Geheimes Amazonastreffen war „nicht geheim, nur diskret“

Deutsches Gegenpontifikat zum Pontifikat von Benedikt XVI.

Geheim oder diskret: Die Amazonassynode geht „nicht neue Wege“, sondern will verstaubtes „Denken der 70er Jahre“ reaktivieren und durchsetzen.
Geheim oder diskret: Die Amazonassynode geht „nicht neue Wege“, sondern will verstaubtes „Denken der 70er Jahre“ reaktivieren und durchsetzen.

(Rom) Der Vati­kan reagier­te auf Berich­te über ein Geheim­tref­fen zur bevor­ste­hen­den Ama­zo­nas­syn­ode. Der Vati­ka­nist Mar­co Tosat­ti sprach von einem „myste­riö­sen, deut­schen Geheim­tref­fen“, das am ver­gan­ge­nen Diens­tag „in der Nähe von Rom“ statt­fand. Dar­an nah­men meh­re­re Kar­di­nä­le, Bischö­fe und Theo­lo­gen teil, die zwei Merk­ma­le auf­wie­sen: es han­del­te sich um enge Ver­trau­te von Papst Fran­zis­kus und vor­wie­gend um Ver­tre­ter aus dem deut­schen Sprach­raum.

Die Ent­hül­lung des Geheim­tref­fens scheint das päpst­li­che Umfeld ziem­lich gestört zu haben. Der inte­ri­mi­sti­sche Vati­kan­spre­cher Ales­san­dro Gisot­ti reagier­te gestern mit einem hal­ben Demen­ti. Es habe sich nicht um ein gehei­mes, son­dern nur um ein dis­kre­tes Tref­fen gehan­delt.

Wört­lich sprach Gisot­ti von einem „nicht­öf­fent­li­chen Stu­di­en­tref­fen“ der Red Ecle­si­al Pana­ma­zo­ni­ca (REPAM). Die­ses Netz­werk war im Herbst 2014 eigens zur Vor­be­rei­tung der Ama­zo­nas­syn­ode gegrün­det wor­den, obwohl die­se offi­zi­ell erst im Herbst 2017 von Papst Fran­zis­kus ange­kün­digt wur­de. REPAM wird von Kar­di­nal Hum­mes und dem eme­ri­tier­ten, öster­rei­chi­schen Mis­si­ons­bi­schof Erwin Kräut­ler kon­trol­liert. Bei­de sind für ihre radi­kal-pro­gres­si­ven Posi­tio­nen bekannt und for­dern unter ande­rem die Abschaf­fung des prie­ster­li­chen Zöli­bats und das Frau­en­prie­ster­tum. Die Umset­zung bei­der Zie­le ver­fol­gen sie mit der Son­der­syn­ode.

So wie Kar­di­nal Kas­per, der Ver­fech­ter der Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten, von Fran­zis­kus zum Stich­wort­ge­ber der Fami­li­en­syn­ode (2014/2015) gemacht wur­de, wur­den Kar­di­nal Hum­mes und Bischof Kräut­ler von Fran­zis­kus mit der inhalt­li­chen Vor­be­rei­tung der Ama­zo­nas­syn­ode beauf­tragt. Der regie­ren­de Papst stellt mit sol­chen Per­so­nal­ent­schei­dun­gen die Wei­chen sei­nes Pon­ti­fi­kats.

Schlüsselpositionen noch einseitiger besetzt

Hum­mes wur­de von Fran­zis­kus auch zum Gene­ral­re­la­tor der Ama­zo­nas­syn­ode ernannt. Damit kon­zen­triert der Papst im Ver­gleich zur Fami­li­en­syn­ode noch mehr alle Schlüs­sel­po­si­tio­nen in der Hand der ihm nahe­ste­hen­den Rich­tung. Die Maß­nah­men ver­stär­ken die Befürch­tun­gen einer Syn­ode mit vor­ge­fer­tig­ten Ergeb­nis­sen. Ent­spre­chen­de Vor­wür­fe, die sich als zutref­fend erwie­sen, wur­den von 13 Kar­di­nä­len bereits am Beginn der zwei­ten Fami­li­en­syn­ode 2015 erho­ben.

Die mas­si­ve deut­sche Prä­senz („und meh­re­re Ita­lie­ner“) bei dem „dis­kre­ten“ Geheim­tref­fen nahe Roms ver­deut­licht, wer das größ­te Inter­es­se an der Ama­zo­nas­syn­ode und ihrer tie­fe­ren Agen­da hat. Die Ama­zo­nas-Bewoh­ner, um die es vor­der­grün­dig gehen soll, offen­sicht­lich nicht. Von ihnen war kein Ver­tre­ter anwe­send.

Der Punkt ist von Rele­vanz: Damit wird eine der ver­ba­len Haupt­be­to­nun­gen zur Ama­zo­nas­syn­ode deut­lich rela­ti­viert, die behaup­tet, eine Indio-Theo­lo­gie (als Teil der Öko­be­frei­ungs­theo­lo­gie) zu ver­tre­ten, die einem „euro­päi­schen Kul­tur­im­pe­ria­lis­mus“ ent­ge­gen­ge­setzt wird. Die Anti-Euro­pä­er sind aller­dings nichts ande­res als Euro­pä­er, die ihrer­seits die Indi­os in einen Kon­flikt trei­ben und ihnen ihr Den­ken auf­zwin­gen wol­len. In die­sem Kon­text ist auch zu sehen, daß Papst Fran­zis­kus 500 Jah­re Chri­stia­ni­sie­rung Ame­ri­kas kei­ne Rei­se wert ist.

