Letzter noch lebender Konzilsvater (des Westens) will Abtreibung legitimieren

Die Schande des progressiven Rückschritts

Bischof Luigi Bettazzi, der in Papst Franziskus das Zweite Vatikanische Konzil verwirklicht sieht, will mit seinen 99 Jahren noch die Tötung ungeborener Kinder durch Abtreibung legitimieren.
Bischof Luigi Bettazzi, der in Papst Franziskus das Zweite Vatikanische Konzil verwirklicht sieht, will mit seinen 99 Jahren noch die Tötung ungeborener Kinder durch Abtreibung legitimieren.

(Rom) Der „letz­te noch leben­de Kon­zils­va­ter“, der „rote Bischof“, will als letz­te Tat vor sei­nem Hin­schei­den noch die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der recht­fer­ti­gen – zumin­dest bis zum „vierten/​fünften Monat“. Der Zer­set­zungs­pro­zeß in der Kir­che, auf­ge­zeigt an einem kon­kre­ten, schockie­ren­den Beispiel.

Msgr. Lui­gi Bet­t­az­zi wird in drei Tagen sei­nen 99. Geburts­tag bege­hen. 1946 wur­de er nach sei­ner Aus­bil­dung am Prie­ster­se­mi­nar von Bolo­gna zum Prie­ster geweiht und 1963 von Papst Paul VI. zum Weih­bi­schof der Erz­diö­ze­se Bolo­gna ernannt. Die Bischofs­wei­he spen­de­te ihm Kar­di­nal Gia­co­mo Ler­ca­ro, der dama­li­ge Erz­bi­schof von Bolo­gna und einer der vier Mode­ra­to­ren des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils. Kar­di­nal Ler­ca­ro gehör­te zu den pro­gres­si­ven Rädels­füh­rern des Kon­zils und wur­de als „roter Kar­di­nal“ bekannt, und das nicht wegen des Purpurs. 

Bet­t­az­zi selbst, der an drei der vier Kon­zils­ses­sio­nen teil­nahm, gefiel sich dar­in, in der Kon­zil­s­au­la mit einem Zitat aus einem Buch zu pro­vo­zie­ren, das sich auf dem Index libro­rum pro­hi­bi­torum befand. Sub­stan­ti­el­le Bei­trä­ge von ihm sind nicht über­lie­fert. Das regio­na­le Prie­ster­se­mi­nar der Roma­gna in Bolo­gna war ein Zen­trum der pro­gres­si­ven Subversion.

Die Bezeich­nung für Kar­di­nal Ler­ca­ro, des­sen Assi­stent Bet­t­az­zi war, wur­de auch ihm bald zu eigen, als er 1966 von Paul VI. zum Bischof von Ivrea ernannt wur­de. Als „roter Bischof“ sorg­te er für Auf­se­hen und Ärger­nis, ohne für Glau­ben und Kir­che Gewin­ne zu erzielen.

1994 schien es erst­mals soweit, daß für Ita­li­ens Kom­mu­ni­sten die Macht­über­nah­me zum Grei­fen nahe war. Dann wur­de aber Sil­vio Ber­lus­co­ni und sein neu­es Wahl­bünd­nis im letz­ten Augen­blick zum uner­war­te­ten Pro­blem. In sei­ner Wahl­hil­fe für die ver­ei­nig­te Links­front, die sich Alli­anz der Pro­gres­si­sten nann­te, ging Bet­t­az­zi soweit, zu erklä­ren, Jesus sei ein „Pro­gres­sist“ gewesen.

