Der Jesuit auf dem Papstthron — 1. Exkurs: Zum 60. Todestag von Pierre Teilhard de Chardin SJ (1881–1955)

Teilhard de Chardin SJ
Teilhard de Chardin SJ

von Wolf­ram Schrems*

Im Zusam­men­hang mit den Über­le­gun­gen „Der Jesu­it auf dem Papst­thron — Von zwei Kata­stro­phen in einer Per­son“ vom 21. März nun ein Exkurs:

Zum 60. Todes­tag des Jesui­ten Pierre Teil­hard de Char­din am kom­men­den 10. April sei in aller Kür­ze die ver­hee­ren­de Wir­kung sei­ner Publi­ka­tio­nen und sei­nes schlech­ten Lebens­bei­spiels the­ma­ti­siert.

Da die Teil­hard­schen Ideo­lo­ge­me den Lesern die­ser Sei­te sehr wahr­schein­lich ohne­hin bekannt sein dürf­ten, sei­en weni­ger bekann­te Aspek­te beleuch­tet.

Zunächst zwei kur­ze Punk­te zur Hin­füh­rung:

Teilhard-Renaissance bei den Jesuiten?

Ende der 90er Jah­re fiel mir auf, daß die Jesui­ten des deut­schen Sprach­raums anläß­lich der 34. Gene­ral­kon­gre­ga­ti­on (1995) eine Wan­der­aus­stel­lung mit Schau­ta­feln gestal­tet und dabei aus­ge­rech­net Teil­hard einen pro­mi­nen­ten Platz ein­ge­räumt hat­ten. Das ver­blüff­te mich.

Versteckter Teilhardismus in kirchlichen bzw. päpstlichen Dokumenten?

Vor kur­zem wur­de mir eine Quel­len­an­ga­be im Inter­net wei­ter­ge­lei­tet, die den Beweis zu füh­ren sucht, daß die Apo­sto­li­sche Exhor­ta­ti­on Evan­ge­lii gau­di­um von Papst Fran­zis­kus nur auf dem Hin­ter­grund der Teil­hard­schen Auf­fas­sun­gen dechif­frier­bar sei. Sie ist ja über wei­te Strecken unver­ständ­lich. ((Vgl. als ein Bei­spiel von vie­len Nr. 223: „Dem Raum Vor­rang geben bedeu­tet sich vor­ma­chen, alles in der Gegen­wart gelöst zu haben und alle Räu­me der Macht und der Selbst­be­stä­ti­gung in Besitz neh­men zu wol­len. Damit wer­den die Pro­zes­se ein­ge­fro­ren. Man bean­sprucht, sie auf­zu­hal­ten. Der Zeit Vor­rang zu geben bedeu­tet sich damit zu befas­sen, Pro­zes­se in Gang zu set­zen anstatt Räu­me zu besit­zen.“ Was heißt das über­haupt? Wie soll man das ver­ste­hen? Völ­lig skur­ril auch 231ff und zu Juden­tum und Islam. Das klingt alles sehr kryp­tisch.)) Lei­der ist die­ser Autor auf­grund sei­ner Wort­wahl nicht zitier­bar. Erfah­rungs­ge­mäß scheint mir aber durch­aus plau­si­bel, daß Papst Fran­zis­kus (oder sein Ghost­wri­ter) tat­säch­lich eine Art Geheim­spra­che ver­wen­det hat, deren Sinn sich nur spe­zi­ell „Ein­ge­weih­ten“ erschließt.

Teilhard de Chardin SJ (1888-1955)
Teil­hard de Char­din SJ

Denn es ist immer­hin die­sel­be Tak­tik, die etwa der Jesu­it Karl Rah­ner am Kon­zil ange­wandt hat. Es ging ihm dar­um, bewußt zwei­deu­ti­ge oder mit okkul­ten („ver­steck­ten“) Bedeu­tun­gen auf­ge­la­de­ne For­mu­lie­run­gen in die Kon­zils­tex­te ein­zu­schleu­sen, die den ahnungs­lo­sen „kon­ser­va­ti­ven“ Kon­zils­vä­tern unver­ständ­lich oder unbe­denk­lich, somit kon­sens­fä­hig und unter­schrifts­reif erschei­nen soll­ten. Die­se For­mu­lie­run­gen wür­den nach die­sem kon­spi­ra­ti­ven Kal­kül frü­her oder spä­ter zu Resul­ta­ten im Sin­ne des Pro­gres­sis­mus füh­ren.

Auf die­se Wei­se wur­de auch der Teil­har­dis­mus ins Kon­zil ein­ge­schmug­gelt:

Rah­ner und Her­bert Vor­grim­ler schrei­ben im Kom­men­tar zu Gau­di­um et spes in dem wider­li­chen Klei­nen Kon­zils­kom­pen­di­um offen:

„Nach­dem Arti­kel 45 noch ein­mal an die Kir­che als das ‚all­um­fas­sen­de Sakra­ment des Heils‘ erin­nert, hat, schließt er mit einem Hin­blick auf Jesus Chri­stus als den ‚Punkt‘, ‚auf den hin alle Bestre­bun­gen der Geschich­te und der Kul­tur kon­ver­gie­ren‘ (und so ist auch Teil­hard zu Ehren gekom­men!), der das Alpha und das Ome­ga ist“ (434).

Wenn also der Vor­wurf jenes Blog­gers stimmt, daß Papst Fran­zis­kus für Evan­ge­lii gau­di­um eine bewußt kryp­ti­sche, ja „okkul­te“ Spra­che im Sinn des Teil­har­dis­mus ver­wen­det, dann ist das für Papst­tum und Jesui­ten­or­den desa­strös – aber eben nicht ohne Prä­ze­denz­fall.

Ganz abge­se­hen davon, daß mir aus bio­gra­phi­schen Umstän­den kryp­ti­sche, chif­frier­te Sprach­re­ge­lun­gen im Jesui­ten­or­den ohne­hin wohl­ver­traut sind. Offen­bar soll eine bestimm­te Agen­da ver­deckt wer­den.

Probleme mit der kirchlichen Obrigkeit – nicht ohne Grund

Rahner/Vorgimlers Kleines Konzilskompendium in der aktuellsten, 35. Auflage
Rahner/Vorgimlers Klei­nes Kon­zils­kom­pen­di­um in der aktu­ell­sten, 35. Auf­la­ge

Teil­hard hat­te Pro­ble­me mit dem Hei­li­gen Offi­zi­um und mit sei­nen Obe­ren bekom­men. Wie bekannt ist, galt er als Leug­ner der Erb­sün­de, der Erlö­sung und der über­na­tür­li­chen Offen­ba­rung. Er habe die Offen­ba­rung umin­ter­pre­tiert. Wenn man sich etwas näher damit beschäf­tigt, wird man die­sen Ankla­gen durch­aus Berech­ti­gung zuer­ken­nen müs­sen. Teil­hard war ein klas­si­scher Gno­sti­ker (und in wei­te­rer Fol­ge Pro­phet des New Age). „Kos­mos“, „Zukunft“, „Noo­sphä­re“ (die sich ent­wickeln­de Sphä­re eines uni­ver­sa­len Bewußt­seins, das auch in der unbe­leb­ten Mate­rie schon vor­han­den sei) und der berühm­te „Punkt Ome­ga“ sind die wich­tig­sten Pro­pa­gan­da­schlag­wor­te und „Neue­run­gen“ sei­ner „fälsch­lich so genann­ten Erkennt­nis“ (1 Tim 6, 20).

Ob Teil­hard auch for­mell der Frei­mau­re­rei ange­hört hat (näm­lich den Mar­ti­ni­sten, wie man manch­mal lesen kann), kann man natur­ge­mäß schwer bewei­sen, ist aber ange­sichts sei­ner Wir­kungs­ge­schich­te zweit­ran­gig.

Teil­hards Theo­lo­gie war ungläu­big, sei­ne Phi­lo­so­phie unsau­ber, das Lek­tü­re­er­leb­nis ist daher uner­freu­lich, ver­wir­rend und hyp­no­tisch. Als Natur­wis­sen­schaft­ler war er offen­bar eine Kory­phäe, aller­dings nur inner­halb der Gren­zen der natur­wis­sen­schaft­li­chen Metho­de. Dar­über hin­aus­ge­hen­de Schluß­fol­ge­run­gen beinhal­ten häu­fig einen Metho­den­feh­ler und wur­den fol­ge­rich­tig auch von Natur­wis­sen­schaft­lern zurück­ge­wie­sen.

Sei­ne angeb­li­che und viel­be­schwo­re­ne „Syn­the­se“ von Glau­be und Natur­wis­sen­schaft beruht auf seman­ti­schen Tricks und unschar­fen Neo­lo­gis­men. Im Kern ist sie Illu­si­on.

Es ist Magie.

Ange­sichts des­sen muß man die kirch­li­chen War­nun­gen bzw. Maß­nah­men gegen die­se Ver­wir­run­gen als unzu­rei­chend und inkon­se­quent beur­tei­len (post­hu­me Mah­nung, moni­tum, von 1962 durch das Hl. Offi­zi­um). Offen­bar stand er doch unter einer gewis­sen Pro­tek­ti­on.

Im fol­gen­den drei ver­mut­lich weni­ger bekann­te Aspek­te zu Leben und Wir­kung Teil­hards:

Teilhard und Robert Hugh Bensons Herr der Welt

Robert Hugh Benson: Der Herr der Welt (neueste deutsche Ausgabe 2015)
Robert Hugh Ben­son: Der Herr der Welt (neue­ste deut­sche Aus­ga­be 2015)

Gün­ther Schi­wy (1932 – 2008), Ex-Jesu­it, Teil­hard-Exper­te und sein „Fan“, erwähnt in sei­ner Teil­hard-Bio­gra­phie ((Und zwar in der kür­ze­ren Ver­si­on: Teil­hard de Char­din – Eine Bio­gra­phie, vom Autor gekürz­te Aus­ga­be, dtv, Mün­chen 1985)), daß Teil­hard die 1907 erschie­ne­ne Dys­to­pie Herr der Welt des Kon­ver­ti­ten, Schrift­stel­lers und Prie­sters Msgr. Robert Hugh Ben­son (1871 – 1914) las und kri­ti­sier­te:

„Ich las­se kei­nes­falls gel­ten, daß die Begei­ste­rung für den ‚Geist der Welt‘ das Erbe des Anti­christ sein muß. (…) Ben­sons Katho­li­zis­mus am Schluß miß­fällt mir, (…) weil er mir unge­recht, blut­arm und wider­na­tür­lich (fast eben­so­sehr wie über­na­tür­lich) erscheint“ (107).

Ange­sichts der spi­ri­tu­el­len Qua­li­tät des zutiefst katho­li­schen Wer­kes ist das eine erschrecken­de und absto­ßen­de Aus­sa­ge. Teil­hard hat­te also schon in jun­gen Jah­ren die Wei­chen­stel­lung zugun­sten des Pan­the­is­mus und zuun­gun­sten der über­na­tür­li­chen Offen­ba­rung getrof­fen.

In die­sem Zusam­men­hang ist es übri­gens inter­es­sant, daß Papst Fran­zis­kus die­ses Buch kennt und emp­fahl (sie­he Ist Methol Fer­ré Stich­wort­ge­ber für Papst Fran­zis­kus Beur­tei­lung der Welt von heu­te? und Papst Fran­zis­kus, Kar­nickel, Gebur­ten­kon­trol­le, Gen­der-Theo­rie und Dalai Lama).

Da die Poli­tik und Ver­kün­di­gung des Pap­stes aber in kei­ner erkenn­ba­ren Wei­se mit den Aus­sa­gen des Ben­son­schen Wer­kes in Ver­bin­dung steht, muß man anneh­men, daß er des­sen Trag­wei­te offen­bar nicht ver­stan­den bzw. nicht akzep­tiert hat.

Teilhard und die „Evolution der Keuschheit“

Wenn Katho­li­ken auf reli­giö­se und theo­lo­gi­sche Abwe­ge gera­ten, ist in vie­len Fäl­len ein Pro­blem mit der Keusch­heit die Ursa­che. Oder die Wir­kung. Oder bei­des. Oft die­nen ver­drall­te theo­lo­gi­sche Gedan­ken der Recht­fer­ti­gung eige­nen Fehl­ver­hal­tens („Ratio­na­li­sie­rung“).

