Der Jesuit auf dem Papstthron – 2. Exkurs: Karl Rahner und die Zerstörung der Theologie

Karl Rahner, der Jesuitenorden und die Kirche
Karl Rahner, der Jesuitenorden und die Kirche.

von Wolf­ram Schrems*

Um die Malai­se von Kir­che und Jesui­ten­or­den eini­ger­ma­ßen adäquat zu ver­ste­hen, muß man das desa­strö­se Wir­ken des Jesui­ten Karl Rah­ner (1904–1984) beson­ders berück­sich­ti­gen. Kaum ein ande­rer kirch­li­cher Autor hat in 20. Jahr­hun­dert einen der­ma­ßen zer­stö­re­ri­schen Ein­fluß auf vie­le Genera­tio­nen von Theo­lo­gen, Prie­stern und Lai­en aus­ge­übt. Meh­re­re deutsch­spra­chi­ge Kar­di­nä­le wur­den von ihm geprägt (beson­ders pro­mi­nent Franz König, Wal­ter Kas­par und Karl Leh­mann). Der ver­stor­be­ne Inns­brucker Bischof Rein­hold Ste­cher (amtie­rend von 1981–1997), der die Kir­che Tirols in die Selbst­auf­lö­sung geführt hat, war ein Rah­ner-Adept. Auch der jun­ge Joseph Ratz­in­ger gehör­te zur Zeit des Kon­zils zum Umfeld Rah­ners. Über Habi­li­ta­ti­ons­schrif­ten, Dis­ser­ta­tio­nen und Publi­ka­tio­nen aller Art sowie über den „Karl-Rah­ner-Preis“ der Jesui­ten­fa­kul­tät Inns­bruck wur­de das Rah­ner­sche Gedan­ken­gut in Tau­send Mas­ken und Schli­chen ver­brei­tet.

Zerstörung des Glaubens und des Verstehens

Dabei ist das Wort „Gedan­ken­gut“ irgend­wie inad­äquat. Denn mit „den­ken“ hat die­se plan­vol­le Ver­wü­stung der Theo­lo­gie und Auf­he­bung jeder Ver­nunft nichts zu tun. „Den­ken“ wür­de auch impli­zie­ren, daß die Gedan­ken in plan­vol­ler Form dar­ge­legt wer­den. Aber Rah­ner mas­sa­krier­te die deut­sche Spra­che in einem Aus­maß, daß die betref­fen­den Tex­te wei­test­ge­hend unver­ständ­lich und für Über­set­zun­gen in Fremd­spra­chen so gut wie unge­eig­net sind.

Karl Rahner SJ
Karl Rah­ner SJ

Man kann ein spon­ta­nes Auf­la­chen nicht unter­drücken, wenn man einen Buch­ti­tel wie die­sen zu Gesicht bekommt:

Her­bert Vor­grim­ler, Karl Rah­ner ver­ste­hen (Grü­ne­wald, Mainz 2002).

Rah­ner war daher nicht des­we­gen in aller Mun­de, weil er ein so guter Theo­lo­ge gewe­sen wäre, son­dern weil er eine star­ke Lob­by hat­te. So mein­te es der Jour­na­list und Sati­ri­ker Hans Con­rad Zan­der in einem sei­ner Bücher. Kin­der und Nar­ren sagen eben sprich­wört­lich die Wahr­heit.

Die­ses Phä­no­men müs­sen wir immer im Auge behal­ten: Vie­le Autoren sind nicht des­halb auf den Lese­li­sten für Matu­ran­ten oder auf den Feuil­le­ton-Sei­ten „wich­ti­ger“ Zei­tun­gen, weil sie so gute Bücher geschrie­ben hät­ten, son­dern weil sie einer bestimm­ten Agen­da die­nen und des­we­gen for­ciert wer­den.

Die Rahner-Theologie als Gift – von Freund und Feind bestätigt

Ich hat­te einen Stu­di­en­kol­le­gen, der über Rah­ner pro­mo­vier­te. Er klag­te mir, daß es sehr schwie­rig sei, „die gro­ßen Lini­en“ im Rah­ner­schen Werk her­aus­zu­ar­bei­ten.

Giuseppe Kardinal Siri: Gethsemani
Giu­sep­pe Kar­di­nal Siri: Geth­se­ma­ni

Mit größ­ter Sor­ge habe ich dann die wei­te­re Ent­wick­lung die­ses Kol­le­gen mit­ver­folgt. Sei­nen Publi­ka­tio­nen ent­neh­me ich, daß auch er sich vom über­lie­fer­ten katho­li­schen Glau­ben ganz ent­fernt und in ein inter­re­li­giö­ses und pan­the­isti­sches Bewußt­sein ein­ge­tre­ten ist. Mei­ner Ein­schät­zung nach muß die jah­re­lan­ge Befas­sung mit Rah­ner schwe­re Aus­wir­kun­gen auf Glau­ben und Den­ken haben.

Es ist wie eine Dro­ge.

Die­ses Bild ver­wen­de­te übri­gens der Vor­arl­ber­ger Jesu­it Andre­as Bat­logg, der nach eige­nen Anga­ben (!) „rah­ner­süch­tig gewor­den [sei] wie nur je ein Mor­phi­nist nach der ersten Sprit­ze süch­tig wer­den kann“.

Sehr offen­her­zig for­mu­liert.

Zwar gibt und gab es von Anfang an zahl­rei­che inhalt­lich gewich­ti­ge Stim­men, die Rah­ner kri­ti­sier­ten, wider­leg­ten und vor ihm warn­ten. (Der pro­mi­nen­te­ste Rah­ner-Kri­ti­ker war wohl Kar­di­nal Giu­sep­pe Siri mit sei­ner pro­fun­den Abhand­lung Geth­se­ma­ni, die aber auf Deutsch nur sehr schwer greif­bar ist.) (1) Die­se wur­den aber weder vom Lehr­amt noch vom Haupt­strom der aka­de­mi­schen Theo­lo­gie rezi­piert. Geschwei­ge denn vom Jesui­ten­or­den.

Die Gesell­schaft Jesu ist also mit dem Erbe eines ihrer Mit­glie­der bela­stet, der zur „dia­bo­li­schen Des­ori­en­tie­rung“ (Sr. Lucia von Fati­ma) in der Kir­che maß­geb­lich bei­getra­gen hat. Es lastet somit ein Fluch auf dem Orden. Solan­ge die­ser nicht exor­ziert ist, wird sich das Gift immer wei­ter ver­brei­ten.

„Kritische Annäherungen“

Vor gut zehn Jah­ren gab der Franz Schmitt — Ver­lag, Sieg­burg, einen fünf­hun­dert Sei­ten star­ken Sam­mel­band Kri­ti­sche Annä­he­run­gen her­aus. Ich habe die­ses Werk vor eini­gen Jah­ren gele­sen. Ohne hier ins Detail gehen zu kön­nen, so muß man pau­schal fest­stel­len, daß die Vor­wür­fe inhalt­li­cher Natur (Ent­stel­lung der katho­li­schen Theo­lo­gie, Glau­bens­ver­lust, dar­wi­ni­sti­scher Zugang zu Theo­lo­gie und Natur­wis­sen­schaft, gno­sti­sche Ansät­ze) und per­sön­li­cher Natur (schwie­ri­ger Cha­rak­ter, unan­ge­mes­se­ne Bezie­hung zur zwei­fel­haf­ten Schrift­stel­le­rin Lui­se Rin­ser: „Wuschel“ an „Fisch“ und retour) schwer­wie­gend und in der Sub­stanz unwi­der­legt sind.

Beson­ders schwer­wie­gend ist übri­gens Rah­ners Bekennt­nis zur Suk­zes­siv­be­see­lungs­leh­re, womit der Kampf gegen den Greu­el der Abtrei­bung mas­siv unter­mi­niert wur­de.

Ich ver­wei­se den inter­es­sier­ten Leser auf die­sen Band, des­sen Ein­füh­rungs­bei­trag auch im Inter­net greif­bar ist. (2)

Da aber fach­theo­lo­gi­sche Fra­gen in nor­ma­ler­wei­se dem brei­ten Volk wenig zugäng­li­chen Fach­bü­chern von gerin­ge­rer Rele­vanz sind, wen­den wir uns einem Wir­kungs­ge­biet Rah­ners mit ver­hee­ren­der Brei­ten­wir­kung zu:

Im Auftrag der deutschen Bischöfe: Kommentar zum Kleinen Konzilskompendium

Was Rah­ner und Vor­grim­ler im Klei­nen Kon­zils­kom­pen­di­um geschrie­ben haben, ist zur Quel­le gründ­li­cher Ver­wir­rung vie­ler Genera­tio­nen von Theo­lo­gie­stu­den­ten gewor­den.

Karl Rahner - Kritische Anmerkungen
Karl Rah­ner — Kri­ti­sche Anmer­kun­gen

Da die­ses Werk im Auf­trag der deut­schen Bischö­fe in vie­len Auf­la­gen erschien (hier nach der 23. Auf­la­ge 1991 zitiert), kann es als offi­ziö­se Äuße­rung des kirch­li­chen Lehr­am­tes gel­ten.

Um sich ein Bild zur Sache zu machen, sol­len eini­ge Bei­spie­le der unter­schwel­lig iro­ni­schen, manch­mal offen gehäs­si­gen, immer aber ver­wir­ren­den Spra­che im Kon­zils­kom­pen­di­um gebo­ten wer­den.

Zum The­ma „gläu­bi­ges Volk“ heißt es bei­spiels­wei­se in arro­gan­ter Wei­se:

„Befrem­det [über der „Lit­ur­gie­re­form“], nicht eigent­lich ver­wirrt waren jene Schich­ten des viel­zi­tier­ten und viel­fach über­schätz­ten ‚gläu­bi­gen Vol­kes‘, die Lit­ur­gie pri­mär als Brauch­tum und Folk­lo­re anse­hen und den direk­ten reli­giö­sen Anspruch einer erneu­er­ten Lit­ur­gie als lästig emp­fin­den“ (S. 40).

Kann man sich vor­stel­len, daß ein Hir­te der Kir­che, ein Seel­sor­ger, der die­sen Namen ver­dient, der­ma­ßen her­ab­las­send über die ein­fa­chen Gläu­bi­gen redet? Auch wenn es in wei­ten Tei­len West­eu­ro­pas (die Situa­ti­on der ver­folg­ten Kir­che im Sowjet­block und in den isla­mi­schen Län­dern wird ja kla­rer­wei­se von Rah­ner und Vor­grim­ler aus­ge­blen­det) tat­säch­lich einen mehr folk­lo­ri­sti­schen und ober­fläch­li­chen Zugang zur Lit­ur­gie gege­ben hat: Wie sieht es mit dem „direk­ten reli­giö­sen Anspruch“ einer unzu­tref­fend so genann­ten „erneu­er­ten“ Lit­ur­gie heut­zu­ta­ge aus? Hät­te man sei­tens der Hier­ar­chie nicht mit einer bes­se­ren Kate­che­se Abhil­fe schaf­fen sol­len als mit einer völ­li­gen Tri­via­li­sie­rung der Lit­ur­gie?

