Päpstliches Lob für Kasper und progressiver Bannstrahl gegen die Glaubenslehre

Kardinal Kasper und Papst Franziskus: Welche Absichten werden zur Bischofssynode mit Blick auf die wiederverheiratet Geschiedenen gehegt?Was braut sich bei der Vor­be­rei­tung der Bischofs­syn­ode hin­ter den Kulis­sen zusam­men? Ist die Ein­be­ru­fung der Bischofs­syn­ode nur der Vor­wand, um das Ehe­sa­kra­ment zu kap­pen? Sind die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen nur der erste Schritt zu einer „neu­en Moral“? War das The­ma wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne einer gehei­men Wahl­ka­pi­tu­la­ti­on Jor­ge Mario Ber­go­gli­os? Auf die­se Fra­gen ist eine gesi­cher­te Ant­worrt nicht mög­lich. Mög­lich ist jedoch eine Zusam­men­fas­sung der Ereig­nis­se der ver­gan­ge­nen andert­halb Mona­te.

(Rom) Vor weni­gen Tagen ernann­te Papst Fran­zis­kus einen Unter­se­kre­tär der Bischofs­syn­ode und ver­band die­ses Amt erst­mals mit der Bischofs­wür­de. In einem Begleit­schrei­ben an den Sekre­tär der Bischofs­syn­ode, Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri, beton­te der Papst, die „Kol­le­gia­li­tät“ in der Kir­che als „Zei­chen der Zeit“ stär­ken zu wol­len. Eine Inten­ti­on, die auch durch die Erhe­bung des Sekre­tärs in den Kar­di­nals­stand und die Ernen­nung des Unter­se­kre­tärs zum Bischof deut­lich zum Aus­druck kommt. Auch das ist ein Schritt zur Vor­be­rei­tung der ersten Bischofs­syn­ode die­ses Pon­ti­fi­kats, die Anfang Okto­ber statt­fin­den wird und auf die in der Kir­che mit gemisch­ten Gefüh­len geblickt wird. Es geht die Befürch­tung um, in einem syn­oda­len Hand­streich könn­ten, wenn nicht in die­sem ersten Teil der Bischofs­syn­ode, dann im zwei­ten Teil, der für Herbst 2015 vor­ge­se­hen ist, Tei­le der katho­li­schen Ehe­leh­re aus­ge­he­belt und das Ehe­sa­kra­ment unter­mi­niert wer­den. Die For­mel dazu lie­fer­te der deut­sche Theo­lo­ge und Kar­di­nal Wal­ter Kas­per. Sie lau­tet ver­ständ­lich wie­der­ge­ge­ben: Die for­mal unan­ge­ta­ste­te Leh­re durch eine neue Pra­xis ver­än­dern. Kon­kret auf dem Pro­gramm Kas­pers steht die Zulas­sung wie­der­ver­hei­ra­te­ter Geschie­de­ner zu den Sakra­men­ten. Da die Betrof­fe­nen in einem Dau­er­zu­stand der öffent­li­chen Sün­de leben, sind die wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen vom Kom­mu­nion­emp­fang aus­ge­schlos­sen. Geht es nach den Bischofs­kon­fe­ren­zen Deutsch­lands und der Schweiz soll der Kom­mu­nion­emp­fang auch für sie über die eine oder ande­re neue For­mel mög­lich wer­den.

Welche Rolle spielt Papst Franziskus?

Am mei­sten beschäf­tigt die Unsi­cher­heit, wel­che Hal­tung Papst Fran­zis­kus in der Fra­ge ein­nimmt und wel­che Rol­le er bei der Bischofs­syn­ode zu spie­len gedenkt. Die Tat­sa­che, daß die Hal­tung eines Pap­stes unklar ist, stellt ein unge­wöhn­li­ches Novum in der Kir­chen­ge­schich­te dar, die in jün­ge­rer Zeit nur mit der Kon­zils- und unmit­tel­ba­ren Nach­kon­zils­zeit ver­gleich­bar scheint. Tat­säch­lich suchen die „Ver­än­de­rer“ krampf­haft die Rück­kop­pe­lung an ein „vir­tu­el­les“ Kon­zil (Bene­dikt XVI.), des­sen Wie­der­auf­er­ste­hung sie gera­de­zu man­tra­haft beschwö­ren.

Die bis­he­ri­gen Signa­le von Papst Fran­zis­kus in der Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen sind objek­tiv betrach­tet wenig beru­hi­gend. Zur Fra­ge nahm der Papst bis­her inhalt­lich nicht Stel­lung. Eini­ge füh­ren­de Kir­chen­män­ner, wie der nord­ame­ri­ka­ni­sche Ver­tre­ter im C8-Kar­di­nal­s­rat Kar­di­nal O’Malley sind zwar der Mei­nung, daß es unter Papst Fran­zis­kus kei­ne Zulas­sung öffent­li­cher Sün­der zu den Sakra­men­ten geben wer­de. Ande­re Kir­chen­ver­tre­ter blicken unter genau umge­kehr­ten Vor­zei­chen zuver­sicht­lich auf die nahen­den Bischofs­syn­oden.

