Reuters: „Vatikan schlägt verheiratete Priester vor“

Amazonassynode
Amazonassynode: Erneut trat die „Zauberformel der Kommunikation“ in Erscheinung. Mit päpstlicher Zustimmung braut sich unter der Chifre Amazonas ein Sturm gegen das Weihesakrament zusammen.

(Rom) Fähr­ten­le­sen im Ama­zo­nas-Regen­wald.

Ama­zo­nas II

Tren­nung von Zöli­bat und Prie­ster­tum sowie „offi­zi­el­les Amt“ für Frau­en: Die Ama­zo­nas­syn­ode wirft immer deut­li­cher ihren Schat­ten vor­aus. Seit Papst Fran­zis­kus am 15. Okto­ber 2017 die Ein­be­ru­fung einer Ama­zo­nas­syn­ode bekannt­gab, bewahr­hei­tet sich dazu ein bemer­kens­wer­tes Phä­no­men: Ohne daß der Papst oder sei­ne Ver­tre­ter etwas sagen, ver­ste­hen den­noch alle. Katholisches.info faß­te damals die Reak­tio­nen der Medi­en auf die päpst­li­che Ankün­di­gung weni­ge Tage spä­ter, am 19. Okto­ber zusam­men: „Zau­ber­for­mel der Kom­mu­ni­ka­ti­on“: Was der Papst nicht sagt, aber alle ver­ste­hen. Glei­ches wie­der­hol­te sich nun nach der Pres­se­kon­fe­renz zur Vor­stel­lung des Vor­be­rei­tungs­do­ku­men­tes der Ama­zo­nas­syn­ode.

Trennung von Zölibat und Priestertum sowie „offizielles Amt“ für Frauen. Die Amazonassynode wirft immer deutlicher ihren Schatten voraus.
Tren­nung von Zöli­bat und Prie­ster­tum sowie „offi­zi­el­les Amt“ für Frau­en. Die Ama­zo­nas­syn­ode wirft immer deut­li­cher ihren Schat­ten vor­aus.

Obwohl Fran­zis­kus im ver­gan­ge­nen Okto­ber mit kei­nem Wort die Abschaf­fung des Zöli­bats und die Zulas­sung von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern erwähn­te, berich­te­ten füh­ren­de Medi­en von Le Figa­ro bis zur New York Times wohl­wol­lend, daß die Ama­zo­nas­syn­ode genau das zum Ziel habe. Unter den Wort­füh­rern die­ser mira­ku­lö­sen Aus­le­gung befan­den sich vor allem Jour­na­li­sten mit gutem Draht zu Papst Fran­zis­kus selbst oder sei­nem enge­ren Umfeld.

Was am 8. Juni geschah, war kein Déjà-vu. Nach der Pres­se­kon­fe­renz vom ver­gan­ge­nen Frei­tag wie­der­hol­te sich zum sel­ben The­ma das­sel­be Phä­no­men. Das Stän­di­ge Sekre­ta­ri­at der Bischofs­syn­ode unter Kar­di­nal Loren­zo Bal­dis­se­ri stell­te das Vor­be­rei­tungs­do­ku­ment für die Ama­zo­nas­syn­ode vor (sie­he dazu Ama­zo­nas I: „Wel­che Kir­che träu­men wir für Ama­zo­ni­en?“).

Im 17 Sei­ten lan­gen Doku­ment ist mit kei­nem Wort von ver­hei­ra­te­ten Prie­stern, Frau­en­prie­ster­tum oder Zöli­bat die Rede. Zumin­dest nicht direkt. Die­se und ähn­li­che Begrif­fe wird man in dem Text, der vom Vati­kan in ver­schie­de­nen Spra­chen ver­öf­fent­licht wur­de, aller­dings nicht in deut­scher, ver­geb­lich suchen. Die Anspie­lun­gen sind erwar­tungs­ge­mäß sub­ti­ler.

Reuters: Papst will „kühne Vorschläge“

Kei­nes­wegs sub­til ist hin­ge­gen die Bericht­erstat­tung etli­cher Medi­en, nicht irgend­wel­cher Medi­en, son­dern glo­ba­ler Mei­nungs­ma­cher. Dazu gehört an erster Stel­le die inter­na­tio­na­le Pres­se­agen­tur Reu­ters. Ihr Vati­kan-Kor­re­spon­dent Phil­ip Pul­lel­la, ein über­zeug­ter Ber­go­glia­ner. sand­te noch am 8. Juni mit Reu­ters fol­gen­de Mel­dung rund um den Erd­ball:

„Vati­can docu­ment sug­gests role for mar­ried priests, women in the Ama­zon”.

„Vati­kan-Doku­ment schlägt Rol­le für ver­hei­ra­te­te Prie­ster und Frau­en im Ama­zo­nas vor.”

Pul­lel­la infor­mier­te die Medi­en auf allen Kon­ti­nen­ten wie folgt:

„Ein Doku­ment für ein Tref­fen katho­li­scher Bischö­fe des Ama­zo­nas, von dem erwar­tet wird, daß es für die aus­ge­dehn­te Regi­on die Wei­he älte­rer, ver­hei­ra­te­ter Män­ner zu Prie­stern prüft, sagt, daß die Kir­che ‚küh­ne Vor­schlä­ge‘ machen soll“.

