Welche Weichen stellt die Piusbruderschaft für die Zukunft?

Piusbruderschaft Econe
In Econe beginnt am 11. Juli das Generalkapitel der Piusbruderschaft. Es wird unter anderem einen neuen Generaloberen zu wählen haben.

(Bern) Mor­gen beginnt das Gene­ral­ka­pi­tel der Pius­bru­der­schaft, bei der die Wah­len des Gene­ral­obe­ren und des Gene­ral­rats anste­hen.

Schon seit meh­re­ren Tagen hal­ten sich die Kapi­tu­la­re aus aller Welt im schwei­ze­ri­schen Eco­ne (Kan­ton Wal­lis) auf, wo zur Vor­be­rei­tung des Gene­ral­ka­pi­tels Exer­zi­ti­en statt­fin­den. Es geht auch dar­um, den Hei­li­gen Geist um Bei­stand anzu­ru­fen, wie im Pfingst­brief des Deut­schen Distrikts der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. (FSSPX) P. Fir­min Udres­sy schrieb.

Das Gene­ral­ka­pi­tel stellt neben den per­so­nel­len Ent­schei­dun­gen auch die Wei­chen für die kom­men­den Jah­re. Dem neu­ge­wähl­ten Gene­ral­obe­ren wird „mit sofor­ti­ger Wir­kung die Lei­tung des Gene­ral­ka­pi­tels über­tra­gen und das Wohl der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. für die näch­sten 12 Jah­re anver­traut“.

„Es ist eine gewal­ti­ge Auf­ga­be und Ver­ant­wor­tung, die ihm auf die Schul­tern gelegt wird – nicht nur in Bezug auf unse­re Gemein­schaft. Was wir in der Prie­ster­bru­der­schaft gemein­sam wol­len, ist doch, den hei­li­gen, von der Lie­be beseel­ten, unver­fälsch­ten katho­li­schen Glau­ben wei­ter­zu­ge­ben.“

Die Pius­bru­der­schaft sieht es laut eige­ner Aus­sa­ge als Auf­ga­be, „an der Erneue­rung der Kir­che mit­ar­bei­ten“ zu kön­nen. In die­sem Zusam­men­hang wur­de im Pfingst­brief an die Grund­satz­er­klä­rung von 1974 erin­nert:

„Kei­ne Auto­ri­tät, auch nicht die höch­ste Auto­ri­tät in der Hier­ar­chie, kann uns zwin­gen, unse­ren Glau­ben, der vom Lehr­amt der Kir­che seit neun­zehn Jahr­hun­der­ten ein­deu­tig for­mu­liert und ver­kün­det wur­de, auf­zu­ge­ben oder zu schmä­lern“.

Bischof Fellay, seit 1994 Generaloberer der FSSPX
Bischof Fel­lay, seit 1994 Gene­ral­obe­rer der FSSPX

Seit 24 Jah­ren lei­tet Msgr. Ber­nard Fel­lay die Bru­der­schaft. Im ver­gan­ge­nen April wur­de er 60. Vor 30 Jah­ren, am 30. Juni 1988, weih­te ihn Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re, der Grün­der der Bru­der­schaft, zusam­men mit drei Mit­brü­dern zum Bischof. Rom erklär­te damals die Exkom­mu­ni­ka­ti­on, die vor zehn Jah­ren vom Hei­li­gen Stuhl zurück­ge­nom­men wur­de. 1977 war der Schwei­zer in Eco­ne in das Prie­ster­se­mi­nar der Bru­der­schaft ein­ge­tre­ten und 1982 von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re zum Prie­ster geweiht wor­den.

Kurz nach der Thron­be­stei­gung von Papst Bene­dikt XVI. emp­fing die­ser Bischof Fel­lay auf Castel Gan­dol­fo. Das war der Auf­takt zu einer Annä­he­rung, die in offi­zi­el­le Gesprä­che über umstrit­te­ne Fra­gen der Glau­bens­leh­re mün­de­te. Im Früh­jahr 2012 schien die kano­ni­sche Aner­ken­nung durch Rom sogar zum Grei­fen nahe, zer­schlug sich aber im letz­ten Augen­blick – soweit rekon­stru­ier­bar – an Wider­stän­den der Voll­ver­samm­lung der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on.

Anders als all­ge­mein erwar­tet, folg­ten auch unter Papst Fran­zis­kus eini­ge Schrit­te der Ent­span­nung. Fran­zis­kus knüpf­te nicht an den Weg von Lehr­ge­sprä­chen an, son­dern setz­te ein­sei­ti­ge Zei­chen, indem er bei­spiels­wei­se 2016 die von Pius­brü­dern gespen­de­te Los­spre­chung in der Beich­te aner­kann­te. Eben­so aner­kannt wur­den Anfang 2017 die Ehe­schlie­ßun­gen vor Prie­stern der FSSPX. Impli­zit wur­den damit die Bischofs- und Prie­ster­wei­hen der Bru­der­schaft aner­kannt. Rom hat­te bis dahin zwar nicht deren Gül­tig­keit, aber deren Recht­mä­ßig­keit bestrit­ten.

