Querida Amazonia – die Analyse. Und die Frage: Wer ist eigentlich Papst?

Was ist gut, was weniger, was zweifelhaft

Die Analyse zum nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia und die Frage: Wer ist nun eigentlich Papst in Rom?
Die Analyse zum nachsynodalen Schreiben Querida Amazonia und die Frage: Wer ist nun eigentlich Papst in Rom?

(Rom) Die Erleich­te­rung dar­über, daß von Papst Fran­zis­kus mit dem nach­syn­oda­len Schrei­ben Que­ri­da Ama­zo­nia nicht Hand an den prie­ster­li­chen Zöli­bat gelegt wur­de, ist in der katho­li­schen Welt spür­bar. Man­che Krei­se blei­ben den­noch zurück­hal­tend und fra­gen sich, wie lan­ge es dau­ern wer­de, bis der näch­ste Angriff auf den Zöli­bat begin­nen wird. Das ist ver­ständ­lich. So berech­tigt die Genug­tu­ung über die aus­ge­blie­be­ne Revo­lu­ti­on auch sein mag, ist den­noch eine Gesamt­ana­ly­se von Que­ri­da Ama­zo­nia not­wen­dig. Unter die Lupe genom­men hat das Doku­ment der chi­le­ni­sche Jurist José Anto­nio Ure­ta. Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti lie­fert einen bemer­kens­wer­ten Nach­trag dazu.

Ure­ta ist der Grün­der der chi­le­ni­schen Lebens­rechts- und Bür­ger­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Fund­a­ción Rom und Mit­glied der inter­na­tio­na­len Bewe­gung Tra­di­ti­on, Fami­lie und Pri­vat­ei­gen­tum (TFP). Im Juni 2018 leg­te er mit dem Buch „Der ‚Para­dig­men­wech­sel‘ von Papst Fran­zis­kus“ eine kri­ti­sche Ana­ly­se des der­zei­ti­gen Pon­ti­fi­kats vor. Am ver­gan­ge­nen 18. Janu­ar nahm er in Mün­chen an der Aci­es ordi­na­ta und der anschlie­ßen­den Pres­se­kon­fe­renz teil, wo er vom „pseu­do­syn­oda­len Betrug des syn­oda­len Weges“ sprach.

Politik hat Vorrang vor der Religion

Will man sei­ne Gesamt­ana­ly­se von Que­ri­da Ama­zo­nia in einem Satz zusam­men­fas­sen, lau­tet er so: Das nach­syn­oda­le Schrei­ben zur Ama­zo­nas­syn­ode „bestä­tigt, daß im Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus die Poli­tik Vor­rang vor der Reli­gi­on hat“. 

Fran­zis­kus bekräf­tigt also jene Poli­ti­sie­rung der Kir­che, die sich seit sei­ner Wahl zeigt und immer kurio­se­re Blü­ten treibt.

Das Doku­ment erhöht ins­ge­samt das Tem­po zur „ganz­heit­li­chen Öko­lo­gie“, wäh­rend es zur reli­giö­sen Fra­ge auf die Brem­se drückt

José Antonio Ureta
José Anto­nio Ureta

Die Prä­la­ten, die den prie­ster­li­chen Zöli­bat ver­tei­digt haben, wie die Kar­di­nä­le Bur­ke, Mül­ler und Sarah und mit ihnen Bene­dikt XVI. „haben Grund zur Genug­tu­ung“, so Ureta.

„Sie kön­nen von oben auf die Pro­mo­to­ren des Low-Cost-Prie­ster­tums her­ab­schau­en, beson­ders auf die Bischö­fe Fritz Lobin­ger, Erwin Kräut­ler und ihre deut­schen Gefähr­ten auf dem ‚syn­oda­len Weg‘. Schluß! Es gibt kei­ne Öff­nung, weder für viri pro­ba­ti noch für Diakoninnen.“

Der Papst erken­ne in dem Schrei­ben die Not­wen­dig­keit an, ver­stärk­te Anstren­gun­gen zu unter­neh­men, damit die ent­le­ge­nen Ama­zo­nas-Gemein­schaf­ten nicht ohne Eucha­ri­stie, Beich­te und Kran­ken­sal­bung blei­ben (QA, 86, 89). Er erwähnt auch, daß Leben und Aus­übung des Prie­ster­am­tes nicht mono­li­thisch sei­en (QA, 87). Die Ant­wort, so Fran­zis­kus, „liegt im Wei­he­sa­kra­ment“, das den Prie­ster Chri­stus „gleich­ge­stal­tet“ (QA, 87). 

