Die Gefahr einer „surrealen Synode“

Hochkarätig besetzte Tagung in Rom

Am Tag vor der Eröffnung der Amazonassynode fand in Rom eine Tagung über „Die Wahrheit über die Amazonassynode“ statt.
Am Tag vor der Eröffnung der Amazonassynode fand in Rom eine Tagung über „Die Wahrheit über die Amazonassynode“ statt.

(Rom) Am Sams­tag, den 5. Okto­ber – am Tag vor der Eröff­nung der Ama­zo­nas­syn­ode –, fand in Rom eine hoch­ka­rä­tig besetz­te Tagung statt, die vor den Gefah­ren einer „sur­rea­len Syn­ode“ warn­te. Eröff­net wur­de die Tagung mit einem Gebet durch Kar­di­nal Ray­mond Bur­ke, abge­schlos­sen abends mit dem Ange­lus durch Kar­di­nal Wal­ter Brand­mül­ler.

Im Mit­tel­punkt der ganz­tä­gi­gen Ver­an­stal­tung unter dem Titel „Die Wahr­heit über die Ama­zo­nas­syn­ode“ stan­den die The­men des Instru­men­tum labo­ris, das Grund­la­ge der Syn­oden­ar­bei­ten in den kom­men­den drei Wochen ist. Orga­ni­siert wur­de die Tagung vom Insti­tut Pli­nio Cor­rêa de Oli­vei­ra und der von die­sem bra­si­lia­ni­schen Den­ker gegrün­de­ten Gesell­schaft Tra­di­ti­on, Fami­lie, Pri­vat­ei­gen­tum (TFP).

Das umstrit­te­ne Instru­men­tum labo­ris, von Papst Fran­zis­kus appro­biert, war am ver­gan­ge­nen 17. Juni mit allen Ehren vom vati­ka­ni­schen Pres­se­amt vor­ge­stellt wor­den. Als der Inhalt bekannt wur­de, folg­te mas­si­ve Kri­tik dar­an.

Am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag, den 3. Okto­ber, drei Tage vor Syn­oden­er­öff­nung, geschah Selt­sa­mes. Das Instru­men­tum labo­ris wur­de de fac­to zurück­ge­stuft. Mit auf­fal­len­dem Nach­druck erklär­te Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, der Gene­ral­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode, daß es sich dabei nur um „ein nicht-päpst­li­ches Arbeits­pa­pier“ hand­le. Mehr noch: Es sei bloß die Basis, um „von Null auf das Schluß­do­ku­ment zu erstel­len“.

Han­delt es sich dabei „nur um einen tak­ti­schen Schach­zug“, wie der Schwei­zer Jour­na­list Giu­sep­pe Rus­co­ni fragt, um die gro­ßen Sor­gen vie­ler, auch etli­cher Pur­pur­trä­ger zu zer­streu­en?

Dafür spricht, daß an der Sei­te von Kar­di­nal Bal­dis­se­ri ein ande­rer Kar­di­nal war, der deutsch­stäm­mi­ge Bra­si­lia­ner Clau­dio Hum­mes. Hum­mes hat­te als Ama­zo­nas-Beauf­trag­ter der Bra­si­lia­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und als Vor­sit­zen­der von REPAM, des kirch­li­chen Netz­wer­kes zur Syn­oden­vor­be­rei­tung, maß­geb­li­chen Ein­fluß auf das Instru­men­tum labo­ris. Jede Kri­tik an die­sem Arbeits­do­ku­ment meint ihn daher direkt.

Der­sel­be Hum­mes, der am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag unbe­wegt der Deklas­sie­rung des Instru­men­tum labo­ris durch Bal­dis­se­ri bei­wohn­te, hat­te erst vor kur­zem die­ses Doku­ment noch als „Stim­me der Kir­che, der Welt, der Men­schen, der Geschich­te des Ama­zo­nas“ bezeich­net. Für Hum­mes kann kei­ne Rede davon sein, daß es sich beim Instru­men­tum labo­ris bloß um irgend­ein bedeu­tungs­lo­ses Doku­ment han­delt. Wohl auch nicht für Bal­dis­se­ri.

Die über­füll­te Sala Ver­de des Hotel Qui­ri­na­le, in dem die TFP-Tagung statt­fand, konn­te am Sams­tag nicht alle Per­so­nen fas­sen. Die Arbeits­grund­la­ge der Ama­zo­nas­syn­ode wur­de von bril­lan­ten Refe­ren­ten aus ver­schie­den­sten Blick­win­keln beleuch­tet. Die Tagung war ein gro­ßer Gewinn für alle, die sich die Mühe machen, den Din­gen auf den Grund zu gehen und wirk­lich nach­zu­den­ken, so Rus­co­ni:

„Es wäre sicher nicht schlecht, wenn die Aus­füh­run­gen in der Syn­ode­nau­la wie­der­holt wür­den.“

Das wäre für alle Syn­oda­len ein Erkennt­nis­ge­winn und ein Nut­zen für den all­ge­mei­nen Nach­denk­pro­zeß.

