Ein Jesuit als Nachfolger für Kardinal Sarah?

Gerüchte über römische Umbesetzungen

(Rom) Seit län­ge­rem gibt es lau­ter wer­den­de Gerüch­te, daß die Ent­fer­nung von Kar­di­nal Robert Sarah als Prä­fekt der Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung bevor­ste­he. Erst­mals wird auch ein kon­kre­ter Name für sei­ne Nach­fol­ge genannt.

Die Gerüch­te sind nicht neu, doch ver­dich­ten sie sich. Kar­di­nal Sarah, ein Kir­chen­mann mit beein­drucken­dem Lebens­lauf, ist einer der pro­fi­lier­te­sten Kir­chen­für­sten unse­rer Zeit. Er war 2014 über­ra­schend von Papst Fran­zis­kus zum Prä­fek­ten der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on beru­fen wor­den. Die­se Ernen­nung gilt seit­her als bis­her bemer­kens­wer­te­ster „Betriebs­un­fall“ in der ber­go­glia­ni­schen Per­so­nal­po­li­tik. Anders aus­ge­drückt: Papst Fran­zis­kus, der bei der Aus­wahl der Kan­di­da­ten nach den pro­gres­siv­sten Bewer­bern Aus­schau hält, sei ein Feh­ler unter­lau­fen, indem er den Kir­chen­mann aus Gui­nea an eine Schlüs­sel­po­si­ti­on setzte.

Robert Sarah, der 1969 für das Bis­tum Cona­kry in Gui­nea zum Prie­ster geweiht wur­de, emp­fing im jun­gen Alter von 34 Jah­ren die Bischofs­wei­he und die Ernen­nung zum Erz­bi­schof von Cona­kry. Die bru­ta­le Kir­chen­ver­fol­gung durch das dama­li­ge kom­mu­ni­sti­sche Regime zwang ihn, früh­zei­tig Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men. 2001 berief ihn Papst Johan­nes Paul II. an die Römi­sche Kurie und ernann­te ihn zum Sekre­tär der Kon­gre­ga­ti­on für die Evan­ge­li­sie­rung der Völ­ker. Papst Bene­dikt XVI. beför­der­te ihn 2010 zum Vor­sit­zen­den des Päpst­li­chen Rats Cor Unum. Im sel­ben Jahr kre­ierte ihn der deut­sche Papst auch zum Kardinal.

Der Papst und der Kardinal: gegensätzliche Sichtweisen

In Rom heißt es, die „Poli­tik der Gesten“, die Papst Fran­zis­kus so mag, habe die­sen ver­an­laßt, einen Schwarz­afri­ka­ner in den klei­nen Kreis der Kar­di­nal­prä­fek­ten einer römi­schen Kon­gre­ga­ti­on auf­zu­neh­men. Schnell stell­te sich jedoch her­aus, daß sowohl das Kir­chen­ver­ständ­nis als auch die Mei­nun­gen zu aktu­el­len poli­ti­schen Fra­gen zwi­schen Papst und Kar­di­nal nicht über­ein­stim­men. Kar­di­nal Sarah ver­tei­dig­te die über­lie­fer­te Ehe- und Moral­leh­re der Kir­che gegen Ver­su­che, Schei­dung und irre­gu­lä­re Ver­bin­dun­gen ein­schließ­lich sol­cher homo­se­xu­el­ler Art durch die Hin­ter­tür anzu­er­ken­nen, wie es Papst Fran­zis­kus mit der Dop­pel­syn­ode über die Fami­lie und mit sei­nem umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia in die Tat umsetz­te. Der Kar­di­nal zöger­te nicht, in einem Gast­kom­men­tar für das Wall Street Jour­nal Keusch­heit als „ein­zi­ge Ant­wort auf homo­se­xu­el­le Nei­gun­gen“ zu benen­nen. Man ver­glei­che die­se Aus­sa­ge mit dem berühmt-berüch­tig­ten Satz von Papst Fran­zis­kus vom Juli 2013, als die­ser zur kon­kret aus­ge­leb­ten Homo­se­xua­li­tät Stel­lung bezie­hen soll­te. Ins­ge­samt warnt der Kar­di­nal vor einem homo­hä­re­ti­schen Kli­ma und for­dert, den „Kate­chis­mus nicht homo-kor­rekt zu zitieren“.

