Riad und die all-islamische Allianz unter saudischer Führung — mit Hilfe der USA und gegen die Schiiten

Saudi-Arabien und der Iran
Saudi-Arabien und der Iran

(Riad) Vom 20.–23. Mai ist die sau­di­sche Haupt­stadt Riad Aus­tra­gungs­ort eines Gip­fel­tref­fens, an dem 55 mehr­heit­lich mus­li­mi­sche Staa­ten teil­neh­men. Anwe­send ist auch US-Prä­si­dent Donald Trump, den sei­ne erste Aus­lands­rei­se nach Riad führt. Gleich im Anschluß dar­an wird er am 24. Mai Papst Fran­zis­kus im Vati­kan tref­fen und dann am G7-Gip­fel im sizi­lia­ni­schen Taor­mi­na teil­neh­men.
Unter­des­sen über­legt Ban­gla­desch Trup­pen zum Schutz der „Hei­li­gen Stät­ten“ des Islams in das waha­bi­ti­sche König­reich zu ent­sen­den. Im Mit­tel­punkt der isla­mi­schen Kon­fe­renz ste­hen die Lage im Nahen Osten und die Bil­dung einer ara­bisch-sun­ni­ti­sche Alli­anz gegen den schii­ti­schen Iran. Dem sau­di­schen König­reich schwebt sogar die Bil­dung einer „all-isla­mi­schen Alli­anz“ unter sei­ner Füh­rung vor, die mit Hil­fe der USA ent­ste­hen soll.

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Ban­gla­deschs Außen­mi­ni­ster Mah­mood Ali gab am Vor­abend des sun­ni­ti­schen Gip­fel­tref­fens bekannt, daß sein Land ernst­haft erwägt, Trup­pen nach Sau­di-Ara­bi­en zu ver­le­gen. Zur Begrün­dung nann­te er den „Schutz der hei­li­gen Stät­ten des Islams“, um jedoch hin­zu­zu­fü­gen, daß „der Wel­le extre­mi­sti­scher Gewalt“ im Nahen Osten ein Ende gesetzt wer­den sol­le.

Religion im Nahen Osten
Reli­gi­on im Nahen Osten (anklicken)

Der isla­mi­sche Gip­fel fin­det vor dem Hin­ter­grund sau­di­scher Bestre­bun­gen statt, eine neue, poli­ti­sche Alli­anz zu schmie­den, um den ira­ni­schen Ein­fluß in der Regi­on und ins­ge­samt in der isla­mi­schen Welt zurück­zu­drän­gen. An dem Gip­fel neh­men auch die Staats- und Regie­rungs­chefs der Tür­kei, von Indo­ne­si­en, Niger und Bru­nei teil. In der isla­mi­schen Welt bewegt sich etwas.

Die Dele­ga­ti­on von Ban­gla­desch, einem Land mit 145 Mil­lio­nen Mus­li­men, wird von Pre­mier­mi­ni­ste­rin Hasi­na Wajed ange­führt. Er will in Riad das Ange­bot machen, Trup­pen nach Sau­di-Ara­bi­en zu ver­le­gen, um den „Ter­ro­ris­mus zu bekämp­fen“. Das Ange­bot bestä­tigt die engen Bezie­hun­gen zwi­schen den bei­den Län­dern. Vor allem setzt er das The­ma Iran auf die Tages­ord­nung. Unter „Ter­ro­ris­mus“ ist nicht in erster Linie die Bekämp­fung der Ter­ror­mi­liz Isla­mi­scher Staat (IS) gemeint, denn die Dschi­ha­di­sten sind Sun­ni­ten. Als Ter­ro­ri­sten bezeich­nen die ara­bi­schen Sun­ni­ten vor allem die ihnen ver­haß­ten Schii­ten.

Die Schii­ten haben unter den Mus­li­men die Mehr­heit im Iran, Aser­bai­dschan, Bah­rain, Irak und Liba­non. Im Jemen hal­ten sich Sun­ni­ten und Schii­ten fast die Waa­ge. Star­ke schii­ti­sche Min­der­hei­ten gibt es zudem in Syri­en, der Tür­kei , Kuwait, Afgha­ni­stan, aber auch Sau­di-Ara­bi­en ( bis zu 25 Pro­zent). In Paki­stan und Indi­en machen die Schii­ten rund 15 Pro­zent der mus­li­mi­schen Bevöl­ke­rung aus.