Reu­ters ver­öf­fent­lich­te auch eine por­tu­gie­si­sche Fas­sung der Mel­dung, was für Bra­si­li­en von Bedeu­tung ist, zu dem ein Groß­teil des Ama­zo­nas gehört. Die por­tu­gie­si­sche Mel­dung ist noch deut­li­cher:

„Vati­kan-Doku­ment schlägt die Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zu Prie­stern im Ama­zo­nas vor“.

CNN: Ein „offizielles Amt“ für Frauen

Ähn­lich berich­te­te CNN, einer der welt­weit füh­ren­den TV- und Inter­net-Nach­rich­ten­sen­der, am 8. Juni:

“Vati­can open to offi­ci­al role for women and mar­ried men in Ama­zon”.

“Vati­kan offen für offi­zi­el­le Rol­le für Frau­en und ver­hei­ra­te­te Män­ner im Ama­zo­nas.“

Und wei­ter:

„Der Vati­kan sagt, er ist offen für die Dis­kus­si­on über die Wei­he von ver­hei­ra­te­ten Män­nern zu Prie­stern und eine offi­zi­el­le Rol­le für Frau­en, um den Prie­ster­man­gel in der Ama­zo­nas-Regi­on zu behe­ben“.

Der Bericht stammt von Delia Gal­lag­her der Rom-Kor­re­spon­den­tin von CNN.

In der spa­ni­schen Aus­ga­be von CNN, die vor allem Latein­ame­ri­ka belie­fert, lau­te­te die Mel­dung:

„Vati­kan schlägt vor, ver­hei­ra­te­te Män­ner und Frau­en in prie­ster­li­che Rol­le ein­zu­be­zie­hen“.

Und wei­ter:

„Es wird erwar­tet, daß bei einem Son­der­tref­fen des Vati­kans im Okto­ber 2019 ein Vor­schlag zur Auf­nah­me von ver­hei­ra­te­ten Män­nern und Frau­en in prie­ster­li­che Funk­tio­nen vor­ge­legt wird.“

AP: Vatikan sucht „mutige Ideen“ gegen den Priestermangel

Nicht nur Reu­ters, son­dern noch eine wei­te­re Pres­se­agen­tur unter den glo­ba­len Big Three, Asso­cia­ted Press (AP), wuß­te das­sel­be zu berich­ten.

Für die AP-Mel­dung zeich­ne­te Nico­le Win­field ver­ant­wort­lich:

„Vati­can seeks ‘cou­ra­ge­ous’ ide­as to com­bat priest shor­ta­ge“.

„Vati­kan sucht ‚muti­ge‘ Ide­en, um Prie­ster­man­gel zu bekämp­fen.“

Und wei­ter:

„Der Vati­kan for­der­te muti­ge Vor­schlä­ge, um mit dem Prie­ster­man­gel im Ama­zo­nas­ge­biet fer­tig zu wer­den, und sag­te, er wer­de die Debat­te dar­über nicht aus­schlie­ßen, ob ver­hei­ra­te­te Män­ner die Lücke der ‚pre­kä­ren Prä­senz‘ der katho­li­schen Kir­che in der rie­si­gen Regi­on fül­len könn­ten.“

In der spa­ni­schen Ver­si­on der AP-Mel­dung heißt es noch etwas aus­führ­li­cher:

„Der Vati­kan for­der­te am Frei­tag muti­ge Vor­schlä­ge, um dem Prie­ster­man­gel im Ama­zo­nas zu begeg­nen, und sag­te, daß die katho­li­sche Hier­ar­chie neue ‚offi­zi­el­le Ämter‘ für die Frau­en der Regi­on aus­fin­dig machen muß, und daß er eine Dis­kus­si­on dar­über nicht aus­schlie­ßen wür­de, ob ver­hei­ra­te­te Män­ner die ‚pre­kä­re Prä­senz‘ der katho­li­schen Kir­che in der enor­men Regi­on kom­pen­sie­ren könn­ten.“

Alle verstehen, ohne daß der Vatikan etwas sagt

Die spa­ni­sche Pres­se­agen­tur Euro­pa Press mel­de­te:

„Der Vati­kan bestä­tigt, daß ‚es drin­gend not­wen­dig ist, Ämter zu prü­fen und zu über­den­ken‘, die für Frau­en im Ama­zo­nas­ge­biet bestimmt sind“.

Washing­ton Post und New York Times über­nah­men bei­de die AP-Mel­dung Win­fields wört­lich:

„Vati­kan sucht ‚muti­ge‘ Ide­en, um den Prie­ster­man­gel zu bekämp­fen“.

Die Liste füh­ren­der Medi­en, die alle ver­stan­den haben, was gar nicht gesagt wur­de, lie­ße sich lan­ge fort­set­zen. Es wird Zeit, daß auch jene „ver­ste­hen“, die bis­her die Augen vor den hin­ter den Kulis­sen statt­fin­den­den Vor­be­rei­tun­gen für einen Angriff auf das Wei­he­sa­kra­ment und die Tren­nung von Zöli­bat und Prie­ster­tum ver­schlie­ßen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Reuters/NYT (Screen­shots)




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1 Kommentar

  1. Vor­aus­ei­len­der Gehor­sam — merk­wür­dig nur, dass, wo auch immer er auf­tritt, es meist ein Gehor­sam dem Fal­schen gegen­über ist.

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