Kar­di­nal Sarah wider­sprach auch, was die von Papst Fran­zis­kus im Ein­klang mit den glo­ba­len Eli­ten geför­der­te Mas­sen­mi­gra­ti­on betrifft. Eben­so stell­te sich Kar­di­nal Sarah gegen die von Fran­zis­kus nicht nur gedul­de­te, sach­lich aber abwe­gi­ge neo­mal­thu­sia­nisch-öko­lo­gi­sti­sche The­se des Estab­lish­ments, es bedür­fe einer drin­gen­den Bevöl­ke­rungs­re­du­zie­rung, sonst dro­he dem Pla­ne­ten der angeb­li­che CO2-Kol­laps.

Zelebration Richtung Osten

Auch in sei­nem Zustän­dig­keits­be­reich, der hei­li­gen Lit­ur­gie, setz­te Kar­di­nal Sarah ganz ande­re Akzen­te als Papst Franziskus.

Nach­dem der Kar­di­nal bei einer Tagung in Lon­don alle Prie­ster auf­ge­for­dert hat­te, wie­der Rich­tung Osten zu zele­brie­ren, und damit ein Herz­stück der „pro­te­stan­ti­sie­ren­den“ Lit­ur­gie­re­form von 1965/1969 auf­zu­ge­ben, war die Auf­re­gung in Rom so groß, daß Fran­zis­kus per­sön­lich, Sarah demen­tier­te. Es sagt viel über das Steh­ver­mö­gen des Schwarz­afri­ka­ners aus, daß er den­noch an sei­ner Auf­for­de­rung fest­hielt und die­se sogar wie­der­hol­te.

Zugleich wur­de dar­in die Iso­lie­rung des „Betriebs­un­falls“ erkenn­bar, die von Papst Fran­zis­kus umge­setzt wur­de. Kar­di­nal Sarah blieb zwar an der Spit­ze der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on, wur­de dort jedoch weit­ge­hend „neu­tra­li­siert“. Die­ser „flüch­te­te“ sich einer­seits in Bücher, von denen er seit­her meh­re­re vor­leg­te und damit welt­weit zu einem wich­ti­gen geist­li­chen Bezugs­punkt für vie­le Gläu­bi­ge wur­de. Ande­rer­seits konn­te nicht unbe­merkt blei­ben, daß er fast häu­fi­ger von Bene­dikt XVI. im Klo­ster Mater Eccle­siae emp­fan­gen wur­de als von Papst Fran­zis­kus, dem er wei­sungs­ge­bun­den ist.

Bene­dikt XVI. ist es auch, der sei­ne schüt­zen­de Hand über den mit sei­nen inzwi­schen 75 Jah­ren noch immer jugend­lich wir­ken­den Kar­di­nal hält. Im Früh­jahr 2017 ließ der deut­sche Papst die Öffent­lich­keit und mehr noch San­ta Mar­ta wis­sen:

„Mit Kar­di­nal Sarah ist die Lit­ur­gie in guten Händen.“

Zuvor hat­ten sich schon ein­mal die Gerüch­te ver­dich­tet, Fran­zis­kus beab­sich­ti­ge den auf­müp­fi­gen Gui­neer wegen des­sen „Angriffs“ auf die Lit­ur­gie­re­form aus der Römi­schen Kurie zu entfernen.

Der Kar­di­nal bedank­te sich am 6. Juni 2017 bei einem Vor­trag in Mai­land mit einer nicht min­der kla­ren Aussage:

„Die Ver­ach­tung für Bene­dikt XVI. ist dia­bo­lisch und bedeckt die Kir­che mit Schande.“

Dabei wäre es ver­kürzt, zu sagen, Kar­di­nal Sarah sei eine Art letz­ter „Ratz­in­ge­ria­ner“ in so hoher Posi­ti­on. Der Pur­pur­trä­ger aus Gui­nea ver­tritt ein noch tra­di­tio­nel­le­res Kir­chen- und Lit­ur­gie­ver­ständ­nis als Bene­dikt XVI., und er tut dies kon­se­quen­ter und akti­ver.
Die Wor­te von Bene­dikt XVI. haben jedoch beson­de­res Gewicht, wenn er im Vor­wort zum Sarah-Buch „Die Kraft der Stil­le“ schreibt:

„Kar­di­nal Sarah hat jedem von uns etwas zu sagen.“

Der Kar­di­nal for­mu­liert es in sei­nem drit­ten, 2019 erschie­ne­nen Buch „Herr bleib bei uns, denn es will Abend wer­dendra­ma­ti­scher:

„Die­ses Buch ist der Schrei mei­nes Her­zens als Prie­ster und Hirte.“

Mater Ecclesiae statt Santa Marta

Die enge Ver­bin­dung des Kar­di­nals mit Bene­dikt XVI. ent­fal­te­te Anfang 2020 eine beson­de­re Wirk­mäch­tig­keit. Als die Ver­öf­fent­li­chung des nach­syn­oda­len Schrei­bens zur Ama­zo­nas­syn­ode bevor­stand und der Papst­freund und Zöli­bats­geg­ner Kar­di­nal Clau­dio Hum­mes, einer der Orga­ni­sa­to­ren der Syn­ode, bereits allen Bischö­fen die unheils­schwan­ge­re Anwei­sung bekannt­gab, der Inhalt des nach­syn­oda­len Schrei­bens sei „zu akzep­tie­ren“, war die Mei­nung unter den Vati­ka­ni­sten ein­hel­lig: Fran­zis­kus wer­de den Anfang vom Ende des prie­ster­li­chen Zöli­bats verkünden. 

Dann platz­te jedoch ein neu­es Buch von Kar­di­nal Sarah wie eine Bom­be in den Raum. Gemein­sam mit Bene­dikt XVI. leg­te er mit „Aus der Tie­fe des Her­zens“ ein Plä­doy­er für den prie­ster­li­chen Zöli­bat und das Wei­he­sa­kra­ment vor. Kar­di­nal Sarah wider­sprach dabei vor allem der in der Kir­che weit­ver­brei­te­ten Mei­nung, der prie­ster­li­che Zöli­bat sei „nur“ ein Gesetz der Kirche.

Kar­di­nal Sarah mit Bene­dikt XVI.

Papst Fran­zis­kus schäum­te, sei­ne Gegen­maß­nah­men wirk­ten aber hilf­los. Vor allem aber geschah eines: Im nach­syn­oda­len Schrei­ben Que­ri­da Ama­zo­nia fehl­ten die befürch­te­ten revo­lu­tio­nä­ren Schritte.

Die Kämpfernatur von ruhigem Temperament und Ausdauer

Der Kar­di­nal aus Gui­nea ist eine Kämp­fer­na­tur, ein Mann kla­rer Wor­te und vor allem unauf­ge­reg­ter Gesten. Vom Tem­pe­ra­ment könn­ten er und Fran­zis­kus kaum ver­schie­de­ner sein. Wäh­rend der regie­ren­de Papst in sei­ner jüng­sten Enzy­kli­ka den offe­nen Schul­ter­schluß mit den „Idea­len“ der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on prak­ti­ziert, stell­te sich Kar­di­nal Sarah auf die ande­re Sei­te der Bar­ri­ka­den mit den Wor­ten:

„Jeder Christ ist gei­stig ein Vendéaner.“

Die katho­li­sche und königs­treue Bevöl­ke­rung der Ven­dée erhob sich 1793–1796 gegen das Unrecht, das von den Revo­lu­tio­nä­ren aus­ging. Die Ant­wort dar­auf waren die „Höl­len­ko­lon­nen“ der Revo­lu­ti­on, die den Auf­stand im Blut erstick­ten. Damals ent­stand der Begriff des Ter­ro­ris­mus, womit – bezeich­nen­der­wei­se – ein Staats­ter­ro­ris­mus gemeint war.

Eben­so ver­steht es Kar­di­nal Sarah lin­ke Lebens­lü­gen mit weni­gen Wor­ten gna­den­los zu ent­zau­bern. So etwa, wenn er zur Ama­zo­nas­syn­ode 2019 mein­te, die postu­lier­ten „Armen des Ama­zo­nas“ sei­en das Pro­dukt eines „bour­geoi­sen Chri­sten­tums“, das sie mißbrauche.

