Die Lehrmeister von Papst Franziskus

Die "intellektuelle Biographie" über die Lehrmeister, die das Denken von Papst Franziskus geprägt haben. Ein Buch mit Stärken, Schwächen und einigen Lücken.
Die "intellektuelle Biographie" über die Lehrmeister, die das Denken von Papst Franziskus geprägt haben. Ein Buch mit Stärken, Schwächen und einigen Lücken.

Von San­dro Magi­ster*

Nach den vie­len nar­ra­ti­ven Bio­gra­phien über Papst Fran­zis­kus liegt nun die erste vor, die sich zurecht mit dem Titel einer „intel­lek­tu­el­len Bio­gra­phie“ schmückt. Ihr Autor, Mas­si­mo Borg­he­si, ist Pro­fes­sor der Moral­phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Perugia und steht Jor­ge Mario Ber­go­glio sehr nahe, und das schon lan­ge bevor er zum Papst gewählt wur­de. Dies gilt ins­ge­samt für den Freun­des­kreis des römi­schen Zwei­ges von Com­u­nio­ne e libe­ra­zio­ne (CL), des­sen bekann­te­ster Name der Vati­ka­nist Andrea Tor­ni­el­li ist. Kopf des Freun­des­krei­ses war der Prie­ster Gia­co­mo Tan­t­ar­di­ni.

Abge­se­hen von Borg­he­sis Feder ist das Buch auch ein Kind der Stim­me von Papst Fran­zis­kus selbst, der bei vier Gele­gen­hei­ten – die bei­den letz­ten am 13. März 2017, dem vier­ten Jah­res­tag sei­nes Pon­ti­fi­kats – dem Autor eben­so vie­le Audio­auf­zeich­nun­gen zur Ver­fü­gung stell­te, die mehr­fach im Text zitiert wer­den und alle auf die Quel­len sei­ner For­mung ver­wei­sen.

Gaston Fessard SJ
Gas­ton Fes­sard SJ

Es han­delt sich also um eine Bio­gra­phie, die zum Teil auch Auto­bio­gra­phie ist. Aus­gangs­punkt ist etwas, was hier erst­mals von Ber­go­glio per­sön­lich bekannt gemacht wird, näm­lich, daß der Ursprung sei­nes Den­kens auf den fran­zö­si­schen Jesui­ten­theo­lo­gen Gas­ton Fes­sard zurück­ge­he, eines genia­len Hegel-Exper­ten ohne selbst Hege­lia­ner zu sein, mit sei­nem 1956 erschie­ne­nen Buch über die „Dia­lek­tik“ der „Geist­li­chen Übun­gen“ des hei­li­gen Igna­ti­us.

Borg­he­si bestä­tigt und begrün­det, daß Ber­go­glio tat­säch­lich vor allem von Fes­sard sein akzen­tu­iert anti­no­mi­sches Den­ken habe, das die Wider­sprü­che liebt. Dann sei­en noch ande­re Autoren von hohem Niveau hin­zu­ge­kom­men, die die­ses Den­ken festig­ten: Erich Przy­wa­ra und Hen­ri de Lub­ac, bei­de eben­falls Jesui­ten, der uru­gu­ay­ische Phi­lo­soph Alber­to Methol Fer­ré und vor allem, aber ver­spä­tet, Roma­no Guar­di­ni mit sei­nem Jugend­werk von 1925 mit dem Titel „Der Gegen­satz“, über das Ber­go­glio in den weni­gen Mona­ten, die er 1986 zum Stu­di­um in Deutsch­land ver­brach­te, sei­ne Dok­tor­ar­beit schrei­ben woll­te, die aber schnell fal­len­ge­las­sen und nie geschrie­ben wur­de.

Borg­he­si skiz­ziert kom­pe­tent das Den­ken die­ser gro­ßen Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen. Ihnen fügt er unter den Ideen­ge­bern, von denen Ber­go­glio selbst sagt, ihnen zu Dank ver­pflich­tet zu sein, noch wei­te­re Ster­ne erster Grö­ße hin­zu wie Michel de Cer­teau und Hans Urs von Bal­tha­sar. Vor allem unter­nimmt er alles, um den Nach­weis zu erbrin­gen, daß in den Schrif­ten Ber­go­gli­os, ob zeit­lich nahe oder fern, sowohl vor als auch nach der Wahl zum Papst, die Genia­li­tät die­ser sei­ner Mei­ster auf­leuch­tet.