Schi­wy schreibt zu die­sem The­ma über­ra­schend unum­wun­den:

„Teil­hard ver­dankt sei­ne Geburt als Mysti­ker der Begeg­nung mit die­ser Frau [sei­ner Cou­si­ne Mar­gue­ri­te Teil­lard-Cham­bon]“ (105).

Marguerite Teilhard-Chambon (1915)
Mar­gue­ri­te Teil­lard-Cham­bon (1915)

Nun, daß ein ver­lieb­ter Jugend­li­cher zum „Mysti­ker“ wird, wenig­stens kurz­fri­stig, ist ein Erfah­rungs­wert und stellt kein grö­be­res Pro­blem dar. Ein Ordens­mann und Prie­ster gibt sich in die­sem Fall jedoch einer Täu­schung hin. Denn nicht irgend­wel­che flüch­ti­gen – und mensch­lich ver­ständ­li­chen – Hoch­stim­mun­gen machen Mystik aus.

Lei­der erwies sich die­se Gefühls­auf­wal­lung für den „Mysti­ker“ fol­ge­rich­tig als Beginn wei­te­rer Kom­pli­ka­tio­nen – und für die Cou­si­ne als Quel­le gro­ßer See­len­qual.

Unter dem Kapi­tel „Evo­lu­ti­on der Keusch­heit“ schreibt Schi­wy daher wie­der­um erstaun­lich offen:

„Teil­hard stellt sich auch dem für ihn exi­sten­ti­el­len Pro­blem einer Freund­schaft mit meh­re­ren Frau­en gleich­zei­tig. (…) Teil­hard wehrt sich gegen die­se Auf­fas­sung, die das Herz mit einem Glas ver­gleicht, des­sen Inhalt sich durch Aus­tei­lung erschöpft.“

Er zitiert dann Teil­hard selbst, der immer­hin bis zu fünf Frau­en­be­zie­hun­gen emo­tio­nal unter einen Hut brin­gen muß­te:

„Wahr ist, daß im beson­de­ren Fall der Lie­be der Ehe­mann für sei­ne Frau die pri­vi­le­gier­te Stel­lung reser­vie­ren und stär­ken muß, die aus ihr in irgend­ei­ner Wei­se die Son­ne sei­nes inne­ren Uni­ver­sums macht. Und in die­sem Punkt hat die Eifer­sucht sei­nen Sinn: es kann nur eine Son­ne am Him­mel unse­res Her­zens geben. Aber unter­ge­ord­ne­te Ster­ne, war­um nicht?“ (225)

Schi­wy faßt zusam­men:

„Trotz­dem ver­sucht Teil­hard für sich selbst und für die mit ihm ver­bun­de­nen Frau­en in einem letz­ten Anlauf, den mit dem tra­di­tio­nel­len Keusch­heits­be­griff ver­bun­de­nen Ver­zicht auf kör­per­li­che Lie­be doch noch ein­sich­tig zu machen. Dazu greift er wie­der auf sei­ne Auf­fas­sung von der Mate­rie und von der Gesamt­ten­denz der Ent­wick­lung zurück [!].“ (226f)

Wer als Prie­ster sei­ne eige­nen dies­be­züg­li­chen Pro­ble­me unter das Volk bringt, gibt den Schwa­chen Anstoß (vgl. Mt 18,6). Kein Jugend­li­cher, der nach Ori­en­tie­rung sucht, kein ange­hen­der Ordens­mann, kein Prie­ster, kein Ver­hei­ra­te­ter, kein Mensch, der ver­sucht und erprobt wird, inter­es­siert sich für die per­sön­li­chen Ver­wer­fun­gen eines Men­schen, der Vor­bild sein soll. Sie ver­wir­ren ihn und unter­mi­nie­ren sein Bemü­hen, in der Wahr­heit zu leben.

In die­sem kon­kre­ten Zusam­men­hang nur ein Bei­spiel von vie­len, wie sehr Teil­hards dies­be­züg­li­che Ver­wir­rung tief in Jesui­ten­or­den und Kir­che ein­ge­drun­gen ist:

Die Schwei­zer Zen-Mei­ste­rin und Ordens­frau Pia Gyger, die am 14. Juli 2014 ver­starb, fühl­te sich Teil­hard ver­pflich­tet. Ein Nach­ruf im elek­tro­ni­schen Kon­do­lenz­buch, der für vie­le ande­re cha­rak­te­ri­stisch ist, liest sich (aus­zugs­wei­se) so:

Wir dan­ken dir für dei­ne visio­nä­re Kraft.
Wir dan­ken dir, dass du den Weg der kos­mi­schen Part­ner­schaft erkannt und gebahnt hast zusam­men mit dei­nem Part­ner Niklaus Brant­schen. Wir dan­ken dir, dass du, das Zöli­bat lebend, die ero­ti­sche Dimen­si­on des Lebens und die hei­li­ge Dimen­si­on des Eros, gese­hen und gewür­digt hast, ähn­lich wie dein „Mei­ster“ und gelieb­ter Leh­rer Teil­hard de Char­din. Ich habe mich von weni­gen Men­schen in mei­ner Suche nach real geleb­ter frei­er Lie­be, so ver­stan­den gefühlt, wie von dir!

Die­se Ver­wir­rung ist ganz cha­rak­te­ri­stisch für jene, die in den Teil­hard­schen Pan­the­is­mus ein­tau­chen: Man liest Teil­hard, betreibt Zen, gelangt zu ost­asia­ti­schen Göt­zen­kul­ten, plötz­lich kommt es zur „Evo­lu­ti­on der Keusch­heit“ und zum „kos­mi­schen Bewußt­sein“, zum Abfall vom Glau­ben und dann gibt man schwe­res Ärger­nis (wie auf die­ser Sei­te auch schon zu lesen war) .

Man schaue nur auf die Home­page des Las­s­alle-Hau­ses in Bad Schön­brunn (Schweiz): Hier sind die gif­ti­gen Früch­te des schlech­ten Bau­mes ohne wei­te­res erkenn­bar.

Bio­gra­phi­sche Umstän­de haben mich zwei­mal in die­ses Haus geführt. Ich den­ke mit Schau­dern dar­an zurück.

Ich weiß nicht, ob dort aus­drück­li­che Invo­ka­tio­nen von Dämo­nen statt­fin­den, aber es ist klar, daß die dort geüb­te „Offen­heit“ für alles und jedes, außer den tra­di­tio­nel­len Glau­ben, kei­ne gute Idee ist.

A pro­pos Dämo­nen:

Teilhard und der Teufel

Nach eige­nem Zeug­nis waren dem Ex-Jesui­ten Mala­chi Mar­tin (1921–1999) zwei Prie­ster (die gleich­zei­tig Natur­wis­sen­schaft­ler, näm­lich Anthro­po­lo­gen waren) per­sön­lich bekannt, die über die Irr­leh­ren Teil­hards in den Bereich dämo­ni­scher Beses­sen­heit gelang­ten, der eine sehr stark, der ande­re zu einem gerin­ge­ren Grad. ((Hosta­ge to the Devil – The Pos­ses­si­on and Exor­cism of Five Con­tem­pora­ry Ame­ri­cans, Reader’s Digest, New York 1976, zit. nach der Aus­ga­be Har­pe­rO­ne, San Fran­cis­co 1992). Mit Dank an S. D. Prinz NN.))

Malachi Martin Hostage of the Devil
Mala­chi Mar­tin: Hosta­ge of the Devil

Mar­tin stellt deren Geschich­te aus­führ­lich dar:

Einer der bei­den Prie­ster („David“) hat­te Teil­hard in New York besucht und war, obwohl „Fan“, von die­ser Begeg­nung unan­ge­nehm berührt. Teil­hard hat­te ihm den Ein­druck gemacht, die Hoff­nung ver­lo­ren zu haben.

Jah­re spä­ter wird David beauf­tragt, sei­nen Mit­bru­der („Yves“ bzw. „Jona­than“ genannt) zu exor­zie­ren. Das schei­tert kläg­lich. Der Dämon wirft dem Exor­zi­sten Teil­har­di­sti­sche Ideo­lo­ge­me an den Kopf („All so that Jesus can emer­ge. Oh, beau­ti­ful Ome­ga!“) und bezich­tigt ihn der Kom­pli­zen­schaft mit genau die­sem Ungeist („You‘re a soul-fel­low of mine. … And you were try­ing to exor­cise me? … Get out!“).

Der Exor­zist muß sich ein­ge­ste­hen, daß er tat­säch­lich Teil­hards Theo­rien akzep­tiert und damit sei­nen Glau­ben beschä­digt hat­te:

„[Dadurch] konn­te er den Abstand zwi­schen der mate­ri­el­len Natur der Welt einer­seits und Jesus als Ret­ter ande­rer­seits nicht län­ger ertra­gen. Mate­ria­li­tät und Gött­lich­keit waren eins; die mate­ri­el­le Welt zusam­men mit Bewußt­sein und Wil­le des Men­schen, bei­de gehen aus rei­ner Mate­ria­li­tät so auto­ma­tisch her­vor wie die Hen­ne aus dem Ei; und die Gött­lich­keit Jesu geht von sei­nem mensch­li­chen Sein so natür­lich her­vor wie eine Eiche von der Eichel (…). So viel zu Teil­hard, dach­te David bit­ter“ (148, eige­ne Über­set­zung).

Der Exor­zis­mus wird spä­ter erfolg­reich durch­ge­führt, nach­dem David mit sich und mit Gott ins Rei­ne gekom­men ist und alle Anhäng­lich­keit an die Teil­hard­schen Irr­leh­ren abge­legt hat. Auch Yves muß­te sich zu einer Ver­wer­fung der Irr­leh­ren durch­rin­gen, damit der Exor­zis­mus erfolg­reich sein konn­te.

Die Teil­hard­sche Leh­re von Chri­stus und den Sakra­men­ten ver­nich­tet den eigent­li­chen Gehalt des christ­li­chen Glau­bens. Sie redu­ziert alles Gna­den­haf­te und Sakra­men­ta­le auf „Natur“. Wer sich – beson­ders als Prie­ster – die­sem Aber­witz ernst­haft öff­net, gelangt frü­her oder spä­ter in den Bann­kreis des Bösen.

Resümee

Punkt Omega der Evolution
Punkt Ome­ga der Evo­lu­ti­on

Wir leben in einer Zeit, in der Teil­hard­sche Irr­leh­ren (die eben auf die Gno­sis des Alter­tums zurück­ge­hen) in vie­len Mas­ken und Schli­chen all­ge­gen­wär­tig sind. Die Vor­stel­lung, wenn die Welt zusam­men­wach­se, wer­de ein „höhe­res Sein“ bzw. ein „höhe­res Bewußt­sein“ auf­tre­ten, trifft man immer wie­der an.

Damit ist die Rol­le des Schöp­fer­got­tes abge­drängt. Chri­stus als ein­ver­kör­per­ter Logos wird als Mytho­lo­gie abge­tan, das Kreu­zes­op­fer ist unver­ständ­lich.

Schließ­lich stirbt die Hoff­nung. Im Teil­har­dis­mus muß man ja nicht mehr hof­fen, weil man auf dem Weg eines neu­en Wis­sens um die Kon­ver­genz von allem und jedem im „Punkt Ome­ga“ WEISS. Das ist natür­lich eine Selbst­täu­schung – tief inner­lich glaubt das wohl nie­mand wirk­lich. Opti­mis­mus und Hoff­nung sind eben zwei ver­schie­de­ne Sachen, das süße Gift Teil­hards hat nichts mit der ech­ten christ­li­chen Freu­de zu tun.

Teil­hard selbst hat an Schwer­mut und Hoff­nungs­lo­sig­keit gelit­ten und damit vie­le ande­re mit­hin­ein­ge­zo­gen.

Es han­delt sich also nicht ein­fach um aka­de­mi­sche Dis­kus­sio­nen: Teil­hard und sei­ne Adep­ten wie Karl Rah­ner und Antho­ny de Mel­lo und vie­le ande­re haben Glau­ben und Ver­nunft zer­stört und daher enor­men Scha­den ange­rich­tet.

Erwar­tungs­ge­mäß wird Teil­hard in den kom­men­den Wochen gefei­ert wer­den.

Es gibt aber ganz bestimmt nichts zu fei­ern.