„Oder wenn zum Bei­spiel der Teil über das Kli­ma in Gegen­wart von Gre­ta Thun­berg und ihren Fans wie­der­holt wür­de. Es ist immer eine gute Sache, auch die Argu­men­te und Beweg­grün­de der alte­ra pars zu hören.“

Mode­riert wur­de die Tagung von Julio Lore­do, dem Vor­sit­zen­den von TFP Ita­li­en. Lore­do rief in Erin­ne­rung, daß die Gesell­schaft seit über einem hal­ben Jahr­hun­dert die Ent­wick­lung von Kir­che und Gesell­schaft in Bra­si­li­en aus näch­ster Nähe beob­ach­tet. Die von Pli­nio Cor­rêa de Oli­vei­ra gegrün­de­te Ver­ei­ni­gung ken­ne die katho­li­sche Geschich­te des süd­ame­ri­ka­ni­schen Lan­des.

Amazonas-Mythen und negative Folgen der Befreiungstheologie

Über die Evan­ge­li­sie­rung der Ama­zo­nas­re­gi­on und die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie sprach der desi­gnier­te Prä­ten­dent auf die Kai­ser­wür­de in Bra­si­li­en, Dom Bert­rand Maria José von Orléans und Bragan­za. Bra­si­li­ens letz­ter regie­ren­der Kai­ser war 1889 durch einen Staats­streich gestürzt und die Repu­blik aus­ge­ru­fen wor­den.

Der desi­gnier­te Thron­prä­ten­dent berich­te­te, daß Bra­si­li­en auf der Katho­li­zi­tät gegrün­det wur­de, heu­te aber nur mehr die Hälf­te der Bra­si­lia­ner katho­lisch sind.

„Das erste Denk­mal, das in Bra­si­li­en errich­tet wur­de, war ein Kreuz, die erste öffent­li­che Hand­lung eine Hei­li­ge Mes­se.“

Die Indi­os hal­fen den Por­tu­gie­sen bei der Auf­rich­tung des Kreu­zes und der Evan­ge­li­sie­rung des Lan­des. Die Päp­ste ver­tei­dig­ten die indi­ge­ne Bevöl­ke­rung seit der Bul­le Sub­li­mis Deus von Papst Paul III. (1534–1549). Man kön­ne sagen, so der Prinz, daß die gesam­te Durch­drin­gung des Ama­zo­nas­beckens „seit dem 17. Jahr­hun­dert den Mis­sio­na­ren zu ver­dan­ken ist“.

„Alle wich­ti­gen Städ­te der Regi­on ent­stan­den rund um Kapel­len und Mis­si­ons­nie­der­las­sun­gen.“

Im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr­hun­dert ging der Anteil der Katho­li­ken aber von 95 Pro­zent auf nur mehr 50 Pro­zent zurück.

„Ein Apo­sto­li­scher Nun­ti­us in Bra­si­li­en – der heu­ti­ge Kar­di­nal Bal­dis­se­ri – ver­trau­te mir vor eini­gen Jah­ren an, daß wir jedes Jahr einen Pro­zent ver­lie­ren.“

Um die wirk­li­chen Grün­de und Ursa­chen machen die Kir­chen­ver­ant­wort­li­chen einen Bogen. Die über­lie­fer­te Mes­se wur­de durch eine „aktua­li­sier­te Mis­sio­lo­gie“  ersetzt, die das Ver­ständ­nis der Mes­se radi­kal ver­än­der­te. Laut dem eme­ri­tier­ten Bischof Jose Luiz Azco­na der Prä­la­tur Mara­jo, den Dom Bert­rand zitier­te, haben pro­te­stan­ti­sche Pfingst­be­we­gun­gen in eini­gen Ama­zo­nas­ge­gen­den inzwi­schen einen Anteil von 80 Pro­zent.

Dom Bert­rand Maria José von Orléans und Bragan­za wider­sprach den ver­brei­te­ten Schreckens­mel­dun­gen, der Ama­zo­nas wer­de zer­stört.

„Der Ama­zo­nas ist intakt. Der Mythos, daß der Ama­zo­nas brennt, ist halt­los.“

Die Ama­zo­nas­syn­ode stell­te Dom Bert­rand in den Zah­len­kon­text. In ganz Bra­si­li­en gebe es laut dem bra­si­lia­ni­schen Bun­des­sta­ti­stik­amt 897.000 Indi­os (0,43 Pro­zent der Bevöl­ke­rung), von denen nur 180.000 oder 0,08 Pro­zent der Ein­woh­ner Bra­si­li­ens im Amzo­na­sur­wald leben.