Aber gera­de bei die­sem Über­gang von den Mei­stern zu ihrem Schü­ler hat die Rekon­struk­ti­on von Borg­he­si ihre Schwä­chen.

Es fällt bei­spiels­wei­se wirk­lich schwer, in den vier „Postu­la­ten“ die rei­fe Frucht der „Dia­lek­tik“ Fes­sards oder die „pola­ren Gegen­sät­ze“ Guar­di­nis wie­der­zu­er­ken­nen, die Papst Fran­zis­kus in den Mit­tee­punkt des pro­gram­ma­ti­schen Tex­tes sei­nes Pon­ti­fi­kats, Evan­ge­lii gau­di­um, gestellt hat, und die er in sei­ner Enzy­kli­ka Lau­da­to si und am Beginn sei­nes ande­ren Schrei­bens, Amo­ris lae­ti­tia, wie­der­holt hat.

Es stimmt, daß Fran­zis­kus selbst vor drei Jah­ren den argen­ti­ni­schen Autoren einer ande­ren Bio­gra­phie über ihn offen­bart hat, daß das Kapi­tel von Evan­ge­lii gau­di­um mit den vier Postu­la­ten als gan­zer Abschnitt aus sei­ner nie voll­ende­ten Dok­tor­ar­beit über Guar­di­ni über­nom­men wor­den sei.

Sieht man aber, wie die­se Übung des Stu­den­ten – eine Übung, die nun zum päpst­li­chen Lehr­amt beför­dert wur­de – uner­bitt­lich ver­ris­sen wird, kaum daß sie einer ele­men­ta­ren Ana­ly­se unter­zo­gen wird, legt das nahe, daß der Abgrund zwi­schen Ber­go­glio und sei­nen berühm­ten Lehr­mei­stern wirk­lich sehr tief ist.

Das erste der vier Postu­la­te, laut dem „die Zeit Vor­rang vor dem Raum“ hat, bedeu­tet, bana­ler aus­ge­drückt, daß Papst Fran­zis­kus will, daß evo­lu­ti­ve „Pro­zes­se“, die ihm wich­tig sind, über die sta­ti­schen Macht­ap­pa­ra­te, kirch­li­che oder nicht kirch­li­che, obsie­gen.

Michel de Certeau SJ
Michel de Cer­teau SJ

Das drit­te Postu­lat, laut dem „die Wirk­lich­keit Vor­rang vor der Idee“ hat, ist nichts ande­res als eine Neu­auf­la­ge des pseu­do­kon­zi­lia­ren Schlag­wor­tes vom Pri­mat der Ortho­pra­xie vor der Ortho­do­xie, oder mit ande­ren Wor­ten gesagt, eines Vor­rangs der „Pasto­ral“ vor der Leh­re.

Was die Natur der Kir­che als com­ple­xio oppo­si­torum betrifft, also der Ein­heit von Insti­tu­ti­on und Ereig­nis, von Myste­ri­um-Sakra­ment und Wort, des Ein­zel­nen und der Gemein­schaft und von Inner­lich­keit und öffent­li­chem Kult, so zeigt das Pon­ti­fi­kat von Fran­zis­kus, daß er kei­nes­wegs die gegen­sei­ti­ge Berei­che­rung zwi­schen den Gegen­sät­zen mag, son­dern viel­mehr unter­drücken oder über­ge­hen will, was er im einen oder im ande­ren Gegen­satz für sta­tisch oder über­holt hält. Sei­ne Käl­te gegen­über der Lit­ur­gie ist vor aller Augen sicht­bar, eben­so wie sei­ne man­geln­de Sen­si­bi­li­tät für die Kate­go­rie des Schö­nen und sei­ne Ver­ach­tung der Dok­trin und der Insti­tu­ti­on.

Es ist zu sagen, und Borg­he­si gibt es zu, daß Ber­go­glio von sei­nen Lehr­mei­stern ihr Gesamt­werk weder stu­diert noch assi­mi­liert, son­dern nur weni­ge und iso­lier­te Din­ge gele­sen hat, von denen er auf sei­ne Wei­se eini­ge Stich­wör­ter über­nom­men hat.

