Nach grünem Licht von Franziskus: Deutsche Bischöfe starten Homo-Revolution

Das „andere“ deutsche Pontifikat

Papst Franziskus mit Kardinal Marx: Wer hat welche Rolle im derzeitigen Pontifikat? Wer treibt, wer ist Getriebener?
Papst Franziskus mit Kardinal Marx: Wer hat welche Rolle im derzeitigen Pontifikat? Wer treibt, wer ist Getriebener?

(Rom) Papst Fran­zis­kus kün­dig­te für 2020 den näch­sten, revo­lu­tio­nä­ren „Vor­satz“ an: das Ver­hält­nis der katho­li­schen Kir­che zur Homo­se­xua­li­tät zu „nor­ma­li­sie­ren“. Auch in die­sem Punkt scheint er ein will­fäh­ri­ger Getrie­be­ner der Kir­che in Deutsch­land.

Papst Fran­zis­kus gab am 16. Dezem­ber, dem Tag sei­nes 83. Geburts­ta­ges, zu ver­ste­hen, daß für das Jahr 2020 die „Nor­ma­li­sie­rung“ der Homo­se­xua­li­tät auf sei­nem Pro­gramm steht. Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Kar­di­nal Rein­hard Marx, Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing, folg­te sogleich und ver­kün­de­te die Revo­lu­ti­on noch als vor­ge­zo­ge­nes „Weih­nachts­ge­schenk“ 2019:

„Die Homo­se­xua­li­tät ist nor­mal“.

Die Abfol­ge bestä­tigt, was Insi­der schon lan­ge sagen: Das Pon­ti­fi­kat von Papst Fran­zis­kus ist kein argen­ti­ni­sches Pon­ti­fi­kat, son­dern ein deut­sches – aller­dings ein ganz ande­res „deut­sches“, als das sei­nes Vor­gän­gers Bene­dikt XVI.

Bestä­tigt wird die­se Ver­knüp­fung durch eine Viel­zahl von „Klei­nig­kei­ten“, auch sol­chen, wie der sofor­ti­gen Bericht­erstat­tung über die Marx’sche Ankün­di­gung in Argen­ti­ni­ens füh­ren­den Pro-Ber­go­glio-Medi­en.

Die Fra­ge, wer genau in wel­chem Aus­maß Trei­ber und wer Getrie­be­ner ist, wie genau also die Posi­tio­nen zwi­schen die­sen bei­den Polen ver­teilt sind, läßt sich nicht exakt beant­wor­ten, lie­ße sich aber anhand zahl­rei­cher Hin­wei­se eini­ger­ma­ßen rekon­stru­ie­ren. Bereits so folgt, daß es eine grund­sätz­li­che Inter­es­sens­über­ein­stim­mung zwi­schen Papst Fran­zis­kus und dem ton­an­ge­ben­den Teil des deut­schen Epi­sko­pats gibt. Trotz blei­ben­der Unklar­hei­ten im Detail läßt sich sagen: Papst Fran­zis­kus mag ein Getrie­be­ner sein, ein Opfer der Mehr­heits­fron­de der deut­schen Bischö­fe ist er aber nicht.

Die wich­tig­ste argen­ti­ni­sche Tages­zei­tung, Cla­rin, titel­te in ihrer Aus­ga­be vom Vier­ten Advents­sonn­tag:

„Die deut­sche Kir­che revo­lu­tio­niert den Katho­li­zis­mus und ver­kün­det: ‚Die Homo­se­xua­li­tät ist nor­mal‘.

Der Arti­kel ist ver­ziert durch ein groß­for­ma­ti­ges Bild des gewich­ti­gen Kar­di­nals Rein­hard Marx, der nicht nur das ent­schei­den­de Wort in der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz spricht, son­dern durch päpst­li­che Beru­fung auch Euro­pa im der­weil geschrumpf­ten C9-Kar­di­nal­s­rat ver­tritt. Die Schrump­fung die­ses Bera­ter­gre­mi­ums erhöht das Gewicht der Ver­blie­be­nen.