„Auf die­se Wei­se bekräf­tigt er die bei­den Haupt­ar­gu­men­te jener, die sich einem ver­hei­ra­te­ten Prie­ster­tum widersetzen.“

Er schlägt allen Bischö­fen als Lösung vor, „das Gebet um Prie­ster­be­ru­fun­gen zu för­dern“ (QA, 90). Ure­ta erwähnt es nicht, doch das ist das genaue Gegen­teil des­sen, was Bischof Erwin Kräut­ler von sei­ner Audi­enz im April 2014 berich­te­te. Die­se Lösung hat­te ihm Bene­dikt XVI. 2012 mit auf den Weg gege­ben, was Kräut­ler empör­te („Da mache ich nicht mit“), wäh­rend er von Fran­zis­kus behaup­te­te, er habe die Bischö­fe auf­ge­for­dert, „muti­ge“, ja „küh­ne Vor­schlä­ge“ zu machen, was von Kräut­ler & Co. als grü­nes Licht zur Zöli­bats­be­sei­ti­gung ver­stan­den wur­de (sie­he Ver­hei­ra­te­te Prie­ster? Was Bischö­fe des deut­schen Sprach­raums dazu sagen).

Fran­zis­kus ruft die Bischö­fe, beson­ders jene Latein­ame­ri­kas, auf, groß­zü­gig Prie­ster für den Ama­zo­nas zur Ver­fü­gung zu stel­len. (QA, 90). Zugleich beklagt Fran­zis­kus, daß mehr Mis­sio­na­re vom Ama­zo­nas in die USA und nach Euro­pa gehen, als Mis­sio­na­re von dort an den Ama­zo­nas. (QA, 132).

In dem Schrei­ben fin­det sich nicht ein­mal eine indi­rek­te Anspie­lung auf eine Zulas­sung ver­hei­ra­te­ter Män­ner zum Prie­ster­tum. Fran­zis­kus betont statt­des­sen, daß es nicht nur dar­um gehen kön­ne, die Zahl der Prie­ster zu erhö­hen, son­dern die Begeg­nung mit dem Wort Got­tes und die Hei­li­gung durch die ver­schie­de­nen Dien­ste der Lai­en zu för­dern (QA, 93). „Wie es sehr klug Msgr. Atha­na­si­us Schnei­der emp­foh­len hat­te, indem er auf sei­ne eige­ne Erfah­rung mit dem Prie­ster­man­gel in der Sowjet­uni­on zurück­griff“, so Ureta.

Aus dem­sel­ben Grund, der Gleich­ge­stal­tung des Prie­sters nach Chri­stus als Bräu­ti­gam der Gemein­de und dem brei­ten mis­sio­na­ri­schen Feld, auf dem die Frau­en bereits tätig sind (Tauf­vor­be­rei­tung, Kate­che­se und Gebet) (QA, 99), „been­det Fran­zis­kus auch jede Dis­kus­si­on über die Wei­he von Frau­en“. Er betont, daß dies eine „Kle­ri­ka­li­sie­rung“ der Frau wäre, was nichts ande­res hie­ße, als wür­den Frau­en nur durch das Wei­he­sa­kra­ment eine ihrem Wesen ent­spre­chen­de Stel­lung erlan­gen. (QA, 100). Genau das stim­me aber nicht, wie Erfah­rung und Ver­nunft sagen. Die Frau­en lei­sten ihren Bei­trag auf ihre Wei­se, indem sie sich am Vor­bild der Got­tes­mut­ter Maria ori­en­tie­ren und die­sem Gel­tung ver­schaf­fen (QA, 100).

Auch Kar­di­nal Brand­mül­ler, so Ure­ta, kön­ne zufrie­den sein. Er beklag­te, daß das Instru­men­tum laboris der Ama­zo­nas­syn­ode eine Ein­la­dung zur Apost­asie sei, da es die Inkul­tu­ra­ti­on als Ver­zicht auf die Ver­kün­di­gung des Evan­ge­li­ums und als Aner­ken­nung der heid­ni­schen Reli­gio­nen als alter­na­ti­ve Heils­we­ge ver­ste­he. Auch die­se Sor­ge scheint San­ta Mar­ta erreicht zu haben. 