560 Moscheen allein in Bangladesch mit saudischem Geld erbaut

Den Sau­dis ist es sehr ernst. Vor dem heu­te begon­ne­nen isla­mi­schen Gip­fel fand bereits ein Außen­mi­ni­ster­tref­fen der Staa­ten des Golf-Koope­ra­ti­ons­ra­tes statt. Ihm gehö­ren alle ara­bisch-sun­ni­ti­schen Mon­ar­chi­en auf der ara­bi­schen Halb­in­sel an. Der Koope­ra­ti­ons­rat umfaßt ein weit­ge­hend unfrucht­ba­re Flä­che von drei Mil­lio­nen Qua­drat­ki­lo­me­tern, das von nur 40 Mil­lio­nen Men­schen bewohnt wird, dafür aber über ein Brut­to­in­lands­pro­dukt ver­fügt, das fast drei­mal so groß ist als jenes der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Golf Kooperationsrat Mai 2017
Golf-Koope­ra­ti­ons­rat, Gip­fel­tref­fen, Mai 2017

Der ben­ga­li­sche Außen­mi­ni­ster Ali mein­te, es sei noch ver­früht, von einer „Alli­anz“ zu spre­chen, weil es noch kei­ne schrift­li­chen Ver­trä­ge gebe. In Ban­gla­desch fürch­tet man offen­bar, zu sehr in den sau­disch-ira­ni­schen Kon­flikt ver­wickelt zu wer­den, der auch Syri­en, den Liba­non, den Jemen und meh­re­re ara­bi­sche Emi­ra­te am Per­si­schen Golf betrifft, aber noch auf wei­te­re Län­der über­grei­fen könn­te.

Die Gefahr eines erwei­ter­ten sun­ni­tisch-schii­ti­schen Zusam­men­pralls wird von Nah­ost-Exper­ten als rea­li­stisch ein­ge­stuft wegen des stän­dig wach­sen­den Ein­flus­ses, den Sau­di-Ara­bi­en auf die Sun­ni­ten der gan­zen Welt aus­übt. Allein in Ban­gla­desch gibt es min­de­stens 560 Mosche­en, die mit sau­di­schem Geld erbaut wur­den. Die Mosche­en sichern den Waha­bi­ten Ein­fluß auf die Bestel­lung der Ima­me und damit auf die Beein­flus­sung der ört­li­chen Mus­li­me. Zudem leben rund 2,5 Mil­lio­nen Ben­ga­len als Arbeits­kräf­te in Sau­di-Ara­bi­en. Das Geld, das zu den Fami­li­en in die Hei­mat fließt, sichert dem Staat Ban­gla­desch wich­ti­ge Ein­nah­men.

Wahabiten wollen Führungsrolle im Islam — Wie entscheidet Trump?

Saudischer König Salman mit Bangladeschs Premierministerin Hasani Wajed
Sau­di­scher König Sal­man mit Ban­gla­deschs Pre­mier­mi­ni­ste­rin Hasa­ni Wajed

Moham­med Sahi­duz­am­man vom Insti­tut für Inter­na­tio­na­le Bezie­hun­gen der Uni­ver­si­tät Dha­ka bestä­tigt sau­di­sche Bemü­hun­gen um eine sun­ni­ti­sche „Alli­anz“. Die Ver­su­che lau­fen unter dem Stich­wort „Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung“. Kon­kret geht es dabei um das sau­di­sche Ziel, die Füh­rung in der isla­mi­sche Welt zu über­neh­men. Dazu fühlt sich der Waha­bis­mus, die radi­kal­ste Form des Islam,  dem das sau­di­sche Königs­haus anhängt, von Allah beru­fen, weil er ihm die Kon­trol­le über die „hei­li­gen Stät­ten“ Mek­ka und Medi­na über­tra­gen habe. Ban­gla­desch erhal­te kräf­tig Finanz­hil­fe von Sau­di-Ara­bi­en, so Sahi­duz­am­man. „Nun ist es Sau­di-Ara­bi­en, das eine Hil­fe wünscht, und Ban­gla­desch wird sie nicht ver­wei­gern.“

Die Augen der inter­na­tio­na­len Staa­ten­ge­mein­schaft wer­den aber pri­mär auf US-Prä­si­dent Trump gerich­tet sein, der nicht zufäl­lig Riad als Ziel sei­ner ersten Aus­lands­rei­se gewählt hat. Die Geste hat hohen sym­bo­li­schen Cha­rak­ter. Sie zeigt, daß Trump im Nahen Osten und in der isla­mi­schen Welt wei­ter­hin auf Sau­di-Ara­bi­en setzt und damit die US-Außen­po­li­tik in der Regi­on nicht zu ändern beab­sich­tigt. Viel­mehr wird er ver­su­chen, die in der letz­ten Pha­se der Prä­si­dent­schaft von Barack Oba­ma abge­kühl­ten Bezie­hun­gen wie­der­zu­be­le­ben. Grund für die Abküh­lung war vor allem das Atom-Abkom­men mit dem Iran, das Riad ablehnt. Noch steht nicht fest, wie sich Trump in der Fra­ge ent­schei­den wird. Bei­de Optio­nen, bevor­zug­te Bezie­hun­gen mit Sau­di-Ara­bi­en und Nukle­arab­kom­men mit Tehe­ran, wer­den aber nicht mög­lich sein.