Bet­t­az­zi gilt seit eini­gen Jah­ren als „letz­ter noch leben­der Kon­zils­va­ter“. Das ist zwar nicht ganz zutref­fend, hilft aber dem Image und soll Bet­t­az­zis Stim­me mehr Gewicht ver­schaf­fen. Erst im ver­gan­ge­nen Juni ver­starb Msgr. Gabi­no Díaz Mer­chán, ehe­ma­li­ger Erz­bi­schof von Ovie­do, als letz­ter noch leben­der Kon­zils­teil­neh­mer Spa­ni­ens. 2018 waren die letz­ten Kon­zils­vä­ter der USA und Frank­reichs ver­stor­ben, zwei Ultra­pro­gres­si­ve: Msgr. Ray­mond Hunt­hau­sen, ehe­ma­li­ger Erz­bi­schof von Seat­tle, und Msgr. Pierre Pican, ehe­ma­li­ger Bischof von Bayeux und Lisieux. Der letz­te deut­sche Kon­zils­va­ter, Msgr. Johan­nes Jobst, ehe­ma­li­ger Bischof von Broo­me in Austra­li­en, war schon 2014 ver­stor­ben. Neben Bet­t­az­zi leben noch vier wei­te­re Kon­zils­vä­ter; drei davon in Mexi­ko, Süd­ko­rea und Indi­en, die in Euro­pa unbe­kannt sind. Nur der jüng­ste von ihnen, der nige­ria­ni­sche Kar­di­nal Fran­cis Arin­ze, der von 2002 bis 2008 Prä­fekt der römi­schen Kon­gre­ga­ti­on für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung war, wäre in der Welt­kir­che bekannt. Er wur­de erst am 29. August 1965 zum Bischof geweiht und streif­te daher das Kon­zil nur mehr in den letz­ten Sit­zun­gen. Wahr­schein­lich der Grund, wes­halb er sich mit eige­nen Erzäh­lun­gen dazu, eher zurückhält.

Zutref­fend ist hin­ge­gen, daß Bet­t­az­zi der letz­te noch leben­de Unter­zeich­ner des soge­nann­ten Kata­kom­ben­pak­tes ist, der 1965 von 40 Kon­zils­vä­tern am Ende des Kon­zils im Geist der Befrei­ungs­theo­lo­gie geschlos­sen wur­de. Zum 50. Jah­res­tag der Unter­zeich­nung sag­te Bettazzi: 

„Mit Papst Fran­zis­kus lebt der Kata­kom­ben­pakt wie­der auf.“

2016 mein­te Bet­t­az­zi erfreut, Papst Fran­zis­kus mache einen Don Andrea Gal­lo – einen „Prie­ster, der fast alles leug­ne­te“ – zum „Vor­läu­fer“, der gesät habe, was nun geern­tet wer­den könne.

Im Som­mer 2020 erteil­te Bet­t­az­zi Papst Fran­zis­kus den pro­gres­si­ven Rit­ter­schlag, indem er den ersten Papst, der selbst nicht am Kon­zil betei­ligt war, als „Sohn des Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zils“ bezeich­ne­te. Bet­t­az­zi ging noch wei­ter, indem er sag­te:

„Mit der Wahl von Ber­go­glio habe ich die pro­gram­ma­ti­sche Krö­nung des Kon­zils gese­hen, an dem ich teil­ge­nom­men habe.“

Bettazzi: Die „neue Realität“ werde erst irgendwann ein Mensch

Am 15. August, dem Hoch­fest Mariä Him­mel­fahrt – aus­ge­rech­net –, mel­de­te sich Bet­t­az­zi in der Zeit­schrift Roc­ca (16/​17/​2022) der Ver­ei­ni­gung Pro Civi­ta­te Chri­stia­na von Assi­si zu Wort, einer „histo­ri­schen Stim­me des pro­gres­si­ven und pazi­fi­sti­schen Katho­li­zis­mus“, so der Vati­ka­nist San­dro Magi­ster. Dar­in prä­sen­tier­te der 99jährige „Über­le­gun­gen zur Abtreibung“.

Bet­t­az­zi erbrach­te auf den zwei Sei­ten sei­nes Bei­tra­ges den Beleg, daß Pro­gres­sis­mus in Wirk­lich­keit Rück­schritt bedeu­ten kann, indem er zu einer längst über­wun­den geglaub­ten Posi­ti­on zurück­kehr­te und die The­se ver­trat, ein unge­bo­re­nes Kind sei erst ab dem „vierten/​fünften“ Schwan­ger­schafts­mo­nat ein Mensch und kön­ne daher bis dahin durch Abtrei­bung getö­tet wer­den. Wis­sen­schaft­lich ist die Aus­sa­ge seit den bahn­bre­chen­den For­schun­gen des auf Embryo­ge­ne­se, ins­be­son­de­re Mor­pho­lo­gie spe­zia­li­sier­ten deut­schen Ana­to­men Erich Blech­schmidt (1904–1992) wider­legt. Er brach­te den Nach­weis, daß der Mensch ab der Zeu­gung Mensch ist und nicht irgend­wann zum Men­schen wird.

