Transalpine Redemptoristen lösen ihre Einheit mit Rom auf

Forderung nach einem "allgemeinen unvollkommenen Konzil"


Die Ordens­ge­mein­schaft der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten – auch als „Söh­ne des Aller­hei­lig­sten Erlö­sers“ bezeich­net – ist in eine offe­ne Span­nung zur kirch­li­chen Auto­ri­tät gera­ten. Wäh­rend der dama­li­ge Vor­sit­zen­de der Päpst­li­chen Kom­mis­si­on Eccle­sia Dei, Kar­di­nal Darío Cas­tril­lón Hoyos, im Jah­re 2008 noch offi­zi­ell ihre „Wie­der­ver­söh­nung mit der Kir­che“ ver­kün­de­te, stellt sich die Lage heu­te grund­le­gend anders dar. Nach einem bereits im Okto­ber 2025 erfolg­ten Bruch haben die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten am 2. Mai 2026 mit einer Grund­satz­er­klä­rung fak­tisch die kirch­li­che Gemein­schaft mit Rom aufgekündigt.

Forderung nach einem „allgemeinen unvollkommenen Konzil“

In dem am Sams­tag, dem 2. Mai 2026 ver­öf­fent­lich­ten Kom­mu­ni­qué weist die Gemein­schaft zen­tra­le Ele­men­te der gegen­wär­ti­gen kirch­li­chen Ord­nung zurück. Sie bekennt sich aus­drück­lich zur katho­li­schen Kir­che als der von Chri­stus gestif­te­ten Heils­an­stalt, lehnt jedoch das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil sowie sämt­li­che Päp­ste seit die­ser Zeit ab – aus­drück­lich auch den amtie­ren­den Papst Leo XIV.

Damit erfül­len sie zwar alle Vor­aus­set­zun­gen der kirch­li­chen Ein­heit, wie sie von den Kir­chen­vä­tern genannt wer­den, aber nicht jene, die im Gefol­ge des Zwei­ten Vati­ca­num ver­langt werden.

Die Erklä­rung spricht von einer „Infil­tra­ti­on“ der kirch­li­chen Struk­tu­ren durch moder­ni­sti­sche Kräf­te und stellt sowohl die Recht­mä­ßig­keit als auch die Ver­läß­lich­keit der nach­kon­zi­lia­ren Leh­re, Lit­ur­gie und Dis­zi­plin grund­sätz­lich in Fra­ge. Dar­aus fol­gert die Gemein­schaft, daß ein Gehor­sam gegen­über die­sen Auto­ri­tä­ten, auch dem regie­ren­den Papst, im Gewis­sen nicht mehr mög­lich sei.

Die­se Argu­men­ta­ti­ons­li­nie weist deut­li­che Berüh­rungs­punk­te mit sedis­va­kan­ti­sti­schen Posi­tio­nen auf, ohne daß der Orden dies in sei­ner Erklä­rung aus­drück­lich benennt.

Als Aus­weg aus der Kir­chen­kri­se schla­gen die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten die Ein­be­ru­fung eines „all­ge­mei­nen unvoll­kom­me­nen Kon­zils“ vor – einer Ver­samm­lung von Bischö­fen, die „den über­lie­fer­ten Glau­ben bewahrt haben“. Die­ses Gre­mi­um sol­le die gegen­wär­ti­ge kirch­li­che Kri­se beur­tei­len und zur Klä­rung der Auto­ri­täts­fra­ge beitragen.

Ein sol­cher Ansatz ist in der kirch­li­chen Tra­di­ti­on zwar ver­ein­zelt dis­ku­tiert wor­den, besitzt jedoch kei­ne aner­kann­te kir­chen­recht­li­che Grund­la­ge und erscheint sowohl prak­tisch als auch theo­lo­gisch höchst problematisch.

Die For­de­rung ent­spricht einem Gegen­mo­dell zu der von Papst Fran­zis­kus ange­kün­dig­ten und von Leo XIV. bestä­tig­ten „gro­ßen Kir­chen­ver­samm­lung“, die, wie Kri­ti­ker sagen, zwar nicht so genannt wird, aber fak­tisch einem „Drit­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil“ gleich­kom­men soll – aller­dings nicht mehr als Kon­zil der Bischö­fe, son­dern als Teil des „syn­oda­len Pro­zes­ses“, also als „syn­oda­le Versammlung“.