Frei­lich: Auch im Fall von Kar­di­nal Marx gilt wie etwa bei Kar­di­nal Tag­le, daß des­sen Kar­rie­re von Papst Bene­dikt XVI. geeb­net wur­de. Die­ser mach­te ihn 2008 zum Erz­bi­schof von Mün­chen-Frei­sing und kre­ierte ihn 2010 zum Kar­di­nal. Unter Bene­dikt XVI. waren – anders als nun unter Fran­zis­kus – Kar­di­nal­s­er­he­bun­gen noch abseh­bar, da mit bestimm­ten Bischofs­stüh­len ver­bun­den. Dabei ist der Fak­tor der Simu­la­ti­on nicht zu unter­schät­zen, da man­che Bischö­fe sich unter Bene­dikt XVI. noch anders gaben als nun unter Fran­zis­kus. 2011, als ein Amts­ver­zicht von Bene­dikt XVI. noch nicht abseh­bar war, sprach Kar­di­nal Marx in Mann­heim von Homo­se­xu­el­len noch als „geschei­ter­ten und zer­bro­che­nen Men­schen“.

Der „synodale Weg“

Cla­rin schil­dert den „syn­oda­len Weg“, den Kar­di­nal Marx und sei­ne Adla­ten der „deut­schen Kir­che“ ver­ord­nen wol­len. Ziel ist es, die Kir­che zu revo­lu­tio­nie­ren. Die Agen­da steht fest. Der Weg über die Syn­ode ist ledig­lich unter Fran­zis­kus das bevor­zug­te Instru­men­ta­ri­um der Revo­lu­tio­nä­re.
Fran­zis­kus ver­kün­de­te bald am Beginn sei­nes Pon­ti­fi­kats eine „Dezen­tra­li­sie­rung“. Anfangs wuß­te man nicht recht, was er damit mei­nen könn­te. Inzwi­schen weiß man es: die Bischofs­kon­fe­ren­zen ent­schei­den, ob sie am über­lie­fer­ten Ver­ständ­nis des Ehe­sa­kra­ments fest­hal­ten oder nicht, den Bischofs­kon­fe­ren­zen über­trug Fran­zis­kus Zustän­dig­kei­ten im Bereich der Lit­ur­gie und sogar der Glau­bens­dok­trin.

Kar­di­nal Marx und ande­re deut­sche Bischö­fe, nicht zuletzt jene, die Fran­zis­kus ernann­te, fol­gen dabei einer prä­zi­sen Vor­ge­hens­wei­se. Die Abspra­chen zwi­schen Ber­lin – Mün­chen und Rom sind zwar in ihren Ver­äste­lun­gen nicht bekannt, doch der weit­ge­hen­de Gleich­klang ist offen­sicht­lich, seit Papst Fran­zis­kus am 17. März 2013, beim ersten Ange­lus sei­ner Amts­zeit, etwas bis dahin nicht Dage­we­se­nes tat: Er lob­te einen Kar­di­nal und sprach über des­sen Buch. Bei die­sem Kar­di­nal han­delt es sich um Wal­ter Kas­per, den ehe­ma­li­gen Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Ein­heits­ra­tes, also des vati­ka­ni­schen Mini­sters für die Öku­me­ne und die Juden. Wesent­lich wich­ti­ger ist, daß Kas­per zur inner­kirch­li­chen Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len, genannt „die Mafia“, gehör­te, die Jor­ge Mario Ber­go­glio als ihren Kan­di­da­ten aus­er­kor, und daß Kas­per Mit­glied des vier­köp­fi­gen Teams Ber­go­glio (Austen Ive­r­eigh) war, das beim Kon­kla­ve 2013 die Wahl von Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst orga­ni­sier­te. Kas­per ist inzwi­schen der ein­zi­ge noch leben­de Ver­tre­ter der inner­kirch­li­chen „Vie­rer­ban­de“. Kar­di­nal Mur­phy-O’Con­nor ver­starb 2017, Kar­di­nal Leh­mann 2018 und Kar­di­nal Dan­neels, der 2015 in einem eupho­ri­schen Moment die Selbst­be­zeich­nung der Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len als „Mafia“ ent­hüll­te, ver­starb im März 2019.