Die Roc­ca-Aus­ga­be vom 15. August 2022 mit dem Bet­t­az­zi-Bei­trag: „Über­le­gun­gen zur Abtreibung“

Dage­gen sträubt sich die Abtrei­bungs­lob­by, die Scheu­klap­pen auf­hat und den aktu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Wis­sens­stand nicht rezi­piert, weil er ihrer „Hal­tung“ dia­me­tral wider­spricht. Die­se Lob­by wird aus zwei Strö­mun­gen gespeist, die bei­de auf den Sozi­al­dar­wi­nis­mus zurück­ge­hen: die finanz­star­ken west­li­chen Neo­mal­thu­sia­ner (Über­be­völ­ke­rungs­theo­re­ti­ker) und die mar­xi­sti­sche (eman­zi­pa­to­ri­sche) Bewe­gung, wes­halb die Sowjet­uni­on 1920 das erste Land welt­weit war, das die Abtrei­bung lega­li­sier­te. Bei­de Strö­mun­gen arbei­ten schon lan­ge zusam­men. Als es noch den Natio­nal­so­zia­lis­mus gab, war auch die­ser mit von der Par­tie. Für die Abtrei­bungs­be­für­wor­ter geht Ideo­lo­gie vor Wis­sen­schaft, ein mora­li­sches Defi­zit, das vie­le Mil­lio­nen Men­schen das Leben geko­stet hat und durch das die Abtrei­bung zum größ­ten Mas­sa­ker der Mensch­heits­ge­schich­te wurde.

Seit 1968 gelang es der Abtrei­bungs­lob­by im Zusam­men­wir­ken von neo­mal­thu­sia­ni­schen Geld­ge­bern und mar­xi­sti­schen Fuß­trup­pen in der west­li­chen Welt, das Lebens­recht der unge­bo­re­nen Kin­der in Fra­ge zu stel­len. Dem stell­te sich die katho­li­sche Kir­che ent­ge­gen und wur­de zum letz­ten gro­ßen Boll­werk der Mensch­lich­keit. Dar­un­ter lei­den pro­gres­si­ve Kir­chen­ver­tre­ter, da es ihren Schul­ter­schluß mit der poli­ti­schen Lin­ken gefähr­det, die neu­er­dings als glo­ba­li­sti­scher Main­stream auf­tritt, wobei die Füh­rung in der Hand der Neo­mal­thu­sia­ner liegt. Deren The­sen unter­stüt­zen man­che Kir­chen­män­ner sogar aus Überzeugung.

Unter dem Druck der lin­ken The­men­füh­rer­schaft ver­su­chen pro­gres­si­ve Kir­chen­ver­tre­ter die Qua­dra­tur des Krei­ses. Ein Ding der Unmög­lich­keit, wes­halb sie bereit sind, die kirch­li­chen Bastio­nen zu schlei­fen und die feind­li­che Über­nah­me zu akzep­tie­ren. Die­se Posi­ti­on ver­tritt auch Bet­t­az­zi, und das kon­kret in einer Fra­ge von Leben oder Tod. Die Gefähr­dung der See­le scheint sich, irdisch gese­hen, fast erüb­rigt zu haben, indem die See­le selbst und das See­len­heil weit­ge­hend erfolg­reich aus dem kirch­li­chen Voka­bu­lar ver­drängt wurde. 

Aus dem Arti­kel in der Zeit­schrift Roc­co geht her­vor, daß sich Bet­t­az­zi dabei genau bewußt ist, daß sei­ne Posi­ti­on in ent­schie­de­nem Wider­spruch zur Leh­re der katho­li­schen Kir­che steht und das „kirch­li­che Kon­zept der Abtrei­bung untergräbt“

Piana: Wann jemand ein Mensch wird, ist „immerwährend offen“?

Vor weni­gen Tagen sekun­dier­te ihm, wie­der­um in der­sel­ben Zeit­schrift (Roc­ca, 22/​2022), Gian­ni­no Pia­na, Prie­ster, ehe­ma­li­ger Ethik­do­zent an den Uni­ver­si­tä­ten von Turin und Urbi­no und einer der meist­ge­le­se­nen pro­gres­si­ven Moral­theo­lo­gen Ita­li­ens. Der 83 Jah­re alte Pia­na greift dar­in Bet­t­az­zis The­se auf und ent­wickelt sie wei­ter, sprich, er treibt die Stol­len wei­ter, die unter die Kir­chen­mau­ern gegra­ben wer­den, um den Spreng­stoff zu pla­zie­ren, mit dem sie in die Luft gesprengt wer­den sollen.