Mit einem „all­ge­mei­nen unvoll­kom­me­nen Kon­zil“ mei­nen die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten eine welt­wei­te Ver­samm­lung nur jener Bischö­fe, die ihrer Auf­fas­sung nach am über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben fest­hal­ten. Die­ses Gre­mi­um soll die gegen­wär­ti­ge Kir­chen­kri­se beur­tei­len und ins­be­son­de­re die Fra­ge der päpst­li­chen Legi­ti­mi­tät seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil klä­ren. Es han­delt sich dabei nicht um ein regu­lä­res öku­me­ni­sches Kon­zil, son­dern um eine außer­or­dent­li­che Not­lö­sung außer­halb der übli­chen kirch­li­chen Struk­tu­ren. Ziel ist nach ihrem Ver­ständ­nis kei­ne Neu­grün­dung der Kir­che, son­dern deren „Wie­der­her­stel­lung“ im Sin­ne der Tradition.

Der Begriff selbst ist kei­ne Neu­erfin­dung der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten, son­dern geht auf histo­ri­sche ekkle­sio­lo­gi­sche Unter­schei­dun­gen der klas­si­schen Theo­lo­gie zurüc, aller­dings um ein heu­te kaum mehr ver­wen­de­tes ekkle­sio­lo­gi­sches Kon­zept, das der Orden in sei­ner Kri­sen­dia­gno­se auf die gegen­wär­ti­ge Situa­ti­on der Kir­che anwendet.

Herkunft und Entwicklung der Transalpinen Redemptoristen

Die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten ent­stan­den 1987 im Umfeld tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Krei­se und stan­den lan­ge Zeit in enger Ver­bin­dung mit der Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. Ihre Prie­ster wur­den zunächst durch deren Bischö­fe geweiht.

Ihr klö­ster­li­ches Zen­trum auf der schot­ti­schen Insel Papa Stron­say ist Aus­druck eines kon­se­quent auf tra­di­tio­nel­le For­men aus­ge­rich­te­ten Ordens­le­bens. Die Gemein­schaft zeich­net sich durch stren­ge Obser­vanz, kla­re dog­ma­ti­sche Aus­rich­tung und eine aus­ge­präg­te Bin­dung an die über­lie­fer­te Lit­ur­gie aus.

P. Micha­el Maria, Gene­ral­obe­rer der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten, in einem Inte­view mit John-Hen­ry Westen von Life­Si­teNews im Dezem­ber 2025

Unter Papst Bene­dikt XVI. kam es nach der Ver­öf­fent­li­chung des Motu pro­prio Sum­morum Pon­ti­fi­cum im Jah­re 2008 zu einer Annä­he­rung an Rom, bei gleich­zei­ti­gen Span­nun­gen mit der Pius­bru­der­schaft. Schließ­lich erfolg­te die vol­le Ein­heit mit Rom sowie 2012 die kano­ni­sche Aner­ken­nung als soge­nann­te Eccle­sia-Dei-Gemein­schaft. Die Prie­ster­amts­kan­di­da­ten des Ordens stu­dier­ten seit­her in ver­schie­de­nen kirch­lich aner­kann­ten Prie­ster­se­mi­na­ren der Tra­di­ti­on, unter ande­rem im eng­lisch­spra­chi­gen Prie­ster­se­mi­nar der Prie­ster­bru­der­schaft St. Petrus in den USA.

Bereits um 1995 hat­te sich der Orden auch in der neu­see­län­di­schen Diö­ze­se Christ­church nie­der­ge­las­sen, zunächst noch ohne for­mel­le Aner­ken­nung. Solan­ge er sei­ne kon­se­quent tra­di­tio­nel­le Aus­rich­tung – die aus­schließ­li­che Zele­bra­ti­on der über­lie­fer­ten Lit­ur­gie, die strik­te Ori­en­tie­rung an vor­kon­zi­lia­ren Lehr­po­si­tio­nen und die deut­li­che Distanz zu den Neue­run­gen nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil – im Rah­men sei­nes klö­ster­li­chen Eigen­le­bens bewahr­te, bestand eine weit­ge­hend rei­bungs­lo­se Koexistenz.

Seit der Aner­ken­nung durch Rom trat der Orden jedoch stär­ker nach außen, ent­wickel­te eine apo­sto­lisch-mis­sio­na­ri­sche Tätig­keit, wie es sei­nem redempto­ri­sti­schen Cha­ris­ma ent­spricht, und ver­ließ damit den engen Rah­men, inner­halb des­sen kirch­li­che Auto­ri­tä­ten die Tra­di­ti­on tolerierten.