Aber nicht nur das ein­fa­che gläu­bi­ge Volk son­dern auch die aka­de­misch gebil­de­ten Katho­li­ken, die sich die gewach­se­ne, authen­ti­sche und tra­dier­te Lit­ur­gie nicht zer­stö­ren las­sen woll­ten, wer­den ver­un­glimpft:

„Wider­stän­de [gegen die „Lit­ur­gie­re­form“] erhe­ben sich aus soge­nann­ten aka­de­mi­schen Krei­sen, deren Ange­hö­ri­ge ihre Unfä­hig­keit zur Kom­mu­ni­ka­ti­on, ihren Bil­dungs­dün­kel und ihr ste­ri­les Ver­hält­nis zur Geschich­te hin­ter dem Anspruch beson­de­rer Kirch­lich­keit zu tar­nen suchen, indem sie ihre Res­sen­ti­ments als Maß­stab des Katho­li­schen aus­ge­ben. Dem Kon­zil war es leich­ter, als dies ein­zel­nen Bischofs­kon­fe­ren­zen und Bischö­fen gewor­den wäre, die­se wort­star­ken und teil­wei­se ein­fluß­rei­chen, aber in der Huma­ni­tät geschei­ter­ten tra­gi­ko­mi­schen Rand­fi­gu­ren der Kir­che völ­lig außer acht zu las­sen“ (S. 40).

Die Ver­tei­di­ger des Selbst­ver­ständ­li­chen als „in der Huma­ni­tät geschei­ter­te tra­gi­ko­mi­sche Rand­fi­gu­ren“, die von „Res­sen­ti­ments“ gelei­tet wer­den? Es ist genau die­se gehäs­si­ge und unsach­li­che Dik­ti­on, die Rah­ner dis­kre­di­tiert.

Gehäs­si­ge Men­schen sind dann blind für die Rea­li­tät des Bösen, das sie selbst schon gefan­gen hält. Daher muß jede Erin­ne­rung dar­an ver­schwin­den:

„[E]s ist zu hof­fen, daß bei der Über­ar­bei­tung [des Tau­f­ri­tus] auch die Teu­fels­aus­trei­bun­gen ver­schwin­den“ (S. 45).

Beson­ders bizarr ist das Ein­ge­ständ­nis, daß die Kon­zils­tex­te, zumin­dest Gau­di­um et spes, unvoll­kom­men sind – und genau das aber auch beab­sich­tigt ist. Die Men­ta­li­tät eines Rah­ner inten­diert das Kon­fu­se bewußt, um selbst bes­ser im Trü­ben fischen zu kön­nen: Wer plan­voll Kon­fu­si­on sät, bringt sich näm­lich natür­lich selbst als aus­schließ­li­che und unfehl­ba­re Inter­pre­ta­ti­ons­in­stanz ins Spiel. Man beach­te übri­gens auch, wie Rah­ner hier die Qua­li­fi­ka­ti­on „pla­to­nisch“ fast als Schimpf­wort miß­braucht:

„Wenn Fach­theo­lo­gen der Kon­sti­tu­ti­on [Gau­di­um et spes] vor­wer­fen, sie sei ‚unaus­ge­reift‘ und ‚unvoll­kom­men‘, so ist damit – aller­dings anders, als sol­che Leu­te es sich vor­zu­stel­len ver­mö­gen – genau das Rich­ti­ge gesagt. Ein ‚aus­ge­reif­ter‘ Text wäre unver­meid­lich von jener pla­to­ni­schen Klar­heit, prin­zi­pi­el­len Stren­ge und ewi­gen Gül­tig­keit, die bei einer sol­chen The­ma­tik dem Men­schen letzt­lich – nichts sagt“ (S. 424f.).

Schließ­lich fragt man sich, wel­cher Teu­fel einen katho­li­schen Prie­ster gerit­ten haben muß, wenn er ange­sichts der Mil­lio­nen von Toten, die das Sowjet­re­gime seit 1917 zu ver­ant­wor­ten hat, über die Initia­ti­ve, den Kom­mu­nis­mus durch das Kon­zil ver­ur­tei­len zu las­sen, fol­gen­des schreibt:

„Einer mili­tan­ten Kon­zils­min­der­heit ohne mensch­li­ches Takt- und poli­ti­sches Fin­ger­spit­zen­ge­fühl gelang es nicht, das Kon­zil zur aus­drück­li­chen Nen­nung und aber­ma­li­gen Ver­ur­tei­lung einer bestimm­ten poli­ti­schen Aus­prä­gung des Athe­is­mus zu bewe­gen, gera­de weil das Kon­zil für die huma­ni­sti­sche Basis und Ten­denz die­ses Athe­is­mus sehr sen­si­bel war. Es war dem Kon­zil auch durch­aus bewußt, daß es nicht angeht, Theo­rie mit Pra­xis zu ver­glei­chen und umge­kehrt (…)“ (S. 428).

Der Ter­ror Lenins, Sta­lins und deren Hen­ker und Gulag-Scher­gen hat also eine „huma­ni­sti­sche Basis“ und nur lei­der ist die „Pra­xis“ etwas von der Theo­rie abge­wi­chen? Rah­ner scheint nicht auf die offen­kun­dig­ste Idee gekom­men zu sein, daß ein schlech­ter Baum eben schlech­te Früch­te her­vor­bringt.

Resümee: Eine nüchterne Auswertung ist angezeigt – und eine klare Verurteilung

Wenn Rah­ner in der Gesin­nung gestor­ben ist, die er im Klei­nen Kon­zils­kom­pen­di­um zum Aus­druck gebracht hat, dann kann man für sein Heil nur wenig Hoff­nung haben. Fol­ge­rich­tig gibt es mei­nes Wis­sens auch kei­ne Wall­fahr­ten zu sei­nem Grab in der Kryp­ta der Inns­brucker Jesui­ten­kir­che.

Rahner/Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium
Rahner/Vorgrimler: Klei­nes Kon­zils­kom­pen­di­um

Man macht in die­sem Zusam­men­hang aller­dings oft die Erfah­rung, daß wohl­mei­nen­de Katho­li­ken ange­sichts aber­wit­zi­ger und offen häre­ti­scher Aus­sa­gen kirch­li­cher Ver­ant­wor­tungs­trä­ger eine Art von Selbst­zen­sur üben und die­se auch ande­ren auf­er­le­gen wol­len: „Das muß man rich­tig ver­ste­hen“, „Die Bischö­fe schau­en schon dar­auf“, „Man muß die gute Absicht wür­di­gen“, „Wie­so willst aus­ge­rech­net du das bes­ser wis­sen?“, „Ist das über­haupt rich­tig wie­der­ge­ge­ben bzw. über­setzt wor­den?“ u. dgl. For­mal ist es das­sel­be Muster wie bei der Selbst­zen­sur gegen­über der isla­mi­schen Aggres­si­on:

Man will es ein­fach nicht wahr­ha­ben.

Also: Die erste Auf­la­ge des Kon­zils­kom­pen­di­ums ist bereits 1966 erschie­nen. Seit damals gab es offen­bar nicht den gering­sten Ver­such, die­ses Desa­ster ein­zu­däm­men. Die Rah­ner­sche Inter­pre­ta­ti­on der Kon­zils­tex­te ist somit sei­tens des deut­schen bzw. deutsch­spra­chi­gen Epi­sko­pats nach wie vor „offi­zi­ös“ in Gel­tung.

Die Früch­te sind aller­or­ten sicht­bar.

Bei den Jesui­ten lernt man, Maß­nah­men, Ent­schei­dun­gen und Wei­chen­stel­lun­gen nach eini­ger Zeit nüch­tern aus­zu­wer­ten (vgl. a. Exer­zi­ti­en­buch 333–337). Also dann möge man das bit­te auch im gegen­ständ­li­chen Fall durch­füh­ren!

Theo­lo­gi­sche Wei­chen­stel­lun­gen haben Aus­wir­kun­gen in der Pra­xis. Auf­grund viel­fäl­ti­ger eige­ner Erfah­rung weiß ich, daß die Rah­ner­sche Men­ta­li­tät (der „Geist“) unglaub­li­che Kon­fu­si­on ver­ur­sacht und das Leben in einer geist­li­chen Gemein­schaft ver­gif­tet. Wer das nicht selbst erlebt hat, wird es nicht adäquat nach­voll­zie­hen kön­nen. Dabei ist es nor­ma­ler­wei­se nicht mög­lich zu sagen: Die­se und jene Maß­nah­me des Seel­sor­ge­am­tes, die und die Anwei­sung des Paters Pro­vin­zi­al, die­se und jene Aus­sa­ge in einem Hir­ten­brief u. dgl. stam­men wört­lich aus dem Rah­ner­schen Werk.

Es ist mehr der Geist bzw. die unter­schwel­li­ge Prä­gung, die all die­se Maß­nah­men und Aus­sa­gen beein­flus­sen oder bestim­men.

Es gibt nichts zu beschö­ni­gen: Rah­ner war ein Wolf im Schafs­pelz (wobei die­ser eher schlecht saß). Mit Abscheu blickt man auf einen Mann, der sich durch fei­er­li­che Gelüb­de dem Guten ver­pflich­tet hat­te und dann doch das Geschäft der Gegen­sei­te besorg­te. Es wäre jetzt drin­gend an der Zeit, die­sen Bann zu bre­chen.

Der Orden hät­te es in der Hand. Papst Fran­zis­kus noch viel mehr.

*MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, Kate­chist

Bild: Wikicommons/Amazon

(1) Giu­sep­pe Siri, Geth­se­ma­ni – Über­le­gun­gen zur theo­lo­gi­schen Bewe­gung unse­rer Zeit, Aschaf­fen­burg 1982. Mit Dank an Hoch­wür­di­gen Pater S. für die Beschaf­fung.

(2) David Ber­ger (Hrsg.), Karl Rah­ner – Kri­ti­sche Annä­he­run­gen, Ver­lag Franz Schmitt, Sieg­burg 2004, 512 Sei­ten. Mit Bei­trä­gen u. a. von Leo Kar­di­nal Scheff­c­zyk („ ), Alma von Stock­hau­sen, Heinz-Lothar Barth, Bern­hard Lakebrink („ ), Johan­nes Stöhr, Georg May, Wal­ter Hoe­res. In der Rei­he Quae­stio­nes non dis­pu­ta­tae, Band VIII. Eine Zita­ti­on des Ber­ger­schen Wer­kes impli­ziert selbst­re­dend kei­ne Zustim­mung zu des­sen „outing“, Lebens­wan­del und neu ein­ge­nom­me­nen inhalt­li­chen Posi­tio­nen.

Die voll­stän­di­ge Rei­he:

42 Kommentare

  1. Was die Suk­zes­siv­be­see­lung betrifft, war sie lan­ge Zeit Über­zeu­gung selbst eini­ger Päp­ste und geht auf Ari­sto­te­les zurück, dem man teil­wei­se mehr glaub­te, als der Schrift…

    Gegen den Strich gele­sen ist der Ver­lauf der kirch­li­chen Posi­ti­on zu dem The­ma durch Ran­ke-Hei­ne­mann hier ganz gut zusam­men­ge­fasst — wie gesagt gegen den Strich: http://www.zeit.de/1991/31/wg-maria

    Es hängt alles an der Gestalt Mari­ens!
    Auch der hl. Tho­mas glaub­te nicht an die unbe­fleck­te Emp­fäng­nis vom Moment der Zeu­gung an!