Es ist jetzt an den Jesui­ten, einen end­gül­ti­gen Schluß­strich zu zie­hen und die Teil­hard­schen Dämo­nen zu exor­zie­ren. Es wäre ange­mes­sen, wenn Papst Fran­zis­kus SJ selbst damit anfan­gen wür­de.

„Anathe­ma sit“ (Gal 1,8).

MMag. Wolf­ram Schrems, Linz und Wien, katho­li­scher Theo­lo­ge, Phi­lo­soph, kirch­lich gesen­de­ter Kate­chist

Die voll­stän­di­ge Rei­he:

Bild: Wikicommons/Verlage

36 Kommentare

  1. P. Teil­hard de Chardin’s selt­sa­me „Zukunfts­vi­si­on“ spricht für sich:
    -
    “ Das ein­zi­ge „Tor in die Zukunft“ liegt „in Rich­tung einer gemein­sa­men Lei­den­schaft“, einer „Kon­spi­ra­ti­on“. „Wir nähern uns … trotz aller Fehl­schlä­ge und Unwahr­schein­lich­kei­ten einem neu­en Zeit­al­ter, in dem die Welt ihre Ket­ten abwer­fen wird, um sich end­lich den Kräf­ten ihrer inne­ren Affi­ni­tä­ten zu über­las­sen“
    -

  2. Eine gan­ze Web­site mit dem Ziel, die Über­ein­stim­mung der Theo­lo­gie Teil­hards mit der ortho­do­xen katho­li­schen Leh­re zu zei­gen. Ins­be­son­de­re sol­len dem­nach Paul II und Benedktikt «glü­hen­de Anhän­ger» Teil­hards gewe­sen sein und das erwähn­te Moni­tum fak­tisch zurück­ge­zo­gen haben. Was soll man davon hal­ten?
    http://teilhard.com/2013/11/01/dan-burke-and-the-accurate-story-why-teilhard-de-chardin-is-important-to-catholic-theology/

  3. Teil­hard de Char­din ist genau­so wie sei­ne Apo­lo­ge­ten total out.
    Alles was die­se Leu­te voll­bracht haben ist die From­men zu ver­wir­ren, wäh­rend die Nicht­from­men sich schon gar nicht mehr für sie inter­es­sie­ren.

  4. Für mich ist die Fra­ge auf wel­chen phi­lo­so­phi­schen und irdisch-mensch­li­chen Sicht­wei­sen die Welt­an­schau­ung des Teil­hard de Char­din auf­ge­baut ist. Wenn er die Sakra­men­te und die gött­li­chen Wei­sun­gen Jesu Chri­sti im Evan­ge­li­um nur als „Natur“ ver­steht, dann ist sowas nur ein aus­ge­klü­gel­tes Gedan­ken­kon­strukt, das jeg­li­cher wirk­li­cher Nähe zur Mut­ter­got­tes und Jesu ent­behrt. Er wur­de 1911 zum Prie­ster geweiht (wiki­pe­dia). Wenn er als geweih­ter Prie­ster das Aller­hei­lig­ste Mess­op­fer nicht mehr ver­stan­den hat, dann wird das vor allem dar­an lie­gen, dass er sein Herz mit mensch­li­chen Ideo­lo­gien ange­füllt hat und nicht mit dem Rosen­kranz, nicht mit der Mut­ter­got­tes und auch nicht mit dem gött­li­chen Wir­ken Jesu Chri­sti. Der Pfar­rer Augu­sti­nus Hie­ber aus Merazho­fen und der Hei­li­ge Pfar­rer von Ars sind da für mich der Maß­stab. Mit Phi­lo­so­phen-Theo­lo­gen kann ich nicht viel anfan­gen.

      • Noch als Ergän­zung: Ent­ge­gen der phi­lo­phi­schen Gedan­ken-Kon­struk­te eines Teil­hard de Char­din wir­ken Gott Vater und Jesus Chri­stus auch heu­te noch Wun­der !!: Das Hei­li­ge Feu­er von Jeru­sa­lem in der Gra­bes­kir­che am Oster­sams­tag ist eines von vie­len Bei­spie­len.
        Sie­he hier: https://www.youtube.com/watch?v=5_44gpl4KxI
        und hier: http://www.volto-santo.com/Heiliges_Feuer/heiliges_feuer.html
        Was wir in unse­rer Kir­che am mei­sten brau­chen ist der geleb­te Glau­be und das Wir­ken Got­tes in unse­rem Leben. Durch intel­lek­tu­ell-theo­lo­gi­sches Phi­lo­so­phie­ren und Mani­pu­lie­ren bekom­men wir das nicht.

  5. Sehr geehr­ter Herr Schrems, bezie­he mich auf fol­gen­des Zitat ihres Arti­kels:
    „Wenn Katho­li­ken auf reli­giö­se und theo­lo­gi­sche Abwe­ge gera­ten, ist in vie­len Fäl­len ein Pro­blem mit der Keusch­heit die Ursa­che. Oder die Wir­kung. Oder bei­des. Oft die­nen ver­drall­te theo­lo­gi­sche Gedan­ken der Recht­fer­ti­gung eige­nen Fehl­ver­hal­tens („Ratio­na­li­sie­rung“).“
    End­lich sagt mal einer wie es ist. Ich wür­de dem, was sie da sagen, absolt zustim­men.
    Zudem stel­le ich fest, je mehr jemand schreibt und sagt und redet: Meist steckt ein nicht genann­tes Pro­blem mit der Keusch­heit dahin­ter. Die mei­sten Leu­te, die kein rei­nes Leben füh­ren wol­len, haben bis­her das Lehr­amt der Kir­che schlecht gemacht und sind in die Eso­te­rik abge­drif­tet.
    Ich wei­ge­re mich ent­schie­den, rela­ti­vi­sti­sche Ten­den­zen gut zu hei­ßen, die besa­gen: Der Herr wis­se um die Schwie­rig­keit der Ein­hal­tung des Keusch­heits­ge­bo­tes, wes­halb er hier lei­cher ver­zei­he als bei ande­ren Fehl­trit­ten.
    Prompt folg­te auf eine sol­che Äuße­rung eine wei­te­re Mel­dung: Ver­hü­tung sei schlim­mer als ein Sei­ten­sprung. Wie bit­te, habe ich mich da gefragt. Ein Sei­ten­sprung ist Ehe­bruch und wird mit Ver­hü­tung ver­gli­chen?!! Wie kann das sein? Was für Bezugs­sy­ste­me haben die Leu­te?
    Natür­lich ver­zeiht der Herr jede Sün­de. Das Beichtsa­kra­ment darf aber nicht dazu miss­braucht wer­den, dass man eine ent­schie­de­ne Umkehr ver­wei­gert und sich auf sei­ne Schä­che her­aus­re­det. Die mei­sten Katho­li­ken wis­sen ja schon in dem Moment, in dem sie südi­gen, dass sie es beich­ten müss(t)en. Die­ser Vor­wurf kam frü­her häu­fig aus pie­ti­sti­schen Krei­sen des Pro­te­stan­tis­mus als Argue­ment gegen das Beichtsa­kra­ment. In der Tat kann das Sakra­ment auch schwä­chen, wenn man ihm sakri­le­gisch begeg­net. Pater Pio sag­te immer, wenn jemand nur halb­her­zig beich­te­te: „Du hast weder Vor­satz noch Reue.“
    Und wenn sie schon von Teil­hards ero­ti­schen Freund­schaf­ten zu Frau­en reden, dann erin­ne­re ich ger­ne an den Hei­li­gen Bischof Franz von Sales, der einen Prie­ster mehr­fach dar­auf hin­ge­wi­sen hat­te, kei­nen der­art offe­nen Umgang mit Frau­en zu pfle­gen. Scher­zend und Arm in Arm mit zwei Frau­en kam er eines Tages zu dem Hei­li­gen. Sobald die Grup­pe ein­ge­tre­ten war, nahm er den Prie­ster zur Sei­te, führ­te ihn in ein Neben­zim­mer, fiel auf die Knie und gei­ßel­te sich für den Prie­ster. Auch Don Bos­co gab nie Anlass zu einem schlech­ten Bei­spiel.
    Schau­en wir nach: Wo ist die Leh­re rein? Bei den keu­schen Leh­rern des Glau­bens. Wo aller­dings Unkeusch­heit ist, fin­den wir lei­der kei­ne rei­ne Leh­re. Oder man spürt das geheu­chel­te Wort bei Schrift­stel­lern, die die Keusch­heit nur theo­re­tisch begrif­fen haben, aber nicht leben. Die­sen miss­traut man. Jeder Leh­rer des Glau­bens muss sich klar machen: Wenn ich unkeusch lebe, velie­re ich die Voll­macht und den Segen, den rei­nen Glau­ben wei­ter zu geben. Ich kann dann soviel plap­pern wie ich will; es wird kei­ne Früch­te tra­gen. Ich lie­be des­halb die Ent­schie­den­heit und das kla­re Wort. Allein es baut auf und hebt den gei­sti­gen Men­schen; kei­ne fal­sche Barm­her­zig­keit.

    • Da Sie sich hier auf eines mei­ner Staements von neu­lich bezie­hen — möch­te ich zurecht­rücken, dass ich das, was ich sag­te, so ver­zerrt weder mein­te noch aus­ge­drückt habe.

      Ich sag­te: die Sexua­li­tät ist in ihrer Wur­zel zunächst eine natür­li­che und gott­ge­woll­te Kraft und ent­springt nicht — wie ande­re Sün­den (z.B. Neid, Eifer­sucht, Gel­tungs­sucht) — der rei­nen Ich­be­zo­gen­heit und Bos­heit. Sün­den auf dem Gebiet der Sexua­li­tät erhal­ten erst mit ihrer Ver­knüp­fung mit sol­chen ande­ren Bos­hei­ten ihren Cha­rak­ter als Sün­de.
      Aus die­sem Grun­de sind sie mil­der zu betrach­ten, v.a. wenn die mit ihr ver­knüpf­ten Bos­hei­ten eher gerin­ge­res Gewicht haben.

      Sie zitie­ren hier irgend­wel­che Män­ner der Ver­gan­gen­heit, nur einen zitie­ren Sie nicht: unse­ren Herrn. Ihr Pater Pio-Zitat ist typisch für die­sen Mann: ent­ge­gen dem gel­ten­den Kir­chen­recht hat er sich ange­maßt, bes­ser zu wis­sen als die, die zu ihm kamen und die er gar nicht kann­te, ob sie Sakra­men­te emp­fan­gen dür­fen. Das ist ein übler Ver­stoß gegen die Geset­ze! Und auch Pater Pio hat man übri­gens unkeu­sche Freund­schaf­ten zu den von ihm see­lisch abhän­gig gemach­ten „Töch­tern“ uger­stellt (bish heu­te nicht geklärt!) — sogar Johan­nes XXIII. ging davon aus.

      Es ehrt Sie, wenn Sie selbst keusch leben wol­len. Es wür­de Sie nicht ehren, wenn Sie wie der Pha­ri­sä­er aber auf ande­re her­ab­schau­en…

      Es ist ein kras­ser Irr­tum, wenn Sie im Ernst glau­ben, ein keu­sches Leben wür­de auch die Wer­ke rei­ni­gen.
      Das ist förm­li­che Irr­leh­re.
      Die Pha­ri­sä­er leb­ten keusch, auch der rei­che Jüng­ling — und doch waren sie weiß ange­stri­che­ne Grä­ber und unrein. Und falsch leh­ren taten sie oben­drein auch noch. Eine krampf­haf­te Keusch­heit erzeugt oft durch die Hin­ter­tür im Geist den Irr­tum.
      Ich möch­te Sie daher war­nen, auch aus Selbst­er­kennt­nis (ich ste­he da ja kei­nes­falls drü­ber): es gibt auch eine gei­sti­ge Unkeusch­heit schlimm­ster Sor­te, mit der ver­gli­chen eine leib­li­che Unkeusch­heit „harm­los ist“.

      An dem Punkt gibt es auch empi­risch vie­le Merk­wür­dig­kei­ten. Zum Bei­spiel hat der von vie­len Tra­dis so geschätz­te Léon Bloy immer wie­der unkeusch gelebt. Lesen Sie bit­te hier: http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Bloy
      Ich bin außer­stan­de zu behaup­ten, dass sei­ne Wer­ke des­halb zwin­gend schlecht gewe­sen sei­en.
      So ein­fach ist die Welt nicht… auch nicht die des Glau­bens.