Um den Wider­spruch „zur tra­di­tio­nel­len Leh­re der Kir­che“ zu über­win­den, fabu­liert Pia­na, daß „die authen­ti­sche christ­li­che Tra­di­ti­on nicht als mono­li­thi­scher Block gedacht wer­den kann und darf, der mumi­fi­ziert und repe­ti­tiv wei­ter­ge­ge­ben wird“. Sie sei im Gegen­teil „eine offe­ne und inno­va­ti­ve Tra­di­ti­on, die sich stän­dig wei­ter­ent­wickelt“, denn „der Mut zur Ver­än­de­rung, unter vol­ler Wah­rung der evan­ge­li­schen Sub­stanz, ist der Weg, um sie glaub­wür­dig und uni­ver­sa­li­sier­bar zu machen“. Soso. Ein typisch schwa­ches Argu­ment eines schwa­chen Den­kens, das meist inter­es­sen­ge­lei­tet ist. 

Die Roc­ca-Aus­ga­be vom 15. Novem­ber mit dem Pia­na-Bei­trag: „Wann wird man ein Mensch“

Aus den bei­den Auf­sät­zen geht umso deut­li­cher her­vor, daß Bet­t­az­zi und Pia­na – wie dies der­zeit vor allem durch Angrif­fe gegen das Wei­he­sa­kra­ment und mit Blick auf die Homo­se­xua­li­tät gegen die Ehe- und Moral­leh­re geschieht – den Damm­bruch in der Lebens­rechts­fra­ge wol­len. Wo immer die katho­li­sche Kir­che im Wider­spruch zum ton­an­ge­ben­den gott­lo­sen Den­ken steht, soll sie sich anpas­sen – um jeden Preis.

Bet­t­az­zis Argu­men­ta­ti­ons­ba­sis ist zwangs­läu­fig dünn. Er spricht von einer Unter­schei­dung zwi­schen „Ver­nunft“ und „Intui­ti­on“, zwi­schen einer Form der Wirk­lich­keits­er­kennt­nis, die auf das „Ich“, und einer, die auf das „Wir“ kon­zen­triert sei. Ehr­li­cher wäre es, vom Span­nungs­feld zwi­schen Sol­len und Wol­len zu spre­chen. In sei­nen zer­set­zen­den Aus­füh­run­gen miß­braucht er statt­des­sen die Gene­sis, wo es heißt: „Gott form­te den Men­schen aus dem Staub der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in die Nase, und der Mensch wur­de ein leben­di­ges Wesen“, um dar­aus abzu­lei­ten, daß die bibli­sche Erzäh­lung in dem, was mit dem Staub der Erde geformt wird, als „etwas Vor­läu­fi­ges“ zu ver­ste­hen sei, „das noch nicht der ein­zel­ne Mensch ist“, der erst spä­ter durch den Odem des Lebens zu einem sol­chen werde.

So stellt Bet­t­az­zi die Fra­ge, wann der Odem des Lebens „die­se Rea­li­tät“ zum Men­schen mache: „Die Ver­nunft sagt uns, daß das der Moment ist, in dem das männ­li­che Sper­ma die weib­li­che Eizel­le befruch­tet“. Die „Intui­ti­on“ sei aber „unsi­che­rer und offen für Geheim­nis­se“. Sie zöge­re, zu sagen, „daß die­se neue Rea­li­tät bereits eine Per­son ist. Ist das der Fall, nach­dem sich die befruch­te­te Eizel­le im Mut­ter­leib ein­ge­ni­stet hat? Ist das im drit­ten Monat der Schwan­ger­schaft der Fall, wenn die ver­schie­de­nen Tei­le des Kör­pers bereits kon­fi­gu­riert sind?“

Bei­de Fra­gen beant­wor­tet Bet­t­az­zi mit Nein. Viel über­zeu­gen­der sei die Behaup­tung, so der Bischof, „eines moder­nen Wis­sen­schaft­lers“, des­sen Namen er wohl­weis­lich nicht nennt, daß „der Mensch erst dann zu einem auto­no­men Indi­vi­du­um, zu einer Per­son wird, wenn er noch im Mut­ter­leib fähig ist, als Mensch zu leben und selb­stän­dig zu atmen: also nicht vor dem vierten/​fünften Monat, wie Johan­nes der Täu­fer, der im sech­sten Monat auf den Gruß Mari­as hin in Eli­sa­beths Schoß sprang“.