    Mit Pius IX. und der Dog­ma­ti­sie­rung der Imma­cu­la­ta war end­lich auch mit der frau­en­dis­kri­mi­nie­ren­den Wahn­idee von der spä­te­ren Besee­lung des weib­li­chen Fötus ein Ende gesetzt. Die Tat­sa­che, dass die Got­tes­mut­ter eine Frau ist und nun mal die­sen höch­sten mensch­li­chen Rang ein­nimmt und ihn vom ersten Moment ihre Lebens inne­hat­te, zwang gera­de­zu dazu, mit der fal­schen ari­sto­te­li­schen und scho­la­sti­schen Leh­re auf­zu­räu­men: Natür­lich ist jeder Fötus, auch der weib­li­che, vom Moment der Zeu­gung an beseelt! Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass noch eini­ge Zeit nach der Zeu­gung Zwil­lings­tei­lun­gen pas­sie­ren kön­nen — das wider­spricht ja nicht der Besee­lung. Vor Gott war die­se befruch­te­te Zel­le von Anfang an dop­pelt. Dar­an, dass der Mensch das zuerst nicht sah, kann es ja wohl nicht hän­gen! Inso­fern ist Ran­ke-Hei­ne­manns Pole­mik gegen eine Aus­sa­ge Kard. Leh­manns deplatz­iert.

    Das heißt: die Mari­en­dog­men der Neu­zeit waren abso­lut not­wen­dig in der Gemenge­la­ge, die auf uns zukom­men wür­de!

    Wie Ran­ke-Hei­ne­mann es wie­der­um rich­tig fest­stellt: es liegt an Maria. Sie ist der Schlüs­sel, um das alles rich­tig ein­zu­ord­nen. Ohne ihre Gestalt ist Irr­leh­ren Tür und Tor geöff­net.

    Dass aber die Moder­ni­sten Maria „zurück­ge­fah­ren“ haben auf eine Schar­nier­rol­le zwi­schen AT und NT ist auch wahr. Nicht nur Rah­ner, son­dern auch Ratz­in­ger — bis heu­te. Sei­ne theo­lo­gi­sche Posi­ti­on ist klar. Noch in sei­ner Jesus-Tri­lo­gie gesteht er der Frau allen­falls die Rol­le einer gele­gent­li­chen „Tür­öff­ne­rin“ zu — ent­ge­gen schon dem Pro­tevan­ge­li­um. Ihre höch­ste Ver­eh­rungs­wür­dig­keit und die Teil­ha­be am Erlö­sungs­werk aus Gna­den lehnt er dage­gen ab.

    Die Kon­fu­si­on des Moder­nismsu und ins­be­son­de­re Rah­ners resul­tiert aus dem Anti­ma­ria­nis­mus.

    An die Stel­le einer gesun­den Mari­en­ver­eh­rung setz­ten alle Mode­ni­sten den Cha­ris­ma­tis­mus bzw. eine unge­sun­de und irr­gei­sti­ge Mari­en-Mas­sen-Erschei­nungs­be­we­gung. Übri­gens auch Rah­ner.

    • @Zeitschnur — Dan­ke für die Aus­füh­run­gen ! Ich bin nicht in Theo­lo­gie pro­mo­viert (sond. Altertumswissensch./Archäologie) und ver­ste­he man­che Theo­lo­gie-Arti­kel nicht so gut.

      Eine Fra­ge: Die Bela­stung der Frau begann ja mit dem Sün­den­fall im Gar­ten Eden. Ich hat­te bei mei­ner Kon­ver­si­on gelernt, dass Maria eigent­lich als die ‚Zwei­te Eva‘ gilt, da sie am Erlö­sungs­werk Teil­ha­be hat. Spielt das hier auch eine Rol­le ?

      • Nicht direkt — aber erst die Dog­ma­ti­sie­rung der Imma­cu­la­ta hat jede theo­lo­gi­sche Mei­nung, der Fötus sei sound­so­viel Tage nicht beseelt, zur Häre­sie erklärt.

        Die­se Mei­nung haben vie­le Theo­lo­gen, Kir­chen­leh­rer und Päp­ste ver­tre­ten, aber es wur­de nicht lehr­amt­lich defi­niert oder in einem all­ge­mei­nen Lehr­schrei­ben so defi­ni­tiv behaup­tet. Es war eine theo­lo­gi­sche Mei­nung, die auf Ari­sto­te­les fuß­te. Mit dem Dog­ma kann nie­mand die­se Mei­nung mehr recht­gläu­big ver­tre­ten, und es ist per­fi­de, wenn Theo­lo­gen sich in die­ser Sün­de aus­ge­rech­net auf den hl. Tho­mas beru­fen, des­sen Mei­nung aber ein­deu­tig ver­wor­fen ist mit dem Dog­ma! Er sel­ber war kein Häre­ti­ker, aber die sich nach Pius IX. auf ihn stüt­zen sind es!

        Die­se Mei­nung hat das Abtrei­ben als wenig schwe­re Sün­de erschei­nen las­sen, wenn über­haupt. Das ist der eine Wahn­sinn. Der ande­re ist, dass man behaup­te­te — wie gesagt auf­grund der grie­chi­schen Denk­wei­se — , ein weib­li­cher Fötus wer­de noch spä­ter beseelt als der männ­li­che: eine grau­en­haf­te Ver­leug­nung des­sen, was Gott schuf. Denn die Rei­ni­gungs­vor­schrif­ten nach Gebur­ten im AT (s. Text Ranke‑H.) haben damit wie­der­um über­haupt nichts zu tun. Die bezo­gen sich auf die anti­ke, viel­leicht regio­na­le Beob­ach­tung, dass die nach­ge­burt­li­che Blu­tung einer Wöch­ne­rin bei weib­li­chen Kin­dern län­ger anhält als bei männ­li­chen. Eine Wer­tung war damit nicht (direkt) ver­bun­den, auch wenn die mensch­li­che Dumm­heit und Arro­ganz das dar­aus mach­te.

        Aber wie gesagt: Pius IX. hat die­ser theo­lo­gi­schen Irr­mei­nung ein end­gül­ti­ges Aus beschert — gera­de durch das Imma­cu­la­ta-Dog­ma, das
        a. beweist, dass jeder Fötus von der Emp­fäng­nis an beseelt ist
        b. weib­li­che Föten natür­lich genau­so wie männ­li­che von Anfang an beseelt sind!

    • @zeitschnur
      Irgend­wie wit­zig, dass Sie gera­de auf Ran­ke-Hei­ne­mann ver­wei­sen, die zwar in syste­ma­ti­scher Hin­sicht gut gear­bei­tet hat, aber eine (Ab-) Irren­de par excel­lence ist.
      Sie lehnt die Inter­pre­ta­ti­on der Kreu­zi­gung Jesu als Erlö­sung in einem „sie­ben­fa­chen nega­ti­ven Glau­bens­be­kennt­nis“ ab:

      „Die Bibel ist nicht Gottes‑, son­dern Men­schen­wort.
      Dass Gott in drei Per­so­nen exi­stiert, ist mensch­li­cher Fan­ta­sie ent­sprun­gen.
      Jesus ist Mensch und nicht Gott.
      Maria ist Jesu Mut­ter und nicht Got­tes­mut­ter.
      Gott hat Him­mel und Erde geschaf­fen, die Höl­le haben die Men­schen hin­zu­er­fun­den.
      Es gibt weder Erb­sün­de noch Teu­fel.
      Eine blu­ti­ge Erlö­sung am Kreuz ist eine heid­ni­sche Men­schen­op­fer­re­li­gi­on nach reli­giö­sem Stein­zeit­mu­ster.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Uta_Ranke-Heinemann#Nein_und_Amen_.28Abschied_vom_traditionellen_Christentum.29
      Mich wun­dert es nicht, dass man so weit abir­ren kann, wenn man sich zu tief in den Sphä­ren der theo­re­ti­schen Mystik bege­ben hat.
      Immer­hin hat sie die Mystik von Gör­res her­aus­ge­ge­ben. Aber lei­der kann alle Mystik auch an Chri­stus vor­bei­schie­ßen, wenn man dahin­ter Gott als Macht­fak­tor sucht, in sei­nem eige­nen Leben aber plötz­lich das Kreuz der Ohn­macht fin­det.
      „„Und so bin ich fort­ge­gan­gen […] von dem Gott mit den blu­ti­gen Hän­den, der sei­nen ein­zi­gen Sohn für uns opfer­te […] und wand­te mich ab von den Theo­lo­gen […] ihrer Ver­stan­des­feind­lich­keit und ihren grau­sa­men Mär­chen und glaub­te ihnen nicht mehr […]. Ich flüch­te­te mich schließ­lich zu den Zweif­lern, weil mir der Zwei­fel immer noch am sicher­sten schien. […] Und unter ihnen fand ich eini­ge, die an einem doch nicht zwei­feln konn­ten: dass alles, was ist, eine Ursa­che hat, weil von nichts nichts kommt. […] Und ich fühl­te mich bereit, mit dem Genie unter den Zweif­lern, dem Phi­lo­so­phen Des­car­tes, ange­sichts der Voll­kom­men­heit des Urhe­bers zu spre­chen: ‚Ich möch­te einen Augen­blick ver­wei­len bei der Betrach­tung die­ses voll­kom­me­nen Got­tes. Ich möch­te beden­ken, bewun­dern und anbe­ten die unver­gleich­li­che Schön­heit die­ses unend­li­chen Lichts, soweit es die Fas­sungs­kraft mei­nes Gei­stes erlaubt, der vor die­sem Licht geblen­det steht‘.“ (s.o., ebd.)
      R.-H. sehn­te zu sehr ins Licht, was ihr letzt­lich als schwach schim­mern­de Hoff­nung nach dem tra­gi­schen Ver­lust ihres Ehe­man­nes und dem Bekennt­nis ihrer Ohn­macht geblie­ben ist.
      Maria inter­es­sier­te sie nur aus femi­ni­stisch- eman­zi­pa­to­ri­schen Beweg­grün­den.
      Die Dame ist sehr schrill. So auch ihre athe­istisch-agno­sti­schen The­sen.

      • Wie gesagt — mir ging es um eine kur­ze syste­ma­ti­sche Zusam­men­fas­sung zum The­ma.
        „Gegen den Strich“ füg­te ich hin­zu.
        Soviel Sach­lich­keit muss sein.
        Dass sie anson­sten eine Häre­ti­ke­rin ist, ist schon klar — das woll­te ich damit gera­de nicht kaschie­ren und habe es des­we­gen zwei­mal ange­merkt, dass hier gegen den Strich gele­sen wer­den soll mei­ner Inten­ti­on nach.

        Haben Sie das denn über­se­hen oder nicht ver­stan­den?!

        Ein Urteil über die per­sön­li­che See­len­ver­fas­sung Ran­ke-Hei­ne­manns steht uns aller­dings nicht zu.