      Was mich aber an dem Arti­kel oben stört ist, dass er sich mit Teil­hards Bekannt­schaf­ten befasst, die aber doch offen­kun­dig gar nicht sexu­ell gefärbt waren!
      Wenn sie das nicht waren, soll­ten wir erst recht dar­über kein Wort ver­lie­ren! Wer sieht schon hin­ein in das alles? Wer ergrün­det die Moti­ve?
      Spe­ku­la­tio­nen über ande­rer Leuts Bezie­hun­gen sind Klatsch und Tratsch und laut Hl. Schrift eine schwe­re Sün­de.

      Nein — die Sün­den des 6. Gebo­tes recht­fer­ti­gen nicht, dass man um ihrer „Ent­lar­vung“ wil­len sel­ber in schwe­re (anders­ge­la­ger­te) Sün­de fällt.

    • @zeitschnur
      Ich stim­men Ihnen in allem zu. Leicht wird man zum Pha­ri­sä­er.
      Dass Pater Pio in der Kri­tik Joh. XXIII stand, ver­wun­dert mich aller­dings nicht.

    • Es gibt zwei Arten von Wir­kun­gen, die das das Bemü­hen um Keusch­heit mit sich brin­gen kön­nen:
      Das eine ist Hoch­mut, das ande­re Demut.
      Ich habe bei mir immer wie­der Hoch­mut fest­ge­stellt, aber dies nur auf der Wort­ebe­ne. Das drückt sich auch in mei­nen Kom­men­ta­ren aus, ist aber häu­fig der Pole­mik, der eige­nen Ein­stel­lung usw. geschul­det.
      Die geleb­te Keusch­heit führt letzt­lich dazu, dass sich der Mensch, hier­durch nicht — so mei­ne Fest­stel­lung — unver­such­ter, stär­ker, höher denkt als ein ande­rer, son­dern ich möch­te fast sagen, nied­ri­ger, ver­such­ter, schwä­cher. Er spürt die Macht der Anzie­hung, indem er ihr ent­ge­gen tritt. Das mag für vie­le schon etwas Über­spann­tes und Beäng­sti­gen­des haben. Wich­tig ist aber — wie ich es mei­ne — die Fol­ge hier­aus. Je län­ger der Zustand aus­ge­hal­ten wird, umso schwä­cher wird er und ver­flüch­tigt sich immer mehr. Man wird abso­lut frei. Des­we­gen mäch­te ich jedem zuru­fen: „Hal­te doch aus!“
      Das Wis­sen um die eige­nen Bemü­hun­gen und Kämp­fe befä­higt schluss­end­lich dazu, eben nicht zu rich­ten und in Hoch­mut zu ver­fal­len, wes­halb sich hin­ter der har­schen Spra­che der anschei­nen­den Sex- und Leib­feind­lich­keit eigent­lich ein tie­fes Mit­leid ver­bin­det. Man sieht eher die Ver­strickun­gen und Täu­schun­gen, denen sich der Gegen­über hin­gibt. Im Wis­sen um die Macht der in sich erst ein­mal guten Sexua­li­tät, kommt es nie zu Ver­utei­lun­gen, son­dern immer um den Wunsch, Ord­nung zu wei­sen und zu ver­mit­teln, dass eben nicht gesche­he, was Herr Schrems in einem sei­ner ersten Sät­ze ange­spro­chen hat bzw. zum Ehe­bruch oder zur Abor­ta­ti­on.
      Wenn Sie raten und erklä­ren, an die Wur­zeln zu den­ken -, und die­se auf­zu­decken, — Stolz, Neid, Ego­is­mus, usw. — statt beim 6. Gebot ledig­lich blind zu ver­ur­tei­len und womög­lich dabei noch in Hoch­mut oder Heu­che­lei zu ver­fal­len, kann ich da nur voll zustim­men. Des­wei­te­ren habe ich Ihre Aus­füh­run­gen, wohl auch frü­he­re, aus dem Zusam­men­hang geris­sen. Ich sprin­ge jedoch sehr schnell auf Sät­ze an, die unbe­dacht und aus dem vol­len Zusam­men­hang geris­sen, den Ein­druck ver­mit­teln, man kön­ne das 6. Gebot etwas mil­der sehen. Viel­leicht ist es auch nur bei mir so abge­kom­men.
      Vergelt’s Gott

      • Okay, dan­ke — nein, ich tue natür­lich selbst auch alles, um das 6. Gebot zu hal­ten und ken­ne ganz genau den Über­gang, an dem nor­ma­le Zunei­gung und frucht­ba­re Freund­schaft getrübt wird durch zunächst gei­sti­ge Ver­su­chun­gen. Und die gro­be rein instink­ti­ve Ver­su­chung ken­ne ich natür­lich auch. Wer sagt, das sei ihm fremd, der ist ent­we­der sünd­los oder er lügt. Hier ist jeder gefor­dert!

        Inso­fern stim­me ich mit Ihnen über­ein! Ein Gebot ist ein Gebot! Da gibt es nichts dran zu rüt­teln.

        Den­noch ist es not­wen­dig, die Sexua­li­tät nicht zum Dreh- und Angel­punkt des gesam­ten (from­men) Den­kens zu machen. Dar­um ging es mir.
        Wir sind zu etwas ande­rem beru­fen, und die Sexua­li­tät muss zurück­tre­ten am Ende. Jeder, der etwas älter gewor­den ist (wie ich) weiß das — das wird schon natür­li­cher­wei­se schwä­cher… Und wer Kin­der hat, weiß eh, dass sie letzt­end­lich die­ses gro­ße Ziel sucht, näm­lich die Erzeu­gung von Leben. Und das macht sie auch letzt­end­lich lust­voll.

        Mir tun die Men­schen heu­te leid, weil sie die eigent­li­che Lust der Sexua­li­tät nicht mehr ken­nen­ler­nen. Sie ver­kommt zu einem kurz­fri­sti­gen Gerub­bel, nicht viel bes­ser als wenn man ein Glas Cola trinkt oder einen Kau­gum­mi kaut. Was bleibt nach der Ernüch­te­rung nach einer auf­ge­heiz­ten leib­li­chen Ver­fas­sung? Schnell hat man das über und sucht dann immer neue Kicks. Das ist die gro­ße Berau­bung unse­rer Zeit. und wie gesagt: kei­ner von uns ist nicht berührt oder befleckt wor­den durch die­sen Ungeist.

        Zu die­sem Ungeist gehört aber ande­rer­seits die Über­be­to­nung der Bedeu­tung der Sexua­li­tät. Sie hat ihren Platz, aber sie kommt wirk­lich erst „an 6. Stel­le“ — im Guten wie im Bösen.

        Ich neh­me die Aus­sa­gen des hl. Pau­lus, dass es bes­ser ist, zöli­ba­tär zu leben, sehr ernst — wie schon oft gesagt sage ich das als lang­jäh­ri­ge Ehe­frau, die sich wohl fühlt in ihrer Ehe.
        Jesus ist das Ziel mei­ner Lie­be, das wird immer deut­li­cher, und ich habe Ihm nichts zu brin­gen, will Ihm aber wenig­stens ein biss­chen schen­ken: mich in aller Unwür­dig­keit. Ich ver­las­se mich drauf, dass Er mir die Wür­de schenkt, die mir fehlt oder ver­lo­ren ging.
        Die­se Wür­de aber ist über­na­tür­lich. Und im Über­na­tür­li­chen wird nicht mehr gehei­ra­tet — das sag­te der Herr selbst.
        Pau­lus erlaubt das hei­ra­ten für die, die es nicht schaf­fen, ent­halt­sam zu sein. Er ver­ur­teilt sie nicht. Auch ich habe als jun­ge Frau gehei­ra­tet. Ich habe vol­les Ver­ständ­nis!
        Und doch scheint es mir so, als zie­le auch die nor­ma­le Ehe am Ende dar­auf hin, dass man sie nicht mehr um der Sexua­li­tät wil­len lebt, son­dern um mit dem Part­ner die­ses Ziel zu errei­chen bzw. den Part­ner und die Kin­der dort­hin zu emp­feh­len, wenn sie es noch nicht selbst für sich ergrei­fen kön­nen.

      • Ich mer­ke ein­mal mehr. Wor­te bringen’s hier nicht. Das Evan­ge­li­um der Ein­fach­heit erschließt hin­ge­gen alle fra­gen.
        Vie­le, die wie Sie jetzt spre­chen, ver­erhr­te @Zeitschnur, haben Pater Pio nie gekannt. Und wenn Sie hin­ge­fah­ren sind, ist nichts übrig geblie­ben von ihrem Zwei­fel. Nun gut, aus der Distanz mögen Sie es psy­cho­lo­gi­sche Spiel­chen nen­nen… Mein Rat: Gehen Sie ins Herz des Hei­li­gen. Sie könn­ten dort Chri­stus sel­ber fin­den…
        Ich erin­ne­re, neben­bei bemerkt, nur an Del­Fan­te, der als einer der ersten eine Kehrt­wen­de vom Pater- Pio- Feind zum Ver­eh­rer und Freund mach­te und sein Buch über Pater Pio fol­ge­rich­tig „Vom Zwei­fel zum Glau­ben“ nann­te.
        Sie kön­nen mit Hin­wei­se auf angeb­li­che Selbst­tö­tun­gen jeden Hei­li­gen zu Fall brin­gen. Selbst Judas, der sich als Apo­stel immer in der Nähe unse­res Herrn auf­hielt, erhäng­te sich. An Jesus schei­den sich die Gei­ster. Selbst noch auf Kal­va­ria.
        Wo kei­ne Umkehr­be­reit­schaft, da gei­sti­ger Hoch­mut, da irgend­wann auch häu­fig Ver­zweif­lung und Sui­zid…
        Und man kann nun wirk­lich Johan­nes vom Kreuz nicht gegen Pater Pio aus­spie­len. Pater Pio kann­te sich bestens in den Schrif­ten von Johan­nes aus. Ich weiß nicht, ob sie ein­mal Pater Pios Tage­bü­cher gele­sen haben.
        Hin­ter Ihren Wor­ten scheint sich so viel Wider­wil­le gegen Pater Pio zu ver­ber­gen, dass es mich äng­stigt, ja eigent­lich friert.
        Mein Rat: stu­die­ren Sie den Hei­li­gen und befas­sen sie sich weni­ger mit hoch­tra­ben­der Theo­lo­gie.
        Am Ende bleibt sonst nichts mehr übrig als allein Ihre eige­ne Wahr­heit.
        Zu Guter letzt möch­te ich Ihnen sagen, dass Pater Pio mein gei­sti­ger Vater ist und ich ihm auch treu blei­ben wer­de. Egal was ande­re sagen. Es ist selbst­ver­ständ­lich auch Ihr gutes Recht, sich von Pater Pio nicht ange­zo­gen und in Ihrem Fal­le sogar abge­sto­ßen zu füh­len.
        Jeder Mensch lebt in einem gei­sti­gen Kli­ma. Pater Pios Freun­de sind mir immer mora­lisch wie mensch­lich inte­ger erschie­nen, warm, herz­lich, auf­ge­schlos­sen.
        Im Übri­gen hat der Vati­kan Pater Pio voll­stän­dig reha­bi­li­tiert. Pater Pio ist ihr Hei­li­ger. Ein Vor­bild, nach dem es sich aus­zu­rich­ten lohnt. Als Kind der Kir­che, die ich nach wie vor, trotz aller Zer­ris­sen­heit, die in sie hin­ein­ge­tra­gen wird, bin und blei­be, lie­be ich Pater Pio auf­rich­tig. Er ist mein gei­sti­ger Vater. Wenn ich mich in der Nähe die­ses Hei­li­gen auf­hal­te, blei­be ich im Guten. Wenn nicht, geht’s auf Abwe­ge. Das haben schon vie­le fest­stel­len müs­sen.
        Es gibt einen Jesus­kult, indem man Jesus nicht als das ansieht, was er ist: das Lamm Got­tes. Und es gibt einen Pio-Kult, der aber meist von außen unter­stellt wird. Pater Pio sag­te: „Ich weiß alles in Chri­stus.“ Er wuss­te sich als Die­ner und Werk­zeug die­ses Alles. Ver­ges­sen wir nicht, dass Gott in erster Linie Wahr­heit und dar­in Geist ist. Die Früch­te des Guten, die Aus­for­mun­gen, sind ein Zwei­tes.
        Mir scheint, sie ver­wech­seln „psy­cho­lo­gi­sche Spiel­chen“ mit Gna­de. Pater Pio hat nichts gemacht, als der Gna­de zu fol­gen. Und das hat er auch von allen Gläu­bi­gen gefor­dert. Klar­text zu leben!!