Das prä­ze­denz­lo­se Lob, nur weni­ge Tage nach sei­ner Wahl, bezog sich for­mal zwar auf Kas­pers Buch über die „Barm­her­zig­keit“, ein Stich­wort, das zen­tra­le Bedeu­tung im neu­en Pon­ti­fi­kat erhal­ten soll­te, doch in Wirk­lich­keit darf man dar­in einen Dank für sei­ne Wahl zum Papst erken­nen und auch schon eine Vor­weg­nah­me der Aus­rich­tung die­ses Pon­ti­fi­kats – an dem Deut­schen Kas­per.

Die „deutsche Agenda“

Seit­her arbei­tet Fran­zis­kus eine „deut­sche Agen­da“ ab, vom salop­pen, von man­chen als despek­tier­lich emp­fun­de­nen Umgang mit kirch­li­chen Gewohn­hei­ten, über den ersten gro­ßen, im Som­mer 2013 ver­kün­de­ten Pro­gramm­punkt der Aner­ken­nung light von Schei­dung und Zweit­ehe (Dritte­he usw.) bis zur Inter­kom­mu­ni­on, der Abschaf­fung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und – ja und – bis zum ersten, auf­se­hen­er­re­gen­den Schritt zur „Nor­ma­li­sie­rung“ der Homo­se­xua­li­tät durch sei­nen berühmt-berüch­tig­ten Satz „Wer bin ich, um zu urtei­len?“ auf dem Rück­flug vom Welt­ju­gend­tag Ende Juli 2013.

Kardinal Marx, Papst Franziskus: Wer umarmt wen?
Kar­di­nal Marx, Papst Fran­zis­kus: Wer umarmt wen?

Wie genau also Zusam­men­wir­ken und Wech­sel­wir­kung zwi­schen der Mehr­heits­fron­de der deut­schen Bischö­fe und Fran­zis­kus auch funk­tio­nie­ren mag, erkenn­bar ist eine öffent­li­che Vor­ge­hens­wei­se:

  • das Pro­gramm stammt aus dem deut­schen Sprach­raum und ist meist schon eini­ge Jahr­zehn­te alt, wes­halb die Bezeich­nung als kirch­li­che 68er-Agen­da durch­aus zutref­fend ist;
  • hin­ter den Kulis­sen erfolgt star­kes Lob­by­ing in Rom, wäh­rend im deut­schen Sprach­raum die öffent­li­che Mei­nung prä­pa­riert wird; Umwe­ge, bei­spiels­wei­se über den Ama­zo­nas, sind dabei inklu­si­ve;
  • den ersten, sicht­ba­ren Schritt zur Umset­zung der „deut­schen Agen­da“ setzt aller­dings Papst Fran­zis­kus;
  • die deut­schen Bischö­fe, ob kol­lek­tiv, grup­pen­wei­se oder ein­zeln, pre­schen sofort nach, sobald grü­nes Licht aus Rom kommt, und bil­den damit den offe­nen Ramm­bock für den Welt­epi­sko­pat.

Klei­ne Abwei­chun­gen wie jene, daß die Richt­li­ni­en der Bischö­fe der Kir­chen­pro­vinz Bue­nos Aires von Fran­zis­kus für weg­wei­send bei der Zulas­sung von wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen zu den Sakra­men­ten erklärt wur­den, bestä­ti­gen die Regel. Fran­zis­kus war es bei­spiels­wei­se, der Ende 2015 den ersten Schritt bei der Zulas­sung pro­te­stan­ti­scher Ehe­gat­ten zur Kom­mu­ni­on setz­te mit sei­ner gewun­de­nen, kryp­ti­schen Nein-Jein-Ja-Ant­wort bei sei­nem Besuch der luthe­ri­schen Kir­che von Rom. Die Mehr­heit der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz stieß Anfang 2018 mit einer „Hand­rei­chung“ nach. Kar­di­nal Ladar­ia Fer­rer SJ, Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, begehr­te zwar dage­gen auf, wur­de aber von sei­nem Ordens­mit­bru­der Fran­zis­kus zurück­ge­pfif­fen – natür­lich ganz inof­fi­zi­ell.