Kaspers päpstliches Privileg

Papst Fran­zis­kus ist aller­dings, trotz inhalt­li­chen Schwei­gens, der­je­ni­ge, der die Bischofs­syn­oden zum The­ma Fami­lie ein­geb­ru­fen hat. Mit sei­ner Zustim­mung rich­te­te der von ihm ernann­te neue Sekre­tär der Bischofs­syn­ode, der nun­meh­ri­ge Kar­di­nal Bal­dis­se­ri, einen Fra­ge­bo­gen an alle Bischö­fe der Welt. Der Umgang mit dem Fra­ge­bo­gen mach­te die Ent­schlos­sen­heit pro­gres­si­ver Pres­su­re Groups sicht­bar, die katho­li­sche Moral­leh­re kip­pen zu wol­len. Selbst das führ­te jedoch zu kei­nem Umden­ken in Rom. Der ein­ge­schla­ge­ne Weg wird fort­ge­setzt. Statt des­sen beauf­trag­te Papst Fran­zis­kus aus­ge­rech­net Kar­di­nal Wal­ter Kas­per mit dem ein­zi­gen Refe­rat beim Kar­di­nals­kon­si­sto­ri­um Ende Febru­ar. Neu­tra­li­tät sieht anders aus. Für eine ange­mes­se­ne Debat­te und um Aus­ge­wo­gen­heit zu signa­li­sie­ren, hät­te der Papst zwei Refe­ren­ten unter­schied­li­cher Rich­tung beauf­tra­gen kön­nen. Für die pflicht­ge­mä­ße Ver­tei­di­gung der katho­li­schen Ehe­leh­re, hät­te er einen ortho­do­xen Ver­ferch­ter der Glau­bens­leh­re beauf­tra­gen müs­sen. Doch nichts der­glei­chen. Der Papst ent­schied sich für Kar­di­nal Kas­per, des­sen unor­tho­do­xe Posi­ti­on in der Fra­ge zumin­dest seit den 90er Jah­ren bekannt ist. Eine Posi­ti­on, die sowohl von Papst Bene­dikt XVI. als zuvor auch von Joseph Kar­di­nal Ratz­in­ger ver­wor­fen wur­de. So wie sie nun vor dem Kon­si­sto­ri­um bereits vom heu­ti­gen Glau­bens­prä­fek­ten Ger­hard Lud­wig Kar­di­nal Mül­ler ver­wor­fen wor­den war. Man darf in der päpst­li­chen Ent­schei­dung zugun­sten Kas­pers eine ein­sei­ti­ge Par­tei­nah­me erken­nen und in Kar­di­nal Kas­per wenn nicht das Sprach­rohr des Pap­stes, so zumin­dest einen Ver­such­bal­lon, den man auf­stei­gen ließ, um die Reak­tio­nen und Wider­stän­de zu testen.

Überschwengliches Lob des Papstes, um Kritik der Kardinäle zu dämpfen

Die Par­tei­nah­me erfuhr eine unzwei­deu­ti­ge Unter­strei­chung im über­schweng­li­chen Lob für Kas­per, das Papst Fran­zis­kus am Mor­gen nach des­sen Rede vor den Kar­di­nä­len for­mu­lier­te. Die Reak­ti­on der Kar­di­nä­le auf Kas­pers Rede­kün­ste, ihnen eine listi­ge For­mel schmack­haft zu haben, war ziem­lich ener­gisch. Gegen die Roß­täu­sche­rei, die der deut­schen Theo­lo­ge vor­ge­schla­gen hat­te (so zu tun, als blei­be alles gleich, wäh­rend sich in Wirk­lich­keit alles ändert), erhob sich lau­ter Pro­test. Die mei­sten Wort­mel­dun­gen der Kar­di­nä­le in der Dis­kus­si­on wider­spra­chen Kas­per.

Mit dem schwä­me­ri­schen Lob woll­te der Papst dem deut­schen Kar­di­nal offen­kun­dig zu Hil­fe eilen. Die gera­de­zu ver­zück­te, aber wenig glaub­haf­te Behaup­tung, daß aus­ge­rech­net die von Kas­per for­mu­lier­te Stra­te­gie, sich der kirch­li­chen Ehe­leh­re in einem ent­schei­den­den Punkt zu ent­le­di­gen, eine „Theo­lo­gie auf den Knien“ sei, macht es schwer, eine Nähe des Pap­stes zu dem von Kas­per ver­tre­te­nen neu­en Kurs abzu­strei­ten.

Der Ghostwriter des Papstes und der freie Markt der Ideen

Die Par­tei­nah­me für Kas­per und die För­de­rung sei­ner Posi­ti­on fand damit aber noch nicht ihr Ende. Der Ghost­wri­ter von Papst Fran­zis­kus und damit einer sei­ner eng­sten Ver­trau­ten, Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, den er zuerst zum Rek­tor der Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en mach­te und dann zum Erz­bi­schof ernann­te, sag­te vor kur­zem, daß es eines der gro­ßen Ver­dien­ste die­ses Pap­stes sei, „die Kir­che in einen von Äng­sten frei­en Ort des Ideen­aus­tau­sches zu ver­wan­deln, wo alle ihre Mei­nung sagen kön­nen und Berück­sich­ti­gung fin­den“. Die Kir­che als frei­er Markt der Ideen?

Maulkorb für Kardinäle ausgenommen Kasper

Betrach­tet man neu­tral, was beim Kon­si­sto­ri­um am 20. und 21. Febru­ar gesche­hen ist, dann wur­de die Rede Kas­pers dem Anspruch eines Mark­tes der Ideen gerecht. Nicht aber, daß jeder sei­ne Mei­nung sagen kann und die­se berück­sich­tigt wird. Die Kir­che ist aber kein Ort ver­fah­rens­tech­ni­scher Wert­neu­tra­li­tät. Den in Rom ver­sam­mel­ten Kar­di­nä­len, in deren Rei­hen ein maß­geb­li­cher Kir­chen­ver­tre­ter, Bene­dikt XVI., fehl­te, wur­de vom Kar­di­nal­s­de­kan Ange­lo Soda­no aus­drück­lich im Namen des Pap­stes strik­te Schwei­ge­pflicht auf­er­legt. Die Ver­pflich­tung über das, was im Kon­si­sto­ri­um gespro­chen wird, Still­schwei­gen zu bewah­ren, wur­de mehr­fach in Erin­ne­rung geru­fen, wie jüngst auch der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster bestä­tig­te.

Die­se Ver­pflich­tung wur­de jedoch von Kar­di­nal Kas­per gebro­chen und zwar mit Zustim­mung des Pap­stes. Kaum hat­te der Kar­di­nal sei­ne umstrit­te­ne Rede im Kon­si­sto­ri­um gehal­ten, kün­dig­te er bereits in Deutsch­land beim Her­der-Ver­lag deren Ver­öf­fent­li­chung an und eben­so in Ita­li­en beim Ver­lag Quer­i­nia­na in Bre­scia die Druck­le­gung der Rede und sei­ner ihm zusätz­lich beim Kon­si­sto­ri­um ein­ge­räum­ten Schluß­re­plik auf die Kri­tik der Kar­di­nä­le .

