Die innerkirchlichen Säuberungen gehen weiter

Weiterer argentinischer Bischof „barmherzig“ aus dem Amt entfernt

Sims und Türme der Kathedrale von San Luis in Argentinien. Stadt (1594), Provinz (1820) und Bistum (1934) sind nach dem heiligen König Ludwig IX. von Frankreich benannt.

(Rom/Buenos Aires) Am 9. Juni nahm Papst Fran­zis­kus den Rück­tritt von Msgr. Pedro Dani­el Mar­tí­nez Perea als Bischof von San Luis in Argen­ti­ni­en an. In der Sprach­re­ge­lung des Vati­kans ist von „Rück­tritt“ die Rede. Da Bischof Mar­tí­nez Perea erst 64 Jah­re alt ist, ist zutref­fen­der davon zu spre­chen, daß er von Fran­zis­kus zurück­ge­tre­ten wur­de.

Der 1956 in der Stadt Men­do­za gebo­re­ne Msgr. Mar­tí­nez Perea wur­de 1981 für sein Hei­mat­bis­tum zum Prie­ster geweiht. 1986 wech­sel­te er in das Nach­bar­bis­tum San Rafa­el, in das er inkar­di­niert wur­de. San Rafa­el ent­stand 1961 durch Auf­tei­lung des Bis­tums Men­do­za. Bischof von San Rafa­el war seit 1973 der ukrai­nisch­stäm­mi­ge Msgr. León Kruk, der das diö­ze­sa­ne Prie­ster­se­mi­nar grün­de­te und die natio­na­le Iden­ti­tät und den christ­li­chen Glau­ben als untrenn­ba­re Ein­heit sah. In den unru­hi­gen Jah­ren des Über­gangs von der Mili­tär­dik­ta­tur zur Demo­kra­tie war Bischof Kruk eine Anlauf­stel­le für kir­chen­treue Prie­ster, die sich den sub­ver­si­ven Umtrie­ben der Anhän­ger der mar­xi­sti­schen Befrei­ungs­theo­lo­gie wider­setz­ten. Bischof Kruk kam 1991 bei einem Ver­kehrs­un­fall ums Leben.

Der Sonderfall San Luis

2009 ernann­te Papst Bene­dikt XVI. Don Pedro Mar­tí­nez Perea zum Bischof­ko­ad­ju­tor mit Nach­fol­ge­recht für Bischof Jor­ge Luis Lona von San Luis. Der Vor­gän­ger von Bischof Lona war der Kapu­zi­ner Juan Rodol­fo Lai­se (1971–2001), der hoch­be­tagt im Juli 2019 in San Gio­van­ni Roton­do in Süd­ita­li­en ver­stor­ben ist. Das beson­de­re Anlie­gen von Bischof Lai­se, einem Kir­chen­recht­ler, war die För­de­rung des ehr­fürch­ti­gen Ver­ständ­nis­ses der hei­li­gen Eucha­ri­stie, wes­halb er bestimm­ten nach­kon­zi­lia­ren Para­dig­men­wech­seln kei­ne Fol­ge lei­ste­te. Bei der Kom­mu­ni­ons­pen­dung stell­te er sich offen gegen sie. Sowohl in sei­nem Han­deln als Bischof als auch in sei­nem pasto­ra­len und publi­zi­sti­schen Wir­ken setz­te er sich zeit­le­bens für die knien­de Mund­kom­mu­ni­on ein. Den Lebens­abend ver­brach­te er auf eige­nen Wunsch als Beicht­va­ter am Ort des lang­jäh­ri­gen Wir­kens sei­nes hei­li­gen Ordens­mit­bru­ders Pater Pio von Piet­rel­ci­na. Der Bischof, der nur im über­lie­fer­ten Ritus zele­brier­te, konn­te das in San Gio­van­ni Roton­do nur in pri­va­ter Form tun, da ihm die Ordens­obe­ren die öffent­li­che Zele­bra­ti­on unter­sag­ten. Bis kurz vor sei­nem Tod mel­de­te er sich zur Ver­tei­di­gung des über­lie­fer­ten Ritus und gegen Bestre­bun­gen der Inter­kom­mu­ni­on zu Wort.