Ein ande­rer Bereich, der Kar­di­nal Sarah beson­ders wich­tig ist, ist die Ehr­furcht vor der hei­li­gen Eucha­ri­stie, wes­halb er wie­der­holt zur knien­den Mund­kom­mu­ni­on auf­rief und ins­ge­samt beklag­te:

„Die Bana­li­sie­rung des Altars und des ihn umge­ben­den hei­li­gen Raums ist zur geist­li­chen Kata­stro­phe geworden.“

„Wenn die Lit­ur­gie das Werk Chri­sti ist, besteht kei­ne Not­wen­dig­keit, daß der Zele­brant sei­ne eige­nen Kom­men­ta­re abgibt.“

Und noch deutlicher:

„Es ist nicht die Viel­zahl von For­meln und Optio­nen sowie die stän­di­ge Ver­än­de­rung der Gebe­te und ein Über­schwang an lit­ur­gi­scher Krea­ti­vi­tät, die Gott gefal­len, son­dern die Met­a­noia, die radi­ka­le inne­re Umkehr und Buße in unse­rem Leben und unse­rem Ver­hal­ten, das ernst­haft durch die Sün­de ver­schmutzt und vom flie­ßen­den Athe­is­mus geprägt ist.“

So ver­steht sich auch sein Blick auf die über­lie­fer­te Form des Römi­schen Ritus und des­sen Bedeu­tung, wenn er 2019 schrieb:

„Der Teu­fel will, daß wir ersticken, des­halb bekämpft er den über­lie­fer­ten Ritus.“

„Was für ein Betrug und was für eine Belei­di­gung für alle Hei­li­gen, die uns vor­aus­ge­gan­gen sind.“

„Das Gift der Apostasie“

Kar­di­nal Sarah hält dem Westen den Spie­gel vor, wo Fran­zis­kus besten­falls kryp­ti­sche Wor­te fin­det. Am 12. Janu­ar 2017 schrieb der Kar­di­nal: „Der Westen ist zum Grab Got­tes geworden“:

„Die west­li­che Kul­tur hat sich orga­ni­siert, als wür­de Gott nicht exi­stie­ren. Wir haben ihn getö­tet. Der Mensch weiß nicht mehr, wer er ist, noch weiß er, wohin er geht.“

„Aus der Tie­fe des Her­zens“, Plä­doy­er für den prie­ster­li­chen Zölibat

Die­se poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Ana­ly­se über­trägt der Kar­di­nal auch auf die Kir­che, wenn er in sei­nem Buch „Herr blei­be bei uns“ schreibt:

„Ein flie­ßen­der Athe­is­mus ist in die Kir­che eingedrungen.“

Kon­kret bedeu­tet das:

„Ich spre­che von die­sem Gift, dem flie­ßen­den Athe­is­mus, des­sen Opfer wir alle sind. Er infil­triert alles, auch unser Spre­chen als Prie­ster. Er besteht dar­in, neben dem Glau­ben Denk- und Lebens­wei­sen zuzu­las­sen, die radi­kal heid­nisch und welt­lich sind.“

„Das zeigt, daß unser Glau­be flie­ßend und inkon­si­stent gewor­den ist! Die erste anzu­stre­ben­de Reform muß die in unse­ren Her­zen sein. Sie besteht dar­in, kei­nen Pakt mehr mit Lügen ein­zu­ge­hen. Der Glau­be ist sowohl der Schatz, den wir ver­tei­di­gen wol­len, als auch die Stär­ke, die es uns ermög­licht, ihn zu verteidigen.“

„Wir ste­hen an einem Wen­de­punkt in der Geschich­te der Kirche.“

Kar­di­nal Sarah hält sich nicht mit „struk­tu­rel­len Fra­gen“ auf, die der poli­ti­schen und kirch­li­chen Lin­ken so wich­tig sind. Er hält nichts von der irri­gen Mei­nung, die Pro­ble­me lie­ßen sich durch „Struk­tur­re­for­men“ aus der Welt schaf­fen. Er weiß, daß der Grund für die Pro­ble­me meist viel tie­fer sitzt und weit vor den „Struk­tu­ren“ zu suchen ist. Daß es not­wen­dig ist, bis zur Wur­zel des Pro­blems vor­zu­drin­gen, um dort anzu­set­zen, dort, wo es um Sün­de und Glau­ben geht – nicht um „Struk­tur­re­for­men“, son­dern um die per­sön­li­che Bekeh­rung. Des­halb ist Kar­di­nal Sarah auch über­zeugt, „daß die „schlei­chen­de Apost­asie Euro­pas nicht ohne Fol­gen blei­ben“ könne.

