Deutsche Anti-Zölibats- und Gender-Front in der Kirche

Von Marx bis Schönenberger

Angriff auf den priesterlichen Zölibat von Modernisten und Feministen.
Angriff auf den priesterlichen Zölibat von Modernisten und Feministen.

(Ber­lin) Der Vor­sit­zen­de der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und eini­ge bischöf­li­che Adla­ten in Deutsch­land gehen inzwi­schen soweit, den Zöli­bat, die Leh­re über die Homo­se­xua­li­tät und die Rol­le der Frau in der Kir­che „ver­bind­lich“ in Fra­ge stel­len zu wol­len. Je näher die Ama­zo­nas­syn­ode rückt, desto unge­dul­di­ger und unge­stü­mer geben sich jene zu erken­nen, die eine „tie­fe­re Agen­da“ mit der Syn­ode verknüpfen. 

Sie haben sich in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren mög­lichst ver­deckt gehal­ten. Das hat sich in zuneh­men­dem Maße geän­dert, seit Papst Fran­zis­kus offi­zi­ell die Ein­be­ru­fung der Syn­ode bekannt­gab. Bis zu jenem Tag im Herbst 2017 wur­de die Syn­oden­ab­sicht bestritten.

Nun kom­men sie also ans Tages­licht, die Ein­flü­ste­rer und Stich­wort­ge­ber, die Dräng­ler und Drücker, die mit der Aus­re­de einer neu­en Pra­xis, eine neue Leh­re instal­lie­ren und letzt­lich eine „ande­re Kir­che“ eta­blie­ren wol­len. Daß es für ein schlech­tes Imi­tat der pro­te­stan­ti­schen Lan­des­kir­chen kei­nen Bedarf gibt, will ihnen nicht ein­leuch­ten. War­um auch?! Im Palais Holn­stein, der fei­nen Münch­ner Wohn­adres­se von Kar­di­nal Marx, ist man bereit, ein­ge­wickelt in den Kir­chen­steu­er­speck und im Ein­klang mit der alt-bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei­en-Qua­dri­ga, sich mit der Rol­le der Angli­ka­ni­schen Kir­che im König­reich Eng­land zufrie­den­zu­ge­ben. Die Kir­che von Eng­land ist eine Kir­che ohne Anhang, aber ihre Füh­rungs­spit­ze glänzt als Teil des Staats­ap­pa­rats. Sie gehört zur Entou­ra­ge der Mäch­ti­gen und darf mit Pomp die präch­ti­ge zere­mo­ni­el­le Kulis­se für Staats­ak­te lie­fern, auch die der Staat nicht ver­zich­ten will.

Kardinal Reinhard Marx
Kar­di­nal Rein­hard Marx

Die offi­zi­el­len Medi­en der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, allen vor­an die Nach­rich­ten­platt­form Katholisch.de bläst mit Eifer ins Horn der „ande­ren“ Kir­che von Marx, Bode & Jung. Nur, Katho­li­sches ist dar­an, trotz des Namens, wenig zu fin­den. Jung, von Fran­zis­kus im ver­gan­ge­nen Jahr zum Bischof von Würz­burg gemacht, ist der Pro­to­typ des „pro­gres­siv­sten Außen­sei­ters“, den Fran­zis­kus für die Ide­al­be­set­zung in den Bis­tü­mern hält. Jung ist kein „Außen­sei­ter“ in der deut­schen Kir­chen­hier­ar­chie, lei­der nicht. Er ist aber ein Außen­sei­ter, was die Glau­bens­leh­re und Kir­chen­ord­nung angeht. Das sen­ti­re cum eccle­sia ist in der Bio­sphä­re man­cher Bischö­fe offen­sicht­lich zum Fremd­wort gewor­den. Sie schwe­ben in so abge­ho­be­nen Höhen, wo die Luft dünn wird, was sich offen­sicht­lich auf das gläu­bi­ge Herz und den christ­li­chen Ver­stand auswirkt.

Ver­hei­ra­te­te Prie­ster, Frau­en­prie­ster­tum, Homo­se­xua­li­tät: Die kirch­li­chen 68er-For­de­run­gen hat das der­zei­ti­ge Pon­ti­fi­kat mit Wucht aus dem Gül­le­tank wie­der her­vor­ge­holt, in dem sie ver­senkt wur­den. Sie haben nicht den Geruch von Scha­fen. Die Ver­ant­wor­tung dafür trägt Fran­zis­kus und nicht nur, aber vor allem und zual­ler­erst er. Gegen Ende der Amts­zeit von Bene­dikt XVI. schie­nen die in die Jah­re gekom­me­nen Alt-68er zu resi­gniert zu haben. Es wur­de still um sie. Den 80. Geburts­tags im Blick, oder schon über­schrit­ten, muß­ten sie sich damit abfin­den, den Lauf der Kir­chen­ge­schich­te nicht mehr beein­flus­sen zu kön­nen. Doch unver­hofft kommt oft. Der Hei­li­ge Geist soll dafür aller­dings nicht bemüht wer­den, das machen bereits die päpst­li­chen Kof­fer­trä­ger zur Genü­ge. Den Hei­li­gen Geist als Vor­wand für Neue­run­gen zu miß­brau­chen, die im Wider­spruch zur kirch­li­chen Über­lie­fe­rung ste­hen, hat viel­mehr etwas blas­phe­mi­sches an sich, das erschau­dern las­sen sollte.

