Der Jesuit auf dem Papstthron — 1. Exkurs: Zum 60. Todestag von Pierre Teilhard de Chardin SJ (1881–1955)

Teilhard de Chardin SJ
Teilhard de Chardin SJ

von Wolf­ram Schrems*

Im Zusam­men­hang mit den Über­le­gun­gen „Der Jesu­it auf dem Papst­thron — Von zwei Kata­stro­phen in einer Per­son“ vom 21. März nun ein Exkurs:

Zum 60. Todes­tag des Jesui­ten Pierre Teil­hard de Char­din am kom­men­den 10. April sei in aller Kür­ze die ver­hee­ren­de Wir­kung sei­ner Publi­ka­tio­nen und sei­nes schlech­ten Lebens­bei­spiels thematisiert.

Da die Teil­hard­schen Ideo­lo­ge­me den Lesern die­ser Sei­te sehr wahr­schein­lich ohne­hin bekannt sein dürf­ten, sei­en weni­ger bekann­te Aspek­te beleuchtet.

Zunächst zwei kur­ze Punk­te zur Hinführung:

Teilhard-Renaissance bei den Jesuiten?

Ende der 90er Jah­re fiel mir auf, daß die Jesui­ten des deut­schen Sprach­raums anläß­lich der 34. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on (1995) eine Wan­der­aus­stel­lung mit Schau­ta­feln gestal­tet und dabei aus­ge­rech­net Teil­hard einen pro­mi­nen­ten Platz ein­ge­räumt hat­ten. Das ver­blüff­te mich.

Versteckter Teilhardismus in kirchlichen bzw. päpstlichen Dokumenten?

Vor kur­zem wur­de mir eine Quel­len­an­ga­be im Inter­net wei­ter­ge­lei­tet, die den Beweis zu füh­ren sucht, daß die Apo­sto­li­sche Exhor­ta­ti­on Evan­ge­lii gau­di­um von Papst Fran­zis­kus nur auf dem Hin­ter­grund der Teil­hard­schen Auf­fas­sun­gen dechif­frier­bar sei. Sie ist ja über wei­te Strecken unver­ständ­lich. ((Vgl. als ein Bei­spiel von vie­len Nr. 223: „Dem Raum Vor­rang geben bedeu­tet sich vor­ma­chen, alles in der Gegen­wart gelöst zu haben und alle Räu­me der Macht und der Selbst­be­stä­ti­gung in Besitz neh­men zu wol­len. Damit wer­den die Pro­zes­se ein­ge­fro­ren. Man bean­sprucht, sie auf­zu­hal­ten. Der Zeit Vor­rang zu geben bedeu­tet sich damit zu befas­sen, Pro­zes­se in Gang zu set­zen anstatt Räu­me zu besit­zen.“ Was heißt das über­haupt? Wie soll man das ver­ste­hen? Völ­lig skur­ril auch 231ff und zu Juden­tum und Islam. Das klingt alles sehr kryp­tisch.)) Lei­der ist die­ser Autor auf­grund sei­ner Wort­wahl nicht zitier­bar. Erfah­rungs­ge­mäß scheint mir aber durch­aus plau­si­bel, daß Papst Fran­zis­kus (oder sein Ghost­wri­ter) tat­säch­lich eine Art Geheim­spra­che ver­wen­det hat, deren Sinn sich nur spe­zi­ell „Ein­ge­weih­ten“ erschließt.

Teilhard de Chardin SJ (1888-1955)
Teil­hard de Char­din SJ

Denn es ist immer­hin die­sel­be Tak­tik, die etwa der Jesu­it Karl Rah­ner am Kon­zil ange­wandt hat. Es ging ihm dar­um, bewußt zwei­deu­ti­ge oder mit okkul­ten („ver­steck­ten“) Bedeu­tun­gen auf­ge­la­de­ne For­mu­lie­run­gen in die Kon­zils­tex­te ein­zu­schleu­sen, die den ahnungs­lo­sen „kon­ser­va­ti­ven“ Kon­zils­vä­tern unver­ständ­lich oder unbe­denk­lich, somit kon­sens­fä­hig und unter­schrifts­reif erschei­nen soll­ten. Die­se For­mu­lie­run­gen wür­den nach die­sem kon­spi­ra­ti­ven Kal­kül frü­her oder spä­ter zu Resul­ta­ten im Sin­ne des Pro­gres­sis­mus führen.