Roberto de Matteis artikulierter Widerspruch

Es war die Tages­zei­tung Il Foglio, die der Stra­te­gie des Kar­di­nals (und des Pap­stes?) einen Strich durch die Rech­nung mach­te und die Rede welt­weit exklu­siv ver­öf­fent­lich­te und gleich mit einem kri­ti­schen Wider­spruch des katho­li­schen Histo­ri­kers Rober­to de Mattei ergänz­te, der Kas­pers Argu­men­ta­ti­on unter Beru­fung auf die Kir­chen­vä­ter und eine angeb­li­che früh­christ­li­che Pra­xis zer­pflück­te. Der Hand­streich war dem Chef­re­dak­teur von Il Foglio zu ver­dan­ken, der sich bewußt war, daß jener, der als Erster kommt, die Rich­tung der wei­te­ren Dis­kus­si­on mit­be­ein­flus­sen kann. Kas­per soll­te nicht allein die Kon­trol­le über die Dis­kus­si­on über­las­sen wer­den. Mit Rober­to de Mattei wur­de ein katho­li­sches Groß­ka­li­ber in Stel­lung gebracht. Wer die Kas­per-Rede lesen woll­te, kam an der von de Mattei treff­si­cher und über­le­gen for­mu­lier­ten Gegen­po­si­ti­on nicht vor­bei.

Kaspers Zorn und die Exklusivstellung im Osservatore Romano

Kas­per schäum­te. Noch Tage spä­ter ließ er in einem Inter­view mit Radio Vati­kan sei­nem Ärger frei­en Lauf. Offen­bar in Abwand­lung der ursprüng­li­chen Absicht und als Gegen­maß­nah­me zum Foglio-Streich ver­öf­fent­lich­te nun auch der Osser­va­to­re Roma­no, die offi­ziö­se Tages­zei­tung des Vati­kans, die Schluß­re­plik Kas­pers und das Vor­wort zur bereits in Druck befind­li­chen Rede.

Der Osser­va­to­re Roma­no konn­te sich dabei auf das kräf­ti­ge Lob von Papst Fran­zis­kus für Kas­per beru­fen, nach­dem zahl­rei­che Kar­di­nä­le gegen des­sen Posi­ti­on zu den wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen Stel­lung bezo­gen hat­ten. Die­ses Lob öff­ne­te dem deut­schen Kar­di­nal das Pri­vi­leg, im Osser­va­to­re Roma­no abge­druckt zu wer­den, was kaum ohne Zustim­mung des Pap­stes so denk­bar gewe­sen wäre.

Der Posi­ti­on Kas­pers soll­te damit inner­kirch­lich Sicht­bar­keit und Auto­ri­tät ver­lie­hen wer­den. Die Geheim­hal­tungs­ver­pflich­tung galt und gilt nach wie vor offen­sicht­lich für alle Kar­di­nä­le und ihre Dis­kus­si­ons­bei­trä­ge im Kon­si­sto­ri­um, mit einer ein­zi­gen Aus­nah­me: Wal­ter Kas­per. Nur für ihn hob Papst Fran­zis­kus die Ver­pflich­tung zum Still­schwei­gen auf. War­um ein sol­ches Pri­vi­leg, wenn alle „Mei­nun­gen“ berück­sich­tigt wer­den? Der Papst häng­te damit allen Kar­di­nä­len, die die katho­li­sche Glau­bens­leh­re zum Ehe­sa­kra­ment ver­tei­dig­ten, einen Maul­korb um und erlaub­te ein­zig der abwei­chen­den Mei­nung Rede­recht. Das kommt einer ein­sei­ti­gen Bevor­zu­gung einer bestimm­ten Posi­ti­on und der Behin­de­rung einer ande­ren gleich.

Die Fol­ge war, daß sich nicht nur der Osser­va­to­re Roma­no, son­dern auch ande­re offi­zi­el­le kirch­li­che Medi­en, vor allem die Zei­tun­gen eini­ger Bischofs­kon­fe­ren­zen ver­pflich­tet fühl­ten, Kas­per abzu­drucken. Im Gegen­satz zu Il Foglio fehl­te aller­dings jede Gegen­po­si­ti­on. Der Ein­zi­ge, dem damit das exklu­si­ve Recht ein­ge­räumt wur­de, sei­ne Stim­me in der Tages­zei­tung des Hei­li­gen Stuhls zu erhe­ben, war Kas­per. Über alle ande­ren Kar­di­nä­le und ihre Wort­mel­dun­gen im Kon­si­sto­ri­um herrscht bis heu­te Still­schwei­gen.

Zwei Kardinäle wehren sich: Brandmüller und Caffarra widersprechen Kasper

Nur zwei Kar­di­nä­le unter den zahl­rei­chen, die Kas­per wider­spra­chen, mel­de­ten sich nach dem Kon­si­sto­ri­um öffent­lich zu Wort und for­mu­lier­ten damit eine Posi­ti­on außer­halb des Kon­si­sto­ri­ums: der Deut­sche Wal­ter Brand­mül­ler und der Ita­lie­ner Car­lo Caf­farra. Bei­de muß­ten dies außer­halb der offi­zi­el­len kirch­li­chen Medi­en tun: Kar­di­nal Brand­mül­ler mit dem Auf­satz „Den Vätern ging es um die Wit­wen“ in der Tages­zei­tung Die Tages­post, Kar­di­nal Caf­farra mit dem Inter­view „Wider­ver­hei­ra­tet Geschie­de­ne – Caf­farra warnt: „Hört auf!“ in der Tages­zei­tung Il Foglio.

Brand­mül­lers Auf­satz erschien am 27. Febru­ar, Caf­farras Inter­view am 15. März. Der Erz­bi­schof von Bolo­gna sag­te dar­in: „Rührt die von Chri­stus gestif­te­te Ehe nicht an. Man beur­teilt nicht Fall für Fall und man seg­net nicht die Schei­dung. Heu­che­lei ist nicht Barm­her­zig­keit“. Doch im Osser­va­to­re Roma­no fand sich weder ein Hin­weis auf den Auf­satz noch auf das Inter­view.

Das ungleiche Gewicht

Erstaun­li­cher­wei­se ver­öf­fent­lich­te der Avve­ni­re, die Tages­zei­tung der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, schließ­lich doch auch den Brand­mül­ler Auf­satz. Aller­dings erst 40 Tage nach Kas­per, nur in einer Zusam­men­fas­sung und auf einer Sei­te und in einer Auf­ma­chung, die wenig Auf­merk­sam­keit auf sich lenkt. Die Ver­öf­fent­li­chung schien der Redak­ti­on durch inner­kirch­li­chen Druck abge­run­gen wor­den zu sein.