Laut dem Vati­ka­ni­sten Edward Pen­tin vom Natio­nal Catho­lic Regi­ster waren rund 30 Per­so­nen bei dem Geheim­tref­fen anwe­send. Vati­kan­spre­cher Gisot­ti bestritt zwar den gehei­men Cha­rak­ter – aller­dings erst nach Ent­hül­lung des Tref­fens –, bestä­tig­te aber mit dem Hin­weis auf ein „Stu­di­en­tref­fen“ indi­rekt, daß bei der hoch­ran­gi­gen Begeg­nung inhalt­li­che Wei­chen zur Ama­zo­nas­syn­ode gestellt wur­den. Den Ton in der Syn­ode geben jeden­falls „die Deut­schen“ an.

Das „dis­kre­te“ Tref­fen fand in einem Ein­kehr­haus vor den Toren Roms des Frau­en­or­dens Ancil­lae Chri­sti Regis statt.

Kar­di­nal Schön­born, der Erz­bi­schof von Wien, soll­te auch anwe­send sein, muß­te die Teil­nah­me aber aus gesund­heit­li­chen Grün­den absa­gen, wie sein Pres­se­spre­cher Micha­el Prül­ler sag­te. Inter­es­sant an der Wort­mel­dung Prül­lers war, daß er als erster das Geheim­tref­fen bestä­tig­te.

Verstaubtes „Denken der 70er Jahre“

Laut Austen Ive­r­eigh, einem über­zeug­ten Ber­go­glia­ner, waren ein zen­tra­les The­ma des Tref­fens „die theo­lo­gi­schen Impli­ka­tio­nen der Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zu Prie­stern“. Ive­r­eigh ent­hüll­te im Herbst 2014 in sei­ner Bio­gra­phie von Kar­di­nal Mur­phy O’Connor erst­mals die Exi­stenz einer orga­ni­sier­ten Grup­pe zur Vor­be­rei­tung und Durch­set­zung der Wahl von Kar­di­nal Jor­ge Mario Ber­go­glio zum Papst. Ive­r­eigh nann­te die Grup­pe Team Ber­go­glio. Tat­säch­lich ent­hüll­te er damit als erster die Exi­stenz der Geheim­grup­pe von Sankt Gal­len, die sich, so ihr Mit­glied, der inzwi­schen ver­stor­be­ne Kar­di­nal Dan­neels, selbst als „Mafia“ bezeich­ne­te.

Die Quel­le, die Pen­tin das „dis­kre­te“ Tref­fen ent­hüll­te, wider­sprach der Sprach­re­ge­lung von Vati­kan und REPAM, die Ama­zo­nas­syn­ode die­ne eini­ge Aspek­te „neu zu den­ken“. In Wirk­lich­keit gehe es dar­um, „altes Mate­ri­al“ vor­ge­fer­tigt zu reak­ti­vie­ren. „Vor­wie­gend deut­sche Theo­lo­gen“ holen ver­staub­te „Ord­ner aus dem Schrank“ und ver­su­chen „das dar­in ent­hal­te­ne Den­ken der 70er Jah­re“, das sie damals nicht durch­set­zen konn­ten, nun durch­zu­set­zen. Damit bestä­tig­te die Quel­le, daß die Ergeb­nis­se der Ama­zo­nas­syn­ode vor­ge­fer­tigt bereit­ste­hen und die Syn­ode nur Vor­wand und Fas­sa­de für die Durch­set­zung einer alt-alten kirch­li­chen 68er-Agen­da ist. Die­ser Vor­wurf fand in Ver­lauf und Ergeb­nis der Fami­li­en­syn­ode eine Bestä­ti­gung.

Mai­ke Hick­son rief auf Life­Si­teNews in Erin­ne­rung, daß „dis­kre­te“ Geheim­tref­fen auch vor den Fami­li­en­syn­oden statt­fan­den.

Die „neu­en Wege“, die Papst Fran­zis­kus mit den Bischofs­syn­oden und der „Syn­oda­li­tät“ gehen will – von „neu­en Wegen“ spricht der Unter­ti­tel der Ama­zo­nas­syn­ode – erwei­sen sich in Wirk­lich­keit als gelenk­te Ereig­nis­se mit vor­ge­fer­tig­ten Ergeb­nis­sen, die das Gegen­teil der behaup­te­ten, „geist­ge­lenk­ten“ Parr­he­sie sind. Anspruch und Wirk­lich­keit klaf­fen laut Beob­ach­tern mehr aus­ein­an­der denn je.

Die Agen­da ist geschnürt. Das dis­kre­te Geheim­tref­fen vor den Toren Roms dien­te die­sem Zweck. Es bestä­tigt, daß das argen­ti­ni­sche Pon­ti­fi­kat in Wirk­lich­keit ein „deut­sches“ Pon­ti­fi­kat“ ist. Ein deut­sches Gegen­pon­ti­fi­kat zum Pon­ti­fi­kat von Bene­dikt XVI.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: REPAM (Screen­shot)




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2 Kommentare

  1. Gott gab den Men­schen einen frei­en Wil­len. Und das aus gutem Grund. Wenn Men­schen von Men­schen gezwun­gen wer­den anders zu den­ken, reden und han­deln, dann wider­spricht das ein­deu­tig dem Wil­len Got­tes. Wer Zwang aus­übt ist kein Die­ner Got­tes und erst recht nicht sein Stell­ver­tre­ter.

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