Während Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, dieser Tage zur Audienz bei Papst Leo XIV. empfangen wurde, erschüttert ein Skandal aus Portugal die katholische Kirche. Der Zeitpunkt der Enthüllungen paßt zu jenem „bombastischen“ Marx – so Marx über Luther –, der jüngst selbstherrlich sinngemäß erklärte, in seiner Erzdiözese München und Freising würden Segnungen homosexueller Paare eingeführt, unabhängig davon, „was Rom dazu sage“.
Tatsächlich finden solche rituellen Homosegnungen in Teilen der Kirche in der BRD längst statt. Während Marx beim Papst antichambrierte, verdeutlichte ein neuer Fall, welche Konsequenzen der fortschreitende Zusammenbruch kirchlicher Moral und Disziplin zeitigt.
Die portugiesische Tageszeitung Correio da Manhã veröffentlichte am 8. Mai eine umfangreiche Recherche über Homo-Orgien in Pfarrhäusern der Diözese Porto. Die Vorwürfe wurden bereits der Kriminalpolizei vorgelegt und könnten sich zu einem der größten Kirchenskandale Portugals der vergangenen Jahre auswachsen.
Nach Angaben des Blattes handelt es sich um geheime Zusammenkünfte ausschließlich für Männer, an denen auch Priester beteiligt gewesen sein sollen. Die Treffen hätten nicht nur in Motels, sondern teilweise in kirchlichen Gebäuden und sogar in Pfarrhäusern stattgefunden. Organisiert worden seien die Zusammenkünfte über die Homo-Dating-Plattform Grindr. Nach ersten Kontakten seien über WhatsApp Ort und Zugangscode übermittelt worden. Teilnehmer hätten sowohl maskiert erscheinen als auch ihre Identität offenlegen können.
Ein Informant namens „Joaquim“, der selbst an mehreren dieser Veranstaltungen teilgenommen haben will und Anzeige erstattete, schilderte gegenüber der Zeitung Szenen hemmungsloser Ausschweifung. „Viele Priester kommen mit Masken“, erklärte er, „doch im Laufe der Nacht legen sie diese ab.“ Die Treffen hätten oft bis zum Morgengrauen gedauert. Männer unterschiedlichster sozialer Herkunft seien gekommen und gegangen, da der Zugang lediglich vom jeweiligen Paßwort abhängig gewesen sei.
Besonders schwer wiegen die Schilderungen über Alkohol- und Drogenkonsum. Laut den Aussagen des Informanten seien sogenannte „Poppers“, also sexuelle Stimulanzien, weit verbreitet gewesen. Zudem sei Marihuana konsumiert worden. Solche Berichte gab es bereits aus anderen Ländern, darunter auch dem Vatikan.
Einige Teilnehmer hätten gerade wegen der Anwesenheit von Priestern besondere sexuelle Fantasien entwickelt. Die Zeitung spricht ausdrücklich von „Paraphilien“ im Zusammenhang mit Geistlichen.
Geradezu grotesk mutet eine von Correio da Manhã dokumentierte Episode an: Während eines Gesprächs mit den Journalisten schrieb der Informant zum Beleg seiner Glaubwürdigkeit einem der angeblich beteiligten Priester die Nachricht: „Schick mir ein Nacktfoto.“ Die Antwort des Geistlichen kam umgehend: „Jetzt gerade kann ich nicht, ich muß eine Messe feiern.“
Nach Angaben der Zeitung liegen den Ermittlern konkrete Namen, Telefonnummern sowie Bild- und Videomaterial vor. Die beschuldigten Priester bestritten jede Beteiligung an homosexuellen Treffen. Bemerkenswert sei allerdings gewesen, daß keiner der kontaktierten Geistlichen echte Empörung zeigte.
Die Diözese Porto erklärte zunächst, keinerlei Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben. Später veröffentlichte sie eine knappe Stellungnahme. Darin heißt es, man habe niemals Beschwerden oder Verdachtsmomente erhalten, werde aber „alles tun“, um die Wahrheit aufzuklären und gegebenenfalls das Kirchenrecht anzuwenden.
Trotz Homo-Skandalen wird scheuklappenhaft die Homo-Agenda vorangetrieben
Der Skandal trifft die Kirche in einer Phase, in der sie selbst bis ins Innerste von der Auflösung der christlichen Moral in der Welt betroffen ist. Seit Jahren tobt in der katholischen Kirche ein erbittertes Ringen um die überlieferte Morallehre, insbesondere in Fragen der Sexualität, neuerdings insbesondere der Homosexualität. Unter Papst Franziskus erhielten jene Kräfte erheblichen Auftrieb, die eine fundamentale Neubewertung verlangen. Die sogenannten Bergoglianer drängen offen darauf, die traditionelle Lehre der Kirche faktisch zu neutralisieren oder schrittweise aufzugeben.