Auf die­se Wei­se wur­de auch der Teil­har­dis­mus ins Kon­zil eingeschmuggelt:

Rah­ner und Her­bert Vor­grim­ler schrei­ben im Kom­men­tar zu Gau­di­um et spes in dem wider­li­chen Klei­nen Kon­zils­kom­pen­di­um offen:

„Nach­dem Arti­kel 45 noch ein­mal an die Kir­che als das ‚all­um­fas­sen­de Sakra­ment des Heils‘ erin­nert, hat, schließt er mit einem Hin­blick auf Jesus Chri­stus als den ‚Punkt‘, ‚auf den hin alle Bestre­bun­gen der Geschich­te und der Kul­tur kon­ver­gie­ren‘ (und so ist auch Teil­hard zu Ehren gekom­men!), der das Alpha und das Ome­ga ist“ (434).

Wenn also der Vor­wurf jenes Blog­gers stimmt, daß Papst Fran­zis­kus für Evan­ge­lii gau­di­um eine bewußt kryp­ti­sche, ja „okkul­te“ Spra­che im Sinn des Teil­har­dis­mus ver­wen­det, dann ist das für Papst­tum und Jesui­ten­or­den desa­strös – aber eben nicht ohne Präzedenzfall.

Ganz abge­se­hen davon, daß mir aus bio­gra­phi­schen Umstän­den kryp­ti­sche, chif­frier­te Sprach­re­ge­lun­gen im Jesui­ten­or­den ohne­hin wohl­ver­traut sind. Offen­bar soll eine bestimm­te Agen­da ver­deckt werden.

Probleme mit der kirchlichen Obrigkeit – nicht ohne Grund

Rahner/Vorgimlers Kleines Konzilskompendium in der aktuellsten, 35. Auflage
Rahner/Vorgimlers Klei­nes Kon­zils­kom­pen­di­um in der aktu­ell­sten, 35. Auflage

Teil­hard hat­te Pro­ble­me mit dem Hei­li­gen Offi­zi­um und mit sei­nen Obe­ren bekom­men. Wie bekannt ist, galt er als Leug­ner der Erb­sün­de, der Erlö­sung und der über­na­tür­li­chen Offen­ba­rung. Er habe die Offen­ba­rung umin­ter­pre­tiert. Wenn man sich etwas näher damit beschäf­tigt, wird man die­sen Ankla­gen durch­aus Berech­ti­gung zuer­ken­nen müs­sen. Teil­hard war ein klas­si­scher Gno­sti­ker (und in wei­te­rer Fol­ge Pro­phet des New Age). „Kos­mos“, „Zukunft“, „Noo­sphä­re“ (die sich ent­wickeln­de Sphä­re eines uni­ver­sa­len Bewußt­seins, das auch in der unbe­leb­ten Mate­rie schon vor­han­den sei) und der berühm­te „Punkt Ome­ga“ sind die wich­tig­sten Pro­pa­gan­da­schlag­wor­te und „Neue­run­gen“ sei­ner „fälsch­lich so genann­ten Erkennt­nis“ (1 Tim 6, 20).

Ob Teil­hard auch for­mell der Frei­mau­re­rei ange­hört hat (näm­lich den Mar­ti­ni­sten, wie man manch­mal lesen kann), kann man natur­ge­mäß schwer bewei­sen, ist aber ange­sichts sei­ner Wir­kungs­ge­schich­te zweitrangig.

Teil­hards Theo­lo­gie war ungläu­big, sei­ne Phi­lo­so­phie unsau­ber, das Lek­tü­re­er­leb­nis ist daher uner­freu­lich, ver­wir­rend und hyp­no­tisch. Als Natur­wis­sen­schaft­ler war er offen­bar eine Kory­phäe, aller­dings nur inner­halb der Gren­zen der natur­wis­sen­schaft­li­chen Metho­de. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Schluß­fol­ge­run­gen beinhal­ten häu­fig einen Metho­den­feh­ler und wur­den fol­ge­rich­tig auch von Natur­wis­sen­schaft­lern zurückgewiesen.

