500 Jahre Christianisierung Amerikas ist keine Papst-Reise wert?

Mexikos Bischöfe bei Papst Franziskus

Die Evangelisierung des amerikanischen Festlandes begann 1521 mit der Weihe der ersten Kirche. Ausgeführt wurde sie vor allem durch Dominikaner (Bild) und Franziskaner.
Die Evangelisierung des amerikanischen Festlandes begann 1521 mit der Weihe der ersten Kirche. Ausgeführt wurde sie zunächst vor allem durch Dominikaner (Bild) und Franziskaner.

(Mexi­ko-Stadt) Papst Fran­zis­kus emp­fing den Stän­di­gen Rat der Mexi­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz (CEM) in Audi­enz. Das Ereig­nis fand bereits am ver­gan­ge­nen 1. März statt. Inhal­te der Begeg­nung wur­den aber erst jetzt mit einer Pres­se­er­klä­rung der Bischofs­kon­fe­renz bekannt­ge­macht.

Die Audi­enz erfolg­te am sel­ben Tag, an dem Fran­zis­kus auch die Bischö­fe Kasach­stans emp­fing, die sich zum Ad-limi­na-Besuch in Rom auf­hiel­ten. Bei die­ser Gele­gen­heit leg­te Bischof Atha­na­si­us Schnei­der dem Papst die Fra­ge vor, wie die umstrit­te­nen Inhal­te der Erklä­rung für eine mensch­li­che Brü­der­lich­keit von Abu Dha­bi zu ver­ste­hen sind (sie­he dazu Rober­to de Mattei und Hubert Hecker) ohne eine zufrie­den­stel­len­de Ant­wort zu erhal­ten.

Politik und Soziales

Bei der Begeg­nung mit den mexi­ka­ni­schen Bischö­fen ging es inhalt­lich nicht so hoch her. Die Zusam­men­fas­sung, die von der Bischofs­kon­fe­renz ver­öf­fent­licht wur­de, ist so „prak­tisch“, daß ein Man­gel an geist­li­cher Dimen­si­on auf­fällt. Die poli­ti­sche und sozia­le Dimen­si­on haben dage­gen ein­deu­ti­gen Vor­rang. Die­ser Aspekt lohnt einen Blick auf die Erklä­rung zu wer­fen.

Papst Franziskus mit der Spitze der Mexikanischen Bischofskonferenz. 500-Jahrfeiern der Evangelisierung des amerikanischen Festlandes.
Papst Fran­zis­kus mit der Spit­ze der Mexi­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz. 500-Jahr­fei­ern der Evan­ge­li­sie­rung des ame­ri­ka­ni­schen Fest­lan­des.

2017 ersetz­te Papst Fran­zis­kus den Pri­mas von Mexi­ko, den Erz­bi­schof von Mexi­ko-Stadt, Nor­ber­to Kar­di­nal Rive­ra Car­re­ra, durch einen ihm nahe­ste­hen­den Kir­chen­mann. Bereits 2016 hat­te er sei­nen Ver­trau­ens­mann durch die Ver­lei­hung der Kar­di­nal­s­wür­de als Gegen­ge­wicht zu Kar­di­nal Rive­ra auf­ge­baut.

Der Papst habe „gro­ßes Inter­es­se und Sen­si­bi­li­tät für die Situa­ti­on im Land“ gezeigt, heißt es in der CEM-Erklä­rung. Er beton­te „die Wich­tig­keit, den Ein­satz und den Wil­len“ der Kir­che, „das Pro­blem des sexu­el­len Miß­brauchs mit größ­tem Ver­ant­wor­tungs­be­wußt­sein“ zu behan­deln.

Ein ande­res The­ma war die „Aus­bil­dung in den Semi­na­ren“. Es sei wich­tig, mit den Prie­stern aller Bereich „zu arbei­ten, von der Grund­aus­bil­dung bis zur stän­di­gen Wei­ter­bil­dung“.

„Für eine bessere Welt“

Bezüg­lich „der sozia­len Fra­ge“ war der Ein­satz der Kir­che zur „Men­schen­ka­ra­wa­ne zen­tral­ame­ri­ka­ni­scher Migran­ten“ ein zen­tra­les The­ma und „zum The­ma Men­schen­han­del“. In den ver­gan­ge­nen Mona­ten waren zwei Migran­ten-Kara­wa­nen von Zen­tral­ame­ri­ka nach Nor­den auf­ge­bro­chen und von den Medi­en als phy­si­sche Her­aus­for­de­rung gegen US-Prä­si­dent Donald Trump welt­weit ins Bild gesetzt wor­den, letzt­lich aber an den geschütz­ten Gren­zen der USA geschei­tert.