Kar­di­nal Brand­mül­ler zer­leg­te in sei­nem Auf­satz vor allem die Glaub­wür­dig­keit der Haupt­quel­le, auf die Kas­per sei­ne Rede stütz­te, das Buch von Gio­van­ni Cere­ti: Divor­zio, nuo­ve noz­zi e peniten­za nella chie­sa pri­mi­ti­va (Schei­dung, neue Ehe und Buße in der frü­hen Kir­che), das in sei­ner Erst­aus­ga­be 1977 erschie­nen ist und erstaun­li­cher­wei­se genau in der zwei­te Hälf­te 2013 eine Neu­auf­la­ge erleb­te.

Brandmüller zerpflückt Hauptstütze für Kaspers Position

Für Kar­di­nal Brand­mül­ler gibt es nicht den gering­sten Beweis, daß die Kir­che in den ersten Jahr­hun­der­ten zum Kom­mu­nion­emp­fang zuließ, wer nach einer Buß­zeit eine zwei­te Ehe ein­ging, obwohl der erste Ehe­part­ner noch leb­te. Eine Posi­ti­on, die bereits Bene­dikt XVI. ver­trat. Zeit­gleich mit der etwas ver­steck­ten Zusam­men­fas­sung des Brand­mül­ler Auf­sat­zes im Avve­ni­re, nahm Cere­ti in der pro­gres­si­ven Zeit­schrift Il Reg­no Stel­lung und zeig­te sich wenig ein­sich­tig. Auf die Kri­tik fun­dier­te Kri­tik Brand­mül­lers an einer halt­lo­sen Behaup­tung ging Cere­ti erst gar nicht ein. Zu will­kom­men scheint sei­ne The­se für den „neu­en Kurs“, den Kas­per im Kon­si­sto­ri­um for­mu­liert hat­te. Cere­ti wört­lich:

„Ich dan­ke Kar­di­nal Kas­per, der – ich den­ke in Über­ein­stim­mung mit dem Wunsch des Pap­stes – genau im Zusam­men­hang mit die­ser Pra­xis der frü­hen Kir­che mei­ne dies­be­züg­li­che Stu­die zitier­te. Per­sön­lich bin ich dem Herrn dank­bar, mir ermög­licht zu haben, zu sehen, daß das Ergeb­nis mei­ner For­schung, für die ich in gewis­ser Wei­se mein gan­zes Leben ein­ge­setzt habe, ernst­haf­te Berück­sich­ti­gung fin­den. Wenn sie als gül­tig aner­kannt wer­den, soll­ten sie es einer­seits ermög­li­chen, sich der Pra­xis ande­rer christ­li­cher Kir­chen anzu­nä­hern und ande­rer­seits die Rück­kehr unzäh­li­ger Men­schen in allen Tei­len der Erde zur Kir­che und zum sakra­men­ta­len Lebens.“

Ceretis progressives Anathem gegen Verteidiger der Orthodoxie

Cere­ti schloß sei­ne Wort­mel­dung mit einem pro­gres­si­ven Anathem gegen alle Anders­den­ken­den:

„Mich beglei­tet die Hoff­nung, daß nie­mand von jenen, die dich heu­te der von Papst Fran­zis­kus gewünsch­ten Wen­de wider­set­zen, einer nova­tia­ni­schen Posi­ti­on anhän­gen, indem sie die Voll­macht der Kir­che leug­nen, alle Sün­den ver­ge­ben zu kön­nen und damit ris­kie­ren, sich außer­halb der kirch­li­chen Gemein­schaft zu stel­len.“

Die Nova­tia­ner waren in den ersten Jahr­hun­der­ten eine nach dem Gegen­bi­schof Nova­ti­an (200–258) benann­te puri­ta­ni­sche Strö­mung, die leug­ne­te, daß die Kir­che die Voll­macht hat, Sün­den wie die Apost­asie, Mord und Ehe­bruch zu ver­ge­ben, wes­halb Men­schen, die sich eines sol­chen Sün­de schul­dig gemacht hat­ten, für immer von den Sakra­men­ten und aus der Kir­che aus­ge­schlos­sen waren. Eine Posi­ti­on, die von der Kir­che ver­wor­fen wur­de, ihre Anhän­ger gal­ten als Ket­zer. Nova­ti­an selbst wur­de 251 exkom­mu­ni­ziert. Cere­tis Ver­such, die Ver­tei­di­ger der immer­gül­ti­gen kirch­li­chen Leh­re mehr als 1700 Jah­re spä­ter in die Nähe einer Häre­sie zu rich­ten, läßt erken­nen, mit wel­chen Ban­da­gen jene, die die katho­li­sche Ehe­lehr umstürz­ten wol­len, im Vor­feld der Bischofs­syn­ode kämp­fen.

Zum Abschluß sei somit nur am Ran­de, aber kei­nes­wegs unbe­deu­tend, dar­auf hin­ge­wie­sen, daß Kas­pers Locke­rungs­for­mel sich nicht nur auf die Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­tet Geschie­de­nen anwen­den läßt, son­dern theo­re­tisch als Uni­ver­sal­schlüs­sel zur Aus­he­be­lung der gesam­ten Glau­bens­leh­re durch eine „neue Pra­xis“.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Il Foglio/Fanpage

20 Kommentare

  1. Die wol­len 2017 die Refor­ma­ti­on mit Trä­nen in den Augen mit­fei­ern. Bis dahin muß die katho­li­sche Kir­che soweit ver­bo­gen wer­den damit sie in das öku­me­ni­sche Faß passt. Natür­lich stört das Sakra­ment der Ehe und nicht nur das mas­siv. Es wer­den ereig­nis­rei­che Jah­re kom­men, da bin ich mir sicher. Viel­leicht schlep­pen die 2017 auch die Fati­ma­ma­don­na nach Eisen­ach und stel­len sie neben Katha­ri­na von Bora. Drauf haben die das. Trotz­dem bin ich posi­tiv gestimmt. Viel­leicht pas­sie­ren Din­ge von dem ein Kar­di­nal Wal­ter Kas­per abso­lut über­for­dert sein wird.
    Per Mari­am ad Chri­stum.

    • Kei­ne Sor­ge, lie­be Shu­ca. Sie wis­sen doch IHR Ver­spre­chen: „Am Ende wird Mein unbe­fleck­tes Herz tri­um­phie­ren“. Offen­bar muss die Mensch­heit zuvor durch eine gro­ße Drang­sal, um zu erken­nen, wohin Gott­lo­sig­keit und Glau­bens­ab­fall füh­ren. Auch der KKK beschreibt das Kom­men­de (KKK 675 ff.), und es muss die Spreu vom Wei­zen getrennt wer­den.