      • @zeitschnur
        Ich woll­te nur noch ein­mal klar her­aus­stel­len, dass Ran­ke-Hei­ne­mann eine Häre­ti­kern des Wor­tes ist.
        Dass in ihrem (R.-H.s) letz­ten Satz von der Sehn­sucht nach dem gött­li­chen Licht alle­rings ein uner­hör­tes, ja tief sit­zen­des Hof­fen mit­schwingt, ist mir auch auf­ge­fal­len und hat mich sehr bewegt.
        Des­halb haben Sie mit ihrem Satz: „Ein Urteil über die per­sön­li­che See­len­ver­fas­sung Ran­ke-Hei­ne­manns steht uns aller­dings nicht zu.“ sehr recht.
        Viel mehr erschrecken mich Wor­te wie „Abscheu“, das in einem Arti­kel zu lesen war (über Karl Rah­ner und sei­ne Theo­lo­gie). Die­se Art der ver­mit­teln­den Recht­gläu­big­keit steht mir viel fer­ner als das demü­ti­ge Bekennt­nis zu zwei­feln.
        Und sind wir doch mal ehr­lich: Je mehr wir über Gott zu wis­sen glau­ben, umso mehr müs­sen wir uns vor sei­ner Maje­stät in unse­rem Nicht­wis­sen beu­gen.
        Ich ken­ne einen Mann, der lebt wie ein Mönch. Er ver­zich­tet auf jeden Begriff von Gott, aber lebt in der Lie­be, so weit ihm das sei­ne schlich­te Erkennt­nis ermög­licht. Er gibt auch zu, dass er am Leben lei­det. Ande­re sagen über ihn her­ab­las­send: „Ach der! Als der lIe­be Gott den Ver­stand ver­teilt hat, hat der nicht all­zu viel davon mit­be­kom­men.“ — Mit­un­ter kommt mir der Gedan­ke, er kön­ne näher an Gott sein als wir soge­nann­ten Gut­men­schen, da er auf jeden Begriff von Gott ver­zich­tet. Er defi­niert ihn nicht, da er ihn nicht efah­ren und ver­stan­den hat. Er ist kein Schau­spie­ler. Manch­mal tut er mir leid, dann wie­der bewun­de­re ich ihn.

    • @Pater Pio — U. Ran­ke-Hei­ne­mann ist im katho­li­schen Sin­ne ungläu­big. Ich habe nie ein Buch von ihr gele­sen. Ich sah sie des öfte­ren in Talk­shows im TV. Und was da rüber­kam war de fak­to Unglau­be. Die glaubt nicht mal an die ein­fach­sten Dog­men und nennt sich katho­lisch. Mehr als dane­ben. Eigent­lich soll­te sie aus­tre­ten.
      Aber es ging hier ja um die Ana­ly­se Rah­ners, des­we­gen hat Zeit­schnur sie zitiert.
      @Zeitschnur — Noch­mals zu mei­ner Fra­ge, wegen Mut­ter Maria: Ich habe irgend­wo mal gele­sen (lei­der weiß ich nicht das Zitat), dass Mut­ter Maria als ‚Zwei­te Eva‘ uns Frau­en als Gna­den­ver­mitt­le­rin alles zurück geben wird, was wir im Gar­ten Eden durch den Sün­den­fall ver­lo­ren hat­ten. Ich fin­de die­sen Gedan­ken wich­tig, weil dadurch sich eini­ges ver­än­dern wird.

      • Jean­ne d’Arc
        Die­ser Gedan­ken­gang ist erst­mals vom hl. Ire­nä­us von Lyon bezeugt, par­al­lel zum Nach­den­ken über Jesus Chri­stus als Zwei­ten Adam. Der Gedan­ke ent­fal­te­te eine gro­ße Wir­kung durch die Jahr­hun­der­te.
        Dass er von Ire­nä­us von Lyon bezeugt ist, erscheint mir des­halb bedeut­sam, weil die­ser als Schü­ler des Bischofs Poly­karp von Smyr­na auf­wuchs, der wie­der­um, nach dem Bericht des Ire­nä­us, ein Schü­ler des Apo­stels und Evan­ge­li­sten Johan­nes gewe­sen war. Johan­nes aber war der Jün­ger, der, nach dem Herrn Jesus selbst, die hl. Jung­frau Maria kann­te wie kein ande­rer Mensch.

  2. Die „Welt­wo­che“ ver­öf­fent­lich­te ein Inter­view mit Karl Rah­ner aus dem Jah­re 1978 anl. der damals bevor­ste­hen­den Papst­wahl; die Abnei­gung gegen die hl. Tra­di­ti­on ist nicht zu über­le­sen:
    -
    „Ich wür­de mir einen Papst wün­schen, der die letz­te Sub­stanz der christ­li­chen Bot­schaft von Gott als der unauf­heb­ba­ren Besie­ge­lung der Selbst­zu­sa­ge Got­tes an die Welt und in ihrer Geschich­te wer­ben­der, rasan­ter, glü­hen­der, leuch­ten­der ver­kün­di­gen wür­de.
    Ich wür­de mit wün­schen, dass der kom­men­de Papst nicht nur über die Ortho­do­xie die­ser Leh­re ängst­lich, abweh­rend wacht, son­dern für sei­nen Teil — mehr kann man nicht ver­lan­gen — auch ver­sucht, in der Leben­dig­ma­chung ihrer Ver­kün­di­gung bis zu einem gewis­sen Grad vor­bild­lich vor­an­zu­ge­hen.
    Die bis­he­ri­ge Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, das frü­he­re Hei­li­ge Offi­zi­um, ist doch in gewis­ser Wei­se eine büro­kra­ti­sche Behör­de, die es nicht wirk­lich fer­tig­bringt, die Glau­bens­sub­stanz, die sie ver­tei­di­gen muss, über­zeu­gend zu ver­kün­den. Sie repe­tiert nur, schärft nur ein, wehrt nur ab, ist aus der Ver­holztheit der Neu­scho­la­stik der Pia­ni­schen Epo­che noch nicht her­aus­ge­kom­men.“
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  3. Wes Gei­stes Kind Karl Rah­ner war, kann man in dem sehr emp­feh­lens­wer­ten Buch von Bern­hard LAKEBRINK: DIE WAHRHEIT IN BEDRÄNGNIS / Chri­stia­na Ver­lag nachlesen.Das Buch ent­hüllt in erschrecken­der Wei­se die Denk­grund­la­gen die­ses Man­nes. Eines ist sicher, Karl Rah­ner war in sei­nen spä­ten Jah­ren kein Christ mehr.

  4. Wie groß der Ein­fluß von Theo­lo­gen im all­ge­mei­nen auf den Glau­ben der Men­schen ist, ist schwer zu sagen.
    Es ist ja nicht so, als wüß­te „man“ nicht Wah­res von weni­ger Wah­rem und gar Fal­schem zu unter­schei­den.
    Solan­ge die Evan­ge­li­en­tex­te nicht ver­fälscht wer­den und über­haupt die Bücher der Bibel, gibt es eine Gewähr dafür, daß der Ungeist nicht das letz­te Wort haben wird. Es wäre jeden­falls ziem­lich lächer­lich und töricht, Men­schen Unwah­res ein­re­den zu wol­len wie das nicht weni­ge Prie­ster, Bischö­fe und Kar­di­nä­le ja aktu­ell ver­su­chen. Das hat mit der Weis­heit Got­tes nichts zu tun- und das Schei­tern ist vor­pro­g­arm­miert.

    Ins Reich Got­tes gelan­gen nur die mit rei­nem Her­zen- wie unschul­di­ge Kin­der. Die Klei­nen wer­den ein­mal über die Über­schlau­en soz. zu Gericht sit­zen.

    • Der Ein­fluß der Theo­lo­gen ergibt sich durch die Uni­ver­si­tä­ten und Prie­ster­se­mi­na­re auf die Prie­ster. Die Prie­ster müs­sen, das was dort gelehrt und vor­ge­lebt wird, anneh­men und dann spä­ter umset­zen. Da erge­ben sich die Fra­gen: Sind unse­re Prie­ster fähig die Anwei­sun­gen Jesu Chri­sti zu befol­gen und umzu­set­zen ? Eine davon lau­tet: „Heilt die Kran­ken, weckt die Toten auf, macht die Aus­sät­zi­gen rein, treibt die Dämo­nen aus !“ (Mt 10, 8). Wo ist dies geblie­ben ? Das lässt sich nicht mit intel­lek­tu­el­ler Theo­lo­gie umset­zen. Ich rede hier nicht von Mythen oder Mär­chen. Es gab in Rom einen Pfar­rer Bern­hard Clau­si, der Tote auf­er­weckt hat. Da geht es nicht um theo­lo­gi­sche Wort­hül­sen, da geht es um Sein oder Nicht-Sein.

      • Bin dem Link mal gefolgt — von Tote­auf­er­wecken hab ich nix gele­sen, nur dass er einen Tod vor­her­sah. Hab ich das über­le­sen?
        Aber ehr­lich gesagt — das ist mir alles too much. Sovie­le Wun­der­ga­ben auf einem Hau­fen sind für mich bereits schon wie­der zwei­fel­haft. Auch die­se selt­sa­men leib­haf­ti­gen Kämp­fe mit dem Dämon, der ihn sogar an den Rand des „Ins-Was­ser-gehens“ trieb — da über­la­gern sich Phä­no­me­ne der Beses­sen­heit mit denen des Glau­bens­kamp­fes, und das ist ein ganz schwie­ri­ges Ter­rain…

        Mei­nen Sie denn wirk­lich, dass das Auf­ga­be des Prie­sters ist?

        Regt das nicht eher die Sen­sa­ti­ons­gier an, und trübt es nicht den nüch­ter­nen Sinn, zu dem wir unbe­dingt ver­pflich­tet sind?
        War der Prie­ster der Jahr­hun­der­te solch ein Mul­ti-Mega-Cha­ris­ma­ti­ker, oder war er ein offe­ne­ner, durch­schau­ba­rer, glau­bens­star­ker, nüch­ter­ner, lie­be­vol­ler und ein­fa­cher Mann?
        Es löst in mir Befrem­den aus, dass es sol­che Mul­ti-Megas erst seit ca. 200 Jah­ren in der Häu­fung gab. Sie fixier­ten die Men­schen letzt­end­lich auf ihre eige­ne Per­son und hin­ter­lie­ßen eine theo­lo­gi­sche Ein­öde.
        Star­ben sie, blieb nichts außer einer über­spann­ten Erin­ne­rung an eine Art Wun­der­scha­ma­nen und letzt­end­lich vie­le Irrun­gen in Form unbe­stä­tig­ter Pro­phe­ti­en — ähn­lich bei Pater Pio.
        Fast kann man sagen, dass die­se Män­ner den Glau­ben der ein­zel­nen und ihre ech­te „Auf­er­weckung ins geist­li­che Leben“ sogar erheb­lich geschwächt haben. Denn wo sind die Früch­te geblie­ben?

        • Daß gera­de nach der gera­de­zu rati­odog­ma­ti­schen „Auf­klä­rung“ sich die­se kon­tra­stie­ren­de Wun­der­schau­un­gen meh­ren, fin­de ich eigent­lich sogar logisch. Gera­de deren Über­maß straft die (ohne­hin nur hal­be) Ratio der rei­nen Mate­ria­li­sten wun­der­bar als blo­ße Spie­gel­fech­te­rei ab.