„Wie recht­fer­tigt sich eine Syn­ode ange­sichts einer so gerin­gen Bevöl­ke­rungs­zahl?

„Einige wollen uns wieder in die Steinzeit zurückstoßen“

Für die Indio-Völ­ker sprach Jonas Mar­co­li­no Macu­xi ein Ver­tre­ter der Macu­xi von Rorai­ma, der sich gegen eine ein­sei­ti­ge Ver­ein­nah­mung der indi­ge­nen Ama­zo­nas-Völ­ker für ideo­lo­gi­sche Zwecke ver­wahr­te, wie sie aus dem Instru­men­tum labo­ris her­vor­ge­he. Der Sohn von Analpha­be­ten gab sich bis zum 12. Lebens­jahr der Jagd und dem Fisch­fang hin, dann stu­dier­te er Mathe­ma­tik und Rechts­wis­sen­schaf­ten. Heu­te ist er einer der füh­ren­den Ver­tre­ter der Gesell­schaft zur Ver­tei­di­gung der Indi­os von Nord-Rorai­ma.

Die Volks­grup­pe der Macu­xi zählt 12.000 Ange­hö­ri­ge. 70 Pro­zent sei­nes Vol­kes sei­en gegen die Zuwei­sung eines Reser­vats, so Jonas Mar­co­li­no Macu­xi.

„Wir haben seit 1988 elek­tri­schen Strom, Autos, Bus und in unse­ren Dör­fern wird pro­du­ziert. Das Pro­blem ist, daß es eini­ge gibt, die uns wie­der in die Stein­zeit zurück­sto­ßen möch­ten.“

Sei­ne Kern­aus­sa­ge war:

„Die Mehr­heit der Indi­os will Fort­schrit­te und nicht Rück­schrit­te machen.“

Die jahr­hun­der­te­al­ten, erfolg­rei­chen Metho­den zur Inte­gra­ti­on der Indi­os in die christ­li­che Zivi­li­sa­ti­on sei­en durch die „Mis­sio­na­re der Befrei­ungs­theo­lo­gie“, durch eini­ge Ver­tre­ter der Öko- und Umwelt­schutz­be­we­gung sowie eini­ge NGOs und deren Finan­ciers seit den 70er Jah­ren zer­trüm­mert und abge­baut wor­den.

„Es gibt Mis­sio­na­re, die Indi­os einer Gehirn­wä­sche unter­zo­gen haben, indem sie stun­den­lang Fil­me vor­führ­ten mit Wei­ßen, die ande­re Indi­os schlu­gen.“

„Es gibt auch heute, was es schon immer gab: einen natürlichen Klimawandel“

Der Kli­ma­for­scher Luiz Car­los Moli­on, stu­dier­ter Phy­si­ker, Meteo­ro­lo­ge und Hydro­lo­ge, gehört zu den füh­ren­den Wis­sen­schaft­lern, die einer behaup­te­ten, men­schen­ver­schul­de­ten Erd­er­wär­mung skep­tisch gegen­über­ste­hen. Ent­spre­chend ange­fein­det wird er vom gut­be­zahl­ten Main­stream. Er ver­trat Bra­si­li­en bei der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on für Meteo­ro­lo­gie (WMO) der Ver­ein­ten Natio­nen mit Sitz in Genf. Detail­liert schil­der­te er die Ent­wick­lung der Kli­ma­zo­nen der Erde unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung der Ama­zo­nas­re­gi­on.

Es gebe weder Ver­än­de­run­gen in den ver­schie­de­nen Kli­ma­zo­nen noch eine glo­ba­le Erwär­mung, die vom Men­schen ver­ur­sacht sind. Nichts der­glei­chen las­se sich wis­sen­schaft­lich nach­wei­sen.

„Was es gibt, ist eine natür­li­che Kli­ma­ver­än­de­rung, wie es sie schon immer gege­ben hat.“

Es gebe hin­ge­gen phy­si­sche Argu­men­te, die dafür spre­chen, daß die Erwär­mung zwi­schen 1916 und 1945 durch Son­nen­ak­ti­vi­tä­ten ver­ur­sacht wur­de, wel­che den höch­sten Stand in den ver­gan­ge­nen 400 Jah­ren erreich­ten. Die Erwär­mung zwi­schen 1976 und 2005 sei hin­ge­gen durch eine Redu­zie­rung der Wol­ken­decke um fünf Pro­zent und die Fre­quenz von Natur­phä­no­men wie El Niño ver­ur­sacht wor­den.