Eben­so ging es in der Audi­enz um die „Arbeit der Kir­che zum Auf­bau des Frie­dens und um die stän­di­ge Bereit­schaft, mit der neu­en Regie­rung und den ver­schie­de­nen Akteu­ren der Gesell­schaft am Befrie­dungs­pro­zeß mit­zu­wir­ken“. Die mexi­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts- und Par­la­ments­wah­len hat­te im Vor­jahr, ent­ge­gen dem all­ge­mei­nen Trend in Ame­ri­ka, eine Links­ko­ali­ti­on aus Sozia­li­sten und radi­ka­ler Lin­ken für sich ent­schei­den kön­nen.

Papst Fran­zis­kus for­der­te die Bischö­fe zudem auf, „die pasto­ra­le Arbeit mit der Jugend nicht zu ver­nach­läs­si­gen, und immer in Gemein­schaft mit ihr zu gehen, indem sie ihre Talen­te, ihre Spra­che, ihre Ener­gie und ihre Kraft nüt­zen für eine bes­se­re Welt“.

500-Jahrfeiern der Christianisierung Amerikas finden ohne Papst Franziskus statt

Eine Ein­la­dung der Bischö­fe, zu den 500-Jahr­fei­ern der Evan­ge­li­sie­rung Mexi­kos, die 2021 statt­fin­den, erneut das Land zu besu­chen, schlug das Kir­chen­ober­haupt aus: „Es gebe ande­re Län­der, die er noch nicht besucht habe.“

Die 500-Jahr­fei­ern bezie­hen sich auf das Jahr 1521, als in Tla­x­ca­la, der Haupt­stadt der Tla­x­cal­te­ken die erste katho­li­sche Kir­che auf dem ame­ri­ka­ni­schen Fest­land errich­tet und dem hei­li­gen Franz von Assi­si geweiht wur­de. Nur auf der Kari­bik­in­sel His­pa­nio­la hat­te die Chri­stia­ni­sie­rung bereits frü­her ein­ge­setzt.

Die Tla­x­cal­te­ken, die nie von den Azte­ken unter­wor­fen wer­den konn­ten, wur­den zu den treue­sten Ver­bün­de­ten der Spa­ni­er, mit denen sie sich durch Ehe­schlie­ßun­gen schnell ver­misch­ten. Gemein­sam besieg­te die spa­nisch-tla­x­cal­te­ki­sche Koali­ti­on das Azte­ken­reich und been­de­te des­sen grau­sa­men Kult der Men­schen­op­fer und des Kan­ni­ba­lis­mus.

Mexi­ko ist das zah­len­mä­ßig treue­ste Land der katho­li­schen Kir­che in Ame­ri­ka. den der gro­ßen zen­tral­ame­ri­ka­ni­schen Föde­ra­ti­on hält sich bis­her der Ero­si­ons­pro­zeß in Rich­tung evan­ge­li­ka­le Frei­kir­chen in Gren­zen. Hier erfolg­te 1521 die Grund­stein­le­gung für die Chri­stia­ni­sie­rung des ame­ri­ka­ni­schen Fest­lan­des. Für Papst Fran­zis­kus kein Grund, das Land zu besu­chen. Ob es mit dem in ame­ri­ka­ni­schen Links­krei­sen ver­brei­te­ten Ana­chro­nis­mus anti­eu­ro­päi­scher und anti-wei­ßer Res­sen­ti­ments zu tun hat, für die der Beginn aller „Übel“ die Ent­deckung Ame­ri­kas durch Chri­stoph Kolum­bus im Jahr 1492 war?

Einer der gei­sti­gen Lehr­mei­ster von Papst Fran­zis­kus, der deutsch­stäm­mi­ge, argen­ti­ni­sche Phi­lo­soph Gün­ther Rodol­fo Kusch, dach­te jeden­falls so. Sei­ne Theo­rie eines eigen­stän­di­gen, (latein-) ame­ri­ka­ni­schen Selbst­be­wußt­sein, um ein „alter­na­ti­ves zivi­li­sa­to­ri­sches Modell“ zu schaf­fen, hat­te in erster Linie eine Ent­wur­ze­lung des euro­päi­schen Den­kens zum Ziel – und des (euro­päi­schen) Chri­sten­tums.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: CEM (Screen­shot)