Das erklärt auch die feh­len­de Homo­ge­ni­tät sei­ner Schrif­ten, auch der lehr­amt­li­chen, in denen er die unter­schied­lich­sten Mate­ria­li­en zusam­men­fügt.

Vor allem erklärt es, und das noch deut­li­cher, die abgrund­tie­fe Distanz zwi­schen sei­nen bemer­kens­wer­ten Lehr­mei­stern und den Per­so­nen, derer sich Papst Fran­zis­kus als Ver­trau­te und Ghost­wri­ter bedient: vom rhe­to­risch fabu­lie­ren­den Jesui­ten Anto­nio Spa­daro bis zum Argen­ti­ni­er Vic­tor Manu­el Fer­nan­dez, einem Theo­lo­gen von nicht ein­mal medio­krer Bedeu­tung, des­sen Erst­lings­werk den Titel „Sána­me con tu Boca. El arte de besar“ (Hei­le mich mit dei­nem Mund. Die Kunst des Küs­sens) trägt, und der den­noch von sei­nem zum Papst gewor­de­nen Freund beauf­tragt wur­de, gan­ze Absät­ze aus sei­nen wir­ren Auf­sät­zen, die er vor mehr als zwölf Jah­ren über die Moral der Fami­lie ver­öf­fent­licht hat­te, in Amo­ris lae­ti­tia zu über­neh­men.

Rodolfo Kusch
Rodol­fo Kusch

Ein wei­te­res Zei­chen der Ver­wir­rung ist die gleich­zei­ti­ge „Vor­lie­be“, die Fran­zis­kus für zwei fran­zö­si­sche Theo­lo­gen behaup­tet, für de Lub­ac und für de Cer­teau, und damit beweist, nicht zu wis­sen, daß de Lub­ac mit sei­nem Schü­ler de Cer­teau gebro­chen hat und die­sen scharf kri­ti­sier­te. Er beschul­dig­te ihn, ein „Joa­ch­imit“ zu sein, der wie der mit­tel­al­ter­li­che Mönch [Joa­chim da Fio­re] einem angeb­li­chen gol­de­nen Zeit­al­ter des rei­nes Gei­stes anhän­ge, das frei von jeder Bin­dung an eine kirch­li­che Insti­tu­ti­on sei.

Zudem ent­hält die von Borg­he­si ver­faß­te „intel­lek­tu­el­le Bio­gra­phie“ Ber­go­gli­os eini­ge offen­kun­di­ge Lücken. Zu Wal­ter Kas­per herrscht zum Bei­spiel völ­li­ges Schwei­gen, obwohl Fran­zis­kus schon beim ersten Ange­lus nach der Wahl zum Papst erklär­te, des­sen Leser und Bewun­de­rer zu sein. Und obwohl er ihn mit gren­zen­lo­sem Lob ehr­te und behaup­te­te, er betrei­be eine „Theo­lo­gie auf den Knien“, und ihn zum Leit­theo­lo­gen für die Wen­de in Sachen Ehe und Schei­dung und dem Vor­rang der Orts­kir­chen vor der Welt­kir­che beför­der­te.

Eben­so­we­nig fin­det sich ein Wort über Rodol­fo Kusch, den argen­ti­ni­schen Anthro­po­lo­gen, von dem Papst Fran­zis­kus erst vor kur­zem sag­te, von ihm sein Ver­ständ­nis von Volk über­nom­men zu haben. Dabei fin­den sich in Borg­he­sis Buch vie­le Sei­ten über den „Popu­lis­mus“ von Ber­go­glio.

Und natür­lich sticht in Ber­go­glio-Lek­tü­re das Feh­len des Theo­lo­gen Joseph Ratz­in­ger ins Auge, der nicht ein­mal als Autor der Bücher über Jesus erwähnt wird. Die­se Lücke hilft aller­dings dabei, noch bes­ser zu ver­ste­hen.

*San­dro Magi­ster, Vati­ka­nist des Wochen­ma­ga­zins L’Es­pres­so und Betrei­ber des Blogs Set­ti­mo Cie­lo.

