­ak­ten und die Zeu­gen­aus­sa­gen, die ihn betref­fen, publik gemacht wur­den.“

„Mit die­sem Win­kel­zug woll­te Ber­go­glio ein Bild von sich ver­mit­teln, das der Wirk­lich­keit wider­spricht, weil sein Wil­le, im Vati­kan ‚sau­ber­zu­ma­chen‘, sich schlecht damit ver­trägt, von schwer kom­pro­mit­tier­ten Gestal­ten umge­ben zu sein – zu denen auch McCarrick gehör­te –, denen er offi­zi­el­le Auf­ga­ben über­trägt, um sie dann weg­zu­ja­gen, sobald ihre Skan­da­le ans Licht kom­men.“

Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò

Dies, obwohl auf allen von ihnen, „wie jene, die mit der Kurie zu tun haben, genau wis­sen, schon schwer­wie­gen­de Ver­dachts­mo­men­te, wenn nicht sogar kon­kre­te Bewei­se laste­ten“.

Die­se Instru­men­ta­li­sie­rung der mora­li­schen Empö­rung wer­de umge­kehrt bestä­tigt durch das Fal­len­las­sen von inte­gren und unschul­di­gen Per­sön­lich­kei­ten, die den­noch „der Nie­der­tracht der Dis­kre­di­tie­rung“ und dem „Medi­en­pran­ger“ aus­ge­lie­fert wur­den. Als kon­kre­tes Bei­spiel nennt Erz­bi­schof Viganò den Fall von Kar­di­nal Geor­ge Pell. Der austra­li­sche Pur­pur­trä­ger „wur­de in einer Pro­zeß­f­ar­ce sich selbst über­las­sen, wäh­rend der Hei­li­ge Stuhl sich jeg­li­cher Inter­ven­ti­on ent­hielt, obwohl die­se eine Pflicht gewe­sen wäre“.

Die­ses Ver­hal­ten kon­tra­stie­re mit ande­ren Fäl­len „wie zum Bei­spiel dem von Gusta­vo Zan­chet­ta“. Für die Ver­tei­di­gung die­ses päpst­li­chen Aug­ap­fels habe „sich Ber­go­glio bis zum Äußer­sten ver­aus­gabt“. Er ging so weit, die Opfer des Prä­la­ten der fal­schen Zeu­gen­aus­sa­ge zu bezich­ti­gen. Trotz der schwer­wie­gen­den Anschul­di­gun­gen wur­de Zan­chet­ta auf einen Ver­ant­wor­tungs­po­sten bei der Apo­sto­li­schen Güter­ver­wal­tung beru­fen, der eigens für ihn geschaf­fen wur­de.

„Und heu­te sind Nun­zio Galan­ti­no und Zan­chet­ta de fac­to die Ver­wal­ter des gesam­ten Ver­mö­gens des Hei­li­gen Stuhls und nun auch der Kas­se des Staats­se­kre­ta­ri­ats.“

Erz­bi­schof Viganò geht in sei­ner kri­ti­schen Ana­ly­se noch wei­ter:

„Und was soll erst über nicht prä­sen­ta­ble Figu­ren wie Tar­ci­sio Ber­to­ne und Oscar Rodri­guez Mara­dia­ga, Edgar Peña Par­ra und Vin­cen­zo Paglia gesagt wer­den? Leben­de Ärger­nis­se …“

Unbestechliche unerwünscht, Kompromittierte erwünscht

„Per­so­nen von nach­ge­wie­se­ner Ehr­lich­keit und gro­ßem Glau­ben wie Etto­re Got­ti Tede­schi oder Kar­di­nal Pell, ohne Euge­nio Has­ler1 zu ver­ges­sen und die Mit­ar­bei­ter Becci­us im Staats­se­kre­ta­ri­at, die nur sei­ne Anwei­sun­gen aus­führ­ten, wur­den schlim­mer behan­delt als Seri­en­miß­brauch­stä­ter wie Theo­do­re McCarrick oder ein (mut­maß­li­cher) Intri­gant wie Becciu.“

Der ehe­ma­li­ge Apo­sto­li­sche Nun­ti­us in den USA sieht dar­in ein System: Ehr­li­che und unbe­stech­li­che Mit­ar­bei­ter schei­nen des­halb, weil lästig, ent­las­sen wor­den zu sein, so wie umge­kehrt die Erpreß­bar­keit von unmo­ra­li­schen und unehr­li­chen Mit­ar­bei­tern als Garan­tie ihrer Treue und ihres Schwei­gens betrach­tet wur­de.

