Der gemäßigte Islam „ist eine Häresie“ — Ein ägyptischer Jesuit schlägt Alarm: „Der Islam ist eine Religion des Schwertes“

Weltherrschaftsanspruch: Islam, eine "Religion des Schwertes"
Weltherrschaftsanspruch: Islam, eine "Religion des Schwertes"

(Rom/Kairo) Papst Fran­zis­kus wird in zehn Tagen sei­nen Ägyp­ten-Besuch begin­nen. Die zwei­tä­gi­ge Rei­se führt ihn in ein Land, das vom blu­ti­gen Palm­sonn­tag gezeich­net ist. Die christ­li­che Min­der­heit des Lan­des, allen vor­an die Kop­ten, sind erschüt­tert. Zwei Selbst­mord­at­ten­ta­te auf kop­ti­sche Kir­chen for­der­ten mehr als 40 Tote und weit über 100 Ver­letz­te. Die Atten­ta­te wur­den gezielt ver­übt, als sich die Chri­sten zur Hei­li­gen Mes­se ver­sam­melt hat­ten. Die Täter hat­ten es dar­auf abge­se­hen, mög­lichst vie­le Chri­sten zu töten. Ein ägyp­ti­scher Jesu­it schlägt nun Alarm und bezeich­net den Islam als „Reli­gi­on des Schwer­tes“ und nicht des Frie­dens.

Das vatikanische Mantra

„Das Man­tra der vati­ka­ni­schen Behör­den, allen vor­an des Pap­stes, lau­tet wei­ter­hin: ‚Der Islam ist eine Reli­gi­on des Frie­dens‘. Es ist streng­stens ver­bo­ten, von einem ‚Reli­gi­ons­krieg‘ oder einem ‚isla­mi­schen Ter­ro­ris­mus‘ zu spre­chen.“

Mit die­sen Wor­ten kom­men­tier­te der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster die Hal­tung des Pap­stes zum Islam. Der Jesu­it P. Lucia­no Lari­ve­ra hat­te 2014 hin­ge­gen in einem Leit­ar­ti­kel der römi­schen Jesui­ten­zeit­schrift La Civil­tà  Cat­to­li­ca gewagt, die nack­te Wirk­lich­keit über den Islam zu schrei­ben:

„Er führt einen Krieg der Reli­gi­on und der Ver­nich­tung.“

P. Henri Boulad SJ
P. Hen­ri Bou­lad SJ

Umge­hend wur­de er vom Schrift­lei­ter der Zeit­schrift, Pater Anto­nio Spa­daro, einem der eng­sten Ver­trau­ten von Papst Fran­zis­kus, demen­tiert. Die unver­blüm­te, vor aller Augen lie­gen­de Wahr­heit über den Islam, die sein Mit­bru­der Lari­ve­ra zu Papier gebracht hat­te, durf­te nicht sein und darf auch heu­te nicht sein — jeden­falls nicht für die päpst­li­che Dia­log-Poli­tik.

Im Zei­chen die­ses inter­re­li­giö­sen Dia­logs steht auch die bevor­ste­hen­de Ägyp­ten-Rei­se des Pap­stes. Die Dschi­ha­di­sten war­fen nun ihren blu­ti­gen Schat­ten auf den Besuch. Eine Tat­sa­che, die ganz und gar nicht in das vati­ka­ni­sche Kon­zept des „fried­li­chen“ Islams paßt. Die Mor­de an den Chri­sten erhö­hen den Druck auf den Papst, Ägyp­ten nicht nur als isla­mi­sches Land zu besu­chen, son­dern auch als christ­li­ches Land. Christ­lich war Ägyp­ten schon, bevor der Islam dort hin­kam.

Nun ist es erneut ein Jesu­it und Mit­bru­der des Pap­stes, der – die­ses Mal im Osser­va­to­re Roma­no – wie Lari­ve­ra in Sachen Islam Alarm schlägt. Es han­delt sich um Pater Hen­ri Bou­lad. Der 86 Jah­re alte Prie­ster wur­de in Alex­an­dria in Ägyp­ten, dem Zen­trum der kop­ti­schen Chri­sten, gebo­ren. Er ent­stammt einer Fami­lie syri­scher Mel­ki­ten, die 1860 den chri­sten­feind­li­chen Mas­sa­kern ent­ron­nen ist. Die mei­sten Geschich­ten der christ­li­chen Fami­li­en des Nahen Ostens lesen sich ähn­lich als Geschich­te der Chri­sten­ver­fol­gung.

Hen­ri Bou­lad stu­dier­te im Liba­non, Ägyp­ten, Frank­reich und den USA. Er hat neben sei­nen syri­schen Wur­zeln auch ita­lie­ni­sche Vor­fah­ren und ist seit dem 16. März 2017 unga­ri­scher Staats­bür­ger auf­grund der Poli­tik zum Schutz der Chri­sten und der christ­li­chen Wer­te der unga­ri­schen Regie­rung. Sei­ne Fami­lie ent­stammt dem vor­neh­men, christ­li­chen Damas­ze­ner Bür­ger­tum, das der Kir­che vie­le Prie­ster und bekann­te Per­sön­lich­kei­ten geschenkt hat, bis sie vor der anti­christ­li­chen Pogro­men flüch­ten muß­te. Pater Bou­lad wur­de im mel­ki­ti­schen Ritus zum Prie­ster geweiht. 2010 präg­te er das Wort: „Euro­pa hat sei­ne See­le ver­lo­ren“.