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/CCNA (Screen­shot)

 

11 Kommentare

  1. Sehr geehr­te Damen und Her­ren!
    Schä­men Sie sich eigent­lich in kei­ner Wei­se? Gera­de von Ihrer Frak­ti­on wur­de immer betont, dass der Papst unfehl­bar ist. Jetzt, da ein­mal ein Papst ein ande­res Spek­trum der reich­hal­ti­gen katho­li­schen Tra­di­ti­on, als nur das neu­scho­la­sti­sche bedient, wird er bei jeder Gele­gen­heit auf pri­mi­tiv­ste und pein­lich­ste Art und Wei­se ver­sucht in den Dreck zu tre­ten.

    Da ist fremd­schä­men wirk­lich ange­sagt. Ich emp­fin­de Ihr hof­fär­ti­ges Ver­hal­ten als in jeder Hin­sicht unwür­dig. Demut ist nicht nur ein from­mes Wort. Sie fängt bei jedem von uns selbst an.

    Ich bete für Sie um tie­fe­re Ein­sicht und die Kraft des Hei­li­gen Gei­stes,
    Pfar­rer Mein­rad Fun­ke

    • Sehr geehr­ter Herr Pfar­rer Fun­ke, kön­nen Sie freund­li­cher­wei­se kon­kret ange­ben, was in dem Arti­kel oben falsch ist? Denn sicher­lich haben Sie es her­aus­ge­fun­den, sonst wür­den Sie nicht einen so schwe­ren Vor­wurf erhe­ben („…wird er bei jeder Gele­gen­heit auf pri­mi­tiv­ste und pein­lich­ste Art und Wei­se ver­sucht in den Dreck zu tre­ten“). Solan­ge Sie das nicht tun, ist nicht ein­seh­bar, wes­sen sich hier geschämt wer­den soll. Dan­ke für Ihre Mühe.

      • Um auf den eigent­li­chen Inhalt von San­dro Magi­sters Bei­trag ein­zu­ge­hen: War­um war es eigent­lich nicht zu einem Abschluss der beab­sich­tig­ten Dok­tor­ar­beit Ber­go­gli­os über besag­tes Früh­werk R. Guar­di­nis gekom­men? Ich habe ver­nom­men, dass es damals erst gar nicht zu einer Zulas­sung gekom­men sei, weil bei Ber­go­glio schlicht­weg die wis­sen­schaft­li­chen Vor­aus­set­zun­gen fehl­ten. Stimmt es, dass Ber­go­glio nicht über ein drei­jäh­ri­ges uni­ver­si­tä­res Theo­lo­gie­stu­di­um hin­aus­ge­kom­men war/ist, dem Min­dest­maß für einen Anwär­ter aufs Prie­ster­amt? Es wür­de mich in der Tat sehr inter­es­sie­ren, ob das alles bös­wil­li­ge Unter­stel­lun­gen sind oder ob es den Tat­sa­chen ent­spricht. Dem­entspre­chend wäre auch Pfar­rer Funkes Kom­men­tar ein­zu­ord­nen – und natür­lich Magi­sters Buch­be­spre­chung, erst recht aber die theo­lo­gi­sche Kom­pe­tenz von Papst Fran­zis­kus.

        • Sehr geehr­ter Aqui­li­nus, auf Ihre Fra­gen habe ich kei­ne Ant­wort. Viel­leicht hat ein ande­rer sie. Nur dar­an erin­ne­re mich, dass Pater Jor­ge Ber­go­glio meh­re­re Jah­re als Theo­lo­gie­pro­fes­sor im Jesui­ten­or­den unter­rich­te­te. Über­haupt mei­ne ich, dass die theo­lo­gi­schen Pro­ble­me von und um Papst Fran­zis­kus so gut wie nichts mit sei­nem so oft ver­mu­te­ten Man­gel an theo­lo­gi­schen Kennt­nis­sen zu tun haben. Soll­te ein Papst Unsi­cher­hei­ten auf einem Gebiet haben (Theo­lo­gie, Ver­kün­di­gung, Diplo­ma­tie, usw.), steht ihm ein fast unbe­grenz­ter Stab von Hel­fern zur Ver­fü­gung, auf die er sich alle­zeit stüt­zen kann. Umge­kehrt kann man die Pro­ble­me auch nicht auf schlech­te Bera­ter zurück­füh­ren, denn es steht ihm frei, sich bes­se­re aus­zu­wäh­len. Nein, Papst Fran­zis­kus Ber­go­glio lehrt und tut das, was er will. Er trägt für alles, was von ihm aus­geht, die vol­le und allei­ni­ge Ver­ant­wor­tung. Eine Mit­ver­ant­wor­tung tra­gen die, die ihn wähl­ten und die ihn gewäh­ren las­sen.