Bischof Martínez Perea
Bischof Mar­tí­nez Perea

Als Papst Bene­dikt XVI. 2009 einen Nach­fol­ger such­te, der im Bis­tum San Luis das Erbe von Bischof Lai­se und dem erkrank­ten Bischof Lona fort­set­zen wür­de, fand er ihn in Don Mar­tí­nez Perea. Als Bischof Lona 2011 mit Voll­endung des 75. Lebens­jah­res eme­ri­tiert wur­de, trat Mar­tí­nez Perea sei­ne Nach­fol­ge an.

Das Dekret von 2019

Am 29. Okto­ber 2019 erließ der Bischof ein Dekret, von dem Beob­ach­ter in Argen­ti­ni­en als auch in Rom über­zeugt sind, daß es der Aus­lö­ser für die nun erfolg­te Eme­ri­tie­rung ist.

Bischof Mar­tí­nez Perea unter­sag­te mit dem Dekret den Ein­satz von weib­li­chen Mini­stran­ten. Wört­lich leg­te er dar­in fest:

„(…) in der Diö­ze­se von San Luis den lit­ur­gi­schen Brauch bei­zu­be­hal­ten, nur männ­li­che Mini­stran­ten für den Altar­dienst zu akzep­tie­ren.“

Zugleich bestimm­te der Bischof, daß jede gegen­tei­li­ge Pra­xis zu unter­blei­ben hat­te und wie­der auf­zu­ge­ben war, wo sie bereits Ein­zug gehal­ten hat­te.

Dekret vom 29. Oktober 2019
Dekret vom 29. Okto­ber 2019

Der Bischof ver­wies auf sei­ne im Kir­chen­recht ver­an­ker­te Juris­dik­ti­on im Bereich der Lit­ur­gie und die ent­spre­chen­de Aus­le­gung durch die Päpst­li­che Kom­mis­si­on für die Inter­pre­ta­ti­on der Geset­zes­tex­te, auf die ein­schlä­gi­gen Rund­schrei­ben und Instruk­tio­nen der römi­schen Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on von 1994 und 2004 sowie auf die Ent­schei­dun­gen sei­ner Amts­vor­gän­ger Lai­se und Lona, die sich „aus­drück­lich“ für aus­schließ­lich männ­li­che Meß­die­ner aus­ge­spro­chen hat­ten. 1994 hat­te die römi­sche Got­tes­dienst­kon­gre­ga­ti­on den Orts­bi­schö­fen die Mög­lich­keit ein­ge­räumt, bei Not­wen­dig­keit auch Mini­stran­tin­nen ein­zu­set­zen. Es gibt kei­ne gene­rel­le Geneh­mi­gung, son­dern eine Not­fall­re­ge­lung. In der Nach­kon­zils­ära wur­den sol­che Son­der­re­ge­lun­gen in man­chen Län­dern jedoch zur „Regel“ gemacht, weil der Antrieb kei­ne „Not­la­ge“, son­dern eine ande­re Theo­lo­gie ist.
Bischof Mar­tí­nez Perea ver­wies im Zusam­men­hang mit sei­nem Dekret aus­drück­lich dar­auf, in sei­ner Diö­ze­se kei­nen Bedarf für die­se Aus­nah­me zu haben.