Pater Bou­lad lebt in Kai­ro. Das Inter­view mit ihm führ­te Rosel­la Fabia­ni und wur­de am 13. April, dem Grün­don­ners­tag, vom Osser­va­to­re Roma­no ver­öf­fent­licht. Ein Aus­zug.

„Der gemäßigte Islam ist eine Häresie“

Osser­va­to­re Roma­no: Pater Bou­lad, Sie waren Rek­tor des Jesui­ten­kol­legs von Kai­ro, wo vie­le Mus­li­me und Chri­sten stu­diert haben. Ein kon­kre­tes Bei­spiel des Zusam­men­le­bens. Den­noch scheint heu­te die Welt vom sel­ben Islam ange­grif­fen.

Hen­ri Bou­lad: Von wel­chem Islam reden wir? Das ist die Fra­ge. Im Koran gibt es die Mek­ka­ni­schen und die Medi­nen­si­schen Suren. Moham­med führt einen sehr offe­nen Dis­kurs, der von Lie­be spricht, davon, daß die Juden und Chri­sten Freun­de sind, es gibt kei­nen Zwang in der Reli­gi­on, und Gott ist uns näher. Der erste Teil im Leben Moham­meds ver­mit­telt eine spi­ri­tu­el­le Bot­schaft der Ver­söh­nung und der Offen­heit.
Als Moham­med aber Mek­ka ver­läßt, um Medi­na zu grün­den, fin­det ein Wan­del statt. Vom geist­li­chen Füh­rer wird er zu einem Staats­ober­haupt, zu einem poli­ti­schen und mili­tä­ri­schen Füh­rer. Heu­te sind Drei­vier­tel des Korans Medi­na-Suren, und die sind ein Auf­ruf zum Krieg, zur Gewalt und zum Kampf gegen die Chri­sten.
Die Mus­li­me des 9. und 10. Jahr­hun­derts waren sich die­ses Wider­spruchs bewußt und ver­such­ten ihn zu lösen. Das Ergeb­nis war, daß sie jene berühm­te Ent­schei­dung über die „abschaf­fen­den“ und „abge­schaff­ten“ Suren tra­fen: Die Medi­nen­si­schen Suren heben die Mek­ka­ni­schen Suren auf. Nicht nur das: Der Sufis­mus wird abge­lehnt und gan­ze Biblio­the­ken wur­den in Ägyp­ten und in Nord­afri­ka ver­brannt.
Man müß­te also die Ori­gi­nal­su­ren wie­der auf­grei­fen, die die Quel­le bil­den. Das sind eben die Suren von Mek­ka. Die­se wur­den aber abge­schafft, und das macht die mus­li­mi­sche Reli­gi­on zu einer Reli­gi­on des Schwer­tes.

Osser­va­to­re Roma­no: Vie­le Beob­ach­ter und Ana­ly­sten spre­chen jedoch von einem gemä­ßig­ten Islam.

Hen­ri Bou­lad: Der gemä­ßig­te Islam ist eine Häre­sie. Wir müs­sen aber zwi­schen den Leu­ten und der Ideo­lo­gie unter­schei­den. Der Groß­teil der Mus­li­me ist sehr offen, freund­lich und gemä­ßigt. Die in den Schul­bü­chern gelehr­te Ideo­lo­gie ist aber radi­kal. Jeden Frei­tag hören die Kin­der die Pre­digt in der Moschee, die eine stän­di­ge Auf­wie­ge­lung ist: Wer die mus­li­mi­sche Reli­gi­on auf­gibt, muß mit dem Tod bestraft wer­den; Frau­en oder Ungläu­bi­ge hat man nicht zu grü­ßen. Zum Glück wird das nicht prak­ti­ziert. Die Mus­lim­brü­der und die Sala­fi­sten wol­len die­se Leh­re aber, und die gemä­ßig­ten Mus­li­me haben kei­ne Stim­me. Die Macht liegt in der Hand jener, die den Anspruch erhe­ben, die Ortho­do­xie und die Wahr­heit zu inter­pre­tie­ren.
Heu­te haben nicht jene Mus­li­me die Macht, die vom Islam das über­nom­men haben, was mit der Moder­ne und dem Zusam­men­le­ben mit ande­ren Leu­ten ver­ein­bar ist, son­dern die radi­ka­len Mus­li­me, jene, die eine wört­li­che und manch­mal auch instru­men­tel­le Aus­le­gung des Korans anwen­den, und die jeden Dia­log ableh­nen.

Osser­va­to­re Roma­no: Auf die­se Wei­se aber ver­leug­nen sie das Werk aller gro­ßen mus­li­mi­schen Den­ker von Avicen­na bis Alga­zel.