      • Pater Pio hat gesagt: „Ich rufe nie­man­den. Die gött­li­che Vor­se­hung schickt sie.“ Den Rum­mel um sei­ne Per­son hat er nicht gesucht und haben weder er noch sein Orden vor­her­ge­se­hen.
        Vie­mehr gibt es schon eine Pro­phe­zeiuung aus dem Jah­re 1906 über Pater Pio. Dar­in hieß es, dass der Herr einen kräf­ti­gen Baum ein­pflan­zen wer­de. Und jeder, der sich unter den Schutz die­ses Bau­mes stel­len wer­de, wer­de nicht ver­lo­ren gehen. Damals war Pater Pio noch dem Tode nahe und die Ärz­te wuss­ten nicht, wie­vie­le Tage er noch zu leben hat­te. Meh­re­re Jah­re war es ihm nicht mög­lich, wegen sei­ner Kränk­lich­keit, im Orden zu leben.
        Alle Gna­den, die Gott in sei­nem Umfeld durch sein für­bit­ten­des Gebet spä­ter wir­ken woll­te, gin­gen durch die Hän­de Mari­ens. Pater Pio war ein gro­ßer Mari­en­ver­eh­rer. Er bete­te unab­läs­sig den Rosen­kranz.
        Er ver­wies die Men­schen sogar, ihm zu dan­ken und sag­te: „Bedankt euch nicht bei mir. Geht zur heli­gen Jung­frau.“
        Vie­le sind durch Pater Pio schon zum Glau­ben gekom­men. So war es auch bei mir. Anfangs war ich nur fokus­siert auf die Wun­der. Die waren sozu­sa­gen der Köder. All­mäh­lich ler­ne ich: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glau­ben.“
        Es gibt auch ande­re gro­ße Wun­der­tä­ter. In Dal-Gals Lebens­be­schrei­bung habe ich mit Erstau­nen von der gro­ßen Wun­der­tä­tig­keit Pius X gele­sen.
        Mich stö­ren gro­ße Mega-Wun­der-Män­ner nicht, solan­ge sie gute Früch­te des Glau­bens her­vor­brin­gen. Jeder, der den ande­ren liebt, ersehnt auch die Hei­lung sei­nes Bru­ders, sei­ner Schwe­ster.
        Aller­dings ist eine küh­le Distanz auch sehr wert­voll. Denn im cha­ris­ma­ti­schen Bereich gibt es vie­le Wun­der. Und selbst im Leben vie­ler Hei­li­ger gibt es die selt­sam­sten wun­der­ba­ren Erle­nis­se. Dar­über hat übrin­ges eben­falls Karl Rah­ner geschrie­ben. Dar­um ist schon Vor­sicht gebo­ten. Frau Mer­ten­sacker schrieb (CM) mir ein­mal: „Las­sen Sie sich von nie­man­dem die Hän­de auf­le­gen, außer von einem geweih­ten, dazu bevoll­mäch­tig­tem Prie­ster.“
        Auf der ande­ren Sei­te, will Gott, dass wir für die Gesund­heit unse­rer Mit­men­schen beten, immer natür­lich unter der Vor­aus­set­zung des „Herr, dein Wil­le gesche­he.“
        Pater Pio woll­te ein­mal für einen Blin­den beten. Der Blin­de sag­te aber: „Der Herr hat mich erblin­den las­sen. Wie­so soll­te er mir zuerst die Blind­heit geben und sie mir dann wie­der neh­men? Wenn es für mein See­len­heil bes­ser ist, blind zu blei­ben, will ich es auch blei­ben. Das Wun­der ist für die, die gera­de erst anfan­gen zu glau­ben. Nicht aber für die, die im Glau­ben erstarkt sind und sich mit dem gekreu­zig­ten Hei­land ver­bun­den haben. Sie opfern ihr Lei­den zur Erlö­sung an der Sei­te ihres Herrn auf.“ Pater Pio ant­wor­te­te: „Dein Gebet ist voll­kom­men.“ Dann umarm­te er den Blin­den. Die­ser durf­te bei Pater Pio sein Leben lang ein und aus gehen, wohn­te sogar zeit­wei­se im Klo­ster und stand unter Pios väter­li­chem Schutz. — Wie kann man sagen, der Hei­li­ge Pater Pio beför­de­re nur einen Per­so­nen­kult? Das stimmt schlicht­weg nicht. Er führt tau­sen­de zum Glau­ben zurück. Las­sen wir da bloß kei­nen Neid auf­kom­men…

      • „Wo sind die Früch­te geblie­ben?“ Dazu kann ich nur ant­wor­ten: „Wenn wir mit Lie­be auf die Men­schen schau­en, sehen wir auch die Früch­te.“
        Zwar sün­digt jeder jeden Tag vor der Rein­heit und Makel­lo­sig­keit der Gott­heit. Wäre das aber nicht so, brauch­te es kei­nen Erlö­ser.
        Wir könn­te uns ohne Pro­ble­me selbst erlö­sen. In die­sem Zusam­men­hang möch­te ich noch ein­mal ver­wei­sen auf das, was Bud­dha am Ende sei­nes Lebens gesagt haben soll: „Ich bin bis an die Pfor­ten des Him­mels gekom­men, aber habe kei­ne Tür [Jesus]gefunden.“
        Der Bud­dhis­mus ist 2600 Jah­re alt, die älte­sten Bücher der Bücher Mose 3500 Jah­re. Man kann also davon aus­ge­hen, dass Bud­dha die 10 Gebo­te wie auch den Schöp­fungs­my­thos, wie auch den Sün­de­fall kann­te. Da er aber den Erlö­ser Jesus Chri­stus nicht ken­nen gelernt hat­te — die­ser kam erst nach ihm — konn­te er auch das Gött­li­che im Men­schen nicht ver­ste­hen. Des­halb über­nahm er die Gebo­te der zwei­ten Tafel, ließ aber die Gebo­te der ersten Tafel, die von der Ehre Got­tes spre­chen, frei. An deren Stel­le setz­te er das Nichts als Platz­hal­ter des Unver­stan­de­nen. In sofern war Bud­dha erleuch­tet in sei­nem Nicht­wis­sen und bekann­te am Ende sei­nes Lebens, immer noch nicht gefun­den zu haben. Dar­um ver­birgt sich hin­ter den öst­li­chen Heils­leh­ren eigent­lich eine tie­fe Sehn­sucht nach dem Gött­li­chen und ruft eine ver­kapp­te Werk­ge­rech­tig­keit her­vor…
        Letz­ten Endes kön­nen wir nur den Boden berei­ten. Der Herr aber lässt die Früch­te rei­fen und bringt se her­vor, wenn er es will und wie er es will. Wir müs­sen als Chri­sten glau­ben, dass wir immer noch im gött­li­chen (Heils-)Willen ste­hen und dass der Herr die Din­ge gesche­hen lässt, um sei­ne Herr­lich­keit vor­zu­be­rei­ten.
        In die­sem Zusam­men­hang fällt mir ein, dass Pius X noch als Kano­ni­kus eine Aus­ein­an­der­set­zung mit einem Geist­li­chen hat­te, der die Lai­zi­tät als Got­tes Wil­len ansah und das auch pre­dig­te. Pius sus­pen­dier­te den Geist­li­chen von sei­nen Ämtern. Das dau­er­te 40 Jah­re an. Als Papst lud er sogleich den Abtrün­ni­gen ein, der wei­ter ein from­mes Leben gelebt hat­te. Der Geist­li­che folg­te der Ein­la­dung, so dass ihm PIus schon beim Ein­tre­ten ent­ge­gen kam und sag­te: „Schön, dass sie abschwö­ren wol­len.“ Den ange­spro­che­nen traf es wie ein Blitz. Er ent­geg­ne­te wie einst Luther: „Wie? So ver­ste­hen sie mich? Nein dazu bin ich nicht gekom­men. Ich wei­che nicht ab von mei­nem Stand­punkt. Ich kann es nicht! Denn ich hal­te die Tren­nung von Staat und Kir­che, ins­be­son­de­re im Kir­chen­staat, für den Wil­len Got­tes.“ Da über­leg­te Pius einen Augen­blick und sage dann: „Sagen wir es so: Gott hat es zuge­las­sen.“ Mit die­ser For­mu­lie­rung konn­te der Geist­li­che leben. Der Geist­li­che stimm­te die­ser For­mu­lie­rung zu und wur­de wie­der in sei­ne Befug­nis­se und Ämter ein­ge­setzt.
        Kön­nen wir immer so genau sagen, was der Wil­le Got­tes ist ( das Wie der Ret­tung) u. was er nur zulässt? — Ich den­ke, jeden Sün­der lässt er zu, er lässt ihn leben und erhält ihn am Leben, auf dass er sich bekeh­re. Aber auch die­ser steht im gött­li­chen Plan und in Got­tes Vor­se­hung..

      • @ Pater Pio

        Ja, die Din­ge sind natür­lich schil­lernd, gewiss…
        Und was „Lie­be“ ist, die dann auch die wah­ren Früch­te erken­nen soll, kann man auch nicht erklä­ren…
        Was hal­ten wir nicht alles für „Lie­be“… dass man sich da mal nicht selbst belügt!
        Sie erzäh­len ja selbst, dass Ihre Bekeh­rung auf­grund der Wun­der­sucht geschah. Das spricht aber noch nicht für die Wahr­heit der Wun­der. Man­che bekeh­ren sich auch in einem ersten Schritt im Pro­te­stan­tis­mus (so wars bei Kar­di­nal New­man), der des­we­gen aber nicht rein­ge­wa­schen ist. Er ist und bleibt trotz­dem häre­tisch.

        Viel­leicht ver­ste­hen Sie, was ich mei­ne.

        Alles ande­re: das ist dop­pel- und drei­fach­bö­dig, wenn es langt…

        Aber eines muss jeden erschrecken: Jesus sag­te, dass nicht alle Herr-Herr-Sager ins Him­mel­reich kom­men wer­den.
        Man darf sich also von from­men Sprü­chen und ein­stu­dier­ter Demut nicht blen­den las­sen.
        Jeder Katho­lik weiß, was in from­men Krei­sen sozi­al erwünscht ist an Wor­ten und Gesten.
        Da war auch Pater Pio ein­schlä­gig bewan­dert.
        Viel­leicht mehr als uns lieb ist.
        Auch damit muss man rech­nen.
        Es war bei ihm so wenig Genui­nes — alles wirkt wie ein rie­si­ger Kram­la­den aus dem gro­ßen mysti­schen Pool der Kir­che… auch sei­ne angeb­li­chen Visio­nen sind Auf­güs­se von unzäh­li­gen Sehern vor ihm.

        Und das mit dem Baum — Ver­zei­hung: wer hat­te die­se Visi­on, und wie hat die Kir­che sie beur­teilt?

        Dar­aus kann man schlicht und ein­fach … das gilt für uns alle … gar nichts schlie­ßen. Es gibt auch die Heu­che­lei, und ich habe Angst vor ihr — erst mal bei mir selbst, dann aber auch bei ande­ren. Der „Teu­fel“, sagt schon der Volks­mund, ist „ein Eich­hörn­chen“ und schlüpft selbst an die frömm­sten Plät­ze.

      • @Zeischnur —- Das mit dem Auf­er­wecken von Toten hat­te ich aus einer ande­ren lite­ra­ri­schen Quel­le, wo ich jetzt aber das Zitat nicht erbrin­gen kann. Wenn Ihnen das alles „too much“ ist, dann dür­fen sie die Apo­stel­ge­schich­te, wo Petrus die sel­ben Wun­der wie der Herr wirk­te, auch nicht ernst neh­men. Sor­ry !

