Willkürliches Ausblenden der Homosexualität ist die Achillesferse der Strategie von Franziskus

Sandro Magister über drei Fälle, die zum Stolperstein des Pontifikats werden können












Kardinal McCarrick beim Papst-Besuch 2015 in den USA. Inzwischen könnte er zum Stolperstein für Franziskus werden.
Kardinal McCarrick beim Papst-Besuch 2015 in den USA. Inzwischen könnte er zum Stolperstein für Franziskus werden.

(Rom) Was wußte Papst Franziskus über sexuelles Fehlverhalten und Mißbrauch durch Bischöfe? Der Vatikanist Sandro Magister schrieb vor wenigen Tagen, daß Papst Franziskus durch den jüngst bekanntgewordenen Fall eines argentinischen Bischofs selbst „vom Saubermann zum Angeklagten“ werden könnte, legte heute noch einmal nach.

Papst Franziskus, so Magister, stellte bereits vor längerer Zeit klar, wie er das Problem des sexuellen Mißbrauchs durch Kleriker beurteilt, und wie er damit umgehen will. Für ihn ist die Sache kein vorrangig sexuelles Problem, sondern eine Machtfrage „und Punkt“.

Ablenkungsmanöver „Klerikalismus“

So bekräftigte er es in seinem Schreiben vom 1. Januar an die Amerikanische Bischofskonferenz. Darin formulierte das Kirchenoberhaupt einen „Mißbrauch der Macht, des Gewissens und der Sexualität“, genau in dieser Reihenfolge.

So hatte er es am 25. August 2018, damals hinter verschlossenen Türen, in Dublin den irischen Jesuiten gesagt. Die Mitschrift wurde von Antonio Spadaro SJ am 15. September in der römischen Jesuitenzeitschrift La Civiltà Cattolica veröffentlicht. Ein „elitäres“ Denken und „Klerikalismus“ würden „jede Form“ des Mißbrauchs fördern, so Franziskus.

„Und der sexuelle Mißbrauch ist nicht der erste. Der erste ist der Mißbrauch der Macht und des Gewissens.“

Franziskus ließ seine Behauptung auch in das Schlußdokument der Jugendsynode einfließen. Es darf also damit gerechnet werden, daß er sie in seinem nachsynodalen Schreiben aufgreifen wird. Das Problem (oder Feindbild) für den Papst ist der Klerikalismus. Er sei schuld an allen Problemen, auch am sexuellen Mißbrauch an Minderjährigen.

Die Intention des Papstes sei es, so Magister, sich als Gegenmodell zu präsentiere, als Verfechter der Interessen der Machtlosen, die er als Ohnmächtige und Opfer sieht.

„Die Fakten bewegen sich allerdings in die entgegengesetzte Richtung.“

Dazu nennt der Vatikanist drei Fälle, denen weitere hinzugefügt werden könnte, wo Franziskus offenbar über sexuelle Verfehlungen informiert war, aber nicht handelte, bzw. erst handelte, als die Skandale öffentlich bekannt wurden.

Fall 1

Der erneut auf die Tagesordnung zurückgekehrte Fall von Bischof Gustavo Óscar Zanchetta „und seiner erstaunlichen Karriere bis zu einer gehobenen Stellung an der vatikanischen Kurie, trotz der offensichtliche Beweise für seine mangelnde Eignung und seine Unzuverlässigkeit und die Anschuldigungen des sexuellen Mißbrauchs an zehn Seminaristen“.

Fall 2

Der Fall von Ex-Kardinal Theodore McCarrick, zu dem die Glaubenskongregation ein verkürztes Verfahren, also kein klassisches kanonisches Verfahren, faktisch abgeschlossen hat. Er wird von zwei Opfern belastet, die 11 und 13 Jahre alt waren, als McCarrick begonnen habe, sie sexuell zu mißbrauchen. Dazu kommen noch zwölf Seminaristen, die ihn homosexueller Verführung beschuldigen, als er Bischof von Metuchen und dann Erzbischof von Newark war.

„Es ist wahrscheinlich, daß Papst Franziskus gegen McCarrick noch vor dem Gipfeltreffen vom 21.–24. Februar eine weitere und äußerste Strafe verhängt: die Rückversetzung in den Laienstand.“

Allerdings, so Magister, laste auch in diesem Fall die Verantwortung auf Franziskus, „McCarrick jahrelang gedeckt und geehrt zu haben, obwohl er von seinem verwerflichen, homosexuellen Verhalten wußte habe und sich erst entschloß, ihn zu bestrafen, als alles vor wenigen Monaten ans Licht kam, auch der Mißbrauch von Minderjährigen.“

Fall 3

Der dritte Fall, den Magister anführt, ist der von Kardinal Donald Wuerl, der bis Oktober 2018 Erzbischof von Washington war. Dann wurde er von Franziskus nach Vorwürfen emeritiert, aber zugleich zum Apostolischen Administrator desselben Bistums ernannt. Franziskus dankte Wuerl dabei so bewegt, daß kein Zweifel bestehen kann, daß die Emeritierung nich gewollt, sondern nur wegen des medialen Drucks vorgenommen wurde.

Wuerl hatte im Juni 2018 beteuert, wie Magister erinnert, nichts vom Mißbrauch gewußt zu haben, der McCarrick zur Last gelegt wird. Die Wahrheit ist aber eine andere.