Seit eini­gen Jah­ren sei jedoch eine Abküh­lungs­ten­denz des Pazi­fi­schen Oze­ans, dem wich­tig­sten Fak­tor für das Kli­ma, fest­zu­stel­len. Der Grund dafür sei die Zunah­me der Wol­ken­decke. In den kom­men­den Jah­ren wer­de es daher in Euro­pa län­ge­re Win­ter geben.

Ent­ge­gen einer viel­fach zu hören­den Behaup­tung, sei der Ama­zo­nas nicht aus­schlag­ge­bend für die Regen­fäl­le in ande­ren Erd­tei­len, weil er kei­ne Feuch­tig­keits­quel­le für die Atmo­sphä­re ist. „Der Regen­wald ver­braucht mehr Sauer­stoff als er pro­du­ziert. Er pro­du­ziert auch kein Was­ser, son­dern gibt gera­de ein­mal das Was­ser der Regen­fäl­le wie­der ab.“

„Der moderne Ökologismus ist de facto der quasi-religiös weiterentwickelte Sozialismus“

James Bas­con, Absol­vent der St. Lou­is de Mont­fort Aca­de­my und Ver­tre­ter von TFP USA, sprach über die Ver­flech­tun­gen zwi­schen Mar­xis­mus und Öko­lo­gis­mus: Die Öko- und Kli­ma­be­we­gung sei das neue Kleid einer alten und gefähr­li­chen Idee.

Anders als auf den ersten Blick zu erwar­ten wäre – man erin­ne­re sich an die Natur­ka­ta­stro­phen, die der Kom­mu­nis­mus her­vor­ge­bracht hat – wei­sen Kom­mu­nis­mus und Öko­lo­gis­mus in ihrer Ent­wick­lung zahl­rei­che Gemein­sam­kei­ten auf. Sie for­dern eine radi­ka­le Gleich­heit, wei­sen die christ­li­che Bot­schaft zurück, has­sen die west­li­che Zivi­li­sa­ti­on, leh­nen das Pri­vat­ei­gen­tum in jeder Form ab und fol­gen einem Uto­pis­mus.

„Der moder­ne Öko­lo­gis­mus kann de fac­to als wei­ter­ent­wickel­te, qua­si-reli­giö­se Form des Sozia­lis­mus gese­hen wer­den. Grün ist das neue Rot. Der Öko­lo­gis­mus ist die per­fek­te Kon­kre­ti­sie­rung des Gleich­heits­trau­mes von Karl Marx.“

Beim VI. Welt­kon­greß der Kom­mu­ni­sti­schen Inter­na­tio­na­le in Mos­kau wur­de von den kom­mu­ni­sti­schen Par­tei­en Latein­ame­ri­kas ver­langt, den Kampf für die Selbst­be­stim­mung der Indio-Stäm­me auf­zu­neh­men, Pro­pa­gan­da in den Indio-Spra­chen zu pro­du­zie­ren und Indi­os für den kom­mu­ni­sti­schen Kampf zu rekru­tie­ren. In den 1930er Jah­ren began­nen die perua­ni­schen und chi­le­ni­schen Kom­mu­ni­sten die Agi­ta­ti­on für die Errich­tung von unab­hän­gi­gen Indio-Repu­bli­ken in den bei­den Län­dern. 1950 nah­men die mexi­ka­ni­schen Kom­mu­ni­sten den Kampf für eine Indio-Auto­no­mie in den regio­na­len und loka­len Ver­wal­tun­gen auf.

Der vor­christ­li­che Indio auf dem ame­ri­ka­ni­schen Dop­pel­kon­ti­nent wur­de von der mar­xi­sti­schen Ideo­lo­gie und ihrer Pro­pa­gan­da zum Vor­bild erko­ren. In Latein­ame­ri­ka, beson­ders in Bra­si­li­en, wur­de seit den 70er Jah­ren die­se Idee von der katho­li­schen Lin­ken auf­ge­grif­fen, als Bei­spiel erin­ner­te Bas­con an Leo­nar­do Boff, und in zahl­rei­chen For­men für die Agi­ta­ti­on dienst­bar gemacht.

Die drei Irrtümer des Instrumentum laboris

Ste­fa­no Fon­ta­na, der Direk­tor des Inter­na­tio­nal Obser­va­to­ry Car­di­nal Van Thuan for the Soci­al Doc­tri­ne of the Church (Kar­di­nal Van Thuan Beob­ach­tungs­stel­le für die Sozi­al­leh­re der Kir­che), Chef­re­dak­teur der Kir­chen­zei­tung des Erz­bis­tums Tri­est und Dozent für Anthro­po­lo­gi­sche Phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Vene­dig, ging der Fra­ge nach, war­um sich die Kir­che ein „ama­zo­ni­sches Gesicht“ geben soll­te, wie die Syn­oden-Orga­ni­sa­to­ren for­dern, anstatt dem Ama­zo­nas ein „katho­li­sches Gesicht“ zu geben.