So ver­wun­dert es im deut­schen Revo­lu­ti­ons­kli­ma, 500 Jah­re nach Luthers Auf­be­geh­ren, nicht, daß die offi­zi­el­le Nach­rich­ten­platt­form Katholisch.de die kru­den The­sen der Bene­dik­ti­ne­rin Ruth Schö­nen­ber­ger publi­zier­te. Ob Schö­nen­ber­ger, Bischof Jung von Würz­burg, Bischof Scheu­er von Linz, Bischof Glätt­ler von Inns­bruck usw. usf., die kirch­li­chen Hier­ar­chen, die gegen ihre eige­ne Kir­che arbei­ten, sind zahl­reich. Da die Kir­che eine hier­ar­chi­sche Ver­fas­sung hat, trägt immer der gro­ße Ver­ant­wor­tung, der sie ernannt hat, und der nicht recht­zei­tig das Läu­ten der Kir­chen­glocken gegen den auf­zie­hen­den Sturm anordnet.

Schö­nen­ber­ger beklagt von Tutz­ing aus den „Aus­schluß“ der Frau­en, weil sie nicht zu „Prie­ste­rin­nen“ geweiht wer­den kön­nen. In einer Zeit von Indi­vi­dua­lis­mus, Selbst­ent­fal­tung, fre­ne­ti­schem Ego­is­mus muß das ja auch ein schreck­li­ches Lei­den sein, wenn man will („Ich will“), aber nicht darf. In Schö­nen­ber­gers Erei­fe­rung für das Frau­en­prie­ster­tum offen­bart sich die Fehl­ent­wick­lung, die seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil allen sicht­bar ist, aber von zu vie­len ver­drängt wurde. 

Schö­nen­ber­ger war 1968 18 Jah­re alt. Ihr den­ken ist weder ein Natur­phä­no­men noch ist es vom Him­mel gefal­len. Es ist das Pro­dukt einer Zeit der fal­schen Wei­chen­stel­lun­gen, zu denen ein ande­rer Papst die Türen öff­ne­te, mit dem sich Fran­zis­kus ger­ne ver­gleicht und von Gleich­ge­sinn­ten auch ger­ne ver­gli­chen wird: Johan­nes XXIII. Die Wur­zeln fin­den sich nicht zuletzt im uni­ver­si­tä­ren Bereich der Theo­lo­gie, einer vom Glau­ben los­ge­lö­sten, theo­lo­gi­schen Wis­sen­schaft­lich­keit, oder was man dafür zu hal­ten scheint. Eine im Namen der Wis­sen­schaft vom Glau­ben abge­kop­pel­te Theo­lo­gie ist aber ein Wider­spruch in sich, was in dem abge­schlos­se­nen System aber kaum mehr wahr­ge­nom­men wird.

Prompt wur­den Schö­nen­ber­gers auf­rüh­re­ri­sche Reden auch von La Croix, der Tages­zei­tung der Fran­zö­si­schen Bischofs­kon­fe­renz, abge­druckt. Schö­nen­ber­gers Ver­si­on der Gen­der-Theo­rie besagt, daß der Zugang zum Prie­ster­tum nicht an das Geschlecht gekop­pelt sein dür­fe. Sie sei schließ­lich eine bestens aus­ge­bil­de­te Theo­lo­gin, will sagen, theo­lo­gisch gebil­de­ter als so man­cher Prie­ster. Als der der­zei­ti­ge Papst alle­mal. For­mal mag dem nicht zu wider­spre­chen sein. Doch die Kir­che mißt nicht For­ma­li­tä­ten oder aka­de­mi­sche Abschlüs­se. Ihr Maß­stab ist die Recht­gläu­big­keit und ein demü­ti­ges Die­nen für die Wahr­heit. Dies­be­züg­lich fällt Schö­nen­ber­ger mit ihrer For­de­rung nach dem Frau­en­prie­ster­tum mit Pau­ken und Trom­pe­ten bereits bei der ersten und leich­te­sten Prü­fung durch. 