Wenn der Kar­di­nal aus Gui­nea, der Euro­pa vor dem Ver­lust sei­ner Iden­ti­tät warnt, zum päpst­li­chen Motu pro­prio Magnum Princi­pi­um eine „Prä­zi­sie­rung“ ver­öf­fent­licht, zeigt sich, daß er, wo ihn das Gewis­sen drängt, auch bereit ist, sich direkt dem Papst zu wider­set­zen. Mit die­sem Motu pro­prio „dezen­tra­li­sier­te“ Fran­zis­kus die Über­set­zung der lit­ur­gi­schen Tex­te in die Volks­spra­chen, was im Kern einer Frak­tio­nie­rung des Her­zens der Kir­che, der hei­li­gen Lit­ur­gie, Tür und Tor öff­nen könn­te. Der Kar­di­nal „prä­zi­sier­te“, indem er die Über­lie­fe­rung ver­tei­dig­te. Da die päpst­li­che Auto­ri­tät jene des Kar­di­nals über­ragt, kann er mit San­ta Mar­ta nicht wirk­lich kon­kur­rie­ren, den­noch ist jede die­ser Stel­lung­nah­men von gro­ßer Bedeutung.

Kardinalpräfekt auf Abruf

Es gibt auch Aspek­te, wo man­che sich vom Kar­di­nal mehr gewünscht hät­ten, so in der Coro­na-Kri­se, die weit weni­ger eine Gesund­heits­kri­se, dafür weit mehr eine poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Kri­se ist. Immer­hin gehör­te der Kar­di­nal zu den Unter­stüt­zern des Auf­rufs Veri­tas libe­ra­bit vos (Die Wahr­heit wird euch frei machen), wenn er auch sei­ne Unter­schrift zurückzog.

Im Novem­ber 2019 lief sein fünf­jäh­ri­ges Man­dat als Kar­di­nal­prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on aus. Bis heu­te wur­de es von Fran­zis­kus nicht ver­län­gert. Damit behält sich das Kir­chen­ober­haupt die kir­chen­recht­lich beque­me Posi­ti­on vor, den afri­ka­ni­schen Kar­di­nal jeder­zeit ent­las­sen zu kön­nen. Die­ser voll­ende­te im ver­gan­ge­nen Juni sein 75. Lebens­jahr und erreich­te damit das auch für hohe Kuri­en­mit­ar­bei­ter gel­ten­de kano­ni­sche Rück­tritts­al­ter. Seit­her hängt sei­ne Posi­ti­on gleich dop­pelt allein vom Wohl­wol­len des regie­ren­den Pap­stes ab.

Seit­her ist ein hal­bes Jahr ver­gan­gen und soviel steht fest: Fran­zis­kus bleibt gegen­über Kar­di­nal Sarah beim sanf­ten Weg. Daß Fran­zis­kus auch anders kann, muß­ten die Kar­di­nä­le Ray­mond Bur­ke und Ger­hard Mül­ler erleben.

Den­noch ver­dich­ten sich wie­der die Gerüch­te über eine bal­di­ge Ent­fer­nung des „Fremd­kör­pers“ Kar­di­nal Sarah aus der ber­go­glia­ni­schen Kurie. Wie immer sind sol­che römi­schen Gerüch­te mit der not­wen­di­gen Vor­sicht zu genie­ßen. Erst­mals aber wird ein kon­kre­ter Name als mög­li­cher Nach­fol­ger Sarahs genannt, und zwar von der ultra­pro­gres­si­ven Inter­net­platt­form Reli­gi­on Digi­tal. Obwohl die­se Sei­te eher unter die Rubrik kir­chen­feind­li­cher Medi­en ein­zu­ord­nen wäre, wur­den deren Ver­ant­wort­li­che bereits von Papst Fran­zis­kus empfangen.