      • @zeitschnur
        „Sie erzäh­len ja selbst, dass Ihre Bekeh­rung auf­grund Ihrer Wun­der­sucht geschah.“
        So habe ich das nicht ganz geschrie­ben. Ich ver­wen­de­te den Begriff Köder. Aber im für mich posi­ti­ven Sin­ne. Denn ich sag­te mir: Wenn der­ar­ti­ge Din­ge pas­sie­ren, musst du dich aus­ein­an­der­set­zen mit dem Mehr, was die­ser Wun­der­mönch sagt. Ich erkann­te (für mich), dass sich alles mit dem deckt, was die Kir­che lehrt. So kam ich dahin, das wie­der ernst zu neh­men, was durch das Lehr­amt ver­kün­det wird.
        Es war auch des­halb kei­ne Wun­der­sucht, da ich mich in einer Not­la­ge befang und Hei­lung such­te, aber durch P. Pio nicht fand. Erst war ich kin­lich böse auf den Hei­li­gen. Bis mir bewusst wur­de, dass er von sich selbst gesagt hat­te, er sei nur ein Werk­zeug Got­tes. Ich muss­te mich also an Gott direkt wen­den. Dann hat­te der Hei­li­ge gelehrt: „Den­ke immer dar­an, dass Gott alles sieht.“ Auch das beflü­gel­te mich, nicht mehr Pater Pio sel­ber anzu­ru­fen, son­dern Gott. Das andau­ern­de Rosen­kranz­ge­bet des Paters und das Ins-Leben-Rufen zahl­rei­cher Gebets­grup­pen führ­te mich dann erst­mals an das Rosen­kranz­ge­bet her­an. Ich war nicht zu Pater Pio gelangt, da ich wun­der­süch­tig war, son­dern hei­lungs­be­dürf­tig, an Leib und See­le glei­cher­ma­ßen. Ich hat­te Not und brauch­te einen Bezugs­punkt, einen gei­sti­gen Füh­rer, der mir wie allen ande­ren sag­te: „Mache dich wür­dig zu emp­fan­gen, was du erbit­test.“ So kam ich zum 6. Gebot und stell­te für mich fest, wenn ich hier nicht in Got­tes Wort blei­be, schaf­fe ich es auch in den ande­ren Gebo­ten nicht. Nach dem 6. ging ich alle Gebo­te durch. Also nahm ich mir das 8 vor, usw. Und jetzt stel­le ich fest, dass ich im Utr­teil über ande­re teil­wei­se hart gewor­den bin. Das bringt mich dahin zu fra­gen: Habe ich die Lie­be noch? Sehe ich die Men­schen in ihren Ver­strickun­gen und wäre ich nicht so wie sie, wenn ich in ihrer Situa­ti­on wäre. Dar­um bit­te ich den Herrn mich vor Selbst­ge­rech­tig­keit zu bewah­ren.
        Nun aber noch unbe­dingt zur seli­gen Luci­et­ta Fio­ren­ti­no, zu der der Hei­land sprach — man fand es in ihrem Tage­buch nach ihrem Tode im Jah­re 1963:
        „Von Fer­ne wird ein Prie­ster kom­men, sym­bo­lisch ver­gli­chen mit einem gro­ßen Baum. Hier in die­sem Klo­ster wer­de ich ihn ein­pflan­zen, sei­ne Äste und Blät­ter wer­den sich über die Welt erstrecken. Wer glaubt, wird sich unter die­sen Baum flüch­ten, er ist so schön, so reich mit wun­der­ba­ren Früch­ten, und jene wer­den das siche­re See­len­heil errei­chen! Alle, die ihm nach­fol­gen, wer­den das siche­re Heil errei­chen. Doch nie­mand gibt ihm den rich­ti­gen Wert. Eines Tages wird man ihn erken­nen. Ich bin es, der in ihm wirkt In ihm habe ich alle Vor­aus­set­zun­gen vor­ge­fun­den, ich habe mich mit ihm ver­eint. Den Getreue­sten ver­birgt er sich. Was mein Die­ner, Pater Pio, sagt und denkt, ist von mir gewoll­te. Wer ihm fäsch­li­cher­wei­se etwas Böses nach­sagt, scha­det sei­ner eige­nen See­le. DIe tun gut dar­an, die sich ihm emp­feh­len, ihn um Gna­den bit­ten und ihn ver­eh­ren! Dei­ne See­le spie­ge­le sich in die­sem Vater, denn ich wir­ke in ihm.…

      • …Ich wer­de die­sen mei­nen Sohn groß machen. Ich strö­me Wohl­ge­ruch aus! Er hat die Fähig­keit, alle Gna­den zu geben. Wer ihn anruft, wie man einen Heli­gen anruft, über den freue ich mich. Er hat die Hän­de voll von gei­sti­gen Gaben. Er lebt in mir, daher ist er die leben­de Hostie. Erst im Him­mel wer­det ihr erfah­ren, wer Pater Pater Pio ist.“

      • Na gut, @ Pater Pio, das mit der „Wun­der­sucht“ neh­me ich zurück. Ich habe jetzt ein unge­fäh­res Bild von Ihrem Weg — dan­ke für die Mühe, das dar­zu­stel­len.
        Und ein „har­tes Urteil“ über ande­re Men­schen hat der Mensch immer im sünd­haf­ten Zustand.
        Man darf aller­dings ein har­tes Urteil über einen ande­ren Men­schen nicht ver­wech­seln mit einem kla­ren Urteil über eine Mei­nung, die jemand ver­tritt — das sind zwei paar Stie­fel.

        Was Sie über die­se Visio­nen etc. erzäh­len, lässt mich aller­dings zurück­wei­chen.
        Das kann aus theo­lo­gi­schen Grün­den nicht rich­tig sein:

        „Wer glaubt,“ zitie­ren Sie. „wird sich unter die­sen Baum flüch­ten, er ist so schön, so reich mit wun­der­ba­ren Früch­ten, und jene wer­den das siche­re See­len­heil errei­chen! Alle, die ihm nach­fol­gen, wer­den das siche­re Heil errei­chen. Doch nie­mand gibt ihm den rich­ti­gen Wert.“

        Hat die Kir­che nicht aus­drück­lich ver­wor­fen, dass jemand sich ein­bil­det, hier auf Erden Heils­si­cher­heit zu gewin­nen? Das Triden­ti­num hat eine sol­che Behaup­tung sogar unter Bann­fluch gesetzt!

        Also mit Ver­laub: die Kir­che hat es doch immer abge­lehnt, den Gläu­bi­gen den Glau­ben an Visio­nen oder Offen­ba­run­gen an ein­zel­ne Leu­te, als HEILSNOTWENDIG abzu­ver­lan­gen! Heils­not­wen­dig sind die Sakra­men­te, v.a. die Tau­fe und die Beich­te, und nichts wei­ter!

        Inso­fern möch­te ich hier war­nen vor einer visio­nä­ren Irr­leh­re — das kann nicht sein!
        Den­ken Sie dar­über noch mal nach, bit­te — bei allem Ver­ständ­nis für Ihre Hal­tung, aber das kann so nicht recht sein.

        Und dann das:

        „Wer ihm fälsch­li­cher­wei­se etwas Böses nach­sagt, scha­det sei­ner eige­nen See­le. DIe tun gut dar­an, die sich ihm emp­feh­len, ihn um Gna­den bit­ten und ihn ver­eh­ren! Dei­ne See­le spie­ge­le sich in die­sem Vater, denn ich wir­ke in ihm….“

        Auf gut Deutsch ist das Erpres­sung! Erstens ist fälsch­li­ches Übel­nach­re­den immer eine Sün­de — nicht nur bei pater Pio. Zwei­tens wird hier jede Infra­ge­stel­lung der Pio-Iko­ne mit erpres­se­ri­schen Mit­teln unter­drückt. Die Kir­che hat nie ver­bo­ten, einen Visio­när kri­tisch zu betrach­ten. Und alle ech­ten Mysti­ker haben sich das um Chri­sti wil­len ger­ne gefal­len las­sen. Wenn aber jeder, der Pater Pio nicht „schluckt“, hier qua­si ver­dammt wird, dann ist das gera­de­zu häre­tisch.

        Immer lehr­te die Kir­che die Frei­heit in der Zustim­mung zu einem Hei­li­gen, wobei Pater Pio als kon­zils­kirch­li­cher Hei­li­ger für mich ohne­hin zwei­fel­haft ist. Nie­mand MUSS einen Hei­li­gen ver­eh­ren, um selig zu wer­den.

        Wenn eine durch sol­che irri­gen „Visio­nen“ gestützt wird, muss man eher den­ken, dass das alles von woan­ders her inspi­riert ist — eben weil hier alles an die­sem Pater Pio auf­ge­hängt wird, anstatt an Chri­stus allei­ne.

        Mei­ne See­le soll sich außer­dem grudn­sätz­lich nie in einem Men­schen spie­geln!
        Was sind denn das für fürch­ter­li­che Abwe­ge!
        Allei­ne der Herr ist es, in dem wir uns erken­nen sol­len.

        Neh­men Sie es mir nicht übel, @ Pater Pio, aber das soll­ten Sie schnel­le­ste­ns noch mal über­prü­fen!

      • Jean­ne d’Arc
        Die Apo­stel wirk­ten vie­le Wun­der, die der Beglau­bi­gung und Ver­brei­tung des Chri­sten­tums dien­ten.
        Ob ihre Gei­stes­ga­ben mit ihrem Tode auf­hö­ren soll­ten oder nicht, dar­über wird die Kon­tro­ver­se zwi­schen „Ces­sa­tio­ni­sten“ und „Con­ti­nua­tio­ni­sten“ geführt, vor allem unter Pro­te­stan­ten Unter die­sen Stich­wör­tern kann man bibli­sche Argu­men­te für und wider fin­den.

      • @ Jean­ne d’Arc

        Ich neh­me die Wun­der­be­rich­te des Schrift ganz ernst. Auch die seriö­sen aus der Kir­chen­ge­schich­te.
        Aber das war nicht der Kern des apo­sto­li­schen Wir­kens.
        Wie @ Pater Pio sag­te, eher eine Art „Köder“.
        Wun­der wir­ken auch die Göt­zen­die­ner.

        Ich bezweif­le nicht, dass es auch Wun­der gibt in der Kir­che, aber ich bin vor­sich­tig damit, Wun­der zum Kern­dienst des Prie­sters zu machen.

        Das Kern­ge­schäft des Prie­sters ist es, die Hl. Wand­lung zu voll­zie­hen.

        Ist das nicht das größ­te Wun­der?

        Bit­te beden­ken Sie, dass Jesus am Ende der Tage Men­schen von sich sto­ßen wird, die Ihm vor­rech­nen, wie vie­le Wun­der sie doch in Sei­nem Namen getan haben, wie vie­le Dämo­nen sie aus­ge­trie­ben haben etc.

        Das ist also eine dop­pel­bö­di­ge und gefähr­li­che Sache.

        Und eine alte Regel in der Kir­che ist: Häu­fen sich in einer Per­son „Wun­der“ und „Über­na­tür­li­ches“, ist das eher ein Zei­chen, dass das nicht von Gott kommt, son­dern…

        Daher: too much „supra­na­tu­ra­li­ta­te“ ist immer mit Vor­sicht zu genie­ßen.