      • S.g. Herr Michel, dan­ke für Ihre Replik. Ich ver­mu­te, dass es sehr vie­le glau­bens­fe­ste und ‑treue Katho­li­ken gibt, die kei­ne Ant­wor­ten finden/erhalten auf Fra­gen, die Papst Fran­zis­kus eigent­lich seit sei­ner Wahl bestän­dig auf­wirft. Das sind/waren kei­nes­wegs nur die vier Dubia-Kar­di­nä­le, son­dern vie­le wei­te­re gebil­de­te Theo­lo­gen und sicher auch unzäh­li­ge „ein­fa­che“ Gläu­bi­ge. Es scheint zwar so, als herr­sche in der Öffent­lich­keit eher ein posi­ti­ves Fran­zis­kus-Bild vor. Ein Bild, wie es etwa in Deutsch­land ger­ne von den sog. Leit­me­di­en gezeich­net wird. Als viel­sa­gen­des Bei­spiel sei hier nur die ZdF-Nach­rich­ten­mo­de­ra­to­rin Petra Ger­ster ange­führt – zu erle­ben die­ser Tage wie­der ein­mal mit einem Jesus-Bei­trag in ihrem Brot­sen­der. Sie jeden­falls scheint sich für Ber­go­glio zu begei­stern und wäre wohl bestens dafür geeig­net, an einer grund­le­gen­den Kor­rek­tur des über­lie­fer­ten Jesus-Bil­des mit­zu­ar­bei­ten. Wie wäre es z.B. mit einer Neu­fas­sung des Her­ren­ge­bets aus/in ihrem Geist?
        Fin­den Sie, Herr Michel, eine Erklä­rung, war­um Fran­zis­kus offen­bar nicht im Traum dar­an denkt, sich in solch einer bedeut­sa­men Sache wie das „Vater­un­ser“ – immer­hin das in den Evan­ge­li­en über­lie­fer­te Jesus-Gebet – erst ein­mal an einen aus­ge­wie­se­nen Fach­mann zu wen­den, z.B. an sei­nen gleich um die Ecke woh­nen­den Vor­gän­ger Bene­dikt? Oder fühlt er sich ihm etwa gar über­le­gen? Mehr­fach schon hat­te er ihn einen „wei­sen Groß­va­ter“ genannt. Lie­be­voll, respekt­voll? Oder war es eher in jesui­ti­scher Schläue anders­rum gemeint?
        Auch in Kar­di­nal Mül­ler hät­te der Ber­go­glio-Papst einen sehr kom­pe­ten­ten und gerad­li­nig den­ken­den theo­lo­gi­schen Bera­ter gehabt. Doch wie hat er ihn behan­delt? Und wie kann man eigent­lich ein der­art hohes Poten­ti­al unge­nutzt las­sen — und gleich­zei­tig Gott um Beru­fun­gen bit­ten? Wie wider­sin­nig!
        Daher noch­mals die Fra­ge: Wie­so gibt es bis zur Stun­de offen­bar nicht einen ein­zi­gen unter den dama­li­gen Papst­wäh­lern, der Fran­zis­kus den Ernst der Lage klar­macht? Oder ist Jor­ge M. Ber­go­glio wirk­lich, wie kol­por­tiert wird, so bera­tungs­re­si­stent? Klug, gütig, wei­se, zuhö­rend, ver­bind­lich, zusam­men­füh­rend, ver­bin­dend usw. sind Eigen­schaf­ten, die man bei Fran­zis­kus schon mit der Lupe suchen muss.