Ein Jesuit als möglicher Nachfolger

Gestern berich­te­te Reli­gi­on Digi­tal, daß Papst Fran­zis­kus „ent­schie­den“ habe, daß die spa­ni­sche Kir­che grö­ße­res Gewicht an der Römi­schen Kurie erhal­ten solle:

„Daher wur­de beschlos­sen, daß der der­zei­ti­ge Weih­bi­schof von Madrid, Juan Anto­nio Mar­tí­nez Cami­no, zum neu­en Prä­fek­ten für die Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung ernannt wird – anstel­le des pole­mi­schen Kar­di­nals Sarah.“

Msgr. Juan Anto­nio Mar­tí­nez Cami­no SJ

Nicht nur Spa­ni­ens Kir­che bekä­me dadurch mehr Gewicht. Es wäre mehr noch der Jesui­ten­or­den, der sei­ne star­ke Posi­ti­on unter Fran­zis­kus aus­bau­en könnte.

Der Jesu­it Mar­tí­nez Cami­no war bereits als Bischof von Ciu­dad Rodri­go vor­ge­se­hen, sei­ne Ernen­nung bereits unter­schrifts­fer­tig, als Kar­di­nal Anto­nio Rou­co Vare­la, der von Fran­zis­kus eme­ri­tier­te Erz­bi­schof von Madrid, sei­nen Weih­bi­schof Papst Fran­zis­kus als Prä­fek­ten der römi­schen Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on emp­foh­len habe. Die Emp­feh­lung wer­de auch vom Pri­or des Trap­pi­sten­klo­sters von San Isidro de Due­ñas unter­stützt, mit dem Msgr. Mar­tí­nez SJ sehr ver­bun­den ist und in das er sich bereits für meh­re­re Mona­te zur Vor­be­rei­tung auf neue Bestim­mun­gen zurück­ge­zo­gen hat­te. Auch der amtie­ren­de Erz­bi­schof von Madrid, der 2014 von Fran­zis­kus ernann­te Car­los Kar­di­nal Osoro Sier­ra, habe sei­ne Zustim­mung gegeben.

Eine mit der spa­ni­schen Situa­ti­on bestens ver­trau­te Stim­me wie der Blog Secretum meum mihi sieht in Msgr. Mar­tí­nez SJ, soll­te er Prä­fekt der Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on wer­den, den „Toten­grä­ber“ des Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum.

Sein Dok­to­rat erwarb Mar­tí­nez 1990 an der deut­schen Jesui­ten­hoch­schu­le Sankt Geor­gen mit einer „öku­me­ni­schen“ Arbeit über Pan­nen­berg und Jün­gel. 1974 war er in den Jesui­ten­or­den ein­ge­tre­ten, hat­te 1980 die Prie­ster­wei­he emp­fan­gen und 1992 die fei­er­li­chen Ordens­ge­lüb­de abge­legt. 2003 wur­de er zum Gene­ral­se­kre­tär der Spa­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und 2007 auf Wunsch von Kar­di­nal Rou­co Vare­la von Bene­dikt XVI. zum Weih­bi­schof von Madrid ernannt.

Reli­gi­on Digi­tal ist eine ernst­zu­neh­men­de Stim­me, da sie mit bestimm­ten Krei­sen bis nach San­ta Mar­ta ver­netzt ist. Sicher ist, daß ein­fluß­rei­che Per­so­nen die Opti­on Mar­tí­nez ver­tre­ten. Ob die­se Opti­on mehr ist als nur deren Wunsch, wird sich zeigen.

Schon bald nach der Wahl von Papst Fran­zis­kus rich­te­te sich in der Kir­che so man­che Auf­merk­sam­keit auf den Gui­neer Pur­pur­trä­ger. Seit­her gilt er nicht weni­gen als Wunsch­kan­di­dat. Im näch­sten Kon­kla­ve, auf das Papst Fran­zis­kus schon inten­siv pro­gres­si­stisch hin­ar­bei­tet, könn­te Kar­di­nal Robert Sarah den­noch zum Kreis der „Papa­bi­li“ gehören.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL

1 Kommentar

  1. Jesui­ten sicher­ten von jeher die Macht des Pap­stes. Aller­dings scheint man inzwi­schen zu glau­ben, die­se sei ein welt­lich Ding.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*