Bischof Jung von Würz­burg, gera­de erst von Fran­zis­kus ernannt, presch­te im Juli 2018 vor und schuf Fak­ten, wei­te­re deut­sche Bischö­fe folg­ten.

Deutsche Bischöfe als „progressive Avantgarde“

Cla­rin stellt es so dar, daß die deut­sche Kir­che in der Welt­kir­che als „pro­gres­si­ve Avant­gar­de“ agi­tiert mit dem Ziel, den „Welt­ka­tho­li­zis­mus zu revo­lu­tio­nie­ren“. Das „ver­schär­fe für Fran­zis­kus, der als Papst „Garant der Ein­heit von 1.200 Mil­lio­nen der Getauf­ten“ ist, den Kon­flikt mit den „kon­ser­va­tiv­sten und tra­di­tio­na­li­sti­schen Sek­to­ren“ der Kir­che.

Wört­lich:

„‚Die Homo­se­xua­li­tät ist nor­mal‘, erklärt die Mehr­heit der Bischö­fe von Deutsch­land, die ein Ende der Ver­bo­te ver­langt und eine Grund­satz­än­de­rung for­dert.“

Und wei­ter:

„Die deut­schen Bischö­fe wol­len einen ‚ver­bind­li­chen syn­oda­len Weg‘ und haben das Zen­tral­ko­mi­tee der deut­schen Katho­li­ken in den Pro­zeß ein­ge­bun­den, die wich­tig­ste Ver­ei­ni­gung der Lai­en, deren Vor­sit­zen­der Pro­fes­sor Tho­mas Stern­berg ist. Die Lai­en for­dern die Zulas­sung der Frau­en zum Prie­ster­tum, dar­un­ter die 14.000 Ordens­frau­en, das Ende des ver­pflich­ten­den Zöli­bats für die 13.285 Prie­ster und die Seg­nung der Homo-Ehe in den 10.045 Pfar­rei­en.“

Dar­auf folgt in der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung ein Opfer-Nar­ra­tiv. „Im Vati­kan“ ver­su­che man, gegen die­se Bestre­bun­gen „Bar­ri­ka­den“ zu errich­ten, „aber es wird schwie­rig“, denn die „rund 30 deut­schen Bischö­fe“ ver­lan­gen „schon seit lan­gem“ Ände­run­gen.

Erstaun­li­cher­wei­se erwähnt die Zei­tung, daß sich „die Pro­te­stan­ten“, womit die Lan­des­kir­chen gemeint sind, „im Land Luthers“ noch „dra­sti­scher“ ver­rin­gern als die Katho­li­ken. Die­ser Ver­welt­li­chungs­pro­zeß in den histo­ri­schen Gemein­schaf­ten der Refor­ma­ti­on ist seit lan­gem zu beob­ach­ten, ohne bis­her aber eine abschrecken­de Wir­kung auf moder­ni­sti­sche Krei­se in der katho­li­schen Kir­che zu ent­fal­ten.

Cla­rin bestä­tigt die erwähn­te Stra­te­gie:

„Die Syn­oden sind Instru­men­te für die Refor­men.“

Das Problem Schisma

Es gebe dazu nur ein Pro­blem:

„Das Pro­blem ist, wie weit vor­rücken, ohne Brü­che zu ver­ur­sa­chen.“

Das sei der kon­kre­te (und offen­bar ein­zi­ge) Ein­wand von Fran­zis­kus gegen den „deut­schen Weg“, laut der argen­ti­ni­schen Tages­zei­tung. Gemeint ist die Gefahr von Spal­tun­gen. Das Wort Schis­ma wird im Arti­kel zwar nicht erwähnt, doch Papst Fran­zis­kus tat dies bereits zwei­mal ganz kon­kret. Zunächst schloß er vor drei Jah­ren nicht aus, als Papst in die Geschich­te ein­zu­ge­hen, unter dem es zu einem Schis­ma gekom­men sein wird. Im ver­gan­ge­nen Sep­tem­ber erklär­te er, ein Schis­ma natür­lich nicht anzu­stre­ben, aber auch nicht zu fürch­ten.