Erzbischof Marcel Lefebvre, der 1970 die Piusbruderschaft gründete
Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­v­re, der 1970 die Pius­bru­der­schaft grün­de­te

Im Mai 2017 schien es erneut, als könn­te eine kano­ni­sche Aner­ken­nung der Bru­der­schaft durch den Hei­li­gen Stuhl jeden Augen­blick bekannt­ge­ge­ben wer­den. Kon­kret hat­te Rom die Errich­tung als Per­so­nal­prä­la­tur mit einem Bischof an der Spit­ze in Aus­sicht gestellt. Doch dann geschah das­sel­be wie 2012. Auf der Ziel­ge­ra­den blies Rom alles wie­der ab. Die Vor­be­hal­te gegen die Pius­bru­der­schaft, bis in höch­ste Späh­ren, erran­gen ein­mal mehr die Ober­hand. Seit­her herrscht wie­der Still­stand. Das Gene­ral­ka­pi­tel in Eco­ne wird sich auch damit zu befas­sen haben. Die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis der Bru­der­schaft zu Rom wird eine zen­tra­le Rol­le spie­len.

Die­se Fra­ge führ­te von Anfang an, auch schon unter Erz­bi­schof Lef­eb­v­re, zu Kon­flik­ten in der Bru­der­schaft. Man­chen war die Linie manch­mal zu weich, ande­ren zu hart. Dazu gehört auch, daß fast alle heu­te exi­stie­ren­den Gemein­schaf­ten der Tra­di­ti­on ent­lang die­ser Bruch­li­ni­en aus der Pius­bru­der­schaft her­vor­ge­gan­gen sind. Die­se Tat­sa­che unter­streicht zugleich natür­lich die Bedeu­tung des Wer­kes von Erz­bi­schof Lef­eb­v­re.

Bischof Richard Williamson
Bischof Richard Wil­liam­son

Der jüng­ste Kon­flikt ent­brann­te im Zuge der Ver­söh­nungs­ge­sprä­che von 2012 und führ­te, weil er „sich gewei­gert hat­te, den Respekt und den Gehor­sam zu bezei­gen, den er sei­nen recht­mä­ßi­gen Obe­ren schul­det“, zum Aus­schluß von Msgr. Richard Wil­liam­son, einem der vier 1988 geweih­ten Bischö­fe. Wei­te­re Prie­ster wur­den damals aus­ge­schlos­sen oder tra­ten aus.

Damit steht auch die Fra­ge neu­er Bischofs­wei­hen im Raum. Erz­bi­schof Lef­eb­v­re sah vor 30 Jah­ren die Not­wen­dig­keit von vier Bischö­fen, um das welt­wei­te Apo­sto­lat durch­füh­ren zu kön­nen. Durch den Aus­schluß von Wil­liam­son und gesund­heit­li­che Pro­ble­me könn­ten dem­nächst neue Wei­hen not­wen­dig wer­den. In Rom wie­der­um könn­ten eini­ge nur auf einen sol­chen Schritt war­ten, um erneut die Exkom­mu­ni­ka­ti­on in den Raum zu stel­len.

Katholisch.de, das Nach­rich­ten­por­tal der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz (DBK), skiz­zier­te Bischof Fel­lay im ver­gan­ge­nen April als „eine zwie­späl­ti­ge Figur zwi­schen Rück­wärts­ge­wandt­heit und Heim­kehr­wün­schen“. Die For­mu­lie­rung ist weni­ger eine Cha­rak­te­ri­sie­rung Fel­lays, son­dern bringt atmo­sphä­risch vor allem die Vor­be­hal­te der DBK-Füh­rung zur Pius­bru­der­schaft zum Aus­druck.

Fel­lay zeig­te durch sei­ne Unter­zeich­nung der Cor­rec­tio filia­lis de hae­re­si­bus pro­pa­ga­tis nicht nur, daß die Pius­bru­der­schaft inzwi­schen wie­der – allen For­ma­lis­men zum Trotz – ein weit­ge­hend inte­grier­ter Teil des kirch­li­chen Dis­kur­ses ist. Er stell­te auch unter Beweis, daß die Pius­bru­der­schaft über mehr Hand­lungs­spiel­raum ver­fügt als die Eccle­sia-Dei-Gemein­schaf­ten. Auch des­halb gilt eine Wie­der­wahl von Bischof Fel­lay für eine wei­te­re Amts­zeit als Gene­ral­obe­rer als wahr­schein­lich.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: FSSPX/Jens Falk

3 Kommentare

  1. Mit eini­ger Bewun­de­rung betrach­tet man das Arbeits­pen­sum der drei ver­blie­be­nen Bischö­fe der FSSPX. Daß hier „gesund­heit­li­che Pro­ble­me“ auf­tau­chen müs­sen, ist klar. Die Bischö­fe müs­sen ja völ­lig über­ar­bei­tet und aus­ge­laugt sein — bei gleich­zei­ti­gem Druck von außen und von innen. Auch das ist eine Form des Mar­ty­ri­ums.