Fon­ta­na benann­te dazu „drei Irr­tü­mer“, die dem Instru­men­tum labo­ris der Ama­zo­nas­syn­ode zugrun­de­lie­gen.

Irrtum 1

Die Syn­ode, ihre The­men und den theo­lo­gi­schen Ansatz, der sich im Instru­men­tum labo­ris fin­det, als Not­wen­dig­keit unse­rer Zeit zu ver­ste­hen wie ein Pilz, der über Nacht aus dem Wald­bo­den sprießt.

Irrtum 2

Zu den­ken, daß die im Zusam­men­hang mit der Syn­ode auf­tre­ten­de theo­lo­gi­sche Per­spek­ti­ve im Ama­zo­nas oder in Latein­ame­ri­ka ent­stan­den ist. Sie ist viel­mehr durch und durch euro­pä­isch und wur­de an den Lehr­stüh­len der Uni­ver­si­tä­ten am Rhein und in Mit­tel­eu­ro­pa ent­wickelt und aus­ge­ar­bei­tet.

Irrtum 3

Dar­über zu stau­nen und sich zu wun­dern, daß ein Instru­men­tum labo­ris geschrie­ben wer­den konn­te, das mit Leh­ren gespickt ist, die aus der Sicht des apo­sto­li­schen Glau­bens inak­zep­ta­bel sind, denn die Aus­rich­tung die­ser Syn­ode ent­spricht per­fekt der neu­en Theo­lo­gie, die in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ent­wickelt wur­de.

Fon­ta­na sag­te, daß die For­de­rung nach einer Kir­che mit „ama­zo­ni­schem Gesicht“ im Wider­spruch zur Evan­ge­li­sie­rung des Ama­zo­nas ste­he.

„Wenn man einen Ama­zo­nas mit katho­li­schem Gesicht will, setzt man vor­aus, daß die Kir­che eine eige­ne Bot­schaft hat, die immer gleich ist, in Euro­pa, in Afri­ka und im Ama­zo­nas. Eine Bot­schaft, die nicht von einer spe­zi­fi­schen Situa­ti­on im Ama­zo­nas abhängt. […] In die­sem Fall sind die Kul­tur und die sozia­le und wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Ama­zo­nas-Völ­ker nicht Co-Autoren der christ­li­chen Bot­schaft. […] Wenn man hin­ge­gen eine Kir­che mit ama­zo­ni­schem Gesicht will, heißt das, daß die Ver­kün­di­gung von Chri­stus über kei­ne ori­gi­nä­re, grund­le­gen­de, tran­szen­den­te und abso­lu­te Reso­nanz ver­fügt. Es ist, als wür­de man sagen, daß die Bedeu­tung der Bot­schaft immer durch die Lebens­si­tua­ti­on bestimmt sei, da man immer von die­ser aus­ge­he, um Chri­stus zu inter­pre­tie­ren. […] Die Kir­che habe gemäß die­sem Kir­chen­ver­ständ­nis zuzu­hö­ren, zu ler­nen, zu beglei­ten, aber nicht mehr zu leh­ren. Das Instru­men­tum labo­ris ist in die­sem Punkt ganz klar.“

„Der Waldkult ist ein Symbol der heidnischen Barbarei“

Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei, einer der nam­haf­te­sten katho­li­schen Intel­lek­tu­el­len unse­rer Zeit, beton­te in sei­ner Eigen­schaft als Prä­si­dent der Stif­tung Lepan­to die Gefah­ren, „die einer Kir­che dro­hen, die sich der post­mo­der­nen, ’neu­en Reli­gi­on‘ des Öko­lo­gis­mus anschließt“.

Zu den „Talis­man-Wör­tern“ unse­rer Epo­che gehö­re auch der Ama­zo­nas. Die inter­na­tio­na­len Medi­en­mäch­ti­gen haben die­ses Wort 1992 anläß­lich von 500 Jah­ren Ent­deckung Ame­ri­kas und der Rio-Kon­fe­renz, der ersten Welt­kon­fe­renz der Ver­ein­ten Natio­nen über Umwelt und Ent­wick­lung, aus­ge­ge­ben und in den ver­gan­ge­nen Wochen wie­der­holt. Die Wochen, in denen eine 16-jäh­ri­ge Schwe­din namens Gre­ta Thun­berg das „Öko-Evan­ge­li­um“ den Ver­ein­ten Natio­nen gebracht hat, und in denen Papst Fran­zis­kus dem Ama­zo­nas sogar eine Bischofs­syn­ode wid­met. Heu­te wird der Ama­zo­nas nicht mehr als geo­gra­phi­sches und phy­si­sches Ter­ri­to­ri­um ver­stan­den, son­dern als kul­tu­rel­les Para­dig­ma und laut dem Instru­men­tum labo­ris der Bischofs­syn­ode sogar als „theo­lo­gi­scher Ort“ (Nr. 18–19).