    • @zeitschnur
      nach­träg­li­che Bezug­nah­me auf fol­gen­des Zitat nach noch­ma­li­gem Lesen:
      “ Ihr Pater Pio-Zitat ist typisch für die­sen Mann: ent­ge­gen dem gel­ten­den Kir­chen­recht hat er sich ange­maßt, bes­ser zu wis­sen als die, die zu ihm kamen und die er gar nicht kann­te, ob sie Sakra­men­te emp­fan­gen dür­fen. Das ist ein übler Ver­stoß gegen die Geset­ze! Und auch Pater Pio hat man übri­gens unkeu­sche Freund­schaf­ten zu den von ihm see­lisch abhän­gig gemach­ten „Töch­tern“ uger­stellt (bish heu­te nicht geklärt!) – sogar Johan­nes XXIII. ging davon aus.“

      ‚Die­ser Mann‘ (star­ke Wer­tung, wie auch „ange­maßt“, „übler Ver­stoß“, „unkeu­sche Freund­schaf­ten“) hat im Lau­fe sei­nes Lebens wohl meh­re­re Mio Beich­ten abge­nom­men und war einer der größ­ten Hei­li­gen des letz­ten Jahr­hun­derts, wenn nicht der grö­ße über­haupt. Wenn er Beich­ten abnahm und die Los­spre­chung vewei­ger­te, dann nur des­halb, weil er die See­len­schau besaß und wuss­te, wenn jemand im Begriff war, ein Sakri­leg zu bege­hen, indem er als guter Christ gel­ten woll­te und die Beich­te nur vor­täusch­te.

      Die­ses Ver­hal­ten galt auch für den Kom­mu­nion­emp­fang. Pater Pio hat sich nicht nur ange­maßt in die Her­zen der Men­schen zu schau­en, son­dern hat­te die­se Gabe tat­säch­lich. War­um sind denn die Sün­der aus­nahm­los zurück­ge­kehrt und haben dann eine gute Beich­te abge­legt?

      Ein Ver­stoß gegen die Kir­chen­ge­set­ze ist es viel­mehr, wenn der Geist­li­che sicher weiß, es mit einem Sün­der zu tun zu haben, der nur Thea­ter spiet, sich über den Beicht­va­ter lustig machen will, ihn nur prü­fen oder lächer­lich machen will, — und ihm dann trotz­dem die Los­spre­chung bzw. Kom­mu­ni­on gibt.

      Das ist auch heu­te noch Gesetz: Reue und Vor­satz sind Vor­be­din­gung einer gül­ti­gen Beich­te. Wenn ich sicher weiß, dass der Kom­mui­kant im Ehe­bruch lebt, darf ich ihm die Kom­mu­ni­on nicht geben. Wenn der Priess­ter sicher weiß, dass jemand gemor­det hat, die­se Sün­de aber nicht beich­tet, er sie in der Kon­fron­ta­ti­on viel­leicht sogar noch leug­net, ist er dazu ver­pflich­tet das Sakra­ment zu ver­wei­gern.

      Und wie­der wird das alte Gerücht erwähnt, Pater Pio habe unkeu­sche Bezie­hun­gen zu sei­nen gei­sti­gen Töch­tern unter­hal­ten, was bis heu­te nicht geklärt sei. Genau sowie mir vor eini­gen Jah­ren ein­mal vor­ge­hal­ten wur­de, Pater Pio habe sich sei­ne Wun­den sel­ber bei­gebracht und das Blut sei­er Wun­de Hüh­ner­blut. Da kann einem wirk­lich der Kra­gen plat­zen. Zumin­dest ist er mir damals fast geplatzt. Denn ‚das‘ sind wirk­lich „übe­le“, ja übel­ste Dif­fa­mie­run­gen, die man nicht ein­mal erwäh­nen soll­te.

      Sicher weiß nie­mand, wie es war. So wie der Hei­li­ge nicht ein­mal weiß, ob er am Ende sei­nes Lebens gehei­ligt ist. Aber ich den­ke, wer sich ein­ge­hend mit Pater Pio beschftigt hat, es gibt etwa 40 deutsch­pra­chi­ge Bücher und Schrif­ten über ihn, soll­te doch mei­nen, dass der Hei­li­ge über die oben genann­ten Annah­men (Über­tre­tung der Kir­chen­ge­set­ze und Unkeusch­heit ) erha­ben ist.

      Das muss­te ich bei allem Frie­dens­wil­len dann doch­noch los wer­den

      • … ja, bei allem Ver­ständ­nis, aber Sie sagen es selbst: „Sicher weiß nie­mand, wie es war.“

        Und das mit „See­len­schau“ und all den ande­ren Megamy­stiker­sa­chen — Ver­zei­hung: war­um hat die Kir­che sol­che Din­ge immer mit äußer­ster Vor­sicht gese­hen?
        War­um hat sie strik­te Ver­bo­te, den Gläu­bi­gen nach will­kür­li­cher Mei­nung die Sakra­men­te zu ver­wei­gern, fest­ge­legt? Man kann mit sol­chem Mist Men­schen regel­recht psy­chisch zer­stö­ren. Ins­be­son­de­re Frau­en nei­gen dazu, dass sie so einem Mann am Ende noch sei­ne Unter­stel­lun­gen glau­ben.
        Und es gab ech­te, wirk­lich gro­ße Hei­li­ge, die vor sol­cher from­mer Quack­sal­be­rei ohne trif­ti­ge Grün­de, ohne Kennt­nis der Fak­ten und über­haupt gene­rell gewarnt haben — wie Johan­nes vom Kreuz.

        Haben Sie schon mal in Hand­bü­cher für Beicht­vä­ter geschaut?
        Nein? Tun Sie es bit­te mal.
        Das wird Sie ernüch­tern!
        Eine Beich­te, die nicht von voll­stän­di­ger Reue, son­dern z.B. v.a Angst ist, ist den­noch nicht „sakri­le­gisch“ — welch ein Unsinn. Sie ist höch­stens unvoll­kom­men.
        Und was bit­te­schön soll denn das sein: man beich­tet etwas, macht sich die Mühe und reist zu dem umschwärm­ten Mega­b­eicht­va­ter (war­um eigent­lich, wenn man gar nicht bereut?) und der stellt dann fest (Mot­to: Ich weiß bes­ser was du denkst als du sel­ber…), dass man eigent­lich gar nicht ernst­haft beich­ten will?!

        Das ist doch ein aus­ge­mach­ter Blöd­sinn und züch­tet nichts wei­ter als Skru­pu­lan­ten her­an oder Schi­zo­phre­ne.
        Lage hat man ihm ja ver­bo­ten, die­se Spiel­chen zu spie­len — mit Grund!

        Sie dre­hen hier näm­lich den Spieß um, und v.a ist es ein­fach nicht wahr, dass „alle“ sich auf die Spiel­chen des Pater Pio ein­ge­las­sen hät­ten. Es gab auch vie­le, die ergeb­nis­los wie­der abzo­gen, teil­wei­se von weit ange­reist waren und durch sein unmög­li­ches, teil­wei­se auch unver­schäm­tes und rüpel­haf­tes Ver­hal­ten tief ver­stört wur­den. Ich habe sogar von jeman­dem per­sön­lich gehört, dass sich jemand dort bei ihm erhängt hat. Sei­ne Reak­ti­on dar­auf fand ich abso­lut dane­ben: Er kön­ne auch nicht alles wis­sen, sag­te er kurz und knackig.
        Na toll — wann weiß man dann, wann er alles weiß und wann nicht?

        Mit Sicher­heit wis­sen Sie nicht, ob er „der größ­te Hei­li­ge“ des 20. Jh war. Da Johan­nes Paul II. bereits kras­se häre­ti­sche Akte getä­tigt hat, kann man auch bzwei­feln, dass die­se Hei­lig­spre­chung über­haupt gül­tig war.
        Er war aber mit Sicher­heit der, der den mei­sten Mas­sen­hype und Per­so­nen­kult um sich her­um zuließ.
        Auch die Vor­wür­fe bezgl. der Stig­ma­ta sind nicht geklärt. Da ist viel zu viel unklar, und auch inte­gre Leu­te vor dem Kon­zil hat­ten an ihm gewal­ti­ge Zwei­fel.
        Die erwähn­ten 40 Bücher sind alle­samt apo­lo­ge­tisch und Fan­li­te­ra­tur. Man kann von einer Pater-Pio-Ideo­lo­gie spre­chen, die aber theo­lo­gisch so dürf­tig ist, dass es einem graust — das soll „groß“ sein?
        Die kri­ti­schen Nach­fra­gen wur­den vom nach­kon­zi­lia­ren Vati­kan gedros­selt, die Akten nicht frei­ge­ge­ben. War­um auch immer, aber die­ser „Hei­li­ge“ pass­te dem nach­kon­zi­lia­ren Vati­kan her­vor­ra­gend in den Kram…

      • zu oben @ Pater Pio

        Ein­wän­de müs­sen einen sach­li­chen Kern haben.
        Man soll­te auch nicht auf­grund von Erschei­nun­gen und Behaup­tun­gen an jeman­den glau­ben, die sich jeder sach­li­chen Kon­trol­le ent­zie­hen.

        Was ich vor­ge­tra­gen habe, ist nicht von der Hand zu wei­sen.

        Sie haben nicht einen Satz zu die­sen mei­nen ver­nünf­ti­gen und auch nach der Leh­re der Kir­che rich­ti­gen Ein­wän­den sagen kön­nen.
        Es ist aus­drück­lich nicht erwünscht, dass Prie­ster Men­schen an sich per­sön­lich bin­den. wenn so etwas geschieht, wur­de die Kir­che immer hell­hö­rig. Ent­spre­chen­de Beden­ken hat­te man daher auch bei Pater Kente­nich, wobei der ja wirk­lich harm­los ist ver­gli­chen mit dem Megamy­sti­ker Pio…Alleine des­we­gen ist die­ser gan­ze selbst noch post­hu­me Pio-Hype äußerst frag­wür­dig.
        War­um brau­chen Sie Pio, um Jesus zu sehen?
        Wo lehrt das die Kir­che?

        Wer Jesus sehen will, ist bei Maria gut auf­ge­ho­ben. So war es noch nie anders und wird auch nicht anders sein!