Eskalation in Christchurch

So gerie­ten die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten zuneh­mend in Kon­flikt mit dem neu­ri­tu­el­len Milieu der Diö­ze­se. Es kam zu einem ste­tig wach­sen­den Span­nungs­feld, da sich das Ver­ständ­nis in nahe­zu allen Berei­chen – nicht nur im ekkle­sio­lo­gi­schen – in Tei­len der Kir­che der­art aus­ein­an­der­ent­wickelt hat­te, daß kaum noch eine Ver­stän­di­gung mög­lich erschien.

Gegen die Gemein­schaft wur­de von pro­gres­si­ven Krei­sen eine Kam­pa­gne initi­iert, die – wenig über­ra­schend – auch im kir­chen­fer­nen Main­stream media­le Reso­nanz fand. Der Tenor war vor­be­stimmt besorg­te „Licht­trä­ger“ ver­sus Fin­ster­lin­ge, als wel­che die tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Ordens­män­ner hin­ge­stellt wurden.

Vor­aus­set­zung für die­se Eska­la­ti­on waren zwei inner­kirch­li­che Entwicklungen:

  • eine Ver­schär­fung der Linie gegen­über tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Gemein­schaf­ten durch das Motu pro­prio Tra­di­tio­nis cus­to­des von Papst Fran­zis­kus (2021)
  • die Ernen­nung von Msgr. Micha­el Gie­len zum neu­en Bischof von Christ­church (2022)

Der neue Bischof nahm im Kon­text von Tra­di­tio­nis cus­to­des eine „Neu­be­wer­tung“ der Stel­lung und Tätig­keit der Ordens­ge­mein­schaft in der Diö­ze­se vor. Die Span­nun­gen ver­dich­te­ten sich in den Jah­ren 2023 und 2024. Es kam zu Dis­kus­sio­nen über die Fei­er des über­lie­fer­ten Ritus, des­sen recht­li­chen Rah­men, die Ein­bin­dung des Ordens in die Diö­ze­se sowie Fra­gen des Gehor­sams und der Loya­li­tät. Schritt­wei­se wur­den die Vor­ga­ben ver­schärft, und selbst Neben­säch­lich­kei­ten erhiel­ten grund­sätz­li­chen Charakter.

Die Diö­ze­se stell­te stren­ge­re Vor­ga­ben hin­sicht­lich der lit­ur­gi­schen Pra­xis, for­der­te eine stär­ke­re Unter­ord­nung unter diö­ze­sa­ne Struk­tu­ren, wäh­rend der Sta­tus und die Akti­vi­tä­ten des Ordens zuneh­mend kri­tisch betrach­tet wur­den. Der Orden woll­te sich den diö­ze­sa­nen Vor­ga­ben nicht unter­ord­nen, da er die­se als unver­ein­bar mit sei­nem Selbst­ver­ständ­nis ansah. Schließ­lich unter­sag­te Bischof Gie­len 2024 den Prie­stern der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten die Aus­übung ihr prie­ster­li­chen Voll­mach­ten in der Diö­ze­se, was einer fak­ti­schen Ver­trei­bung gleichkam.

Dage­gen apel­lier­te der Orden an Rom. Im Som­mer 2025, Papst Fran­zis­kus war bereits ver­stor­ben und Leo XIV. hat­te bereits den Stuhl Petri ein­ge­nom­men, bestä­tig­te der Vati­kan jedoch die bischöf­li­che Repressionen.

Tra­di­tio­nis cus­to­des und ein neu­ernann­ter Bischof, der sich dem berg­o­glia­ni­schen Motu pro­prio mit Nach­druck ver­pflich­tet fühl­te, mach­ten die über drei­ssig­jäh­ri­ge Auf­bau­ar­beit des Ordens in der Diö­ze­se Christ­church inner­halb weni­ger Mona­te zunichte.

Die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten ent­schie­den sich dar­auf­hin, die Diö­ze­se, in der sie nicht mehr wir­ken durf­ten, zu ver­las­sen. Es kam somit nicht zu einem for­mel­len „Raus­wurf“, wohl aber zu einer Ent­wick­lung, die als Ver­trei­bung fak­tisch auf das­sel­be hinauslief.