„Die ersten Mis­sio­na­re, die im 16. Jahr­hun­dert in die­ses Land vor­dran­gen, erleb­ten es nicht viel anders als der bekann­te Schwei­zer Foto­graf Emil Schult­hess, der es im 20. Jahr­hun­dert erkun­de­te und beschrieb. In sei­nem berühm­ten Buch über den Ama­zo­nas, das in den 60er Jah­ren des vori­gen Jahr­hun­derts ver­öf­fent­licht wur­de, erklärt Schult­hess, wie falsch das idyl­li­sche Bild ist, das vie­le von der Ama­zo­nas­re­gi­on haben. Der Ama­zo­nas ist kein roman­ti­scher Gar­ten Eden, son­dern eine undurch­dring­li­che Wild­nis, in der Mil­lio­nen von Insek­ten, Hee­re von Amei­sen und Mückenund Myria­den von Spin­nen und gif­ti­gen Schlan­gen leben. Die Gewäs­ser, die das rie­si­ge Gebiet durch­flie­ßen, sind von wil­den Piran­has, Alli­ga­to­ren und Ana­kon­das bewohnt, wäh­rend auf den Bäu­men Jagua­re und ande­re wil­de Tie­re lau­ern. Es ist eine Welt, in die kei­ne Son­ne ein­dringt, eine Gegend ohne Licht und ohne Jah­res­zei­ten, wo es kei­ne Küh­le der Nacht gibt, son­dern end­lo­se Schwü­le herrscht. Eine Land­schaft, in der es immer reg­net, die Was­ser fau­len und Feuch­tig­keit und Fäul­nis vor­herr­schen. Das Reich der Schat­ten ist kein Para­dies, son­dern, wie Schult­hess schreibt, eine ‚grü­ne Höl­le‘.“

Euro­pa, so der Histo­ri­ker, war nach dem Zusam­men­bruch des west­rö­mi­schen Rei­ches noch fast zur Gän­ze von Wäl­dern und Unter­holz bedeckt. Es waren die Bene­dik­ti­ner­mön­che, die mit der Rodung der Wäl­der, der Trocken­le­gung der Sümp­fe und der Bewäs­se­rung der Fel­der began­nen. Um das Land frucht­bar zu machen, schu­fen die Mön­che die Kul­tur­land­schaft eines gan­zen Kon­ti­nents.

„Die Exi­stenz der Wäl­der ist von Gott unter ande­rem des­halb gege­ben, um den Men­schen zu drän­gen, sich nicht der Natur zu unter­wer­fen, son­dern sie zu beherr­schen und zu ver­wan­deln. Dem Wald als Reich der Schat­ten und der Fin­ster­nis stell­ten die Mön­che die bebau­te Erde als Sym­bol der mensch­li­chen Kul­tur ent­ge­gen.“

„Das ist der wirk­li­che Fort­schritt auf dem Weg der Wahr­heit.“

Das Mit­tel­al­ter stell­te der Fin­ster­nis der Wäl­der, bewohnt von bösen Gei­stern, das Licht der Kathe­dra­len ent­ge­gen. Die Abhol­zung ist ein Sym­bol der Zivi­li­sa­ti­on, der Wald­kult ein Sym­bol der heid­ni­schen Bar­ba­rei. Der erste gro­ße Abhol­zer und Roder der Geschich­te war der hei­li­ge Bene­dikt von Nur­sia, der Vater des christ­li­chen Abend­lan­des und damit der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on.

Der Öko­lo­gis­mus wer­de als neue Reli­gi­on ver­brei­tet, als eine Stam­mes­re­li­gi­on, die in Wirk­lich­keit eine Anti­re­li­gi­on ist, eine Ver­göt­zung der Natur, „gegen die wir den Herrn um den Geist des Eli­ja bit­ten müs­sen, mit dem er die Göt­zen und die fal­schen Pro­phe­ten besieg­te (1 Kg 18,20–40)“.