Das zweite, das „andere“ deutsche Pontifikat des 21. Jahrhunderts
Das zwei­te, das „ande­re“ deut­sche Pon­ti­fi­kat des 21. Jahr­hun­derts

Eini­ge Kom­men­ta­to­ren sahen dar­in eine War­nung an die unduld­sa­me Fron­de um Kar­di­nal Marx. Was ein klein wenig auch zutref­fen mag, inso­weit Fran­zis­kus die Kon­trol­le über die von ihm ange­sto­ße­nen „irrever­si­blen Pro­zes­se“ behal­ten will. Wahr­schein­lich, sehr viel wahr­schein­li­cher sogar, rich­te­te sich die War­nung an die „kon­ser­va­tiv­sten und tra­di­tio­na­li­stisch­sten Sek­to­ren“ in der Kir­che, wie Cla­rin sie nennt. Auch deut­sche Medi­en fin­den für die­se „Sek­to­ren“ meist nur abschät­zi­ge Adjek­ti­ve. Auch bei die­sen Aus­gren­zungs­ver­su­chen, die media­le Beti­te­lung beab­sich­tigt nichts ande­res, gibt es viel Über­ein­stim­mung zwi­schen Krei­sen inner- und außer­halb der Kir­che. Auf dem Spiel steht nicht nur das Kir­chen­ver­ständ­nis, son­dern nichts weni­ger als die Kon­trol­le über die Kir­che.

Als „Anfüh­rer der Oppo­si­ti­on“ gegen den „mäch­ti­gen“ Kar­di­nal Marx nennt Cla­rin Kar­di­nal Ger­hard Mül­ler, den von Bene­dikt XVI. ernann­ten und von Fran­zis­kus abge­setz­ten Prä­fek­ten der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on. Die­sen deutsch-deut­schen Kon­flikt bezieht die argen­ti­ni­sche Tages­zei­tung nicht nur auf die „deut­sche Kir­che“, son­dern auf die Welt­kir­che. Die Ama­zo­nas­syn­ode mach­te das deut­sche Gewicht im ver­gan­ge­nen Okto­ber deut­lich: Hin­ter der exo­ti­schen Regen­wald­syn­ode stan­den von Anfang an kirch­li­che Krei­se des deut­schen Sprach­rau­mes. Der Umweg über den Ama­zo­nas war nur ein tak­ti­sches Manö­ver zur Ver­schleie­rung. So ver­wech­sel­te der öster­rei­chi­sche Pasto­ral­theo­lo­ge Paul Zuleh­ner vor weni­gen Tagen nicht zufäl­lig das nie­der­öster­rei­chi­sche Wald­vier­tel mit dem Ama­zo­nas. Die geo­gra­phi­schen Kennt­nis­se stim­men schon. Die Ama­zo­nas­in­di­os wer­den von die­sen Kir­chen­krei­sen ledig­lich miß­braucht, um gegen den prie­ster­li­chen Zöli­bat vor­zu­ge­hen. Die demon­stra­ti­ven Anti­ko­lo­nia­li­sten sind in Wirk­lich­keit Neo­ko­lo­ni­sten. Ein Hang, der sich auch bei Fran­zis­kus erken­nen läßt.

Wie groß ist die Gefahr aber wirk­lich, daß es 500 Jah­re nach Luther zu einem neu­en deut­schen Schis­ma kommt? Ziem­lich, aller­dings nur unter Bedin­gun­gen, und dazu gehört die Garan­tie der deut­schen Poli­tik, an der Kir­chen­steu­er nicht zu rüt­teln, denn sonst ist der schis­ma­ti­sche Spuk schnell vor­bei. Ziem­lich auch des­halb, weil im Gegen­satz zu 1520 – es lohnt immer ein Blick in die Geschich­te – im Jahr 2020 kein kir­chen­treu­er Kai­ser mehr die deut­schen Bischö­fe davon abhält, schis­ma­tisch zu wer­den.