Bischof Wright mit seinem Sekretär Wuerl
Bischof Wright mit seinem Sekretär Wuerl

Am 10. Januar bestätigten das Bistum Pittsburgh und das Erzbistum Washington, daß Wuerl, damals Bischof von Pittsburgh, bereits 2004 Kenntnis vom üblen Verhalten McCarricks hatte. Er hatte es von einem ehemaligen Priester seines Bistums erfahren, der selbst von McCarrick sexuell mißbraucht worden war. Das Opfer hatte eine Eingabe beim damaligen Apostolischen Nuntius in den USA, Erzbischof Gabriel Montalvo gemacht. Die Eingabe gehört zu den Dokumenten, die Erzbischof Viganò später fand, als er Nuntius wurde. Im Juni 2013 informierte er Papst Franziskus, der aber nicht darauf reagierte.

Im Sommer 2018 beschuldigte die Grand Jury des Staates Pennsylvania Wuerl verschiedene Mißbrauchstäter gedeckt und vor Strafverfolgung geschützt zu haben, als er Bischof von Pittsburgh war. Diese Vorwürfe zwangen Franziskus, den Kardinal schließlich als Erzbischof von Washington zu emeritieren.

Magister erinnert auch an eine Reportage von Kenneth Woodard in der progressiven Zeitschrift Commonweal. Der ehemalige Newsweek-Vatikanist berichtete, daß das Bistum Pittsburgh bekannt für seine homosexuellen Priester war. Das habe bereits unter Bischof John J. Wright (1959–1969) begonnen, der dann von Paul VI. nach Rom berufen, zum Kardinal kreiert und und für zehn Jahre, bis 1979, Präfekt der Kleruskongregation wurde.

Damit war der Bock zum Gärtner gemacht worden. Solche Bausteine erklären, wie es zur Entstehung von Homo-Netzwerken in der Kirche kommen konnte. Homosexuelle Kleriker förderten sich gegenseitig in Positionen, in denen sie wiederum gezielt homosexuelle Kleriker fördern konnten.

Bischof Wright hatte in den USA wie in Rom zahlreiche „junge Liebhaber“ und sein persönlicher Sekretär in Pittsburgh war Donald Wuerl.

„Doch unglaublicherweise findet man das Wort ‚Homosexualität‘ weder im Schreiben von Franziskus an das ‚Volk Gottes‘ vom 20. August 2018 noch im Schreiben an die Bischöfe der USA vom 1. Januar 2019 noch in seinem Gespräch mit den irischen Jesuiten, so als würde dieses Problem gar nicht existieren.“

Magister unterstreicht, daß aber „gerade die Homosexualität der statistisch beherrschende Faktor“ bei Priestern ist, die in den vergangenen Jahrzehnten des sexuellen Mißbrauchs schuldig geworden sind.

„Dieses willkürliche Ausblenden des Faktors Homosexualität ist die Achillesferse der Anti-Mißbrauchs-Strategie von Franziskus, wie in den vergangenen Tagen zwei Kardinäle beanstandet haben.“

Zwei Kardinäle wehren sich gegen falsche Fährte

Magister bezieht sich auf Wortmeldungen des bekannten Kirchenhistorikers Kardinal Walter Brandmüller und des ehemaligen Bischofs von Regensburg und Präfekten der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard Müller.

In drei Interviews zum Jahresbeginn (Kath.net, DPA und CNA) betonte Kardinal Brandmüller zwischen dem 1. und dem 9. Januar, daß das sexuelle Mißbrauchsproblem durch Kleriker vor allem und zuallererst ein Problem der Homosexualität ist. Dieses Problem müsse vordringlich angegangen werden, indem homosexuelle Männer nicht mehr zum Priestertum zugelassen werden, wie es die kirchlichen Bestimmungen ohnehin vorsehen. Das sei um so dringender notwendig, da der moralische Erosionsprozeß in Politik und Gesellschaft immer homofreundlicher wird.

Wer die Homosexualität kritisiert, muß sich in Deutschland inzwischen warm anziehen, auch innerhalb der Kirche. Das bekam als Reaktion auf seine klaren Worte auch Kardinal Brandmüller zu spüren.

Die von Papst Franziskus vorgemachte Ausklammerung der Homosexualität aus der Mißbrauchsdebatte und das Verschließen der Augen vor den wirklichen Gründen wird nämlich auch in den deutschen Bistümern und von der Deutsche Bischofskonferenz praktiziert. Auch dort ist eine fiktive „Klerikalismus“-Debatte in Mode.

Am 7. Januar meldete sich auch Kardinal Müller in einem Interview mit LifeSiteNews zu Wort. Auch Müller wies die These zurück, daß der „Klerikalismus“ Schuld am Mißbrauch sei. Ebenso benannte auch er die Homosexualität als entscheidende Ursache für den Mißbrauch. Papst Franziskus kritisierte er nicht direkt. Dennoch liest sich seine Kritik wie ein direkter Vorwurf an den Papst, die Mißbrauchsdebatte auf ein falsches Geleis ablenken zu wollen.

Kardinal Müller wörtlich:

„Wenn ein Erwachsener oder ein Oberer jemanden sexuell mißbraucht, der ihm anvertraut ist, dann ist seine ‚Macht‘ nur ein Mittel, aber nicht die Ursache seiner schlechten Tat.“

In Summe häufen sich die Fälle von Bischöfen, die sich eines homosexuellen Doppellebens und des sexuellen Mißbrauchs schuldig gemacht haben. Ersteres steht nach der kirchlichen Rechtsordnung unter Strafe, zweiteres auch nach dem weltlichen Strafrecht.

Die Frage steht ihm Raum, wie lange Franziskus noch zu seiner eigenen Verantwortung, gewußt, aber nichts unternommen zu haben, schweigen kann.

Text: Giuseppe Nardi
Bild: MiL

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