Blasphemischer Auftritt auf dem Petersplatz

Papst Franziskus und sein "Vorprogramm"

"Italien schickt queeres Duett" zum Eurovision Song Contest, freut sich auch die deutsche Homo-Szene. Gemeint sind Blanco & Mahmood. Am Ostermontag durfte Blanco sogar auf dem Petersplatz auftreten, als "Vorprogramm" für Papst Franziskus.
"Italien schickt queeres Duett" zum Eurovision Song Contest, freut sich auch die deutsche Homo-Szene. Gemeint sind Blanco & Mahmood. Am Ostermontag durfte Blanco sogar auf dem Petersplatz auftreten, als "Vorprogramm" für Papst Franziskus.

Von Cri­sti­na Siccardi*

Anstatt den Eltern zu erklä­ren, wie sie die Dimen­si­on von Vater und Mut­ter nach christ­li­chen Grund­sät­zen wie­der­ge­win­nen und den abge­ris­se­nen Faden zum Sinn für die Hei­lig­keit der Fami­lie wie­der anknüp­fen kön­nen, hat die Ita­lie­ni­sche Bischofs­kon­fe­renz für den Oster­mon­tag, an dem die Kir­che der Engels­er­schei­nung am lee­ren Grab Jesu gedenkt (Mk 16,1–7), den 19jährigen Genera­ti­on-Z-Rap­per Blan­co (Ric­car­do Fab­brico­ni), der mit „Bri­vi­di“ („Gän­se­haut“), einem Lied, das Homo­se­xua­li­tät und Hete­ro­se­xua­li­tät auf die glei­che Stu­fe stellt, Gewin­ner des anti­christ­li­chen und blas­phe­mi­schen San­re­mo Festi­val 2022 wur­de, ein­ge­la­den, vor dem Ein­tref­fen des Pap­stes zur Gebets­vi­gil um 18 Uhr vor 57.000 Jugend­li­chen „auf Wall­fahrt“ auf­zu­tre­ten. Die Kir­che braucht also, um die Auf­merk­sam­keit der Jugend zu gewin­nen, die an sozia­len Netz­wer­ken, Sex und zer­rüt­te­ten Fami­li­en krankt, Zeu­gen, die selbst die Jugend­li­chen Licht­jah­re von Gott weg­füh­ren? Ist das der Zweck der Kirche?

Der Lei­ter des Büros für die Jugend­pa­sto­ral der Ita­lie­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz, Don Miche­le Falab­ret­ti, sag­te: „Wir haben gedacht, den Jun­gen und Mäd­chen ein Geschenk zu machen“, weil der Kon­text berück­sich­tigt wer­den muß: „Wehe, wenn man ihn unter­schätzt! Man läuft Gefahr, nicht auf der glei­chen Wel­len­län­ge zu sein“. Für den Prä­la­ten ist es undenk­bar, „mit ihnen zu reden, sie mit Argu­men­ten oder Wor­ten zu über­zeu­gen, wenn man nicht zuerst bereit ist, ihnen zuzu­hö­ren, ohne den Anschein zu erwecken, ihre Welt mit einem Wisch weg­zu­wi­schen, indem man sie als schmut­zig und unge­eig­net beur­teilt“. Die Metho­de, die der hei­li­ge Johan­nes Bos­co ent­wickelt hat, nicht um die Auf­merk­sam­keit auf sich selbst zu len­ken, son­dern um die See­len zu ret­ten, war die der Vor­beu­gung gegen die Übel und die der christ­li­chen Freu­de, ohne die Not­wen­dig­keit, die Per­ver­sio­nen der Welt und die Künst­ler zusam­men­zu­krat­zen, die den Geset­zen Got­tes wider­spre­chen.