Wie prak­tisch, daß Bet­t­az­zis will­kür­li­ches Fischen im Trü­ben zu einem Ergeb­nis führt, das mit der gel­ten­den Abtrei­bungs­ge­setz­ge­bung in den mei­sten west­li­chen Staa­ten übereinstimmt.

Pia­na, einst Vor­sit­zen­der der 1966 gegrün­de­ten Ita­lie­ni­schen Ver­ei­ni­gung der Moral­theo­lo­gen (ATISM), springt auf Bet­t­az­zis Zug auf und betont „das beson­de­re Gefühl der Frau“, das „von einer ein­zig­ar­ti­gen exi­sten­zi­el­len Ver­strickung“ geprägt ist, um „den mensch­li­chen Pro­zeß, in dem man zur Per­son wird“, zu erken­nen, der „in kei­ner Wei­se in vor­de­fi­nier­te Sche­ma­ta ein­ge­schlos­sen ist“ und „sich als immer­wäh­rend offen darstellt“.

Der Prie­ster und Moral­theo­lo­ge Gian­ni­no Pia­na war Vor­sit­zen­der der Ita­lie­ni­schen Ver­ei­ni­gung der Moraltheologen

Der Zeit­punkt, wann das Etwas, die „neue Rea­li­tät“, zu einer Per­son wird, sei „immer­wäh­rend offen“. Hört, hört. Da wird von einem katho­li­schen Bischof und einem Prie­ster eine moral­theo­lo­gi­sche Atom­bom­be mit ihrem gan­zen Ver­nich­tungs­po­ten­ti­al gezündet.

Da hilft auch nicht Pia­nas Erklä­rung, daß „der Zeit­punkt des Beginns des per­sön­li­chen Lebens vor den Akt der Befruch­tung zu ver­le­gen ist“, da er im glei­chen Atem­zug anfügt, daß „man im stren­gen Sin­ne nicht von Abtrei­bung spre­chen kann, wenn man nicht einen beträcht­li­chen Abstand zu die­sem Ereig­nis hat“, und dar­aus fol­gert – und dar­um geht es Bet­t­az­zi und Pia­na in der Sache –, daß „die Unter­drückung von Leben in den ersten Mona­ten der Schwan­ger­schaft, wie schwer­wie­gend sie auch sein mag, nicht als Tötung ein­ge­stuft wer­den kann“.

Und Rom? Schweigt

Und Rom reagiert, wie man es unter Papst Fran­zis­kus schon von ande­ren Fron­ten gewohnt ist, an denen dem Zeit­geist zu wider­spre­chen wäre: durch Schweigen.

Hat sich Fran­zis­kus aber nicht mehr­fach mit sehr dra­sti­schen Wor­ten gegen die Tötung unge­bo­re­ner Kin­der aus­ge­spro­chen und damit die kirch­li­che Leh­re gegen die Tötungs­or­gie bekräftigt?

Ja, das hat er. Kon­se­quen­zen dar­aus mei­det er jedoch, denn das wäre ein „Kul­tur­kampf“, und der scheint in sei­nen Augen beson­ders ver­werf­lich. Das lie­ße sich aber auch anders deu­ten. Bet­t­az­zis und Pia­nas The­se ist aus der Sicht ihrer Autoren jeden­falls pro­blem­los mit der Abtrei­bungs­ver­ur­tei­lung durch Fran­zis­kus ver­ein­bar: Von einem Kind, sprich einer Per­son, kön­ne erst gespro­chen wer­den, sobald der Odem ein­ge­haucht ist; daher kön­ne vor­her auch nicht von einer Abtrei­bung gespro­chen werden. 

Durch Aus­blen­den und Zurecht­bie­gen scheint, zumin­dest dia­lek­tisch, die Qua­dra­tur des Krei­ses also doch geglückt? Ja, auf einem Lei­chen­berg, aber dafür mit dem Vor­teil, einen Kul­tur­kampf ver­mie­den zu haben. 