Que­ri­da Ama­zo­nia distan­ziert sich vom Inkul­tu­ra­ti­ons-Ver­ständ­nis der soge­nann­ten „Indio-Theo­lo­gie“, deren Haupt­ver­tre­ter der Deut­sche Paul (Pau­lo) Suess und der Mexi­ka­ner Elea­zar López sind. Statt­des­sen macht es sich eine Light-Ver­si­on von Gau­di­um et spes zu eigen, indem es Inkul­tu­ra­ti­on als blo­ße Anpas­sung der Evan­ge­li­ums-Ver­kün­di­gung defi­niert, damit es für alle ver­ständ­lich ist, also als Vor­ge­hens­wei­se, die Bot­schaft Chri­sti in den für die jewei­li­ge Kul­tur am besten geeig­ne­ten Wor­ten zum Aus­druck zu brin­gen (QA, 84).

Franziskus, Erwin Kräutler und der Indio-Theologe Paul Suess
Fran­zis­kus, Erwin Kräut­ler und der Indio-Theo­lo­ge Paul Suess

Damit wer­de nichts vom Guten ver­wor­fen, das sich in den Ama­zo­nas-Kul­tu­ren fin­det, son­dern es im Licht des Evan­ge­li­ums zur vol­len Ent­fal­tung gebracht (QA, 66–68).

Das zwin­ge die Kir­che gegen­über den Kul­tu­ren eine grund­sätz­lich zuver­sicht­li­che, aber zugleich auch wach­sa­me und kri­ti­sche Hal­tung ein­zu­neh­men (QA, 67). Damit wider­spricht Fran­zis­kus jener unkri­ti­schen Hal­tung, die von Kräut­ler & Co. über die angeb­lich para­die­si­schen Zustän­de unter den Ama­zo­nas-Indi­os ver­brei­tet wur­de. Auch von Fran­zis­kus waren dies­be­züg­lich in der Ver­gan­gen­heit ande­re Töne zu hören gewe­sen, beson­ders wenn er über die „Ahnen­weis­heit“ der Indi­os sprach.

Statt­des­sen betont Que­ri­da Ama­zo­nia, daß man sich Jesu Chri­sti weder schä­men (QA, 62) noch sich dar­auf beschrän­ken dür­fe, den Armen nur eine sozia­le Bot­schaft anstatt der gro­ßen Heils­bot­schaft zu ver­kün­den (QA, 63), denn auch die­se Völ­ker hät­ten das Recht, das Evan­ge­li­um zu hören. Ohne Evan­ge­li­sie­rung aber ver­wand­le sich die Kir­che in eine gewöhn­li­che NGO, die ihrem Auf­trag, allen Völ­kern die Fro­he Bot­schaft zu ver­kün­den (QA, 64), nicht gerecht wer­de. Der hei­li­ge Turi­bi­us von Lima (1538–1606) und der hei­li­ge José de Anchie­ta SJ (1534–1597), zwei gro­ße Apo­stel Latein­ame­ri­kas, wer­den von Fran­zis­kus als Vor­bil­der für die Mis­si­on genannt (QA, 65) – „und nicht die Mis­sio­na­re der Con­so­la­ta und ande­re, die sich damit brü­sten, in 60 Jah­ren nie­man­den getauft zu haben“, so Ure­ta. Als Nega­tiv­bei­spiel, das von Fran­zis­kus nicht auf­ge­grif­fen wur­de, wäre auch Bischof Kräut­ler selbst zu nen­nen, der maß­geb­li­chen Ein­fluß auf die Durch­füh­rung der Ama­zo­nas­syn­ode hat­te.

Das Abgleiten

Wo Fran­zis­kus nicht über­zeu­gen kann, ist sein Ver­such, die skan­da­lö­se Göt­zen­ver­eh­rung der Pach­a­ma­ma, wie sie in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten, im Peters­dom, in der Syn­ode­nau­la und dann in einer Kir­che nahe dem Vati­kan statt­fand, zu recht­fer­ti­gen, wenn er schreibt, daß es im Kon­text einer inkul­turier­ten Spi­ri­tua­li­tät mög­lich sei, „sich in irgend­ei­ner Wei­se auf ein indi­ge­nes Sym­bol zu bezie­hen, ohne dass man es not­wen­di­ger­wei­se als Göt­zen­dienst betrach­ten müss­te“ (QA, 79).