Zudem gibt es noch die Iro­nie der Geschich­te: Eine sol­che wäre es, wenn nach dem Luther-Jahr 2017 die Luthe­ra­ner ihren Grün­der­va­ter poli­tisch kor­rekt ent­sor­gen, was de fac­to schon gesche­hen ist, und aus­ge­rech­net zu die­sem Zeit­punkt die Mehr­heit der katho­li­schen, deut­schen Bischö­fe zu Schis­ma­ti­kern und wohl auch Häre­ti­kern wer­den.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: VaticanNews/Vatican.va (Screen­shot)

13 Kommentare

  1. Man soll doch nicht so tun, als ob das alles nur von deut­schen Bischö­fen kom­me. Der Papst sel­ber will das doch auch, nur sagt er das immer ver­klau­su­liert. Schon von Anfang an, hat­te der Papst Ten­den­zen zu Libe­ra­li­sie­rung auch auf dem Gebiet. Er redet nur immer drum her­um und zwar so lan­ge bis er sich sicher ist, dass er das auch offi­zi­ell durch­set­zen kann. Der Papst ist ein äusserst ver­schla­ge­ner Mann. Trau­en kann man ihm gar nicht.

  2. Die bei­den füh­ren die Men­schen zur Höl­le. Erbar­me Dich unser! Die katho­li­sche Kir­che ist schon zer­stört. Bald wird man ganz fern­blei­ben. Nur die triden­ti­ni­sche Mes­se wird klei­nen Rest ret­ten.

  3. Schreck­lich, was sind das nur für Geist­li­che,
    die der Wahr­heit des Herrn kei­nen Platz mehr geben?
    Nein, sie sind für mich nicht glaub­wür­dig und ich
    wer­de auch Ihre Anwei­sun­gen nicht fol­gen.

  4. Der deut­schen Kir­che ist es wurscht, wenn ihr die Gläu­bi­gen davon­lau­fen, sie hat genug Geld, um vor dem Rest der Welt geschützt sich nur noch der gei­sti­gen Selbst­be­frie­di­gung ihrer Funk­tio­nä­re zu wid­men. Wenn das nicht Kle­ri­ka­lis­mus ist, was dann?
    Wenn Homo­se­xua­li­tät ganz nor­mal ist, dann müss­te nach katho­li­schem Ver­ständ­nis eigent­lich auch das Ehe­sa­kra­ment für die Gleich­ge­schlecht­li­chen geöff­net wer­den. Bin gespannt, wie sich die Kir­che aus die­sem Dilem­ma her­aus­win­den wird. Es wird auf jeden Fall sehr pein­lich wer­den…

    • Wun­der­bar tref­fend aus­ge­drückt: „…sich nur noch der gei­sti­gen Selbst­be­frie­di­gung ihrer Funk­tio­nä­re zu wid­men. Wenn das nicht Kle­ri­ka­lis­mus ist, was dann?“

  5. Dazu fal­len mir spon­tan eigent­lich nur mehr die Anfangs­wor­te des Ein­gangs­lie­des der Schu­bert-Mes­se ein: „Wohin soll ich mich wen­den, wenn Gram und Schmerz mich drücken, …“

  6. Ich schät­ze, die Homo­se­xu­el­len die­ser Welt sind wohl eher nicht auf die­sen Schritt der Kir­che ange­wie­sen, das ist wohl eher die Kir­che selbst, genau­er: so manch einer derer offi­zi­el­len Ver­tre­ter. Die Fra­ge wäre war­um? Ohne selbst­ver­ständ­lich Homo­se­xu­el­le mit Pädo­phi­len auf eine Ebe­ne hie­fen zu wol­len, sei aus Sicht des­sen, was dies­be­züg­lich aus dem Dunst­kreis die­ser Kir­che sonst noch bekannt gewor­den ist, die wei­te­re berech­tig­te Fra­ge gestellt: Dem­nächst auch die Nor­ma­li­sie­rung der Pädo­phi­lie? Schliess­lich könn­te auch das wohl „man­chen“ Ver­tre­tern der­sel­ben Kir­che päss­lich sein.

