Kardinal Cupich entschuldigt sich

sexueller Mißbrauch
Kardinal Cupich entschuldigte sich für seine Reaktion auf das Viganò-Dossier. Im Bild Cupich (links) 2017 mit McCarrick, damals noch Kardinal.

(New York) Kar­di­nal Bla­se Cup­ich, der „Mann von Papst Fran­zis­kus“ in der Ame­ri­ka­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, ent­schul­dig­te sich für sei­ne Reak­ti­on auf das Viganò-Dos­sier und sei­ne Kom­men­ta­re zum Mißbrauchsskandal.

Bla­se Cup­ich, bis dahin ein „pro­gres­si­ver Außen­sei­ter“ unter den Bischö­fen der USA, erleb­te 2014 einen kome­ten­haf­ten Auf­stieg. Mög­lich mach­te ihn Papst Fran­zis­kus. Zunächst berief er ihn auf den Erz­bi­schofs­stuhl von Chi­ca­go, den bedeu­tend­sten Bischofs­sitz in den USA. Dann erhob er ihn in den Kardinalsrang.

Papst hat „Wichtigeres“ zu tun

Inzwi­schen wur­de bekannt, daß Msgr. Cup­ich die­sen Kar­rie­re­sprung nicht zuletzt Theo­do­re McCarrick, dem ehe­ma­li­gen Erz­bi­schof von Washing­ton und nun­meh­ri­gen Ex-Kar­di­nal ver­dankt. Cup­ich wird auch wegen sei­ner inhalt­li­chen Posi­tio­nie­rung zum Freun­des­kreis von McCarrick gezählt. Die­sem hat­te Cup­ich erst vor einem Jahr einen Preis ver­lie­hen und ihn dabei als „Vor­bild“ für einen Bischof gerühmt.

NBC über die Entschuldigung von Kardinal Cupich
NBC über die Ent­schul­di­gung von Kar­di­nal Cupich

Als am 26. August das Dos­sier des ehe­ma­li­gen Apo­sto­li­schen Nun­ti­us in den USA, Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, ver­öf­fent­licht wur­de, mel­de­te sich auch Kar­di­nal Cup­ich zu Wort.

Der vati­ka­ni­sche Spit­zen­di­plo­mat Viganò erhob mit sei­nem Dos­sier zum Fall McCarrick schwer­wie­gen­de Anschul­di­gun­gen gegen Papst Fran­zis­kus und for­der­te des­sen Rück­tritt. Kon­kret wirft er dem argen­ti­ni­schen Papst vor, spä­te­stens seit Juni 2013 vom „per­ver­sen und dia­bo­li­schen“, homo­se­xu­el­len Dop­pel­le­ben McCarricks genau infor­miert gewe­sen zu sein, statt­des­sen den US-Pur­pur­trä­ger aber reha­bi­li­tiert und zu sei­nem Ver­trau­ten gemacht zu haben.

Kar­di­nal Cup­ich, ein strik­ter Par­tei­gän­ger von Papst Fran­zis­kus, ver­such­te dem in Bedräng­nis gera­te­nen Kir­chen­ober­haupt zu Hil­fe zu eilen. In einem Inter­view mit Mary Ann Ahern vom Sen­der NBC 5 for­der­te er Ende August Papst Fran­zis­kus auf, auf das Viganò-Dos­sier „nicht zu ant­wor­ten“. Fran­zis­kus habe eine „gro­ße Agen­da“ und „wich­ti­ge­re Din­ge“ zu tun, die Cup­ich auch nann­te, näm­lich „Kli­ma­wan­del“ und „Ein­wan­de­rung“.

Kardinal läßt „Schuld“ von NBC in jeder Pfarrei verkünden

Dar­auf kam es zu hef­ti­ger, lan­des­wei­ter Kri­tik an den Aus­sa­gen des Kar­di­nals. Die Katho­li­ken in den USA sind sehr ver­är­gert mit ihren Ober­hir­ten. Als Reak­ti­on ging Cup­ich in die Gegen­of­fen­si­ve. Er ließ am Sonn­tag in den Pfar­rei­en sei­nes Erz­bis­tums eine Erklä­rung ver­le­sen, in der er den Sen­der beschul­dig­te, sei­ne Ant­wor­ten aus dem Zusam­men­hang geris­sen und daher nicht rich­tig wie­der­ge­ge­ben zu haben

NBC ver­öf­fent­lich­te dar­auf die voll­stän­di­ge Ori­gi­nal­fas­sung des Inter­views und lie­fer­te den Nach­weis, daß der Sen­der die pole­mi­schen Kom­men­ta­re des Kar­di­nals wahr­heits­ge­treu berich­tet hat­te. Eine pein­li­che Situa­ti­on für den Papst-Vertrauten.