    • @Pfarrer Mein­rad Fun­ke

      Wel­che „Frac­tion“ hat denn „betont“, dass der Papst „unfehl­bar“ ist? Mei­nen Sie damit, irgend­ei­ne „Frac­tion“, was immer Sie dar­un­ter ver­ste­hen, hält den Papst in allem, was er tut und sagt, für unfehl­bar? Wenn Sie lehr­amts­treue Katho­li­ken mei­nen, so wer­den die­se immer das sagen, was das Lehr­amt der Kir­che sagt: Jeder Papst ist nur in beson­de­ren Fäl­len unfehl­bar, und zwar dann, wenn er aus­drück­lich davon Gebrauch macht.
      Per­sön­lich fin­de ich vor allem Ihren abso­lut kennt­nis­lo­sen Rund­um­schlag gegen Kri­ti­ker von Papst Fran­cis­cus als Anlass zum Fremd­schä­men.
      Etwas mehr Bil­dung dürf­te man von einem Pfar­rer erwar­ten — und, um auf den Hl. Vater Fran­cis­cus ein­zu­ge­hen, etwas mehr Bil­dung dürf­te man auch von einem Papst erwar­ten, wie er kürz­lich mit sei­ner wenig kennt­nis­rei­chen Kri­tik an den Über­set­zun­gen des „Vater unser“ bemer­ken ließ. Aber was soll’s: Die Kir­che hat schon vie­le auch sehr schlech­te Päp­ste über­lebt, und sie wird auch weni­ger gut gebil­de­te Päp­ste über­le­ben.
      Die Fra­ge eines Vor­po­sters ist übri­gens berech­tigt: Wo stan­den Sie, als Papst Bene­dict XVI. für abso­lut lehr­amts­treue Posi­tio­nen mit Hass und Häme aus sei­ner Hei­mat über­gos­sen wur­de? Nach­dem Sie in Ihrer exclu­si­ven Beto­nung sinn­ge­mäß von „Frac­tio­n­en“ um Papst Fran­cis­cus spre­chen, kann ich Sie mir nicht als treu zu ande­ren Päp­sten vor­stel­len — treu also nur zur umstrit­te­nen Per­sön­lich­keit des Fran­cis­cus, aber nicht zum Lehr­amt: Damit ist Ihr Rund­um­schlag vor allem das kennt­nis­lo­se Geschreib­sel eines lehr­amts­un­treu­en Pha­ri­sä­ers, der sich, ledig­lich tem­po­rär, als angeb­lich „papst­treu“ sieht. Zur Papst­treue gehört jedoch mehr als die Ver­eh­rung eines bestimm­ten Pap­stes — näm­lich auch die Lehr­amts­treue. Ich sehe mich selbst übri­gens als abso­lut papst­treu an — aber eben auch als lehr­amts­treu.

  2. Grüss Gott Herr Pfar­rer Fun­ke,
    lei­der gibt Papst Fran­zis­kus Anlass zur Kri­tik. Dar­über kann dis­ku­tiert wer­den. Ich kann in o.g. Arti­kel kei­ne Beschmut­zun­gen gegen ihn erken­nen.
    Was muss­te unser HL. Vater eme­ri­tus für Belei­di­gun­gen und Schmä­hun­gen gera­de aus sei­ner Hei­mat hin­neh­men. Da stellt sich bei mir die Fra­ge, wo stan­den Sie da und haben ihn ver­tei­digt!
    Das soll­ten Sie beden­ken, anstatt lehr­amts­treue Katho­li­ken anzu­grei­fen. Inter­es­sant zu wis­sen, dass Katho­li­ken in Frak­tio­nen auf­ge­teilt sind.

  3. Sehr geehr­ter Herr Pfar­rer Fun­ke, Nein ich schä­me mich nicht dafür, dass ich die­sen Papst nicht mehr ver­ste­hen kann. Ich habe mich bemüht alle sei­ne Vor­gän­ger zu ver­ste­hen, habe ihre Reden Ver­öf­fent­li­chun­gen und Enzy­kli­ken im Ori­gi­nal nach­ge­le­sen und Ant­wort auf offe­ne Fra­gen bekom­men, aber die­sen Papst kann ich nicht ver­ste­hen. Es geht nicht dar­um die­sen Mann durch den Dreck zu zie­hen, son­dern es geht dar­um ihn an der Leh­re Jesu Chri­sti und der apo­sto­li­schen Tra­di­ti­on zu ver­ste­hen.

