Zum „Rücktritt“ von Erzbischof Aguer

Hector Ruben Aguer
Erzbischof Aguer „vollendet erst am 24. Mai sein 75. Lebensjahr“. Signale im innerkirchlichen Richtungsstreit in Argentinien.

(Bue­nos Aires) Mit einer Stel­lung­nah­me reagier­te das Erz­bis­tum La Pla­ta auf jüng­ste Medi­en­be­rich­te, Erz­bi­schof Hec­tor Ruben Aguer, der argen­ti­ni­sche Gegen­part des Pap­stes, habe Fran­zis­kus bereits sein Rück­tritts­ge­such zum 75. Geburts­tag vor­ge­legt.

Laut dem Bericht der Tages­zei­tung El Día vom 9. Mai sei alles bereits ent­schie­den. Erz­bi­schof Aguer habe sei­nen Rück­tritt ange­bo­ten und als Nach­fol­ger ste­he Titu­lar­erz­bi­schof Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez bereit.

Das Pres­se­amt des Erz­bis­tums erklär­te am sel­ben Tag, daß Canon 401 des Codex des Kir­chen­rech­tes Bischö­fen vor­schreibt, mit Voll­endung des 75. Lebens­jah­res dem Papst ihren Rück­tritt anzu­bie­ten. Es ste­he allein dem Papst zu, dar­über zu ent­schei­den, ob und wann er die­sen Rück­tritt annimmt.

„Inzwi­schen setzt Mgsr. Aguer sei­ne gewohn­te Arbeit ohne Ände­rung der von ihm fest­ge­leg­ten Agen­da fort.“

Die Erklä­rung scheint die Medi­en­be­rich­te auf den ersten Blick nicht zu demen­tie­ren und stellt den­noch eine Prä­zi­sie­rung dar. Sie stellt fest, daß Erz­bi­schof Aguer erst am kom­men­den 24. Mai 75 wird. Mit ande­ren Wor­ten: Das behaup­te­te Rück­tritts­ge­such gibt es noch nicht. Erst mit Voll­endung des 75. Lebens­jah­res wird Msgr. Aguer, „wie es in der genann­ten kano­ni­schen Bestim­mung“ vor­ge­ge­ben ist, dem Papst sein Rück­tritts­ge­such vor­le­gen.

Jorge Mario Bergoglio mit Victor Manuel Fernandez
Jor­ge Mario Ber­go­glio mit Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez

Bereits Ende April waren Medi­en­be­rich­te auf­ge­taucht, laut denen einer der eng­sten Mit­ar­bei­ter von Papst Fran­zis­kus, sein Ghost­wri­ter Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, vom Amt des Rek­tors der Päpst­li­chen Katho­li­schen Uni­ver­si­tät von Argen­ti­ni­en zurück­ge­tre­ten sei, um neu­er Erz­bi­schof von La Pla­ta zu wer­den.

Erz­bi­schof Hec­tor Ruben Aguer gilt als der bedeu­tend­ste, inner­kirch­li­che Gegen­spie­ler von Papst Fran­zis­kus in sei­ner Hei­mat Argen­ti­ni­en (sie­he Ber­go­gli­os ein­sa­mer Gegen­spie­ler – Wo am 13. März 2013 kei­ne Glocken läu­te­ten).

Erz­bi­schof Aguer war zur sel­ben Zeit wie Jor­ge Mario Ber­go­glio Weih­bi­schof von Bue­nos Aires. Der dama­li­ge Erz­bi­schof der argen­ti­ni­schen Haupt­stadt, Kar­di­nal Anto­nio Quar­ran­ci­no, begün­stig­te an sei­nem Lebens­en­de Ber­go­glio und nicht Aguer für sei­ne Nach­fol­ge. Die bei­den Weih­bi­schö­fe ver­tra­ten unter­schied­li­che Posi­tio­nen, wobei jene Ber­go­gli­os Kar­di­nal Quar­ran­ci­no letzt­lich näher war. Wäh­rend Ber­go­glio Erz­bi­schof von Bue­nos Aires und damit Kar­di­nal wur­de, wur­de Aguer zum Erz­bi­schof von La Pla­ta und kon­ser­va­ti­ver Gegen­spie­ler Ber­go­gli­os in der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, wo sie unter­schied­li­che Grup­pie­run­gen anführ­ten.

Nach sei­ner Wahl zum Papst demon­tier­te Fran­zis­kus die Aguer-Grup­pe unter den argen­ti­ni­schen Bischö­fen, beließ Aguer selbst aber im Amt. Schon län­ger wird in Argen­ti­ni­en dar­über spe­ku­liert, daß Fran­zis­kus ledig­lich den 75. Geburts­tag sei­nes Gegen­spie­lers abwar­te, um ihn zu eme­ri­tie­ren. Papst Bene­dikt XVI. ver­län­ger­te Erz­bi­schö­fe in der Regel um min­de­stens zwei Jah­re im Amt. Die Ernen­nung von Titu­lar­erz­bi­schof Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez zum Nach­fol­ger wäre eine noch weit grö­ße­re Demü­ti­gung für Aguer.

Fran­zis­kus ist bekannt dafür, Geg­ner sei­ner Amts­füh­rung in der Regel schnell zu eme­ri­tie­ren, Par­tei­gän­ger hin­ge­gen groß­zü­gig im Amt zu belas­sen.

Durch die Pres­se­er­klä­rung des Erz­bis­tums La Pla­ta wur­de Rom signa­li­siert, daß Msgr. Aguer genau den Bestim­mun­gen des Kir­chen­rechts fol­gen wer­de, aber nicht aus frei­en Stücken das Feld räumt.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: La Tercera/MiL (Screen­shots)

1 Kommentar

  1. Erfreu­li­cher­wei­se hat der Papst gestern den Kar­di­nal von Prag, S.E. Kard. Domi­nik Duka don­ec ali­ter pro­vi­deatur wei­ter im Amt trotz des Errei­chens der Alters­gren­ze belas­sen.
    Das ist ange­sichts mas­si­ver Intri­gen links­li­be­ra­ler Zir­kel extre­mer Tei­le der tschech. Kir­che und der Pro­po­nen­ten des Libe­ra­lis­mus, die selbst in Rom Lob­by­is­mus gegen den guten Kard. Duka betrei­ben, eine sehr gute Sache. Kard. Duka ist einer der weni­gen ganz authen­tisch kon­ser­va­ti­ven Ver­te­ter im euro­päi­schen Kar­di­na­lat.

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