Die Situa­ti­on im Bis­tum San Luis stell­te sich im Herbst 2019 wie folgt dar:

  • In der Diö­ze­se ist nur die über­lie­fer­te Form des Kom­mu­nion­emp­fangs, die Mund­kom­mu­ni­on, erlaubt.
  • Zum Altar­dienst sind nur männ­li­che Meß­die­ner zuge­las­sen.
  • Im Gegen­satz zu den Emp­feh­lun­gen der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz zum umstrit­te­nen nach­syn­oda­len Schrei­ben Amo­ris lae­ti­tia von 2017 sind wie­der­ver­hei­ra­te­te Geschie­de­ne nicht zu den Sakra­men­ten zu gelas­sen.
  • Kon­ser­va­ti­ve und tra­di­ti­ons­ver­bun­de­ne Gemein­schaf­ten und Orden fan­den will­kom­me­ne Auf­nah­me im Bis­tum und kön­nen unge­stört ihr Apo­sto­lat ent­fal­ten.

Es gibt welt­weit nur weni­ge Bis­tü­mer die­ser Art. Und das scheint eini­ge in der Argen­ti­ni­schen Bischofs­kon­fe­renz und im Vati­kan gestört zu haben.

Die Gegenreaktion

Die Gegen­re­ak­ti­on ließ nicht lan­ge auf sich war­ten. 37 Tage nach dem Dekret, am 5. Dezem­ber 2019, muß­te Bischof Mar­tí­nez Perea den Prie­stern, Ordens­leu­ten und Gläu­bi­gen sei­nes Bis­tums mit­tei­len, daß Papst Fran­zis­kus „eine Apo­sto­li­sche Visi­ta­ti­on des Bis­tums San Luis“ ange­ord­net hat­te.

Zum Apo­sto­li­schen Visi­ta­tor ernann­te Fran­zis­kus Msgr. Mil­ton Luis Troc­col­li Cebe­dio, den er fünf Mona­te zuvor zum Bischof von Mal­do­na­do-Pun­ta del Este in Uru­gu­ay beru­fen hat­te. Er visi­tier­te das argen­ti­ni­sche Bis­tum vom 10.–13. Dezem­ber.

Katholisches.info schrieb am 9. Dezem­ber 2019:

„Das Schrei­ben von Bischof Mar­tí­nez nennt kei­ne Grün­de für die Visi­ta­ti­on. Sol­che wur­den ihm auch nicht mit­ge­teilt. Ein ver­gleich­ba­res Vor­ge­hen unter Papst Fran­zis­kus bedeu­te­te in eini­gen ande­ren Bis­tü­mern, daß auf den Visi­ta­tor der Kom­mis­sar folg­te. Die zeit­li­che Abfol­ge der Ereig­nis­se läßt wenig Spiel­raum für ande­re Inter­pre­ta­tio­nen. Obwohl Bischof Mar­tí­nez nur bekräf­tig­te, was die Kir­che lehrt, wird ihm weni­ge Tage spä­ter der Visi­ta­tor geschickt. Ein ein­deu­ti­ges Signal, daß sein Han­deln von Rom offen­sicht­lich nicht gewünscht ist.“

Vor drei Tagen wur­de Bischof Mar­tí­nez Perea von Papst Fran­zis­kus eme­ri­tiert. Laut offi­zi­el­ler vati­ka­ni­scher Ver­laut­ba­rung habe der Papst nur dem Wunsch des Bischofs um Ent­bin­dung vom Amt ent­spro­chen. Dabei han­delt es sich aber nur um eine Flos­kel, wie Msgr. Mar­tí­nez selbst zu ver­ste­hen gab. In einer Stel­lung­nah­me auf Face­book schrieb er, daß ein Bischof dem Papst mit der Ernen­nung einen Blan­ko­scheck unter­schreibt, in den das Kir­chen­ober­haupt das Datum ein­tra­gen kann, wie lan­ge die Ernen­nung gilt. Auf sehr zurück­hal­ten­de Wei­se sag­te er damit, daß ihm von Fran­zis­kus das Man­dat ent­zo­gen wur­de.