  7. So sehr ich das deut­sche Wesen bewun­de­re, so sehr fürch­te ich mich inzwi­schen wie­der ein­mal davor. Es sind lei­der Deut­sche, die mit ihrer Stur­heit (frz. des­halb „boches“ genannt) erneut sehen­den Auges in die „Endsieg“-Katastrophe lau­fen. Sie igno­rie­ren voll­kom­men, dass sich ande­re ja nicht ohne Grund von der alles nivel­lie­ren­den mon­dia­li­sti­schen Ideo­lo­gie abwen­den.
    Genügt nicht ein Blick auf das Herz­land der deut­schen Refor­ma­ti­on, Sach­sen-Anhalt? Da ist der pro­zen­tua­le Anteil der Mit­glie­der der evan­ge­li­schen Lan­des­kir­che inzwi­schen der nied­rig­ste unter allen deut­schen Bun­des­län­dern.

  8. Nach­dem die Kon­zils­pro­gres­si­ven im Appa­rat flä­chen­deckend domi­nie­ren (erfolg­rei­cher „Marsch durch die Insti­tu­tio­nen“), benö­ti­gen sie halt kein Kon­zil mit dop­pel­deu­ti­gen Tex­ten mehr, um wie vor 50 Jah­ren skep­ti­sche Kle­ri­ker und Gläu­bi­ge ein­zu­lul­len. Man ver­än­dert nun real Glau­ben und Kir­chen­struk­tur, ohne groß­ar­tig wie beim Kon­zil in Tele­fon­buch-Dicke dar­über zu phi­lo­so­phie­ren: Ob Ama­zo­nas­syn­ode, ob kryp­to-pro­te­stan­ti­sche Struk­tu­ren in Deutsch­land, kom­men­de Inter­kom­mu­ni­on, „Wert­schät­zung“ der Homo­se­xua­li­tät, insti­tu­tio­na­li­sier­te Zusam­men­ar­beit mit der UNO – die Kon­zils­kon­ser­va­ti­ven um Mül­ler und Bur­ke stau­nen ungläu­big, mosern vor sich hin und trau­ern ihren Illu­sio­nen nach. Die Struk­tu­ren wer­den radi­kal ver­än­dert wer­den, der Glau­be wird der glo­ba­len Agen­da ange­paßt, immer so weit wie mög­lich, ohne, dass es zur Spal­tung kommt. Will man doch mög­lichst soviel Gewicht wie mög­lich ins Kon­zert der glo­ba­len Funk­ti­ons­eli­ten mit ein­brin­gen. Die beque­me Mas­se der gewohn­heits­mä­ßi­gen Kon­for­mi­sten wird wei­ter in „ihre“ Kir­che schlur­fen, auch wenn es dort Pfar­re­rin­nen geben soll­te, Homo­se­xu­el­le getraut wer­den und die Kir­che offi­zi­ell Teil der LGBT-Com­mu­ni­ty wird. Wache Kon­zils­kon­ser­va­ti­ve wie etwa Weih­bi­schof Schnei­der wer­den sich zur FSSPX ori­en­tie­ren, der Rest wird sei­nen geschei­ter­ten Träu­men vom Auf­bruch aus den 60er Jah­ren nach­wei­nen und erken­nen, dass „ihre Kir­che“ aus den 70er und 80er Jah­ren eine Sin­nes­täu­schung war. Es war ein von Anfang an umstürz­le­ri­sches „Pro­jekt“, bei dem man nur nach und nach immer weni­ger Rück­sicht auf Kon­ser­va­ti­ve neh­men muß­te.