Sei­ne angeb­li­che und viel­be­schwo­re­ne „Syn­the­se“ von Glau­be und Natur­wis­sen­schaft beruht auf seman­ti­schen Tricks und unschar­fen Neo­lo­gis­men. Im Kern ist sie Illusion.

Es ist Magie.

Ange­sichts des­sen muß man die kirch­li­chen War­nun­gen bzw. Maß­nah­men gegen die­se Ver­wir­run­gen als unzu­rei­chend und inkon­se­quent beur­tei­len (post­hu­me Mah­nung, moni­tum, von 1962 durch das Hl. Offi­zi­um). Offen­bar stand er doch unter einer gewis­sen Protektion.

Im fol­gen­den drei ver­mut­lich weni­ger bekann­te Aspek­te zu Leben und Wir­kung Teilhards:

Teilhard und Robert Hugh Bensons Herr der Welt

Robert Hugh Benson: Der Herr der Welt (neueste deutsche Ausgabe 2015)
Robert Hugh Ben­son: Der Herr der Welt (neue­ste deut­sche Aus­ga­be 2015)

Gün­ther Schi­wy (1932 – 2008), Ex-Jesu­it, Teil­hard-Exper­te und sein „Fan“, erwähnt in sei­ner Teil­hard-Bio­gra­phie ((Und zwar in der kür­ze­ren Ver­si­on: Teil­hard de Char­din – Eine Bio­gra­phie, vom Autor gekürz­te Aus­ga­be, dtv, Mün­chen 1985)), daß Teil­hard die 1907 erschie­ne­ne Dys­to­pie Herr der Welt des Kon­ver­ti­ten, Schrift­stel­lers und Prie­sters Msgr. Robert Hugh Ben­son (1871 – 1914) las und kritisierte:

„Ich las­se kei­nes­falls gel­ten, daß die Begei­ste­rung für den ‚Geist der Welt‘ das Erbe des Anti­christ sein muß. (…) Ben­sons Katho­li­zis­mus am Schluß miß­fällt mir, (…) weil er mir unge­recht, blut­arm und wider­na­tür­lich (fast eben­so­sehr wie über­na­tür­lich) erscheint“ (107).

Ange­sichts der spi­ri­tu­el­len Qua­li­tät des zutiefst katho­li­schen Wer­kes ist das eine erschrecken­de und absto­ßen­de Aus­sa­ge. Teil­hard hat­te also schon in jun­gen Jah­ren die Wei­chen­stel­lung zugun­sten des Pan­the­is­mus und zuun­gun­sten der über­na­tür­li­chen Offen­ba­rung getroffen.

In die­sem Zusam­men­hang ist es übri­gens inter­es­sant, daß Papst Fran­zis­kus die­ses Buch kennt und emp­fahl (sie­he Ist Methol Fer­ré Stich­wort­ge­ber für Papst Fran­zis­kus Beur­tei­lung der Welt von heu­te? und Papst Fran­zis­kus, Kar­nickel, Gebur­ten­kon­trol­le, Gen­der-Theo­rie und Dalai Lama).

Da die Poli­tik und Ver­kün­di­gung des Pap­stes aber in kei­ner erkenn­ba­ren Wei­se mit den Aus­sa­gen des Ben­son­schen Wer­kes in Ver­bin­dung steht, muß man anneh­men, daß er des­sen Trag­wei­te offen­bar nicht ver­stan­den bzw. nicht akzep­tiert hat.

Teilhard und die „Evolution der Keuschheit“

Wenn Katho­li­ken auf reli­giö­se und theo­lo­gi­sche Abwe­ge gera­ten, ist in vie­len Fäl­len ein Pro­blem mit der Keusch­heit die Ursa­che. Oder die Wir­kung. Oder bei­des. Oft die­nen ver­drall­te theo­lo­gi­sche Gedan­ken der Recht­fer­ti­gung eige­nen Fehl­ver­hal­tens („Ratio­na­li­sie­rung“).

Schi­wy schreibt zu die­sem The­ma über­ra­schend unumwunden:

„Teil­hard ver­dankt sei­ne Geburt als Mysti­ker der Begeg­nung mit die­ser Frau [sei­ner Cou­si­ne Mar­gue­ri­te Teil­lard-Cham­bon]“ (105).