      • @zeitschnur
        Dem Glau­ben kön­nen sie nicht nur sach­lich begeg­nen. Soviel fällt mir zu Ihrem Ein­wand hin­sicht­lich eines sach­li­chen Kerns ein. Glau­bens­fra­gen las­sen sich nicht aus­schließ­lich sach­lich-natur­wis­sen­schaft­lich klä­ren. Dem­nach müss­ten Sie so ziem­lich gegen alles Über­na­tür­li­che ein­ge­stellt sein.
        Aber gut, Chri­stus sprach, an ihren Früch­ten wer­det Ihr Sie erken­nen. Tau­sen­de von Hei­lun­gen kön­nen Sie nach­prü­fen. Um nur eines her­aus­zu­neh­men, nen­ne ich Ihnen das Mäd­chen ohne Pupil­len, Gemma di Geor­gi, die nach einem Besuch bei Pater Pio plötz­lich sehen konn­te, und das ohne Pupil­len. Ich habe die Augen sel­ber gese­hen. Augen­ärz­te haben mehr­fach nach­un­ter­sucht und gesagt: Das Mäd­chen ist blind und bleibt blind, da sie kei­ne Pupil­len hat. Sie können’s nicht erklä­ren. Sie sieht und hat ganz nor­mal einen Job als Leh­re­rin aus­ge­übt. Es gibt zahl­rei­che Film­auf­nah­men über sie. Sie kön­nen das nach­prü­fen..
        Bezüg­lich der Stig­men ist P. Pio über Jah­re von den aner­kann­te­sten Ärz­ten immer wie­der unter­sucht wor­den. Die Urtei­le: Die Stig­men sind echt. Sie waren über 50 Jah­re vor­han­den und haben sich nicht ein­mal ent­zün­det, was kein Arzt erklä­ren konn­te. Bezüg­lich des Hüh­ner­blu­tes (Igit) hat der Spie­gel vor etwa 10 Jah­ren die­se The­se auf­ge­stellt. Alles war erlo­gen!! Ich habe Frau Wagen­som­mer in San Gio­van­ni (Deut­sches Büro der Zeit­schrift Die Stim­me Pater Pios damals ange­schrie­ben). Sie sag­te, sie ken­ne die­se Erfin­dun­gen, die von Pater Pio Gegen­ern gezielt immer wie­der auf­ge­tischt wer­den.
        Das von Ihnen ange­führ­te Buch über die Beich­te ist mir ein Begriff. Ich sehe hier über­haupt kei­nen Wider­spruch zur Pra­xis Pater Pios. Wenn Sie einen Plan oder eine vor­ge­schrie­be­ne Metho­de haben, gilt die­se, um die in der Regel uner­leuch­te­ten Beicht­vä­ter sicher anzu­wei­sen. Wenn Sie aber vom Herrn die Gna­de der See­len­schau erhal­ten und ihrem Gegen­über bes­ser in Erin­ne­rung rufen kön­nen, was er wann und wo getan hat, dann müs­sen Sie ihn anlei­ten, kon­fron­tie­ren oder abwei­sen. Sie müs­sen mit der Gna­de mit­wir­ken. Es geht im Sakra­ment dar­um, sich rein zu waschen, nicht dar­um im blin­den Gehor­sam ein Prgramm abzu­spu­len, das über ihr Gegenüber/ hier den Pöni­ten­ten hin­weg­geht. Bei­spiel: Wenn Sie sehen, dass ein Mann sei­ne Frau zur Beich­te beglei­tet, aber einen Revol­ver in der Tasche hat und die­se nach­her umbrin­gen will, sich aber zur Wah­rung des Scheins zur Beich­te (mit-)begibt (so dort gesche­hen), müs­sen sie ihn fort­ja­gen oder ver­bal so kon­fron­tie­ren, dass er auf­wacht. Hier endet die Barm­her­zig­keit, hier begin­nen gerech­ter Zorn und ent­schlos­se­ne Weisung/sogar Abwei­sung (Tem­pel­rei­ni­gung). Wir kön­nen Jesus nicht zum Schoß­hünd­chen degra­die­ren. Wenn jemand kommt, der den Strick schon um den Hals trägt, kön­nen Sie ihn kon­fron­tie­ren, dass Sui­zid kei­ne Lösung, ja sünd­haft ist. Wenn sich der Betref­fen­de dann trotz­dem umbringt, ist es unrecht, die Schuld auf den Beicht­va­ter zu schie­ben.
        Begeg­net man P. Po im Herrn und in rech­ter Buß­ge­sin­nung, wird er zum besten Leh­rer des Glau­bens.

    • Nun denn, Pater Pio, bezie­he ich mich auf die­ses Ihr Zitat:
      „Ver­hü­tung sei schlim­mer als ein Sei­ten­sprung. Wie bit­te, habe ich mich da gefragt. Ein Sei­ten­sprung ist Ehe­bruch und wird mit Ver­hü­tung ver­gli­chen?!! Wie kann das sein? Was für Bezugs­sy­ste­me haben die Leu­te?“
      Ihr unver­stän­di­ges Kopf­schüt­teln ersetzt nun kei­ne Argu­men­te. War­um schrei­ben Sie nicht, was an mei­ner Wer­tung falsch ist und legen dar, war­um das Gegen­teil rich­tig sei? Wenn Ihnen Ihre eige­ne klei­ne Empi­rie, Ihre Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten Gesetz sind, dann gehen Sie damit schon in die Irre. Also zur Sache bit­te.
      Um nun Ihre Fra­ge zu beant­wor­ten: Das zugrun­de­lie­gen­de Bezugs­sy­stem ist eben theo-logisch und nicht human-istisch. Ein Ehe­bruch ver­letzt den Part­ner, Ver­hü­tung ver­letzt Gott und ist gar Glau­bens­bruch. Und das ist schlim­mer: Wenn ich mei­nem Gott nicht mehr glau­be, daß er, der ver­hei­ßen hat, sogar alle Haa­re auf dem Haupt zu zäh­len, für mich und mei­ne Fami­lie sor­gen kann, wenn ich sei­ne Geschen­ke ver­hü­te, so ist mir kaum Ärge­res vor­stell­bar. Es ist bür­ger­lich und klein­mü­tig – und es ver­wun­dert nicht, daß der­sel­be Klein­mut auch einer Ver­söh­nung nach einem Ehe­bruch im Wege steht. Zeit­schnur hat zur Gene­se eines sexu­el­len Fehl­tritts alles gesagt, da hält man gegen an wie eben auch gegen ande­re Ver­su­chun­gen. Und es geht schon mal schief. Ich ver­wies auf die Völ­le­rei als ein ganz ähn­li­ches (und viel häu­fi­ge­res) Ver­sa­gen. Aber von vor­ne­her­ein sagen: Also, lie­ber Gott, das mit den Kin­dern, das weiß ich nun wirk­llich bes­ser … was ist das? Eine unge­heur­li­che Anma­ßung, im Grun­de schlich­ter Unglau­be und Gott­lo­sig­keit. Nüch­tern und ohne Fehl­lei­tung durch Begier­den wird die­se Abwen­dung aus­ge­spro­chen und gelebt. Und dies ist schlim­mer als ein Ehe­bruch. Dabei blei­be ich. Aus bestem Grund. Mei­nem Gott will ich trau­en.

  6. Darf eigent­lich einer von uns regel­rech­te Bann­flü­che aus­spre­chen, die noch nicht von den dazu Befug­ten aus­ge­spro­chen wur­den?
    Damit wäre ich bei aller Kri­tik doch eher vor­sich­tig.

    Teil­hard kann kein Mensch lesen und ver­ste­hen. Es ist so ähn­lich wie bei Rah­ner. das sind unglaub­lich auf­ge­bla­se­ne Sät­ze und Tex­te, aber man kriegt gesi­tig kaum zu fas­sen, was sie eigent­lich mei­nen.

    Die kras­se Ver­wer­fung der über­na­tür­li­chen Gna­de ist jedoch ein Anti-Cre­do.

    Die per­sön­li­chen Ver­tie­fun­gen über Teil­hards Bezie­hun­gen fin­de ich in ihrem Ziel, hier irgend­et­was ent­lar­ven zu wol­len, über­flüs­sig.
    Da gibts nichts zu ent­lar­ven. Auch die Esos haben ihren Draht zum Zöli­bat — auf ihre Wei­se. Das muss man nicht hin­ter­sin­nen.
    Ich wäre auch extrem vor­sich­tig damit, jede Bezie­hung, die einer zu einem ande­ren hat, unter Gene­ral­ver­dacht zu stel­len. Mit dem Argu­ment kann man auch die Ehe zwi­schen Maria und Josef unter Ver­dacht stel­len, Jesu Bezie­hung zu Maria und Mar­tha oder das Zusam­men­le­ben des Pro­phe­ten Elia mit der Wit­we und ihrem Sohn. Und am Ende kommt noch einer und fragt sich, wie Johan­nes an Jesu Brust lie­gen konn­te — nee, das ist Blöd­sinn.
    Und es muss auch kei­ner erst auf phi­lo­so­phi­sche Abwe­ge gera­ten, um mög­li­cher­wei­se auf sexu­el­lem Gebiet ver­sucht zu wer­den.
    Da aber T.s Bezie­hun­gen nicht sexu­ell waren, sind mir sol­che Gedan­ken zu ver­leum­de­risch und inso­fern schlim­mer als das, was sie zu ent­lar­ven glau­ben.

    Ich glau­be, dass T. out ist. Wer liest die­sen Kau­der­welsch?
    Um irre zu gehen, bedarf man sei­ner Tex­te nicht mehr. Da gibt es neue­re Autoren, die schmis­si­ger schrei­ben.

    Was das alles aber so ganz genau mit dem Jesui­ten­or­den zu tun hat, ist für mich immer noch offen.

  7. Ein Klick auf das „Las­s­alle-Haus“, wie oben vom Autor emp­foh­len lohnt sich, wobei ich „sich loh­nen“ eher im nega­ti­ven Sinn mei­ne.
    Öst­li­ches Den­ken scheint dort mehr gepflegt zu wer­den als das Leben mit Chri­stus.
    Dann wird man auch noch auf die Sei­te „Gön­ner“ ver­wie­sen.
    Einer von ihnen war frü­her auch Hans Küng.
    Mit 200 Schwei­zer Fränk­li ist man für ein Jahr Mit­glied.
    Die Jesui­ten betrei­ben die­ses Haus.
    Als Zen­trum für Spi­ri­tua­li­tät ver­mit­telt es die tra­di­ti­ons­rei­chen Wege der Mystik: Zen, Exer­zi­ti­en, Kon­tem­pla­ti­on, Yoga, Sufis­mus, Kab­ba­la.

    Ich hof­fe nicht, dass Papst vom sel­ben Geist erfüllt ist, wie er im „Las­s­alle-Haus“ vor­zu­herr­schen scheint, anson­sten bräuch­te man sich über nichts mehr zu wun­dern.

    • Hab mir die Sei­te auch mal ange­se­hen. Die ver­su­chen offen­bar, die igna­tia­ni­sche Spi­ri­tua­li­tät zu leben und an den Flan­ken, an denen sel­bi­ge offen ist zu ande­ren Exer­zi­ti­en­prak­ti­ken aus ande­ren Reli­gio­nen, durch deren Errun­gen­schaf­ten anzu­rei­chern.

      Im Zen­trum der Gedan­ken des Igna­ti­us steht die Übung der Unter­schei­dung der Gei­ster:

      „Ich setz­te vor­aus, daß es drei­er­lei Gedan­ken in mir gibt: sol­che, die mein eigen sind und allein mei­ner Frei­heit und mei­nem Wil­len ent­sprin­gen, wäh­rend die bei­den andern von außen kom­men: der eine vom guten, der ande­re vom bösen Geist.“

      Was er alles so aus­führt ist aber dann doch sehr anfäl­lig. Wenn er z.B. sagt, der böse Geist wür­de den Sün­der ver­trö­sten und ermu­ti­gen zur Sün­de, den Gerech­ten aber ermu­ti­gen in sei­nem rich­ti­gen Stand, dann wis­sen wir doch von Jesus, dass das manch­mal sehr hin­ter­grün­dig sein kann — die sich gerecht füh­len, sind die eigent­li­chen Sün­der, die Übel­tä­ter, die unter ihrer Sün­de lei­den, ver­trö­stet ER höchst­per­sön­lich, aller­dings ohne sie in der Sün­de zu bestär­ken. Gene­rell aber ist er här­ter mit den Moral­hü­tern, die auf die Sün­der her­ab­se­he als mit den offe­nen Sün­dern.
      Der Böse dürf­te in der Lage sein, auch sol­che exer­zi­ti­en­ana­ly­sen spie­lend ins Gegen­teil zu ver­dre­hen. Und das ist auch für mich das Ein­falls­tor die­ser jesui­ti­schen Tra­di­tio­nen für das Fern­öst­li­che.

      Man kann in all dem die Pro­ble­ma­tik erken­nen, dass die­se igna­tia­ni­schen Ansät­ze zu einer über­gro­ßen Beschäf­ti­gung mit sich selbst füh­ren, zu einer über­zo­ge­nen Ana­ly­se eige­ner Regun­gen, die man oft objek­tiv nicht ver­steht und auch nicht zwang­haft ein­ord­nen soll­te. Denn in die­sen zwang­haf­ten Geist fügen sich pro­blem­los die Zwang­haf­tig­kei­ten der ande­ren Reli­gio­nen ein.
      Das Ergeb­nis liegt uns heu­te vor.

      Nein — die­se Leu­te bre­chen nicht den plump den Zöli­bat! Ver­ges­sen wir nicht, dass die Keusch­heit gera­de im fer­nen Osten eine enor­me Rol­le spielt! Die Pro­ble­ma­tik ist gei­sti­ger Natur.