Es ist allein der Ungeist des Rela­ti­vis­mus, der sich in der Kir­che breit­ma­chen konn­te, der ihren Angriff gegen die Kir­che aus dem inne­ren her­aus mög­lich macht. Schuld ist die lan­ge Dul­dung einer Fehl­ent­wick­lung in der Hoff­nung, es wer­de sich schon irgend­wie alles rich­ten. Mit der Ver­ant­wor­tung, die den Hier­ar­chen anver­traut wur­de, sind zu vie­le zu lan­ge sträf­lich umge­gan­gen. Häu­fig wird es Bequem­lich­keit gewe­sen sein. Es fehl­te und fehlt aber nicht an Über­zeu­gungs­tä­tern. Nun sit­zen die gei­sti­gen Schis­ma­ti­ker und fak­ti­schen Häre­ti­ker bereits im Bischofs­amt und höher und for­dern Par­r­he­sia nicht für die Wahr­heit, son­dern im Namen des Rela­ti­vis­mus, der zum alles legi­ti­mie­ren­den letz­ten Maß­stab erho­ben wird. 

Der bekann­te öster­rei­chi­sche Phi­lo­soph Josef Sei­fert nann­te die im Doku­ment für die mensch­li­che Brü­der­lich­keit ent­hal­te­ne Behaup­tung, alle Reli­gio­nen sei­en gott­ge­wollt, die „Häre­sie der Häre­si­en“, weil dar­in der Rela­ti­vis­mus auf die Spit­ze getrie­ben sei, indem Gott selbst zum Rela­ti­vi­sten gemacht wird. 

Es war Papst Fran­zis­kus, der das Doku­ment unter­zeich­net hat, das nicht in den Schreib­stu­ben des Groß­i­mams von Al-Azhar, son­dern viel­mehr in den infor­mell ver­ein­ten Schreib­stu­ben des Vati­kans und der UNO ent­stan­den ist (Kuri­en­bi­schof Manu­el San­chez Soron­do läßt grü­ßen). Bis­her folg­te kein Demen­ti und auch kei­ne erklä­ren­de Inter­pre­ta­ti­on. Eine hin­ter ver­schlos­se­nen Türen auf mehr­fa­che Nach­fra­ge hin gege­be­ne, halb­her­zi­ge „Inter­pre­ta­ti­on“ hilft dies­be­züg­lich nicht wei­ter, son­dern ver­schlei­ert eher die bis­her wahr­schein­lich schwer­wie­gend­ste Wun­de, die Fran­zis­kus der katho­li­schen Kir­che zufügte. 

Die Hoff­nung Gut­mei­nen­der, Fran­zis­kus wer­de schon nicht so weit gehen, den Zöli­bat zu einem Schat­ten­da­sein zu ver­dam­men und ver­hei­ra­te­te Prie­ster ein­füh­ren, klam­mert sich an einen Stroh­halm. Die Erfah­rung von sechs Jah­ren Fran­zis­kus spricht eine ande­re Spra­che. Er wird, wenn er will! Und es sind ein­fluß­rei­che Pur­pur­trä­ger unter sei­nen Wäh­lern, die wol­len. Er wird es auf die von ihm bekann­te Art und Wei­se tun, ohne offi­zi­el­len Beschluß, ohne direk­te Spu­ren zu hin­ter­las­sen, durch eine zwei­deu­ti­ge For­mu­lie­rung in einem lehr­amt­li­chen Doku­ment und dem hin­ter den Kulis­sen signa­li­sier­ten grü­nen Licht an die eif­rig­sten Bischö­fe, die es nicht mehr erwar­ten kön­nen, voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen zu dür­fen. Fran­zis­kus wird ent­spre­chen­de Richt­li­ni­en, dann als „ein­zig mög­li­che Inter­pre­ta­ti­on“ loben, aber jedem Kri­ti­ker wider­spre­chen. bes­ser wider­spre­chen las­sen, der behaup­tet, er habe dem Zöli­bat den Dolch­stoß versetzt.

Dabei steht viel auf dem Spiel: Es geht um die Ver­fas­sung der Kir­che selbst, um das Wei­he­sa­kra­ment und letzt­lich auch die apo­sto­li­sche Suk­zes­si­on. Nur die latei­ni­sche Kir­che hat nach zwei­tau­send Jah­ren den prie­ster­li­chen Zöli­bat bei­be­hal­ten kön­nen. Die pro­phe­ti­sche Gna­de wird aber nicht mehr erkannt, nicht ein­mal von jenen, die von sich sagen, „per­sön­lich kein Pro­blem“ mit dem Zöli­bat zu haben.

Der Histo­ri­ker Rober­to de Mattei beschrieb bereits vor Jah­ren das in die Kir­che ein­ge­drun­ge­ne Hegel­sche Para­dig­ma eines Pri­mats der Pra­xis über die Glau­bens­leh­re. De Mattei beschrieb als sen­si­bler Beob­ach­ter früh­zei­tig, wir sind im Febru­ar 2014, auch das Phä­no­men des Motus in fine velo­ci­or, einer in bestimm­ten Momen­ten der Geschich­te ein­tre­ten­den Beschleunigung. 

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: katholisch.de/Rome Report/Youtube (Screen­shot)

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