Bei­de, der Bischof und der Moral­theo­lo­ge, wür­den umso ent­schie­de­ner beteu­ern, daß aber dann, ab dem „vierten/​fünften“ Schwan­ger­schafts­mo­nat von einem Kind, einer Per­son zu spre­chen sei, des­sen Tötung die Ver­nich­tung eines Men­schen­le­bens ist, die natür­lich abzu­leh­nen ist – zumin­dest solan­ge, bis „Intui­ti­on“ und „Gefühl“ (im Klar­text die Abtrei­bungs­lob­by), ande­re Trenn­li­ni­en zieht, wie dies bereits in den links­re­gier­ten Staa­ten New York (seit 2019) und Kali­for­ni­en (2022) der Fall ist, wo unge­bo­re­ne Kin­der bis zum Zeit­punkt der Geburt getö­tet wer­den kön­nen. Auch deut­sche Medi­en prä­sen­tier­ten die grau­sam­ste nur mög­li­che Abtrei­bungs­ge­setz­ge­bung als „siche­ren Hafen für Frau­en“ und „Ort der Zuflucht“. Daß sie dies mit Anfüh­rungs­zei­chen taten, unter­streicht besten­falls die Schein­hei­lig­keit der Mei­nungs­kon­trol­le des men­schen­feind­li­chen neo­mal­thu­sia­nisch-mar­xi­sti­schen Kartells.

Eini­ge Kir­chen­ver­tre­ter haben längst die Sei­ten gewech­selt. Das ist eine Tat­sa­che, der in die Augen gese­hen und die aus­ge­spro­chen wer­den muß.

Papst Fran­zis­kus hüllt sich in Schwei­gen, als wür­de er nicht wis­sen, was der ehe­ma­li­ge Vor­sit­zen­de der ita­lie­ni­schen Ver­ei­ni­gung der Moral­theo­lo­gen und der letz­te noch leben­de Kon­zils­va­ter von sich geben, den er schon per­sön­lich in Audi­enz emp­fan­gen hat, und die sich bei­de als „Ber­go­glia­ner“ verstehen.

Und ein letz­tes: Das häß­li­che Bild, das Lui­gi Bet­t­az­zi als letz­ter noch leben­der Kon­zils­va­ter des Westens abgibt, scheint mit Sym­bol­kraft auch bezeich­nend für das Zwei­te Vati­ka­ni­sche Kon­zil.

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Youtube/​Rocca (Screen­shots)

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11 Kommentare

  1. Ein Mensch in dem Alter muß nicht mehr unbe­dingt im Voll­be­sitz sei­ner gei­sti­gen Kräf­te sein. Man soll­te die Wor­te die­ses Grei­ses dehalb nicht so hoch hängen.

  2. Die Moder­ne irr­te furcht­bar. Mit ihr das Kon­zil damals.
    Damals. Und mit Fran­zis­kus künst­lich und schäd­lich ver­län­gert ins Heute.

    • Das letz­te Kon­kla­ve hat Pila­tus zum Nach­fol­ger Petris gekürt. Er äußert sich gegen Abtrei­bung gleich­zei­tig ver­brei­tet er die Häre­sie dass alle Men­schen geret­tet wer­den durch den schmerz­li­chen Kreu­zes­tod Chri­sti und die Auf­er­ste­hung. Wie die Legio­nä­re unter dem Kreuz ver­teilt er die Besitz­tü­mer Chri­sti, ver­scha­chert sie und zer­trennt das unteil­ba­re Gewand unse­res Erlösers.
      An die­ser Stel­le endet die Gehor­sams­pflicht gegen­über Ber­go­glio, der nicht nur die Basi­li­ka und das Grab St. Peters ent­weih­te. Dem Stuhl Petri gilt wei­ter mei­ne Treue. Doch nicht einem Mann der Häre­si­en und Irr­leh­ren ver­brei­tet und deckt und zwar solan­ge nicht bis er wider­ruft und zur Leh­re der Kir­che zurück­kehrt oder der Herr uns einen neu­en Vikar schenkt.