Am 27. Sep­tem­ber ruder­te der Kar­di­nal zurück und bat öffent­lich in einem Leit­ar­ti­kel in der Chi­ca­go Tri­bu­ne, um Ent­schul­di­gung für sei­ne dama­li­gen Bemer­kun­gen. Er ent­schul­dig­te sich für die Aus­sa­ge, die Kir­che habe „Wich­ti­ge­res“ zu tun, als auf die Anschul­di­gun­gen zum sexu­el­len Miß­brauchs­skan­dal zu ant­wor­ten, die von Nun­ti­us Viganò erho­ben wur­den. Es habe sich um einen „Feh­ler“ gehan­delt, für das er sich ent­schul­di­ge. Es gebe „nichts wich­ti­ge­res für die Kir­che als den Schutz der Jugend“.

„Ich ent­schul­di­ge mich dafür, wenn ich mit mei­nen Kom­men­ta­ren jemand zu nahe getre­ten bin. Es schmerzt mich zutiefst die Vor­stel­lung, daß ich durch die Wahl mei­ner Wor­te das Lei­den der Opfer noch ver­stärkt haben könnte.

Zugleich for­der­te er nun, daß der Umgang der Kir­che mit dem sexu­el­len Miß­brauch sich ändern müs­se. Kir­chen­füh­rer, auch Erz­bi­schö­fe, die beim „Schutz der Ver­wund­bar­sten ver­sa­gen“, sol­len aus dem Amt ent­fernt wer­den. Auch NBC berich­te­te darüber.

Reaktion von NBC 5

Antwort von Frank Whittaker auf die Cupich-Entschuldigung
Ant­wort von Frank Whit­taker auf die Cupich-Entschuldigung

Mit kei­nem Wort erwähn­te Kar­di­nal Cup­ich im Leit­ar­ti­kel sei­ne Pole­mik gegen NBC. Bei dem Sen­der, den er zu Unrecht der Mani­pu­la­ti­on bezich­tigt hat­te, ent­schul­dig­te sich der Erz­bi­schof von Chi­ca­go nicht.

Frank Whit­taker, stell­ver­tre­ten­der Nach­rich­ten-Chef von NBC 5 Chi­ca­go ant­wor­te­te Cup­ich am 30. Sep­tem­ber im Namen des Sen­ders. Er ver­tei­dig­te des­sen Arbeit und sei­ne Kol­le­gin Mary Ann Ahern, die „seit 30 Jah­ren über die Kir­che berich­tet“. Kar­di­nal Cup­ich habe sich in sei­nem Leit­ar­ti­kel für sei­ne dama­li­gen Inter­view-Aus­sa­gen ent­schul­digt. Auch Ahern, deren pro­fes­sio­nel­le Repu­ta­ti­on vom Kar­di­nal in Zwei­fel gezo­gen wur­de, ver­die­ne, so Whit­taker für den erlit­te­nen Angriff eine Ent­schul­di­gung. Da Cup­ich sei­ne unbe­rech­tig­te Kri­tik am Sen­der in allen Pfar­rei­en ver­le­sen ließ, wäre es „viel­leicht“ ange­bracht, so Whit­taker, daß auch die Ent­schul­di­gung des Kar­di­nals bei Ahern „bei der Sonn­tags­mes­se ver­le­sen wird“ .

Was aber bedeu­tet die Cup­ich-Ent­schul­di­gung mit Blick auf das Viganò-Dos­sier, das Anlaß für die Aus­sa­gen war, die der Kar­di­nal nun als „Feh­ler“ bezeich­ne­te? Vor allem setzt Papst Fran­zis­kus nach wie die „Emp­feh­lung“ von Kar­di­nal Cup­ich um, auf die Anschul­di­gung des Viganò-Dos­siers „nicht zu antworten“.

Text: Giu­sep­pe Nardi
Bild: LifeSiteNews/NBC Chicago/Chicago Tri­bu­ne (Screen­shots)