  2. Wird Fran­zis­kus die Syn­ode dazu benut­zen um die Ver­ant­wor­tung und Pflicht die er als Papst ange­nom­men hat und die in die­sen Dog­ma

    Der Papst besitzt die vol­le und ober­ste Juris­dik­ti­ons­ge­walt über die gesam­te Kir­che nicht bloß in Sachen des Glau­bens und der Sit­ten, son­dern auch in der Kir­chen­zucht und der Regie­rung der Kir­che.

    klar zum Aus­druck kom­men, zu Unter­wan­dern oder nicht wahr­zu­neh­men? Und egal was bei die­ser Bischofs­syn­ode her­aus­kommt, wenn es nicht mit dem „Hei­li­gen Wil­len Got­tes unse­res Herrn“ über­ein­stimmt, darf es von kei­nen Katholiken/in oder Kle­ri­ker ange­nom­men wer­den. Denn Gott den Herrn ist mehr zu Gehor­chen als einen Men­schen.

    Got­tes und Mari­ens Segen auf allen Wegen.

  3. P. Schmid­ber­ger, Regens des Prie­ster­se­mi­nars in Zaitz­ko­fen, ehe­ma­li­ger Gene­ral­obe­rer der FSSPX, zusam­men­ge­fasst, was Kar­di­nal Kas­per lehr­te, als er noch als Theo­lo­ge tätig war.
    Es ist ein­deu­tig: Kas­per ist Häre­ti­ker. Doch er hat sich nie beson­ders abge­ho­ben von sei­nen Kol­le­gen. Er war nur nicht so aggres­siv, so pla­ka­tiv wie Küng.
    Er wur­de Bischof, er wur­de Kar­di­nal. Unter Johan­nes Paul II. Und wir haben dem­nächst zu beten: „Hei­li­ger Johan­nes Paul II., bit­te für uns. Ab dem 27. April.
    Es ist rich­tig: Bis Bene­dikt XVI. haben alle Kon­zils- und Nach­kon­zil­späp­ste die katho­li­sche Sit­ten­leh­re ver­tei­digt. Doch sie haben den Glau­ben an die Gott­heit Jesu Chri­sti nicht mehr ver­tei­digt. Theo­lo­gen durf­ten ihn aus­ein­an­der­neh­men. Damit ist auch der Glau­be der katho­li­schen Kir­che an das Erlö­ser­han­deln Jesu Chri­sti zusam­men­ge­bro­chen.
    Es ist gera­de­zu ein Gesetz der Logik: Wenn Jesus Chri­stus in sei­ner Per­son nicht den für uns ver­bor­ge­nen Gott offen­bart, wenn er nicht selbst Gott ist und dem­nach nicht mit gött­li­cher Voll­macht han­delt und spricht, dann kann man sei­ne Wor­te der Zeit anpas­sen, auch die Moral ändern, der Zeit anpas­sen.
    Es ist doch nicht mög­lich, einer­seits mehr oder weni­ger vom Glau­ben abzu­fal­len und ande­rer­seits dann noch die katho­li­sche Moral­leh­re auf­recht­zu­er­hal­ten.
    Die katho­li­sche Ehe ist genau wie der Zöli­bat nur zu leben mit Hil­fe der gött­li­chen Gna­de. Mit einem Leben, das sich geist­lich aus dem Mess­op­fer speist, aus den Sakra­men­ten, der Hei­li­gen Schrift, aus einem leben­di­gen Glau­ben an den Gott­men­schen Jesus Chri­stus, der in Sei­ner Kir­che wei­ter wirkt. Bricht die­ser Glau­be zusam­men, bricht auch die Moral zusam­men, nur zeit­lich ver­zö­gert.

    Es muss­te so kom­men, wie es jetzt kommt. Die Bischö­fe wis­sen seit Jahr­zehn­ten, was sich an den theo­lo­gi­schen Fakul­tä­ten abspielt. Ver­schämt haben sie geschwie­gen, ent­we­der aus Feig­heit oder weil sie selbst abge­fal­len sind.

    Wir „ern­ten“ jetzt die Früch­te, die seit Jahr­zehn­ten gesät wor­den sind.

    Der Glau­bens­prä­fekt Ratz­in­ger hat ver­sucht, das Schlimm­ste zu ver­hin­dern. Es hat ihm den wüten­den Hass der Theo­lo­gie­pro­fes­so­ren, eines Teils der Bischö­fe und der Leit­me­di­en ein­ge­tra­gen. Ver­hin­dern konn­te er den Glau­bens­ab­fall nicht.

    Die Ern­te des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils und der auf die­ses Kon­zil fol­gen­den „Refor­men“ wird ein­ge­fah­ren. Unter Ber­go­glio bricht die Fas­sa­de zusam­men, die Rom nur noch mit Müh‘ und Not auf­recht erhal­ten konn­te.

    • Ihrem Befund kann ich nur bei­pflich­ten. Was sich der­zeit in unse­rer Kir­che abspielt, ist wirk­lich ein Anlass zu größ­ter Sor­ge. Papst Fran­zis­kus scheint nicht Wil­lens, den Kräf­ten Ein­halt zu gebie­ten, die das Ehe­sa­kra­ment aus­höh­len, um es anschlie­ßend ganz zu besei­ti­gen. Der katho­li­sche Glau­be wird im Gei­ste von Amts­trä­gern wie Kar­di­nal Kas­per immer mehr zum blo­ßen Schein. Die­se Ent­wick­lung stellt eine ern­ste Bedro­hung der Katho­li­zi­tät dar, die von pro­gres­siv pro­te­stan­tisch gepräg­ten „Katho­li­ken“ ohne­hin längst nur noch als Last emp­fun­den wird. Offen­bar ist der Säku­la­ri­mus heu­te auch mit­ten in der Kir­che so domi­nant, dass die katho­li­sche Leh­re nicht mehr begrif­fen wird. Sie dann ein­fach über Bord zu wer­fen, erscheint wie ein Befrei­ungs­akt von einem unnö­ti­gen Ballst. Am Ende besei­tigt man dann noch die Reste des Glau­bens, wie es sich in der EKD längst schon voll­zo­gen hat.