      • @zeitschnur
        „Wenn ihr in mei­nem Wort bleibt, wer­det ihr die­ses tun und noch grö­ße­res.“
        „Was auch immer ihr in mei­nem Namen erbit­tet, wer­det ihr erhal­ten.“
        Pater Pio als Baum ist ein Sym­bol für das Ste­hen und Blei­ben im Glau­ben. Es ist kein haschen­des wir­res affekt­be­haf­te­tes Hüp­fen unter den Baum, um eine Frucht zu rau­ben und dann wie­der davon­zu­lau­fen. Es geht um die Ver­ei­ni­gung mit dem Opfer des Prie­sters. Hier Pater Pios.
        Das gilt aller­dings auch für jeden ande­ren Prie­ster. Wir sol­len uns mit dem Prie­ster, der Chri­stus am Altar ver­tritt und die­sem nach­fol­gen soll, ver­ei­nen. Das gilt für jede Gemein­de.
        Pater Pio sag­te fast jedem, der von weit her kam, um ihn zu sehen, um bei ihm die Hl. Mes­se mit­zu­fei­ern oder um zu beich­ten. „Was reist du so weit? Habt ihr bei euch kei­ne Prie­ster? Habt ihr bei euch kei­ne Sakra­me­te“ Er woll­te damit sagen: „Du hast noch nicht ver­stan­den, dass es nicht um mich geht.“
        Pater Pio hat nie gepre­digt. Er hat ein­fach nur gebe­tet und die Sakra­men­te gespen­det.
        Und wenn einer kam, nur um ihn aus Neu­gier­de zu sehen, dann sag­te er: „Ein ein­zi­ges Ave Maria wäre wert­vol­ler gewe­sen als die­se wei­te Rei­se.“
        Er sah sich ganz in hin­ge­ben­der Lie­be mit dem opfern­den Chri­stus ver­eint.
        Vie­le, die ihn am Altar sahen, sag­ten: „Jetzt erst begrei­fe ich die Hei­li­ge Mes­se.“
        Prie­ster, die bei ihm beich­te­ten, wies er dar­auf hin, wür­dig zu zele­brie­ren.
        Pater Pio stellt für mich das Ide­al des Prie­sters dar. Wenn Sie in Dal-Gals Lebens­be­schrei­bung die letz­te Lei­dens­zeit Pius X ange­sichts des begin­nen­den I. Welt­krie­ges nach­le­sen, sto­ßen Sie auf eben die­ses Prie­ster­ide­al des lie­ben­den Süh­nelei­dens.
        Sie geben zu beden­ken: „Hat die Kir­che nicht aus­drück­lich ver­wor­fen, dass jemand sich ein­bil­det, hier auf Erden Heils­si­cher­heit zu gewin­nen? Das Triden­ti­num hat eine sol­che Behaup­tung sogar unter Bann­fluch gesetzt!“
        Das stimmt schon. Sie hat aber all jenen das Heil zuge­si­chert, die sich zu Jesus Chri­stus ret­ten. Er ist das siche­re Heil. Und Prä­sent ist er in den Sakra­men­ten, die durch sei­ne Die­ner (auch P.Pio) gespen­det wer­den. Damit wird die Aus­sa­ge von Luci­et­ta fast schon banal bezüg­lich der Heils­zu­si­che­rung. Das schließt nicht aus, dass allein Chri­stus als Rich­ter das Heil geben oder ver­wei­gern wird, da aber Gott all­ge­gen­wär­ti­ges Jetzt ist, befin­det sich der mit Chri­stus im Sakra­ment des Altars ver­ein­te sozu­sa­gen als ein­lau­fen­des Schiff im Hafen des Heils.
        Wenn jeder Prie­ster wäre wie Pater Pio es war, gebe es kei­nen Unglau­ben mehr. Der Prie­ster soll sich Chri­stus ver­ähn­li­chen, zu einem zwei­ten Chri­stus wer­den, ihn Abbil­den, so dass er ganz zurück­tritt und nur noch Chri­stus in ihm lebt. Das ist das Ide­al.
        Ich fra­ge Sie: Was wäre, wenn jemand die­ses Ide­al erreicht hät­te und die Leu­te das gespürt haben? Wenn hier Jesus wie­der leben­dig gewor­den wäre? Chri­stus will nicht nur genos­se­nes Brot sein, son­dern wie Maria zum leben­di­gen Tem­pel Got­tes, zur wan­deln­den Bun­des­la­de unter den Men­schen wer­den. Chri­stus ist der Weg und das Tor zu Gott.

      • Das was wir Pater Pio so leicht vor­wer­fen kön­nen, er habe einen Per­so­nen­kult um sich zuge­las­sen, kön­nen wir auch auf Chri­stus selbst anwen­den.
        „Was maßt sich die­ser an, dass er sogar Sün­den ver­gibt?“
        Wohl­ge­merkt: „Im Namen und in der Voll­macht Got­tes.“
        Man kann auch als prak­ti­zie­ren­der Katho­lik ein Göt­zen­die­ner sein, wenn man Jesus als bestimm­te Sti­li­ko­ne vol­len gut­bür­ger­li­chen Kunst­ge­nus­ses sei­ner Glo­rie nach anbe­tet, aber dahin­ter nicht zu dem gan­zen Chri­stus des Glau­bens vor­dringt, der jeden in sei­ne kom­pro­miss­lo­se Nach­fol­ge ruft.
        Ich den­ke, dass der Herr Gna­den ohne Maß aus­schüt­ten möch­te. Er will das Leid nicht. Genau­so wie es Jesus gewollt und gesucht hat. Das könn­te man auch Frau Ran­ke-Hei­ne­mann ent­ge­gen­hal­ten: es geht um kei­nen blut­rün­sti­gen Gott, son­dern um das Läuterungs‑, d.h. Rei­ni­gungs­lei­den aus erdul­de­ter und ent­ge­gen­ge­hal­te­ner Lie­be. Jesus hält sich am Kreuz den Angrif­fen des Bösen hin, um es zu bre­chen und zur Umkehr zu füh­ren. Der erste, der sich bekehrt ist der Haupt­mann am Kreuz: „Wahr­lich, dies war Got­tes Sohn“.
        Leid und Krank­heit kom­men nicht von Gott, son­dern von dem Prin­zip des Bösen. Wäre die Mensch­heit rein, wür­den zahl­rei­che Lei­den ver­schwin­den, die nur durch die Sün­de in die Welt gekom­men sind.
        Wir brau­chen Prie­ster wie Pater Pio. Eigent­lich brau­chen wir nur sol­che Prie­ster vol­ler Hin­ga­be an das Gute und mit ent­schlos­se­ner Abwehr gegen alle Abir­run­gen zum Bösen hin, was Aus­hal­ten, Dul­den und hei­li­ges Lei­den bedeu­tet.
        Auch die Got­tes­mut­ter hat immer wie­der gesagt, dass ihre Hän­de vol­ler Gna­den sind, aber nie­mand ver­langt danach, aus Angst, Klein­mut, aber letzt­lich wohl man­geln­der Umkehr­be­reit­schaft.
        Man darf das Chri­sten­tum nicht kom­pli­zier­ter machen als es ist.
        Die Gebo­te sind da, um die Men­schen zu Gott zu brin­gen. Gott ist die Lie­be.
        Der Herr hat den Tod über­wun­den. Wir Chri­sten sind die­je­ni­gen, die an die Über­wun­dung die­ser Welt der Sün­de glau­ben. Wir sind Zeu­gen der Auf­er­ste­hung!
        Bei allem Fata­lis­mus, der uns manch­mal beschlei­chen möch­te, haben wir doch die Wor­te Jesu im Ohr: „Mein Reich ist nicht von die­ser Welt.“
        Gott baut in die­ser Welt, aber nicht für die­se Welt, sein himm­li­sches Jeru­sa­lem. Selbst wenn es nur noch einen Gerch­ten geben wür­de, und mit Schmerz lässt sich sagen, es gibt in Jesus Chri­stus nur den einen, müss­te und wür­de die­ser in die­ser Welt zwi­schen allen All­tags­la­sten wei­ter für Gott und das himm­li­sche Jeru­sa­lem bau­en. Die Gebo­te sind Got­tes Bau­plan. Wol­len wir uns ihnen ein­fü­gen?
        Es ist zu spät! Ja es war immer zu spät für die­se Welt. Und es wird nie ein Mor­gen geben. Dar­um müs­sen auch alle Ismen schei­tern, was schon PIus X immer wie­der sag­te: Wenn der Kom­mu­nis­mus oder die per­fek­te sozia­li­sti­sche Gesell­schaft tat­säch­lich erreicht wäre, wür­de es kei­ne 14 Tage dau­ern, bis sie wie­der aus­ein­an­der­fie­le. Ja wie­so? Weil der Mensch ohne Chri­stus eben ohne Gott ist, und ohne Gott gibt es kei­ne Gerech­tig­keit.
        Dar­um sind alle Ver­su­che, das Para­dies auf Erden zu schaf­fen, zum Schei­tern ver­ur­teilt

      • @ Pater Pio

        Zu Pater Pio möch­te ich nichts wei­ter sagen — außer, dass die­se Epi­so­den, die Sie schil­dern, gewis­ser­ma­ßen spi­ri­tu­el­le Topoi sind… Aber man weiß eben auch ande­re, häss­li­che­re Epi­so­den von dem­sel­ben Pater, aber da bei ihm alles mehr oder weni­ger auf der Basis einer pro- oder con­tar-Gerüch­te­kü­che auf­ge­baut ist und kei­ner es wirk­lich weiß, (was allei­ne schon sehr zwei­fel­haft ist!), ist es nicht sinn­voll, auf der Basis der Gerüch­te und Topoi weiterzu„verteidigen“ oder auch zu „-kri­ti­sie­ren“.
        Ich fin­de es nicht rich­tig, wenn Sie an einen blan­ken sün­di­gen Men­schen das Maß anle­gen, das Chri­stus vor­be­hal­ten war — und wenn über­haupt, dann nur noch Sei­ner Mut­ter.

        Sehr gut aber die­ser Ihr Satz:

        „Gott baut in die­ser Welt, aber nicht für die­se Welt, sein himm­li­sches Jeru­sa­lem.“

  5. Mit gro­ßer zeit­li­chen Distanz und vom Aus­land betrach­tend, kommt man an die­ser Fest­stel­lung nicht vor­bei:
    Karl Rah­ner wird in deutsch­spra­chi­gen Gebie­ten hoff­nungs­los über­schätzt.
    Ver­wirr­te Spra­che, inko­he­ren­ter Gedan­ken­gang, ket­ze­ri­sches Gedan­ken­gut und — bei vie­len Jesui­ten lei­der nicht sel­ten reich­lich vor­han­den- intel­lek­tu­el­le Hoch­mut und Eigen­dünk.