Marguerite Teilhard-Chambon (1915)
Mar­gue­ri­te Teil­lard-Cham­bon (1915)

Nun, daß ein ver­lieb­ter Jugend­li­cher zum „Mysti­ker“ wird, wenig­stens kurz­fri­stig, ist ein Erfah­rungs­wert und stellt kein grö­be­res Pro­blem dar. Ein Ordens­mann und Prie­ster gibt sich in die­sem Fall jedoch einer Täu­schung hin. Denn nicht irgend­wel­che flüch­ti­gen – und mensch­lich ver­ständ­li­chen – Hoch­stim­mun­gen machen Mystik aus.

Lei­der erwies sich die­se Gefühls­auf­wal­lung für den „Mysti­ker“ fol­ge­rich­tig als Beginn wei­te­rer Kom­pli­ka­tio­nen – und für die Cou­si­ne als Quel­le gro­ßer Seelenqual.

Unter dem Kapi­tel „Evo­lu­ti­on der Keusch­heit“ schreibt Schi­wy daher wie­der­um erstaun­lich offen:

„Teil­hard stellt sich auch dem für ihn exi­sten­ti­el­len Pro­blem einer Freund­schaft mit meh­re­ren Frau­en gleich­zei­tig. (…) Teil­hard wehrt sich gegen die­se Auf­fas­sung, die das Herz mit einem Glas ver­gleicht, des­sen Inhalt sich durch Aus­tei­lung erschöpft.“

Er zitiert dann Teil­hard selbst, der immer­hin bis zu fünf Frau­en­be­zie­hun­gen emo­tio­nal unter einen Hut brin­gen mußte:

„Wahr ist, daß im beson­de­ren Fall der Lie­be der Ehe­mann für sei­ne Frau die pri­vi­le­gier­te Stel­lung reser­vie­ren und stär­ken muß, die aus ihr in irgend­ei­ner Wei­se die Son­ne sei­nes inne­ren Uni­ver­sums macht. Und in die­sem Punkt hat die Eifer­sucht sei­nen Sinn: es kann nur eine Son­ne am Him­mel unse­res Her­zens geben. Aber unter­ge­ord­ne­te Ster­ne, war­um nicht?“ (225)

Schi­wy faßt zusammen:

„Trotz­dem ver­sucht Teil­hard für sich selbst und für die mit ihm ver­bun­de­nen Frau­en in einem letz­ten Anlauf, den mit dem tra­di­tio­nel­len Keusch­heits­be­griff ver­bun­de­nen Ver­zicht auf kör­per­li­che Lie­be doch noch ein­sich­tig zu machen. Dazu greift er wie­der auf sei­ne Auf­fas­sung von der Mate­rie und von der Gesamt­ten­denz der Ent­wick­lung zurück [!].“ (226f)

Wer als Prie­ster sei­ne eige­nen dies­be­züg­li­chen Pro­ble­me unter das Volk bringt, gibt den Schwa­chen Anstoß (vgl. Mt 18,6). Kein Jugend­li­cher, der nach Ori­en­tie­rung sucht, kein ange­hen­der Ordens­mann, kein Prie­ster, kein Ver­hei­ra­te­ter, kein Mensch, der ver­sucht und erprobt wird, inter­es­siert sich für die per­sön­li­chen Ver­wer­fun­gen eines Men­schen, der Vor­bild sein soll. Sie ver­wir­ren ihn und unter­mi­nie­ren sein Bemü­hen, in der Wahr­heit zu leben.

In die­sem kon­kre­ten Zusam­men­hang nur ein Bei­spiel von vie­len, wie sehr Teil­hards dies­be­züg­li­che Ver­wir­rung tief in Jesui­ten­or­den und Kir­che ein­ge­drun­gen ist:

Die Schwei­zer Zen-Mei­ste­rin und Ordens­frau Pia Gyger, die am 14. Juli 2014 ver­starb, fühl­te sich Teil­hard ver­pflich­tet. Ein Nach­ruf im elek­tro­ni­schen Kon­do­lenz­buch, der für vie­le ande­re cha­rak­te­ri­stisch ist, liest sich (aus­zugs­wei­se) so:

Wir dan­ken dir für dei­ne visio­nä­re Kraft.
Wir dan­ken dir, dass du den Weg der kos­mi­schen Part­ner­schaft erkannt und gebahnt hast zusam­men mit dei­nem Part­ner Niklaus Brant­schen. Wir dan­ken dir, dass du, das Zöli­bat lebend, die ero­ti­sche Dimen­si­on des Lebens und die hei­li­ge Dimen­si­on des Eros, gese­hen und gewür­digt hast, ähn­lich wie dein „Mei­ster“ und gelieb­ter Leh­rer Teil­hard de Char­din. Ich habe mich von weni­gen Men­schen in mei­ner Suche nach real geleb­ter frei­er Lie­be, so ver­stan­den gefühlt, wie von dir!

Die­se Ver­wir­rung ist ganz cha­rak­te­ri­stisch für jene, die in den Teil­hard­schen Pan­the­is­mus ein­tau­chen: Man liest Teil­hard, betreibt Zen, gelangt zu ost­asia­ti­schen Göt­zen­kul­ten, plötz­lich kommt es zur „Evo­lu­ti­on der Keusch­heit“ und zum „kos­mi­schen Bewußt­sein“, zum Abfall vom Glau­ben und dann gibt man schwe­res Ärger­nis (wie auf die­ser Sei­te auch schon zu lesen war) .

Man schaue nur auf die Home­page des Las­s­alle-Hau­ses in Bad Schön­brunn (Schweiz): Hier sind die gif­ti­gen Früch­te des schlech­ten Bau­mes ohne wei­te­res erkennbar.

Bio­gra­phi­sche Umstän­de haben mich zwei­mal in die­ses Haus geführt. Ich den­ke mit Schau­dern dar­an zurück.

Ich weiß nicht, ob dort aus­drück­li­che Invo­ka­tio­nen von Dämo­nen statt­fin­den, aber es ist klar, daß die dort geüb­te „Offen­heit“ für alles und jedes, außer den tra­di­tio­nel­len Glau­ben, kei­ne gute Idee ist.

A pro­pos Dämonen:

Teilhard und der Teufel

Nach eige­nem Zeug­nis waren dem Ex-Jesui­ten Mala­chi Mar­tin (1921–1999) zwei Prie­ster (die gleich­zei­tig Natur­wis­sen­schaft­ler, näm­lich Anthro­po­lo­gen waren) per­sön­lich bekannt, die über die Irr­leh­ren Teil­hards in den Bereich dämo­ni­scher Beses­sen­heit gelang­ten, der eine sehr stark, der ande­re zu einem gerin­ge­ren Grad. ((Hosta­ge to the Devil – The Pos­ses­si­on and Exor­cism of Five Con­tem­pora­ry Ame­ri­cans, Reader’s Digest, New York 1976, zit. nach der Aus­ga­be Har­pe­rO­ne, San Fran­cis­co 1992). Mit Dank an S. D. Prinz NN.))

Malachi Martin Hostage of the Devil
Mala­chi Mar­tin: Hosta­ge of the Devil

Mar­tin stellt deren Geschich­te aus­führ­lich dar:

Einer der bei­den Prie­ster („David“) hat­te Teil­hard in New York besucht und war, obwohl „Fan“, von die­ser Begeg­nung unan­ge­nehm berührt. Teil­hard hat­te ihm den Ein­druck gemacht, die Hoff­nung ver­lo­ren zu haben.

Jah­re spä­ter wird David beauf­tragt, sei­nen Mit­bru­der („Yves“ bzw. „Jona­than“ genannt) zu exor­zie­ren. Das schei­tert kläg­lich. Der Dämon wirft dem Exor­zi­sten Teil­har­di­sti­sche Ideo­lo­ge­me an den Kopf („All so that Jesus can emer­ge. Oh, beau­ti­ful Ome­ga!“) und bezich­tigt ihn der Kom­pli­zen­schaft mit genau die­sem Ungeist („You‘re a soul-fel­low of mine. … And you were try­ing to exor­cise me? … Get out!“).