      Trau­rig ist, dass die­ser Ent­wick­lung vom Papst nicht gegen­ge­steu­ert wird, son­dern er sie noch beför­dert. Vie­le sei­ner Hand­lun­gen sind wider­sprüch­lich, zwei­deu­tig und damit Zwei­fel för­dernd. Ob aus­ge­rech­net ein Papst den Nie­der­gang des Glau­bens amt­lich ver­ant­wor­tet, wird man abwar­ten müs­sen. Beten wir, dass es soweit nicht kommt!

  4. Offen­bar ist Cere­ti der Mei­nung, die Kir­che habe die Voll­macht, Sün­den auch dann zu ver­ge­ben, wenn kei­ne Reue und kein Vor­satz vor­lie­gen — und wer damit nicht ein­ver­stan­den sei, der sei Nova­tia­ner. Nun gut, ande­re den­ken, die Kir­che wür­de die Abso­lu­ti­on gegen Geld ertei­len, wie­der ande­re, man kön­ne die Abso­lu­ti­on vor noch zu bege­hen­den Sün­den erhal­ten. Wer nimmt schon sol­che Igno­ran­ten ernst?

    Im übri­gen soll­te man nicht die Pfer­de scheu machen, wie es in der reich­lich hoch­tra­ben­den Über­schrift zu dem Arti­kel gesche­hen ist. Wer offen­sicht­lich unsin­ni­ges Gefa­sel wie das von Cere­ti für einen „Bann­strahl“ hält, hat sich offen­bar von einer objek­ti­ven Ein­schät­zung kirch­li­cher bzw. kir­chen­po­li­ti­scher Sach­ver­hal­te ver­ab­schie­det.

    Die The­sen Kas­pers haben nicht die gering­ste Chan­ce, wie es u.a. die Gescheh­nis­se beim Kon­si­sto­ri­um deut­lich gezeigt haben — Stich­wort: Kol­le­gia­li­tät. Sogar ein Mann wie der alles ande­re als „kon­ser­va­ti­ve“ Re hat dort dem teu­to­ni­schen Non­sens eine über­deut­li­che Abfuhr erteilt. Wer sich ein­bil­det, das Bischofs­kol­le­gi­um lie­ße sich von einem Men­schen wie Kas­per (oder sonst­wie) eine häre­ti­sche Sakra­men­ten­leh­re unter­ju­beln, muß wohl ähn­lich naiv sein wie Kas­per selbst.

    • Der Arti­kel von Herrn Nar­di ist objek­tiv, aus­ge­wo­gen und aus­ge­spro­chen vor­sich­tig in Aus­drucks­wei­se und Beur­tei­lung.
      Was in Rom abläuft, unter der Ägi­de des „Pap­stes“, ist so abscheu­lich, dass man ganz ande­re Wor­te dafür fin­den könn­te.
      Vor unse­ren Augen voll­zie­hen sich die End­zeit­ge­heim­nis­se der Bos­heit, die von der Mut­ter­got­tes in La Salet­te, Fati­ma und ande­ren Orten pro­phe­zeit wur­den und die von der Spit­ze der Kir­che selbst aus­ge­hen.
      Ich fürch­te, naiv sind jene, die nicht ver­ste­hen kön­nen oder wol­len, dass, wenn es mög­lich war, einen sol­chen Papst auf den Stuhl Petri zu erhe­ben, es auch mög­lich sein wird, das Pro­gramm, um des­sent­wil­len er ein­ge­setzt wur­de, der Kir­che auf­zu­er­le­gen — teils durch Täu­schung teils mit Zwang.
      War­um sol­les das nicht mög­lich sein? Gibt es denn nicht genü­gend Gleich­gül­ti­ge und Abstän­di­ge unter dem katho­li­schen Kir­chen­volk? Fehlt es unter den kirch­lich akti­ven Katho­li­ken etwa an Bejub­lern der Unwahr­heit, Ver­ste­hern des Übels, Recht­fer­ti­gern des Unrechts, Beschö­ni­gern des Häss­li­chen, Feig­lin­gen mit krie­che­ri­scher Gesin­nung, wet­ter­wen­di­schen Heuch­lern, Ger­hor­sa­men im Bösen, die näm­lich den Men­schen mehr gehor­chen als Gott?
      Der­zeit sind noch vie­le theo­lo­gi­sche Fein­hei­ten abzu­wä­gen, um zu einem begrün­de­ten Urteil zu kom­men, die nur Fach­leu­te der Dog­ma­tik, der Moral­theo­lo­gie, des Kir­chen­rechts und der Kir­chen­ge­schich­te ken­nen. Viel­leicht ist aber die Zeit nicht fern, wo für jeden die Alter­na­ti­ve deut­lich sein wird. Jeder wird sich dann klar bewusst für Gut oder Bös, für Gott oder Satan ent­schei­den müs­sen.

      • Wer

        a) nicht getauft ist
        b) nicht die gesam­te Glau­bens­leh­re der Kir­che annimmt
        c) sich nicht der kirch­li­chen Hier­ar­chie unter­stellt

        ist kein Katho­lik. Alle drei Punk­te sind kon­sti­tu­tiv für den Katho­li­ken; trifft einer nicht zu, dann ist eine Per­son nicht katho­lisch.

        Daher darf man davon über­zeugt sein, daß die mei­sten Kir­chen­steu­er­zah­ler in Wirk­lich­keit gar kei­ne Katho­li­ken, son­dern Häre­ti­ker oder Schis­ma­ti­ker sind. Die weni­gen, die noch katho­lisch sind, sind in der Regel kei­ne Abstän­di­gen oder Feig­lin­ge mit krie­che­ri­scher Gesin­nung usw. Und wer es wagt, den Hl. Stuhl auf eige­ne Faust für vakant zu erklä­ren ( sie­he oben: „… unter der Ägi­des des ‚Pap­stes‘ …“) tut damit eine objek­tiv schis­ma­ti­sche Gesin­nung kund und befin­det sich inso­fern in der Gesell­schaft der eben erwähn­ten Kir­chen­steu­er­zah­ler.