De Mattei äußer­te die Befürch­tung, daß die Göt­zen Ein­laß in den Vati­kan fin­den. Ange­sichts einer so schreck­li­chen Per­spek­ti­ve sol­len die Gläu­bi­gen mit lau­ter Stim­me die Wor­te wie­der­ho­len, die von den Apo­steln jenen ent­ge­gen­ge­hal­ten wur­den, die von ihnen ver­lang­ten, das Evan­ge­li­um nicht sofort nach Chri­sti Tod zu ver­kün­den:

„Non pos­su­mus. Wir kön­nen unmög­lich schwei­gen über das, was wir gese­hen und gehört haben“ Apg 4,20).

„Im antichristlichen und antieuropäischen Sinn sollen vorchristliche Indio-Kulte wiederentdeckt werden“

Schließ­lich ana­ly­sier­te der chi­le­ni­sche Autor José Anto­nio Ure­ta als Ver­tre­ter von TFP Frank­reich die spe­zi­el­le Vari­an­te der soge­nann­ten „Indio-Theo­lo­gie“, die im Instru­men­tum labo­ris ihren Nie­der­schlag fand. Ure­ta bezeich­ne­te die­sen theo­lo­gi­schen Indi­ge­nis­mus als Vor­stu­fe zu einem Neu­hei­den­tum.

Die Indio-Theo­lo­gie ver­su­che „das reli­giö­se Den­ken der indi­ge­nen Völ­ker vor ihrer Begeg­nung mit dem Chri­sten­tum wie­der­zu­ent­decken“, wie der indi­ge­ne Prie­ster aus Mexi­ko, Elea­zar Lopez sagt, der zur Ama­zo­nas­syn­ode ein­ge­la­den wur­de, und der sich als „Geburts­hel­fer“ für die­se theo­lo­gi­sche Schu­le betrach­tet.

Der inter­kul­tu­rel­le Dia­log habe laut Instru­men­tum labo­ris auf eine „soli­da­ri­sche Prä­senz und des Zeug­nis­ses an der Sei­te eines Vol­kes abzu­zie­len, an der Stär­kung sei­ner Iden­ti­tät mit­zu­wir­ken und es im Kampf zu beglei­ten“. Für die Yano­ma­mi-Indi­os und ande­re Indio-Stäm­me wäre somit das Auf­ge­ben des Infan­ti­zids „gegen das Evan­ge­li­um“, weil die­se Stäm­me damit ihren eige­nen Lebens­pro­jek­ten untreu“ wür­den.

Es ver­wun­de­re aber nicht, so Ure­ta, daß der Indi­ge­ni­sti­sche Mis­si­ons­rat (Con­sel­ho Mis­si­oná­rio Indi­ge­ni­sta) der bra­si­lia­ni­schen Bischö­fe auf sei­ner Inter­net­sei­te den Kin­der­mord ver­tei­digt, wie er von der athe­isti­schen Femi­ni­stin und Anthro­po­lo­gin Rita Sega­to, einer pro­mo­vier­ten Musik­eth­no­lo­gin, bei der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on der bra­si­lia­ni­schen Abge­ord­ne­ten­kam­mer ein­ge­bracht wur­de. Rita Sega­to gehört zu den laut­stärk­sten Abtrei­bungs­lob­by­istin­nen Latein­ame­ri­kas. 2018 sag­te sie zur Abtrei­bungs­dis­kus­si­on in ihrer Hei­mat Argen­ti­ni­en:

„Abtrei­bung ist eine wich­ti­ge Pra­xis. Das Ver­bot und die Kri­mi­na­li­sie­rung der Abtrei­bung ist staat­li­che Ver­ge­wal­ti­gung, weil sie ein Stück Fleisch in ihrem Kör­per haben, das nicht ihnen gehört und das sie nicht wol­len. Das ist Ver­ge­wal­ti­gung. Sie zu zwin­gen, es zu behal­ten, ist eine staat­li­che Ver­ge­wal­ti­gung.“

Am Ran­de sei erwähnt, daß das Hilfs­werk Mise­re­or der deut­schen Bischö­fe mit dem Indi­ge­ni­sti­schen Mis­si­ons­rat zusam­men­ar­bei­tet.

Ure­ta ver­wies zudem auf den Umstand, daß das Wort „Bekehrung/Umkehr“ 34 Mal im Instru­men­tum labo­ris vor­kommt, aber nicht ein­mal im Zusam­men­hang mit einer Bekeh­rung der Indi­os zu Chri­stus. Das ver­wun­de­re nicht, da Per­so­nen wie der öster­rei­chi­sche Mis­si­ons­bi­schofs Erwin Kräut­ler in der Syn­oden­vor­be­rei­tung eine zen­tra­le Rol­le spiel­ten. Kräut­ler rühmt sich wie eini­ge Mis­si­ons­or­den, dar­un­ter die Con­so­la­ta-Mis­sio­na­re aus Turin, in meh­re­ren Jahr­zehn­ten nie einen Indio getauft zu haben. Die „Umkehr“, von der die Rede ist und zu der auf­ge­for­dert wird, meint immer eine „öko­lo­gi­sche Umkehr“, wie sie Papst Fran­zis­kus erst­mals in sei­ner Öko-Enzy­kli­ka Lau­da­to sì vom Juni 2015 erwähn­te. Umzu­keh­ren haben die Zivi­li­sier­ten, also die Euro­pä­er, die angeb­lich im Namen ihrer Über­le­gen­heit die Natur zer­stö­ren wür­den.