    • „Es war ein von Anfang an umstürz­le­ri­sches „Pro­jekt“, bei dem man nur nach und nach immer weni­ger Rück­sicht auf Kon­ser­va­ti­ve neh­men muß­te.“ Lei­der sehr wahr.
      In der Poli­tik in Euro­pa genau­so. Wir Katho­li­ken wer­den wie in einem Sand­wich von bei­den Sei­ten — Kir­che und Staat — immer mehr zer­drückt. Immer schnel­ler.

  9. Ergän­zend zu die­sem Arti­kel sei auf ein Inter­wiev von Kar­di­nal Marx ver­wie­sen:
    Im einem Inter­view sag­te Marx auch, dass er der Fami­li­en­syn­ode des Vati­kans im Jahr 2015 sag­te, dass homo­se­xu­el­le Paa­re, die ein­an­der treu sind und sich gegen­sei­tig unter­stüt­zen, nicht von der Kir­che „nega­tiv ein­ge­klam­mert“ oder von der Kir­che ver­ur­teilt wer­den soll­ten Kir­che, dass sta­bi­le homo­se­xu­el­le Bezie­hun­gen als wert­los gel­ten. In die­sen Wor­ten wird der gro­ße Irr­tum und auch die Selbst­über­schät­zung des ober­sten deut­schen Katho­li­ken deut­lich. Die prak­ti­zier­te Homo­se­xua­li­tät ist nie vom Bebot der Kir­che betrof­fen, son­dern vom 6. Gebot Got­tes und das beginnt mit den Wor­ten: Du sollst nicht.…Die Kir­che hat die Gebo­te Got­tes nicht abzu­schaf­fen, nicht zu revo­lu­tio­nie­ren oder gar zu nor­ma­li­sie­ren, son­dern den Sinn ihrer Erfül­lung zu ver­kün­den.

  10. Die Kir­che muss für die Zukunft die Hier­ar­chie eines fak­tisch unan­tast­ba­ren Pap­stes auf­ge­ben, es muss über ihm jemand ste­hen, der das Lehr­amt ver­tritt, und der es nicht anders ver­tre­ten darf, als es die Kir­che 2000 Jah­re lang ver­kün­det hat. Die­se Funk­ti­on darf nicht dem Papst unter­ste­hen. Mann muss den All­machts­phan­ta­sien und welt­li­chen Instu­men­ta­li­sie­rungs­ab­sich­ten künf­ti­ger Päp­ste vor­bau­en, anson­sten gibt es die gläu­bi­ge Kir­che bald nur noch im Unter­grund. Jetzt müss­ten die­se Wei­chen gestellt wer­den, nur hat die Kir­che nicht die Kraft und nicht den Mut das Papst­amt für die Zukunft und für alle Zei­ten dahin­ge­hend unmiss­ver­ständ­lich zu beschrän­ken. Es wäre über­le­bens­wich­tig.

  11. Das Papst­amt ist unmiss­ver­ständ­lich beschränkt. Der Papst hat zu bewah­ren!, besten­falls zu ver­tie­fen und nicht der sata­ni­schen Neu­en Welt­ord­nung mit ihrer Eine-Welt-Reli­gi­on zu die­nen.
    Dem Papst, wenn er von der Leh­re abirrt, brü­der­lich zu sagen „Es ist Dir nicht erlaubt!“ ist Auf­ga­be der Kar­di­nä­le und Bischö­fe, ver­sa­gen die­se, müs­sen wir Gläu­bi­gen es sagen. Wir müs­sen das Papst­amt ach­ten, aber wir müs­sen und dür­fen kei­nem Papst fol­gen, der von der Leh­re abirrt. Wir soll­ten die Nun­tien bestür­men, wie die Wit­we den unge­rech­ten Rich­ter bestürmt hat: „Schaf­fe uns Recht“.
    Doch wird wohl der Sohn des Men­schen, wenn er kommt, den Glau­ben fin­den auf der Erde? fragt Jesus Selbst. Das scheint also frag­lich zu sein.

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