    Wer heu­te für die FSSPX Prie­ster wird, weiß, daß er in den offi­zi­el­len diö­ze­sa­nen und pfarr­li­chen Struk­tu­ren, zumin­dest im deut­schen Sprach­raum, abge­lehnt wird und uner­wünscht ist. Er weiß, daß er von den Haupt­strom­medi­en und ein­fluß­rei­chen Grup­pen ange­grif­fen und ver­leum­det wird (etwa als „Anti­se­mit“, so gesche­hen beim Besuch von Bene­dikt XVI. in der Köl­ner Syn­ago­ge 2005). Das ist eine sehr spe­zi­el­le Beru­fung und eine Form von — wie gesagt — Mar­ty­ri­um (was bekannt­lich „Zeug­nis“ bedeu­tet).

    In die­sem Zusam­men­hang sei dem neu­en Gene­ral­obe­ren der Petrus­bru­der­schaft Got­tes rei­chen Segen gewünscht. Möge er in allen rele­van­ten Fra­gen ein gesun­des Urteil haben, zum Wohl der Bru­der­schaft und der gan­zen Kir­che.

    Die FSSP ist bekannt­lich für vie­le ein gleich­sam lebens­ret­ten­des Refu­gi­um. Es wäre gut, wenn die gesam­te Kir­che wie­der die­ses Refu­gi­um wer­den wür­de. Dazu müß­te sich aller­dings der Inha­ber des Petrusam­tes „bekeh­ren und sei­ne Brü­der stär­ken“. Papst eme­ri­tus Bene­dikt könn­te die­sen Pro­zeß durch ein offe­nes Wort beschleu­ni­gen. Und er soll­te es auch.

  2. Ich fra­ge mich immer wie­der, wel­che Auf­ga­be — und zwar heils­ge­schicht­li­che — hat die Pius­bru­der­schaft. Egal aus wel­cher Sicht dis­ku­tiert wird pro oder con­tra, es muß fest­ge­stellt wer­den, dass auch sie eine Frucht des Kon­zils ist. Ohne das Kon­zil und die bereits mit Beginn der 70-er Jah­re fest­stell­ba­ren Früch­te, hät­te Lef­eb­v­re sei­nen Schritt nie getan. Davon bin ich über­zeugt. Je mehr ich über das Kon­zil lese, desto bes­ser kann ich den Schritt von Lef­eb­v­re ver­ste­hen. Das 2. Vati­ka­num wur­de auch als zwei­tes Pfing­sten bezeich­net. Aber das erste Pfing­sten war die Her­ab­kunft des Hei­li­gen Gei­stes auf die, wel­che ein­mü­tig im Gebe­te ver­sam­melt waren. Judas war nicht mehr dabei! Beim zwei­ten Vati­ka­num, dem für Vie­le gefühl­ten zwei­ten Pfing­sten, war es anders. Auch Ungläu­bi­ge nah­men teil und es nah­men auch die Ein­fluss, wel­che zu den Läste­rern Chri­sti zu rech­nen sind. Chri­stus aber lehr­te uns, dass die Kir­che das Heil nicht in der Welt fin­det, son­dern in der Wahr­heit Chri­sti.

  3. Mei­nen kri­ti­schen Zei­len möch­te ich hin­zu­fü­gen, dass das zwei­te Vati­ka­num es aus wel­chen Grün­den auch immer ver­ab­säumt hat, zu den größ­ten den Men­schen bedro­hen­den Gefah­ren Stel­lung zu neh­men:
    1. Die Gefahr der Höl­le wird mit kei­nem Wor­te erwähnt, das Vati­ka­num ver­schweigt die Höl­le.
    2. Eine Dis­kus­si­on über den Kom­mu­nis­mus mit dem dia­lek­ti­schen Mate­ria­lis­mus wur­de nicht zuge­las­sen und abge­würgt. Papst Paul VI. hat­te durch den Kar­di­nal Tis­serant mit den Rus­sen im Ver­trag von Metz ver­ein­bart, dass der Kom­mu­nis­mus kein Dis­kus­si­ons­punkt war.

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