      • ja das ist wohl rich­tig erkannt.
        Die wah­ren Gno­sti­ker ver­ach­ten die Sexua­li­tät.
        Von daher ist der beleib­te Kurz­schluss „der hat es nicht mit dem Zöli­bat, kein WUn­der dass er ein Moder­nist ist“ ver­kehrt.
        Wobei die Gno­sti­ker es genau, eben wegen der Ver­ach­tung der Sexua­li­tät es auch nicht mit der Keusch­heit als Tugend haben

      • Wür­den sich die Mit­glie­der des Hau­ses „Lasalle“ ganz offen zu einer „zwei Arten“-Religion ‑der christ­li­chen und der öst­li­chen- beken­nen, fän­de ich das ein­fach kon­se­quen­ter und ehr­li­cher, auch den Gästen und damit den Suchen­den gegen­über.
        Sich jedoch ein christ­li­ches, igna­tia­ni­sches Män­tel­chen umzu­hän­gen, um sich damit auf den Weg gen Osten zu machen, fin­de ich befremd­lich.
        Die medi­ta­ti­ven Ange­bo­te und Prak­ti­ken die­ses Hau­ses lie­ßen in mir immer mehr den Ein­druck ent­ste­hen, man lade aus­schließ­lich zur Suche nach sich selbst ein.

        Ich dach­te immer, gute Exer­zi­ti­en die­nen der Suche nach Gott, wobei ich aber nicht irgend­ei­nen Gott, der in Sphä­ren schwebt, mei­ne, son­dern den Einen, Drei­fal­ti­gen, den unver­wech­sel­ba­ren, nicht aus­tausch­ba­ren Herrn.

      • @ Mari­en­zweig

        Wie recht Sie haben mit der Bemer­kung, Ihrem Ein­druck nach such­te man dort v.a. sich selbst!

        Aller­dings — und das ist mein wei­te­rer Ein­druck gewe­sen, liegt das als Fall­strick auch in den igna­tia­ni­schen Exer­zi­ti­en.

        Wenn die „Gewis­sens­prü­fung“ so über­spannt wird, lan­det man am Ende eben immer nur bei der Selbst­be­ob­ach­tung.
        Ich fin­de das unge­sund.

        Ich habe in letz­ter Zeit von Edith Stein das Werk „Kreu­zes­wis­sen­schaft“ gele­sen, eine Stu­die über die mysti­sche Theo­lo­gie des Johan­nes vom Kreuz. Das Buch ist sehr lesens­wert!
        Die Skep­sis des hl. Johan­nes gegen­über den Ein­schät­zun­gen der Ein­flüs­sen von außen ist groß. Also das, was Ignaz so aus­wei­tet, wür­de Johan­nes eher mit Scheu anse­hen?
        War­um?
        Weil man hier ganz leicht das Gött­li­che vom Teuf­li­schen nicht schei­den kann — Ein­ge­bun­gen kön­nen bei­des sein, auch wenn sie nich so fromm daher­kom­men. Was von Jesus oder Maria zu sein scheint, könn­te eine nach­äf­fung des Bösen sein und uns ablen­ken.
        Johan­nes geht so weit zu sagen, dass man selbst gött­li­chen Ein­spre­chun­gen kei­ne Bedeu­tung zumes­sen soll, weil die wah­re Erhe­bung hin zu Gott in einem so sub­ti­len Bereich ist, dass man sich nie­mals mit die­sen sinn­li­chen oder pseu­do­sinn­li­chen Erfah­run­gen und Ein­flüs­sen von außen wei­ter auf­hal­ten sol­le.

        Ich kann jedem die­se Lek­tü­re nur emp­feh­len. Johan­nes v. Kreuz war in enger geist­li­cher Freund­schaft mit The­re­sia von Avi­la, deren Posi­tio­nen Edith Stein gele­gent­lich als wei­te­re Ver­tie­fung zu den Gedan­ken des Johan­nes vom Kreuz hin­zu­fügt.

    • Wenn die Jesui­ten das „Las­s­alle-Haus“ betrei­ben, brau­chen sie sich nicht zu wun­dern, wenn die Pro­te­stan­ten der stren­ge­ren Leh­re sie als Ver­schwö­rer gegen das Chri­sten­tum betrach­ten. Schon im Alten Bund wur­de es bei schwer­ster Stra­fe unter­sagt, Magie zu prak­ti­zie­ren und Göt­zen­dienst zu för­dern. Hier­bei han­delt es sich um Bestim­mun­gen, die im Neu­en Bund nach wie vor gel­ten. Alle Akti­vi­tä­ten, die auf frem­den Reli­gio­nen fußen, sind einem Chri­sten ver­bo­ten. Yoga bei­spiels­wei­se impli­ziert die Anru­fung hin­du­isti­scher Göt­zen. Es sind nicht blo­ße Sport­übun­gen.

      • Das noch weit­aus Schlim­me­re ist, dass bei der Aus­übung der fern­öst­li­chen Medi­ta­ti­ons­prak­ti­ken irgend­wann ver­langt wird, dass die Bin­dung an die Per­so­nen von Jesus Chri­stus und von Gott Vater auf­ge­löst wer­den sol­len. Dies wird dann durch das Shun­ja­ta (über­setzt v. Tibe­ti­schen „Null-Bewußt­sein“ oder „Nichts/Leere“) oder Brah­mi­chetta­na (über­setzt vom Sans­krit-Vedi­schen „Unend­lich­keits­be­wußt­sein“) ersetzt. Gott Vater und Jesus Chri­stus wer­den im eige­nen Bewußt­sein ent­trohnt und wir­kungs­los gemacht. Für gläu­bi­ge Chri­sten nicht annehm­bar.

      • Die Kul­te des indi­schen Sub­kon­ti­nents und des Fer­nen Ostens ver­su­chen das phi­lo­so­phi­sche Prin­zip des Wider­spruchs auf­zu­lö­sen, sind daher ihrer Natur nach rela­ti­vi­stisch. Als Ziel ver­spre­chen sie die ver­meint­li­che Selbst­erlö­sung des Men­schen. Die­je­ni­gen, die ver­su­chen, das Chri­sten­tum in den Syn­kre­tis­mus des Ostens ein­zu­bet­ten, ver­ra­ten sich bereits mit ihrer Wort­wahl, indem sie von Jesus Chri­stus als einem „auf­ge­stie­ge­nen Mei­ster“ neben ande­ren wie Bud­dha spre­chen oder sich auf ein „Chri­stus-Bewußt­sein“ beru­fen. So etwas ist anthro­po­zen­tri­sche Rede, die kei­ner­lei Bezü­ge zur Bibel auf­wei­sen kann, wes­halb sie als häre­tisch und sata­ni­schen Ursprungs zurück­zu­wei­sen ist.

      • @ Chlod­wig

        Das ist es: „Die Kul­te des indi­schen Sub­kon­ti­nents und des Fer­nen Ostens ver­su­chen das phi­lo­so­phi­sche Prin­zip des Wider­spruchs auf­zu­lö­sen.“

        Ich habe das, als ich mich in jun­gen Jah­ren ori­en­tier­te, als aus­ge­spro­chen quä­lend emp­fun­den — die­sen Zwang, alles zu „har­mo­ni­sie­ren“, das Ja und das Nein als eines zu betrach­ten.
        Ich las damals von Jan Wil­lem van de Wete­ring „Der lee­re Spie­gel“. Der Autor ist schon in den 50ern zum Bud­dhis­mus kon­ver­tiert und beschreibt in die­sem Buch sei­nen gei­sti­gen Weg, auch sei­nen Auf­ent­halt in einem Zen­klo­ster in Japan.
        Durch die Absti­nenz von der Akzep­tanz der Wider­sprü­che lösen sich die Bud­dhi­sten von allem Per­so­na­len und klas­sisch Logi­schen.

        Hät­te ich mich damit im Ernst gemein gemacht (ich ori­en­ter­te mich damals nur und las eben viel), hät­te ich den Ver­stand ver­lo­ren.
        Denn das Ende vom Lied ist, dass man nicht mehr weiß, was oben und unten ist, im Volks­mund: „Ob man ein Männ­le oder Weible isch“.
        Nun ist aber der Mensch für die Gra­vi­ta­ti­on geschaf­fen und nicht fürs freie Schwe­ben in der Lee­re. Wel­cher Lee­re über­haupt?
        Gibt es die­se Lee­re über­haupt?
        Eine gewag­te und empi­risch abso­lut abwe­gi­ge Behaup­tung…

        Das ist auf einem sehr hohen Niveau so eine Art Gei­stes­gen­de­rei: es gibt kei­ne Unter­schie­de, alles ist irgend­wie das­sel­be, oder wie ein ehe­ma­li­ger Musi­ker­kol­le­ge stets zu sagen pfleg­te (er war Eso­te­ri­ker): „Alles ist gut!“

        Er zer­brach am Ende an die­sem Spruch. Ich habe nie wie­der von ihm gehört.

      • sehr gut erkannt!
        Dies Idee, dass es nichts festes gibt,. das Gute den Keim des Bösen in sich trägt, das Böse den Keim des Guten,
        gut und böse immer ein­an­der bedin­gen, aus­ein­an­der her­vor­ge­hen, und es des­halb am besten ist, aus dem Rad des Kar­ma aus­zu­stei­gen, was ganz kon­kret eben heißt nichts mehr tun, nichts mehr wol­len, also auch kei­ne Näch­sten­lie­be zu üben, weil das ja Tat ist und jede tat das rad des kar­ma wei­ter­treibt, die liegt dem öst­li­chen Den­ken zugrun­de.
        Damit aus­ein­an­der­ge­setzt hat sich schon Augu­sti­nus und nur wenn man sich ernst­haft damit aus­ein­ader­setzt, also nicht alles durch die euro­päi­sche Bril­le sieht, erkennt man, wie ver­kehrt das alles ist.
        Die euro­päi­sche Bril­le geht näm­lich von der Exi­stenz von gut und böse aus, von der Gut­heit der guten Tat, und damit von der Exi­stenz Got­tes als des Guten und der Fol­ge der bösen Tat.

      • der letz­te Satz ist miss­ver­ständ­lich.
        Also noch­mal<. das west­li­che Den­ken geht von der Exi­stenz Got­tes als dem allem zugrun­de­lie­gen­den Guten aus.
        Das Böse betrach­tet das west­li­che Den­ken nicht als rigen­stän­dig Kate­go­rie, son­dern als die Fol­ge der bösen Tat.

      • @ besorg­ter christ

        … „das“ west­li­che Den­ken ist da nicht so ganz ein­li­nig. Augu­sti­nus nennt nach sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit dem dua­li­sti­schen Welt­bild der Manichä­er das Böse als „Abwe­sen­heit des Guten“, so wie Fin­ster­nis die Abwe­sen­heit des Lich­tes ist.
        Es gibt aber in der west­li­chen Tra­di­ti­on auch die Annah­me, das Böse habe eine eige­ne Sub­stanz — eben bei den Manichä­ern. man­che Katho­li­ken ver­fal­len über eine aus­ge­pärg­te Fixie­rung auf den Satan aber auch uner­kannt dem Den­ken — sie ver­wech­seln das Sata­ni­sche mit einer eigen­stän­di­gen, sub­stan­zi­el­len Macht.
        Rest­be­stän­de des dua­li­sti­schen Den­kens fan­den sich wohl vor allem bei den Katha­rern und heu­te ver­bor­gen bei vie­len Eso­te­ri­kern.

        Sie alle hal­ten den Zöli­bat und/oder sexu­el­le Rein­heit ganz hoch.

        Dass das Böse aber erst durch die Tat erfol­ge, ist defi­ni­tiv NICHT katho­li­sche Leh­re! Schon Jesu berühm­te Sät­ze „Wenn dich dein Auge zum Bösen ver­führt, dann reiß es aus!“ Oder „Wer eine Frau nur ansieht und begehrt, hat schon die Ehe gebro­chen!“ wei­sen doch ein­deu­tig dar­auf hin, dass die Per­ver­si­on des Guten nicht erst in der Tat mani­fest wird, son­dern im Geist.

      • wenn man das den­ken und schau­en auch als Tat wer­tet, dann gilt das von mir geschrie­be­ne.
        Ich den­ke wir sind uns einig, dass Gott zunächst alles gut geschaf­fen hat, und das Böse eben nicht die von Anfang an wirk­sa­me Gegen­kraft war, son­dern ent­stan­den ist, aus eige­ner Tat, eben, wie Sie so rich­tig sagen, als Abwe­sen­heit oder Abwen­dung vom Guten.

      • Ja, da sind wir uns einig!