Eben­so­we­nig erfreu­en kann Kar­di­nal Brand­mül­ler, so Ure­ta, daß Fran­zis­kus, der wie­der­holt sei­ne Enzy­kli­ka Lau­da­to si zitiert, auf „sei­ner Kos­mo­vi­si­on nach Teil­hard de Char­din und dem New Age“, daß „alles mit­ein­an­der ver­bun­den ist“ (QA, 41), beharrt und in das nach­syn­oda­le Schrei­ben über­nom­men hat. Dar­aus lei­tet Fran­zis­kus in Que­ri­da Ama­zo­nia sein Lob für die Indio-Mystik ab, denn sie las­se die India­ner nicht nur über die Natur nach­den­ken, son­dern sich mit ihr „innig ver­bun­den füh­len“ und sie „wie eine Mut­ter“ sehen (QA, 55). Ent­spre­chend wird auch die „Mut­ter Erde“ zwei­mal im Schrei­ben zitiert (QA, 42).

„Ein flüch­ti­ger Hin­weis auf Gott Vater als Schöp­fer aller Lebe­we­sen genügt nicht, um den pan­the­isti­schen Bei­geschmack die­ser Text­stel­len zu zer­streu­en, schon gar nicht, wenn ihnen das Zitat aus einem Gedicht von Sui Yun vor­aus­geht (QA, 56), einer perua­ni­schen Dich­te­rin, die für den salop­pen und ero­ti­schen Cha­rak­ter ihrer Wer­ke bekannt ist („Mein Dich­ten ist geni­tal“)“, so Ureta.

Die Schieflage

Der „am mei­sten hin­ken­de Teil“ des nach­syn­oda­len Schrei­bens, so der Autor der Ana­ly­se, ist aller­dings die „völ­li­ge Zustim­mung zu den Postu­la­ten und der Agen­da der Befrei­ungs­theo­lo­gie in ihrer öko­lo­gi­schen Vari­an­te, wie sie von Leo­nar­do Boff recy­celt wur­de, und die Ein­gang in die Syn­oden­do­ku­men­te gefun­den haben“.

Da das kirch­li­che Lehr­amt kei­ne Auto­ri­tät in wis­sen­schaft­li­chen oder wirt­schaft­li­chen Fra­gen hat, hand­le es sich um einen offen­sicht­li­chen Aus­druck von „Kle­ri­ka­lis­mus“, wenn Fran­zis­kus „im Wider­spruch zur Ent­wick­lungs­sehn­sucht des weit­aus größ­ten Teils der Ama­zo­nas-Bevöl­ke­rung ohne die nöti­ge Unter­schei­dung die ver­lo­ge­ne Kata­stro­phen­ma­che­rei der Öko-NGOs und der Links­par­tei­en über eine angeb­li­che Zer­stö­rung der Ama­zo­nas­re­gi­on über­nimmt“: Der Wald wer­de „unge­straft und unein­ge­schränkt zer­stört“ (QA, 13), was eine „gesun­de Empö­rung“ ver­lan­ge (QA, 17), denn ganz Ama­zo­ni­en ste­he „vor einer öko­lo­gi­schen Kata­stro­phe“ (QA, 8), die Bevöl­ke­rung wer­de durch die „Zivi­li­sa­ti­ons­brin­ger“ still­schwei­gend dezi­miert (QA, FN 13) oder zur Abwan­de­rung in die Städ­te gezwun­gen, wo sie „die schlimm­sten For­men an Ver­skla­vung, Unter­drückung und Elend“ fin­de (QA, 10). 

Laut Fran­zis­kus müs­sen die „Empö­rung“ (QA, 15, 17), der „Schrei Ama­zo­ni­ens“ (QA, 10, 47, 48, 52, 57), der „Schrei der Völ­ker Ama­zo­ni­ens“ (QA, 19) und der „Schrei der Armen und zugleich der Erde“ (QA, 52) gehört wer­den. Das ist die am häu­fig­sten wie­der­hol­te Botschaft.

„In die­sem Zusam­men­hang ist es nicht ohne Bedeu­tung, daß unter den Dich­ter-Pro­phe­ten der chi­le­ni­sche Kom­mu­nist Pablo Neru­da und der bra­si­lia­ni­sche Kom­mu­nist Vini­ci­us de Moraes zitiert wer­den, von dem das berüch­tig­te Gedicht ‚Groß­grund­be­sit­zer‘[1] stammt, in dem er zum bewaff­ne­ten Kampf aufruft.“

Ure­ta weiter:

„Noch schlim­mer sind die alter­na­ti­ven Lösun­gen, die Papst Fran­zis­kus anbie­tet. Sie ent­spre­chen den am wei­te­sten vor­an­ge­trie­be­nen kol­lek­ti­vi­sti­schen Träu­men der neo­mar­xi­sti­schen Anthro­po­lo­gen, die im tri­ba­len Wald­le­ben das Zukunfts­mo­dell für die Welt sehen.“

Die wirk­li­che Qua­li­tät des Lebens kom­me, so das nach­syn­oda­le Schrei­ben, im „buen vivir“, dem „Guten Leben“, zum Aus­druck (QA, 8, 26, 71), in dem sich jene Uto­pie der per­sön­li­chen, fami­liä­ren, kom­mu­na­len und kos­mi­schen Har­mo­nie ver­wirk­li­che, die im kom­mu­ni­ta­ri­sti­schen Ver­ständ­nis der Exi­stenz und einem ein­fa­chen und genüg­sa­men Lebens­stil Aus­druck fin­de (QA, 71). „Alles wird mit­ein­an­der geteilt. Pri­va­te Räu­me, die für die Moder­ne typisch sind, gibt es nur weni­ge. (…) Die Vor­stel­lung von einem Indi­vi­du­um, das ohne Ver­bin­dung zur Gemein­schaft oder ihrem Ter­ri­to­ri­um exi­stiert, hat kei­nen Platz“ (QA, 20).

Dies­be­züg­lich hät­ten die Indi­os „uns viel zu leh­ren“ (QA, 71), und die Bür­ger der Städ­te soll­ten sich durch sie umer­zie­hen las­sen, um „die geheim­nis­vol­le Weis­heit anzu­neh­men, die Gott uns durch sie mit­tei­len will“ (QA, 72).

„Ange­sichts sol­cher öko-tri­ba­li­sti­scher und kol­lek­ti­vi­sti­scher Fan­ta­sien ver­steht man, daß er [Fran­zis­kus] der Anfüh­rer ist, nach dem sich Strö­mun­gen der extre­men Lin­ken auf der gan­zen Welt umdre­hen“, so Ureta.

Que­ri­da Ama­zo­nia sei ein „unge­wöhn­li­ches nach­syn­oda­les Schrei­ben“. Es mei­det das Schluß­do­ku­ment der Syn­ode zu zitie­ren, wegen der es über­haupt ent­stan­den ist. Gleich­zei­tig stellt es nicht weni­ger unge­wöhn­lich, so der chi­le­ni­sche Jurist, in Sozi­al- und Wirt­schafts­fra­gen eine Beschleu­ni­gung des Tem­pos dar, wäh­rend es zu reli­giö­sen Fra­gen auf die Brem­se tritt, als wären sie zweitrangig.

Was hat Franziskus bewogen?

Ure­ta ist sich den­noch sicher, daß am mei­sten „die Prä­la­ten und Exper­ten des deut­schen Sprach­raums“ ent­täuscht sein wer­den, die viel Zeit und Hun­der­te Mil­lio­nen Euro in eine Syn­ode gesteckt haben, die am Ende einen Vogel her­vor­ge­bracht hat, der nicht flie­gen kann, „weil ihm ein Flü­gel fehlt“.

„Es wird die Auf­ga­be der Histo­ri­ker sein, das Rät­sel zu lösen, wel­che Moti­ve Papst Fran­zis­kus dazu geführt haben, die so sehr pro­pa­gier­te Öff­nung für ver­hei­ra­te­te Prie­ster zu stop­pen. ‚Um ein Schis­ma oder, noch schlim­mer, eine Desta­bi­li­sie­rung [des Pon­ti­fi­kats] zu ver­hin­dern, was töd­lich gewe­sen wäre‘, wie Fran­ca Gian­sol­da­ti in [der römi­schen Tages­zei­tung] Il Mess­ag­ge­ro nahe­legt? Oder um jetzt einen Schritt zurück­zu­ge­hen in der Hoff­nung, bald zwei Schrit­te vor­wärts machen zu können?“

Am Mor­gen des 12. Febru­ar sag­te mir jemand mit Blick auf die bevor­ste­hen­de Vor­stel­lung von Que­ri­da Ama­zo­nia: „Und auf die Fuß­no­ten ach­ten“. Die Erfah­run­gen mit Amo­ris lae­ti­tia haben sich tief ein­ge­prägt. Auch Ure­ta muß so gedacht haben. In der Tat ver­weist er auf eine Fuß­no­te, die Fuß­no­te 120, in der Fran­zis­kus schreibt: „Bei der Syn­ode wur­de ein eige­ner ‚ama­zo­ni­scher Ritus‘ vor­ge­schla­gen.“ Das sei Grund genug, wach­sam zu blei­ben, zumal „der Autor des Doku­ments bekann­ter­ma­ßen listig ist“, so Ure­ta. Man wird sehen.