    Eine ein­fa­che und aktu­el­le Fra­ge. Er hat­te in Ban­gla­desh eine Begeg­nung mit den Reprä­sen­tan­ten der ver­schie­de­nen reli­giö­sen Gemein­schaf­ten die­ses Lan­des und es fällt auf, dass der Stell­ver­tre­ter Chri­sti, der aktu­el­le Papst, sei­nen Herrn, in des­sen Namen er spricht, voll­kom­men ver­schwie­gen hat. Statt des­sen: brach­te er viel­sa­gend den Wunsch nach Har­mo­nie, Brü­der­lich­keit und Frie­den zum Aus­druck, die tief in den Leh­ren der Welt­re­li­gio­nen ver­wur­zelt sind. Aber, was die­se Begrif­fe in der Leh­re Chri­sti zu bedeu­ten haben, ver­schwieg er und damit ver­schweigt oder genau­er ver­leug­net er die Leh­re des­sen, der ihn gesandt hat. Wie soll ich das, was ich hier aus aktu­el­len Grün­den erwäh­ne, ver­ste­hen?

    Was kon­kret aus sei­ner Rede übrig bleibt ist eine all­ge­mei­ne rela­ti­vi­sti­sche Betrach­tung ohne Bezug zu sei­ner Auf­ga­be als Stell­ver­tre­ter Chri­sti. Schau­en Sie sich ein­mal Reden Johan­nes Pauls II. oder Bene­dikts XVI. in ver­gleich­ba­ren Situa­tio­nen an und Sie müss­ten mein Unver­ständ­nis ver­ste­hen. Sie wuss­ten Chri­stus auch vor Ungläu­bi­gen zu beken­nen genau so, wie es ihre Vor­gän­ger taten.

  4. Ehr­lich gesagt hal­te ich ganz ande­re The­men für vor­dring­li­cher als auf troll­ar­ti­ge Anwür­fe ein­zu­ge­hen. Gestern wur­de Mil­lio­nen von Katho­li­ken in Deutsch­land fol­gen­des Schluss­ge­bet nach der Hl. Kom­mu­ni­on zu Gehör gebracht:

    Zwei­ter Advents­sonn­tag B

    Schluss­ge­bet

    „Herr, unser Gott,
    im hei­li­gen Mahl hast du uns mit dei­nem Geist erfüllt.
    Leh­re uns durch die Teil­nah­me an die­sem Geheim­nis, die Welt im Licht dei­ner Weis­heit zu sehen und das Unver­gäng­li­che mehr zu lie­ben als das Ver­gäng­li­che.
    Dar­um bit­ten wir durch Chri­stus, unse­ren Herrn.“

    Der Satz „im hei­li­gen Mahl hast du uns mit dei­nem Geist erfüllt.“ in Bezug auf den Emp­fang des Aller­hei­lig­sten Altars­sa­kra­men­tes wäh­rend des Hl. Mess­op­fers ist nach mei­nem Ver­ständ­nis mehr­fach häre­tisch. Und die­ses Gebet ist nur exem­pla­risch für vie­le ähn­li­che im Lau­fe des Kir­chen­jah­res. Der­ar­ti­ge For­mu­lie­run­gen zer­stö­ren den Glau­ben. Und die Bischö­fe haben das zu ver­ant­wor­ten.

  5. Das latei­ni­sche Ori­gi­nal die­ses Sat­zes lau­tet übri­gens:
    „Rep­le­ti cibo spi­r­ita­lis ali­mo­niae…“ was bei mei­nen beschei­de­nen Latein­kennt­nis­sen etwa heißt: Erfüllt von der Spei­se geist­li­cher Ernäh­rung
    bzw. Erfüllt von die­ser See­len­spei­se (bit­ten wir dich Herr…)
    Das ist ja wohl etwas ande­res. Nix „Mahl“ und nix dass das Mahl uns mit Geist erfüllt. Ich fin­de es grau­en­haft, dass das deut­sche Mis­sa­le für den neu­en Ritus vie­le der­art räu­dig schlech­te Über­set­zun­gen ent­hält. Die Bischö­fe müs­sen für recht­gläu­bi­ge Über­set­zun­gen sor­gen! „Alle“ statt „vie­le“ ist nur die Spit­ze des Eis­ber­ges, der das Schiff der Kir­che in Deutsch­land unter der Was­ser­li­nie auf­schlitzt. Nun H.H. Pfar­rer Mein­rad Fun­ke, haben Sie auch die häre­ti­sche deut­sche Vari­an­te gebe­tet und damit den Glau­ben der Anwe­sen­den geschwächt, oder die latei­ni­sche Ver­si­on?

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