        War mir aber wich­tig, das noch mal zu sagen, weil ich immer wie­der bemer­ke, wie doch vie­le dem Bösen eine eigen­stän­di­ge Macht zuord­nen, wenn auch unbe­wusst und vor der Mani­fe­sta­ti­on im Sinn­li­chen „zit­tern“ und nicht beden­ken, dass der Ver­lust der unsinn­li­chen Leben­dig­keit der See­le viel gra­vie­ren­der ist.

        Das käme bei dem oben dis­ku­tier­ten P. Pio näm­lich auch noch hin­zu. Er war einer derer, die die sinn­li­chen Mani­fe­sta­tio­nen des Satans so aus­führ­lich „erleb­te“ und auch the­ma­ti­sier­te und den Men­schen davor Angst mach­te.
        Das dürf­te eigent­lich in einem wah­ren katho­li­schen Umfeld so nicht sein!

      • Der hier dis­ku­tier­te Exkurs ist gut und voll­kom­men rich­tig.
        Aber wie­der kommt P. Pio mit ins Spiel, da er nicht rich­tig ver­stan­den wird.
        Wer die Gefahr kennt, der bannt sie. Er schnei­det sie ab.
        Jetzt wird es so dar­ge­stellt, als habe Pater Pio nur Schreck­ge­spen­ster auf die Lein­wän­de der See­len gemalt, so als sei die Sün­de eigent­lich eine Uner­kann­te geblie­ben & nur von außen auf den Akt des Han­delns beschränk­te geblie­ben & in einem unhei­li­gen Tausch sei­en tie­fen­psy­chi­sche und zudem patho­ge­ne For­men einer kran­ken Hei­li­gen­ge­stalt (Pio und sei­ne Psy­che) auf die Beich­ten­den über­tra­gen wor­den. Das hie­ße: Der Beich­ten­de erkennt nicht die Wur­zeln sei­ner Sün­de, son­dern han­delt nur aus einer skru­pu­lö­sen Ver­mei­dungs­stra­te­gie, die einer Sün­de­er­kennt­nis aus Gna­de und Lie­be sogar zuwi­der­läuft. DAS IST NICHT PATER PIO!!!
        Die Sün­de hat kei­ne eigen­stän­di­ge Mate­rie. Das ist rich­tig. Dies fest­zu­stel­len, reicht aber nicht aus. Da dahin­ter eine Per­son steht, die zum Leben in einem Prin­zip des Nichts/des Scheins ver­füh­ren will und kann. Satan ist mäch­ti­ger als das Anti­prin­zip: er ist Per­son. Aller­dings, und das ist rich­tig, kann er nur über den Wil­len sein Gift ein­sprit­zen.
        Ab einem bestimm­ten Zeit­punkt im Gna­den­le­ben der See­le wer­den die Ver­su­chun­gen immer mani­fe­ster; näm­lich in dem Moment, wo das Böse im Inne­ren des Men­schen kei­ne Angriffs­flä­che mehr fin­det, wütet es durch Spuk­phä­no­me­ne im Außen. Ein siche­res Zei­chen, dass die See­le auf dem rich­ti­gen Weg ist. Der Pfar­rer von Ars freu­te sich, wenn der Teu­fel lärm mach­te. Bei Pio hieß er Blau­bart.
        In der Schrift heit es sinn­ge­mäß: Dem Sün­der kann ver­zie­hen wer­den, fällt aber der Gerech­te, soll er kei­ne Barm­her­zig­keit mehr erlan­gen. Es gibt auch Situa­tio­nen, da ist das Maß der Gna­de aus­ge­schöpft. Gott ver­zeiht nicht mehr. Der Sün­der kann nicht mehr umkeh­ren. Er weiß nicht wie­so. Aber er erkennt nicht mehr. Sein Herz ist ver­stockt. Er hasst die Wahr­heit. Er sucht die Fin­ster­nis.
        Wir alle sind Adam und Eva. Wir ste­hen in der Erden­zeit erneut vor dem Baum im Para­dies­gar­ten und wir hören den Ruf Chri­sti, der uns sagt, hört nicht auf die Stim­me des Ver­su­chers.
        Die­ser Mythos steht für unser Inne­res. Wir haben kla­re Erkennt­nis von Gut und Böse in Chri­stus. Auch Adam und Eva hat­ten dies schon vor dem Sün­de­fall. Doch sie waren noch ent­schie­den in Gott. Die Erkennt­nis nach dem Sün­den­fall meint nun einen Abfall der Sub­stanz nach, die Sank­tio­nie­rung, die Inha­lie­rung der Schlan­ge. Sie erkann­ten Gut und Böse meint nun, sie stan­den im Erle­ben von Rich­tig und Falsch, sie lieb­ten das Böse, das Dun­kel mehr als die Fin­ster­nis.
        Wer die Tau­fun­schuld zurück­erlangt hat — was Gna­den­wir­ken ist und kein Effekt eines psy­cho­lo­gi­schen Durch­ar­bei­tens — dann aber sün­digt, begeht den Süd­en­fall aufs neue und lästert den Hei­li­gen Geist. Und hier setzt das Opfer an für all jene, die sich der Gan­de ver­schlos­sen haben. In die­ses Opfer sind wir alle mit hin­ein­ge­nom­men. Zuvor­derts aber der Prie­ster, der ein zwei­ter Christus/Kreuznachfolger sein soll.

      • … und Pater Pio sag­te immer, auf alle ernst gemein­ten Fra­gen nach einem Aus­weg: „Fang an zu lie­ben, wirk­lich zu lie­ben. “
        „Lie­ben, lie­ben, lie­ben und noch­mals lie­ben.“ Aber sein Rat galt kei­ner Schein­lie­be, son­dern folg­te der Erlö­ser­lie­be Chri­sti bis ans Kreuz.
        Tol­stoi sag­te: „Wir sind nicht auf der Erde, um Spaß zu haben, son­dern um den Wil­len Got­tes zu tun und ihm die Ehre zu geben.“
        Lie­be ohne Opfer gibt es nicht. Das ist die Lie­be, wie wir sie der­zeit im Westen vor­fin­den. Das ist eine teuf­li­sche Lie­be.
        Ich möch­te nur ein Resul­tat einer Lie­be ver­nein­den Gesell­schaft — bis hin­ein in die ent­mün­di­gen­den Struk­tu­ren der Gesell­schafts­sy­ste­me — nen­nen, das tau­send­fach in allen Schat­tie­run­gen sich wie­der­holt. In die­sem Fal­le, um es ganz kon­kret zu machen, war es ein Jun­ge, der als Opfer die­ser Syste­me bis hin­ein in die per­so­na­len Bezü­ge jeder Lie­be beraubt war.
        Genau­er. Ich sah es auf ktv: Pfar­rer Micha­el Schuh­ma­cher erzähl­te, ein­mal sei ein Jun­ge von 14 Jah­ren zu ihm gekom­men und habe mit ihm reden wol­len. Er habe im Ver­lauf des Gesprächs ange­fan­gen zu wei­nen und gesagt: „Mei­ne Mut­ter sagt mir jeden Tag, dass sie mich nie gewollt hat.“
        Da fängt man sel­ber fast an zu heu­len. Das aber sind die Resul­te unse­rer Lügen­ge­spin­ste. Es geht immer run­ter auf den per­so­na­len Bereich.

        Wenn wir soweit sind, dass wir nach der Leh­re der Kir­che die Sün­de zurück auf ihren gedank­li­chen Ursprung ver­fol­gen — denn auch das Gefal­len an der Gedan­ken­sün­de ist Sün­de — wis­sen wir im hei­li­gen Miss­trau­en gegen­über uns selbst, dass nur noch die Gele­gen­heit zur Ver­wirk­li­chung fehlt. Dar­um erhe­be sich kei­ner.

        So macher, der frei geblie­ben ist, hat­te schlicht­weg weni­ger Gele­gen­hei­ten als ande­re. („Wie kannst du sagen, dass du Gott liebst, den du nicht siehst, wenn du dei­nen Gegen­über, den du siehst, nicht liebst?!“)

        Des­we­gen sehe ich auch Sün­der unse­rer Gegen­wart nicht als Aus­sät­zig an, son­dern als Opfer. Das Opfer tut sich sel­ber weh. Da darf man nicht noch oben drauf hau­en (was hier ja P. Pio vor­ge­wor­fen wur­de.)

        Der Sün­der ist aber nie­mals ganz ent­mün­digt, son­dern kann nur sel­ber aus der Sün­de — mit sei­nem Wil­len — her­aus­fin­den. Man muss den Wil­len wecken. Und dazu braucht es mach­mal einen Schnitt, ein Macht­wort, einen heil­sa­men Tritt in die rich­ti­ge Richung, um sich den Kopf zu rei­ben und den Ver­stand anzu­schal­ten, um das Herz zu befrei­en.
        Wer also erkannt hat, wie weit die Sünde/die Anreizung/ die Ver­su­chung geht, der muss sie umso frü­her abschnei­den. Und genau das ist eben Leh­re der Kir­che. Man hal­te sich nicht in der Sün­de auf, flie­he die Gele­gen­heit, fol­ge nicht Gefüh­len, son­dern Erfah­run­gen und Ein­sich­ten, und nicht zuletzt den Gebo­ten.

        HIer gibt es kei­ne Wider­sprü­che. Und wenn man den Gebo­ten treu bleibt, lösen sich die Wider­sprü­che ganz sicher irgend wann auf. Dazu braucht es das Ver­trau­en, eigent­lich den Glau­ben, den Jesus von uns for­dert.

        Chri­tus­nach­fol­ge ist rigo­ros und radi­kal, d.h. von der Wur­zel her kom­mend, die Her­vor­brin­gung der rech­ten Triebe/Früchte.

  8. Nun denn, Pater Pio, bezie­he ich mich auf die­ses Ihr Zitat:
    „Ver­hü­tung sei schlim­mer als ein Sei­ten­sprung. Wie bit­te, habe ich mich da gefragt. Ein Sei­ten­sprung ist Ehe­bruch und wird mit Ver­hü­tung ver­gli­chen?!! Wie kann das sein? Was für Bezugs­sy­ste­me haben die Leu­te?“
    Ihr unver­stän­di­ges Kopf­schüt­teln ersetzt nun kei­ne Argu­men­te. War­um schrei­ben Sie nicht, was an mei­ner Wer­tung falsch ist und legen dar, war­um das Gegen­teil rich­tig sei? Wenn Ihnen Ihre eige­ne klei­ne Empi­rie, Ihre Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten Gesetz sind, dann gehen Sie damit schon in die Irre. Also zur Sache bit­te.
    Um nun Ihre Fra­ge zu beant­wor­ten: Das zugrun­de­lie­gen­de Bezugs­sy­stem ist eben theo-logisch und nicht human-istisch. Ein Ehe­bruch ver­letzt den Part­ner, Ver­hü­tung ver­letzt Gott und ist gar Glau­bens­bruch. Und das ist schlim­mer: Wenn ich mei­nem Gott nicht mehr glau­be, daß er, der ver­hei­ßen hat, sogar alle Haa­re auf dem Haupt zu zäh­len, für mich und mei­ne Fami­lie sor­gen kann, wenn ich sei­ne Geschen­ke ver­hü­te, so ist mir kaum Ärge­res vor­stell­bar. Es ist bür­ger­lich und klein­mü­tig — und es ver­wun­dert nicht, daß der­sel­be Klein­mut auch einer Ver­söh­nung nach einem Ehe­bruch im Wege steht. Zeit­schnur hat zur Gene­se eines sexu­el­len Fehl­tritts alles gesagt, da hält man gegen an wie eben auch gegen ande­re Ver­su­chun­gen. Und es geht schon mal schief. Ich ver­wies auf die Völ­le­rei als ein ganz ähn­li­ches (und viel häu­fi­ge­res) Ver­sa­gen. Aber von vor­ne­her­ein sagen: Also, lie­ber Gott, das mit den Kin­dern, das weiß ich nun wirk­llich bes­ser … was ist das? Eine unge­heur­li­che Anma­ßung, im Grun­de schlich­ter Unglau­be und Gott­lo­sig­keit. Nüch­tern und ohne Fehl­lei­tung durch Begier­den wird die­se Abwen­dung aus­ge­spro­chen und gelebt. Und dies ist schlim­mer als ein Ehe­bruch. Dabei blei­be ich. Aus bestem Grund. Mei­nem Gott will ich trau­en.

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