Henri Boulad auf dem Schoß seiner Mutter 1932
Hen­ri Bou­lad auf dem Schoß sei­ner Mut­ter 1932

Hen­ri Bou­lad: Ja, das ist der sen­si­ble Punkt. Die Reform, die es in der Geschich­te des Islams gege­ben hat, wur­de abge­lehnt. Der Abba­si­den­ka­lif Al-Mamun, gebo­ren 786 in Bag­dad, gestor­ben 833 in Tar­sus, ein Anhän­ger der Muta­zi­li­ten, der isla­mi­schen Ratio­na­li­sten, zum Bei­spiel, ver­such­te eine Reform Wer erin­nert sich jedoch heu­te noch an ihn? Es hat der abge­schlos­se­ne und stren­ge Islam des Muham­mad ibn Abd al-Wah­hab obsiegt. Die letz­te Reform wur­de von Scheich Mah­mud Muham­mad Taha im Sudan ver­sucht, der jedoch auf dem Haupt­platz in Kar­thum auf­ge­hängt wur­de, weil er gesagt hat­te, daß die Mek­ka­ni­schen Suren die Medi­nen­si­schen Suren auf­he­ben soll­ten.
Es ist ein inter­nes Pro­blem des Islams, der kei­ne Ant­wor­ten auf die Fra­gen des moder­nen Lebens bie­tet und vor der Not­wen­dig­keit steht, sich selbst zu refor­mie­ren. Der Islam bräuch­te ein Zwei­tes Vati­ka­ni­sches Kon­zil.

Osser­va­to­re Roma­no: Vor wel­chen Her­aus­for­de­run­gen steht heu­te Ägyp­ten?

Hen­ri Bou­lad: Ein Phä­no­men, über das sel­ten gespro­chen wird, ist der Athe­is­mus. In Ägyp­ten gibt es mehr als zwei Mil­lio­nen Athe­isten. Sie sind es gewor­den, weil sie die Reli­gi­on als Auf­wie­ge­lung zur Gewalt oder zu Hin­rich­tun­gen nicht mehr ertra­gen. Dar­in ist nichts Gött­li­ches. Sie wol­len kei­nen Fana­tis­mus mehr, kei­ne Lit­ur­gie als mecha­ni­sche Wie­der­ho­lung von Gesten und Gebe­ten. Die Reli­gi­on auf­zu­ge­ben ist etwas ganz Neu­es in Ägyp­ten und in der ara­bi­schen Welt.

Einleitung/Übersetzung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: MiL/ujember.hu/henriboulad (Screen­shots)

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2 Kommentare

  1. wenn Papst Fran­zis­kus sagt der Islam sei eine Reli­gi­on des Frie­dens , dann ist das so .Papst F. lehnt es ab von Dis­kri­mi­nie­rung oder gar von Chri­sten­ver­fol­gung in isla­misch gepräg­ten Län­dern zu spre­chen. Unab­hän­gi­ge Zei­tun­gen , Medi­en usw. lügen also, wenn sie von gegen­tei­li­gem berich­ten. Es gibt also kei­nen IS der sei­ne Anschlä­ge mit dem Islam begrün­det. Er ver­ur­teilt die Anschlä­ge und fin­det sie abscheu­lich . Aber ist der Papst. Ist er so mit im Recht und reicht das. Es ist heu­te bekannt ‚daß sei­ne Hei­lig­keit Pius Xii. unzäh­li­ge Juden in römi­schen Klö­stern und im Vati­can ver­stecken ließ. War die­ser Mann barm­her­zig. Papst Fran­zis­kus ist barm­her­zig. Das weiß die gan­ze Welt. Ich erwar­te von Papst Fran­zis­kus der der Stell­ver­tre­ter Christ ist und sich auch in der Nach­fol­ge des Hei­li­gen Franz von Assi­si sieht mehr. Net­te Gesten , unver­bind­li­che Pre­dig­ten sein so wohl als auch Gere­de was den Glau­ben, die Leh­re der Kir­che betrifft sind für die Men­schen sicher­lich zu wenig. Es gibt eine gei­sti­ge Barm­her­zig­keit, dar­über gilt es an ande­rer Stel­le zu medi­tie­ren.

  2. Wer hät­te je gedacht, dass der Athe­is­mus ein­mal wie ein Hoff­nungs­schim­mer aus­se­hen könn­te…
    Was impli­ziert Hen­ri Bou­lad aber mit der Aus­sa­ge, der Islam bräuch­te ein „zwei­tes Vati­ka­ni­sches Kon­zil“, gemacht im Zusam­men­hang mit der Fest­stel­lung, der Islam gebe kei­ne Ant­wor­ten auf die Fra­gen des moder­nen Lebens? Dass genau die­ses Kon­zil genau die­se Ant­wor­ten eben nicht gibt, sehen wir sowohl am Zustand unse­rer Kir­che wie auch an der Tat­sa­che des zuneh­men­den Athe­is­mus in der moder­nen Welt: Rela­ti­vis­mus und „all good“-Mentalität sind näm­lich nicht die Ant­wort auf die Fra­gen unse­rer Zeit.

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