„Die Kir­che hat immer die Kunst geför­dert, um den Geist zu erhe­ben, wäh­rend sie auf die­se Wei­se die Vul­ga­ri­tät gut­heißt“, sag­te Msgr. Anto­nio Suet­ta, der Bischof von Ven­ti­miglia, der sich gegen die Ent­schei­dung der Bischofs­kon­fe­renz aus­sprach. „Ich habe die­se Nach­richt mit gro­ßer nega­ti­ver Über­ra­schung ver­nom­men, und zwar aus zwei Grün­den: Erstens glau­be ich nicht, daß die­se Figur ein geeig­ne­tes Vor­bild für eine katho­li­sche Initia­ti­ve ist, die sich an Jugend­li­che rich­tet, und zwei­tens ken­ne ich die Per­son nicht, wes­halb ich mich zu ihr nicht äußern kann. Es ist klar, daß die bei Blan­cos Auf­trit­ten ver­mit­tel­te Bot­schaft nicht in einen katho­li­schen Kon­text paßt. Ich fin­de es beschä­mend, daß eine Figur, die – vor allem nach ihrem Sieg beim Festi­val zusam­men mit Mah­mood – ein­deu­tig zu einer Iko­ne einer bestimm­ten Auf­fas­sung von Leben, Frei­heit, Affek­ti­vi­tät usw. gewor­den ist, auf dem Peters­platz auf­tritt.“

Der Ver­such, die Auf­merk­sam­keit der Jugend­li­chen zu gewin­nen, die zumeist von einer zyni­schen, respekt­lo­sen, men­schen­feind­li­chen und sogar gewalt­tä­ti­gen Kul­tur ver­schlun­gen wer­den (man den­ke an die Aktio­nen der Baby-Gangs), ist nicht nur ein Ver­gnü­gen für die LGBTQ-Bewe­gun­gen, son­dern eine ech­te Blas­phe­mie: Auf dem Vor­platz des Peters­doms ist es nicht zuläs­sig, jenen Raum zu geben, die sich zu Spre­chern von Wor­ten vol­ler Übel­keit, Schänd­lich­keit, Obszö­ni­tä­ten und von Schimpf­wör­tern machen. Den Alp­traum, den die Genera­ti­on der Kin­der des infer­na­li­schen zeit­ge­nös­si­schen „Ker­zen­docht“ bewußt lebt, den lebt auch, aber unbe­wußt, die Kir­che, die von der Mode, dem Cha­os und dem Maso­chis­mus einer unver­nünf­ti­gen und ent­hei­li­gen­den Zeit über­wäl­tigt wird. Inzwi­schen wur­de der Bezug zur Rea­li­tät des Evan­ge­li­ums ver­lo­ren und damit zu dem, was Jesus wirk­lich gelehrt hat. Ein Bei­spiel: Der gute Hir­te sucht und fin­det das ver­lo­re­ne Schaf; es ist nicht das Schaf, das die ande­ren 99 in die Irre führt. Außer­dem gibt es eine unum­stöß­li­che Tat­sa­che: So wie man nicht zwei Her­ren die­nen kann (Gott und der Welt), kann man als End­ziel nicht gleich­zei­tig das Para­dies und die Höl­le angeben.

„Das ist die Welt“, titel­te das Maga­zin Vani­ty Fair sinn­ge­mäß mit Mah­mood & Blan­co auf der Titel­sei­te. Ita­li­en erlebt, was der deut­sche Sprach­raum mit Con­chi­ta Wurst schon hin­ter sich hat: eine aggres­si­ve Homo­se­xua­li­sie­rung des öffent­li­chen Raums. Der Euro­vi­si­on Song Con­test ist erneut das Vehikel.

*Cri­sti­na Sic­car­di, Histo­ri­ke­rin und Publi­zi­stin, zu ihren jüng­sten Buch­pu­bli­ka­tio­nen gehö­ren „L’inverno del­la Chie­sa dopo il Con­ci­lio Vati­ca­no II“ (Der Win­ter der Kir­che nach dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil. Ver­än­de­run­gen und Ursa­chen, 2013); „San Pio X“ (Der hei­li­ge Pius X. Das Leben des Pap­stes, der die Kir­che geord­net und refor­miert hat, 2014); „San Fran­ces­co“ (Hei­li­ger Fran­zis­kus. Eine der am mei­sten ver­zerr­ten Gestal­ten der Geschich­te, 2019).

Von der Autorin zuletzt veröffentlicht:

Über­set­zung: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Cor­ris­pon­den­za Romana/​Twitter (Screen­shots)


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