Ein strukturelles Problem

Der Fall Christ­church ver­deut­licht ein struk­tu­rel­les Pro­blem: Tra­di­ti­ons­ge­bun­de­ne Gemein­schaf­ten wer­den nach dem nach­kon­zi­lia­ren Umbruch erst seit 1988 wie­der in orga­ni­sier­ter Form inner­halb der Kir­che gedul­det – auf­grund der uner­laub­ten Bischofs­wei­hen durch Erz­bi­schof Mar­cel Lefeb­v­re. Vie­len Tei­len der nach­kon­zi­lia­ren Hier­ar­chie, ein­schließ­lich Papst Fran­zis­kus, wie er wie­der­holt beton­te, fehlt ein ver­tief­tes Ver­ständ­nis für die Exi­stenz der Tra­di­ti­on. Das Motu pro­prio Eccle­sia Dei wur­de viel­fach ledig­lich als eine blo­ße – in nicht weni­gen Augen unge­lieb­te – Dul­dung ver­stan­den; dar­an hat sich bis heu­te nichts geän­dert, viel­mehr wur­de die­se Hal­tung durch Tra­di­tio­nis cus­to­des erneut verschärft.

Im Kon­text der radi­ka­len Lit­ur­gie­re­form von 1969 ging man offen­bar in Rom davon aus, daß der Wunsch nach der über­lie­fer­ten Form des Römi­schen Ritus ledig­lich vor­über­ge­hen­der Natur sei und sich mit­tel­fri­stig „bio­lo­gisch“ erle­di­gen wür­de. Mit den uner­laub­ten Bischofs­wei­hen Erz­bi­schof Lefeb­v­res von 1988 wur­den jedoch die Rah­men­be­din­gun­gen grund­le­gend ver­än­dert, und mit dem Motu pro­prio Eccle­sia Dei erhielt die Tra­di­ti­on nur zwei Tage spä­ter eine kano­ni­sche Aner­ken­nung – letzt­lich erkämpft durch Erz­bi­schof Lefeb­v­re, der dies per­sön­lich mit sei­ner Exkom­mu­ni­ka­ti­on bezahlte.

Papst Fran­zis­kus mach­te wäh­rend sei­nes gesam­ten Pon­ti­fi­kats mehr­fach deut­lich, daß er jene kirch­li­che Strö­mung, die seit 1988 um einen Platz inner­halb der Kir­che ringt, lang­fri­stig als aus­lau­fen­des Phä­no­men betrach­te­te. Mit Tra­di­tio­nis cus­to­des soll­te die­ser Pro­zeß – aus sei­ner Sicht offen­sicht­lich ein „irrever­si­bler“ – beschleu­nigt wer­den. Dahin­ter ste­hen letzt­lich Grund­satz­fra­gen des Kir­chen­ver­ständ­nis­ses selbst.

Fak­tisch bewe­gen sich tra­di­ti­ons­ge­bun­de­ne Gemein­schaf­ten daher in einem sehr engen Rah­men, der stark von der Hal­tung des jewei­li­gen Orts­bi­schofs abhän­gig ist. Ein Bischofs­wech­sel kann ihre Situa­ti­on kurz­fri­stig grund­le­gend ver­än­dern und ihre Exi­stenz gefährden.

Für die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten war der Fall Christ­church ein Schock: Er zeig­te ihnen, daß selbst über Jah­re gewach­se­ne Struk­tu­ren über Nacht ihre Grund­la­ge ver­lie­ren kön­nen. Dar­aus ent­wickel­ten sich seit der römi­schen Bestä­ti­gung der Ent­schei­dun­gen Bischof Gie­lens und ange­sichts der all­ge­mei­nen Ent­wick­lung der Kir­che, die auch das Kon­kla­ve 2025 ohne erkenn­ba­re Wen­de ließ, Über­le­gun­gen, die weit über den kon­kre­ten Ein­zel­fall hinausreichen.

Zwischen Treue zur Tradition und kirchlicher Einheit

Die jüng­ste Erklä­rung der Gemein­schaft ist inhalt­lich scharf zuge­spitzt. Sie stellt die Fra­ge, wie die Kir­che mit ihrer eige­nen lit­ur­gi­schen und geist­li­chen Tra­di­ti­on umgeht und damit letzt­lich mit ihrer Treue zum gött­li­chen Stif­ter. Tra­di­tio­nis cus­to­des habe den Hand­lungs­spiel­raum tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ner Gemein­schaf­ten deut­lich ein­ge­schränkt. Dem­ge­gen­über ste­he der Ein­druck, daß gegen­über Ent­wick­lun­gen „im Geist des Kon­zils“ selbst bei Miß­bräu­chen oder dok­tri­nel­len Unklar­hei­ten eine deut­lich grö­ße­re Tole­ranz geübt wird.