Erste­re hät­ten mit Wür­de ihre unge­rech­te Ent­fer­nung auf sich genom­men, ohne durch das Auf­zei­gen des Unrechts das Anse­hen des Pap­stes und der Kir­che zu schä­di­gen.

„Es ist anzu­neh­men, daß auf der ande­ren Sei­te die Kor­rup­ten und Laster­haf­ten gegen­über ihren Anklä­gern zum Mit­tel der Erpres­sung grei­fen wer­den, wie das von den ehr­lo­sen Höf­lin­gen immer gemacht wur­de.“

In all dem ste­he jedoch das Ver­hal­ten von San­ta Mar­ta im Zen­trum, das „von ver­schie­de­ner Sei­te mit einer süd­ame­ri­ka­ni­schen Jun­ta ver­gli­chen wur­de“.

„Ich hin­ge­gen den­ke, daß hin­ter die­sen sich wie­der­ho­len­den Skan­da­len, die höch­ste Per­sön­lich­kei­ten der Hier­ar­chie und der Römi­schen Kurie betref­fen, der geziel­te Wil­le zur Demo­lie­rung der Kir­che, zu ihrer Dis­kre­di­tie­rung vor der Welt, zur Kom­pro­mit­tie­rung der Auto­ri­tät und des Anse­hens vor den Gläu­bi­gen steht.
Die Ope­ra­ti­on, deren Zeu­gen wir seit mehr als sie­ben Jah­ren sind, zielt ein­deu­tig auf die Zer­stö­rung der katho­li­schen Insti­tu­ti­on ab durch Glaub­wür­dig­keits­ver­lust, durch Ent­frem­dung und Abscheu wegen der Hand­lun­gen und des unwür­di­gen Ver­hal­tens ihrer Glie­der: Eine Ope­ra­ti­on, die mit den sexu­el­len Skan­da­len bereits wäh­rend der Vor­gän­ger­pon­ti­fi­ka­te begon­nen hat­te, deren Haupt­ak­teur nun genau jener ist, der auf dem Stuhl sitzt, und der mit sei­nen Wor­ten und Wer­ken imstan­de ist dem Papst­tum und der Kir­che die ver­hee­rend­sten Schlä­ge zuzu­fü­gen.“

Die „Ent­my­tho­lo­gi­sie­rung des Papst­tums“, wie sie von pro­gres­si­ver Sei­te ange­strebt wird, bestehe im Wesent­li­chen dar­in, das Papst­tum „lächer­lich zu machen“, um das Hei­li­ge zu pro­fa­nie­ren.

„Es ist bei­spiel­los und äußerst schwer­wie­gend, daß die­se Ope­ra­ti­on von dem durch­ge­führt wird, der das Papst­tum aus­übt und sein Gewand, wenn auch plump, trägt.“

Die Profanierung der Kirche

Die Pro­fa­nie­rung der Kir­che, so Erz­bi­schof Viganò, wer­de von ihrer eige­nen hier­ar­chi­schen Spit­ze mit „wis­sen­schaft­li­cher Metho­de“ betrie­ben, „die sich beim Volk Got­tes unbe­liebt mache, aber von der Welt bemit­lei­den las­se durch das wohl­ge­fäl­li­ge Ver­hal­ten der Main­stream-Medi­en“.

Die­se Vor­ge­hens­wei­se sei aber nicht neu. „Sie wur­de, wenn auch noch mit gerin­ge­rer Medi­en­wirk­sam­keit, aber immer mit dem­sel­ben Ziel, bereits am Vor­abend der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on ange­wandt. Die Ari­sto­kra­tie ver­haßt machen, den Adel mit Lastern kor­rum­pie­ren, die dem Volk unbe­kannt sind, das Bewußt­sein für die mora­li­sche Ver­ant­wor­tung gegen­über den Unter­ge­be­nen aus­lö­schen, das Pro­vo­zie­ren von Skan­da­len und die För­de­rung der Unge­rech­tig­keit gegen­über Schwä­che­ren und Ärme­ren, das Dienst­bar­ma­chen der herr­schen­den Schicht für die Inter­es­sen der Sek­ten und Logen: Das waren die Prä­mis­sen, die von der Frei­mau­re­rei geschaf­fen wur­den, um die Mon­ar­chie in Ver­ruf zu brin­gen und die Auf­stän­de der Mas­sen zu recht­fer­ti­gen, die von weni­gen Auf­rüh­rern im Sold der Logen vor­be­rei­tet wur­den. Und wenn die Ade­li­gen nicht in die Fal­le des Lasters und der Kor­rup­ti­on tapp­ten, beschul­dig­ten sie die Ver­schwö­rer der Schänd­lich­kei­ten ande­rer, indem sie dar­aus eine Stan­des­fra­ge mach­ten, und ver­ur­teil­ten sie zur Hin­rich­tung, getrie­ben vom Haß, der unter den Rebel­len, den Ver­bre­chern, den Fein­den des Königs und Got­tes geschürt wur­de. Ein Hau­fen Nie­der­träch­ti­ger, die nichts zu ver­lie­ren und alles zu gewin­nen hat­ten.“