Zwar lehrt die Kirche theoretisch unverändert, daß homosexuelle Handlungen „in sich ungeordnet“ sind und niemals gebilligt werden könnten, doch praktisch wird seit vielen Jahren auf eine Verkündigung dieser Lehre verzichtet – Papst Franziskus machte dies sogar demonstrativ –, während ebenso demonstrativ gerade in den vergangenen Jahren zahlreiche Signale ausgesandt wurden, die eine gegenteilige Richtung nahelegen (siehe diese Chronologie). Die vatikanische Erklärung Fiducia supplicans goß dies sogar in ein offizielles Dokument, indem sie Ende 2023 die Tür für Segnungen von Homo-Paaren öffnete – ein Schritt, der vielfach als faktische Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen verstanden wurde.
Aufgrund heftigen Widerstandes ruderte Rom zwar halbherzig einschränkend zurück, ohne jedoch die überlieferte Lehre zur Homosexualität zu verkünden, weswegen progressive Kreise die Anerkennung der Homosexualität de facto bereits auf der Haben-Seite verbuchen.

Vor allem im deutschen Sprachraum wird diese Entwicklung mit besonderer Vehemenz vorangetrieben. Der sogenannte Synodale Weg forderte offen die Revision der katholischen Sexualmoral. Kardinal Marx gehört seit Jahren zu den prominentesten Verfechtern dieses Kurses. Immer wieder erklärte er, die kirchliche Lehre müsse „weiterentwickelt“ werden; homosexuelle Beziehungen dürften nicht länger negativ bewertet werden. Priester und Laienseelsorger in Deutschland inszenierten öffentlichkeitswirksam Segnungsfeiern für homosexuelle Paare – oft demonstrativ gegen frühere Weisungen aus Rom. Die Homo-Fahne wird wie ein ideologisches Panier – gleichsam als Schulterschluß mit kirchenfernen, ja kirchenfeindlichen Kräften – an und in Kirchen gezeigt. Der Eindruck der feindlichen Übernahme wird dadurch ins Bild gesetzt.
Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich zunehmend deutlich. Wo die moralische Ordnung relativiert wird, verschwimmen auch die Grenzen zwischen pastoraler Begleitung und praktischer Billigung sündhaften Verhaltens. Kritiker warnten frühzeitig vor dieser Entwicklung, indem sie der sogenannten „Homo-Pastoral“ vorwarfen, in Wirklichkeit als U‑Boot die kirchliche Morallehre unterminieren zu wollen. Und genau so ist es gekommen. Die Krise beschränkt sich längst nicht mehr auf theoretische Debatten in akademischen Zirkeln oder Bischofskonferenzen. Sie reicht tief in Seminare, Pfarreien und kirchliche Strukturen hinein. Das Verschweigen der überlieferten Lehre zur Homosexualität hat System.
Der Fall von Porto ist daher weit mehr als ein lokaler Skandal. Er offenbart die geistliche Verwüstung einer Kirche, in der Teile des Klerus nicht mehr gegen den Zeitgeist ankämpfen, sondern ihn übernehmen. Die jahrzehntelange Duldung homosexueller Netzwerke im kirchlichen Raum, speziell seit den 70er Jahren, die Verharmlosung sexueller Verfehlungen und die ideologische Umdeutung der Morallehre haben ein Klima geschaffen, in dem selbst schwerste Entgleisungen vielfach nicht mehr als empörender Bruch priesterlicher Existenz wahrgenommen werden.
Der erschütterndste Akt dieser gezielten Homosexualisierung der Kirche, die unter Papst Franziskus zum offiziellen Programm wurde, war sein Anti-Mißbrauchs-Weltgipfel im Februar 2019, bei dem er mit keinem Wort erwähnte, daß mehr als 80 Prozent aller Mißbrauchsfälle durch Kleriker Mißbrauchsfälle homosexueller Art sind. Gleiches verschweigen „bombastische“, von Bischofskonferenzen in Auftrag gegebene Untersuchungen des Mißbrauchsskandals in Deutschland, in Belgien und anderswo.
Diese „Lücke“ ist nicht nur eine Frage fehlender Ehrlichkeit, die der Kirche zwangsläufig auf den Kopf fallen muß, sondern vor allem Ausdruck dessen, daß den handelnden Akteuren die Durchsetzung der Homo-Agenda wichtiger ist als die Aufarbeitung des Mißbrauchsskandals und dessen Bekämpfung – von der Opferhilfe einmal ganz zu schweigen. So aber handeln Ideologen.
Gerade deshalb wirkt die zeitliche Überschneidung bemerkenswert: Während Kardinal Marx in Rom empfangen wird und weiterhin zu den einflußreichsten Architekten einer „anderen Kirche“ zählt, erschüttert Portugal ein Skandal, der wie ein Menetekel jener Entwicklung erscheint, die progressive Kräfte seit Jahren forcieren. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Kirche zur Klarheit ihrer überlieferten Lehre zurückkehrt – oder ob sie den Weg der Anpassung weitergeht und damit ihre innere Zersetzung beschleunigt.
Text: Giuseppe Nardi
Bild: Correio da Manhã (Screenshot)
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