Die bei­den Refe­ra­te von de Mattei und Ure­ta wur­den vom Publi­kum mit ste­hen­den Ova­tio­nen bedacht.

Weihbischof Schneider: „Priesterlichen Zölibat verteidigen und vertiefen“

Wäh­rend der Tagung wur­de auch ein Video von Weih­bi­schof Atha­na­si­us Schnei­der gezeigt, der mit der Kraft der Ver­nunft den prie­ster­li­chen Zöli­bat gegen eine mög­li­che Schwä­chung ver­tei­dig­te. Msgr. Schnei­der beton­te, daß nicht eine Auf­wei­chung des Zöli­bats not­wen­dig sei, son­dern eine Auf­wer­tung und Ver­tie­fung der Zöli­bats­pflicht.

Am Abend zeig­te Dani­el Mar­tins von der TFP-Jugend ein Video über deren Akti­on, bei der im Rah­men einer Rei­se durch den Ama­zo­nas in 20 Tagen mehr als 20.000 Unter­schrif­ten gegen die Irr­tü­mer der Ama­zo­nas-Agen­da, gesam­melt und am ver­gan­ge­nen Frei­tag dem vati­ka­ni­schen Staats­se­kre­ta­ri­at über­ge­ben wur­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Roma­na




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3 Kommentare

  1. Auch ohne jemals in Ama­zo­ni­en gewe­sen zu sein, kann man die von Rober­to de Mattei zitier­te Beschrei­bung die­ses Gebie­tes durch den Schwei­zer Foto­gra­fen Emil Schult­hess sehr gut nach­voll­zie­hen. Für mich jeden­falls wären die dor­ti­gen Lebens­be­din­gun­gen tat­säch­lich die Höl­le. Deren Schrecken auch dadurch nicht gemin­dert wür­den, dass es sich um eine grü­ne Höl­le han­delt. Die Höl­le ist aber nur inso­fern ein „theo­lo­gi­scher Ort“, als sie nach christ­ka­tho­li­schem Glau­ben als Ort der ewi­gen Ver­damm­nis gilt.

  2. Sor­ry, aber so eine „Gegen­syn­ode“ wird von Kas­per, Marx und Co. nur müde belä­chelt.
    Die Ergeb­nis­se ste­hen längst fest, wer sich zu laut dage­gen äußert, ist Fun­da­men­ta­list und wird mund­tot gemacht, oder her­aus­ge­wor­fen, will­kür­lich und ohne Mög­lich­keit einer fai­ren Behand­lung.
    Die­se System aus Lug und Betrug hat schon das Kon­zil ermög­licht, alles Fol­gen­de ist für die­se Miet­lin­ge ein leich­tes Spiel.
    Nur eins haben die Zer­stö­rer ver­ges­sen, das ist EINER, den kön­nen sie nicht aus­schlie­ßen, so ger­ne sie das auch täten, er hat noch Geduld, um der Letz­ten wil­len, die den Glau­ben trotz Kon­zil noch nicht ver­lo­ren haben.
    Wer­den aber auch die­se gefähr­det, kommt das Straf­ge­richt, das ist so sicher wie das AMEN in der Kir­che.

  3. Mit jedem Göt­zen, jedem heid­ni­schen Kult, dem die Türen geöff­net wer­den, bekom­men die Dämo­nen mehr und mehr Ein­fluss auf die Kir­che und auf die Men­schen.
    Durch das Blut Chri­sti und die Für­spra­che Mari­ens mögen die Syn­oden­teil­neh­mer, alle (recht-)Gläubigen und Ungläu­bi­gen, ja die gan­ze Schöp­fung vor dem schäd­li­chen Ein­fluss ver­sie­gelt sein. Gott möge durch die unvor­stell­ba­ren Schmer­zen, wel­che die Schul­ter­wun­de unse­res Hei­lands Ihm ver­ur­sach­te, unse­re Tau­fe erneu­ern und alle Bischö­fe, Prie­ster, Dia­ko­ne und Ordens­leu­te erneut mit den Gna­den aus Ihrer Wei­he und Gel­üb­te seg­nen und uns die Hei­li­gen Engel zum Kamp­fe schicken.

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