„Heu­te, nach 200 Jah­ren der Tyran­nei des revo­lu­tio­nä­ren Den­kens, ist die Kir­che das Opfer des glei­chen Systems, das gegen die Mon­ar­chie ange­wandt wur­de. Tei­le der kirch­li­chen Ari­sto­kra­tie sind kor­rupt wie oder viel­leicht sogar mehr noch als der fran­zö­si­sche Adel. Und sie ver­ste­hen nicht, daß die­se Ver­let­zung ihres Anse­hens und ihrer Auto­ri­tät die not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für die Guil­lo­ti­ne ist, für das Mas­sa­ker, für das Wüten der Rebel­len und auch für den Ter­ror.“

Die Gemä­ßig­ten soll­ten ernst­haft dar­über nach­den­ken, „die glau­ben, daß ein näch­ster Papst, der nur etwas weni­ger pro­gres­siv ist als Ber­go­glio, die Gemü­ter besänf­ti­gen und das Papst­tum und die Kir­che ret­ten kön­ne“, so Erz­bi­schof Viganò.

„Der theo­lo­gi­sche Haß der Fein­de Got­tes wird, sobald die guten Hir­ten besei­tigt und die Gläu­bi­gen ent­frem­det sind, nicht vor jenen Halt machen, die heu­te das der­zei­ti­ge Papst­tum bekla­gen, aber die Matrix des Zwei­ten Vati­can­ums ver­tei­di­gen: Die Kon­ser­va­ti­ven, die glau­ben, sie könn­ten sich glei­cher­ma­ßen von den Moder­ni­sten wie von den Tra­di­tio­na­li­sten distan­zie­ren, wer­den das Ende der Giron­di­sten fin­den.“

„Mun­da­mi­ni, qui fer­tis vasa Domi­ni“ (Jes 52,11)“

Zu deutsch: „Hal­tet euch rein, denn ihr tragt die Gerä­te des Herrn.“

Der Weg aus der Kirchenkrise

„Der ein­zi­ge Weg, um aus der Kir­chen­kri­se her­aus­zu­kom­men, die eine Kri­se des Glau­bens und der Moral ist, ist der, die Abir­rung vom rech­ten Weg zu erken­nen, auf dem fal­schen Weg umzu­keh­ren und wie­der den rech­ten Weg ein­zu­schla­gen, den unser Herr mit Sei­nem Blut gekenn­zeich­net hat: der Weg von Kal­va­ria, des Kreu­zes und des Lei­dens.“

Solan­ge die Hir­ten der Welt gefal­len wol­len, so Erz­bi­schof Viganò, wer­de die Welt sie beloh­nen mit ihren Täu­schun­gen, ihren Lügen und ihren abscheu­lich­sten Lastern.

„Wenn die Hir­ten nicht mehr den Geruch der Scha­fe, son­dern den wohl­rie­chen­den Duft des Chri­sam haben wer­den, mit dem sie dem höch­sten und ewi­gen Prie­ster gleich­ge­stal­tet wur­den, wer­den sie erneut dem gött­li­chen Vor­bild Chri­sti ent­spre­chen und mit Ihm wer­den sie wie­der bereit sein, sich zur Ehre Got­tes und dem Heil der See­len auf­zu­op­fern.“

„Die Letzt­ent­schei­dung ist immer radi­kal: die ewi­ge Ehre mit Chri­stus oder die ewi­ge Ver­damm­nis fern von Ihm.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Euge­nio Has­ler, Sohn eines Unter­of­fi­ziers der Schwei­zer Gar­de aus dem Kan­ton Sankt Gal­len und einer ita­lie­ni­schen Jour­na­li­stin, Staats­bür­ger der Schweiz von Geburt an, des Staa­tes der Vati­kan­stadt durch sei­ne Arbeit und durch Ein­bür­ge­rung auch von Ita­li­en, war bis 2017 im Gene­ral­se­kre­ta­ri­at der Statt­hal­te­rei des Staa­tes der Vati­kan­stadt tätig. Am 27. März 2017 wur­de er zu Papst Fran­zis­kus zitiert. Beim Gespräch, das am 28. März statt­fand, wur­de er ohne Nen­nung von Grün­den ent­las­sen.

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