    Ich kom­me aus einer Fami­lie die sehr lan­ge vie­le und auch groß­ar­ti­ge Jesui­ten lie­fer­te.
    Ich ken­ne Jesui­ten vom Klein­kin­des­al­ter an, mit allen ihren Eigen­schaf­ten und Eigen­hei­ten.
    Schon Ende der 1940er Jah­ren ist eine begin­nen­de inne­re Schwä­chung bei den Jesui­ten merk­bar, mit rasan­ter Dege­ne­rie­rung wäh­rend des Kon­zils.
    Die Aus­bil­dungs­zen­tren ent­leer­ten sich schlag­ar­tig, die Akti­vi­tä­ten wur­den immer ver­rück­ter, das Gedan­ken­gut immer ket­ze­ri­scher und unchrist­li­cher.
    Eigen­kri­tik null (unver­ges­sen das gro­ße ver­schnupf­te Schwei­gen um die Anstel­lung v. P. Dez­za SI zur Ordens­ver­wal­tung bei der schwe­ren Krank­heit des Jesui­ten­ge­ne­rals P. Arru­pe SI), kein Respekt und Inter­es­se für die eige­ne Geschich­te, Ver­wahr­lo­sung der frü­he­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen.
    „Sunt ut sint aut non sunt“:
    die­ses Bon­mot vom Hl. Igna­ti­us von Loyo­la („ Sie (die Jesui­ten) sind so wie sie sein soll­ten oder sie sind nicht“) ist, so hart es auch klin­gen darf, zugleich das End­ver­dikt für die­sen Orden.

    • Der Jesui­ten­or­den ist für mich bis heu­te mira­ku­lös — die­se Mischung aus abso­lu­tem Gehor­sam gegen Obe­re, aber völ­li­ges Feh­len gemein­sa­men Stun­den­ge­bets, das man total pri­va­ti­siert hat, sind allei­ne schon in der Grund­ver­fasst­heit das eine.
      Ich weiß, dass das damit recht­fer­tigt wur­de, der Jesu­it müs­se ggbf. als Ein­zel­kämp­fer sei­nen Dienst tun kön­nen. Aber das hät­te man sicher auch ohne die­se radi­ka­le Abkehr vom gemein­schaft­li­chen Gebet erzie­len kön­nen.
      Sie taten vie­les Gute, aber vie­les lässt einem auch einen Schau­er über den Rücken las­sen — im Zuge der pro­pa­gan­di­sti­schen Reka­tho­li­sie­rung auch regio­nal die Todes­stra­fe auf Glau­bens­ab­fall zu initi­ie­ren, das ist ein­fach nur ver­ab­scheu­ens­wert und klingt nach Islam. Oder die begrün­de­te For­schungs­mei­nung, dass es die Jesui­ten waren, die die Schwar­zen in Süd­ame­ri­ka schwerst nicht nur dis­kri­mi­nier­ten, son­dern einen blü­hen­den Skla­ven­han­del betrie­ben haben, den größ­ten Skla­ven­han­del in Ame­ri­ka über­haupt — neben ihren guten Wer­ken in den „Reduk­tio­nen“ mit den Gua­ra­ni — das ver­wirrt mich und zer­rüt­tet das Ver­trau­en.

      Ande­rer­seits waren sie durch ihre Papst­hö­rig­keit durch­weg den zen­tra­len euro­päi­schen Mon­ar­chien ein Dorn im Auge, die in der Ver­fol­gung der Jesui­ten offen­bar­ten, dass sie sich ins­ge­heim eben doch als Kon­kur­ren­ten des Pap­stes betrach­te­ten und danach such­ten, ihn und die Kir­che zu unter­wer­fen. Das ging soweit, dass die Staa­ten den Papst dazu brach­ten, den Orden auf­zu­he­ben!

      Der Jesui­ten­or­den war Gegen­stand wil­de­ster Ver­schwö­rungs­theo­rien — man sah über­all „Jesui­ten“ als heim­li­che Draht­zie­her und Ver­schwö­rer hin­ter den Ereig­nis­sen. Aller­dings zogen sie auch stra­te­gisch vie­le Strip­pen — das war ja ihr Metier als Pro­pa­gan­da-Abtei­lung der Reka­tho­li­sie­rung…

      Ande­rer­seits war der Orden immer schon auf­ge­schlos­sen für das Neue — für neue Ideen, neue Metho­den und neue Kunst.

      Mich wür­de vor allem das inter­es­sie­ren: ob das heu­ti­ge Bild des Ordens nicht letzt­end­lich in sei­ner Logik liegt, die er von Anfang an hat­te.

      • also ich hal­te das mit dem „hin­ter dem Skla­ven­han­del stecken“ für wil­de­ste gerüch­te.
        Skla­ven­han­del betrei­ben tra­di­tio­nell die Ara­ber.
        Aber ja es ist ver­wir­rend und unklar mit den Jesui­ten, es mag ein­fach sein, dass bei vor­han­de­ner gut katho­li­scher Erzie­hung udn Auf­wach­sen im katho­li­schen Milieu die Ver­bin­dung von Ein­zel­kämp­fer und Gemein­schaft bei den Jesui­ten „funk­tio­niert“ hat.
        Seit den 20ern wur­den der unbe­leck­ten, selbst­ver­ständ­lich katho­li­schen Milieus und Gegen­den immer weni­ger, aber man hat schein­bar das Sei­tens des Ordens nicht zur Kennt­nis genom­men und so mag es sein, dass diver­se Ten­den­zen in die­sem Orden, der ein­fach vorraus­setz­te, dass man katho­lisch ist, alles weiß und alles glaubt eher auf­ge­blüht sind, wie unter der Folie die Erd­bee­ren ja auch schon frü­her reif sind.

      • Nen­nen Sie mir eine anti­kirch­li­che Theo­rie oder Lüge und ich such Ihnen min­de­stens einen Histo­ri­ker, der sel­bi­ge unter­mau­ert!
        Aber anson­sten ja sie sind merk­wür­dig die Jesui­ten, teil­wei­se auf jeden Fall.
        Aber ande­rer­seits, haben sie auch viel Gutes bewirkt.

      • die Quel­len sind nicht auf deutsch ver­füg­bar und davon abge­se­hen ist es bekannt, dass die Jesui­ten, frei nach dem klei­ne­ren Übel, die Indi­os dadurch ret­ten woll­ten, indem sie dafür waren, die robu­ste­ren Afri­ka­ner als Skla­ven zu neh­men, wenn es denn schon Skla­ven geben muss.
        Das hat­te immer­hin zur Fol­ge, dass es die Indi­os, im Gegen­satz zu den India­nern, noch über­all gibt.
        Aber dar­aus zu fol­gern die Jesui­ten wären Skla­ven­händ­ler gewe­sen ist schon etwas über­trie­ben.
        Dass Skla­ve­rei nicht gut ist, dass wis­sen wir schon seit Pau­lus, aber ich fin­de es immer leicht hin­ter­her zu ver­ur­tei­len.
        Davon mal ganz abge­se­hen waren die Jesui­ten die ein­zi­gen die die India­ner und Indi­os so ach­te­ten, dass sie sich müh­ten ihnen Chri­stus nahe­zu­brin­gen.

  6. Rah­ner hat viel­leicht die­ses merk­wür­di­ge „Trans­for­ma­ti­ons­pro­gramm“, das wie ein sub­til-ver­for­men­der Scan über die Über­lie­fe­rung lief, am „pefek­te­sten“ her­ge­stellt.

    So, wie wenn er mit enor­mem Ehr­geiz einen gewach­se­nen Baum zwin­gen woll­te, sei­ne Kro­ne in eine ande­re Rich­tung als nach oben zu rich­ten — unter Bei­be­hal­tung aber sämt­li­cher Blät­ter.

    Und das per­spek­ti­vi­sche Den­ken wur­de lan­ge sur­re­al vor­be­rei­tet. Wenn Büch­ner sei­nen Lenz im Gebirg auf den Hän­den lau­fen lässt und fest­stellt, dass der Him­mel nun unter ihm liegt und nicht über ihm, dann haben wir ein kurzes,poetisches Bild für das, was gesche­hen ist.

    Die Fra­ge ist dabei nur: wie lan­ge schaf­fen wir es, auf den Hän­den statt auf den Füßen zu gehen?

  7. Das beste Rezept gegen die Irr­leh­ren ist die ech­te Angst.
    Die Angst, wie vor allem Wai­sen­kin­der sie haben, weil sie nie­man­den haben, der sich um ernst­haft für sie ein­setzt, und die häu­fig grund­le­gen­de Din­ge wie eine wirk­lich lie­be­vol­le Umar­mung nie, oder nur sehr sel­ten erfah­ren haben!
    Stellt Euch ein­fach vor, ihr stän­det allein vor einer Hor­de krei­schen­der bos­haf­ter Men­schen, die Euch umbrin­gen wol­len, wozu es in der heu­ti­gen Welt wohl nicht viel Fan­ta­sie bedarf!
    Und dann über­legt, ob Euch der Ver­fas­ser eines Tex­tes, den ihr lest, viel­leicht gehol­fen hät­te!
    Mir hat allein die­ser Satz genügt, um Karl Rah­ners Gesin­nung sofort zu erken­nen, und ihn abzu­leh­nen:
    „Glau­ben heißt: Die Unbe­greif­lich­keit Got­tes ein Leben lang aus­hal­ten. “
    Karl Rah­ner

    Glau­ben heißt auf Latein Cre­do, und das kommt von cor dare, jeman­dem sein Herz geben!
    Ich gebe nie­man­dem mein Herz, den ich nicht begrif­fen habe!
    Frei­lich habe ich begrif­fen, dass ich kurz­sich­tig bin, und vie­les was ein­fach ist, nicht sehe, aber ich habe begrif­fen, dass der Herr mir alles, was er mir tut, zum Besten sein lässt!
    Ich habe bis ich 18 Jah­re alt war nie wirk­lich Freun­de gehabt, aber jede Men­ge Kin­der und Jugend­li­che die mich hass­ten, und mich gequält und gede­mü­tigt haben wo sie nur konn­ten, teil­wei­se habe ich es sogar schrift­lich, da sie eini­ge ihre Bos­hei­ten in der Schü­ler­zei­tung nie­der­ge­schrie­ben haben!
    Ich hät­te viel dar­um gege­ben, wenn kei­ner mit mir gere­det und mich jeder allein gelas­sen hät­te, bis heu­te bin ich immer noch ger­ne allein.
    Doch alles was ich an Schlä­gen und Bos­heit emp­fan­gen habe, hat der Herr mir hun­dert­fach zurück gege­ben, sie waren eine nied­ri­ge Zah­lung für das, was der Herr Jesus Chri­stus mir geschenkt hat!
    Mein Bru­der sag­te ein­mal zu mir: Das ist ein­fach nicht fair, dass ich es immer gut gehabt habe und nun nicht haben kann was Du hast!

    • Echt schön, was Sie schrei­ben. Sie haben auf genia­le wie eigent­lich ein­fa­che Wei­se über­setzt, was „glau­ben“ heißt: jeman­dem sein Herz geben oder schen­ken.
      Der von Ihnen zitier­te Satz von Karl Rah­ner macht einen stau­nen. Es fragt sich da, war­um Gott ein Mensch gewor­den ist, so viel Leid und Schmerz ertra­gen hat von Beginn sei­nes irdi­schen Daseins. „Wer mich sieht, sieht den Vater“, sagt Jesus Chri­stus.

      Ich kann Ihren Lebens­weg nach­emp­fin­den, weil ich das, was Sie schrei­ben, selbst ein wenig erlebt hat­te und wei­ter­hin erle­ben wür­de, wenn ich nicht gelernt hät­te- und zwar mit Got­tes Bei­stand- dage­gen immun zu werden/ zu sein. Immer auf den Gekreu­zig­ten und Auf­er­stan­de­nen schau­en, dann hat die Bos­heit kei­ne Chan­ce. Des­we­gen has­sen die Bösen ja das Kreuz Chri­sti, weil sie sehen oder spü­ren, daß sie da ent­mach­tet sind.

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