  3. Bei Lui­gi Bett­taz­zi, der mit 99 Jah­ren sol­chen abscheu­li­chen Unsinn betreff Abtrei­bung eines Kin­des raus­schwätzt, soll­te man sich erin­nern an den knap­pen, objek­ti­ven und auf Erfah­rung basie­ren­den gut­acht­li­chen Kom­men­tar des psych­ia­tri­schen Gut­ach­ters W. Deber­dt 2002 in dem Pro­zeß „Anne­ke“ vs. „Broe­der van Lief­de“ Emi­le Ceu­s­ter­mans (ali­as „Broe­der P***s“) in Gent in Bel­gi­en (Fall Anneke):
    „Es ist unwahr­schein­lich, daß er erst in höhe­rem Alter damit anfängt“.
    Es ist lei­der davon aus­zu­ge­hen, daß Bet­t­az­zi schon seit über 60 Jah­ren die­ser zutiefst unchrist­li­chen und unmensch­li­cher Auf­fas­sung anhängt.
    Das 2. Vat. Kon­zil ist offen­bar sehr schnell inhalt­lich ent­gleist und auf dia­bo­li­sche Bahn geraten.

  4. 1968 ff. publi­zier­te Blech­schmidt sei­ne bahn­bre­chen­den Arbeiten.
    1972 ff. publi­zier­te Klaus V. Hin­rich­sen sei­ne äußerst genaue und kennt­nis­rei­chen Arbei­ten über die Embryo- und Orga­no­ge­ne­se, und nahm gera­de in bezug auf die Pro­ble­ma­tik des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs fun­diert Stellung:
    Im Gegen­satz zum Lebens­en­de, wo das Versagen/​Aussetzen der ver­schie­de­nen Orga­ne eng zeit­lich mit­ein­an­der ver­knüpft ist und sich recht gut abgren­zen läßt, ist beim Lebens­an­fang die Organ­bil­dung und ‑funk­ti­on zeit­lich gestreut und ent­wickelt sich progressiv.
    Es läßt sich organ­tech­nisch kein besonderer/​solitärer Zeit­punkt fest­stel­len: nicht 4, 6, 8, 12, 16 usw. Wochen…
    Im Herbst 1976 dozier­te der berühm­te Ana­tom und Embryo­lo­ge Juli­en Faut­rez (übri­gens Frei­mau­rer) in Gent (B), daß „egal wel­ches Datum die Befür­wör­ter des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs vor­schla­gen, es kei­ne Zwei­fel gibt: das mensch­li­che Leben fängt mit der Ver­schmel­zung der väter­li­chen Samen­zel­le mit der müt­ter­li­chen Eizel­le an. Punkt“.
    Die beste Über­sicht in „Human­em­bryo­lo­gie“ von Klaus W. Hin­rich­sen (Sprin­ger 1990).
    Bet­t­az­zi und die Kata­kom­ben­mo­der­ni­sten des 2. Vati­ka­ni­schen Kon­zils haben tat­säch­lich die Embryo­lo­gie der letz­ten 50 Jah­ren total ver­paßt; sie haben sie nicht wahr­ge­nom­men, negiert und trot­ten auf ihren alten Irr­we­gen weiter.
    Das ist „debil“ – und das ist nun wirk­lich kei­ne Eigen­schaft des Hl. Geistes

  5. Wer glaubt an den all­mäch­ti­gen Schöp­fer, Der alles in sechs Tagen – ja Tagen und nicht irgend­wel­chen Jahr­mil­lio­nen­ta­gen – erschaf­fen hat und stän­dig erhält, Den wir erfah­ren können?
    Selbst die Glau­ben­wol­len­den zim­mern sich, weil nun­mal alles, was ist, ohne Intel­li­genz nicht gewor­den sein kann – ein Intel­li­gent Design. Die­se glau­ben an einen Gott der Jahr­mil­lio­nen mit unzäh­li­gen toten Tie­ren, bis end­lich den Mensch evo­lu­tio­nier­te. Kann so ein Gott die Lie­be sein?
    Wer glaubt an die Evo­lu­ti­ons­theo­rie? Fast alle, obwohl sie nicht erfahr­bar ist. Das Nar­ra­tiv ist vom Herr­scher die­ser Welt gemacht und über­all zu fin­den, in den Schul­bü­chern, in den Muse­en, in den Köp­fen der Leh­rer und vie­ler Prie­ster. Wir klein­gei­sti­gen Men­schen brau­chen die Jahr­mil­lio­nen, denn wir wol­len die Schöp­fung als Auto­ma­tis­mus ohne einen Gott erklären.
    Wenn also Gott Jahr­mil­lio­nen tote Tie­re gewollt hat, defi­nie­ren wir den Men­schen flugs nur als Per­son und schon kann Gott ja nichts dage­gen haben, wenn wir die­se noch sich zu Per­so­nen ent­wickeln­den Men­schen, die ganz klei­nen im Mut­ter­schoß und die nicht mehr per­son­sei­en­den Alten oder Kran­ken in Hei­men mit Huma­ni­tät töten.

