Der heilige Pius V.: 450 Jahre nach seinem Tod

Papst Pius V. regierte von 1566 bis 1572 und wurde 1712 heiliggesprochen.
Papst Pius V. regierte von 1566 bis 1572 und wurde 1712 heiliggesprochen.

Von Cri­sti­na Sic­car­di*

Vor der Kir­che der hei­li­gen Petrus und Pan­ta­le­on auf der Piaz­za Car­di­na­le Bog­gia­ni in Bos­co Maren­go in der Pro­vinz und Diö­ze­se Ales­sandria wur­de die monu­men­ta­le Sta­tue, die dem Domi­ni­ka­ner­papst Miche­le Ghis­lie­ri gewid­met ist, bereits im Jahr 2019 restau­riert, um den 450. Jah­res­tag des Dies nata­lis des hei­li­gen Pius V. (1572–2022) zu bege­hen. Es war der 1. Mai 1572, als der Papst der Gegen­re­for­ma­ti­on, der Restau­ra­ti­on, der Schlacht von Lepan­to und des Rosen­kran­zes kurz vor sei­nem Tod zu eini­gen Kar­di­nä­len und Prä­la­ten, die er an sein Ster­be­bett geru­fen hat­te, sagte:

„Ich ver­traue Euch die hei­li­ge Kir­che an, die ich so geliebt habe. Strebt danach, einen eif­ri­gen Nach­fol­ger zu wäh­len, der nur die Ehre des Erlö­sers sucht und kei­nen ande­ren Wunsch hat als das Wohl der Kir­che und die Ehre des Apo­sto­li­schen Stuhles.“

Ein sehr prä­zi­ses und kla­res Ver­mächt­nis an sei­ne Nach­fol­ger, in den Fuß­stap­fen des hei­li­gen Petrus und der Tra­di­ti­on der Kir­che.

Bos­co Maren­go, das von den histo­ri­schen, gei­sti­gen, archi­tek­to­ni­schen und künst­le­ri­schen Zeug­nis­sen des Domi­ni­ka­ner­pap­stes beherrscht wird, ist die Stadt, in der Miche­le Ghis­lie­ri am 17. Janu­ar 1504 gebo­ren wur­de und in der er ger­ne begra­ben wor­den wäre, wie der Keno­taph in der Kir­che San­ta Cro­ce bezeugt, die hei­li­ge in den rie­si­gen Domi­ni­ka­ner­kom­plex ein­be­zo­ge­ne Stät­te, die Pius V. noch vor dem Erlaß der Bul­le Prae­c­lar­um qui­dem opus vom 1. August 1566 errich­ten woll­te, in der der Papst schrieb, daß der Grund für die­se Initia­ti­ve in der „inten­si­ven Lie­be zu sei­nem Hei­mat­bo­den“ zu suchen sei. Das Pro­jekt einer Klo­ster­grün­dung in sei­ner Hei­mat, das er bereits 1562 intra moe­nia dic­tae ter­rae in castro vete­ri und dann extra moe­nia 1566 in Angriff genom­men hat­te, war Teil einer weit­rei­chen­den Absicht, sei­ne durch Krie­ge und Plün­de­run­gen im Streit zwi­schen den Vis­con­ti von Mai­land und den Fran­zo­sen schwer geprüf­ten Mit­bür­ger zu unter­stüt­zen. Er stat­te­te sie mit einem beein­drucken­den Klo­ster aus, errich­te­te einen Mon­te fru­men­ta­rio, das war eine Abga­be­stel­le für Saat­gut an arme Bau­ern, sorg­te für die Anstel­lung eines Arz­tes für die Bevöl­ke­rung, eines Schul­mei­sters für Kin­der und Jugend­li­che und bot ver­schie­de­ne ande­re Hil­fen und Bestim­mun­gen an. Die Lage extra moe­nia war unge­wöhn­lich für den Pre­di­ger­or­den, aber Ghis­lie­ris Wunsch war es, die klei­nen umlie­gen­den Dör­fer Bos­co und Fruga­ro­lo zu einer grö­ße­ren Sied­lung zu ver­ei­nen. Die ersten Klö­ster des Ordens befan­den sich oft außer­halb der Stadt­mau­ern und dien­ten dem Stu­di­um und dem Gebet, und die Brü­der wur­den ein­ge­la­den, in Kathe­dra­len, Kir­chen und auf Plät­zen zu pre­di­gen. Spä­ter fan­den die Klö­ster ihren Platz inner­halb der Stadt­mau­ern, nach­dem es zu einer hef­ti­gen Kon­tro­ver­se gegen die Bet­tel­or­den gekom­men war.