Erklä­rung der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten, war­um sie eine Ein­heit mit dem der­zei­ti­gen Rom für unver­ein­bar halten

Die Tra­di­ti­on wer­de hin­ge­gen zuneh­mend zurück­ge­drängt oder sogar bekämpft, wäh­rend es Bischö­fe ver­säu­men, gegen­über pro­gres­si­ven Ten­den­zen kon­se­quent für Ord­nung zu sor­gen und Miß­stän­de zu korrigieren.

Die­se Span­nung zwi­schen über­lie­fer­ter Pra­xis und gegen­wär­ti­ger kirch­li­cher Ord­nung wur­de von den Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten als tie­fer Riß im Ver­ständ­nis von Glau­be, Lit­ur­gie und Auto­ri­tät wahr­ge­nom­men. Damit stell­te sich für den Orden schließ­lich auch die Fra­ge neu, ob der Schritt der Rück­kehr in die kano­ni­sche Ein­heit mit Rom im Jah­re 2008 rich­tig gewe­sen sei.

In ihrer Erklä­rung rufen die Ordens­män­ner den Bei­stand der Junfgrau und Got­tes­mut­ter Maria mit den Titel der Mit­erlö­se­rin und Mitt­le­rin aller Gna­den an. Die umstrit­te­ne lehr­mä­ßi­ge Note Mater popu­li fide­lis, die vom römi­schen Glau­bens­dik­aste­ri­um unter der Lei­tung von Kar­di­nal Vic­tor Manu­el Fernán­dez am 4. Novem­ber 2025 ver­öf­fent­licht wur­de, scheint das Faß für die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten zum Über­lau­fen gebracht zu haben. 

Isolierung und unsichere Zukunft

Mit der Auf­kün­di­gung der kirch­li­chen Gemein­schaft mit Rom ste­hen die Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten weit­ge­hend iso­liert da. Frü­he­re Ver­bin­dun­gen zur Prie­ster­bru­der­schaft St. Pius X. sind seit 2008 bela­stet und wahr­schein­lich nicht ohne wei­te­res reak­ti­vier­bar. Unter­stüt­zung erfolgt der­zeit nur ver­ein­zelt, da der Schritt, die Ein­heit mit Rom auf­zu­kün­di­gen, vie­le abschreckt, nicht zuletzt wegen der dro­hen­den Kon­se­quen­zen. Zustim­mung äußer­te unter ande­rem Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò, der selbst kir­chen­recht­lich ver­ur­teilt ist und Anfang Juli 2024 exkom­mu­ni­ziert wurde.

Es ist zu erwar­ten, daß die zustän­di­gen römi­schen Dik­aste­ri­en auf die Erklä­rung des Ordens reagie­ren wer­den. Eine for­mel­le Fest­stel­lung eines Schis­mas oder ent­spre­chen­de Sank­tio­nen erschei­nen zumin­dest möglich.

Der Fall der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten ver­weist damit auf eine tie­fer­lie­gen­de Kri­se im Ver­hält­nis zwi­schen kirch­li­cher Auto­ri­tät und geleb­ter Tradition.

Ohne die radi­ka­len Schluß­fol­ge­run­gen der Gemein­schaft zu tei­len, bleibt die Fra­ge bestehen, wie ein ech­ter Raum für die über­lie­fer­te Form des Glau­bens­le­bens inner­halb der Kir­che gesi­chert wer­den kann – nicht als blo­ße Dul­dung, aber weit­ge­hen­de struk­tu­rel­le Mar­gi­na­li­sie­rung, son­dern als ech­te Ent­fal­tungs­frei­heit für ein unge­hin­der­tes apo­sto­li­sches und mis­sio­na­ri­sches Wirken.

Papst Leo XIV., seit einem Jahr im Amt, setz­te bis­lang kei­ne erkenn­ba­ren Schrit­te, den unter sei­nem Vor­gän­ger ver­stärk­ten Druck auf die Tra­di­ti­on zu rela­ti­vie­ren, der wesent­lich für den nun erfolg­ten Bruch der Tran­sal­pi­nen Redempto­ri­sten mit Rom war.

Die 38 Jah­re nach den Wei­hen von 1988 nun erneut im Raum ste­hen­den Bischofs­wei­hen durch die Pius­bru­der­schaft dürf­ten eine römi­sche Grund­satz­ent­schei­dung dar­über erzwin­gen, wie künf­tig mit der Tra­di­ti­on inner­halb der Kir­che umge­gan­gen wer­den soll.

Ange­sichts des bis­he­ri­gen Schwei­gens des amtie­ren­den Pap­stes erschei­nen der­zeit alle Sze­na­ri­en offen.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: tvnz 1/LifeSiteNews/papastronsay.com (Screen­shots)

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