Er resü­miert den­noch zufrie­den, daß die „revo­lu­tio­nä­re Agen­da“ der Men­to­ren der Ama­zo­nas­syn­ode blockiert wur­de. Das sei Grund zur Freude:

„Auch wenn Fran­zis­kus Leo­nar­do Boff rati­fi­ziert hat, so er hat doch zumin­dest die Ansich­ten der Lobin­gers, Hum­mes‘, Kräut­lers & Co. in den Tiber geworfen.“

Und wer ist nun wirklich Papst in Rom?

„Benedikt XVI. versteht sich noch immer als Papst“
„Bene­dikt XVI. ver­steht sich noch immer als Papst“

Als Reak­ti­on auf Ure­tas Ana­ly­se des nach­syn­oda­len Schrei­bens erreich­te den Vati­ka­ni­sten Mar­co Tosat­ti eine Anfra­ge, die er ver­öf­fent­lich­te. Dar­in heißt es:

„Papst Ber­go­glio tut so, als wür­de er mit die­sem Schrei­ben die Demü­ti­gung abfan­gen, auf sei­ne Zie­le ver­zich­ten zu müs­sen. Es ist eine dop­pel­te Demü­ti­gung: Erstens, weil ihm der revo­lu­tio­nä­re Schritt in Sachen prie­ster­li­cher Zöli­bat nicht mög­lich ist; zwei­tens und noch wich­ti­ger, weil ihm das Bene­dikt XVI. von oben auf­er­legt hat, der sich als Papst bestä­tigt, indem er sei­nen miß­ver­ständ­li­chen Teil­rück­tritt bereut. Gäbe es nicht das Kon­kla­ve, das Ber­go­glio gewählt hat, hät­te ich kei­ne Zwei­fel, wie die bei­den Papst-Figu­ren gemeint sind, von denen Gäns­wein vor eini­ger Zeit gespro­chen hat. Bene­dikt XVI. sieht sich noch immer als Papst. Er hat es zum Aus­druck gebracht, und Ber­go­glio hat es (zum Teil) ver­stan­den. Ist der ber­go­glia­ni­sche Traum zu Ende? Oder beginnt nun erst der rich­ti­ge Krieg?“

Der bekann­te Lit­ur­gi­ker und per­sön­li­che Freund von Bene­dikt XVI., Don Nico­la Bux, ist über­zeugt, daß Fran­zis­kus in Que­ri­da Ama­zo­nia die Stel­len über das Wei­he­sa­kra­ment wegen des Buches von Kar­di­nal Sarah und Bene­dikt XVI. geän­dert hat. 

Tosat­ti schrieb dazu, nach Erhalt der obi­gen Zuschrift „mit jemand sehr Hohem“ im Vati­kan über die Kehrt­wen­de von Fran­zis­kus zu ver­hei­ra­te­ten Prie­stern, Zöli­bat und Frau­en­or­di­na­ti­on gespro­chen zu haben. Die­ser Prä­lat habe ihm drei Din­ge gesagt:

  • Bene­dikt ver­steht sich als Papst (nicht als eme­ri­tier­ter Papst).
  • Er hat es bei die­ser Gele­gen­heit gezeigt.
  • Papst Ber­go­glio hat das ver­stan­den und Angst bekommen.

Was kön­nen die Fol­gen die­ser bei­spiel­lo­sen Situa­ti­on sein? 

„Man­che schlie­ßen nicht aus, daß es zu auf­se­hen­er­re­gen­den Ent­wick­lun­gen kom­men kann.“

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: panamazonsynodwatch.info/Youtube/Vatican.va (Screen­shots)


[1] Groß­grund­be­sit­zer / Berei­tet euer Lei­chen­tuch / Denn ihr beu­tet die Erde aus / Die Erde gehört dem, der sie bear­bei­tet / Die Zeit des Krie­ges ist gekom­men / Kein Hei­li­ger kann euch beschüt­zen / Gra­na­te gegen Gra­na­te! / Maschi­nen­ge­wehr gegen Maschi­nen­ge­wehr! / Unser Krieg ist hei­lig / Unser Krieg wird kommen!

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