  6. Immer schön die katho­li­sche Leh­re zer­trüm­mern. Stück für Stück.
    Was 2.000 Jah­re gül­tig war, ist heu­te falsch- und mor­gen wie­der rich­tig. Es lebe die Dialektik.
    Die gute Nach­richt: in 10 Jah­ren ist die RKK am Ende. Dann ver­siegt auch der Geld­fluss aus der Kir­chen­steu­er. Ohne Geld und ohne Macht sind die­se Herr­schaf­ten dann schnel­ler weg als man schau­en kann.
    1/​3 der Gläu­bi­gen wird aus der Kir­che aus­tre­ten und den Glau­ben auf­ge­ben, 1/​3 wird den Glau­ben auf­ge­ben und den Grü­nen bei­tre­ten und das letz­te Drit­tel der Gläu­bi­gen wird dia­lek­tisch wei­ter sek­tie­ren, bei der RKK oder ande­ren schis­ma­ti­schen Gruppen.
    Wer jetzt noch nicht gemerkt hat, wo der Zug hin­fährt, dem ist nicht mehr zu helfen.

  7. Wenn man das Lebens­recht der „Mei­nung“ und dem „Gefühl“ der Leu­te – auch wenn sie offen­sicht­lich kurz vor der Demenz sind – anheim­stellt, dann gute Nacht. Es geht um Leben und Tod von leben­di­gen Men­schen! Hier müs­sen kla­re Rechts­grund­la­gen geschaf­fen wer­den. Der Mensch beginnt medizinisch/​biologisch/​naturwissenschaftlich – und nur das gilt abso­lut sicher (auch am Lebens­en­de und im Koma ist er Mensch) mit der Befruch­tung. Dann ist min­de­sten 1 Per­son vor­han­den in dem klei­nen Gewe­be, das sich evtl. weni­ge Stun­den spä­ter noch in Zwil­lin­ge tei­len kann. Immer ist es jedoch min­de­stens 1 Per­son, die ent­hal­ten ist. Immer ist die­ses Gewe­be leben­dig und hoch­or­ga­ni­siert, nie­mals nur ein „Zell­hau­fen“ . Ein Hau­fen hat kei­ne Orga­ni­sa­ti­on! Sol­che „Theo­lo­gen“ sind zeit­gei­stori­en­tier­te und gehirn­ge­wa­sche­ne Schreib­tisch­tä­ter. Gott wird sie für ihre Ver­ge­hen rich­ten, da bin ich mir sicher.

  8. Es ist ein Armuts­zeug­nis, die Wis­sen­schaft für das Leben her­an­zu­zie­hen. Die ver­su­chen in ihren Labors das mensch­li­che Leben zu begrei­fen. Was haben sie dabei ange­stellt? Wie haben sie ein­ge­grif­fen? Was ist mit den Embryo­nen gewor­den, die Objekt der Beob­ach­tung waren? 

    Got­tes Geist schweb­te über den Was­sern. Nicht das Leben aus sich selbst, son­dern aus Got­tes Geist.

  9. Wie in jeder Ideo­lo­gie ver­las­sen die „Abtrei­ber“ das Fun­da­ment, das sich in einer Fra­ge dar­stel­len läßt: „War­um gibt es zwei Geschlech­ter?“ Die Ant­wort ist ein­deu­tig die Fest­stel­lung, wegen der Fortpflanzung.
    So ver­hal­ten sich alle Lebe­we­sen nach der Anwei­sung des Schöp­fers: „Wach­set und meh­ret euch und erfüllt die Erde.“ Dem wider­sprach um 1820 Tho­mas R. Mal­thus mit sei­ner Behaup­tung, die Erde kön­ne die wach­sen­de Mensch­heit nicht ernäh­ren. Dar­auf beruht der all­ge­mei­ne Glau­be vom einer Über­be­völ­ke­rung, die natür­lich redu­ziert wer­den soll­te. Die Geor­gia Gui­de Stones leg­ten dafür Zeug­nis ab. Aber nach­dem die­ses The­ma ins Gere­de kam, erlitt das omi­nö­se Mal einen Scha­den, damit man einen Grund hat­te, es zu entfernen.

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