König Salman versucht die USA zu gebrauchen, um eine all-islamische Allianz zu schmieden

Saudischer Luftangriff im Jemen
Sau­di­scher Luft­an­griff im Jemen

Oba­ma sicher­te dem Waha­bi­ten­staat am Ende sei­ner Amts­zeit immer­hin eine gigan­ti­sche Mili­tär­hil­fe von 15 Mil­li­ar­den Dol­lar zu. Geld, das — so Kri­ti­ker — direkt in die zahl­rei­chen bewaff­ne­ten Kon­flik­te flie­ßen wird, an den Sau­di-Ara­bi­en direkt oder indi­rekt betei­ligt ist. Erst am 17. Mai erfolg­te ein Luft­an­griff der sau­disch geführ­ten Mili­tär-Koali­ti­on im Jemen gegen die Huthi, einer schii­ti­schen Bür­ger­kriegs­par­tei des Lan­des. Bei dem Angriff in der Regi­on Maw­zaa nahe der Stadt Taez kamen, laut der den Rebel­len nahe­ste­hen­den Pres­se­agen­tur Saba, 23 Men­schen ums Leben, dar­un­ter auch Frau­en und Kin­der. Sogar anony­me, regie­rungs­na­he, sun­ni­tisch-jeme­ni­ti­sche Quel­len spre­chen von einem „Feh­ler“ bei der Aus­wahl des Angriffs­ziels. Riad schweigt zur gan­zen Sache, weil die west­li­che Staa­ten­ge­mein­schaft von den Waha­bi­ten kei­ne Auf­klä­rung for­dert.

Der Sau­di Sal­man Al-Ansari, Vor­sit­zen­der des Sau­di Ame­ri­can Public Rela­ti­on Affairs Com­mit­tee (SAPRAC) mit Sitz in Washing­ton, brach­te das Gip­fel­tref­fen mit Trump so auf den Punkt:

“Das Tref­fen ist eine kla­re Bot­schaft an den Iran in Sachen glo­ba­lem Kon­sens und glo­ba­lem Abkom­men zwi­schen den USA und der ara­bi­schen und mus­li­mi­schen Welt.“

Die­se Absicht des sau­di­schen Königs­hau­ses bestä­tigt auch Andre­as Krieg vom Defence Stu­dies Depart­ment des King’s Col­le­ge Lon­don. König Sal­man ver­su­che die USA zu gebrau­chen, um eine gro­ße „all-isla­mi­sche Alli­anz unter sau­di­scher Füh­rung“ zu for­men.

Text: Asianews/Andreas Becker
Bild: Asianews/MiL

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2 Kommentare

  1. Die Poli­tik des Westens ist — spä­te­stens seit Oba­ma — voll­kom­men wahn­sin­nig. Die isla­mi­sti­schen Macht­ha­ber der Welt wer­den gestärkt, die säku­la­ren bekämpft. Oba­ma ließ Muba­rak fal­len (sei­ne Sym­pa­thi­en für die Isla­mi­sten waren ja spä­te­stens klar, als er für sei­ne Kai­ro­er Rede Plät­ze für die als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuf­te Bro­ther­hood Plät­ze in der ersten Rei­he reser­vie­ren ließ).

    Ich bin davon über­zeugt, dass Assad uns als Ver­bün­de­tet bes­ser zu Gesicht stün­de als die Sau­dis und als Erdogan. Machen wir uns nichts vor: Die Geg­ner Assads, das ist in erster Linie der IS, und die­se „Rebel­len“ konn­ten sehr schnell mit ame­ri­ka­ni­schen Waf­fen aus­ge­stat­tet wer­den (anders als die Kur­den, die den IS bekämpf­ten).

    Der Krieg gegen Assad liegt natür­lich im Inter­es­se der Sau­dis, die in Syri­en ein (sun­ni­tisch) isla­mi­sti­sches Regime instal­lie­ren wol­len. Dar­über hin­aus aber dient der Krieg einem wei­te­ren Ziel: Euro­pa wird durch die Flücht­lin­ge mit Mus­li­men geflu­tet — und die Isla­mi­sie­rung Euro­pas liegt natür­lich auch im Inter­es­se der Sau­dis. Die finan­zie­ren ja auch vie­le der NGOs, die die Flücht­lin­ge nach Euro­pa holen. Jeder müss­te eigent­lich wis­sen, dass ihnen vor Ort hät­te gehol­fen wer­den müs­sen. Aber für die­se Art der Hil­fe wür­den die Sau­dis natür­lich kein Geld locker machen.

    • Der Westen ver­kommt immer mehr in sei­ner Moral. Moral kann man es schon gar nicht mehr nen­nen, weil es Lüge über Lüge ent­hält.

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