Der monu­men­ta­le Klo­ster­kom­plex San­ta Cro­ce und Ognis­san­ti in Bos­co Maren­go, der nach dem Kri­te­ri­um der Rück­kehr zur „ursprüng­li­chen Obser­vanz“ refor­miert wur­de, wur­de von Archi­tek­ten und Künst­lern des päpst­li­chen Hofes errich­tet, was die­ses Pro­jekt im histo­ri­schen und künst­le­ri­schen Pan­ora­ma des Pie­mont ein­zig­ar­tig macht. Der Papst hat per­sön­lich in die Gestal­tung ein­ge­grif­fen und auf die Details geach­tet. Die Auf­tei­lung der ver­schie­de­nen Räu­me kon­zen­triert sich um zwei gro­ße Kreuz­gän­ge: das gro­ße Refek­to­ri­um und im ersten Stock die Biblio­thek mit ihrem typi­schen drei­schif­fi­gen Auf­bau, der durch zwei Rei­hen ele­gan­ter Säu­len getrennt ist.

Das Domi­ni­ka­ner­klo­ster San­ta Cro­ce e Ognissanti

„Eine sehr gro­ße Maschi­ne, fast in der Form eines Tri­umph­bo­gens, mit zwei gro­ßen Tafeln, einer vor­ne, einer hin­ten, und in klei­nen Fel­dern rund drei­ßig Geschich­ten vol­ler Figu­ren, die alle sehr gut aus­ge­führt sind.“

In sei­nen Lebens­be­schrei­bun­gen der her­vor­ra­gend­sten Maler, Bild­hau­er und Archi­tek­ten beschreibt Gior­gio Vasa­ri den gran­dio­sen Altar, den er im Auf­trag des hei­li­gen Pius V. für San­ta Cro­ce ent­warf. Im Jahr 1710 wur­de der Altar abge­baut und durch den heu­ti­gen Mar­mo­ral­tar ersetzt. Die Haupt­ta­fel der „Vasa­ri­schen Maschi­ne“, die das Jüng­ste Gericht dar­stellt, wird heu­te in der Apsis der Kir­che zusam­men mit zwei wei­te­ren Tafeln mit Hei­li­gen des Domi­ni­ka­ner­or­dens auf­be­wahrt, wäh­rend die übri­gen Bil­der im angren­zen­den Muse­um aus­ge­stellt sind.

Die Male­rei­en wur­den zwi­schen 1567 und 1569 in Flo­renz ange­fer­tigt, nach Pisa geschickt, dann auf dem See­weg nach Genua und von dort aus nach Bos­co Maren­go, wo sie Ende August 1569 ein­tra­fen. In Bos­co wur­de in der Zwi­schen­zeit der monu­men­ta­le Altar­auf­bau nach dem Ent­wurf von Vasa­ri von dem Flo­ren­ti­ner Gio­van­ni Gar­gio­li errich­tet. Die Haupt­ta­fel des Jüng­sten Gerichts ist von Vasa­ri selbst signiert, wäh­rend die ande­ren Tafeln Malern aus sei­ner Werk­statt zuge­schrie­ben wer­den, dar­un­ter Fran­ces­co Moran­di­ni, bekannt als „il Pop­pi“, Jaco­po Zuc­chi und Gio­van­ni Bat­ti­sta Naldini.

„Es war sein [des hei­li­gen Pius V.] Wunsch, daß sein Leich­nam in der Süd­kir­che bei­gesetzt wer­den soll­te […]. In der Tat dach­te er dar­an, sei­ne Tage im Bos­co zu been­den, in dem Klo­ster, das er gebaut hat­te und ich habe eini­ge Leu­te von Bos­co sagen hören, daß … er danach das Papst­tum auf­ge­ben und in sein Bos­co-Klo­ster gehen woll­te, wo er in Frie­den sei­ne Tage mit dem Herrn sei­ner See­le been­den woll­te, und es ist leicht, dies zu glau­ben, wenn man sei­ne Güte bedenkt, und zum Zei­chen ließ er im Klo­ster sei­ne Räu­me bau­en […], die heu­te nach Bedarf des Klo­sters in eine ande­re Form ver­än­dert wur­den. Sein Leich­nam ist nicht dort­hin gebracht wor­den, son­dern wur­de von Papst Six­tus V. in die Kir­che San­ta Maria Mag­gio­re über­ge­führt“ (A. Carac­cia da Rival­ta, 1619, S. 69ff).

Tat­säch­lich wur­de Pius V. zunächst im Peters­dom in der Andre­as­ka­pel­le neben dem Grab von Pius III. bei­gesetzt, aber Pius V. hat­te einen ande­ren Wunsch: Sein Grab, das 1571, im Jahr des Sie­ges der Hei­li­gen Liga bei Lepan­to über die mus­li­mi­sche Flot­te, errich­tet wur­de, war mit einem Grab­mal aus­ge­stat­tet, wie Rober­to de Mattei in sei­ner bedeu­ten­den Bio­gra­fie „Pio V. Sto­ria di un Papa San­to“ („Pius V.: Geschich­te eines hei­li­gen Pap­stes“, Lin­dau, 2021) in Erin­ne­rung ruft, mit einer von Pius V. selbst dik­tier­ten Inschrift, die an sei­ne fami­liä­re Her­kunft, sein domi­ni­ka­ni­sches Gelüb­de und sei­ne Hoff­nung auf die Auf­er­ste­hung erin­nert.