Der Exor­zist muß sich ein­ge­ste­hen, daß er tat­säch­lich Teil­hards Theo­rien akzep­tiert und damit sei­nen Glau­ben beschä­digt hatte:

„[Dadurch] konn­te er den Abstand zwi­schen der mate­ri­el­len Natur der Welt einer­seits und Jesus als Ret­ter ande­rer­seits nicht län­ger ertra­gen. Mate­ria­li­tät und Gött­lich­keit waren eins; die mate­ri­el­le Welt zusam­men mit Bewußt­sein und Wil­le des Men­schen, bei­de gehen aus rei­ner Mate­ria­li­tät so auto­ma­tisch her­vor wie die Hen­ne aus dem Ei; und die Gött­lich­keit Jesu geht von sei­nem mensch­li­chen Sein so natür­lich her­vor wie eine Eiche von der Eichel (…). So viel zu Teil­hard, dach­te David bit­ter“ (148, eige­ne Übersetzung).

Der Exor­zis­mus wird spä­ter erfolg­reich durch­ge­führt, nach­dem David mit sich und mit Gott ins Rei­ne gekom­men ist und alle Anhäng­lich­keit an die Teil­hard­schen Irr­leh­ren abge­legt hat. Auch Yves muß­te sich zu einer Ver­wer­fung der Irr­leh­ren durch­rin­gen, damit der Exor­zis­mus erfolg­reich sein konnte.

Die Teil­hard­sche Leh­re von Chri­stus und den Sakra­men­ten ver­nich­tet den eigent­li­chen Gehalt des christ­li­chen Glau­bens. Sie redu­ziert alles Gna­den­haf­te und Sakra­men­ta­le auf „Natur“. Wer sich – beson­ders als Prie­ster – die­sem Aber­witz ernst­haft öff­net, gelangt frü­her oder spä­ter in den Bann­kreis des Bösen.

Resümee

Punkt Omega der Evolution
Punkt Ome­ga der Evolution

Wir leben in einer Zeit, in der Teil­hard­sche Irr­leh­ren (die eben auf die Gno­sis des Alter­tums zurück­ge­hen) in vie­len Mas­ken und Schli­chen all­ge­gen­wär­tig sind. Die Vor­stel­lung, wenn die Welt zusam­men­wach­se, wer­de ein „höhe­res Sein“ bzw. ein „höhe­res Bewußt­sein“ auf­tre­ten, trifft man immer wie­der an.

Damit ist die Rol­le des Schöp­fer­got­tes abge­drängt. Chri­stus als ein­ver­kör­per­ter Logos wird als Mytho­lo­gie abge­tan, das Kreu­zes­op­fer ist unverständlich.

Schließ­lich stirbt die Hoff­nung. Im Teil­har­dis­mus muß man ja nicht mehr hof­fen, weil man auf dem Weg eines neu­en Wis­sens um die Kon­ver­genz von allem und jedem im „Punkt Ome­ga“ WEISS. Das ist natür­lich eine Selbst­täu­schung – tief inner­lich glaubt das wohl nie­mand wirk­lich. Opti­mis­mus und Hoff­nung sind eben zwei ver­schie­de­ne Sachen, das süße Gift Teil­hards hat nichts mit der ech­ten christ­li­chen Freu­de zu tun.

Teil­hard selbst hat an Schwer­mut und Hoff­nungs­lo­sig­keit gelit­ten und damit vie­le ande­re mithineingezogen.

Es han­delt sich also nicht ein­fach um aka­de­mi­sche Dis­kus­sio­nen: Teil­hard und sei­ne Adep­ten wie Karl Rah­ner und Antho­ny de Mel­lo und vie­le ande­re haben Glau­ben und Ver­nunft zer­stört und daher enor­men Scha­den angerichtet.

Erwar­tungs­ge­mäß wird Teil­hard in den kom­men­den Wochen gefei­ert werden.

Es gibt aber ganz bestimmt nichts zu feiern.

Es ist jetzt an den Jesui­ten, einen end­gül­ti­gen Schluß­strich zu zie­hen und die Teil­hard­schen Dämo­nen zu exor­zie­ren. Es wäre ange­mes­sen, wenn Papst Fran­zis­kus SJ selbst damit anfan­gen würde.

„Anathe­ma sit“ (Gal 1,8).

MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Katechist

Die voll­stän­di­ge Reihe:

Bild: Wikicommons/Verlage

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