        So man­cher, der sich ‑im Gei­ste der „War­nung“ und ähn­li­chen Unfugs- dem­nächst eine Situa­ti­on erhofft, in der „die Alter­na­ti­ve Gut und Böse für jeden deut­lich sein wird“, täte bes­ser dar­an, zu beden­ken, daß man hier und jetzt dem Teu­fel unter dem Schein des Guten auf den Leim gehen kann, z.B. indem man „aus Glau­bens­treue“ den Glau­ben und/oder die Gemein­schaft mit der kirch­li­chen Hier­ar­chie auf­gibt.

        „Den Teu­fel merkt das Völk­chen nie, und wenn er es beim Kra­gen hät­te…“

    • Sehen Sie nicht, was sich in der Kir­che seit 50 Jah­ren abspielt? Sie reden vom Pfer­de-scheu-machen? Sie bezwei­feln, dass Kas­pers The­sen Chan­cen haben — und das obwohl F. ihn seit einem Jahr stän­dig beson­ders her­aus­hebt, lobt und bevor­zugt? Sie sehen nicht, dass im Erz­bis­tum Frei­burg z.B. längst schon per bischöf­li­cher Hand­rei­chung eine Art klei­ne Wie­der­ver­hei­ra­tungs­ri­tus ein­ge­führt wur­de — ohne dass Rom das strikt ver­bot?
      Ich kann zu Ihrem Bei­trag nur sagen: Auf Wie­der­se­hen in der Rea­li­tät!
      Es wäre schön, wenn Sie recht hät­ten. Aber jeder, der die Kir­che liebt und sie zu sei­nem Lebens­mit­tel­punkt erko­ren hat, weiß, dass es so ist wie es der Arti­kel beschreibt.

      • Es ist bedau­er­lich, daß man­che anschei­nend kaum in der Lage sind, die Aus­sa­gen ande­rer über­haupt zu begrei­fen. Noch bedau­er­li­cher ist es, wenn dann die­se Aus­sa­gen auch noch der Kri­tik unter­zo­gen wer­den.

        Man lese ein­mal nach, in wel­chem prä­zi­sen Sin­ne die The­sen Kas­pers im kri­ti­sier­ten Bei­trag als chan­cen­los bezeich­net wer­den.

        „Wer die Kir­che liebt und sie zu sei­nem Lebens­mit­tel­punkt erko­ren hat“ dürf­te dar­über­hin­aus auch ein­mal die Glau­bens­leh­re der Kir­che in bezug auf ihre Unfehl­bar­keit und Inde­fek­ti­bi­li­ät zur Kennt­nis neh­men und wen­de die­se Leh­re, sofern er dazu in der Lage ist, auf die jet­zi­ge Situa­ti­on an. Wer meint, man kön­ne zwar die Kir­che lie­ben, aber ihre Leh­re igno­rie­ren oder die Kir­che betref­fen­de Sach­ver­hal­te unab­hän­gig von die­ser Leh­re beur­tei­len, tut damit kei­nen (Glau­bens-) Rea­lis­mus kund. Abge­se­hen noch von dem Fak­tum, was sich ‑erwar­tungs­ge­mäß- auf dem Kon­si­sto­ri­um zuge­tra­gen hat.

        Wer sprach übri­gens zu wem in wel­cher Situa­ti­on die Wor­te: „Klein­gläu­bi­ger, war­um hast du gezwei­felt?“

        • Schön, dass Sie sich auf die Unfehl­bar­keit der Kir­che bezie­hen. Dann dürf­te Ihnen sicher auch bekannt sein, was im KKK 675 ff. über die letz­te Prü­fung der Kir­che und den reli­giö­sen Lügen­wahn um den Preis des Abfalls von der Wahr­heit als Schein­lö­sung ihrer Pro­ble­me steht. Der Anfang vom Ende hat bereits begon­nen.

          Hat nicht Pater Franz Schmid­ber­ger gera­de erst ein­drucks­voll auf­ge­zeigt, wel­ches gefähr­li­che und got­tes­lä­ster­li­che Gedan­ken­gut Kar­di­nal Kas­par in sich trägt? Kein Wun­der, als Schü­ler von Hans Küng, oder?

          • „Der Anfang vom Ende hat bereits begon­nen“, so „wuß­ten“ es die ver­schie­den­sten Apo­ka­lyp­ti­ker aller Jahr­hun­der­te immer wie­der, und doch blieb das Welt­ende aus. Aber dar­auf ist hier nicht näher ein­zu­ge­hen.

            Jeden­falls wird auch dann, wenn das Welt­ende kommt, die Kir­che gemäß der Ver­hei­ßung des Herrn nicht unter­ge­hen. Das aber bedeu­tet, daß es immer Trä­ger des Lehr­am­tes geben wird, denn ohne Trä­ger des Lehr­am­tes gibt es kei­ne Kir­che. Da Häre­ti­ker nicht Trä­ger des Lehr­am­tes sein kön­nen, ist der völ­li­ge Abfall des gesam­ten Welt­epi­sko­pa­tes ‑sei es zu wel­chem Zeit­punkt auch immer, also auch gegen das Welt­ende hin- aus­ge­schlos­sen. Und somit ist auch aus­ge­schlos­sen, daß die The­se Kas­pers jemals Leh­re des Gesam­t­e­pi­sko­pa­tes wer­den wird.

            Es geht selbtsver­ständ­lich nicht dar­um, die The­sen Kas­pers (Kas­per heißt der Mann, nicht Kas­par) oder den Ernst der Lage zu ver­harm­lo­sen, son­dern dar­um, eben die­se Lage im Lich­te der unver­än­der­li­chen katho­li­schen Glau­bens­leh­re zu beur­tei­len. Und wer dies tut, der weiß, daß man sich, wenn man der Her­de des Herrn, sei­ner ein­zig wah­ren römisch-katho­li­schen Kir­che, ange­hört, nach den Wor­ten des Herrn nie­mals zu fürch­ten braucht, mag die Lage noch so bedroh­lich sein oder schei­nen.

            Wer „aus Glau­bens­treue“ Panik ver­brei­tet, wider­spricht damit min­de­stens ein­schluß­wei­se den Wor­ten Chri­sti, zer­stört den Glau­bens­geist und tut das Werk des Teu­fels — und zwar beson­ders effi­zi­ent, da unter dem Schein des Guten.