Es war sein Nach­fol­ger Gre­gor XIII., der die Über­füh­rung des Leich­nams von Rom nach Bos­co nicht geneh­mig­te, und des­sen unmit­tel­ba­rer Nach­fol­ger, der Fran­zis­ka­ner Six­tus V., ord­ne­te die end­gül­ti­ge Bei­set­zung in der Six­ti­ni­schen Kapel­le in San­ta Maria Mag­gio­re an, wo er begon­nen hat­te, sein eige­nes Grab­mal zu errich­ten. Im Juli 1586 beschloß Six­tus V., der als Inqui­si­tor eng mit Pius V. zusam­men­ge­ar­bei­tet hat­te, der ihn zum Bischof ernannt und zum Kar­di­nal kre­iert hat­te, sein Grab­denk­mal gegen­über dem von Papst Ghis­lie­ri aufzustellen.

„Die Deko­ra­ti­on des präch­ti­gen Gra­bes in der Six­ti­ni­schen Kapel­le ver­herr­licht das Bild des Pap­stes als Sie­ger von Lepan­to und über die Ket­zer. Das Mau­so­le­um, das sei­nen Leich­nam umschließt, ent­hält fünf Flach­re­li­efs auf bei­den Sei­ten der Sta­tue. Links über­gibt Pius V., auf einem Thron sit­zend, im Pon­ti­fi­kal­ge­wand, mit Tia­ra, die Flot­ten­stan­dar­te an Don Juan d’Au­stria, flan­kiert von Marcan­to­nio Colon­na; rechts über­reicht er den Kapi­täns­stab an Graf Sfor­za von San­ta Fio­ra, den Sie­ger über die Huge­not­ten in Frank­reich. In der Mit­te, ober­halb der Sta­tue, ist die Krö­nung des Pap­stes dar­ge­stellt, wäh­rend die bei­den klei­ne­ren Tafeln an den Sei­ten den Sieg bei Lepan­to und den Sieg über die Huge­not­ten zei­gen. Auf dem Grab von Pius V. ste­hen die Wor­te: ‚Der Fran­zis­ka­ner­papst Six­tus V. hat die­sen Aus­druck der Dank­bar­keit für den Domi­ni­ka­ner­papst Pius V. ange­bracht.‘ “ (R. de Mattei, Pio V. Il Papa San­to, Lin­dau, Turin 2021, S. 352f).

Als der hei­li­ge Pius V. den päpst­li­chen Thron bestieg, war Euro­pa in sei­nem Chri­sten­tum durch den Pro­te­stan­tis­mus und die Schis­men zutiefst zer­ris­sen, doch als er ihn ver­ließ, hin­ter­lie­ßen sei­ne zahl­rei­chen und uner­müd­li­chen lehr­mä­ßi­gen, restau­ra­ti­ven, admi­ni­stra­ti­ven, diplo­ma­ti­schen und mili­tä­ri­schen Inter­ven­tio­nen nicht nur eine tie­fe, wohl­tu­en­de Fur­che der Ver­tei­di­gung der Kir­che, son­dern auch einen blei­ben­den Ein­druck bei den Men­schen. Aber als er sie ver­ließ, hin­ter­ließ er nicht nur durch sei­ne vie­len uner­müd­li­chen lehr­mä­ßi­gen, restau­ra­ti­ven, admi­ni­stra­ti­ven, diplo­ma­ti­schen und mili­tä­ri­schen Inter­ven­tio­nen eine zutiefst segens­rei­che Fur­che der Ver­tei­di­gung und der Rache für die Kir­che, für die wir heu­te zutiefst dank­bar und stolz sind, son­dern er wur­de zu einem unbe­strit­te­nen Vor­bild für Bischö­fe, Kar­di­nä­le und Päp­ste, die sich in sei­nem Gefol­ge den Fein­den und Wid­rig­kei­ten des Glau­bens und der Kir­che für lan­ge Zeit bis zum Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil erfolg­reich entgegenstellten.

*Cri­sti­na Sic­car­di, Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin, zu ihren jüng­sten Buch­pu­bli­ka­tio­nen gehö­ren „L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II“ (Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Ver­än­de­run­gen und Ursa­chen, 2013); „San Pio X“ (Der hei­li­ge Pius X. Das Leben des Pap­stes, der die Kir­che geord­net und refor­miert hat, 2014); „San Fran­ces­co“ (Hei­li­ger Fran­zis­kus. Eine der am mei­sten ver­zerr­ten Gestal­ten der Geschich­te, 2019).

Von der Autorin zuletzt veröffentlicht:

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wiki­com­mons

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