Zum Nach­fol­ger ernann­te Fran­zis­kus den Ber­go­glia­ner Msgr. Gabri­el Ber­nar­do Bar­ba, der dem päpst­li­chen Ver­trau­ten und Ghost­wri­ter Vic­tor Manu­el Fernán­dez, Erz­bi­schof von La Pla­ta, nahe­steht. Msgr. Fernán­dez ist jener Erz­bi­schof, der weni­ge Mona­te nach sei­ner Amts­ein­füh­rung das Motu pro­prio Summorum Pon­ti­fi­cum in sei­nem Erz­bis­tum eli­mi­nier­te. Bischof Bar­ba, 1989 für sein Hei­mat­bis­tum Morón zum Prie­ster geweiht, war Vize-Direk­tor der dor­ti­gen Cari­tas und für die Aus­bil­dung von Stän­di­gen Dia­ko­nen zustän­dig. Im Dezem­ber 2013 ernann­te ihn Papst Fran­zis­kus zum Bischof von Gre­go­rio de Laf­er­rè­re und nun zum Bischof von San Luis. Am Fron­leich­nams­fest 2017 hielt Msgr. Bar­ba in sei­ner Pre­digt ein Plä­doy­er gegen die Mund­kom­mu­ni­on und für die Hand­kom­mu­ni­on. Wört­lich sag­te er:

„Die Geste der Hand­kom­mu­ni­on scheint mir eine viel bedeu­tungs­vol­le­re und rei­fe­re Geste zu sein als die Mund­kom­mu­ni­on.“

Bischof Mar­tí­nez gab sei­nem Nach­fol­ger in der erwähn­ten Stel­lung­nah­me auf Face­book den­noch einen Rat mit auf den Weg: die Tra­di­tio­nen des Bis­tums San Luis zu respek­tie­ren. Er klei­de­te sein Anlie­gen in die Spra­che der kirch­li­chen Hier­ar­chie, wes­halb es zumin­dest von Msgr. Bar­ba sicher ver­stan­den wur­de. Ob die­ser ihn beher­zi­gen wird, ist aller­dings eine ande­re Fra­ge. Bischof Mar­tí­nez Perea schrieb wört­lich: „Er wird die Tra­di­tio­nen respek­tie­ren, obwohl er anders geformt ist als ich“.

Die Säu­be­rung des argen­ti­ni­schen Epi­sko­pats, in dem es nur mehr weni­ge Nicht-Ber­go­glia­ner gibt, geht wei­ter. Man kann es dar­an able­sen, wie vie­le der Bischö­fe, die Msgr. Mar­tí­nez Perea zum Bischof weih­ten, noch im Amt sind. Und die Säu­be­rung betrifft nicht nur Argen­ti­ni­en.

Bischof Barba mit Papst Franziskus
Bischof Gabri­el Ber­nar­do Bar­ba mit Papst Fran­zis­kus

Text: Giu­sep­pe Nar­di
Bild: Wikicommons/Diocesis San Luis/Vatican.va (Screen­shot)

2 Kommentare

  1. Wenn es stimmt, dass bei Bischofs­er­nen­nun­gen eine Art Blan­ko­scheck aus­ge­stellt wer­den muss, in den der Papst nach­träg­lich jeder­zeit nach Belie­ben ein­tra­gen kann, wie lan­ge die Ernen­nung gilt, dann ist das star­ker Tobak.
    Und zu @Sancta: Viel­leicht soll­ten Päp­ste vom Kon­kla­ve nur noch auf Zeit — sagen wir auf fünf Jah­re — gewählt wer­den. Natür­lich mit der Mög­lich­keit einer (auch mehr­ma­li­gen) Ver­län­ge­rung ihrer Amts­zeit durch ein neu­er­li­ches Kon­kla­ve. Eine Mög­lich­keit, den amtie­ren­den Papst zum frei­wil­li­gen Rück­tritt zu bewe­gen, gibt es m.W. lei­der nicht.

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