            Was hat man z.B. in den letz­ten Jahr­zehn­ten nicht alles an hirn­ris­si­gen soge­nann­ten Pri­va­tof­fen­ba­run­gen gehört, in denen die Leu­te gera­de­zu in die Hyste­rie getrie­ben wur­den. Die Zeit, die die Leu­te inve­stiert haben, um das Geschwätz der soge­nann­ten Seher zur Kennt­nis zu neh­men, hät­ten sie bes­ser ver­wandt, indem sie einen unse­rer alt­be­währ­ten Kate­chis­men gele­sen hät­ten, Exer­zi­ti­en gemacht hät­ten usw.

  5. Was ist, wenn jemand in einem Dau­er­zu­stand einer nicht-öffent­li­chen Sün­de lebt?

    Wenn also nur er und even­tu­ell der Beicht­va­ter davon wis­sen?

    Hät­te er nicht eben­so das Recht, zur Hl. Kom­mu­ni­on zu gehen?

    Wie kann er durch den Kom­mu­nion­emp­fang sün­di­gen, die wie­der­ver­hei­ra­te­ten Geschie­de­nen aber nicht?

    • @ Frank Bell:

      Wer im Zustand der Tod­sün­de ist, hat, wie Sie sicher wis­sen, nie­mals ein Recht, zu kom­mu­ni­zie­ren; ein sol­cher Kom­mu­nion­emp­fang stellt eine neu­er­li­che Tod­sün­de dar.

      Wenn man als Prie­ster nur aus der Beich­te weiß, daß jemand, der an der Kom­mu­ni­on­bank erscheint, nicht im Gna­den­stand ist ( dies kann z.B. der Fall sein, wenn man der betref­fen­den Per­son kurz vor­her Abso­lu­ti­on die ver­wei­gern muß­te, weil sie eine schwe­re Sün­de nicht oder nicht hin­rei­chend bereut hat) muß man-wegen des abso­lut unver­letz­li­chen Beicht­ge­heim­nis­ses- die hl. Kom­mu­ni­on spen­den. Der Kom­mu­ni­kant selbst wür­de, wie gesagt, schwer sün­di­gen. Han­delt es sich um „wie­der­verei­ra­te­te Geschie­de­ne“ , deren Lebens­um­stän­de am betref­fen­den Ort bekannt sind, muß der Prie­ster die Kom­mu­ni­ons­pen­dung ver­wei­gern. Tut er es nicht, wirkt er mit an der Sün­de des Ärger­nis­ses (scan­dalum). Über die Trag­wei­te die­ser Sün­de hat sich der Herr ein­deu­tig geäu­ßert („Wehe dem Men­schen, durch den Ärger­nis kommt…“).

      Uner­träg­lich ist das Geschwätz derer, die zur Recht­fer­ti­gung der­ar­ti­gen Ver­hal­tens „pasto­ra­le Grün­de“ anfüh­ren. Was man so alles „Pasto­ral“ nennt… Nie­mand kann natür­lich die eigent­li­che Moti­va­ti­on sol­cher Geist­li­cher ken­nen. Trotz­dem wird man es nicht ver­übeln kön­nen, wenn der Gedan­ke an ein Wort des hl. Pau­lus auf­kommt: „Wenn ich noch Men­schen gefal­len will, dann bin ich kein Die­ner Chri­sti.“

    • Wer in schwe­rer Sün­de lebt, darf ohne Umkehr nicht kom­mu­ni­zie­ren. Ist doch egal, ob das wer weiß oder nicht. Gott jeden­falls und die Engel und Hei­li­gen sehen es. Und unse­re lie­be Got­tes­mut­ter. Will man da dann klamm­heim­lich „mogeln“?

  6. Papst Fran­zis­kus sen­det unter­schied­li­che Signa­le. Vie­les von dem, was er sagt ist rich­tig und auf­rüt­telnd. Unser Herr und Erlö­ser ist packend, leben­dig und will kei­ne Lau­en. Papst Fran­zis­kus spricht oft­mals so, als hät­te er die Auf­zeich­nun­gen etwa von Maria Val­tor­ta gele­sen.
    Auf der ande­ren Sei­te scheint er offen­kun­dig Pro­ble­me mit Leh­ren und Dog­men zu haben.
    Mög­li­cher­wei­se ist er der Logen­papst, von dem Hans Baum in: „Die Apo­ka­lyp­ti­sche Frau aller Völ­ker“ spricht.
    Viel­leicht haben es die Frei­mau­rer tat­säch­lich geschafft, einen Kar­di­nal an die Spit­ze der Kir­che zu hie­ven.

  7. Schon die Metho­de einer Syn­ode kann zu nichts Gutem füh­ren. Und so ist sie auch nur Instru­ment eines schon jetzt ange­streb­tem Ergeb­nis­ses.

    • Das sehe ich auch so! Denn genau­ge­nom­men gibt es hier nichts zu berat­schla­gen. Die Leh­re der RKK war immer klar.
      Alles ande­re ist eine Sache der Kate­che­se und genau das kann auch nicht durch eine Syn­ode mal schnell wie­der auf die Füße gesetzt wer­den.

  8. Ja, es war Kar­di­nal Ratz­in­ger, der als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on Dr. Krenn als Erz­bi­schof von Wien ver­hin­der­te, und der gegen Kar­di­nal Kas­par kei­nen Ein­wand hat­te, Ratz­in­ger­fans fahrt alle zur Hei­lig­spre­chung von Johan­nes XXIII. und Johan­nes Paul II. nach Rom und wer­det selig dabei. Mich wun­dert, dass man bei die­ser Gele­gen­heit nicht auch noch Dr. Ratz­in­ger gleich mit hei­lig spricht. Das wäre doch wirk­lich ein ech­ter Reform­schritt: eine Hei­lig­spre­chung zu Leb­zei­ten.

    • Wie wir alle doch ganz genau wis­sen, wur­de Papst Bene­dikt XVI. schon immer auf Schärf­ste ange­grif­fen und bekämpft. Vor allem mit unlau­te­ren Mit­teln, Intri­gen und Lügen — ganz beson­ders aus den kirch­li­chen Krei­sen her­aus — und nicht erst, als er Papst wur­de. Es wäre also sicher ange­bracht, ein­mal bei Kar­di­nal Schön­born nach­zu­fra­gen, wie er das geschafft hat, bzw. wel­che Lügen­ge­schich­ten er wem hier­zu auf­ge­tischt hat. Wenn ich mich nicht irre, hat der hoch­ver­ehr­te Herr Schrems das ohne­hin hier schon mal geschrie­ben, bei dem Nach­ruf auf Hoch­wür­den Krenn.

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